

Vom leisen Tokyo geht es ins laute Hanoi. Die Einreise nach Vietnam klappt problemlos. Wir waren vor 7 Jahren schon mal hier, da brauchten wir noch ein Visum. Das war diesmal nicht mehr nötig. Es hat sich viel getan in dieser Zeit, wobei wir nicht wissen, ob es an der Zeit liegt oder daran, dass wir damals im Süden waren. Der Verkehr hat sich extrem verändert. Es gab damals viel mehr Fahrräder und auf keinen Fall soviele Autos. Auch die Anzahl der Mopeds hat enorm zugenommen, was der Luft nicht unbedingt gut tut. Katastrophal ist es aber immernoch. Die fahren hier wie die Henker. Wenn zwei Spuren nicht reichen, wird eine dritte oder auch eine vierte Spur auf der Gegenfahrbahn eröffnet und dann passt aber immer noch das Moped aus dem Gegenverkehr durch. Hupen lernt man wahrscheinlich in der Fahrschule als erstes. Ich lese lieber, statt meinem Unglück in die Augen zu schauen. Wohlbehalten kommen wir dennoch in Halong an, aber dazu später mehr. Jetzt werden wir erstmal ins Hotel gebracht. Das Hotel schickt einen PKW und der Fahrer wundert sich über 5 Personen mit Gepäck. Wir fahren ein paar KM, als Mike ein Geräusch hört. Wir sind wohl zu schwer für den kleinen Wagen. Der Fahrer reduziert das Tempo auf 2 Km/h und telefoniert. Wir halten an. Irgendwas scheuert. Wir warten. Ein Kleinbus hält, das Pärchen, welches samt Gepäck umgeladen wird, guckt ein bisschen komisch und wir bekommen den Bus. Ab gehtˋs.


Wir übernachten eine Nacht im Hotel Diamond King, sehr nett und mit Begrüßungscocktail. Zur Info: Wir bezahlen 46 Euro für zwei Zimmer inklusive richtig gutem Frühstück. Wir sind mittendrin. In der Altstadt. Im chaotischen Hanoi. Kein Vergleich zu Tokyo. Es ist dreckig, laut und stinkt. Aber es ist cool. Die Empfangsdame fragt, ob wir schon mal in Hanoi waren. Wir sagen nein. Sie fragt ja nicht, ob wir schon mal in Vietnam waren. Wir bekommen ein Merkblatt. DinA4 beidseits beschrieben. Sie macht uns total Angst. Wir sollen alles im Hotel lassen. Bloß keine Wertsachen, keinen Schmuck, kein Handy, keine Kamera, auf keinen Fall unsere Pässe (die behält sie vorsichtshalber in der Rezeption), keine Kinder,….wird alles geklaut. Organhandel usw…Der Verkehr sei sehr gefährlich, am besten sollen wir nicht über die Straße gehen. Sie empfiehlt uns den Besuch einer christlichen Kirche für morgen, es sei ja ein besonderer Tag. Angepisst ist sie, als wir daraufhin sagen, ja, wir machen eine Tour durch die Halongbucht auf einem tollen Schiff. Sie meinte natürlich Allerheiligen, trägt ein fettes Kreuz um den Hals und versteht uns nicht, als wir ihr erklären, dass wir gar nicht so sind. Spirituell unabhängig sozusagen. Gibtˋs hier nicht (kein entsprechendes Modul im Hirn vorhanden), jeder muss glauben, notfalls an Drachen oder Geister. Wir trauen uns raus, aber nur nach nebenan in ein hübsches, teures Touristenrestaurant voller bunter Laternen. Leider konnten wir keine Fotos machen, weil wir ja nichts dabei hatten. Die Kinder können hier auf keinen Fall alleine los. Viel zu gefährlich. In Tokyo (9,6 Mio Einwohner) ging das, sogar alleine Ubahn fahren. Hier in Hanoi (4 Mio Einwohner) geht das nicht. Mike und Bela gehen ins Bett. Dort ist es sicher. Fußmassage nach dem Essen gibt es gegenüber vom Hotel (wir schaffen es zum Glück dann doch lebend über die Straße) in einem Laden mit wenig bis gar keinem Feng Shui. Vier Kleinkinder zanken sich im Massageraum, meine Masseurin wechselt zwischendurch, die Sessel sind nicht sonderlich bequem und ein Schnäppchen ist es auch nicht unbedingt. Aber immerhin im Dunstkreis des Hoteleingangs…Wir trauen uns nach der Massage in einen Supermarkt, um Wasser zu kaufen. Dafür müssen wir wieder die Straße überqueren. Sind also glücklicherweise jetzt auf unserer Seite. Dummerweise findet Levi einen Pulli in einem Laden neben der Massage ( den er für den Rest der Reise nicht mehr auszieht). Also wieder über die Straße. Diese Straße ist übrigens ungefähr so breit wie die Zufahrt zu unserem Grundstück… Den Pulli möchte ich mit Kreditkarte bezahlen. Levi holt mein Portemonnaie aus dem Hotel und schafft es ohne meine Hilfe erneut über die Straße. Sogar zweimal, denn zurück ins Geschäft muss er ja mit meinen Sachen auch noch. Auf einmal steht Bela auch im Geschäft. Er hat gewartet, bis Mike eingeschlafen ist, hat sich rausgeschlichen und ist Levi gefolgt. Mir bleibt fast das Herz stehen. Wie konnte er unbeschadet das Hotel verlassen und es über die Straße schaffen? Alleine? Die Empfangsdame hätte das verhindern müssen. Okay zurück zur Kreditkartenzahlung. Die Dame aus dem Pulloverladen sagt, „follow me“ und geht mit meiner Kreditkarte los. Aus dem Geschäft hinaus auf die Straße. Feindgebiet. Unsicheres Terrain. Scheiße…ich flitze hinterher. Sie hat meine Kreditkarte. Sie geht über die Straße, um die Ecke, ich sehe das Hotel nicht mehr. Kalter Schweiß. Sie geht weiter. Mein Puls steigt. Gefühlte 3 KM weiter, 2 Entführungen und 4 Überfällen später, mein Blutdruck ist jetzt auch auf einem ordentlichen Level, lande ich nach etwa 150 Metern wohlbehalten in einer Filiale des Pulloverladens. Alles klappt prima. Ich finde sogar unbeschadet wieder zurück. Ich gucke sogar ein bisschen nach rechts und links. Dabei finde ich heraus, dass wir hier viel günstiger hätten essen können. Gut, wir kommen ja nach der Bootsfahrt wieder, Wir bummeln jetzt alle in unterschiedliche Richtungen. Es geht gut. Es macht Spaß. Wir entdecken einiges.

