Perito Moreno: ein großes Spektakel

Die Fahrt von Torres del Paine nach El Calafate vergeht dank der netten Gesellschaft der beiden Franzosen recht schnell.

Wir finden mit unserer neuen App eine günstige Bleibe und buchen uns für drei Nächte dort ein. Wir müssen mal wieder Wäsche waschen und möchten kochen. Gleich am ersten Abend gibt es Klöße mit Soße, die hatte ich an Weihnachten aus Deutschland mitgebracht. Die Herberge ist recht schratig, aber die Leute dort sind sehr nett und weit bis zur Innenstadt ist es auch nicht. Wir bekommen ohne Aufpreis zwei Zimmer, weil diese so klein sind. Am Ende haben wir die ganze Etage für uns, weil kein anderer dazukommt und müssen auch das Bad nicht teilen. In der Küche brennt permanent ein alter Ofen, so dass es immer heißes Kaffeewasser gibt. Kochen ist ein Abenteuer, die Leute dort haben andere Prioritäten, als sich um die Sauberkeit der Küche zu kümmern.

Wenigstens gibt es eine, das spart uns viel Geld. Einen Restaurantbesuch leisten wir uns dennoch, wir sind ja immernoch auf der Suche nach dem perfekten Steak. Das finden wir ansatzweise hier in El Calafate. Besser als bisher, aber noch nicht ganz perfekt.

Wir bummeln durch das schöne Städtchen, waschen Wäsche und planen unseren Ausflug zum Gletscher. Deshalb sind wir ja schließlich hier. Es ist hier so, wie im Rest Argentiniens (außer in Buenos Aires, denn da bleibt die ganze Kohle). Es wurden Prachtboulevards zu bauen angefangen, nach ehemaligen Präsidenten benannt, dann ging die Kohle aus, und so stehen sie bis heute und warten mittlerweile nicht mal mehr darauf, zu Ende gebaut zu werden. Vieles ist überwuchert, verrostet oder abgegammelt. Aber immer weht die argentinische Flagge darüber. In einer Eisdiele wollte die Verkäuferin auf keinen Fall einen 50 Peso Schein annehmen, dem eine kleine Ecke gefehlt hat. Sie bekäme dann Ärger mit der Bank. Ich habe mich nur kurz geärgert, denn ich habe noch nicht in einem Land gelebt, das bereits pleite war und wieder kurz davor steht, deshalb kann ich mich da nicht reindenken. Die Menschen, die wir treffen, sind alle super nett, trauen aber keinem über den Weg. Beim Bezahlen mit der Kreditkarte muss man den Ausweis vorzeigen, die Ausweisnummer wird in die Kasse eingetragen. Du brauchst die PIN und musst unterschreiben und deine Ausweisnummer nochmals auf den Bon eintragen. Das wird alles noch dreimal kontrolliert und wenn du deine Kopie vom Kassenbon nicht mitnimmst, rennen sie dir hinterher. Dann gucken sie komisch, wenn man sagt, man braucht es nicht. Es ist wirklich schade um die Menschen und um dieses wundervolle Land. Es könnte denen so gut gehen, wie den Norwegern. Die haben hier Bodenschätze ohne Ende, doch die Kohle fließt wie in allen südamerikanischen Staaten in die falschen Taschen.

Die Fahrt zum Nationalpark dauert etwa eine Stunde und nicht wie in der Touristeninformation angekündigt zwei Stunden. Aber die Autofahrkünste der Argentinier werde ich an anderer Stelle nochmal erwähnen.

