Weihnachten in Buenos Aires und Ausflug nach Deutschland

Wir verlassen Neuseeland am 23.12. um 20:15 Uhr, nicht jedoch ohne einen weiteren Aufreger am Flughafen in Auckland. Diesmal ist es nicht das Gepäck…Wir werden nach Weiterflugtickets aus Argentinien gefragt. Levi fliegt nach Frankfurt, Azul ist dort zu Hause, ich habe mein Ticket für den 25.12. nach Deutschland, aber Mike und Bela haben keins. Das sage ich dummerweise auch noch. Ohne Ticket, keine Ausreise! So verlangt es das Gesetz. Dann sollen wir halt ein teures Ticket nehmen, was wir dann gleich wieder stornieren können. Diese Logik erschließt sich mir nicht. Naja, Hauptsache, er hat es gesehen. Bela sagt, dann aber für uns drei, weil ich in Frankfurt ja auch wieder eins vorzeigen muss. Clever, da habe ich gar nicht dran gedacht. Wir überlegen, haben nur 45 Minuten Internet auf diesem Flughafen und sind total überfordert, weil wir nicht wissen, ob wir im Anschluss an die Jeepsafari (wir haben ab dem 9.1. ein günstiges Überführungsangebot angenommen, in dem wir innerhalb von 4 Wochen einen Amarok mit Dachzelt von Ushuaia nach Buenos Aires fahren sollen), nach Bolivien (größter ausgetrockneter Salzsee) oder Peru (Machu Pichu) oder doch gleich nach Ecuador und Galapagos reisen wollen. Und ich will mich auch verdammt nochmal da jetzt nicht unter Druck festlegen. Da sagt Azul: “ kauft einfach Tickets nach Uruguay und fertig“ Super! Machen wir. Für einen schmalen Kurs. Dann können wir immernoch überlegen, ob es passt oder wir den Flug einfach sausen lassen. Diese Tickets will jedoch nicht mal der Beamte, der uns dann weiter eincheckt sehen. Ich halte sie ihm aber trotzdem unter die Nase und zwinge ihn dazu, es sich anzuschauen, weil wir es verdammt nochmal gerade EXTRA nur für seinen Kollegen und das Gesetz gekauft haben!!! Diese Tickets müssen wir weder in Buenos Aires bei der Einreise, noch ich in Frankfurt bei der Ausreise jemals wieder vorzeigen! So!

Am 23.12. landen wir am Nachmittag in Argentinien. Wir sind auf übelste Wartezeiten eingestellt, weil es vor drei Jahren über zwei Stunden gedauert hat, bis wir es aus dem Flughafen geschafft hatten. So trödeln wir beim Verabschieden von Levi noch ein bisschen. Er fliegt von hier aus weiter nach Deutschland, weil er nur drei Monate mitkommen wollte. Den Rest der Zeit teilt er sich auf zwischen seinem Papa, seiner Freundin und Opa und Oma, die sich natürlich sehr darüber freuen. Vor allem, da mein Papa auf einem guten Weg der Genesung ist. Natürlich heule ich…

Es geht dieses Mal schneller, weil nicht so viel los ist. Dennoch wird wieder alles kontrolliert und gescannt, was wir einführen. Auf der Einreisekarte wird gefragt, ob wir Sachen dabei haben, die wir außerhalb Argentiniens gekauft haben. Der Richtigkeit halber müssten wir schreiben, ja und zwar alles! Was für ein Zirkus. Ich lasse es lieber, wir wollen ja in die Stadt. Ein Taxi bringt uns ins Hotel und zu Azuls Wohnung. Das Hotel kennen wir schon vom letzten Mal. Auspacken, duschen und los gehts. Erstmal Azuls Familie Hallo sagen. Sie freuen sich sehr uns wieder zu sehen und wir uns natürlich auch. Da morgen Heilig Abend ist und sie dafür noch vorbereiten wollen, gehen wir zu dritt in das Restaurant, in dem wir vor drei Jahren schon mal Hochzeitstag gefeiert haben. Da ist heute Abend Jazz. Es ist mittlerweile auch schon 21:30 Uhr und wir sind schon voll drin im argentinischen Rhythmus, trotz 13 Stunden Flug und 16 Stunden Zeitverschiebung.

