Wir fliegen nur 4 Stunden und verpassen einen kompletten Dienstag. Für uns hat dieses Jahr der 21.11. nicht existiert. Dafür sparen wir uns auch diese Übernachtung…wobei wir ja am 14.11. zwei Unterkünfte bezahlen mussten…also egal. Wir landen pünktlich um 4:50 Uhr in der Früh und zum Glück ist es leer am Airport. Es geht alles ruckizucki. Wir haben ein Hotel für eine „Nacht“, d.h. wir checken um 6:30 Uhr ein und haben ab 13 Uhr ein Wohnmobil. Das heißt hier Campervan, das gefällt mir besser. Das Hotel, bzw. Motel, ist ganz schön schratig. Sicher wurde dort mal ein Roadmovie gedreht. Es ist mehr oder eher weniger sauber, dafür günstig, hat sogar einen dreckigen Pool im komischen Garten. Late Check out bekommen wir gratis bis 13 Uhr und der kostenlose Airport Shuttle hat auch gut funktioniert. Wir haben eine Familiensuite, es gibt ungenießbaren Kaffee und Tee im Zimmer. Wenn man bedenkt, dass die Hotels in Flughafennähe hier alle bei 300 Euro pro Nacht losgehen, haben wir ein richtiges Schnäppchen erwischt. Wir schlafen drei Stunden, lassen die beiden Großen in Ruhe und machen uns auf den Weg, um den Campervan abzuholen. Das ist aufregend. Die Vermietung ist prima, mit Duschen und allem piepapo. Es gibt sogar ein Regal und einen Kühlschrank, wo Sachen für die nächsten Camper abgegeben werden können, statt sie vor dem Heimflug wegzuschmeißen. Die Idee gefällt mir. Ich nehme Müllbeutel (die sind tatsächlich für die komplette Reise ausreichend), Salz, Alufolie, Küchenrolle und Kiwifruchtmarmelade (ja, das ist hier ein Unterschied, das merke ich, nachdem diese Marmelade alle ist und ich im Geschäft nach Kiwijam frage…Kiwi ist hier entweder der Vogel oder die neuseeländische Bevölkerung, beides möchte ich nicht in der Marmelade haben). Indessen checkt Mike ein. Das geht über Tablet. Wir bekommen unser neues rollendes Zuhause erklärt, ein Mercedes, während Bela kostenlosen Kakao trinkt, bis nix mehr reinpasst. Der kostenlose Kaffee dort hingegen war grottig, genau wie der Tütenkaffee im Motel. Daran müssen wir uns wohl gewöhnen. Bald bin ich auf Tee umgestiegen. Es funktioniert alles ganz simpel. Wir probieren alles eben aus, Betten bauen, Strom, Wasser, Abwasser und Toilette. Alles da, was wir brauchen, sogar eine Bodumkaffeekanne. Richtige Bettwäsche mit Daunendecken und Kissen. Fast wie beim Glamping…Wir bekommen noch 5 Stühle und einen extra Tisch dazu, mit zwei Tischen ist es besser bei 5 Personen, sagt der Vermieter. Meinte er auch so, es kommt aber, wie so oft, anders. Nicht mit den Tischen…
Wir steigen ein und fahren los. Links mit Laster… klappt gut. Restliche Reiseteilnehmer nebst Gepäck abholen und ab auf den State Highway No. 1 Richtung Norden.
Wir sollen für die erste Nacht auf einen Campingplatz fahren und erstmal Strom tanken. Wir finden was nettes, am Strand, hübsch, sauber und ohne viele Menschen. Da habe ich ja ein bisschen Bammel vor: Camper! Das ist schätzungsweise mit Laubenpiepern, FKK Strand Besuchern und Saunagängern über 51 gleichzusetzen. Ein ganz eigenes Völkchen, jedenfalls in Deutschland. Hier scheint das anders zu sein. Selbst die älteren Deutschen, die wir hier treffen, sind nicht die typischen Camper, sie machen das alle wohl nur hier. Wir treffen auch zahlreiche 19 bis 25 Jährige, meist für ein paar Monate mit einem umgebauten Kombi zu zweit unterwegs. Im Kofferraum eine Holzkonstruktion mit Matratze zum Schlafen. Immer mit Lichterkette. Das ist wichtig! Merken! Kaufen! Wir sind in Red Beach, etwa eine Stunde nördlich von Auckland im Pinewoods Motorpark und lernen Camping. Es klappt alles und macht uns sogar Spaß. Wir machen es uns erstmal gemütlich. Packen das „Esszimmer“ aus und stellen fest, dass wir nur vier Stühle haben, dafür aber drei Tische. Da ist wohl etwas schief gelaufen, beim Einladen. Wir improvisieren. Bela hat eh keine Zeit zum Essen. Wir gehen an den Strand, kochen in der Campingplatzküche und benutzen das BBQ. Wir schlafen ganz gut und düsen am Morgen weiter nach Norden. Wir stoppen zum shoppen. Wir brauchen unbedingt einen Stuhl, eine Angel und noch ein paar Kleinigkeiten für den Campervan. Wäscheklammern und natürlich eine Lichterkette. Jemand hatte uns Whangarai empfohlen, wir wissen nicht so genau wieso und verschwinden sofort nach dem Lunch wieder. Wir wollen in die Bay of Islands und haben uns Paihia ausgeguckt. Wir haben jetzt einen Vergleichspreis für einen toll ausgestatteten und sauberen Platz mit Strom und sind extrem schockiert, als wir den Preis für den spartanischen Platz am ausgetrockneten Fluß ohne alles (die Stromplätze sind nochmal teurer) erfahren. Also: weiter. Letztendlich landen wir nachmittags in Haruru Falls. Ein wunderschöner Platz mit netten Vermietern. Wir bekommen den schönsten Stellplatz für unser Heim und sehen die Wasserfälle von unseren drei Campingtischen aus. Mike angelt. Bela auch.
