Auckland 2.0 oder zurück in die Zukunft und erste Etappe der Nordinsel

Wir fliegen nur 4 Stunden und verpassen einen kompletten Dienstag. Für uns hat dieses Jahr der 21.11. nicht existiert. Dafür sparen wir uns auch diese Übernachtung…wobei wir ja am 14.11. zwei Unterkünfte bezahlen mussten…also egal. Wir landen pünktlich um 4:50 Uhr in der Früh und zum Glück ist es leer am Airport. Es geht alles ruckizucki. Wir haben ein Hotel für eine „Nacht“, d.h. wir checken um 6:30 Uhr ein und haben ab 13 Uhr ein Wohnmobil. Das heißt hier Campervan, das gefällt mir besser. Das Hotel, bzw. Motel, ist ganz schön schratig. Sicher wurde dort mal ein Roadmovie gedreht. Es ist mehr oder eher weniger sauber, dafür günstig, hat sogar einen dreckigen Pool im komischen Garten. Late Check out bekommen wir gratis bis 13 Uhr und der kostenlose Airport Shuttle hat auch gut funktioniert. Wir haben eine Familiensuite, es gibt ungenießbaren Kaffee und Tee im Zimmer. Wenn man bedenkt, dass die Hotels in Flughafennähe hier alle bei 300 Euro pro Nacht losgehen, haben wir ein richtiges Schnäppchen erwischt. Wir schlafen drei Stunden, lassen die beiden Großen in Ruhe und machen uns auf den Weg, um den Campervan abzuholen. Das ist aufregend. Die Vermietung ist prima, mit Duschen und allem piepapo. Es gibt sogar ein Regal und einen Kühlschrank, wo Sachen für die nächsten Camper abgegeben werden können, statt sie vor dem Heimflug wegzuschmeißen. Die Idee gefällt mir. Ich nehme Müllbeutel (die sind tatsächlich für die komplette Reise ausreichend), Salz, Alufolie, Küchenrolle und Kiwifruchtmarmelade (ja, das ist hier ein Unterschied, das merke ich, nachdem diese Marmelade alle ist und ich im Geschäft nach Kiwijam frage…Kiwi ist hier entweder der Vogel oder die neuseeländische Bevölkerung, beides möchte ich nicht in der Marmelade haben). Indessen checkt Mike ein. Das geht über Tablet. Wir bekommen unser neues rollendes Zuhause erklärt, ein Mercedes, während Bela kostenlosen Kakao trinkt, bis nix mehr reinpasst. Der kostenlose Kaffee dort hingegen war grottig, genau wie der Tütenkaffee im Motel. Daran müssen wir uns wohl gewöhnen. Bald bin ich auf Tee umgestiegen. Es funktioniert alles ganz simpel. Wir probieren alles eben aus, Betten bauen, Strom, Wasser, Abwasser und Toilette. Alles da, was wir brauchen, sogar eine Bodumkaffeekanne. Richtige Bettwäsche mit Daunendecken und Kissen. Fast wie beim Glamping…Wir bekommen noch 5 Stühle und einen extra Tisch dazu, mit zwei Tischen ist es besser bei 5 Personen, sagt der Vermieter. Meinte er auch so, es kommt aber, wie so oft, anders. Nicht mit den Tischen…

Wir steigen ein und fahren los. Links mit Laster… klappt gut. Restliche Reiseteilnehmer nebst Gepäck abholen und ab auf den State Highway No. 1 Richtung Norden.

Wir sollen für die erste Nacht auf einen Campingplatz fahren und erstmal Strom tanken. Wir finden was nettes, am Strand, hübsch, sauber und ohne viele Menschen. Da habe ich ja ein bisschen Bammel vor: Camper! Das ist schätzungsweise mit Laubenpiepern, FKK Strand Besuchern und Saunagängern über 51 gleichzusetzen. Ein ganz eigenes Völkchen, jedenfalls in Deutschland. Hier scheint das anders zu sein. Selbst die älteren Deutschen, die wir hier treffen, sind nicht die typischen Camper, sie machen das alle wohl nur hier. Wir treffen auch zahlreiche 19 bis 25 Jährige, meist für ein paar Monate mit einem umgebauten Kombi zu zweit unterwegs. Im Kofferraum eine Holzkonstruktion mit Matratze zum Schlafen. Immer mit Lichterkette. Das ist wichtig! Merken! Kaufen! Wir sind in Red Beach, etwa eine Stunde nördlich von Auckland im Pinewoods Motorpark und lernen Camping. Es klappt alles und macht uns sogar Spaß. Wir machen es uns erstmal gemütlich. Packen das „Esszimmer“ aus und stellen fest, dass wir nur vier Stühle haben, dafür aber drei Tische. Da ist wohl etwas schief gelaufen, beim Einladen. Wir improvisieren. Bela hat eh keine Zeit zum Essen. Wir gehen an den Strand, kochen in der Campingplatzküche und benutzen das BBQ. Wir schlafen ganz gut und düsen am Morgen weiter nach Norden. Wir stoppen zum shoppen. Wir brauchen unbedingt einen Stuhl, eine Angel und noch ein paar Kleinigkeiten für den Campervan. Wäscheklammern und natürlich eine Lichterkette. Jemand hatte uns Whangarai empfohlen, wir wissen nicht so genau wieso und verschwinden sofort nach dem Lunch wieder. Wir wollen in die Bay of Islands und haben uns Paihia ausgeguckt. Wir haben jetzt einen Vergleichspreis für einen toll ausgestatteten und sauberen Platz mit Strom und sind extrem schockiert, als wir den Preis für den spartanischen Platz am ausgetrockneten Fluß ohne alles (die Stromplätze sind nochmal teurer) erfahren. Also: weiter. Letztendlich landen wir nachmittags in Haruru Falls. Ein wunderschöner Platz mit netten Vermietern. Wir bekommen den schönsten Stellplatz für unser Heim und sehen die Wasserfälle von unseren drei Campingtischen aus. Mike angelt. Bela auch.

Wir mieten uns Kayaks und fahren zu den Fällen und Fluß abwärts. Es ist wunderschön hier, es ist Ebbe und alles voller Mangroven. Ich mache eine tolle Mutter Sohn Tour mit Levi. Es dämmert schon und das Licht ist unglaublich. Mike angelt. Wir essen unter unserer neuen bunten Lichterkette und hören den Wasserfall rauschen. Ist das schön hier! Blöd ist Camping eigentlich nur dann, wenn man nachts mal muss. Dann heißt es Schuhe an und über den Platz zum Toilettenhäuschen. Komischerweise muss ich in festen Unterkünften nachts nie so oft…

Am nächsten Morgen wandern wir ein bisschen an Wasserfällen und fahren dann nach Waitangi und besuchen ein Maori Zentrum mit Museum.

Auch ich schaffe es, diesen Monstertruck im Linksverkehr sicher von A nach B zu steuern. Es macht sogar richtig Spaß. Das Maori Zentrum ist super interessant. Zunächst sperrt sich Renate aus einer Reisegruppe im Klo ein und ruft nach Rolf. Dieser kommt schnell in einen Gewissenskonflikt. Ob er wohl als Mann die Damentoilette betreten darf? Er muss ja schließlich seine ungeschickte Frau retten. Wir erfahren sehr viel, mal wieder unliebsame Geschichten von europäischen Eroberern, die mich teilweise sprachlos und sauer machen. Wir erfahren über den Vertrag von Waitangi, in dem die Maori eigentlich geschützt werden sollten, aber letztendlich total über den Tisch gezogen worden sind, weil sie der englischen Sprache nicht mächtig waren. Wir sehen eine beeindruckende Vorführung mit Begrüßungsritual, da will man sich lieber nicht mit ihnen anlegen. Renate hat sich übrigens inzwischen wieder gefangen.