Der nächste Tag beginnt mit dem Superjetlag. Ich wache um 4 Uhr auf und kann nicht mehr schlafen. Ich schaffe es bis 6:30 Uhr die Zeit irgendwie rumzukriegen und schnappe mir die Badesachen und flitze aufs Dach. Es ist noch nicht zu heiß, ich möchte ein paar Runden schwimmen. Leider ist der Pool ekelhaft grün, da gehe ich nicht rein. Schade. Den Rest des Tages verbringen wir mit bummeln, shoppen und ausruhen und Eisessen! In Argentinien gibt es die beste Eiscreme auf der ganzen Welt. Das wissen wir schon.Wir sollen so gegen 20:30 Uhr bei Azul sein. Rechtzeitig,um noch Geld aus dem Automaten zu holen, gehen wir los. Wir versuchen es an ein paar Automaten, die alle etwas weiter auseinder liegen. Die Zeit vergeht, wir bekommen kein Geld. Die Automaten sind alle leer. Unglaublich. Argentinische Hauptstadt . Geld alle! Es ist mittlerweile schon 21 Uhr. Wir können am Ende mit Azuls Papa ein paar Dollar gegen Peso tauschen, damit Mike und Bela für die Busfahrt und Ankunft am Feiertag wenigstens ein bisschen Bargeld haben. Ich brauche nichts, bin ja nur an Flughäfen und das Taxi kann ich in Dollar bezahlen.

Zu Besuch sind noch die Oma, Tante und Cousin. Wir essen und schnuddeln, trinken Rotwein und spielen. Um 23:50 Uhr herrscht auf einmal hektische Betriebsamkeit. Es werden Sektgläser befüllt und dann rückwärts gezählt. Punkt 0:00 Uhr wünschen sich alle „feliz navidad“ und dann geht es auf den Balkon, um das Feuerwerk anzuschauen. Wie bei uns Silvester. Bescherung ist dann gegen 0:45 Uhr. Es ist anders als bei uns, aber schön. Es ist eine schöne Party, Weihnachtsgefühle haben wir aber nicht. Dafür ist es auch viel zu warm. Bela kann das alles gar nicht genießen, weil er weiß, dass ich am nächsten Tag wegfliege. Um 2 Uhr liegen wir schließlich in den Betten.