Da wir sehr früh aufgestanden und an Reisetagen immer kaputt sind, werden wir müde. Wir schaffen wir es bis 22 Uhr noch ein paar Mal heil über die Straße. Irgendwann sind wir nur aus Protest vor dem Hotel und den strengen Augen der Empfangsdame einfach ein paar Mal rüber und nüber geflitzt. Wir gehen schlafen. Schließlich werden wir morgen früh abgeholt, um in die Halongbucht zu fahren.
Frühstück ist lecker, zu meiner Freude gibt es Nudelsuppe! Aber immerhin ab jetzt vietnamesische und keine japanische mehr. Abholen klappt auch mit einem netten Schild:

Über die Fahrt habe ich ja bereits oben geschrieben. Unser Guide (Jackie, wie Jackie Chan) erklärt auf der Fahrt unheimlich viel. Auch viel Stuß, den wir gar nicht hören wollen. Immer komische Witze mittendrin, die auf keinen Fall einstudiert wirken;) Er ist ein typischer vietnamesischer Reiseleiter, wir kennen das noch vom letzten Mal. Sie erzählen sehr viel, ohne dabei etwas zu sagen. Sie haben 12 Monate Ausbildung, davon 9 Monate Training, wie sie auf unbequeme Fragen nicht antworten. Sie sind den Amerikanern so dankbar, dass sie da waren…Hab ich mich verhört? Ich bin in Nordvietnam! Wo die dritte und vierte Generation sogar bereits im Kindergarten fertig gemacht wird, wenn der Opa mit dem Süden mit den Amerikanern gegen den Norden gekämpft hat. Wo man als Südvietnamese keinen Fuß auf den Boden bekommt, keine Ämter im Öffentlichen Dienst beispielsweise…. Wir landen am Hafen, checken auf dem Schiff ein und freuen uns auf drei Tage und zwei Nächte auf der Oriental Sails durch die Halongbucht. Sie gehört zum Unesco Weltnaturerbe. Zu Recht, wie wir finden. Hoffentlich wird das auch den Vietnamesen bald klar, denn so verdreckt wie die Bucht teilweise ist, wird es nicht mehr lange dauern und dieser Status wird aberkannt. Es gibt hier sehr viele Schiffe und wir schippern nur durch den rihgen Teil der Bucht. Der Hauptverkehr ist in der großen Bucht, dort sind täglich 500 Schiffe unterwegs. Mit entsprechend Abfall. Unser Boot hat Abwassertanks und ausreichend Platz für Abfall. Diese Tanks werden gewogen und wenn die geschätzen Mengen nicht stimmen, gibt es eine Geldstrafe. So könnte es funktionieren, wenn alle mitmachen würden. Die asiatische Sichtweise ist leider eine andere. So mussten auch auf „Befehl“ irgendeines Ministers alle Boote innerhlab von 6 Wochen weiß gestrichen werden, weil besagter Mann in Frankreich an einem See lauter weiße Schiffe gesehen hat und begeistert war. Das bedeutete, die schönen braungoldenen Schiffe mit aufwendigen Schnitzereien gibt es nicht mehr. Alles weiß, Schnitzereien sieht man nicht mehr…





