…also nach gestern…
Lustig ist schon der Flug. Also nicht, dass ich aus Versehen lediglich für den Rückflug Gepäck gebucht habe und wir echt viel nachbezahlen und umpacken müssen…nein, lustig weil wir am 15.11.17 um 16:50 Uhr in Auckland losfliegen und um 21:30 Uhr in Rarotonga ankommen. Allerdings am 14.11.17!! Das ist auch der Grund, warum wir in der Nacht vom 14. auf den 15.11. sowohl ein Haus, als auch ein Hotelzimmer an zwei verschiedenen Orten hatten. Gut, dass ich da besser aufgepasst habe als beim Gepäck. Denn sonst wären wir die erste Nacht auf Cook obdachlos gewesen. Das Buchungsportal wollte jedoch bereits am 15.11 eine Bewertung des Check Ins haben, als wir noch in der Küche in Auckland beim Abendessen saßen. Das ist komisch, die Geschichte mit der Datumsgrenze. Zurück fliegen wir am 20.11. und kommen am 22.11. an, obwohl wir auch wieder nur 3,5 Stunden fliegen. Auch komisch. Als wir landen ist es stockfinster. Die Leute hier sind auch alle wieder unglaublich entspannt und nett. Und alle noch dicker und größer als in Neuseeland. Sie stehen mit Blumenkränzen auf dem Kopf am Flughafen und tragen lustige Hawaii- bzw. eher Polynesienhemden.
Das Taxi „ächzt“ uns ins unsere Unterkunft. Wir kaufen noch schnell etwas ein, kochen und schlafen um 1:30 Uhr endlich ein. Wir haben ein sehr schönes Schlafzimmer mit Blick auf Palmen und Wasser. Das Fenster geht über die komplette Front, wir lassen es offen und brauchen weder AC noch Ventilator. Es geht eine frische Brise. Wir hören die Brandung bis ins Bett. Gibt es etwas schöneres? Am Morgen wache ich um 6 Uhr auf und gucke raus. Der Hammer! Die Sonne strahlt vom Himmel, das Wasser ist näher als gedacht, ich freue mich, alles ist noch leise und ich schlafe wieder ein. Als ich aufwache und wieder rausschaue, muss ich an den Film Cast Away mit Tom Hanks denken. Ich sehe gar nichts mehr, nur noch Regen, ach was, wolkenbruchartig kommt alles vom Himmel runter, was drin ist. Es stürmt und tretscht. Es ist ecklig. Im Film tut es das 5 Tage am Stück glaube ich. Mike sagt dann auch noch, wenn es in der Südsee regnet, dann regnet es viele Tage. Schade eigentlich. Ab morgen haben wir ein Auto, dann können wir wenigstens ins Museum, dort ist es trocken. Wir machen heute trotzdem alles. Sport im Regen, spazieren am Strand im Regen, lesen im Regen, schlafen im Regen, in den Pool im Regen und so weiter…Abends wollen Mike und ich alleine ausgehen. Das Angebot unserer kanadischen Nachbarin uns zu fahren lehnt Mike ab. Prima. Wir nehmen ausgelutschte Regenschirme und zischen ab. Mike mit dicken Wanderschuhen, Cargohose und Regenjacke, ich mit Pluderhose und Flipflops. Die quitschen schon bald. Die Nässe zieht sich an meiner weiten Hose nach oben und der Schlamm klebt an meinen Füßen. Das erste Restaurant was wir finden, ist unser. Wir wollen den kinderlosen Abend genießen. Doch wie ist das nochmal mit dem Karma! Wo landen wir klitschnaß? Weil es nicht nur das erste auf der Strecke ist, sondern auch weit und breit das einzige…The Rikshaw…Asiatisch Vietnamesisch…ich freu mich auf Nudelsuppe!