Weiterfahrt nach Ahipara an den 90 Mile Beach, der aber nur in echt nur 68 Meilen lang ist. Ganz im Norden der Nordinsel Neuseelands. Es gefällt uns gut, nachdem wir den State Highway No 1 erneut gefahren sind, aber nicht so richtig glauben konnten, dass das so etwas wie eine Autobahn sein sollte. Kurven und Berge, teilweise schräge Fahrbahn, allen war übel, sogar mir, obwohl ich der Fahrer war. Die Landschaft ist wahnsinnig abwechslungsreich. Mal Berge mit Farn und Laubwald, immer mal eine Palme dazwischen, mal weites Grasland mit weichen Hügeln, alles wie mit Weichzeichner aufgenommen. Der Campingplatz (Ahipara Holiday Park) ist voll mit Jungvolk, viele sprechen deutsch. Azul trifft zwei Brüder aus Argentinien und ist enttäuscht, weil sie kein Mate mehr übrig haben. Wir gehen zum Strand. Der ist wirklich breit und beeindruckend.

Es fahren viele 4×4 Pickups, Motorräder und Quads herum. Es ist wie immer Ebbe, wenn wir zum Wasser wollen. Müssen weit laufen. Mike angelt. Leider wussten wir nicht, dass Ahipara so klein ist und nur drei Geschäfte hat. Eins ist eine Tankstelle, eins ein Take Away mit einer bescheidenen Auswahl an überteuerten Lebensmitteln und das dritte ein Tourenveranstalter. Also kaufen wir nur ein bisschen Toast und planen frisch geangelten Fisch ein . Wir leben die nächsten zwei Tage von Resten. Ohne Fisch. Geht auch. Irgendwann wird schon einer anbeißen. Am nächsten Tag wollen wir auf der Ahipara Düne sandboarden und gehen zum Verleih. Raus kommen wir mit zwei Boggieboards und Neoprens, weil die Sanddüne ungefähr 2 Stunden Fußmarsch bedeutet hätte. Der Himmel war schwarz und es war frisch, wir wollten nicht im Regen enden. Also surfen am Strand. Angeln und Yoga. Wieder kein Fisch, aber der Erleuchtung ein wenig näher. Tolle Hintergrundgeräusche für Yoga am Strand. Mopeds und Quads drehen laute Runden auf dem Sand, Bela brüllt rum, weil er mir ständig neue Kunststücke mit dem Board zeigen will und Levi macht sich lustig über das fehlende Yoga Feng Shui. Er malt ein fantastisches Bild auf den Sand. Mike angelt weiter.

Wir chillen die zwei Tage schnell vorbei, entscheiden uns gegen einen Ausflug nach Cape Reinga , weil es mit viel zu viel Unannehmlichkeiten verbunden wäre und düsen am Sonntag durch bis nach Auckland, um Joshi zu treffen. Er ist mit zwei Freunden unterwegs und hat eine Bleibe in Auckland gemietet bis sie ein passendes Auto gefunden haben. Die Freude ist riesig.

Sie sind über Thailand und Kambodscha angereist und haben viel zu berichten. Wir gehen zur Feier des Tages zusammen aus. Aus heißt in dem Fall, Sushi neben dem Shoppingcenter. Wir müssen sparen! Deshalb fahren wir auch weiter und übernachten auf dem Parkplatz einer Autobahn Tankstelle für lau. Zusammen mit den ganzen harten Jungs mit den langen Holzlastern. Mike kann hier nicht angeln.

Cook Island: die Reise in die Vergangenheit…

…also nach gestern…

Lustig ist schon der Flug. Also nicht, dass ich aus Versehen lediglich für den Rückflug Gepäck gebucht habe und wir echt viel nachbezahlen und umpacken müssen…nein, lustig weil wir am 15.11.17 um 16:50 Uhr in Auckland losfliegen und um 21:30 Uhr in Rarotonga ankommen. Allerdings am 14.11.17!! Das ist auch der Grund, warum wir in der Nacht vom 14. auf den 15.11. sowohl ein Haus, als auch ein Hotelzimmer an zwei verschiedenen Orten hatten. Gut, dass ich da besser aufgepasst habe als beim Gepäck. Denn sonst wären wir die erste Nacht auf Cook obdachlos gewesen. Das Buchungsportal wollte jedoch bereits am 15.11 eine Bewertung des Check Ins haben, als wir noch in der Küche in Auckland beim Abendessen saßen. Das ist komisch, die Geschichte mit der Datumsgrenze. Zurück fliegen wir am 20.11. und kommen am 22.11. an, obwohl wir auch wieder nur 3,5 Stunden fliegen. Auch komisch. Als wir landen ist es stockfinster. Die Leute hier sind auch alle wieder unglaublich entspannt und nett. Und alle noch dicker und größer als in Neuseeland. Sie stehen mit Blumenkränzen auf dem Kopf am Flughafen und tragen lustige Hawaii- bzw. eher Polynesienhemden.

Das Taxi „ächzt“ uns ins unsere Unterkunft. Wir kaufen noch schnell etwas ein, kochen und schlafen um 1:30 Uhr endlich ein. Wir haben ein sehr schönes Schlafzimmer mit Blick auf Palmen und Wasser. Das Fenster geht über die komplette Front, wir lassen es offen und brauchen weder AC noch Ventilator. Es geht eine frische Brise. Wir hören die Brandung bis ins Bett. Gibt es etwas schöneres? Am Morgen wache ich um 6 Uhr auf und gucke raus. Der Hammer! Die Sonne strahlt vom Himmel, das Wasser ist näher als gedacht, ich freue mich, alles ist noch leise und ich schlafe wieder ein. Als ich aufwache und wieder rausschaue, muss ich an den Film Cast Away mit Tom Hanks denken. Ich sehe gar nichts mehr, nur noch Regen, ach was, wolkenbruchartig kommt alles vom Himmel runter, was drin ist. Es stürmt und tretscht. Es ist ecklig. Im Film tut es das 5 Tage am Stück glaube ich. Mike sagt dann auch noch, wenn es in der Südsee regnet, dann regnet es viele Tage. Schade eigentlich. Ab morgen haben wir ein Auto, dann können wir wenigstens ins Museum, dort ist es trocken. Wir machen heute trotzdem alles. Sport im Regen, spazieren am Strand im Regen, lesen im Regen, schlafen im Regen, in den Pool im Regen und so weiter…Abends wollen Mike und ich alleine ausgehen. Das Angebot unserer kanadischen Nachbarin uns zu fahren lehnt Mike ab. Prima. Wir nehmen ausgelutschte Regenschirme und zischen ab. Mike mit dicken Wanderschuhen, Cargohose und Regenjacke, ich mit Pluderhose und Flipflops. Die quitschen schon bald. Die Nässe zieht sich an meiner weiten Hose nach oben und der Schlamm klebt an meinen Füßen. Das erste Restaurant was wir finden, ist unser. Wir wollen den kinderlosen Abend genießen. Doch wie ist das nochmal mit dem Karma! Wo landen wir klitschnaß? Weil es nicht nur das erste auf der Strecke ist, sondern auch weit und breit das einzige…The Rikshaw…Asiatisch Vietnamesisch…ich freu mich auf Nudelsuppe!

