Die Reise nach Tokyo

Los gehtˋs. Mit dem Speedboat an den Flughafen. Das Wetter ist stürmisch, es regnet, das Boot schaukelt. Wir haben Spaß.

Ich schreibe mal wieder im Flieger. Bei Rotwein und Leonard Cohen. Da schreibt es sich besonders gut. Der erste Alkohol seit einiger Zeit. Auf den Malediven gibt es ja keinen. Außer am Flughafen im Dutyfree nur bei Ausreise, nicht besonders konsequent, wie ich finde. Wir fliegen mit China Eastern. Nicht des Erlebnisses wegen, sondern des Preises (ein Erlebnis wird es dennoch werden). Das sage ich mir immer wieder und entschuldige mich bei meinen Mitreisenden auch deswegen. Beim Check in gehtˋs schon los. Ein Zusammentreffen mit Chinesen ist unabwendbar. Sie treffen uns mit der Gepäckkarre in die Hacken, während wir die Rucksäcke auf das Band legen und gucken komisch, als wir sie auf die gelbe Wartelinie aufmerksam machen. Entschuldigung? Fehlanzeige. Die Mode? Der Knaller. Ich ziehe mir schon mal meine Reisethrombosekniestrümpfe zur kurzen Hose an, bin total up to date, sehe aber auch total bescheuert aus, mit den Trekkingschuhen noch dazu  😉          Während wir am Gate noch ruhig sitzen bleiben, als die Mitarbeiter zum Boarding aufrufen, stellen sich die Chinesen hektisch in Reih und Glied an,  als ob sie sonst keine Plätze mehr kriegen würden und gucken komisch, weil wir entspannt sitzen bleiben. Im Flugzeug herrscht hektisches Treiben. Die Stewardessen verbreiten Panik. Ich will gar nicht wissen, was die machen, wenn es wirklich mal ernst wird. Die Kopfhörer dürfen UNTER GAR KEINEN UMSTÄNDEN beim Start schon benutzt werden. Ebenso keine elektronischen Geräte, auch nicht im Flugmodus. Handy AUF GAR KEINEN FALL während des ganzen Fluges über, auch nicht im Flugmodus. Warum? So ist die Regel. Meine Familie kennt das bereits vom Flug auf die Malediven, wo ich nicht dabei war. Dieser Flieger würde bei uns lediglich für eine Kurzstrecke eingesetzt werden, Platz haben wir nicht, dafür aber 8 Stunden Flug vor uns. Es gibt ziemlich gleich nach dem Start das Dinner. Um uns herum wird geschmatzt, was das Zeug hält. Abgeräumt wird gleich nach dem Austeilen. Ansonsten gestaltet sich dann aber alles doch recht harmlos. Als wir endlich mal eingeschlafen sind, werden wir drei Stunden vor der Landung zum Frühstück geweckt…30 Minuten vor der Landung müssen wir uns wieder von den Kopfhörern verabschieden. Mike fragt diesmal warum: Strangulierungsgefahr, falls bei der Landung etwas passiert. Ich hab ja schon viel gehört, aber das???  Selten habe ich so viele Durchsagen gehört, wie in diesem Flugzeug. Es wurden Turbulenzen angekündigt, die keiner von uns gemerkt hat, mussten wir in dieser Zeit auf die Toilette, wurden wir dorthin begleitet. Der Service war so lala, wir wurden befördert und es wurde gut auf uns aufgepasst. Zu guter Letzt wurden wir aufgefordert, uns warm genug anzuziehen, weil es in Shanghai nur 15 Grad sind! Vielen Dank.