Die Kabinen und das Schiff sind sehr schön, die anderen Passagiere eher wie Altersheim. Aber wird schon… Wir haben Lunch und machen im Anschluß eine Tour zum Fishing Village. Mit Kayaks und Bambusbooten. Es ist interessant. Die Menschen wohnen in Hütten auf dem Wasser und fischen. Leider plant die Regierung sie aufs Festland umzusiedeln. Das würde bedeuten, sie würden arbeitslos auf dem Festland rumhängen. Sie können nichts anderes als fischen, das machen sie seit Generationen so. Ihre Kinder lernen schwimmen, bevor sie laufen können. Nach dem fishing village besuchen wir eine Austernperlenfarm. Ich verliebe mich in eine Kette, möchte die Weltreisekasse dafür opfern und werde beinahe selbst geopfert…Zurück auf dem Schiff chillen wir auf unterschiedliche Art und Weise:



Happy hour ist von 17 bis 19 Uhr, es gibt 3 für 2. Also rein damit. Mike erntet bewundernde Blicke. Bela natürlich auch. Am Abend gibt es Kochkurs. Frühlingsrolle, frittiert. Azul macht mit und wir dürfen probieren. Es gibt einen deutschsprechenden vietnamesischen Guide, der den Kochkurs wie folgt ankündigt:“ Zuerst kocken wir, dann kotzen wir später davon“ Wir müssen lachen.

Es gibt Dinner. Das ist großartig:


Danach haben wir die Wahl zwischen Angeln und Karaoke. Da allerdings für Karaoke nicht genug Alkohol an Bord ist, versuchen wir es lieber mit angeln:



Das klappt aber auch nicht so richtig.
Wir verschwinden in den Betten. Der nächste Tag beginnt um 6:30 Uhr mit Tai Chi.

Ich werde um 6 Uhr von alleine wach und mache ein paar Sonnenaufgangfotos, weil ich mich in der Regel bei Tai Chi langweile.


Bei Bela machen sich winzige Anzeichen von Reise-Burnout bemerkbar. Wir müssen das beobachten. Er möchte nicht mit an den Strand, lieber auf dem Boot bleiben. Das geht natürlich nicht, denn das Boot fährt in den Hafen zurück, bringt die Eine-Nacht-Passagiere zurück und neue Gäste mit. Eine gute Lösung (wie wir finden), wir haben uns schon gefragt, wie das funktionieren soll, wenn wir zwei Nächte bleiben. Wir wollten ja nicht mit zum Hafen, um diese Transporte zu erledigen. So werden wir nach dem Frühstück einfach in ein Dayboat verladen. Das hat auch alles, wie das große, nur keine Schlafkabinen. Es ist schön. Wir sind 11 lustige Leute, alles passt gut. Wir fahren heute an einen kleinen Strand zum Schwimmen und Kayaken. Das Wasser ist super. Herrlich erfrischend. Weil wir schon so früh aufgestanden sind, haben wir um 10 Uhr schon total viel erlebt. Wir paddeln mit den Kayaks an einen Strand und baden dort. Bela ist wieder fit!


Später können wir vom Boot aus Arschbomben ins Wasser machen. Wir lotsen uns gegenseitig durch die Quallen, so dass niemand zu schaden kommt. Außer den Quallen, weil Bela sie zu angeln versucht.

