Lost in Translation: Willkommen in Japan

Es ist großartig…Wir sind alle überrascht…

TOKYO

…und begeistert. Tokyo ist eine sehr angenehme Stadt. Leise ist es hier und sauber. Obwohl wir Schwierigkeiten haben, Mülleimer zu finden, liegt hier nichts rum. Die Autos fahren langsam und niemand hupt, auch dann nicht, wenn man mitten auf der Straße gedankenverloren schlendert. Wahrscheinlich haben die Autos hier gar keine Hupen. Ab und zu hören wir eine Ambulance. Die Taxis sehen alle gleich aus. Schwarz, alt, mit gehäkelten Sitzbezügen und von Nissan. Die Taxifahrer tragen Anzug und Krawatte. Man kann sich hier bedenkenlos aufhalten. Wir lassen sogar die drei „Kleinen“ abends noch alleine bummeln. Alles ist hier klar geregelt, ohne dabei zu bevormunden (im Gegensatz zu China), auch im Rest des Landes ist das so, nicht nur in Tokyo. Deshalb ist das Miteinander hier sehr angenehm. Jeder versucht Rücksicht zu nehmen. Man merkt aber auch, wie getrieben und gehetzt alle sind. Es zählt nur die Leistung, in den Büros brennen auch nachts die Lichter. Diejenigen, mit denen wir hier über unsere Reise gesprochen haben, waren erstaunt und sagten unisono, dass das hier nicht möglich sei. Sie hatten auch niemals von Sabbatical o.ä. gehört. Glaube ich gerne, sie nehmen sich auch nur selten frei, um nicht als faul zu gelten. Neulich ist wohl ein Japaner nach 130 Überstunden in einer Woche gestorben. Aber der Reihe nach:

Wir finden ein nettes Plätzchen zwischen den Hochhäusern zum Frühstück. Es kommt klassische Musik aus den Lautsprechern, das ist hier ürigens oft der Fall. Metrofahren ist gar kein Problem, meine Bedenken im Vorfeld waren unbegründet. Die Stationen werden alle auch auf englisch angekündigt und haben zusätzlich noch Buchstaben- und Zahlenkombinationen. Nach zweimal Tickets am Automaten kaufen, werden wir auch darin fit. Wenn die Musik ertönt, darf man nicht mehr einsteigen. Ertönt die Musik auf der Fahrt, wird die nächste Station angekündigt. Es gibt kein lästiges Tröten, nur seichte Klänge. Es geht gesittet zu. Außer man fährt zur Rushhour, das habe ich aber nur morgens um 8 Uhr alleine gemacht, weil ich Zugtickets brauchte. Da hängst du schon mal mit der Wange an der Scheibe, nachdem du von U-bahnschiebern reingedrückt wurdest, damit sich die Türen schließen können. Da ist dann auch die Musik egal. Wir wollen mit dem Wasserbus fahren und starten in Shinjuku Station. Sollen in Kanda umsteigen. Da fällt Levi jedoch auf, dass Kanda die Haltestelle ist, wo es nach Akihabara geht. Einem Viertel, wo man gut einkaufen kann. Hauptsächlich Manga und Animekrempel. Also hin. Es reihen sich Spielhallen und Elektronikgeschäfte aneinander, die Kinder sind begeistert und finden das ein oder andere Schnäppchen. Wir essen Sushi. Gut und erstaunlich günstig.

Auch das ist ein Erlebnis. Wir sitzen alle an einem Band, es gibt Grünteepulver, Becher und einen Heißwasserhahn an jedem Platz. Es ist richtig lecker. Wir essen Sachen, die wir kennen und trauen uns auch Sachen zu probieren, die wir nicht kennen und vor allem nicht erkennen. Manchmal fühlen wir uns so, wie sich die Leute im Dschungelcamp fühlen müssen. Da hilft dann nur konzentriert kauen und runter damit, auch, wenn es wieder hoch will. Das meiste ist jedoch richtig lecker. Mario, Luigi und Freunde kommen in Karts vorbei, es gibt solche Stadtrundfahrten. Lustig…

Die Toiletten sind genauso, wie man es von den Gerüchten her schon weiß: Manche begrüßen einen sogar oder öffnen automatisch den Deckel, wenn man den Raum betritt, spülen automatisch nach dem Geschäft und der obligatorischen Dusche und schließen sich wieder.

Die Klobrillen sind alle beheizt und es gibt Regeln, an die hat man sich zu halten:

Die Japanerinnen sind sehr empfindlich und möchten auf keinen Fall irgendwelche Geräusche auf der Toilette machen. Deshalb ertönt häufig, auch wieder automatisch, ein Spülgeräusch, So lässt es sich besser machen. Denken sie. Die echte Toilettenspülung hört man jedoch kaum. Ich habe allerdings bisher noch keine Toilette gesehen (davon hatte ich gehört), die den Zuckergehalt im Urin misst, kann aber eventuell an meinen unvollkommenen Japanischkenntnissen liegen. Wahrscheinlich geht das automatisch und bei mir war immer alles in Ordnung 😉