Da wir auf den Malediven keine Boardingkarten für den Flug von Shanghai nach Tokyo bekommen konnten, müssen wir jetzt anstehen, um welche zu bekommen. Die Schlange ist nicht so lang, es arbeiten teilweise 5 chinesische Bodenpersonalmitarbeiter an einem Vorgang. Dementsprechend lang dauert es. Nämlich: Es dauert solange, wie es dauert. Seeehr lange. Ich checke die Lage…als ich einen Mitarbeiter ohne Arbeit hinter dem Tresen finde, lege ich ihm siegessicher unsere Pässe vor. Er sagt muffelig, wir sollen einen Moment warten, er sei nicht zuständig. Ich sage, wir warten schon seit 45 Minuten. Er sagt, das ist das System, ich gucke böse und werde von Mike zurückgepfiffen. Okay, dann halt mit Humor. Kennt ihr die Szene aus Zoomania mit den Faultieren in der Zulassungsstelle? So ungefähr war das. Azul spricht es aus und wir biegen uns vor Lachen. Ich sage, wenn das so weitergeht, verpassen wir unseren Flug…nach Vietnam am 31.10. 😉  Irgendwann haben wir die Karten und dürfen weiter. Das Gepäck wird schon zum xten Mal durchleuchtet und unsere Pässe zum xten Mal kontrolliert. Sicher ist sicher! Wir suchen uns einen Platz am Gate und warten. Als es Zeit wird für Boarding, stellt sich keiner an. Ich frage nach. Verspätung. Taifun in Japan. Wie lang? 4 ( in Worten vier) Stunden! Keine Info über Lautsprecher, keine über den Bildschirm. Notfallgetränke gibt es um 11 Uhr, nun ist es gerade 8:50 Uhr. Wenn wir Hunger haben, sollen wir am Gate 22 ins Restaurant gehen. Auf unsere Kosten! Gate 22 ist etwa 2 KM entfernt. Wir erleben viel in diesen vier Stunden. 

Durchsagen ohne Ende in einer Lautstärke und einer Panik, die seinesgleichen sucht. Für einen Flieger nach Detroit wird gefühlt 15 Mal der Final Call über den Lautsprecher ausgerufen und als der Flieger bereits 15 Minuten zu spät war, kam ein Mitarbeiter mit einem Megaphon durch das Gebäude gejagt und hat ihn nochmal ausgerufen. Was war der Flughafen in Dubai angenehm. Das ist „leiser Flughafen“, ohne irgendwelche Durchsagen. Dort bin ich bei meinem Flug auf die Malediven  von Deutschland aus mit Emirates umgestiegen (das war ein Erlebnis, mit dem A380. Es gab sogar eine Bar. Das war super)

Lange Rede, kurzer Sinn, irgendwann sitzen wir im Flieger und landen danach wohlbehalten in Tokyo. Wahrscheinlich auch deswegen, weil sich keiner von uns mit den Kopfhörerkabeln strangulieren konnte und wir alle warm genug angezogen waren 😉                                                         Als wir zu den Gepäckbändern gehen, stehen unserer Rucksäcke schon komplett und zusammen neben dem Band und warten auf uns. Alles sehr gechillt hier. Wir gehen problemlos durch den Zoll, werden gelobt, weil wir alle Karten schon so schön ausgefüllt haben. Alle sind sehr nett und fix. Wir fahren mit dem Bus nach Shinjuku Station. Die Straße geht über mehrere Etagen, als wir Tokyo erreichen. Wir fahren mal am 10. Stock eines Hauses vorbei, mal im Kellergeschoß. Viele Straßen sind übereinander. Wir suchen uns ein Nudelsuppenlokal, essen gut ung günstig und marschieren zu unserer gemieteten Ferienwohnung. Wir verlaufen uns ein bisschen und fragen Passanten nach dem Weg. Englisch können sie nicht, holen als erstes mal ihr Telefon aus der Tasche und wissen dann auch nicht weiter. Andere kommen dazu und die Geräte, mit denen sie suchen, werden immer größer. Ich habe noch nie erlebt, dass jemand so lange gebraucht hat, um dann doch nicht weiterhelfen zu können. Aber sehr nett und immer am Lächeln…Mittlerweile ist es 22:30 Uhr. Eigentlich stand Sightseeing auf dem Programm, weil wir ja um 14:30 Uhr landen sollten. Die Wohnung ist klein und ruhig. Die ganze Stadt ist ruhig. Und so sauber. Alle gehen schlafen. Levi und ich drehen noch ein Ründchen. Hier kann man auch spät noch bedenkenlos raus. Der Autoverkehr ist gemäßigt bis langsam. Niemand hupt. Am Zebrastreifen wird angehalten. So hatte ich mir das nicht vorgestellt. Selbst die Baustellen sind pikkobello. Arbeitssicherheit wird hier ganz groß geschrieben. Die Bauarbeiter waren mit Klettergeschirr, OP Besteck und Helmen ausgestattet, um ein bisschen an der Grube zu schippen. Die Schuttlaster werden zwischendurch blitzeblank gewienert und sehen so aus, wie bei uns die LKW, wenn sie an einem Festumzug teilnehmen.                                                                                                                                                                                                   Es ist ganz schön frisch. Wir schlendern ein bisschen und gehen um 1 Uhr wieder zurück. Bett. Schlaf. Fazit: Japan ist angenehmer als wir dachten und deutlich angenehmer als China.

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