Wir verlassen Neuseeland am 23.12. um 20:15 Uhr, nicht jedoch ohne einen weiteren Aufreger am Flughafen in Auckland. Diesmal ist es nicht das Gepäck…Wir werden nach Weiterflugtickets aus Argentinien gefragt. Levi fliegt nach Frankfurt, Azul ist dort zu Hause, ich habe mein Ticket für den 25.12. nach Deutschland, aber Mike und Bela haben keins. Das sage ich dummerweise auch noch. Ohne Ticket, keine Ausreise! So verlangt es das Gesetz. Dann sollen wir halt ein teures Ticket nehmen, was wir dann gleich wieder stornieren können. Diese Logik erschließt sich mir nicht. Naja, Hauptsache, er hat es gesehen. Bela sagt, dann aber für uns drei, weil ich in Frankfurt ja auch wieder eins vorzeigen muss. Clever, da habe ich gar nicht dran gedacht. Wir überlegen, haben nur 45 Minuten Internet auf diesem Flughafen und sind total überfordert, weil wir nicht wissen, ob wir im Anschluss an die Jeepsafari (wir haben ab dem 9.1. ein günstiges Überführungsangebot angenommen, in dem wir innerhalb von 4 Wochen einen Amarok mit Dachzelt von Ushuaia nach Buenos Aires fahren sollen), nach Bolivien (größter ausgetrockneter Salzsee) oder Peru (Machu Pichu) oder doch gleich nach Ecuador und Galapagos reisen wollen. Und ich will mich auch verdammt nochmal da jetzt nicht unter Druck festlegen. Da sagt Azul: “ kauft einfach Tickets nach Uruguay und fertig“ Super! Machen wir. Für einen schmalen Kurs. Dann können wir immernoch überlegen, ob es passt oder wir den Flug einfach sausen lassen. Diese Tickets will jedoch nicht mal der Beamte, der uns dann weiter eincheckt sehen. Ich halte sie ihm aber trotzdem unter die Nase und zwinge ihn dazu, es sich anzuschauen, weil wir es verdammt nochmal gerade EXTRA nur für seinen Kollegen und das Gesetz gekauft haben!!! Diese Tickets müssen wir weder in Buenos Aires bei der Einreise, noch ich in Frankfurt bei der Ausreise jemals wieder vorzeigen! So!
Am 23.12. landen wir am Nachmittag in Argentinien. Wir sind auf übelste Wartezeiten eingestellt, weil es vor drei Jahren über zwei Stunden gedauert hat, bis wir es aus dem Flughafen geschafft hatten. So trödeln wir beim Verabschieden von Levi noch ein bisschen. Er fliegt von hier aus weiter nach Deutschland, weil er nur drei Monate mitkommen wollte. Den Rest der Zeit teilt er sich auf zwischen seinem Papa, seiner Freundin und Opa und Oma, die sich natürlich sehr darüber freuen. Vor allem, da mein Papa auf einem guten Weg der Genesung ist. Natürlich heule ich…
Es geht dieses Mal schneller, weil nicht so viel los ist. Dennoch wird wieder alles kontrolliert und gescannt, was wir einführen. Auf der Einreisekarte wird gefragt, ob wir Sachen dabei haben, die wir außerhalb Argentiniens gekauft haben. Der Richtigkeit halber müssten wir schreiben, ja und zwar alles! Was für ein Zirkus. Ich lasse es lieber, wir wollen ja in die Stadt. Ein Taxi bringt uns ins Hotel und zu Azuls Wohnung. Das Hotel kennen wir schon vom letzten Mal. Auspacken, duschen und los gehts. Erstmal Azuls Familie Hallo sagen. Sie freuen sich sehr uns wieder zu sehen und wir uns natürlich auch. Da morgen Heilig Abend ist und sie dafür noch vorbereiten wollen, gehen wir zu dritt in das Restaurant, in dem wir vor drei Jahren schon mal Hochzeitstag gefeiert haben. Da ist heute Abend Jazz. Es ist mittlerweile auch schon 21:30 Uhr und wir sind schon voll drin im argentinischen Rhythmus, trotz 13 Stunden Flug und 16 Stunden Zeitverschiebung.