Es stürmt die ganze Nacht, wir lassen das Fenster natürlich wieder offen. Es gießt wie aus Eimern. Ich hoffe auf Besserung. Am Morgen scheint die Sonne. Es stürmt immernoch, aber der Regen ist weg. Bela auch! Er ist in aller Frühe mit seinem neuen kanadischen Kumpel, der mit Eltern und Geschwistern vor drei Monaten nach Neuseeland gezogen ist, losgezogen, um Kokosnüsse zu knacken und zu angeln. Die Kinder werden zu Hause von der Mutter unterrichtet. Bela findet das spannend. Wir treffen ziemlich viele Menschen mit interessanten Geschichten auf unserer Reise. Wie Jürgen aus Vietnam zum Beispiel. Er ist im Jugoslawienkrieg mit dem Motorrad von der Türkei durch den Krieg bis zur österreichischen Grenze gebügelt, weil er sein Moped nicht in der Türkei zurücklassen wollte, danach hat er für Franz Beckenbauer zwei Küchen ins Ferienhaus eingebaut und danach in der ganzen Welt gearbeitet. Auch in Japan. Dort in einem Ort im Winter ohne Heizung im Haus, wo es nur kalte Sachen zu essen gab. Das haben sie sich ein paar Tage gefallen lassen und dann standen die Kollegen kurz vor einer Meuterei. Also zog er los, kaufte Kocher, Gas, Töpfe und Pfannen. Druckte Rezepte, besorgte die Zutaten und ging in ein kleines Cafe, in dem sie vorher schon oft etwas warmes getrunken hatten. Die beiden Besitzerinnen waren einverstanden und kochten nun jeden Tag für die Mitarbeiter. Als Jürgen nach ein paar Jahren wieder in diesen Ort kam, war das Cafe geschlossen. Er fragte ein paar Leute nach den beiden Damen und bekam eine neue Adresse. Da hatten sich die beiden in der Zwischenzeit zu einem BBQ Restaurant vergrößert, weil die Gäste ihnen in dem Cafe die Türen eingerannt haben. Alle waren scharf auf Gekochtes. Tja, damit haben sie sich eine goldene Nase verdient 😉 Der kanadische Papa ist Chirurg, hat sehr unregelmäßige Arbeitszeiten und deshalb macht die Mutter mit den Kindern homeschooling, damit sie jederzeit, wenn der Vater ein paar Tage frei hat, wegfahren können, ohne auf Ferien angewiesen zu sein. So haben sie schon in Kanada, Südafrika und Australien gelebt. Und jetzt eben in Neuseeland. Natürlich sollen wir vorbeikommen, auf dem Weg in den Süden.

Wir fahren ab heute Auto. Erkunden die Insel ein bisschen. Es gibt zwei Buslinien. Clockwise und Anti Clockwise 😉 Es gibt auch nur zwei Straßen, die innere und die äußere Inselrundstraße. Wir suchen vergeblich nach Angeln, schönen Picknickplätzen und schönen Stränden. Wir beschließen uns erstmal vernünftige Informationen einzuholen. Abends gehen wir auf den Nachtmarkt im Nachbarort, haben local Abendessen und genießen die Atmosphäre dort. Es gibt Musik und ganz viele verschiedene Gerüche. Wir treffen auf Stefan und Gabriele aus Deutschland. Sie verkaufen irre leckere Kokosnusschips und reisen seit 4 Jahren um die Welt. Gestartet haben sie auf den Bahamas, sind dann viel Schiff gefahren, nach Panama und schießlich Tahiti. Dann waren sie lange in französisch Polynesien und sind vor drei Monaten mit dem Schiff hier angekommen. Sie vertreten den Kokosnusschipsmann, der nach Neuseeland musste. So müssen sie jeden Tag etwa 18 Kokosnüsse sammeln, aufhacken, raspeln, im alten Ofen rösten, verschieden würzen und auf den Märkten verkaufen. So schlagen sie sich durch und sehen keine Veranlassung momentan nach Deutschland zurück zu kehren. Unsere Reise finden sie auch sehr spannend, vor allem, weil wir die Kinder aus der Schule genommen haben, um ihren Horizont zu erweitern. Wir wollten so etwas ähnliches machen wie Stefan und Gabriele, als Hunde- bzw Haussitter, das hat aber leider nicht geklappt. Wir haben das Angebot, uns zwei Monate in einem 300 Einwohner Dorf auf der Südinsel um ein Kaninchen zu kümmern lieber abgelehnt.

Das Wetter wird besser und wir erkunden die Insel mit unserem quietschenden Mietwagen. Was wir sehen gefällt uns gut, wenn sich doch bloß die Sonne mal blicken ließe… Die Hauptstadt heißt Avarua und ist nicht sehr groß. Wir kaufen ein, zum Glück haben wir eine Küche. Lebensmittel sind hier wirklich teuer und ausgehen sowieso. Selbst das Internet kostet Geld. Deshalb gehen wir sparsam damit um. Was uns gut tut, gefällt den Kindern gar nicht. Sie haben Internet Detox vor sich, das wird schon. Stattdessen machen sie was ganz neues und üben sich im Kokosnussbusiness:

Mühsam, aber dann lecker. Als die Sonne dann doch endlich mal rauskommt, ist es richtig heiß. Auch das Meer hat auf einmal eine ganz andere Farbe.

Wir fangen an, es zu genießen. Fahren Kayak, schnorcheln, schwimmen, angeln, grillen abends und machen Lagerfeuer am Strand. Zwischendurch gibt es immer mal wieder Kokosnüsse.

Wir besuchen den Samstagsmarkt in Avarua. Die Stimmung ist toll. Es gibt leckeres Essen, viel Obst und eine Tanz- und Musikvorführung von „Eingeborenen“, wie Bela sagt.

So langsam wie man hier fahren darf (auf der ganzen Insel höchstens 50 km/h), so plätschern die Tage gechillt vorüber. Wir sehen einiges, auf einiges verzichten wir auch, weil wir uns und unsere Reisekasse nicht überfordern wollen.

Wir baden am Wasserfall, das macht mega viel Spaß. Das Wasser ist schön frisch und wenn man nicht reinspringt, wird man von Moskitos aufgefressen. Wir finden ihn dann doch noch, den ultimativ schönen Strand und treffen auch dort Menschen, die deutsch sprechen. Zwei Schweizer mit -natürlich auch wieder- interessanten Lebensgeschichten. Einer von ihnen lebt seit über einem Jahr hier auf der Insel und hat ein großes Cafe eröffnet. Er ist mit der Inselgeschichte vertraut und erzählt uns, dass die Einheimischen vor der Missionierung durch die Europäer alle schlank und gesund waren. Sie ernährten sich von Fisch, Gemüse und natürlich Kokosnüssen. Mit den Missionaren kam auch das für sie schlechte Essen und sie wurden dick und auch krank. Heute wissen sie nicht so genau, wo sie hingehören. Sie haben ihre Kultur und ihre Bräuche, gehen sonntags in die Kirche und stehen irgendwie dazwischen. So etwas ähnliches haben wir uns schon gedacht. Wir treffen uns nach dem Sonntagsnachtmarkt mit Stefan und Gabi. Sie haben viel zu erzählen. Das braucht schon ein paar Bierchen. Das wiederum gibt es sonntags hier nicht. Wir waren aber vorbereitet. Es ist ein schöner Abend, Mike wird von Adam aus Auckland für David Beckham gehalten, ich aber nicht für Victoria 😉 Gespannt lauschen wir den interessanten Geschichten der beiden, die seit vier Jahren unterwegs sind. Was eigentlich nicht geplant war, sich dann aber anders ergeben hat. Sie wollten ein Business auf den Bahamas starten, was in letzter Minute quasi geplatzt ist. Wir holen uns ein paar Tipps, wo es uns eventuell noch hin verschlagen könnte auf der Reise, da wir für Südamerika keinen Plan machen wollen. Treiben lassen ist der Plan. Aber ein paar Infos vorab können nicht schaden. Sie erzählen über die Bahamas, Panama, Costa Rica und Tahiti, wo sie lange gewesen sind. Wir besuchen Sie am nächsten Tag in ihrem Haus und lassen uns die Produktion der Chips zeigen. Bela ist zwischenzeitlich im Hotel auch schon in Produktion gegangen und hat leckere karamelisierte Kokoschips hergestellt. Natürlich lässt er die Experten probieren, die sind sofort überzeugt. Nun werden Pläne geschmiedet für das nächste Stadtfest in Gudensberg. Die Standorte wird geplant und die Verpackung besprochen. Ich bin gespannt.
Wir genießen die Zeit und sind fast schon ein bisschen melancholisch, als wir zum Flughafen fahren. Es hat uns wirklich ziemlich gut gefallen, obwohl wir auf schon schöneren Inseln gewesen sind. Unser Hotel war top. Mit den Kayaks und den Kokosnüssen hatten wir einen riesen Spaß. Geangelt haben wir bis zum Schluß nichts, obwohl bei Bela einmal ein so großer Fisch dran war, der ihn fast vom Steg gezogen hätte. Am Flughafen gibt es dann noch ein letztes Highlight. Levis Handgepäck ist 3 Kilo zu schwer. Unsere Rücksäcke stehen noch vorne hinter der Waage am Check in. Wir könnten also noch umpacken. Es geht aber auch so: Wir nehmen das Handgepäck, holen so lange Dinge heraus, bis es nur noch 7 Kilo wiegt und behalten sie kurz. Nachdem er den „Okay-Aufkleber“ bekommen hat, räumt er alles wieder rein. Parallel zu dieser Aktion, steigt eine dicke Maori Frau aus Spaß selber auf die Waage und freut sich total über ihre 140 Kilo…Noch Fragen?