Zurück nach Akihabara. Wir ändern unseren Plan und bummeln ekstatisch. Die Mangaläden sind der Hammer, auch wenn ich gar kein Mangafan bin. Die Erdgeschoßetage ist immer für alle. Das Kellergeschoß, sowie die restlichen 5 bis 10 oberen Stockwerke sind für Manga- und richtige Hardcorep… und erst ab 18 zugänglich. Echt krass. Dort findet man nur über 60 Jährige, die offensichtlich auf animiert und gezeichnet stehen. Auf der Straße sieht man auch wirklich viele Verkleidete, oft sind es Mitarbeiter von Restaurants oder Cafes, die einen dorthinein locken möchten. Mit Englisch kommt man oft nicht weit. Fragt man jemanden, ob er englisch spricht, heißt es meist ja, aber das war es dann schon. Zurecht kommen wir dennoch. Und schon wieder kommen Mario und Freunde vorbeigefahren…Wir nehmen die Ubahn und fahren bis Asakusa, weil wir ja dort in den Wasserbus steigen wollen. Dieser fährt aber nicht mehr, es wird bereits langsam dunkel. Erste Ermüdungserscheinungen machen sich bemerkbar, wir haben irgendwie unseren Jetlag vergessen, der jetzt auf sich aufmerksam macht. Wir finden ein nettes Einkaufszentrum mit kleinen Geschäften für Souvernirs und japanische Dinge. Wir suchen uns ein schönes Plätzchen, trinken royal milk tea und lassen die Kinder zum Bummeln ausschwärmen. Die kurbeln die japanische Wirtschaft kräftig an und versorgen sich mit Eßstäbchen und Co. Lange bleiben wir noch, bis wir die Bahn Richtung unseres Apartments nehmen. Wir finden ein Lokal, von dem wir glauben, dass bisher wenige Touristen zum Essen hier waren. Wir müssen vorab unser Essen im Automaten bestellen und bezahlen. Ähnlich wie am Fahrkartenschalter. Naja, eigentlich genauso wie am Fahrkartenschalter. Wir bekommen Tickets, die geben wir dem Koch. Es ist sehr lecker, es gibt wieder mal Nudelsuppe, ich habe eine mit rohem Ei darin. Wasser und grüner Tee wird meistens kostenlos bereitgestellt. So sind wir auch in der Lage zu fünft für etwa 30 Euro in einer der teuersten Städte der Welt Essen zu gehen.

Dank der Waschmaschine (die gleichzeitig auch ein Trockner ist) in unserem Apartment, können wir morgens frische Wäsche in die Rucksäcke packen. Weiter geht’s Richtung badende Affen. Wir fahren mit dem schnellsten Zug der Welt, dem Shinkansen. Wir haben den Japanese Railpass und können 7 Tage nach Herzenslust Zugfahren. Denken wir…es gibt auf unserer Route tatsächlich einen Zug, der von einer anderen Gesellschaft betrieben wird und extra bezahlt werden muss. Für den Shinkansen haben wir Sitzplätze reserviert, deshalb musste ich auch zur Rushhour früh morgens zum Bahnhof, um diese zu bestellen. Ein Erlebnis, was ich nicht noch einmal brauche. Ansonsten ist, wie gesagt, alles extrem entspannt hier.

Die Zugfahrt haben wir uns spektakulärer vorgestellt. Der Zug von Madrid nach Malaga letztes Jahr war moderner. Aber es geht schnell. Sehr schnell sogar. An den Bahnhöfen kommt wieder die obligatorische Melodie, die mit „sänk ju foor treffeling wis deutsche Bahn“ nichts gemein hat. Überhaupt funktioniert das System hier …ich kann nicht mal besser als in Deutschland. Denn es funktioniert einfach. Es gibt Wagen mit und ohne Reservierungen. Diese haben bestimmte Haltepunkte am Bahnsteig, so dass man hier schon mal nicht wie bekloppt durch den Zug hetzen muss, um einen freien Platz zu finden, der dann doch ab der übernächsten Haltestelle reserviert ist.

Im Bahnhof haben wir uns noch mit sogenannten Bentoboxen ausgestattet. Da ist Essen drin, was man entweder erwärmen könnte oder auch kalt essen kann. Zum Beispiel Reis mit gebratenem Fisch oder Fleisch mit Gemüse in kleinen Häppchen oder auch mal Sushi. Die Bentoboxkultur wird hier groß geschrieben. Ich gehe davon aus, welche kaufen zu müssen. Das obligatorische Schulbrot, welches am nächsten Morgen eh weggeschmissen wird, wird bei uns wohl ab dem nächsten Jahr ersetzt werden müssen. Wir fahren nach Nagano, kennt man von den olympischen Winterspielen 1998, und steigen dort um in den Snow Monkey Express nach Yudanake Station. Wir müssen neue Tickets kaufen und sehen am Schalter den Hinweis, dass der Monkey Park geschlossen ist. Die wilden Affen, die dort leben, seien noch im Wald und noch nicht wieder aufgetaucht. Wir sind enttäuscht, Das war ja schließlich der Grund, warum wir hierher wollten. Wir fahren natürlich trotzdem. Machen wir halt heute Abend einen Affentanz.

Yamanouchi/Shiba Onsen

Von Yudanake Station geht es ausnahmsweise mit dem Taxi weiter bis in unser Hostel. Es ist ein kleiner und gemütlicher Ort in den Bergen, mit einem Fluß in der Mitte. Wir können uns den Schnee im Winter hier ein paar Meter hoch vorstellen. Im ganzen Ort dampft es von den heißen Quellen, die hier unterirdisch langlaufen. Es gibt zahlreiche sogenannte Onsen, in denen man baden kann. Auf der Straße auch welche nur für die Füße:

Onsen ist vergleichbar mit unserer Saunakultur. Es gibt Regeln, die zu brechen, wäre ein Frevel. Wir informieren uns. Wir haben ein Onsen bei uns im Hostel. Wir checken ein. Unsere Zimmer sind typisch japanisch. Mit Reismatten auf dem Boden und einem Kotatsu in der Mitte. Kotatsu ist ein Tisch mit einer Heizung darunter.

Zum Schlafen rollen wir uns Matten aus. Es ist so hart, dass mir am nächsten morgen Stellen schmerzen, von deren Existenz ich bis dato gar nichts wusste.