Wir müssen wieder Eintritt bezahlen, um in den Nationalpark zu gelangen. Dort werden wir darauf hingewiesen, vorsichtig zu fahren, weil es von jetzt an bis zum Gletscherparkplatz auf 30 KM Länge über 200 Kurven gibt. Vielleicht passt jetzt doch das Thema Autofahren in Argentinien: Die Argentinier sind schlechte und unsichere Autofahrer. Das fängt schon beim Erwerb des Führerscheins an. Er kostet umgerechnet etwa soviel wie eine Übernachtung in einem 3 Sterne Hotel, inklusive Frühstück. Geprüft wird auf einer Art Verkehrsübungsplatz ohne andere Autos. Die Prüfung schafft, wer beim Pilonenhindernisparcours keine umfährt. Autobahn ist kein Thema in der Fahrschule, zu gefährlich. Auch das erste Jahr mit Führerschein darf man auf der Autobahn nicht fahren. In Buenos Aires ist es beispielsweise sowieso ohne Auto praktischer, also sammelt man auch keine Fahrpraxis. Fahren die dann über Land, sind sie auf den Geraden schnell und kommen mit Kurven nicht gut klar. Hier gilt eine Kurve ab 15 Grad als gefährliche Kurve, die entsprechend 2 KM vorher auch als solche angekündigt wird. Zu Hause schafft man die locker noch mit 150 KM/h und hier sollst du auf teilweise auf 40 KM/h runterbremsen. Wir haben uns teilweise angeguckt und uns gefragt, wo die gefährliche (oder überhaupt eine) Kurve jetzt gewesen sein soll. Vorfahrt ist auch so ein Thema, was wir bis zuletzt nicht durchschaut haben. Wer, wann, wie, warum Vorfahrt hat, bleibt ein Geheimnis. Auch für die Argentinier. Mal haben die im Kreisel Vorfahrt, mal die, die reinfahren. Mal gibt es rechts vor links, mal bügeln die ohne zu gucken einfach drüber. Einparken fällt auch den meisten nicht so leicht. Oft brauchen sie zwei Parkplätze, übrigens meist die Herren. Bei einer Laufveranstaltung wird auch gerne mal vor der abgesperrten Kreuzung wild gehupt und gestikuliert, sowie auch einfach mal am Polizisten vorbei doch noch über die Kreuzung gefahren, weil man nicht warten wollte und dadurch dann die Läufer gefährdet hat. Und was man hier noch so als Auto bezeichnet, spottet ebenfalls jeder Beschreibung. Da wundert man sich, was hier der TÜV so durchwinkt. Bodenwellen gibt es, damit man ja langsam fährt auf der Hauptstrasse. Wir hatten mit dem Hilux da auch Probleme. Bei uns zu Hause mussten mal welche vor der Schule wieder abgebaut werden, weil sich ein Schulbus die Achse kaputt gemacht hatte. Hier legen die nochmal eine Schippe drauf. Es sind fast Rampen oder Sprungschanzen. Tja und dann noch die Schlaglöcher…da muss man zusätzlich noch aufpassen, dass da keine Kinder drin spielen. Auch teilweise mit dem Hilux problemtisch. Auf kaputte Reifen hatten wir keine Lust. Aber wie das Mister Murphy immer so liebt, hast du bei Gegenverkehr die größten Schaglöcher.

Nun aber zurück zum Gletscher. Die 200 Kurven waren übrigens kein Thema und die Geschwindigkeitsbeschränkung von 40 KM/h völlig übertrieben 😉

Wir waren zum kleinen Hafen, um uns Tickets für die 1 stündige Bootstour zu besorgen. Ziemlich teuer für unser Budget. Wenn wir vorher gewusst hätten, wie viel näher wir zu Fuß noch an den Gletscher kostenlos herankommen, hätten wir das nicht gemacht. Aber schön war es trotzdem. Sehr beeindruckend. Der Gletscher, den wir in Neuseeland gesehen haben ist wirklich mickrig dagegen. Seht selbst:

Hier bläst ein eisiger Wind, innerhalb kurzer Zeit sind uns die Hände an den Fotoapparaten eingefroren.

Es ist ein beeindruckender Anblick. Wir sehen sogar Stücke abbrechen, das kündigt sich vorher mit lauten krachenden Geräuschen an und ist spektakulär. Als wir nah am Gletscher sind, macht der Kapitän den Motor aus. Die Stille ist herrlich.

