29. September 2017
Von der Idee bis KU172 Sitze 26 A-F:
„Müssen wir wirklich für die eine Nacht die Rucksäcke auspacken?“, fragen die Kinder in Iguazu/Argentinien. Wir denken nach! Die Idee einer langen Reise entstand.
Das war im August 2014.
Jetzt sitzen wir im Flieger KU172 auf dem Weg von Frankfurt nach Colombo/Sri Lanka, dem Startpunkt unserer Reise für die nächsten 6 Monate.

Zu Hause haben wir für die Planung eine Weltkarte ins Eßzimmer gehängt und kleine Karteikärtchen besorgt, auf die jeder seine Wünsche oder Ideen für Reiseziele aufgeschrieben hat. Bela wollte wahnsinnig gerne nach Polen, Levi nach Japan und Joshua nach Neuseeland. Ich wollte nach Panama, Mike hat gesagt, er geht mit uns überall hin. Azul aus Argentinien (wir haben sie als „Tochter“ nach einem Gastschulaufenthalt behalten) kommt mit und freut sich auf alle Ziele.
So entstand nach und nach eine schöne Reiseroute, leider ohne Polen. Da fahren wir mal am Wochenende hin. Wir hatten zu Beginn die Idee, die Reise mit der transsibirischen Eisenbahn zu starten. Allerdings wollte niemand von uns im Oktober bei Eis, Schnee und Dunkelheit ab 15:30 Uhr durch Sibirien fahren. Verschoben auf Sommer. Die Idee 6 Monate mit dem Auto durch Südamerika zu fahren haben wir ziemlich schnell aufgegeben. Es wäre einfach unbezahlbar gewesen, egal für welche Variante (mieten, kaufen oder eigenes Auto mitnehmen) wir uns entschieden hätten. Man mag es kaum glauben, aber ein Trip einmal rundherum mit dem Flugzeug ist wesentlich günstiger.
Dann kamen Informationen und Geld sammeln dazu. Wir haben gearbeitet, extra Dienste geschoben, mehr Patienten angenommen, als der Freizeitgestaltung und dem Familienleben gut tat, uns zu Geburtstagen und Weihnachten Zuschüsse gewünscht und sparsam gelebt in der Vorbereitungszeit. Zum Schluß noch unseren geliebten VW Bus verkauft und die Kinder arbeiten geschickt. Wir haben verglichen und gerechnet, Round the World ticket vs. One Way Flüge, auch da kamen wir wieder schnell zu einem eindeutigem Ergebnis, One Way Flüge sind erheblich günstiger als das RTW Ticket. Der Flug nach Sri Lanka beispielsweise kostete 210 Euro pro Person, das ist nicht so teuer. Außerdem fühlen wir uns flexibler und können auch mal umplanen (was dann leider auch notwendig wurde). Lediglich bei der Einreise in manche Länder muss man ein Aus- oder Weiterreiseticket nachweisen. Aber das sollte kein Problem werden. Wir wurden bereits in Frankfurt das erste Mal gefragt, wir konnten unsere Weiterflüge auf die Malediven vorzeigen.
Wir hatten die Idee, etwas pädagogisch sinnvolles einzubauen und haben Referate verteilt. Jeder hat sich ein Land ausgesucht, ein Referat vorbereitet (oder so getan) und es, außer Bela, dem Helden, nie vorgetragen. Belas Referat handelte von den Malediven und war nach spannenden 3 Minuten schon wieder vorbei. Er hat herausgefunden, dass sich auf unserer Insel auch das Gefängnis befindet. Da es eine Einheimischen Insel ist, dürfen Azul und ich nicht im Bikini an jeden Strand. Über diese Info war ich zutiefst dankbar, obwohl wir es ja bis zum Knast nicht weit gehabt hätten 😉 Also tragen wir ein Kleidchen und werden keinen Sonnenbrand haben.
Den Start der Reise haben wir bewusst auf den 29.9.2017 gelegt, damit ich am 1.10. an meinem 45. Geburtstag nicht im Flugzeug sitze, sondern mit der ganzen Mischpoke im Guesthouse Garten ein nettes BBQ haben kann. Und: in Thüringen gibt es Herbstferien, zur Freude aller werden wir die ersten 14 Tage von meinem Bruder, seiner Frau und ihren drei Kindern begleitet. Von ihnen kommt auch die Idee, nach Sri Lanka zu reisen. Das hat bei uns auf keinem der Karten gestanden. Wir werden eine Rundreise machen und ein paar Tage an den Strand, das folgt alles später, genauer und mit Bildern.
Die Hindernisse, wie z.B. Schule (war gar kein Problem) und Arbeitgeber (das schon eher…jedenfalls phasenweise) haben wir erfolgreich beseitigt. Die Reaktionen auf unser Projekt waren unterschiedlich, meist positiv und bewundernd („ihr habt ja Mut“, „das würde ich mich nicht trauen“, „was macht ihr mit den Kindern?“) und nur selten negativ („naja, wenn man es kann, ich könnte es nicht“, „Ihr müsst ja Geld haben“ usw… meist ging es ums Geld, dabei ist so eine Reise günstiger als man denkt, wenn man so reist wie die meisten Weltreisenden) Unsere Eltern waren jetzt nicht unbedingt begeistert, konnten es aber verstehen, haben uns unterstützt und wünschten uns vorhin alles Gute. Wir sind nun in den Trip unseres Lebens gestartet und haben das Haus voll mit Scratch Maps, weil viele unserer Freunde fanden, es sei eine tolle Idee für nach der Reise. Wenn wir zurück kommen, können wir in jedem Zimmer zwei davon aufhängen und haben sogar noch eine für Polen übrig 😉 Die Suche nach Zwischenmietern gestaltete sich etwas schwierig, niemand brauchte unser Haus so richtig. Bis wir dann auf einer Familienfeier in der Verwandtschaft fündig geworden sind. Für uns gut, denn wir wissen das Haus in guten Händen und brauchten nicht alles leer räumen.