Die Kinder sind begeistert, alles wie im Anime Film:

Wir erkunden das Örtchen. Es gefällt uns gut. Alt und viel Holz, so, wie wir uns das alte Japan vorstellen. Wir fühlen uns ausgesprochen wohl hier.

Wir frieren alle, also ab ins Onsen. Das bedeutet: Männlein und Weiblein trennen sich und duschen sich gründlich im Sitzen auf kleinen (also sehr kleinen Höckerchen). Shampoo, Duschgel und Spülung stehen in großen Flaschen bereit. Ich freue mich, weil ich bis dato auf den Luxus einer Haarspülung im Gepäck verzichtet habe. Danach legt man sich nackig zum Entspannen in das heiße Becken, das Wasser läuft über ein Rohr direkt aus der Quelle dorthinein. Wenn es viel zu heiß ist, darf man ein bisschen kaltes Wasser nachlaufen lassen. Das ist herrlich. So sauber haben wir uns schon lange nicht mehr gefühlt 😉 Nach 20 Minuten bekomme ich Kreislauf, muss kalt duschen und raus. Das war schön. Ich treffe Mike im Zimmer, auch er ist begeistert. Vor allem, so sagt er, fühlt sich seine Haut so schön weich an, nachdem er die Bodylotion benutzt hat. Ich bin irritiert. Im Männeronsen gibts Creme und bei den Frauen nicht? Kann nicht sein. War auch nicht…mein Gatte hat sich mit der Haarspülung eingecremt 😉 Das wird ein running Gag !! Das Onsen in unserem Hostel ist von 9 bis 16 Uhr wegen Reinigung geschlossen. Das bedeutet, dass man es die ganze Nacht über besuchen darf (und sich auch gerne wieder mit Conditioner eincremen kann). Das wiederum bedeutet, dass die Kinder das auch machen und bis 0:30 Uhr im Onsen sitzen, während wir schon versuchen zu schlafen.

Am nächsten Morgen landen wir zum Frühstück in einem Nudelrestaurant, es gibt natürlich Nudelsuppe. Langsam kann ich sie nicht mehr sehen. Gestärkt mit ziemlich teurem Kaffee (der ist hier echt richtig teuer), geht es los zum Monkey Park. Wir wandern durch den Wald, stets bergauf. Die Luft ist klar, der Wald sehr schön, die Sonne scheint und es ist auch ein bisschen warm. Wir werden belohnt und sehen viele Affen, der Park hat nämlich seit heute wieder geöffnet. Und dass, obwohl wir am Abend vergessen haben, den Affentanz zu machen.

Zum Baden ist es den Affen wahrscheinlich noch zu warm, sie trinken alle nur aus dem Wasser. Es sind echt viele. Manche zanken sich und keifen rum, manche spielen, es gibt viele Babies.

Es ist ein tolles Erlebnis. Wir wandern zurück und gehen ins Onsen – natürlich. Direkt danach, ich sitze mit noch nassen Haaren und ungestylt am Kotatsu und suche eine Zugverbindung für den nächsten Tag nach Kyoto, kommt Mike mit einem Fernsehteam im Schlepptau ins Zimmer. Ich kann gerade noch einmal durch die Haare strubbeln und die Dreckwäsche unter den Tisch schmeißen (und hoffen, dass sie kein Feuer fängt so dicht unter der Heizung). Er filmt und interviewt uns, warum wir hier sind, was uns gefällt, an diesem Ort und an diesem Hostel. Wie es bei den Affen war und so weiter und so weiter. Dann gibt es noch ein Bild und weg ist er wieder.

Abends gibt es Sushi vom Allerfeinsten. So frisch und lecker haben wir noch nie Sushi gegessen. Wieder mal nicht sehr teuer und Weltreisekassenkonform.

Als wir ins Hostel zurück kommen, gibt es Sake aufs Haus, weil wir uns haben interviewen lassen. Der Produktionsleiter spielt mit Bela Tischtennis (das heißt hier wirklich Pingpong) und mit Azul japanisches Schach. Als Levi sein Kendama auspackt, lässt er den Schläger fallen, packt seine Kamera aus und fängt an zu Filmen und stellt Fragen.
Wir lernen Jingo aus Tokyo kennen, einen Koch, der aber auch mit Pumpen handelt, die in der Lage sind mit Luftblasen oder auch Bakterien, nukleare Verseuchung zu neutralisieren. Nix Halbwertzeit und so…Wir sind sowas von beeindruckt. Das brauchen die hier. Mike nimmt ihn noch ein bisschen auf die Schippe, er lädt uns in sein Sommerhaus ein und alle freuen sich.

Am nächsten Morgen gibt es ein weiteres Interview, diesmal macht er auch vor Azul nicht halt und quetscht sie aus. Ein letztes Foto und tausend Mal Dankeschön, dann kommt unser Taxi.

Nun sitzen wir im Thunderbird und fahren mit Warpgeschwindigkeit nach Kyoto!

In Kyoto haben wir ein kleines Haus gemietet, welches wir super mit der Ubahn erreichen können.

Für die Kinder gibt es wieder ein Animezimmer. Es ist wirklich winzig, wie alle Wohnungen und Häuser hier in Japan. Nur ein sechstel des Landes ist bewohnbar, das teilen sich 128 Mio. Menschen. Da hat der einzelne einfach nicht viel Platz. Wir merken, dass das auch gar nicht nötig ist. Kyoto gefällt uns auch total gut. Wir schlendern abends noch ein bisschen und finden erstaunlich schöne Ecken.

Wir gehen ins Gionviertel, da wo die alten japanischen Häuser stehen und landen in einem wunderschönen Tempel names Yasaka.

Die Jungs bauen Steintürmchen, wie sie es gerne machen. Hier passen sie auch noch toll hin.