Der nächste Tag beginnt mit dem Superjetlag. Ich wache um 4 Uhr auf und kann nicht mehr schlafen. Ich schaffe es bis 6:30 Uhr die Zeit irgendwie rumzukriegen und schnappe mir die Badesachen und flitze aufs Dach. Es ist noch nicht zu heiß, ich möchte ein paar Runden schwimmen. Leider ist der Pool ekelhaft grün, da gehe ich nicht rein. Schade. Den Rest des Tages verbringen wir mit bummeln, shoppen und ausruhen und Eisessen! In Argentinien gibt es die beste Eiscreme auf der ganzen Welt. Das wissen wir schon.Wir sollen so gegen 20:30 Uhr bei Azul sein. Rechtzeitig,um noch Geld aus dem Automaten zu holen, gehen wir los. Wir versuchen es an ein paar Automaten, die alle etwas weiter auseinder liegen. Die Zeit vergeht, wir bekommen kein Geld. Die Automaten sind alle leer. Unglaublich. Argentinische Hauptstadt . Geld alle! Es ist mittlerweile schon 21 Uhr. Wir können am Ende mit Azuls Papa ein paar Dollar gegen Peso tauschen, damit Mike und Bela für die Busfahrt und Ankunft am Feiertag wenigstens ein bisschen Bargeld haben. Ich brauche nichts, bin ja nur an Flughäfen und das Taxi kann ich in Dollar bezahlen.
Zu Besuch sind noch die Oma, Tante und Cousin. Wir essen und schnuddeln, trinken Rotwein und spielen. Um 23:50 Uhr herrscht auf einmal hektische Betriebsamkeit. Es werden Sektgläser befüllt und dann rückwärts gezählt. Punkt 0:00 Uhr wünschen sich alle „feliz navidad“ und dann geht es auf den Balkon, um das Feuerwerk anzuschauen. Wie bei uns Silvester. Bescherung ist dann gegen 0:45 Uhr. Es ist anders als bei uns, aber schön. Es ist eine schöne Party, Weihnachtsgefühle haben wir aber nicht. Dafür ist es auch viel zu warm. Bela kann das alles gar nicht genießen, weil er weiß, dass ich am nächsten Tag wegfliege. Um 2 Uhr liegen wir schließlich in den Betten.
Am 25.12. trennen wir uns für kurze Zeit. Mike und Bela fahren mit dem Bus nach Villa Gesell ans Meer (Azul und ihr Bruder werden am 27.12. folgen) und ich fliege nach Hause, um meine Eltern zu besuchen. Das ist dann der zweite Langstreckenflug innerhalb von 48 Stunden mit krassen Zeitwechseln. Da wir in Buenos Aires wegen Jetlag und Weihnachten kaum geschlafen haben, bin ich entsprechend müde. Ich verschlafe den Flug nach Sao Paulo nahezu komplett.