Wir fahren durch die wunderschöne Wasserlandschaft zurück zu unserem Hauptboot. Es war ein wirklich schöner Tag. Bei Bela kam auch ziemlich bald die gute Laune zurück. Wir haben noch ein paar erlebnisreiche Tage in Vietnam vor uns, aber danach haben wir erstmal ein Haus in Auckland gemietet, um ein bisschen zur Ruhe kommen zu können und die Eindrücke zu verarbeiten. Das geht uns Erwachsenen ja auch nicht anders. Und dort in Auckland im Haus gibt es, und das schwöre ich, keine Nudelsuppe!!


Zurück auf dem Boot, sind wir erstmal fast alleine. Die neuen Passagiere, die nur eine Nacht gebucht haben, machen gerade den Fishing Village Ausflug. Allerdings sitzen zwei Damen auf dem Oberdeck, auf dem wir uns jetzt auch niederlassen. Es gibt Menschen, die gucke ich an und weiß, das ich sie nicht mag. So nimmt das Schicksal seinen Lauf. Es dauert nicht lang, da kommt die eine zu Mike und fragt, ob er Deutsch kann. Und ob er aufhören kann, mit den Beinen zu wackeln. Kann er nicht und er erklärt warum. Sie sagt was von Egoismus und so weiter…Mike wird ungeduldig, schließlich macht er das nicht mit Absicht. Sie sagt, das ganze Schiff wackelt. Das ist echt Quatsch. Sie raucht währenddessen. Das macht sie mit Absicht. Auch das thematisiert Mike. Naja, egal. Frei nach dem Motto: Auf jedem Schiff, das schwimmt und schwabbelt, ist einer drauf der dämlich sabbelt! 😉
Das Abendessen ist das gleiche wie gestern, wie mit der brennenden Ananas und so weiter. Aber dennoch lecker. Die Jungs verlassen den Tisch früher, haben keinen Hunger und keine Lust auf zweimal das gleiche und gehen Squid Fishing. Wie gestern. Allerdings kommt Bela nach 10 Minuten aufgeregt ins Restaurant und sagt, Levi hat einen geangelt. Tatsächlich baumelt an seiner Angel ein kleiner Tintenfisch. Er wird fotografiert, gekocht und verspeist. Die Jungs sind stolz!
Am Abend ist Karaoke bis die Heide wackelt. Azul und unser neuer Kumpel aus Holland singen, was das Zeug hält. Macarena und Barbie Girl und so weiter. Bela lacht sich schlapp und kommt alle 10 Minuten kichernd in unsere Kabine. Irgendwann können wir einschlafen. Am nächsten Morgen wird noch eine Höhle angeschaut und um 10.30 Uhr Mittag gegessen. Damit toppen wir meine Schwiegereltern um mindestens 45 Minuten 😉 Auschecken und ab gehtˋs zurück nach Hanoi. Der Rückweg ist genau wie der Hinweg, der Fahrer hat es eilig, ich überlege, ob ich etwas sage…da er es im Griff zu haben scheint, halt ich die Klappe. Wir stoppen auf der Hälfte, sollen Kunsthandwerk kaufen, für das wir keinen Platz haben und essen Ananas mit Chili und Salz. Auf der Weiterfahrt nach Hanoi kommen wir an einem wirklich (für uns) dramatischen Unfall vorbei. Levi kann Bela gerade noch rechtzeitig die Augen zuhalten. Uns wird richtig schlecht und wir schweigen erstmal für eine lange Weile. Der Fahrer reduziert sein Tempo, obwohl er und auch der Guide recht unbeteiligt wirken. Das gehört hier offenbar zum Alltag. Wir kommen heil an und checken schnell ein, kennen ja noch alles, auch unsere Daten haben sie noch. Netterweise konnten wir unser Gepäck im Hotel lassen, so dass wir nur Handgepäck mit auf das Schiff nehmen brauchten. Mike und ich haben ein Zimmerupgrade bekommen in die Suite! Mit Balkon zur Strasse. Toll! Heute ist Freitag! Wochenende! Seit Oktober wird die Altstadt am Wochenende für Autos gesperrt und zur Partymeile. Überall Bands und feiernde Menschen. Das ist nur solange schön, wie man mitmacht. Aber wenn man dann müde ins Bett fällt, ist es schon nicht mehr so schön, wenn direkt unter dem Upgradebalkon eine Gruppe Tempelvorführungen veranstaltet. Natürlich in asiatischer Lautstärke….Aber wir wissen ja schon vom Karaokeabend, dass man trotzdem einschlafen kann, wenn man nur müde genug ist. Müde sind wir abends immer. Obwohl wir heute noch bis 23 Uhr und ein paar Bier durchgehalten haben. Wir waren erst „local“ essen und noch ein bisschen bummeln, inkl. Fussmassage.