Was wir von den Cook Inseln gelernt haben:
Paradies funktioniert!
Verwandtschaft darf durchaus im Garten begraben werden.
Was wir nicht gelernt haben:
Angeln
Wie wir die Menschen erlebt haben:

Sehr gelassen und total nett, jeder kümmert sich auch ein bisschen um das Gemeinwohl. Überall ist es pickobello sauber

AUCKLAND  die erste…

Neuseeland…ein Traum! Ja, beginnt schon im Flieger. Wir steigen in Kuala Lumpur um, das kennen wir schon von 2011. Das ist cool, der Flughafen schön und sauber. Alles easy für 4 Stunden Aufenthalt. Dann weiter nach Gold Coast/Australien. Nur kurz raus aus dem Flieger und wieder rein. Gleiche Sitze, alles gut…eigentlich. Wir müssen raus, müssen unser Gepäck durchleuchten lassen, unser Wasser ausschütten – welches wir im Flieger gekauft haben – und alles stoppt, als um 11 Uhr die australische Nationalhymne läuft! Naja, wenigstens war uns nicht langweilig, diese eine Stunde in Australien. Weiterflug nach Auckland. Wir füllen die strengste Einreisekarte aus, die ich jemals gesehen habe. Sogar unsere Sitzplätze im Flieger müssen wir eintragen. Ob wir Trekkingschuhe dabei haben und wo wir in den letzten 30 Tagen gewesen sind. Da müssen wir erstmal überlegen. Viel…war das. Wir füllen alles ordnungsgemäß aus. Bei den Schuhen schummeln wir ein bisschen. Wir sind zwar damit draußen herumgelaufen, haben aber die Idee, dass sich alles verzögert, wenn wir das als Trekking bezeichnen. Also nein, wir haben keine Schuhe dabei, mit denen wir Trekking gemacht haben. Belas Kekse verschweigen wir auch. Aber Milch, Käse, Vögel, Gehacktesbrötchen und Kühe haben wir wirklich nicht mit. Bei der Passkontrolle wird auch sehr viel gefragt, aber nett und lustig. Wo wir hingehen, wie lange wir bleiben. „Oh really? Mobile Home? Where did you book?“ Ich so: “ Oh, actually we didnˋt. Could you recommend some?“ Hihi…Konnte sie nicht. Aber egal. Ausgehorcht wirst du, aber eben sehr nett. Nicht so versteinerte Gesichter wie auf den Malediven oder Sri Lanka. Außerdem dürfen wir alle fünf gleichzeitig zur Passkontrolle, was selbst in Deutschland undenkbar ist. Dann Gepäck, das ging fix. Dann Zoll. Das dauerte wieder. Alles wird nochmal abgefragt. Bela bekommt Schiß und erwähnt seine Kekse, die aber dann doch kein Problem darstellen. Nett sind sie, die Kiwis. Alles nochmal xray und mit uns 2 Mio. andere Leute. Viele Menschen hier sind beeindruckend groß und dick, im Gegensatz zu den kleinen Vietnamesen, die halb so groß und schwer waren wie wir, fühle ich mich neben so einem Maori klein und dünn!  To make a long story short: Wir kommen mit dem Mietwagen wohlbehalten in unserem gemieteten Haus an. Copilot Mike und Navi sei Dank.  Das Haus ist ein kleiner Traum, mit Hundeanschluß.

Der Vermieter ist auch ziemlich lange bei uns geblieben, ist nur mal kurz weg, um „nachzutanken“. Irgendwann musste er sich dann sogar festhalten und wir lüften. Wir kochen (Steak statt Nudelsuppe!) und fallen in die Betten. Schlafen lange. Sehr lange. Wir lümmeln den ganzen Tag und erholen uns einfach. Tut gut. Abends fahren wir in die Stadt. Mit dem Auto. Das klappt besser als ich dachte. Linksverkehr. Ich verwechsel Blinker mit Scheibenwischer. Aber das kennen sie wohl, die Neuseeländer, denn ich werde immer reingelassen, wenn ich die Scheibenwischer anstelle, obwohl es gar nicht regnet. Als es dann regnet, blinke ich sicherheitshalber. Zum Glück muss ich nicht schalten. Automatik. Das wäre zuviel für den Anfang. Aufs Navi brauche ich auch nicht achten, das und Copilot Mike reden mit mir. Irgendwann fahre ich aber auch wie ein Einheimischer und kann gleichzeitig fahren und aufs Navi achten. Es ist auch nicht so viel los auf den Straßen. Wir fahren sogar mittenrein, nach downtown Auckland. Mit parken und so…das ist schon komisch mit dem Lenkrad auf der anderen Seite. Machen wir aber nicht mehr. Das Parken ist extrem teuer hier. Auckland ist ganz schön, so auf den ersten Blick. Soviel haben wir noch nicht gesehen. Wir haben hier so ein bisschen was wie Alltag, wir gehen schwimmen, müssen einkaufen und kochen, Wäsche waschen, gehen in den Zoo und kommen langsam an.




Der Jetlag ist uns allerdings immernoch auf den Fersen. Hund und Vermieter verlieren  das Interesse an uns und wir haben unsere Ruhe. 

Nach vier Nächten geht es schon wieder weiter. Wir wollen auf die Cookinseln. Da geht man wegen des Wetters am besten vor Dezember hin, deshalb diese Route. Wenn wir zurück nach Auckland kommen, haben wir für 4 Wochen ein Wohnmobil, mittlerweile gemietet, auch ohne die Hilfe der Zollbeamtin 😉  


 

Good Morning Vietnam

Vom leisen Tokyo geht es ins laute Hanoi. Die Einreise nach Vietnam klappt problemlos. Wir waren vor 7 Jahren schon mal hier, da brauchten wir noch ein Visum. Das war diesmal nicht mehr nötig. Es hat sich viel getan in dieser Zeit, wobei wir nicht wissen, ob es an der Zeit liegt oder daran, dass wir damals im Süden waren. Der Verkehr hat sich extrem verändert. Es gab damals viel mehr Fahrräder und auf keinen Fall soviele Autos. Auch die Anzahl der Mopeds hat enorm zugenommen, was der Luft nicht unbedingt gut tut. Katastrophal ist es aber immernoch. Die fahren hier wie die Henker. Wenn zwei Spuren nicht reichen, wird eine dritte oder auch eine vierte Spur auf der Gegenfahrbahn eröffnet und dann passt aber immer noch das Moped aus dem Gegenverkehr durch. Hupen lernt man wahrscheinlich in der Fahrschule als erstes. Ich lese lieber, statt meinem Unglück in die Augen zu schauen. Wohlbehalten kommen wir dennoch in Halong an, aber dazu später mehr. Jetzt werden wir erstmal ins Hotel gebracht. Das Hotel schickt einen PKW und der Fahrer wundert sich über 5 Personen mit Gepäck. Wir fahren ein paar KM, als Mike ein Geräusch hört. Wir sind wohl zu schwer für den kleinen Wagen. Der Fahrer reduziert das Tempo auf 2 Km/h und telefoniert. Wir halten an. Irgendwas scheuert. Wir warten. Ein Kleinbus hält, das Pärchen, welches samt Gepäck umgeladen wird, guckt ein bisschen komisch und wir bekommen den Bus. Ab gehtˋs.