Am 25.12. trennen wir uns für kurze Zeit. Mike und Bela fahren mit dem Bus nach Villa Gesell ans Meer (Azul und ihr Bruder werden am 27.12. folgen) und ich fliege nach Hause, um meine Eltern zu besuchen. Das ist dann der zweite Langstreckenflug innerhalb von 48 Stunden mit krassen Zeitwechseln. Da wir in Buenos Aires wegen Jetlag und Weihnachten kaum geschlafen haben, bin ich entsprechend müde. Ich verschlafe den Flug nach Sao Paulo nahezu komplett.
Dort angekommen, habe ich drei Stunden Zeit. Ich genehmige mir eine Fussmassage und ein Essen im Restaurant, endlich mal keine Sandwiches oder ähnliches. Dann habe ich immer noch Zeit. Ich suche mir ein Plätzchen, kaufe mir einen schlechten Kaffee und schreibe ein bisschen Blog. Mein Handy mit der Uhr liegt neben mir. Boarding ist planmäßig um 18:45 Uhr. Ich telefoniere noch mit Rotenburg. Mir ist langweilig und ich bin müde. Um 18:35 Uhr gehe ich los zum Gate. Ist ja fast nebenan. Dort ist alles leer. Nur ein paar vom Bodenpersonal. Die Anzeige blinkt Final Call…das verstehe ich nicht. Egal, ich gebe ihr mein Ticket. Sie sagt: „Sorry, gate is closed“. Verstehe ich auch nicht. Ich sage, boarding sei doch um 18:45 Uhr und zeige ihr mein Handy mit der Uhrzeit. Daraufhin zeigt sie nach oben auf die Uhr. Dort ist es 19:40 Uhr. Start ist um 19:45 Uhr. Verdammte Scheiße. Eine Stunde Zeit vorwärts sind die. Das habe ich irgendwie nicht mitbekommen und meiner Trägheit. Sie sagt, sie hätten mich ein paar Mal ausgerufen. Ich habe es nicht gehört, in der Cafebar war die Musik so laut…Sie sagt, ich kann nicht fliegen. Mein Gepäck wäre auch schon ausgeladen. Morgen wieder. So, nun stehe ich da. In Brasilien. Müde. Sauer auf mich selbst. Kaputt. Ich weiß nicht warum, aber auf einmal fange ich an zu heulen…Und sage, es ist Weihnachten, ich möchte nach Hause. Sie bekommen wohl Mitleid und suchen. Sie sagen, dass ich in 30 Minuten nach Suricci fliegen könnte. Ich denke nach und will nicht nach Suricci, ich weiß gar nicht, wo das ist. Sie schnappt mich, zerrt mich ans gegenüberliegende Gate, druckt mir meine neue Verbindung und ich schaffe wenigstens noch schnell eine Nachricht nach Deutschland zu schicken, dass ich nicht um 10:20 Uhr lande und mich nochmal melde. Dann sitze ich in der Swiss Air Maschine nach Zürich, auf dieses Flugzeug habe ich die ganze Zeit aus meiner Cafeecke geschaut…Ich bin fix und fertig. So was ist mir noch nie passiert. Habe in letzter Sekunde noch Glück gehabt, weil ich nur drei Stunden später als geplant in Frankfurt landen werde. Ich habe eine Sitzreihe für mich alleine und freue mich auf schlafen im Liegen. Dinner lass ich ausfallen, mir ist schlecht. Nach etwa 2,5 Stunden in der Luft, gibt es auf einmal weiter hinten Tumult. Es wird laut, es wird geschrien, Flugbegleiter flitzen hin. Es geht soweit, dass der Pilot aus dem Cockpit kommen muss. Das war es dann mit meiner Sitzreihe für mich. Ich bekomme ein nettes brasilianisches Paar neben mich. Sie sind auf dem Weg in den Skiurlaub nach Zermatt. Eine durchgeknallte Dame, die wohl schon beim Einchecken Stress gemacht hat, ist total ausgeflippt. Nun hoffen wir, dass sie sich beruhigt. Nach etwa 30 Minuten geht es wieder los. Es kommt eine Durchsage, wir sollen sie nicht beachten, denn wenn sie weiter Stress macht, müssten wir umdrehen und nach Recife fliegen. Zum zweiten Mal laufen mir die Tränen. Blöde Kuh. Ich beschließe mit meiner Nachbarin, das wir unsere Pillen zusammen schmeißen und ihr einen Cocktail mischen. Zum Glück beruhigt sie sich und wir fliegen durch. In Zürich flitze ich durch Passkontrolle und Terminal direkt zum Gate. Obwohl ich mal muss. Ich bin die erste und sehe noch einen anderen Flug von unserem Gate verschwinden. Ich bin die erste in der Schlange, im Bus und auch fast im Flieger. Das passiert mir nicht noch einmal! Neben mir im Bus sitzt eine Frau, die sich verkrampft an der Stange festhält und laut betet. Die ganze Zeit. Sie sitzt im Flieger vor mir und betet weiter. Laut. Die ganze Zeit. Das hatte wohl mit Mister Murphy mit seinem Gesetz zu tun. Unsere Piloten heißt Prisca Eule und fliegt etwas schneller. Ich freue mich auf zu Hause und verwerfe sämtliche Ideen von spektakulären Geschichten, warum ich den Flieger verpasst habe. Ich kann jetzt schon fast drüber schmunzeln.