Am nächsten Morgen gibt es endlich wieder Nudelsuppe, danach gehen Azul und ich zum Friseur




Da nimmste zweimal waschen, schneiden, föhnen, einmal färben, Maniküre und Pediküre und zack, biste 40 Euro los 😉
Danach schlendern wir durch Hanoi, am See entlang, alles ist für Autos gesperrt. Es ist echt richtig schön. Die Kinder mieten sich Io Hawks und pesen damit rum.




Für abends haben wir Tickets für das Wasserpuppentheater besorgt. Das war auch ein schönes Erlebnis, was wir so von zu Hause nicht kennen. Obwohl alles auf vietnamesisch gesprochen wurde, haben wir fast alles verstanden.





Da es immernoch angenehm warm draußen ist und auch noch immer Volksfeststimmung herrscht, bleiben wir hier und genießen den Abend. Wir haben ja gelernt, dass unsere Empfangsdame Hanoi etwas überdramatisiert hat und wir tatsächlich heil und komplett zurück finden.





Am nächsten Morgen werden wir von Jürgen Eichhorn abgeholt. Mit ihm machen wir einige Touren hier im Norden. Er lebt seit einigen Jahren hier und bietet Touren abseits der Touristenrouten an. Darauf freuen wir uns gerade sehr, weil wir schon ziemlich viel Touristenkram hier gemacht haben. War alles sehr schön, aber jetzt mal etwas weniger trubelig! Er hat seine Tochter dabei, sie hat heute schulfrei. Ich weiß nicht warum, bis mir nach ein paar Stunden klar wird, es ist Sonntag. Hier hab ich keine Idee, welcher Wochentag ist. Datum weiß ich immer, bin aber ansonsten auf dem besten Weg zur Entschleunigung. Wir fahren in einen Nationalpark südlich von Hanoi – Ninh Binh – Bela und Maya verstehen sich super und rocken die Fahrt. Wir lassen uns mit Bambusbooten durch einen Teil des Nationalparks fahren, sehen aber leider keine Tiere. Vor allem keine Affen, es ist -wie bereits erwähnt- Sonntag und ganz Vietnam ist auf den Beinen. Da nehmen die Affen reißaus. Dennoch ist es hier sehr schön und ruhig, wenn uns nicht gerade eine Horde chinesischer Touristen auf Booten entgegen kommt oder die eine Ruderdame mit Lautsprecher auf dem Handy telefoniert…



Heiraten kann man hier auch:



Als wir zum Essen gefahren sind, waren die Chinesen schon da:


Danach sind wir nach Cuc Phuong gefahren, um ein Affenrettungszentrum zu besuchen. Dort arbeitet Elke Schwiertz aus dem Zoo in Leipzig seit vielen Jahren. Sie hat schon ein paar Affenarten vor dem Aussterben gerettet. Es werden dort Affen gemeldet, die illegal im Cafe oder sonstwo gehalten werden. Jegliche Art von Besitz von Wildtieren ist in Vietnam untersagt und wird geahndet. Sie düst dann los und sammelt sie ein. Sie lebt dafür. Die Führung von Elke durch das Zentrum war dementsprechend interessant. Wir haben Affen gesehen, von deren Existenz wir gar nicht wussten. Es leben dort 180 Affen und Elke kennt sie alle…mit Namen! Es ist eine wichtige Arbeit, die dort gemacht wird. Wir waren begeistert.

Auf dem Weg nach Hai Duong haben wir noch auf einem Kuhkopfmarkt angehalten. Allerdings haben wir uns für Popcorn entschieden….

Am Abend essen wir lecker in Jürgens Pizzeria -keinen Reis und keine Nudelsuppe- das ist auch mal wieder schön. Endlich Salat! Wir lernen Jürgens Frau Ha kennen.
Wir schlafen gut und düsen morgens um 8 Uhr schon wieder los, schließlich haben wir viel vor. Heutiges Ziel ist Lang Son, dort besuchen wir eine sehr schöne Höhle und dürfen im Markt Kekse und Tee probieren. Für jede Kekspackung, die wir kaufen, bekommen wir eine Packung Tee dazu oder auch zwei oder drei. Auf jeden Fall haben wir jetzt genug Tee. Wir kaufen noch ein paar Souvenirs für wirklich wenig Geld und fahren weiter.