Wir übernachten eine Nacht im Hotel Diamond King, sehr nett und mit Begrüßungscocktail. Zur Info: Wir bezahlen 46 Euro für zwei Zimmer inklusive richtig gutem Frühstück. Wir sind mittendrin. In der Altstadt. Im chaotischen Hanoi. Kein Vergleich zu Tokyo. Es ist dreckig, laut und stinkt. Aber es ist cool. Die Empfangsdame fragt, ob wir schon mal in Hanoi waren. Wir sagen nein. Sie fragt ja nicht, ob wir schon mal in Vietnam waren. Wir bekommen ein Merkblatt. DinA4 beidseits beschrieben. Sie macht uns total Angst. Wir sollen alles im Hotel lassen. Bloß keine Wertsachen, keinen Schmuck, kein Handy, keine Kamera, auf keinen Fall unsere Pässe (die behält sie vorsichtshalber in der Rezeption), keine Kinder,….wird alles geklaut. Organhandel usw…Der Verkehr sei sehr gefährlich, am besten sollen wir nicht über die Straße gehen. Sie empfiehlt uns den Besuch einer christlichen Kirche für morgen, es sei ja ein besonderer Tag. Angepisst ist sie, als wir daraufhin sagen, ja, wir machen eine Tour durch die Halongbucht auf einem tollen Schiff. Sie meinte natürlich Allerheiligen, trägt ein fettes Kreuz um den Hals und versteht uns nicht, als wir ihr erklären, dass wir gar nicht so sind. Spirituell unabhängig sozusagen. Gibtˋs hier nicht (kein entsprechendes Modul im Hirn vorhanden), jeder muss glauben, notfalls an Drachen oder Geister. Wir trauen uns raus, aber nur nach nebenan in ein hübsches, teures Touristenrestaurant voller bunter Laternen. Leider konnten wir keine Fotos machen, weil wir ja nichts dabei hatten. Die Kinder können hier auf keinen Fall alleine los. Viel zu gefährlich. In Tokyo (9,6 Mio Einwohner) ging das, sogar alleine Ubahn fahren. Hier in Hanoi (4 Mio Einwohner) geht das nicht. Mike und Bela gehen ins Bett. Dort ist es sicher. Fußmassage nach dem Essen gibt es gegenüber vom Hotel (wir schaffen es zum Glück dann doch lebend über die Straße) in einem Laden mit wenig bis gar keinem Feng Shui. Vier Kleinkinder zanken sich im Massageraum, meine Masseurin wechselt zwischendurch, die Sessel sind nicht sonderlich bequem und ein Schnäppchen ist es auch nicht unbedingt. Aber immerhin im Dunstkreis des Hoteleingangs…Wir trauen uns nach der Massage in einen Supermarkt, um Wasser zu kaufen. Dafür müssen wir wieder die Straße überqueren. Sind also glücklicherweise jetzt auf unserer Seite. Dummerweise findet Levi einen Pulli in einem Laden neben der Massage ( den er für den Rest der Reise nicht mehr auszieht). Also wieder über die Straße. Diese Straße ist übrigens ungefähr so breit wie die Zufahrt zu unserem Grundstück… Den Pulli möchte ich mit Kreditkarte bezahlen. Levi holt mein Portemonnaie aus dem Hotel und schafft es ohne meine Hilfe erneut über die Straße. Sogar zweimal, denn zurück ins Geschäft muss er ja mit meinen Sachen auch noch. Auf einmal steht Bela auch im Geschäft. Er hat gewartet, bis Mike eingeschlafen ist, hat sich rausgeschlichen und ist Levi gefolgt. Mir bleibt fast das Herz stehen. Wie konnte er unbeschadet das Hotel verlassen und es über die Straße schaffen? Alleine? Die Empfangsdame hätte das verhindern müssen. Okay zurück zur Kreditkartenzahlung. Die Dame aus dem Pulloverladen sagt, „follow me“ und geht mit meiner Kreditkarte los. Aus dem Geschäft hinaus auf die Straße. Feindgebiet. Unsicheres Terrain. Scheiße…ich flitze hinterher. Sie hat meine Kreditkarte. Sie geht über die Straße, um die Ecke, ich sehe das Hotel nicht mehr. Kalter Schweiß. Sie geht weiter. Mein Puls steigt. Gefühlte 3 KM weiter, 2 Entführungen und 4 Überfällen später, mein Blutdruck ist jetzt auch auf einem ordentlichen Level, lande ich nach etwa 150 Metern wohlbehalten in einer Filiale des Pulloverladens. Alles klappt prima. Ich finde sogar unbeschadet wieder zurück. Ich gucke sogar ein bisschen nach rechts und links. Dabei finde ich heraus, dass wir hier viel günstiger hätten essen können. Gut, wir kommen ja nach der Bootsfahrt wieder, Wir bummeln jetzt alle in unterschiedliche Richtungen. Es geht gut. Es macht Spaß. Wir entdecken einiges.

Da wir sehr früh aufgestanden und an Reisetagen immer kaputt sind, werden wir müde. Wir schaffen wir es bis 22 Uhr noch ein paar Mal heil über die Straße. Irgendwann sind wir nur aus Protest vor dem Hotel und den strengen Augen der Empfangsdame einfach ein paar Mal rüber und nüber geflitzt. Wir gehen schlafen. Schließlich werden wir morgen früh abgeholt, um in die Halongbucht zu fahren.

Frühstück ist lecker, zu meiner Freude gibt es Nudelsuppe! Aber immerhin ab jetzt vietnamesische und keine japanische mehr. Abholen klappt auch mit einem netten Schild:

Über die Fahrt habe ich ja bereits oben geschrieben. Unser Guide (Jackie, wie Jackie Chan) erklärt auf der Fahrt unheimlich viel. Auch viel Stuß, den wir gar nicht hören wollen. Immer komische Witze mittendrin, die auf keinen Fall einstudiert wirken;) Er ist ein typischer vietnamesischer Reiseleiter, wir kennen das noch vom letzten Mal. Sie erzählen sehr viel, ohne dabei etwas zu sagen. Sie haben 12 Monate Ausbildung, davon 9 Monate Training, wie sie auf unbequeme Fragen nicht antworten. Sie sind den Amerikanern so dankbar, dass sie da waren…Hab ich mich verhört? Ich bin in Nordvietnam! Wo die dritte und vierte Generation sogar bereits im Kindergarten fertig gemacht wird, wenn der Opa mit dem Süden mit den Amerikanern gegen den Norden gekämpft hat. Wo man als Südvietnamese keinen Fuß auf den Boden bekommt, keine Ämter im Öffentlichen Dienst beispielsweise…. Wir landen am Hafen, checken auf dem Schiff ein und freuen uns auf drei Tage und zwei Nächte auf der Oriental Sails durch die Halongbucht. Sie gehört zum Unesco Weltnaturerbe. Zu Recht, wie wir finden. Hoffentlich wird das auch den Vietnamesen bald klar, denn so verdreckt wie die Bucht teilweise ist, wird es nicht mehr lange dauern und dieser Status wird aberkannt. Es gibt hier sehr viele Schiffe und wir schippern nur durch den rihgen Teil der Bucht. Der Hauptverkehr ist in der großen Bucht, dort sind täglich 500 Schiffe unterwegs. Mit entsprechend Abfall. Unser Boot hat Abwassertanks und ausreichend Platz für Abfall. Diese Tanks werden gewogen und wenn die geschätzen Mengen nicht stimmen, gibt es eine Geldstrafe. So könnte es funktionieren, wenn alle mitmachen würden. Die asiatische Sichtweise ist leider eine andere. So mussten auch auf „Befehl“ irgendeines Ministers alle Boote innerhlab von 6 Wochen weiß gestrichen werden, weil besagter Mann in Frankreich an einem See lauter weiße Schiffe gesehen hat und begeistert war. Das bedeutete, die schönen braungoldenen Schiffe mit aufwendigen Schnitzereien gibt es nicht mehr. Alles weiß, Schnitzereien sieht man nicht mehr…

Die Kabinen und das Schiff sind sehr schön, die anderen Passagiere eher wie Altersheim. Aber wird schon… Wir haben Lunch und machen im Anschluß eine Tour zum Fishing Village. Mit Kayaks und Bambusbooten. Es ist interessant. Die Menschen wohnen in Hütten auf dem Wasser und fischen. Leider plant die Regierung sie aufs Festland umzusiedeln. Das würde bedeuten, sie würden arbeitslos auf dem Festland rumhängen. Sie können nichts anderes als fischen, das machen sie seit Generationen so. Ihre Kinder lernen schwimmen, bevor sie laufen können. Nach dem fishing village besuchen wir eine Austernperlenfarm. Ich verliebe mich in eine Kette, möchte die Weltreisekasse dafür opfern und werde beinahe selbst geopfert…Zurück auf dem Schiff chillen wir auf unterschiedliche Art und Weise:

Happy hour ist von 17 bis 19 Uhr, es gibt 3 für 2. Also rein damit. Mike erntet bewundernde Blicke. Bela natürlich auch. Am Abend gibt es Kochkurs. Frühlingsrolle, frittiert. Azul macht mit und wir dürfen probieren. Es gibt einen deutschsprechenden vietnamesischen Guide, der den Kochkurs wie folgt ankündigt:“ Zuerst kocken wir, dann kotzen wir später davon“ Wir müssen lachen.