Nach einer Stunde ist der Trip vorbei, wir sind geflasht, wir wissen ja noch nicht, was noch kommt, und fahren weiter zum Parkplatz. Es gibt auf der gegenüberliegenden Seite des Gletschers ein gut ausgebautes Stegsystem mit mehreren Rundkursen in verschiedenen Schwierigkeitsgeraden. U.a. auch einen barrierfreien Weg für Kinderwagen und Rollstühle. Am Ende des Weges warten kostenlose Shuttlebusse, die zurück zum Parkplatz fahren (oder auch anders herum). Wir ziehen los. Je näher wir kommen, umso mehr müssen wir ausziehen. Hier knallt die Sonne und es ist schön warm.

Wir kommen viel näher dran, als mit dem Schiff und können hier solange bleiben wie wir möchten, weil wir selber gefahren sind und auf keine Busabfahrt angewiesen sind. Das ist super. Wir bleiben 3 Stunden an verschiedenen Stellen und können uns gar nicht satt sehen. Der Anblick hat wieder etwas hypnotisierendes. Ähnlich wie die Quelle in Neuseeland. Da hätten wir auch stundenlang reinschauen können.

Wir sehen viele Stücke abbrechen und hören noch öfter dieses knarzende Geräusch. Wir sind fasziniert. Ziemlich lange stehen wir auf einer Art Balkon und versuchen zu filmen, wenn etwas abbricht. Der eigentliche Plan war, zum Gletscher, gucken und weiter Richtung Chile Chico fahren, bis wir nicht mehr können. Zum Glück haben wir uns schon vorher umentschieden und unsere Unterkunft verlängert. Wir wussten ja vorher nicht, wie beeindruckend es hier für uns ist und wie lange wir hier bleiben. Dieser Ort ist definitiv in der Top 3 unserer Highlightliste dieser Reise, wahrscheinlich sogar Platz 1. Wir wissen noch nicht, was noch kommt, aber es wird schwer bis unmöglich für alle anderen Orte dagegen zu halten.

So fahren wir am Abend wieder zurück, brauchen wieder nur 1 Stunde und nicht 2 wie angekündigt. Wir bummeln noch ein bisschen durch El Calafate und kochen in der Hospedaje. Am Morgen geht es entspannt weiter. Wir haben uns in der iOverlander App eine Estancia auf halber Strecke ausgesucht, in der es sehr schön sein soll und Camping für wenig Geld angeboten wird. Kurz nachdem wir El Calafate verlassen haben und anfangen durchs Nichts zu fahren, stehen zwei Tramper im Wind. Wir überlegen nicht lange und halten an. Es sind Carlos und Ana aus Kolumbien. Carlos verkauft 5 Finger Schuhe, wie Mike sie trägt und freut sich sehr. Also nicht nur über die Schuhe, sondern auch darüber, dass wir angehalten haben. Sie trampen durch Südamerika innerhalb von 4 Wochen wollen sie von Kolumbien einmal durch. Sportliches Ziel. Haben wir doch gerade die Strecke von Ushuaia bis hier geschafft und sind dabei aber noch ganz runter geflogen. Sie haben noch 1,5 Wochen Zeit und schon den Rückflug nach Bogota von Lima aus gebucht. Sie sind total lustig und wir haben Spaß mit ihnen.

Die Ruta 40 ist ansich gut zu fahren, der Belag ist okay und die Schlaglöcher halten sich in Grenzen. Bis wir auf einmal auf eine Baustelle stoßen und ab da 70 KM über Schotter fahren müssen. Schlechten Schotter teilweise. Wir haben mit dem Hilux nicht so viele Probleme, aber für normale Autos oder gar Motorräder ist es eine Katastrophe.

Leider müssen wir uns an dem Abzweig zur Estancia von den beiden lustigen Kolumbianern verabschieden und lassen sie mit Zelt und Rucksack am windigen Straßenrand zurück. Wir haben jetzt 35 weitere Schotterpistenkilometer bis zur Estancia vor uns. Der Zustand ist gut und der weite Weg nur zum Übernachten lohnt sich. Wir werden von Kühen und Schafen begrüßt.

Vor der Haustür grasen Pferde und abends kommen ein paar Flamingos zum Fotoshooting vorbei.