Heute geht es weiter bis nach Cao Bang an der chinesischen Grenze, wo wir morgen zu den Wasserfällen fahren werden. Heute sitzen wir viel im Auto. So viele Kilometer sind es nicht, aber der Verkehr in Vietnam und die Strassenverhältnisse lassen es nicht anders zu. Wir machen für Bela eine Pipi Pause und schwupps, muss Mike Schnaps trinken, weil die Leute dort so selten Touristen sehen…Bela wird auch in 1000 Posen mit den Leuten fotografiert, denn blonde Kinder haben sie noch nie gesehen.

Am Abend gehen wir in einer Garage lecker essen. Jürgen kennt hier viele Leute. Deshalb gibt es den Hausbrand zum Essen gratis dazu, aus einer Plastikwasserflasche.

Ich treffe Don Bui, er hat eine ähnliche Tätowierung wie ich auf dem Arm, das gibt ein großes Theater mit vielen Bildern und so weiter…

Azul und ich gehen nach dem Essen zum Friseur und lassen Haare waschen. Jürgen schwärmt in den höchsten Tönen. Ich habe eigentlich keine Lust darauf, hatte schon ein paar Bier zuviel, mache aber Azul zuliebe mit. Sie hat Glück und ich jetzt Löcher in der Kopfhaut. Sie wird liebevoll massiert und ich skalpiert. Nach dem Föhnen sehe ich aus wie ein Löwe um die Eier, dafür hat es für uns beide nur 6 Euro gekostet. Vor unserer Eßgarage treffen wir auf ein paar lustige Backpacker aus Bristol. Sie spielen Gitarre und singen und wir machen erstmal alle mit. Das ist klasse. Wir gehen weiter auf einen großen Platz vor der Ho Chi Minh Statue. Dort gibt es leuchtende Karts und andere Fahrzeuge für Kinder. Für die Erwachsenen mehr Bier. Das ist lustig. Levi muss ein paar Mal sein Gefährt tauschen, weil entweder der Akku leer ist oder ein paar Räder abgefallen sind. Wir haben einen wunderschönen Abend. Es ist warm und die Stimmung ist toll.

Wasserfall – nächster Morgen. Wir fahren durch die Berge, die Landschaft ist wirklich richtig schön. Wir halten in einem Dorf, in dem Messer hergestellt werden. Das ist schwere Handarbeit. Wir besuchen eine Familie der dortigen Minderheiten. Sie leben in einem relativ großen Haus mit relativ wenig drin. Außer Wind…Sie haben kaum Möbel, die Kleidung hängt auf einer Leine an der Wand und die Wände haben Löcher. Das Dach ist hundert Jahre alt, hält aber noch. Das Baby ist erst vier Wochen alt und trägt keine Windeln. Mit erstaunlich viel Geduld wird es in der Zeit, in der wir dort sind zweimal umgezogen, weil die Hose naß ist. Ich bin natürlich berufsbedingt sehr interessiert am Babygeschehen. Wir können leider meinen Beruf nicht so erklären, dass sie es verstehen, also bin ich Doktor. Jürgen hat in einer tollen Aktion Geld gesammelt, damit sie zur Entbindung ins Krankenhaus gehen kann. Das muss sehr aufregend gewesen sein. Sie ist zum ersten Mal in ihrem Leben mit einem Fahrstuhl gefahren und hatte wohl große Angst. Die größere Tochter ist im Kindergarten, sie haben wir nicht kennengelernt. Die Familie lebt hier mit Oma und Opa, die auch noch Messer zusammen schmieden. Ein Wasserbüffel wohnt im Garten, zum Markt geht es einmal im Monat. Für unsere Kinder ist das alles schwer vorstellbar. Wir kaufen Messer und verabschieden uns.



Eigentlich brauchen wir für die Grenzregion ein Visum, das kostet für uns alle zusammen etwa 70 Dollar. Die Zöllner werden mit einer Art Knäckebrot mit Erdnüssen und schwarzem Sesam geschmiert und schwupps…70 Dollar gespart. Die Wasserfälle sind sehr schön, sie gehören zu den 5 größten Wasserfällen, die eine Landesgrenze bilden. Zusammen mit den Niagarafällen, den Victoriafällen, Iguazu (da waren wir schon einmal) und noch einer, den wir nicht herausgefunden haben. 