Es gibt Dinner. Das ist großartig:

Danach haben wir die Wahl zwischen Angeln und Karaoke. Da allerdings für Karaoke nicht genug Alkohol an Bord ist, versuchen wir es lieber mit angeln:

Das klappt aber auch nicht so richtig.

Wir verschwinden in den Betten. Der nächste Tag beginnt um 6:30 Uhr mit Tai Chi.

Ich werde um 6 Uhr von alleine wach und mache ein paar Sonnenaufgangfotos, weil ich mich in der Regel bei Tai Chi langweile.

Bei Bela machen sich winzige Anzeichen von Reise-Burnout bemerkbar. Wir müssen das beobachten. Er möchte nicht mit an den Strand, lieber auf dem Boot bleiben. Das geht natürlich nicht, denn das Boot fährt in den Hafen zurück, bringt die Eine-Nacht-Passagiere zurück und neue Gäste mit. Eine gute Lösung (wie wir finden), wir haben uns schon gefragt, wie das funktionieren soll, wenn wir zwei Nächte bleiben. Wir wollten ja nicht mit zum Hafen, um diese Transporte zu erledigen. So werden wir nach dem Frühstück einfach in ein Dayboat verladen. Das hat auch alles, wie das große, nur keine Schlafkabinen. Es ist schön. Wir sind 11 lustige Leute, alles passt gut. Wir fahren heute an einen kleinen Strand zum Schwimmen und Kayaken. Das Wasser ist super. Herrlich erfrischend. Weil wir schon so früh aufgestanden sind, haben wir um 10 Uhr schon total viel erlebt. Wir paddeln mit den Kayaks an einen Strand und baden dort. Bela ist wieder fit!

Später können wir vom Boot aus Arschbomben ins Wasser machen. Wir lotsen uns gegenseitig durch die Quallen, so dass niemand zu schaden kommt. Außer den Quallen, weil Bela sie zu angeln versucht.

Wir fahren durch die wunderschöne Wasserlandschaft zurück zu unserem Hauptboot. Es war ein wirklich schöner Tag. Bei Bela kam auch ziemlich bald die gute Laune zurück. Wir haben noch ein paar erlebnisreiche Tage in Vietnam vor uns, aber danach haben wir erstmal ein Haus in Auckland gemietet, um ein bisschen zur Ruhe kommen zu können und die Eindrücke zu verarbeiten. Das geht uns Erwachsenen ja auch nicht anders. Und dort in Auckland im Haus gibt es, und das schwöre ich, keine Nudelsuppe!!

Zurück auf dem Boot, sind wir erstmal fast alleine. Die neuen Passagiere, die nur eine Nacht gebucht haben, machen gerade den Fishing Village Ausflug. Allerdings sitzen zwei Damen auf dem Oberdeck, auf dem wir uns jetzt auch niederlassen. Es gibt Menschen, die gucke ich an und weiß, das ich sie nicht mag. So nimmt das Schicksal seinen Lauf. Es dauert nicht lang, da kommt die eine zu Mike und fragt, ob er Deutsch kann. Und ob er aufhören kann, mit den Beinen zu wackeln. Kann er nicht und er erklärt warum. Sie sagt was von Egoismus und so weiter…Mike wird ungeduldig, schließlich macht er das nicht mit Absicht. Sie sagt, das ganze Schiff wackelt. Das ist echt Quatsch. Sie raucht währenddessen. Das macht sie mit Absicht. Auch das thematisiert Mike. Naja, egal. Frei nach dem Motto: Auf jedem Schiff, das schwimmt und schwabbelt, ist einer drauf der dämlich sabbelt! 😉

Das Abendessen ist das gleiche wie gestern, wie mit der brennenden Ananas und so weiter. Aber dennoch lecker. Die Jungs verlassen den Tisch früher, haben keinen Hunger und keine Lust auf zweimal das gleiche und gehen Squid Fishing. Wie gestern. Allerdings kommt Bela nach 10 Minuten aufgeregt ins Restaurant und sagt, Levi hat einen geangelt. Tatsächlich baumelt an seiner Angel ein kleiner Tintenfisch. Er wird fotografiert, gekocht und verspeist. Die Jungs sind stolz!

Am Abend ist Karaoke bis die Heide wackelt. Azul und unser neuer Kumpel aus Holland singen, was das Zeug hält. Macarena und Barbie Girl und so weiter. Bela lacht sich schlapp und kommt alle 10 Minuten kichernd in unsere Kabine. Irgendwann können wir einschlafen. Am nächsten Morgen wird noch eine Höhle angeschaut und um 10.30 Uhr Mittag gegessen. Damit toppen wir meine Schwiegereltern um mindestens 45 Minuten 😉 Auschecken und ab gehtˋs zurück nach Hanoi. Der Rückweg ist genau wie der Hinweg, der Fahrer hat es eilig, ich überlege, ob ich etwas sage…da er es im Griff zu haben scheint, halt ich die Klappe. Wir stoppen auf der Hälfte, sollen Kunsthandwerk kaufen, für das wir keinen Platz haben und essen Ananas mit Chili und Salz. Auf der Weiterfahrt nach Hanoi kommen wir an einem wirklich (für uns) dramatischen Unfall vorbei. Levi kann Bela gerade noch rechtzeitig die Augen zuhalten. Uns wird richtig schlecht und wir schweigen erstmal für eine lange Weile. Der Fahrer reduziert sein Tempo, obwohl er und auch der Guide recht unbeteiligt wirken. Das gehört hier offenbar zum Alltag. Wir kommen heil an und checken schnell ein, kennen ja noch alles, auch unsere Daten haben sie noch. Netterweise konnten wir unser Gepäck im Hotel lassen, so dass wir nur Handgepäck mit auf das Schiff nehmen brauchten. Mike und ich haben ein Zimmerupgrade bekommen in die Suite! Mit Balkon zur Strasse. Toll! Heute ist Freitag! Wochenende! Seit Oktober wird die Altstadt am Wochenende für Autos gesperrt und zur Partymeile. Überall Bands und feiernde Menschen. Das ist nur solange schön, wie man mitmacht. Aber wenn man dann müde ins Bett fällt, ist es schon nicht mehr so schön, wenn direkt unter dem Upgradebalkon eine Gruppe Tempelvorführungen veranstaltet. Natürlich in asiatischer Lautstärke….Aber wir wissen ja schon vom Karaokeabend, dass man trotzdem einschlafen kann, wenn man nur müde genug ist. Müde sind wir abends immer. Obwohl wir heute noch bis 23 Uhr und ein paar Bier durchgehalten haben. Wir waren erst „local“ essen und noch ein bisschen bummeln, inkl. Fussmassage.

Am nächsten Morgen gibt es endlich wieder Nudelsuppe, danach gehen Azul und ich zum Friseur

Da nimmste zweimal waschen, schneiden, föhnen, einmal färben, Maniküre und Pediküre und zack, biste 40 Euro los 😉
Danach schlendern wir durch Hanoi, am See entlang, alles ist für Autos gesperrt. Es ist echt richtig schön. Die Kinder mieten sich Io Hawks und pesen damit rum.

Für abends haben wir Tickets für das Wasserpuppentheater besorgt. Das war auch ein schönes Erlebnis, was wir so von zu Hause nicht kennen. Obwohl alles auf vietnamesisch gesprochen wurde, haben wir fast alles verstanden.