Wir kaufen noch ein paar tolle japanische Stellhinchen und Stäbchen und noch mehr, wo wir einfach nicht dran vorbei gehen können. Wir werden wohl aus Japan das erste Paket nach Hause schicken müssen. Mal schauen, was das kosten wird. Ein Brief von den Malediven nach Deutschland sollte 11$ kosten. Wir haben ihn nicht abgeschickt, nicht ohne aber zu erwähnen, dass wir ihn für diesen Preis selber nach Deutschland bringen könnten. Wir haben einen Bus gefunden, der ganz in der Nähe unseres Häuschens anhält. Alle setzen sich und ich gehe mit dem Geld zum Busfahrer. Dort stehe ich wie bestellt und nicht abgeholt. Er will meine Kohle nicht, gibt mir keine Tickets und sagt die ganze Zeit etwas auf japanisch, was ich nicht verstehe. Ich stehe dort etwa 4 Haltestellen lang. Als es mir dann zu blöd wird, setze ich mich zu den anderen und sage ihnen: „Dann knalle ich ihm das Geld halt beim Rausgehen auf den Tresen, will ja nicht wegen 7 Euro angezeigt werden…“ Komischerweise zeigen alle beim Verlassen des Busses ihre Tickets oder geben das Geld. Nun gut. In Japan steigt man hinten ein und geht vorne raus, damit man dabei ein Ticket kaufen kann. Steht auch so im Reiseführer. Lese ich dann am Tag drauf…

Am nächsten Morgen zaubern wir uns ein Frühstück. Wir hatten nur 4 Stühle, obwohl wir zu fünft angemeldet waren. Deshalb haben wir auch unseren Vermieter kennengelernt, der am Abend schnell noch vorbei kam, um uns einen weiteren Stuhl zu bringen. Ich weiß gar nicht, wieviel Mal er sich bedankt hat, dafür, dass wir sein Haus mieten. Leider regnet es. Eigentlich wollten wir den Imperial Palace, also den Kaiserpalast angucken. Wir fahren stattdessen raus, um den Bambuswald zu besichtigen. Wir sind nicht die einzigen. Es ist alles voller Touristen. Busfahren klappt heute übringens super. Routiniert steigen wir hinten ein und zeigen unsere Tickets beim Aussteigen. Heute haben wir Tagestickets gekauft. Das Kinderticket für Bela ist am schönsten:

Im Bambuswald ist es ganz nett, aber auch nur ganz nett.

Einige Touristen lassen sich in einer Rikscha da durch fahren.

Am Bahnübergang gibt es außer einer Hochsicherheitsschranke auch noch zwei Wärter. Sicher ist sicher!

Manche Damen mieten sich Kimonos und gehen verkleidet dadurch. Auch schön!

Zum Glück hat der Regen nachgelassen, wir schauen uns ein bisschen um. Es ist schön hier. In ganz Japan gibt es überall Automaten mit gekühlten oder auch warmen Getränken. Wir haben schon ein paar leckere Getränke probiert. Milk Tea mochten wir alle. Heute trauen wir uns was! Warmer Mais mit Käseflüssigkeit. Schmeckt wie es riecht. Mike und Azul mögen ist. Ich kriege Brechreiz.

Wir finden den Bus zurück und gehen zum Nikishi Market. Die Küche Kyotos. Alle sind hungrig, warmer Mais mit Analogkäse aus der Dose macht auch nicht satt. Der Markt ist überdacht und deshalb ist das Wetter egal. Mittlerweile ist es nämlich auch noch kalt und windig geworden. Wir dürfen an zahlreichen Ständen probieren. Immer wieder werden wir gewarnt, wenn Bela etwas scharfes nimmt. „Very spicy“, sagen sie erschrocken. Noch erschrockener gucken sie, wenn Bela ihnen zeigt, was er drauf hat und nochmal nach verlangt. Wir essen in einem Lokal, in dem leider geraucht werden darf. Wir hatten schon vergessen, wie ekelhaft das ist. Die Kinder kennen das gar nicht und sind entsetzt. Wir kaufen Stäbchen und Täschchen dazu, lassen unsere Namen eingravieren. Die Wahrscheinlichkeit eines Paketes nach Deutschland steigt. Levi und Azul möchten ins Museum. Bela braucht unbedingt noch einen Kreisel. Also trennen wir uns. Wir finden den Kreisel und schleppen uns, erschöpft vom Rumlaufen und den Eindrücken, zurück zum Haus und fallen auf das Sofa. Es ist 18 Uhr. Stockdunkel und wir fühlen uns, als wäre es 23 Uhr. Zum Dinner machen wir uns Nudelsuppe. Die Wahrscheinlichkeit, dass ich bis zum Ende meines Lebens keine Nudelsuppe mehr brauche, steigt ebenso!

Am nächsten Morgen muss es der Kaiserpalast sein, komme, was wolle. Tut es…vom Himmel herunter. Wir lassen die Schirme im Haus und flitzen los. Auf der Karte sieht es näher aus, als die Hosen Wasser aufnehmen können. Wir sind durch, als wir ankommen. Und es regnet weiter. Wir nehmen also die nächste Ubahn zurück, schließlich haben wir Mimimis dabei….Azul und mir war es egal. War ja nur Wasser. Okay, dann gehen wir zum Kaiserpalast in Tokyo.