Wir stehen auf der vietnamesischen Seite, die Fälle sind etwas kleiner. Wir brauchen etwas Zeit, um die Fälle auf der chinesischen Seite schön fotografieren zu können, weil zahlreiche chinesische Flösse unterwegs sind, die das Motiv verschandeln. Die Chinesen juckt das gar nicht, sie knipsen drauf los. Auch hier gibt es natürlich wieder einen Markt, sie wollen uns unbedingt etwas verkaufen und laufen hinter uns her, also ab nach Hause. Etwa 17 KM vor dem Ziel kommen wir in einen Stau. Es ist ungefähr 16:30 Uhr. Es hat wohl gegen 12 Uhr einen LKW Unfall gegeben. Nix geht hier mehr. Wir stehen und alle anderen auch. In mehreren Reihen nebeneinander, so dass nur noch die Mopeds durchkommen. Ich denke, dass die auf der anderen Seite des Unfalls auch auf diese Art rumstehen. Das würde bedeuten, wenn frei ist und alle wieder fahren könnten, müsste jemand erstmal die Wartenden entknoten. Ich habe das im Süden schon mal gesehen, als eine Fähre angelegt hat. Auf der Fähre standen alle an der Reling entlang und am Fähranleger standen auch alle in einer langen Reihe. Die Fähre legt an und alle rammeln aneinander. Es werden nicht erst alle runtergelassen, nein, alle versuchen gleichzeitig runter und rauf zu kommen. Ebenso funktioniert das bei Schranken. Sieht lustig aus, oft passiert auch etwas, aber niemand lernt draus. Naja, wir haben genug Wasser dabei und können notfalls ins Gebüsch gehen. Irgendwann ist der Spaß vorbei und wir fahren weiter. Machen uns im Hotel ein bisschen frisch und wollen essen gehen. Khoai, unser Fahrer, hat sich mächtig in Schale geschmissen. Neben ihm steht eine ebenso zurecht geschmückte Dame im Rüschenkleid. Da er ein bisschen Deutsch kann, stellt er sie uns als seine Freundin in Cao Bang vor. Er geht mit ihr Essen 😉 Seine Frau wohnt in Hai Duong. Ich liege mit meiner Vermutung, dass die beiden sich nicht kennen wahrscheinlich nicht ganz daneben. Hier hat wohl jeder Fahrer in jedem Ort eine Freundin, sie sind ja viel unterwegs und wollen wahrscheinlich nicht frieren unterwegs….Wir wünschen ihm auf jeden Fall viel Spaß und Jürgen sagt, er bräuchte dann wohl vor 22 Uhr nicht im Hotel aufkreuzen. Sie teilen sich das Zimmer. Wir haben wieder einen schönen Abend, heute in einer anderen Garage, in der es auch wieder für wenig Geld leckeres einheimisches Essen gibt. Dazu gibt es interessante Geschichten aus Jürgens Erlebnispotpouri. Er hat schon auf der ganzen Welt gearbeitet und viel erlebt, das teilt er gerne mit uns und wir finden es spannend. Er kann natürlich auch sehr viel über Vietnam berichten. Wir kommen aus dem Staunen nicht mehr raus.
Der Blick von unserem Hotelbalkon aus dem 7.Stock:
Am nächsten Morgen treffen wir uns um 7 Uhr zum Geburtstagsfrühstück. Mike wird 50, obwohl er das gar nicht möchte! Es gibt eine Geburtstagstorte von Jürgen mit Kerzen und allem Pipapo. Wir singen. 

Abfahrt ist wie gewohnt um 8 Uhr, wir fahren heute an den Ba Be See zu einer Fahrt mit einem Boot und einer Übernachtung in einem Homestay. Die Fahrt geht über Land, wir halten zuerst bei einem örtlichen Imker, der 52 Bienenvölker in den Wäldern hat.
Diese Völker setzt er alle 14 Tage nach einem bestimmten Prinzip um, welches er keinem verrät. Dafür fährt er etwa 35000KMpro Jahr mit dem Moped auf teilweise halsbrecherischen Strecken. Jürgen ist schon einmla mitgefahren und hat uns davon erzählt. Entsprechend lecker schmeckt der Honig. 