Da es immernoch angenehm warm draußen ist und auch noch immer Volksfeststimmung herrscht, bleiben wir hier und genießen den Abend. Wir haben ja gelernt, dass unsere Empfangsdame Hanoi etwas überdramatisiert hat und wir tatsächlich heil und komplett zurück finden.

Am nächsten Morgen werden wir von Jürgen Eichhorn abgeholt. Mit ihm machen wir einige Touren hier im Norden. Er lebt seit einigen Jahren hier und bietet Touren abseits der Touristenrouten an. Darauf freuen wir uns gerade sehr, weil wir schon ziemlich viel Touristenkram hier gemacht haben. War alles sehr schön, aber jetzt mal etwas weniger trubelig! Er hat seine Tochter dabei, sie hat heute schulfrei. Ich weiß nicht warum, bis mir nach ein paar Stunden klar wird, es ist Sonntag. Hier hab ich keine Idee, welcher Wochentag ist. Datum weiß ich immer, bin aber ansonsten auf dem besten Weg zur Entschleunigung. Wir fahren in einen Nationalpark südlich von Hanoi – Ninh Binh – Bela und Maya verstehen sich super und rocken die Fahrt. Wir lassen uns mit Bambusbooten durch einen Teil des Nationalparks fahren, sehen aber leider keine Tiere. Vor allem keine Affen, es ist -wie bereits erwähnt- Sonntag und ganz Vietnam ist auf den Beinen. Da nehmen die Affen reißaus. Dennoch ist es hier sehr schön und ruhig, wenn uns nicht gerade eine Horde chinesischer Touristen auf Booten entgegen kommt oder die eine Ruderdame mit Lautsprecher auf dem Handy telefoniert…

Heiraten kann man hier auch:

Als wir zum Essen gefahren sind, waren die Chinesen schon da:

Danach sind wir nach Cuc Phuong gefahren, um ein Affenrettungszentrum zu besuchen. Dort arbeitet Elke Schwiertz aus dem Zoo in Leipzig seit vielen Jahren. Sie hat schon ein paar Affenarten vor dem Aussterben gerettet. Es werden dort Affen gemeldet, die illegal im Cafe oder sonstwo gehalten werden. Jegliche Art von Besitz von Wildtieren ist in Vietnam untersagt und wird geahndet. Sie düst dann los und sammelt sie ein. Sie lebt dafür. Die Führung von Elke durch das Zentrum war dementsprechend interessant. Wir haben Affen gesehen, von deren Existenz wir gar nicht wussten. Es leben dort 180 Affen und Elke kennt sie alle…mit Namen! Es ist eine wichtige Arbeit, die dort gemacht wird. Wir waren begeistert.

Auf dem Weg nach Hai Duong haben wir noch auf einem Kuhkopfmarkt angehalten. Allerdings haben wir uns für Popcorn entschieden….

Am Abend essen wir lecker in Jürgens Pizzeria -keinen Reis und keine Nudelsuppe- das ist auch mal wieder schön. Endlich Salat! Wir lernen Jürgens Frau Ha kennen.

Wir schlafen gut und düsen morgens um 8 Uhr schon wieder los, schließlich haben wir viel vor. Heutiges Ziel ist Lang Son, dort besuchen wir eine sehr schöne Höhle und dürfen im Markt Kekse und Tee probieren. Für jede Kekspackung, die wir kaufen, bekommen wir eine Packung Tee dazu oder auch zwei oder drei. Auf jeden Fall haben wir jetzt genug Tee. Wir kaufen noch ein paar Souvenirs für wirklich wenig Geld und fahren weiter.

Heute geht es weiter bis nach Cao Bang an der chinesischen Grenze, wo wir morgen zu den Wasserfällen fahren werden. Heute sitzen wir viel im Auto. So viele Kilometer sind es nicht, aber der Verkehr in Vietnam und die Strassenverhältnisse lassen es nicht anders zu. Wir machen für Bela eine Pipi Pause und schwupps, muss Mike Schnaps trinken, weil die Leute dort so selten Touristen sehen…Bela wird auch in 1000 Posen mit den Leuten fotografiert, denn blonde Kinder haben sie noch nie gesehen.

Am Abend gehen wir in einer Garage lecker essen. Jürgen kennt hier viele Leute. Deshalb gibt es den Hausbrand zum Essen gratis dazu, aus einer Plastikwasserflasche.

Ich treffe Don Bui, er hat eine ähnliche Tätowierung wie ich auf dem Arm, das gibt ein großes Theater mit vielen Bildern und so weiter…

Azul und ich gehen nach dem Essen zum Friseur und lassen Haare waschen. Jürgen schwärmt in den höchsten Tönen. Ich habe eigentlich keine Lust darauf, hatte schon ein paar Bier zuviel, mache aber Azul zuliebe mit. Sie hat Glück und ich jetzt Löcher in der Kopfhaut. Sie wird liebevoll massiert und ich skalpiert. Nach dem Föhnen sehe ich aus wie ein Löwe um die Eier, dafür hat es für uns beide nur 6 Euro gekostet. Vor unserer Eßgarage treffen wir auf ein paar lustige Backpacker aus Bristol. Sie spielen Gitarre und singen und wir machen erstmal alle mit. Das ist klasse. Wir gehen weiter auf einen großen Platz vor der Ho Chi Minh Statue. Dort gibt es leuchtende Karts und andere Fahrzeuge für Kinder. Für die Erwachsenen mehr Bier. Das ist lustig. Levi muss ein paar Mal sein Gefährt tauschen, weil entweder der Akku leer ist oder ein paar Räder abgefallen sind. Wir haben einen wunderschönen Abend. Es ist warm und die Stimmung ist toll.

Wasserfall – nächster Morgen. Wir fahren durch die Berge, die Landschaft ist wirklich richtig schön. Wir halten in einem Dorf, in dem Messer hergestellt werden. Das ist schwere Handarbeit. Wir besuchen eine Familie der dortigen Minderheiten. Sie leben in einem relativ großen Haus mit relativ wenig drin. Außer Wind…Sie haben kaum Möbel, die Kleidung hängt auf einer Leine an der Wand und die Wände haben Löcher. Das Dach ist hundert Jahre alt, hält aber noch. Das Baby ist erst vier Wochen alt und trägt keine Windeln. Mit erstaunlich viel Geduld wird es in der Zeit, in der wir dort sind zweimal umgezogen, weil die Hose naß ist. Ich bin natürlich berufsbedingt sehr interessiert am Babygeschehen. Wir können leider meinen Beruf nicht so erklären, dass sie es verstehen, also bin ich Doktor. Jürgen hat in einer tollen Aktion Geld gesammelt, damit sie zur Entbindung ins Krankenhaus gehen kann. Das muss sehr aufregend gewesen sein. Sie ist zum ersten Mal in ihrem Leben mit einem Fahrstuhl gefahren und hatte wohl große Angst. Die größere Tochter ist im Kindergarten, sie haben wir nicht kennengelernt. Die Familie lebt hier mit Oma und Opa, die auch noch Messer zusammen schmieden. Ein Wasserbüffel wohnt im Garten, zum Markt geht es einmal im Monat. Für unsere Kinder ist das alles schwer vorstellbar. Wir kaufen Messer und verabschieden uns.

Eigentlich brauchen wir für die Grenzregion ein Visum, das kostet für uns alle zusammen etwa 70 Dollar. Die Zöllner werden mit einer Art Knäckebrot mit Erdnüssen und schwarzem Sesam geschmiert und schwupps…70 Dollar gespart. Die Wasserfälle sind sehr schön, sie gehören zu den 5 größten Wasserfällen, die eine Landesgrenze bilden. Zusammen mit den Niagarafällen, den Victoriafällen, Iguazu (da waren wir schon einmal) und noch einer, den wir nicht herausgefunden haben.