Shinkansen nach Tokyo genommen und im Hotel in Asakusa eingecheckt. Ist ein Business Hotel. Im Foyer sehr schick mit vielen Gedöns und Glitzer. Auf dem Dach gibt es einen Onsen, sehr schön, sehr heiß und immer leer. Allerdings ist dieses Hotel extrem günstig. Gespart wurde in dem Fall an der Zimmergröße. Wir haben zu dritt ungefähr 9,5 qm, inkl Badezimmer 😉 Rucksäcke auspacken geht nicht. Wir improvisieren, weil wir noch ein paar feuchte Sachen dabei haben, die in Kyoto nach der Waschmaschine nicht richtig trocken geworden sind. Irgendwie geht es dann auch. Wir klettern und stapeln und fluchen und stoßen uns und denken, es ist ja nur für 2 Nächte. Am Nachmittag bummeln, Onsen, Essen im Automatenrestaurant wieder lecker und günstig, wir können uns sogar Bier leisten. Es regnet immer noch. Ich lese Reiseführer, der sagt, der Kaiserpalast in Tokyo sei eine Enttäuschung. Also streichen wir ihn zugunsten des Tempelkomplexes in Asakusa, wo wir am nächsten Vormittag hingehen.

Es gibt einiges zu sehen. Natürlich auch Geschäfte. Da wir beschlossen haben, ein Paket nach Deutschland zu schicken, können wir jetzt bei Souvernirs und Spielsachen nochmal zuschlagen. Wir gehen in den Tempel und zünden Kerzen an, für alle, an die wir gerne denken!

Wir sehen eine süße Kleine, die zu ihrem dritten Geburtstag schick gemacht wurde. Wir dürfen sie fotografieren.

Levi und Azul gehen wieder nach Akihabara, sie haben noch nicht genug von den Anime. Außerdem wollen sie für Bela eine Wundertüte besorgen, die kostet 1000 Yen (das sind etwa 8 Euro) und ist bestückt mit allem möglichem Krempel. Wir gehen mit Bela Sushi essen und trauen uns wieder was. Wir essen Krebs mit sowas wie Mayonaise, Muscheln und alles mögliche mehr. Die Nigiri sind hier echt super. Das Reisbällchen ist total klein und der Fisch riesengroß. Low Carb also auch noch. Dazu wieder grünen Tee ohne Limit und fertig ist für 20 Euro Mittagessen für 3! Wir kommen also gut zurecht in mit unserem Budget. Das Paket nach Deutschland kostet weniger als gedacht, wir haben „no track and no fast“ bestellt, zahlen 39 Euro und meine Mama darf das Paket schätzungsweise Anfang Januar in Empfang nehmen. Geht oder?

Wir bummeln noch ein bisschen und treffen Zen, er war schon bei Stefan Raab und Florian Silbereisen. Wir haben Spaß mit ihm, er singt für uns die deutsche Hymne.

Das Essen wird hier überall in Gummi- bzw Plastikform ausgestellt, für uns dumme Europäer 😉 Sehr praktisch übrigens…

Am Abend erfüllt Levi Bela einen langgehegten Wunsch, er geht mit ihm alleine nach Akihabara bummeln. Lädt ihn in eine Arkade zum zocken ein und hat mit ihm einen schönen Abend. Bela ist begeistert von dem Ausflug mit seinem großen Bruder: “ Wow, er war sooo großzügig, er hat mich überall eingeladen“ Sie hatten viel Spaß. Wir auch übrigens:

Sake satt, mal heiß und mal kalt. Wir sitzen uns fest. Es ist schön. Letzter Abend in Japan voll ausgenutzt.

Wir verabschieden uns nach einer Runde Abschiedsonsen und gehen schlafen. Das Taxi kommt un 4:15 Uhr, um uns an den Flughafen zu bringen.

Was wir in Japan gelernt haben:

Mit Musik geht alles besser ( auch in Ubahn und am Flughafen)

Großstädte können sehr leise sein

Großstädte können sehr sauber sein, auch wenn sie in Asien liegen

Es gibt in Tokyo weniger Freaks als wir dachten

Wie wir die Menschen erlebt haben:

Sehr höflich, hilfsbereit (obwohl sie uns eigentlich nie helfen konnten) und interessiert

Die Reise nach Tokyo

Los gehtˋs. Mit dem Speedboat an den Flughafen. Das Wetter ist stürmisch, es regnet, das Boot schaukelt. Wir haben Spaß.

Ich schreibe mal wieder im Flieger. Bei Rotwein und Leonard Cohen. Da schreibt es sich besonders gut. Der erste Alkohol seit einiger Zeit. Auf den Malediven gibt es ja keinen. Außer am Flughafen im Dutyfree nur bei Ausreise, nicht besonders konsequent, wie ich finde. Wir fliegen mit China Eastern. Nicht des Erlebnisses wegen, sondern des Preises (ein Erlebnis wird es dennoch werden). Das sage ich mir immer wieder und entschuldige mich bei meinen Mitreisenden auch deswegen. Beim Check in gehtˋs schon los. Ein Zusammentreffen mit Chinesen ist unabwendbar. Sie treffen uns mit der Gepäckkarre in die Hacken, während wir die Rucksäcke auf das Band legen und gucken komisch, als wir sie auf die gelbe Wartelinie aufmerksam machen. Entschuldigung? Fehlanzeige. Die Mode? Der Knaller. Ich ziehe mir schon mal meine Reisethrombosekniestrümpfe zur kurzen Hose an, bin total up to date, sehe aber auch total bescheuert aus, mit den Trekkingschuhen noch dazu  😉          Während wir am Gate noch ruhig sitzen bleiben, als die Mitarbeiter zum Boarding aufrufen, stellen sich die Chinesen hektisch in Reih und Glied an,  als ob sie sonst keine Plätze mehr kriegen würden und gucken komisch, weil wir entspannt sitzen bleiben. Im Flugzeug herrscht hektisches Treiben. Die Stewardessen verbreiten Panik. Ich will gar nicht wissen, was die machen, wenn es wirklich mal ernst wird. Die Kopfhörer dürfen UNTER GAR KEINEN UMSTÄNDEN beim Start schon benutzt werden. Ebenso keine elektronischen Geräte, auch nicht im Flugmodus. Handy AUF GAR KEINEN FALL während des ganzen Fluges über, auch nicht im Flugmodus. Warum? So ist die Regel. Meine Familie kennt das bereits vom Flug auf die Malediven, wo ich nicht dabei war. Dieser Flieger würde bei uns lediglich für eine Kurzstrecke eingesetzt werden, Platz haben wir nicht, dafür aber 8 Stunden Flug vor uns. Es gibt ziemlich gleich nach dem Start das Dinner. Um uns herum wird geschmatzt, was das Zeug hält. Abgeräumt wird gleich nach dem Austeilen. Ansonsten gestaltet sich dann aber alles doch recht harmlos. Als wir endlich mal eingeschlafen sind, werden wir drei Stunden vor der Landung zum Frühstück geweckt…30 Minuten vor der Landung müssen wir uns wieder von den Kopfhörern verabschieden. Mike fragt diesmal warum: Strangulierungsgefahr, falls bei der Landung etwas passiert. Ich hab ja schon viel gehört, aber das???  Selten habe ich so viele Durchsagen gehört, wie in diesem Flugzeug. Es wurden Turbulenzen angekündigt, die keiner von uns gemerkt hat, mussten wir in dieser Zeit auf die Toilette, wurden wir dorthin begleitet. Der Service war so lala, wir wurden befördert und es wurde gut auf uns aufgepasst. Zu guter Letzt wurden wir aufgefordert, uns warm genug anzuziehen, weil es in Shanghai nur 15 Grad sind! Vielen Dank.