Wir mieten uns Kayaks und fahren zu den Fällen und Fluß abwärts. Es ist wunderschön hier, es ist Ebbe und alles voller Mangroven. Ich mache eine tolle Mutter Sohn Tour mit Levi. Es dämmert schon und das Licht ist unglaublich. Mike angelt. Wir essen unter unserer neuen bunten Lichterkette und hören den Wasserfall rauschen. Ist das schön hier! Blöd ist Camping eigentlich nur dann, wenn man nachts mal muss. Dann heißt es Schuhe an und über den Platz zum Toilettenhäuschen. Komischerweise muss ich in festen Unterkünften nachts nie so oft…
Am nächsten Morgen wandern wir ein bisschen an Wasserfällen und fahren dann nach Waitangi und besuchen ein Maori Zentrum mit Museum.

Auch ich schaffe es, diesen Monstertruck im Linksverkehr sicher von A nach B zu steuern. Es macht sogar richtig Spaß. Das Maori Zentrum ist super interessant. Zunächst sperrt sich Renate aus einer Reisegruppe im Klo ein und ruft nach Rolf. Dieser kommt schnell in einen Gewissenskonflikt. Ob er wohl als Mann die Damentoilette betreten darf? Er muss ja schließlich seine ungeschickte Frau retten. Wir erfahren sehr viel, mal wieder unliebsame Geschichten von europäischen Eroberern, die mich teilweise sprachlos und sauer machen. Wir erfahren über den Vertrag von Waitangi, in dem die Maori eigentlich geschützt werden sollten, aber letztendlich total über den Tisch gezogen worden sind, weil sie der englischen Sprache nicht mächtig waren. Wir sehen eine beeindruckende Vorführung mit Begrüßungsritual, da will man sich lieber nicht mit ihnen anlegen. Renate hat sich übrigens inzwischen wieder gefangen.
Weiterfahrt nach Ahipara an den 90 Mile Beach, der aber nur in echt nur 68 Meilen lang ist. Ganz im Norden der Nordinsel Neuseelands. Es gefällt uns gut, nachdem wir den State Highway No 1 erneut gefahren sind, aber nicht so richtig glauben konnten, dass das so etwas wie eine Autobahn sein sollte. Kurven und Berge, teilweise schräge Fahrbahn, allen war übel, sogar mir, obwohl ich der Fahrer war. Die Landschaft ist wahnsinnig abwechslungsreich. Mal Berge mit Farn und Laubwald, immer mal eine Palme dazwischen, mal weites Grasland mit weichen Hügeln, alles wie mit Weichzeichner aufgenommen. Der Campingplatz (Ahipara Holiday Park) ist voll mit Jungvolk, viele sprechen deutsch. Azul trifft zwei Brüder aus Argentinien und ist enttäuscht, weil sie kein Mate mehr übrig haben. Wir gehen zum Strand. Der ist wirklich breit und beeindruckend.
Es fahren viele 4×4 Pickups, Motorräder und Quads herum. Es ist wie immer Ebbe, wenn wir zum Wasser wollen. Müssen weit laufen. Mike angelt. Leider wussten wir nicht, dass Ahipara so klein ist und nur drei Geschäfte hat. Eins ist eine Tankstelle, eins ein Take Away mit einer bescheidenen Auswahl an überteuerten Lebensmitteln und das dritte ein Tourenveranstalter. Also kaufen wir nur ein bisschen Toast und planen frisch geangelten Fisch ein . Wir leben die nächsten zwei Tage von Resten. Ohne Fisch. Geht auch. Irgendwann wird schon einer anbeißen. Am nächsten Tag wollen wir auf der Ahipara Düne sandboarden und gehen zum Verleih. Raus kommen wir mit zwei Boggieboards und Neoprens, weil die Sanddüne ungefähr 2 Stunden Fußmarsch bedeutet hätte. Der Himmel war schwarz und es war frisch, wir wollten nicht im Regen enden. Also surfen am Strand. Angeln und Yoga. Wieder kein Fisch, aber der Erleuchtung ein wenig näher. Tolle Hintergrundgeräusche für Yoga am Strand. Mopeds und Quads drehen laute Runden auf dem Sand, Bela brüllt rum, weil er mir ständig neue Kunststücke mit dem Board zeigen will und Levi macht sich lustig über das fehlende Yoga Feng Shui. Er malt ein fantastisches Bild auf den Sand. Mike angelt weiter.
Wir chillen die zwei Tage schnell vorbei, entscheiden uns gegen einen Ausflug nach Cape Reinga , weil es mit viel zu viel Unannehmlichkeiten verbunden wäre und düsen am Sonntag durch bis nach Auckland, um Joshi zu treffen. Er ist mit zwei Freunden unterwegs und hat eine Bleibe in Auckland gemietet bis sie ein passendes Auto gefunden haben. Die Freude ist riesig.
Sie sind über Thailand und Kambodscha angereist und haben viel zu berichten. Wir gehen zur Feier des Tages zusammen aus. Aus heißt in dem Fall, Sushi neben dem Shoppingcenter. Wir müssen sparen! Deshalb fahren wir auch weiter und übernachten auf dem Parkplatz einer Autobahn Tankstelle für lau. Zusammen mit den ganzen harten Jungs mit den langen Holzlastern. Mike kann hier nicht angeln.



