Es stürmt die ganze Nacht, wir lassen das Fenster natürlich wieder offen. Es gießt wie aus Eimern. Ich hoffe auf Besserung. Am Morgen scheint die Sonne. Es stürmt immernoch, aber der Regen ist weg. Bela auch! Er ist in aller Frühe mit seinem neuen kanadischen Kumpel, der mit Eltern und Geschwistern vor drei Monaten nach Neuseeland gezogen ist, losgezogen, um Kokosnüsse zu knacken und zu angeln. Die Kinder werden zu Hause von der Mutter unterrichtet. Bela findet das spannend. Wir treffen ziemlich viele Menschen mit interessanten Geschichten auf unserer Reise. Wie Jürgen aus Vietnam zum Beispiel. Er ist im Jugoslawienkrieg mit dem Motorrad von der Türkei durch den Krieg bis zur österreichischen Grenze gebügelt, weil er sein Moped nicht in der Türkei zurücklassen wollte, danach hat er für Franz Beckenbauer zwei Küchen ins Ferienhaus eingebaut und danach in der ganzen Welt gearbeitet. Auch in Japan. Dort in einem Ort im Winter ohne Heizung im Haus, wo es nur kalte Sachen zu essen gab. Das haben sie sich ein paar Tage gefallen lassen und dann standen die Kollegen kurz vor einer Meuterei. Also zog er los, kaufte Kocher, Gas, Töpfe und Pfannen. Druckte Rezepte, besorgte die Zutaten und ging in ein kleines Cafe, in dem sie vorher schon oft etwas warmes getrunken hatten. Die beiden Besitzerinnen waren einverstanden und kochten nun jeden Tag für die Mitarbeiter. Als Jürgen nach ein paar Jahren wieder in diesen Ort kam, war das Cafe geschlossen. Er fragte ein paar Leute nach den beiden Damen und bekam eine neue Adresse. Da hatten sich die beiden in der Zwischenzeit zu einem BBQ Restaurant vergrößert, weil die Gäste ihnen in dem Cafe die Türen eingerannt haben. Alle waren scharf auf Gekochtes. Tja, damit haben sie sich eine goldene Nase verdient 😉 Der kanadische Papa ist Chirurg, hat sehr unregelmäßige Arbeitszeiten und deshalb macht die Mutter mit den Kindern homeschooling, damit sie jederzeit, wenn der Vater ein paar Tage frei hat, wegfahren können, ohne auf Ferien angewiesen zu sein. So haben sie schon in Kanada, Südafrika und Australien gelebt. Und jetzt eben in Neuseeland. Natürlich sollen wir vorbeikommen, auf dem Weg in den Süden.
Wir fahren ab heute Auto. Erkunden die Insel ein bisschen. Es gibt zwei Buslinien. Clockwise und Anti Clockwise 😉 Es gibt auch nur zwei Straßen, die innere und die äußere Inselrundstraße. Wir suchen vergeblich nach Angeln, schönen Picknickplätzen und schönen Stränden. Wir beschließen uns erstmal vernünftige Informationen einzuholen. Abends gehen wir auf den Nachtmarkt im Nachbarort, haben local Abendessen und genießen die Atmosphäre dort. Es gibt Musik und ganz viele verschiedene Gerüche. Wir treffen auf Stefan und Gabriele aus Deutschland. Sie verkaufen irre leckere Kokosnusschips und reisen seit 4 Jahren um die Welt. Gestartet haben sie auf den Bahamas, sind dann viel Schiff gefahren, nach Panama und schießlich Tahiti. Dann waren sie lange in französisch Polynesien und sind vor drei Monaten mit dem Schiff hier angekommen. Sie vertreten den Kokosnusschipsmann, der nach Neuseeland musste. So müssen sie jeden Tag etwa 18 Kokosnüsse sammeln, aufhacken, raspeln, im alten Ofen rösten, verschieden würzen und auf den Märkten verkaufen. So schlagen sie sich durch und sehen keine Veranlassung momentan nach Deutschland zurück zu kehren. Unsere Reise finden sie auch sehr spannend, vor allem, weil wir die Kinder aus der Schule genommen haben, um ihren Horizont zu erweitern. Wir wollten so etwas ähnliches machen wie Stefan und Gabriele, als Hunde- bzw Haussitter, das hat aber leider nicht geklappt. Wir haben das Angebot, uns zwei Monate in einem 300 Einwohner Dorf auf der Südinsel um ein Kaninchen zu kümmern lieber abgelehnt.
Das Wetter wird besser und wir erkunden die Insel mit unserem quietschenden Mietwagen. Was wir sehen gefällt uns gut, wenn sich doch bloß die Sonne mal blicken ließe… Die Hauptstadt heißt Avarua und ist nicht sehr groß. Wir kaufen ein, zum Glück haben wir eine Küche. Lebensmittel sind hier wirklich teuer und ausgehen sowieso. Selbst das Internet kostet Geld. Deshalb gehen wir sparsam damit um. Was uns gut tut, gefällt den Kindern gar nicht. Sie haben Internet Detox vor sich, das wird schon. Stattdessen machen sie was ganz neues und üben sich im Kokosnussbusiness:
Mühsam, aber dann lecker. Als die Sonne dann doch endlich mal rauskommt, ist es richtig heiß. Auch das Meer hat auf einmal eine ganz andere Farbe.
Wir fangen an, es zu genießen. Fahren Kayak, schnorcheln, schwimmen, angeln, grillen abends und machen Lagerfeuer am Strand. Zwischendurch gibt es immer mal wieder Kokosnüsse.