Auckland die Dritte, weil es so schön war…

Wir landen zum dritten Mal auf dieser Reise in Auckland. Der Flug von Queenstown hat nicht lange gedauert und war sehr schön:

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Wir holen den Mietwagen und suchen unsere Herberge. Es ist ein Apartment, weil es immer günstiger ist, wenn man selber kochen kann. Wir haben noch ein bisschen was auf dem Plan für unseren Neuseelandabschluß hier in Auckland. Wir möchten ins Motat, das ist das Museum of transport and technology. Wir haben Tattootermine, weil wir für andere Souvenirs keinen Platz mehr haben. Heute machen Levi und ich einen Mutter/Sohn Abend, weil wir uns dann lange nicht sehen. Wir schlendern in die Stadt, essen Sushi, bummeln durch den schönen Albert Park und landen schließlich bei Bier in einer Bar.

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Am nächsten Morgen fahren ins Motat und sind begeistert. Es ist sehr interessant gestaltet und wir haben viel Spaß.

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Wir  gehen in einem kleinen Cafe günstig Frühstücken und suchen dann den Tattooshop. Wir sind sehr zufrieden, alles läuft nach Plan. Mike braucht etwas länger, aber Levi und ich sind schnell fertig.

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Wir starten wieder einen Bummel und landen auf dem Weihnachtsmarkt von Auckland. Ja, da war doch noch was…es ist der 22.12. und keiner von uns hat Weihnachtsstimmung. Uns ist es zu warm und Azul ist es zu kalt für Weihnachten. Da passt so ein Meeting mit Santa prima.

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Tja und wie es dann immer so ungeplant passiert, landen wir im Pub. Wir müssen ja schließlich Abschied feiern. Eine wundervolle Etappe Weltreise ist vorbei. Wir müssen uns von Levi trennen und Azuls Abschied folgt dann auch bald. Wir haben Spaß im Pub, Levi bekommt kein Bier, weil er seinen Ausweis nicht dabei hat. Wir treffen auf einen Junggesellenabschied und wissen genau, wie er sich fühlt.

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Die Kinder gehen irgendwann vor, sie haben genug gefeiert. Wir treffen noch andere Traveller, auch welche aus Niebüll. Das finden wir besonders lustig, weil es nicht weit ist von Föhr, wo unsere zweite Heimat ist. Wir haben einen sehr schönen letzten Abend. gegen Mitternacht treten wir den Heimweg an und bekommen von drei Maori Brüdern noch ein schönes Ständchen in einem Kaufhauseingang.

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Der Flug nach Buenos Aires geht erst um 20:15 Uhr. Wir haben late check out, gehen noch ein bisschen an den Strand und in den botanischen Garten.

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Das war es nun mit Neuseeland. Wir sind uns sicher: wir kommen wieder!

 

Fazit:  Ein faszinierendes Land mit netten Menschen

Was nicht gelernt haben:    warum es am Campingplatz Check Out um 10 Uhr gibt

Angeln 😉

 

Coromandel und weiter….

Wir fahren von unserem kostenlosen Schlafplatz (nachdem ich nahezu die ersparte Summe in Kaffee, Chai Latte und Frühstücksteilchen ins Cafe gebracht habe) weiter in Richtung Coromandel Halbinsel. Wir halten in Thames und besuchen eine stillgelegte alte Goldmine. Die Führung ist interessant und wir lernen einiges, zum Beispiel wie hart das Leben und Arbeiten hier gewesen sein muss. Die Jungs haben nach der Schule, so mit 14 Jahren etwa, angefangen in der Mine zu arbeiten und die mir Steinen beladenen Lohren hochzuschieben. Auf diese Weise haben sie Muskeln bekommen und waren als Rugbyspieler gut zu gebrauchen.                                                                      Die Landschaft ist unglaublich schön hier. Wir fahren direkt an der Küste Richtung Norden.