Die Gastgeber sind sehr nett und stellen uns veschiedene Übernachtungsmöglichkeiten vor. Wir entscheiden uns für unser Zelt und suchen ein windgeschützes nettes Plätzchen. Für ein bisschen Luxus buchen wir jedoch für nicht allzuviel Geld ein Abendessen und Frühstück dazu und werden nicht enttäuscht.

Wir sitzen mit einem Paar aus der Schweiz zusammen, das ist schon alleine der Sprache wegen sehr lustig. Wir enden bei Wein und spielen Uno zusammen. Damit hat der Schweizer ob der Geschwindigkeit ein paar Probleme und wird schmunzelnd von seiner Frau unterstützt. Die Estancia gefällt uns sehr gut, wir hören noch Geschichten von früher und verschwinden auf dem Auto. Nachts hören wir Schafe und Pferde um uns herum schnüffeln.

Das Frühstück ist endlich mal wieder richtig gut, es gibt nicht nur Cracker mit Dulce de Leche oder Marmelade. Und mit den Schweizern ist es auch wieder sehr lustig. Wir sind früh dran und schaffen heute den ganzen Weg bis Chile Chico.

Mit uns … die Trumpwolke…

Dort checken wir im wahrscheinlich coolsten Hostel in ganz Südamerika ein.

Die Hosts heißen Katy und Juan und versorgen Bela gleich erstmal mit Schokolade und Saft. Dann darf er mit Juan und dem Hund Otomo eine Runde radeln.

Es gibt hier einen Gemeinschaftsraum mit Kamin, der aus einem Flügel einer DC10 gebaut wurde.

Bela und ich gehen einkaufen, die Küche sieht einigermaßen komplett aus. Wir suchen uns im Supermarkt Hähnchenschenkel und ein bisschen Frühstückskram zusammen. Als wir am Gemüse angekommen sind, geht das Licht aus. Wir suchen weiter, was wir brauchen. Karotten und Salat, ein paar Bananen und Äpfel, eine Zwiebel und Knoblauch, alles für ein leckeres Abendessen. Als wir an der Kasse ankommen, werde ich auf spanisch über die Situation aufgeklärt. „No Luz“ – kein Licht, das haben wir bereits bemerkt. Was das aber für Konsequenzen hat, merken wir jetzt. Alles Obst und Gemüse wird einkassiert, weil die Waage nicht funktioniert, wegen „No Luz“. Übrig bleibt das tote Huhn, Bier, Brötchen und Zahnpasta. Ich frage, ob ich mit Kredtikarte bezahlen kann. Sie sagt nein und zieht die ganzen Sachen wieder zurück durch den Scanner. Ich kann ja cash zahlen, das heißt hier efectivo, damit hat sie nicht gerechnet und guckt blöd. Nach 25 Minuten Palaver an der Kasse, kann ich bezahlen und wir gehen. Sicherheitshalber schließen sie jetzt den Supermarkt, es ist ja schließlich :“No Luz“. Wir versuchen es bei einem anderen, denn Huhn und Bier ist weder für einen Vegetarier, noch für einen Bela eine geeignete Mahlzeit. Der andere Supermarkt wird gerade geschlossen. Keine Überraschung: „No Luz“… In der Hostelküche finden wir noch eine Packung Linsen und weil keiner außer uns momentan im Hostel wohnt, nehmen wir sie einfach. Von Katy bekommen wir eine Zwiebel und fertig ist ein improvisiertes Abendessen. Wir gammeln noch ein bisschen mit Kartenspielen und gucken im Bett noch einen Film. Während Mike schon schläft, fallen Bela und ich bei „Fack ju Göhte 2“ vor lachen fast aus dem Bett. Der nächste Tag ist für Blogschreiben und abhängen da. Mike und Bela radeln durchs Örtchen und finden ein Motocross Rennen, bei dem auch Kinder mitmachen. Es ist laut und staubig, aber spannend. Ich schreibe und versuche mit Hilfe von Juan die weitere Route zu planen. Er weiß, dass es auf der Carretera Austral Richtung Norden Sperrungen wegen einer Überschwemmung gibt und wir eine Fähre nehmen müssen. Diese sollten wir aber vier bis fünf Tage im Voraus bestellen. Das finde ich blöd. Keiner von uns mag sich soweit im Voraus festlegen. Schauen wir morgen früh weiter. Ich komme mit dem Blog gut voran und bekomme auch endlich die Bilder rein. So bin ich einen Monat nach unserer Abreise aus Neuseeland endlich fertig mit dem Neuseelandartikel. Das muss gefeiert werden. Also gehen wir bummeln und anschließend auf einen Tipp aus der iOverlander App in ein gut bewertetes Restaurant.