Wir besuchen eine Familie mit drei behinderten Kindern, alle Opfer von Agent Orange. Die Anzahl an Kindern, die mit Behinderungen zur Welt kommen nimmt nicht ab. Im Gegenteil. Alles noch Folgen vom Besprühen der Wälder mit diesem Entlaubungsmittel im Vietnamkrieg. Es kann auch erst die übernächste Generation treffen. Das ist wirklich grausam. Jürgen betreut diese Familie schon lange. Ein Sohn sitzt im Rollstuhl, eine Tochter braucht Gehhilfen. Die älteste Tochter ist noch am gesündesten, obwohl auch sie nicht mehr kann, als trockene Maiskolben sortieren. Die Gesundheitszustände verschlechtern sich zusehends. Sie haben auch leider nur eine Lebenserwartung von 24 Jahren. Wir sind sehr betroffen. Er erzählt von seinem Heim für blinde Kinder in Hai Duong. Auch eine Folge des Giftes. Die Kinder erblinden im Alter von etwa 6 Jahren. Uns wird ziemlich schlecht, als wir diese Geschichte hören. 
Wir erreichen den Hafen und steigen ins Boot. Es ist eine wunderschöne Fahrt auf dem Fluß. Am Ufer kann man noch erkennen, wie sehr das Hochwasser vor drei Wochen hier gewütet hat. Das Ufer ist teilweise komplett abgerissen. Wir steigen in einer Höhle aus und laufen durch. 



Später legen wir an. Wir sehen eine Schlange fliehen und werden erneut in unserem Wissen bestätigt, dass Schlangen keine Lust haben auf Begegnungen mit uns. Wir gehen ein bisschen spazieren und sehen Wasserfälle. 






Es ist total heiß. Auf dem Rückweg biegen wir vom Fluß in den Ba Be See ab, die Kinder können schwimmen und sich etas abkühlen. Wieder ein sehr Tag. Traumhafte Landschaften. Wir landen im kleinen Dorf, in dem wir übernachten und noch ein wenig Geburtstag feiern. 
Das Homestay ist einfach, aber sauber und gemütlich. Die Familie ist sehr nett. Auch sie kennt Jürgen schon lange. Wir essen vorzüglich einfach und lecker. Danach kommt das Highlight des Tages: Eine Tanzgruppe der dortigen Minderheiten singt und tanzt für Mike….und mit Mike…und daher muss ich auch mit ran…es ist lustig, wir haben echt Spaß.





So schnell ist die schöne Tour mit Jürgen zu Ende. Auf dem Weg zurück nach Hanoi besuchen wir noch eine Teefarm. Die Arbeit ist sehr mühsam, weil diese Familie die Teeblätter von Hand pflückt. Sie finden immer schwieriger Mitarbeiter, weil niemand diese Arbeit machen möchte. Die Teepflanzen sind durch Milben und Würmer gefährdet, da diese Familie Tee in Bioqualität anbietet, dürfen sie auch nichts spritzen und müssen alles in Handarbeit entfernen. So kann eine kleine Milbe eine ganze Familie in den Ruin treiben.

Auf der Fahrt essen wir so einfach wie nie zuvor, es ist wirklich lecker, aber zum ersten Mal denke ich an Durchfall…der dann nicht kommt!
Die Weiterfahrt geht schnell, wir kommen in Hanoi im Hotel an und müssen uns leider von Jürgen und unserem Fahrer verabschieden. 
Natürlich geben wir ihm noch Geld für seine tollen Projekte mit behinderten Kindern. Wer das von euch auch machen möchte, sagt mir Bescheid. Wir haben dort alles gesehen, Jürgen kennengelernt und wissen, dass komplett jede Spende dahin geht, wo man sie hinhaben möchte. Auch an das Affenzentrum. Er behält -im Gegensatz zu den meisten Organisationen- nichts für die Verwaltung ein, sondern gibt es zu 100% weiter. Wir haben gesehen, wie z.B. die Familie aus dem Messerdorf Schulgeld für die große Tochter bekommen hat und die Familie mit den drei behinderten Kindern Geld von ihm für Medikamente bekam. Im Gegenzug gaben sie ihm Belege von der Apotheke. Es geht also alles mit rechten Dingen zu. Wir genießen die letzten Stunden in Vietnam mit chillen

Und so schnell wir hier angekommen sind, sind wir schon wieder auf dem Weg, diesmal nach Neuseeland:
Was wir in Vietnam gelernt haben:
zu schätzen, wo wir herkommen und leben dürfen