Wir stehen auf der vietnamesischen Seite, die Fälle sind etwas kleiner. Wir brauchen etwas Zeit, um die Fälle auf der chinesischen Seite schön fotografieren zu können, weil zahlreiche chinesische Flösse unterwegs sind, die das Motiv verschandeln. Die Chinesen juckt das gar nicht, sie knipsen drauf los. Auch hier gibt es natürlich wieder einen Markt, sie wollen uns unbedingt etwas verkaufen und laufen hinter uns her, also ab nach Hause. Etwa 17 KM vor dem Ziel kommen wir in einen Stau. Es ist ungefähr 16:30 Uhr. Es hat wohl gegen 12 Uhr einen LKW Unfall gegeben. Nix geht hier mehr. Wir stehen und alle anderen auch. In mehreren Reihen nebeneinander, so dass nur noch die Mopeds durchkommen. Ich denke, dass die auf der anderen Seite des Unfalls auch auf diese Art rumstehen. Das würde bedeuten, wenn frei ist und alle wieder fahren könnten, müsste jemand erstmal die Wartenden entknoten. Ich habe das im Süden schon mal gesehen, als eine Fähre angelegt hat. Auf der Fähre standen alle an der Reling entlang und am Fähranleger standen auch alle in einer langen Reihe. Die Fähre legt an und alle rammeln aneinander. Es werden nicht erst alle runtergelassen, nein, alle versuchen gleichzeitig runter und rauf zu kommen. Ebenso funktioniert das bei Schranken. Sieht lustig aus, oft passiert auch etwas, aber niemand lernt draus. Naja, wir haben genug Wasser dabei und können notfalls ins Gebüsch gehen. Irgendwann ist der Spaß vorbei und wir fahren weiter. Machen uns im Hotel ein bisschen frisch und wollen essen gehen. Khoai, unser Fahrer, hat sich mächtig in Schale geschmissen. Neben ihm steht eine ebenso zurecht geschmückte Dame im Rüschenkleid. Da er ein bisschen Deutsch kann, stellt er sie uns als seine Freundin in Cao Bang vor. Er geht mit ihr Essen 😉 Seine Frau wohnt in Hai Duong. Ich liege mit meiner Vermutung, dass die beiden sich nicht kennen wahrscheinlich nicht ganz daneben. Hier hat wohl jeder Fahrer in jedem Ort eine Freundin, sie sind ja viel unterwegs und wollen wahrscheinlich nicht frieren unterwegs….Wir wünschen ihm auf jeden Fall viel Spaß und Jürgen sagt, er bräuchte dann wohl vor 22 Uhr nicht im Hotel aufkreuzen. Sie teilen sich das Zimmer. Wir haben wieder einen schönen Abend, heute in einer anderen Garage, in der es auch wieder für wenig Geld leckeres einheimisches Essen gibt. Dazu gibt es interessante Geschichten aus Jürgens Erlebnispotpouri. Er hat schon auf der ganzen Welt gearbeitet und viel erlebt, das teilt er gerne mit uns und wir finden es spannend. Er kann natürlich auch sehr viel über Vietnam berichten. Wir kommen aus dem Staunen nicht mehr raus.

Der Blick von unserem Hotelbalkon aus dem 7.Stock:

Am nächsten Morgen treffen wir uns um 7 Uhr zum Geburtstagsfrühstück. Mike wird 50, obwohl er das gar nicht möchte! Es gibt eine Geburtstagstorte von Jürgen mit Kerzen und allem Pipapo. Wir singen.

Abfahrt ist wie gewohnt um 8 Uhr, wir fahren heute an den Ba Be See zu einer Fahrt mit einem Boot und einer Übernachtung in einem Homestay. Die Fahrt geht über Land, wir halten zuerst bei einem örtlichen Imker, der 52 Bienenvölker in den Wäldern hat.
Diese Völker setzt er alle 14 Tage nach einem bestimmten Prinzip um, welches er keinem verrät. Dafür fährt er etwa 35000KMpro Jahr mit dem Moped auf teilweise halsbrecherischen Strecken. Jürgen ist schon einmla mitgefahren und hat uns davon erzählt. Entsprechend lecker schmeckt der Honig.

Wir besuchen eine Familie mit drei behinderten Kindern, alle Opfer von Agent Orange. Die Anzahl an Kindern, die mit Behinderungen zur Welt kommen nimmt nicht ab. Im Gegenteil. Alles noch Folgen vom Besprühen der Wälder mit diesem Entlaubungsmittel im Vietnamkrieg. Es kann auch erst die übernächste Generation treffen. Das ist wirklich grausam. Jürgen betreut diese Familie schon lange. Ein Sohn sitzt im Rollstuhl, eine Tochter braucht Gehhilfen. Die älteste Tochter ist noch am gesündesten, obwohl auch sie nicht mehr kann, als trockene Maiskolben sortieren. Die Gesundheitszustände verschlechtern sich zusehends. Sie haben auch leider nur eine Lebenserwartung von 24 Jahren. Wir sind sehr betroffen. Er erzählt von seinem Heim für blinde Kinder in Hai Duong. Auch eine Folge des Giftes. Die Kinder erblinden im Alter von etwa 6 Jahren. Uns wird ziemlich schlecht, als wir diese Geschichte hören.

Wir erreichen den Hafen und steigen ins Boot. Es ist eine wunderschöne Fahrt auf dem Fluß. Am Ufer kann man noch erkennen, wie sehr das Hochwasser vor drei Wochen hier gewütet hat. Das Ufer ist teilweise komplett abgerissen. Wir steigen in einer Höhle aus und laufen durch.

Später legen wir an. Wir sehen eine Schlange fliehen und werden erneut in unserem Wissen bestätigt, dass Schlangen keine Lust haben auf Begegnungen mit uns. Wir gehen ein bisschen spazieren und sehen Wasserfälle.

Es ist total heiß. Auf dem Rückweg biegen wir vom Fluß in den Ba Be See ab, die Kinder können schwimmen und sich etas abkühlen. Wieder ein sehr Tag. Traumhafte Landschaften. Wir landen im kleinen Dorf, in dem wir übernachten und noch ein wenig Geburtstag feiern.

Das Homestay ist einfach, aber sauber und gemütlich. Die Familie ist sehr nett. Auch sie kennt Jürgen schon lange. Wir essen vorzüglich einfach und lecker. Danach kommt das Highlight des Tages: Eine Tanzgruppe der dortigen Minderheiten singt und tanzt für Mike….und mit Mike…und daher muss ich auch mit ran…es ist lustig, wir haben echt Spaß.

So schnell ist die schöne Tour mit Jürgen zu Ende. Auf dem Weg zurück nach Hanoi besuchen wir noch eine Teefarm. Die Arbeit ist sehr mühsam, weil diese Familie die Teeblätter von Hand pflückt. Sie finden immer schwieriger Mitarbeiter, weil niemand diese Arbeit machen möchte. Die Teepflanzen sind durch Milben und Würmer gefährdet, da diese Familie Tee in Bioqualität anbietet, dürfen sie auch nichts spritzen und müssen alles in Handarbeit entfernen. So kann eine kleine Milbe eine ganze Familie in den Ruin treiben.

Auf der Fahrt essen wir so einfach wie nie zuvor, es ist wirklich lecker, aber zum ersten Mal denke ich an Durchfall…der dann nicht kommt!

Die Weiterfahrt geht schnell, wir kommen in Hanoi im Hotel an und müssen uns leider von Jürgen und unserem Fahrer verabschieden.

Natürlich geben wir ihm noch Geld für seine tollen Projekte mit behinderten Kindern. Wer das von euch auch machen möchte, sagt mir Bescheid. Wir haben dort alles gesehen, Jürgen kennengelernt und wissen, dass komplett jede Spende dahin geht, wo man sie hinhaben möchte. Auch an das Affenzentrum. Er behält -im Gegensatz zu den meisten Organisationen- nichts für die Verwaltung ein, sondern gibt es zu 100% weiter. Wir haben gesehen, wie z.B. die Familie aus dem Messerdorf Schulgeld für die große Tochter bekommen hat und die Familie mit den drei behinderten Kindern Geld von ihm für Medikamente bekam. Im Gegenzug gaben sie ihm Belege von der Apotheke. Es geht also alles mit rechten Dingen zu. Wir genießen die letzten Stunden in Vietnam mit chillen

Und so schnell wir hier angekommen sind, sind wir schon wieder auf dem Weg, diesmal nach Neuseeland:

Was wir in Vietnam gelernt haben:

zu schätzen, wo wir herkommen und leben dürfen