Da wir auf den Malediven keine Boardingkarten für den Flug von Shanghai nach Tokyo bekommen konnten, müssen wir jetzt anstehen, um welche zu bekommen. Die Schlange ist nicht so lang, es arbeiten teilweise 5 chinesische Bodenpersonalmitarbeiter an einem Vorgang. Dementsprechend lang dauert es. Nämlich: Es dauert solange, wie es dauert. Seeehr lange. Ich checke die Lage…als ich einen Mitarbeiter ohne Arbeit hinter dem Tresen finde, lege ich ihm siegessicher unsere Pässe vor. Er sagt muffelig, wir sollen einen Moment warten, er sei nicht zuständig. Ich sage, wir warten schon seit 45 Minuten. Er sagt, das ist das System, ich gucke böse und werde von Mike zurückgepfiffen. Okay, dann halt mit Humor. Kennt ihr die Szene aus Zoomania mit den Faultieren in der Zulassungsstelle? So ungefähr war das. Azul spricht es aus und wir biegen uns vor Lachen. Ich sage, wenn das so weitergeht, verpassen wir unseren Flug…nach Vietnam am 31.10. 😉  Irgendwann haben wir die Karten und dürfen weiter. Das Gepäck wird schon zum xten Mal durchleuchtet und unsere Pässe zum xten Mal kontrolliert. Sicher ist sicher! Wir suchen uns einen Platz am Gate und warten. Als es Zeit wird für Boarding, stellt sich keiner an. Ich frage nach. Verspätung. Taifun in Japan. Wie lang? 4 ( in Worten vier) Stunden! Keine Info über Lautsprecher, keine über den Bildschirm. Notfallgetränke gibt es um 11 Uhr, nun ist es gerade 8:50 Uhr. Wenn wir Hunger haben, sollen wir am Gate 22 ins Restaurant gehen. Auf unsere Kosten! Gate 22 ist etwa 2 KM entfernt. Wir erleben viel in diesen vier Stunden. 

Durchsagen ohne Ende in einer Lautstärke und einer Panik, die seinesgleichen sucht. Für einen Flieger nach Detroit wird gefühlt 15 Mal der Final Call über den Lautsprecher ausgerufen und als der Flieger bereits 15 Minuten zu spät war, kam ein Mitarbeiter mit einem Megaphon durch das Gebäude gejagt und hat ihn nochmal ausgerufen. Was war der Flughafen in Dubai angenehm. Das ist „leiser Flughafen“, ohne irgendwelche Durchsagen. Dort bin ich bei meinem Flug auf die Malediven  von Deutschland aus mit Emirates umgestiegen (das war ein Erlebnis, mit dem A380. Es gab sogar eine Bar. Das war super)

Lange Rede, kurzer Sinn, irgendwann sitzen wir im Flieger und landen danach wohlbehalten in Tokyo. Wahrscheinlich auch deswegen, weil sich keiner von uns mit den Kopfhörerkabeln strangulieren konnte und wir alle warm genug angezogen waren 😉                                                         Als wir zu den Gepäckbändern gehen, stehen unserer Rucksäcke schon komplett und zusammen neben dem Band und warten auf uns. Alles sehr gechillt hier. Wir gehen problemlos durch den Zoll, werden gelobt, weil wir alle Karten schon so schön ausgefüllt haben. Alle sind sehr nett und fix. Wir fahren mit dem Bus nach Shinjuku Station. Die Straße geht über mehrere Etagen, als wir Tokyo erreichen. Wir fahren mal am 10. Stock eines Hauses vorbei, mal im Kellergeschoß. Viele Straßen sind übereinander. Wir suchen uns ein Nudelsuppenlokal, essen gut ung günstig und marschieren zu unserer gemieteten Ferienwohnung. Wir verlaufen uns ein bisschen und fragen Passanten nach dem Weg. Englisch können sie nicht, holen als erstes mal ihr Telefon aus der Tasche und wissen dann auch nicht weiter. Andere kommen dazu und die Geräte, mit denen sie suchen, werden immer größer. Ich habe noch nie erlebt, dass jemand so lange gebraucht hat, um dann doch nicht weiterhelfen zu können. Aber sehr nett und immer am Lächeln…Mittlerweile ist es 22:30 Uhr. Eigentlich stand Sightseeing auf dem Programm, weil wir ja um 14:30 Uhr landen sollten. Die Wohnung ist klein und ruhig. Die ganze Stadt ist ruhig. Und so sauber. Alle gehen schlafen. Levi und ich drehen noch ein Ründchen. Hier kann man auch spät noch bedenkenlos raus. Der Autoverkehr ist gemäßigt bis langsam. Niemand hupt. Am Zebrastreifen wird angehalten. So hatte ich mir das nicht vorgestellt. Selbst die Baustellen sind pikkobello. Arbeitssicherheit wird hier ganz groß geschrieben. Die Bauarbeiter waren mit Klettergeschirr, OP Besteck und Helmen ausgestattet, um ein bisschen an der Grube zu schippen. Die Schuttlaster werden zwischendurch blitzeblank gewienert und sehen so aus, wie bei uns die LKW, wenn sie an einem Festumzug teilnehmen.                                                                                                                                                                                                   Es ist ganz schön frisch. Wir schlendern ein bisschen und gehen um 1 Uhr wieder zurück. Bett. Schlaf. Fazit: Japan ist angenehmer als wir dachten und deutlich angenehmer als China.