Wir fahren nach Coromandel Town. Das ist ein Städtchen wie aus dem Filmstudio. Man könnte fast denken, dass man die stützenden Balken sieht, wenn man die Hauptstrasse verlässt und hinter die Fassaden guckt. Eigentlich haben wir bisher viele solcher Orte gesehen. Es ist echt süß hier. Wir fahren ein Stück weiter an eine kleine Bucht und haben Picknick. Mike angelt. Kaffeetrinken fällt aus, weil wir feststellen, dass der Herd im Wohnmobil nicht mehr funktioniert. Kümmern wir uns morgen drum. Wir sind fast alleine, leider ist hier overnight Camping verboten. Die Jungs baden. Mike angelt weiter. Zurück in Coromandel City finden wir  einen schönen Platz in Stadtnähe. Wir bummeln noch ein bisschen, machen Sport und kochen.

Am nächsten Tag machen wir einen Abstecher zu einer Touristenattraktion. Normalerweise stehen wir da nichtso drauf,  diese wurde jedoch wärmstens von allen Seiten empfohlen und hat sich wirklich gelohnt. Wir fahren mit einer kleinen Eisenbahn. Mit der Driving Creek Railway.

Diese Schmalspurbahn wurde in den sechziger und siebziger Jahren von dem Töpfer Barry Brickell in mühevoller Arbeit und vielen Hindernissen selbst gebaut. Sie hat eine Steigung von teilweise bis 7%. Sie erklimmt einen Höhenunterschied von 110 Metern. Es gibt sogar eine Doppelstockbrücke. Er baute sie zunächst, um an besseren Lehm zu gelangen und diesen auch abzutransportieren. Später wurde es zur Touristenattraktion umgewandelt und zuletzt ein großer Aussichtsturm gebaut. Als er vor einem Jahr starb, wurde er ein letztes Mal mit der Bahn auf den Berg gebracht und dann auf der Strecke begraben.


Es geht es weiter auf die andere Seite der Halbinsel nach Whitianga. Die Fahrt ist wieder mit spektakulärer Aussicht verbunden.

Die Stadt ist etwas größer, angeln an der Marina leider verboten. Also bummeln wir ein bisschen. Trinken in einem Ökocafe Chai Latte und Flat White (das ist Milchkaffee), die Kinder essen leckeres selfmade Beereneis, die Bedienung hat Haare unter den Achseln, Bela ist entsetzt, er findet das altmodisch…    Wir finden einen ausgefallenen Klamottenladen und schauen uns um. Ich frage, ob es hier einen Campingplatz in der Nähe gibt, weil wir gerne für eine Nacht bleiben würden. Sie schickt uns auf eine Art Farm. Es gibt eine große Wiese direkt am Strand,  wo man sich mit einem selfcontained Campervan für 10 Dollar pro Nacht hinstellen darf. Schwierig, weil doch unser Herd immer noch nicht funktioniert. Wir versuchen es bei einer Tankstelle. Die können uns leider nicht helfen.  Wir fahren erstmal zur Farm. Schließlich haben wir genug Vorräte, dann gibt es eben Sandwich. Der Platz ist super. An einer hübschen Bucht gelegen, hinter uns ein Fluß, der ins Meer fließt. Wir parken direkt vor dem Strand. 

Ich frage unseren Nachbarn, der gerade seinen Bus streicht und so aussieht, als würde er hier wohnen, ob er uns mit dem Herd helfen kann. Er ist sehr nett, gibt alles, kriegt es aber auch nicht hin. Er muss nachher sowieso nochmal weg, wir sollen einfach bei ihm kochen. Außerdem sollen wir doch seine Kayaks ausleihen, dann können wir durch die Bucht paddeln und ein Stück den Fluß hoch. Mike steht übrigens bereits mit der Angel im Wasser. So genießen wir den Tag mit planschen, Kayak fahren, lesen, Sport und angeln. Wir kochen in Nachbars Küchenbus, wieder gibt es keinen Fisch. Er hat zwei Busse. Einen zum Schlafen und chillen mit selbstgebauter Terrasse zum Wasser hin und einen zum Kochen und Fernsehen.  Er lebt seit 7 Monaten permanent hier und zahlt nur 5 Dollar pro Nacht. Er begrüßt jeden Morgen das Meer mit:“ good morning beauty“ Die Jungs malen Bilder als Dankeschön.