Ein kurzer Überblick vorab:
Sri Lanka (Rundreise und baden)
Malediven (erholen von Sri Lanka, tauchen und Eier schaukeln)
Japan (ein grober Einblick mit Tokyo, badenden Affen, Kyoto und Hiroshima)
Vietnam (Hanoi, Halongbucht mit Schiff, Wasserfälle an der chin.Grenze und Mikes 50.Geburtstag)
Neuseeland (zu fünft im Wohnmobil – Jupheidi)
Argentinien (heilig Abend in Buenos Aires)
Patagonien, ab da der Nase nach, immer mit Rückenwind
Gewünscht ist: Chile, Ecuador, Bolivien, Panama, mal schauen, wo wir hängen bleiben, eine Farm und Pferde kaufen und ein Hostel eröffnen
Nachdem uns die weiße Flotte (vielen Dank nochmal liebe Kerstin, Dori, Amani und Bibiana) aus Bad Wildungen nach Frankfurt an den Flughafen gebracht und uns tränenreich verabschiedet hat, sitzen wir jetzt im Kuwait Airways Flug KU172 von Frankfurt nach Colombo über Kuwait. Dort haben wir 4 Stunden Aufenthalt. Der Flughafen ist nicht schön, aber dafür dreckig! Das WLAN funktioniert gar nicht (Problem today, Mähääm) die Toiletten besucht man besser nicht. Der Eistee ist zu süß und überhaupt…wo sind die Reichtümer der Kuwaitölförderung hingekommen? Nicht an den Flughafen. So ziemlich der grottigste Flughafen, den ich je gesehen habe und das waren schon einige! Mein Bruder reist mit Familie standesgemäß im A380 über Dubai an 😉
Eine kurze Abhandlung zum Thema packen und Versicherungen: Generell haben wir noch nie Probleme mit Packen gehabt. Als wir in 2011 für 6 Wochen nach Malaysia geflogen sind, ging der Zug zum Flughafen um 19:30 Uhr und ich habe um 17 Uhr mit dem Packen begonnen. Deshalb konnte ich auch die Kommentare bezüglich des Gepäcks nicht verstehen: „Was muss man denn um Himmels Willen alles mitnehmen?“ Ganz einfach: Nicht viel! Wir haben Sachen für etwa eine Woche dabei. Wenn es mal kälter ist, können wir alles übereinander anziehen. Vorgesehen ist das nicht, deswegen reisen wir ja viel auf der Südhalbkugel der Sonner hinterher. Mitgenommen haben wir in etwa: 5-6 T-Shirts (davon eins aus Merinowolle, was wärmt oder kühlt, je nach Bedarf) eine lange Hose (wir haben Engelbert Strauß oder Vaude) eine Pluderhose (Goahose) zwei kurze Hosen ein langes Oberteil eine leichte Jacke Badesachen ein großes Handtuch, was man notfalls auch zum Zudecken verwenden kann zwei Sarongs (insgesamt, nicht jeder) Sportklamotten 3 Paar Socken entsprechend Unterwäsche ein Paar Trekkingschuhe (Salomon) und natürlich Flipflops…wir haben uns für myvale entschieden, die sind nach unserem Fußabdruck maßgefertigt und furchtbar bequem! Ein herzliches Dankeschön an Markus Schott für die Unterstützung http://www.myvale.com). Duschgel und Co haben wir nicht mitgebracht, das gibt es überall zu kaufen. Mike und ich haben jeder zwei Kreditkarten, eine Visa und eine Masterkarte. Mit der Visa kann jeder von uns 12 Mal kostenlos weltweit abheben. Wir haben US Dollar und Euro als Bargeld dabei. Meine Medizintasche ist gut gefüllt, dennoch nicht zu groß, wir reisen ja nicht in den Busch. Mit Sicherheit werden wir etwas brauchen, was wir nicht dabei haben. Komischerweise gibt es überall Apotheken, die Medizin verkaufen, die teilweise sogar so heißt wie in Deutschland. Wir haben lange nach Reisekrankenversicherungen geforscht und verglichen, Reiserücktritt haben wir über die Kreditkarten, die brauchten wir nicht. Letztenendlich haben wir uns für die Versicherung des ADAC entschieden. Sie war im Vergleich zu den Leistungen der anderen die günstigste. So haben wir als Erwachsene für sechs Monate als ADAC Mitglied 240 Euro bezahlt, für Bela 155 Euro. Levi kommt nur drei Monate mit, für ihn haben wir 70 Euro bezahlt. Dennoch hoffen wir, sie nicht in Anspruch nehmen zu müssen.