MALEDIVEN – ein Stück entfernt vom Paradies

Im Anschluß an den Badeurlaub, bzw den Heimaturlaub folgt ein Abstecher auf die Malediven. Hatten wir gar nicht auf dem Plan, aber die Kinder wollten das gerne. Von Colombo aus fliegt man nur etwa 1 Stunde und bezahlt dafür ca 50 Euro pro Person, warum also nicht? 

Wir brauchen kein Visum, nur unser Weiterflugticket zeigen (Was bei der Einreise dann aber keinen interessiert hat). Die Suche nach einer bezahlbaren und dennoch schönen Unterkunft ist sehr informativ. Wir brauchen zwei Zimmer, ein Dreibett- und ein Doppelzimmer. Gerne mit Frühstück. Es gibt hier echt alles. Von 350  bis 120.000  Euro für eine Woche ist so ziemlich alles vertreten. Wunderschöne Wasservillas, so wie man es sich vorstellt, wenn man an die Malediven denkt. Allerdings nur für Menschen ab 12 Jahren. Zum Glück…das gibt schon mal keine Diskussion. Eine Wasservilla kostet für diese Zeit etwa 4500 Euro, ohne Frühstück… wir bräuchten zwei davon…geht nicht! Wir finden auf einer gemischten Insel, d.h. für Einheimische und Touristen, ein nettes Guesthouse für 600 Euro. Zwei Zimmer, 8 Nächte, Frühstück, fertig!  Es ist hübsch, die Guesthouse Leute hier sind nett. 

Die Einheimischen nicht so. Gucken uns argwöhnisch an, sind mit der Entwicklung ihrer Insel offensichtlich nicht zufrieden. Wir nehmen selbstverständlich Rücksicht. Gehen nur am Bikinistrand im Bikini ins Wasser, sieht bei den Jungs etwas komisch aus 😉 Ich jogge in langer Hose und schwitze mich dabei kaputt, gehe auch so ins Gym. Wenn der Muezzin ruft, gucken wir demütig. Wir haben keinen Alkohol geschmuggelt… In der Bucht vor unserem Hafen liegt eine große Yacht, wo man zum Alkoholtrinken hinfahren kann. Bela hat sie Saufyacht getauft. Machen wir auch nicht. Wahrscheinlich zu teuer, bei der Happyhour bekommt man nicht zwei für eins, sondern nur 20 % Rabatt…Wir machen erstmal Urlaub und chillen. Es gibt hier überall Hängematten. Der Strand ist weiß, das Wasser türkis und ziemlich erfrischend. Die Insel hat jedoch wenig damit zu tun, wie man sich gemeinhin einen Urlaub auf den Malediven vorstellt. Es gibt Supermärkte und Restaurants, die Straßen sind aus Sand. Es gibt einen Fischmarkt:

 Es gibt Motorräder und sogar ein paar Autos, obwohl die Insel eigentlich dafür gar nicht groß genug ist. Wir fragen, wer denn hier ein Auto braucht und bekommen zur Antwort, es seien junge Leute, die ein bisschen Spaß haben wollen. Wir wohnen übrigens auf Maafushi. 

Direkt neben dem staatlichen Gefängnis. Bevor die Malediven eines Tages vom Wasser überspült werden, wegen Klimawandel und so, gehen sie im Müll unter. Das ist ein echtes Problem hier. Überall liegen Plastikflaschen, egal ob im Meer, am Strand oder auf den Strassen. Wir hatten den Eindruck, dass sich auf Maafushi niemand so richtig darum kümmert. Da wohnen sie im Paradies und merken es gar nicht. 

Es gibt nichtmal ausreichend Mülltonnen. Einmal nur haben wir die Gefängnisinsassen aufräumen sehen. Das ist so schade. Außerdem gibt es sehr viele angefangene Baustellen, große und mehrgeschossige Gebäude, die mal Hotels werden sollen, ausgelegt wohl auf „all in“ Touristen. Auch das ist schade.