 Als er aus der Stadt zurück kommt, laden wir ihn auf ein Glas Rotwein ein und plaudern noch etwas. Leider verstehen wir nicht alles, der Neuseeland Slang ist gewöhnungsbedürftig, vor allem nach Rotwein. Frühstück gibt es natürlich mit Meerblick, Kaffeewasser gibt’s vom netten Nachbarn. Danach geht’s zum Hotwater Beach. Das ist ein Abschnitt am Meer, wo es unterirdische heiße Quellen gibt. Wir leihen einen Spaten und lassen Mike schippen,  weil er hier nicht angeln kann. 

Wir müssen echt aufpassen und testen, bevor wir reinhüpfen. Das Wasser ist teilweise 60 Grad und heißer.  So ein richtiger Fan davon bin ich nicht. Es ist ziemlich heiß und die Sonne brennt auch noch. Wenn man sich in die Löcher legt, ist alles voll mit Sand und abwaschen in den Wellen führt zu noch mehr Sand überall. Die Duschen am Parkplatz sind hingegen so kalt, dass man sich auch nicht so richtig gut vom Sand befreien kann. Bela hatte Spaß,  also wars schön.

Levi surft indessen, die Wellen sind wohl ganz gut.

Weiter geht’s in Richtung Süden, grobes Ziel Roturua mit Stopp am Meer, zwei Nächte bitte, wir haben große Wäsche… und einen Tag nicht geangelt. Wir landen schließlich in Waihi Beach.

Auch hier sind wir wieder fast alleine. Die Kiwis haben noch keine Ferien und die Hauptsaison hat noch nicht begonnen. Der Campingplatz Bowentown ist direkt am Meer, wir buchen uns für zwei Nächte ein und starten gleich zwei Waschmaschinen auf einmal. Mike angelt:

In der Nacht regnet es, ich glaube das erste mal seit wir mit dem Wohnmobil unterwegs sind. Aber richtig. Zum Glück in der Nacht. Mein Albtraum ist es nämlich mit 5 Leuten im Regen im Wohnmobil festzusitzen und sich dann an die Gurgel zu gehen. Die Stimmung ist noch ganz gut, klar ist es ab und zu schwierig, wenn es nicht rund läuft. Wir gehen uns manchmal ein bisschen auf den Keks,  aber im Großen und Ganzen klappt es ganz gut.                                                                                            Am nächsten Morgen scheint die Sonne,  als wäre nichts gewesen. Der Rasen um unseren Platz schwimmt jedoch. Wir baden und surfen (also nicht auf dem Rasen, sondern im Meer), buchen uns das Spa für heute Abend und kaufen Köder zum Angeln. Gefroren. Makrele und Squid. Ich sehe die im Campingplatzshop und wollte sie zum Grillen kaufen, sind allerdings nicht zum Verzehr geeignet. Na gut, wir warten weiter auf den kapitalen Fang. Dafür klettern wir mit Angel und Köder in die Nachbarbucht. Mike angelt, Bela und ich vertreiben die Möwen, die an den Köder wollen. Es ist wirklich schön hier, nur wir, die Möwen, der halb aufgetaute stinkende Köderfisch, stinkende Finger und Fische, die aus dem Wasser zurückwinken, statt anzubeißen. Abends im Spa erholen wir uns vom Nichtstun bei 40 Grad im Blubberbecken, bis der Kreislauf versagt. Langsam wird es zwischendurch anstrengend. Wir merken was wir vorher schon geahnt haben, Reisen ist anders als Urlaub. Es ist übrigens Donnerstag, der 30.11. Das muss ich im Kalender nachschauen. Das Gefühl für Zeit und Wochentage ist komplett verschwunden. Nach zwei Nächten und sauberer Wäsche, fahren wir in Richtung Roturua weiter und machen uns über den Namen lustig. Auf dem Weg besuchen wir eine Kiwifarm,  Ups…Verzeihung…eine Kiwifruchtfarm! 