Wir besuchen den Samstagsmarkt in Avarua. Die Stimmung ist toll. Es gibt leckeres Essen, viel Obst und eine Tanz- und Musikvorführung von „Eingeborenen“, wie Bela sagt.
So langsam wie man hier fahren darf (auf der ganzen Insel höchstens 50 km/h), so plätschern die Tage gechillt vorüber. Wir sehen einiges, auf einiges verzichten wir auch, weil wir uns und unsere Reisekasse nicht überfordern wollen.
Wir baden am Wasserfall, das macht mega viel Spaß. Das Wasser ist schön frisch und wenn man nicht reinspringt, wird man von Moskitos aufgefressen. Wir finden ihn dann doch noch, den ultimativ schönen Strand und treffen auch dort Menschen, die deutsch sprechen. Zwei Schweizer mit -natürlich auch wieder- interessanten Lebensgeschichten. Einer von ihnen lebt seit über einem Jahr hier auf der Insel und hat ein großes Cafe eröffnet. Er ist mit der Inselgeschichte vertraut und erzählt uns, dass die Einheimischen vor der Missionierung durch die Europäer alle schlank und gesund waren. Sie ernährten sich von Fisch, Gemüse und natürlich Kokosnüssen. Mit den Missionaren kam auch das für sie schlechte Essen und sie wurden dick und auch krank. Heute wissen sie nicht so genau, wo sie hingehören. Sie haben ihre Kultur und ihre Bräuche, gehen sonntags in die Kirche und stehen irgendwie dazwischen. So etwas ähnliches haben wir uns schon gedacht. Wir treffen uns nach dem Sonntagsnachtmarkt mit Stefan und Gabi. Sie haben viel zu erzählen. Das braucht schon ein paar Bierchen. Das wiederum gibt es sonntags hier nicht. Wir waren aber vorbereitet. Es ist ein schöner Abend, Mike wird von Adam aus Auckland für David Beckham gehalten, ich aber nicht für Victoria 😉 Gespannt lauschen wir den interessanten Geschichten der beiden, die seit vier Jahren unterwegs sind. Was eigentlich nicht geplant war, sich dann aber anders ergeben hat. Sie wollten ein Business auf den Bahamas starten, was in letzter Minute quasi geplatzt ist. Wir holen uns ein paar Tipps, wo es uns eventuell noch hin verschlagen könnte auf der Reise, da wir für Südamerika keinen Plan machen wollen. Treiben lassen ist der Plan. Aber ein paar Infos vorab können nicht schaden. Sie erzählen über die Bahamas, Panama, Costa Rica und Tahiti, wo sie lange gewesen sind. Wir besuchen Sie am nächsten Tag in ihrem Haus und lassen uns die Produktion der Chips zeigen. Bela ist zwischenzeitlich im Hotel auch schon in Produktion gegangen und hat leckere karamelisierte Kokoschips hergestellt. Natürlich lässt er die Experten probieren, die sind sofort überzeugt. Nun werden Pläne geschmiedet für das nächste Stadtfest in Gudensberg. Die Standorte wird geplant und die Verpackung besprochen. Ich bin gespannt.
Wir genießen die Zeit und sind fast schon ein bisschen melancholisch, als wir zum Flughafen fahren. Es hat uns wirklich ziemlich gut gefallen, obwohl wir auf schon schöneren Inseln gewesen sind. Unser Hotel war top. Mit den Kayaks und den Kokosnüssen hatten wir einen riesen Spaß. Geangelt haben wir bis zum Schluß nichts, obwohl bei Bela einmal ein so großer Fisch dran war, der ihn fast vom Steg gezogen hätte. Am Flughafen gibt es dann noch ein letztes Highlight. Levis Handgepäck ist 3 Kilo zu schwer. Unsere Rücksäcke stehen noch vorne hinter der Waage am Check in. Wir könnten also noch umpacken. Es geht aber auch so: Wir nehmen das Handgepäck, holen so lange Dinge heraus, bis es nur noch 7 Kilo wiegt und behalten sie kurz. Nachdem er den „Okay-Aufkleber“ bekommen hat, räumt er alles wieder rein. Parallel zu dieser Aktion, steigt eine dicke Maori Frau aus Spaß selber auf die Waage und freut sich total über ihre 140 Kilo…Noch Fragen?
Was wir von den Cook Inseln gelernt haben:
Paradies funktioniert!
Verwandtschaft darf durchaus im Garten begraben werden.
Was wir nicht gelernt haben:
Angeln
Wie wir die Menschen erlebt haben:
Sehr gelassen und total nett, jeder kümmert sich auch ein bisschen um das Gemeinwohl. Überall ist es pickobello sauber




