Wir buchen einen Schnorchelausflug mit einem Boot für uns 5. Mit drei Stopps zum Schnorcheln, Lunch auf einer anderen Insel und einem kurzen Aufenthalt auf einer Sandbank. Am Morgen ist Anprobe des Equipments, es kommen  vier Asiaten dazu…Wir denken an nichts böses, haben das Boot ja nur für uns gebucht. Allerdings, so erfahren wir, haben sich diese vier am Nachmittag auch noch angemeldet. Naja, wir wissen, wieviele Fische noch übrig bleiben, wenn die Nichtschwimmertouristen laut jolend ins Wasser hüpfen. Diese scheinen ganz nett zu sein, der Preis unserer Tour reduziert sich drastisch. Es sind Thailänder. Mutter und Vater mit erwachsener Tochter, die eine Art Batmankappe trägt. Die Oma haben sie auch noch im Schlepptau. Sie wird mit der Gepäckkarre zum Hafen geschoben. Es geht los. Wir werden ständig fotografiert. Sie freuen sich, als wir sie auf die Schippe nehmen und uns Bärenöhrchen oder das V Zeichen machen. Sie verwechseln Azul wohl mit einem Kuscheltier, ständig sind sie an ihr dran. Knuddeln sie und wollen Fotos. Schwimmen können sie nicht, schnorcheln auch nicht, das ist ein Heidentheater. Wir geben unseren Guide ab, dann haben sie zwei, die sie auch brauchen. Sie haben  nicht schlecht gestaunt, als wir einfach so einen Köpper ins Wasser gemacht haben, Flossen und Maske an und ab ging die Post. 

Die Unterwasserwelt ist an manchen Stellen wirklich fantastisch. Es sieht aus wie im Aquarium, so wie wir es aus Thailand, Indonesien oder Malaysia kennen. Wir sehen sogar zwei Rochen. Wir stoppen an verschiedenen Punkten, am Shark  point sehen wir tatsächlich ein paar Haie und Bela erleidet einen kleinen Quallenangriff. Wir müssen ihn auf dem Boot verarzten und bei Laune halten.

 

Wir machen Pause auf Gulhi Island zum Lunch. Es gibt gebratenen Reis mit Thunfisch aus Plastikdosen. Eine Stunde haben wir Zeit. Am Strand ist sehr schön. Der Sand richtig weiß und das Meer traumhaft schön. 

Wir verbrennen uns ein bisschen, weil wir zu lange im Wasser waren.   Der nächste Ausflug geht nach Guraidhoo Island. Auch dort ist es wunderschön, wenn man über den Müll hinwegsieht. Aber hier bemühen sich die Einwohner immerhin, sie gehen morgens und abends Müll sammeln. Heute ist freaky friday, das bedeutet Feiertag. Alles geschlossen ab 11 Uhr…. Wir haben das rechtzeitig bemerkt und uns Picknick eingepackt. Eine Limo bekommen wir aber doch noch:

Wir finden eine kleine unbewohnte Insel namens Losfushi. Dort ist es unbeschreiblich schön. Wir bleiben eine ganze Weile, baden, haben Picknick und hören den Muezzin jede Stunde, ist ja Freitag…

Wir sind die einzigen Menschen weit und breit. Bela und Levi möchten das Geld aus der Weltreisekasse sinnvoll investieren und planen, diese Insel zu kaufen. Die Einwohner von Guraighoo planen allerdings etwas anderes. Sie wollen noch mehr Sandstrände aufschütten, um mehr Touristen hierher zu locken…schade eigentlich.

Die Tage auf Maafushi sind unglaublich erholsam. Wir sind alle im Chillmodus, tragen seit der Ankunft keine Schuhe mehr. Ist auch nicht nötig, müssen sowieso vor jeder Tür ausgezogen werden und  werden eh staubig, weil es hier ja keine Asphaltstrassen gibt. 

Wir gehen überall barfuß hin, egal ob zum Supermarkt oder zum Essen ins Restaurant. Dort sitzen wir oft an Tischen am Strand und buddeln uns die Füße gegenseitig unter dem Tisch ein. Es ist unglaublich heiß hier. Sobald wir die Zimmer verlassen, fangen wir an zu schwitzen. Abends weht jedoch immer eine frische Brise, so dass einem die Brühe nicht mehr überall runterläuft. Wir machen einen zweiten Schnorchelausflug, diesmal nur wir. Mit zwei Stopps und dann lassen wir uns auf Gulhi Island raussetzen, bleiben dort ein paar Stunden am Strand und fahren mit der öffentlichen Fähre wieder zurück. 


Am letzten Tag versuchen Levi und ich zum Friseur zu gehen und uns die Haare färben zu lassen. Ein lustiger Plan. Der Friseur kommt von irgendwoher angerannt, als wir den Laden betreten. Ja, er kann färben, aber nur black. Nicht blau! Obwohl wir die Haarfarbe für Levi dabei haben…komisch…er hat kein Waschbecken im Laden, ich frage, wie er dann färben will. Er sagt: „wash in hotel“ Dann kann ich auch gleich selber färben. Machen wir dann auch. Die Holiday Lodge Leute sind begeistert von Levis Haarfarbe, wir haben dann doch pink genommen. Es ist auch nicht schlimm, dass wir ein Handtuch versaut haben.                                                                                                  Wer auf die Malediven kommen möchte und eine Mischung aus Strand und ein bisschen Infrastruktur braucht, ist hier auf Maafushi  ganz gut aufgehoben. Das Guesthouse (Holiday Lodge Maledives) ist bezahlbar und gut. Ali ist ein netter Host und sehr behilflich beim Organisieren von Ausflügen. Wir verabschieden uns für die nächste Etappe Weltreise. Es geht weiter nach Japan!

           

Was wir von den Malediven gelernt haben:

Nicht überall wo Paradies draufsteht, ist auch Paradies drin.

Ein Leben ohne Schuhe können wir uns gut vorstellen, macht vieles einfacher!

Ausflüge mit dem Schnorchelboot sind noch ein bisschen schöner, wenn es kaltes Bier an Bord gibt.


Wie wir die Menschen erlebt haben:

Von Insel zu Insel unterschiedlich , aber eher distaniziert und skeptisch uns gegenüber.