Wir entscheiden uns gegen die Tour, weil sie zu teuer ist. Stattdessen vergnügen wir uns beim tasting. Was man alles aus Kiwifrüchten machen kann, ist schon nett. Marmelade, Relish, getrocknete Kiwifrüchte gelb und grün, Bonbons, Creme, Seifen und noch vieles mehr. Kiwisaft haben wir zum ersten mal getrunken, der ist super. Wir sehen die Kartons, die bei uns im Edeka auch stehen und wissen nun, wo die Kiwis herkommen.

Voll bepackt mit gesundem Kram (die Bonbons sind ja schließlich aus Obst und die Marmelade ebenfalls) fahren wir weiter nach Roturua. Fahren dauert hier ewig. Wenn man in Deutschland für 250 km circa 2 Stunden braucht, sind es hier 4 bis 5 Stunden mit Kotzgarantie. Und es gibt hier so viele Pilonen, wie im Rest der Welt zusammen wahrscheinlich. An jeder Kleinstbaustelle stehen ein paar Tausend davon rum. Wir entscheiden uns in Roturua auf einem Campervan Overnight Parking zu übernachten. Das gibt es in manchen Orten, da darf man dann kostenlos zwischen ein und vier Nächte bleiben, wenn man einen selfcontained Campervan hat. Zum Glück sind wir früh dran,  denn diese Plätze sind natürlich beliebt. Wir erwischen den vorletzten freien Platz. Es ist ein ganz normaler Parkplatz, wir müssen Tisch und Stühle vor dem Auto aufbauen, weil daneben kein Platz ist. Dafür kostet es nichts. Was auch nichts kostet, ist die hervorragende Luft hier in Roturua. Ein heiliger Ort für die Maori wegen der heißen Quellen. Schwefelquellen. In der ganzen Stadt riecht es, nein pardon, stinkt es, nach faulen Eiern. Man gewöhnt sich dran, so sagt es der Reiseführer. Wir haben darauf gewartet….es hat einfach weitergestunken. Wir bummeln durch die Stadt, es gefällt uns gut. Wir gehen in den Park. Es gibt viele Crockettfelder mit akurat gepflegtem englischen Rasen. Überall stehen Betreten verbiten Schilder. Wobei man aufgrund des Zustandes und der klar erkennbaren Bestimmung und Abpserrung sowieso nicht darauf herumtrampeln würde. Bis ein paar Chinesen  (lange haben wir keine gesehen, aber hier gibt es wieder das übliche Programm: heute Roturua,  morgen Sydney Opernhaus, übermorgen München Weihnachtsmarkt) über den Rasen latschen. Rufen der Crockettspieler hilft nicht. Brüllen und pfeifen auch nicht. Sie latschen einfach weiter. Bis ein Ball fliegt.  Dann erschrecken sie sich und raffen es. Etwas weiter gibt es ein Fußbadebecken mit 40 Grad heißem Wasser. Da wir heute nicht duschen können, haben wir danach wenigstens saubere Füße. 

Wir buchen für den nächsten Tag ein paar Events. Levi und Azul fahren nach Hobbiton, Mike und Bela düsen auf Seifenkisten einen Berg runter und ich verschwinde für drei Stunden alleine ins Polynesian Spa, lege mich in das stinkende heiße Wasser und genieße die Ruhe. Kinder sind hier nämlich verboten. Ich fand schon immer Angebote ohne Kinder gut. Auch Hotels, in die man keine Kinder mitbringen darf, finde ich großartig. Für zwischendurch zum Auftanken ist das ein tolles Angebot. Wenn man so lange (wie sagt Levi) 24/7 auf engstem Raum zusammen unterwegs ist, lernt man solche Sachen zu schätzen. Ansonsten bin ich jedoch ein absoluter Kinderfreund. Im übrigen kann man hier nicht angeln. Der See ist heiß und stinkt, Fische gibt es hier keine. Langsam fangen wir an, uns um die Fähre auf die Südinsel zu kümmern. Das großzügige Angebot über die Wohnmobilvermietung günstiger zu buchen, haben wir abgelehnt, weil es komischerweise deutlich teurer gewesen wäre und wir uns weit im voraus auf einen Termin hätten festlegen müssen. Also buchen wir über die Homepage der Fährgesellschaft am 1.12. für den 5.12. (in der Hochsaison ist das wahrscheinlich nicht möglich) und fahren weiter in Richtung Wellington. Heute erstmal so weit wir kommen. Wir brechen gegen 16 Uhr in Roturua auf und haben gute 400 km vor uns.