Dort angekommen, habe ich drei Stunden Zeit. Ich genehmige mir eine Fussmassage und ein Essen im Restaurant, endlich mal keine Sandwiches oder ähnliches. Dann habe ich immer noch Zeit. Ich suche mir ein Plätzchen, kaufe mir einen schlechten Kaffee und schreibe ein bisschen Blog. Mein Handy mit der Uhr liegt neben mir. Boarding ist planmäßig um 18:45 Uhr. Ich telefoniere noch mit Rotenburg. Mir ist langweilig und ich bin müde. Um 18:35 Uhr gehe ich los zum Gate. Ist ja fast nebenan. Dort ist alles leer. Nur ein paar vom Bodenpersonal. Die Anzeige blinkt Final Call…das verstehe ich nicht. Egal, ich gebe ihr mein Ticket. Sie sagt: „Sorry, gate is closed“. Verstehe ich auch nicht. Ich sage, boarding sei doch um 18:45 Uhr und zeige ihr mein Handy mit der Uhrzeit. Daraufhin zeigt sie nach oben auf die Uhr. Dort ist es 19:40 Uhr. Start ist um 19:45 Uhr. Verdammte Scheiße. Eine Stunde Zeit vorwärts sind die. Das habe ich irgendwie nicht mitbekommen und meiner Trägheit. Sie sagt, sie hätten mich ein paar Mal ausgerufen. Ich habe es nicht gehört, in der Cafebar war die Musik so laut…Sie sagt, ich kann nicht fliegen. Mein Gepäck wäre auch schon ausgeladen. Morgen wieder. So, nun stehe ich da. In Brasilien. Müde. Sauer auf mich selbst. Kaputt. Ich weiß nicht warum, aber auf einmal fange ich an zu heulen…Und sage, es ist Weihnachten, ich möchte nach Hause. Sie bekommen wohl Mitleid und suchen. Sie sagen, dass ich in 30 Minuten nach Suricci fliegen könnte. Ich denke nach und will nicht nach Suricci, ich weiß gar nicht, wo das ist. Sie schnappt mich, zerrt mich ans gegenüberliegende Gate, druckt mir meine neue Verbindung und ich schaffe wenigstens noch schnell eine Nachricht nach Deutschland zu schicken, dass ich nicht um 10:20 Uhr lande und mich nochmal melde. Dann sitze ich in der Swiss Air Maschine nach Zürich, auf dieses Flugzeug habe ich die ganze Zeit aus meiner Cafeecke geschaut…Ich bin fix und fertig. So was ist mir noch nie passiert. Habe in letzter Sekunde noch Glück gehabt, weil ich nur drei Stunden später als geplant in Frankfurt landen werde. Ich habe eine Sitzreihe für mich alleine und freue mich auf schlafen im Liegen. Dinner lass ich ausfallen, mir ist schlecht. Nach etwa 2,5 Stunden in der Luft, gibt es auf einmal weiter hinten Tumult. Es wird laut, es wird geschrien, Flugbegleiter flitzen hin. Es geht soweit, dass der Pilot aus dem Cockpit kommen muss. Das war es dann mit meiner Sitzreihe für mich. Ich bekomme ein nettes brasilianisches Paar neben mich. Sie sind auf dem Weg in den Skiurlaub nach Zermatt. Eine durchgeknallte Dame, die wohl schon beim Einchecken Stress gemacht hat, ist total ausgeflippt. Nun hoffen wir, dass sie sich beruhigt. Nach etwa 30 Minuten geht es wieder los. Es kommt eine Durchsage, wir sollen sie nicht beachten, denn wenn sie weiter Stress macht, müssten wir umdrehen und nach Recife fliegen. Zum zweiten Mal laufen mir die Tränen. Blöde Kuh. Ich beschließe mit meiner Nachbarin, das wir unsere Pillen zusammen schmeißen und ihr einen Cocktail mischen. Zum Glück beruhigt sie sich und wir fliegen durch. In Zürich flitze ich durch Passkontrolle und Terminal direkt zum Gate. Obwohl ich mal muss. Ich bin die erste und sehe noch einen anderen Flug von unserem Gate verschwinden. Ich bin die erste in der Schlange, im Bus und auch fast im Flieger. Das passiert mir nicht noch einmal! Neben mir im Bus sitzt eine Frau, die sich verkrampft an der Stange festhält und laut betet. Die ganze Zeit. Sie sitzt im Flieger vor mir und betet weiter. Laut. Die ganze Zeit. Das hatte wohl mit Mister Murphy mit seinem Gesetz zu tun. Unsere Piloten heißt Prisca Eule und fliegt etwas schneller. Ich freue mich auf zu Hause und verwerfe sämtliche Ideen von spektakulären Geschichten, warum ich den Flieger verpasst habe. Ich kann jetzt schon fast drüber schmunzeln.