Wir kommen am Schicksalsberg aus Herr der Ringe vorbei. Das Wetter ist ekelig, es geht runter bis auf 10 Grad und es regnet. Genau richtig um Kilometer zu machen. Wir schaffen es bis Bulls, wieder eine von diesen Filmkulissenstädtchen, wo man nicht tot über dem Lattenzaun hängen möchte. Viele Einwohner haben wahrscheinlich die gleiche Blutgruppe 😉 Es ist circa 150 km vor Wellington. Wir stellen uns auf einen Parkplatz, kochen und versuchen zu schlafen. In der Stadt ist eine Party, es ist laut, leider will keiner mit mir feiern gehen. Am nächsten Morgen, es ist Sonntag, gehen wir ausnahmsweise frühstücken, weil Levi und Azul noch schlafen. Carrotcake zum Frühstück ist keine gute Idee, mir ist den ganzen Tag schlecht. Das hat man dann davon!                                                            In Wellington gibt es auch so einen kostenlosen Platz direkt an der Marina, 15 Minuten mit dem Bus von der Innenstadt entfernt. Wir parken, beschließen,  die Fähre auf morgen vorzuverlegen, falls das geht. Ein Tag Wellington reicht uns. Wir gehen ins Te Papa Museum, das Nationalmuseum von Neuseeland. Te Papa ist Maori und heißt übersetzt „der Ort der Schätze des Landes“. Ausgestellt wird u.a. die Entwicklung und Geschichte Neuseelands. Wir fanden es super interessant gestaltet. Direkt daneben in einem Park findet am Wochenende immer die Extravaganza statt. Eine Art Hippiekirmes.

Wir fanden es ganz lustig und sind ein bisschen dort geschlendert. Danach gings in die Cuba Street. Dort pulsiert das Leben hier in Wellington. Es gibt zahlreiche Geschäfte aller Art und viel Restaurants und Pubs. So sind wir auch erstmal schön hier hängen geblieben. Kein Bier vor 4 ? Kein Problem um 16:10!

Danach haben wir uns einen anderen Pub gesucht und sind ausnahmsweise mal Essen gegangen.

In der Zwischenzeit kam die Zusage von der Fähre, es ist für alle in Ordnung nur einen Tag in Wellington zu bleiben. An der Marina darf man eh nicht angeln, also starten wir am nächsten Morgen früh zu den Weta Cave Studios. Dort wurden zum Beispiel für die „Herr der Ringe“ Verfilmung Prothesen, Waffen, Rüstungen, Kreaturen und größere Miniaturen in größtenteils Handarbeit hergestellt. Weta war auch an King Kong, Avatar, Tim und Struppi, der Hobbit, den Chronisten von Narnia und vielen anderen beteiligt. Einer der Inhaber ist Peter Jackson. Begrüßt wird man direkt am Eingang von drei Bergtrollen aus Herr der Ringe. Es gibt ein kleines interessantes Museum, logischerweise sämtliche Dinge zu kaufen ( u.a. einen lebensgroßen Gollum für 4000 Dollar). Alles dort in Handarbeit gefertigt und nichts billig aus Fernost. Den Kindern sind fast die Augen aus dem Kopf gefallen. Zum Glück haben wir keinen Platz im Gepäck. Wir sehen einen Film über die Entstehung und Entwicklung dieser Studios und einen Blick hinter die Kulissen einiger Filme.

Wir verlassen die Nordinsel mit vielen schönen Eindrücken im Gepäck!