Es ist total schratig und kitschig eingerichtet, die Wirtin hat wahrscheinlich Verstopfung, aber weil wir alle so hungrig sind, geben wir ihr eine Chance. Die vermasselt sie gründlich. Das Essen ist so lala und als ich ihr das Trinkgeld kürze, schickt sie mir mit ihren Blicken die Maul- und Klauenseuche an den Hals. In Chile werden automatisch 10 Prozent Trinkgeld in die Rechnung integriert, welches als propina opcional ausgezeichnet wird. Das haben wir am Anfang gar nicht geschnallt, ich dachte, es sei eine Steuer. Das ist ziemlich clever, finde ich, denn viele werden das – so wie wir – gar nicht merken und es bezahlen, selbst wenn sie nicht zufrieden waren. Am nächten Morgen frühstücken wir mit einer französischen Familie, die in der Zwischenzeit eingezogen ist. Sie sind für ein Jahr mit zwei entzückenden kleinen Töchtern unterwegs, die Mike ständig selbst gepflückte Pflaumen vom Baum bringen. Mike ist allergisch gegen Steinobst, isst aber dennoch tapfer ein bisschen Pflaume, dem Charme von zwei reizenden 3 und 5 Jahre alten französischen Madames kann er sich nicht entziehen. Es endet wie immer, mit einer dicken Zunge und Schluckbeschwerden…Otomo ist auch dabei:

Juan und ich diskutieren unsere Route aus. Katy ruft bei der Fährgesellschaft an und findet heraus, dass der nächste freie Platz auf der Fähre für uns zu spät ist. Juan bestätigt meine Ahnung, dass es besser sein wird, auf der argentinischen Seite die Ruta 40 weiter in den Norden zu fahren. Er liebt diese Strecke, sagt er, und fährt sehr gerne beispielsweise nach Esquel, weil dort seine Lieblingseisdiele ist. Esquel ist 630 Kilometer weit weg…soviel dazu. Im allgemeinen äußern sich Chilenen immer nett und wohlwollend über Argentinien und die Argentinier, was wir umgekehrt nicht immer so erlebt haben. Es wurde schon viel gewettert auf der anderen Seite über Chile, die Straßen und die Menschen. Im Süden mehr als im Norden. Es ist wohl ein uralter Konflikt zwischen beiden Ländern. So habe ich gelesen, dass Überflüge über den Beagle Kanal von Ushuaia aus nach Chile, zum Beispiel nach Puerto Williams, nicht gestattet sind. Auch nicht im Notfall. Dabei sind es 10 Flugminuten mit dem Heli. Dafür müssen die Leute aus Puerto Williams dann 36 Stunden mit der Fähre nach Punta Arenas fahren, um dort ins Krankenhaus zu gehen. Verrückt! Mehr fällt mir dazu nicht ein. Wie dem auch auch sei und wie bescheuert wir das finden, ändern können wir das an dieser Stelle nicht. Also fahren wir los. Zurück nach Argentinien. Belas Pass wird immer voller, unsere Pässe auch, aber wir haben noch mehr freie Seiten. Ich versuche die Stempel zu deligieren, was nicht immer klappt. Grenzbeamte sind auch ein Volk für sich. Ebenso Polizisten: Im ganzen Land finden häufig Polizeikontrollen statt. Es gibt fest installierte Häuschen, davor werden die Autos gestoppt und meist nur gefragt, wo man hinfährt und woher man kommt. Das wird zusammen mit dem Kennzeichen in eine Liste eingetragen. Ich glaube, wir mussten nur ein oder zweimal die Autopapiere vorzeigen und einmal nur den Führerschein. Da wir für die Reise extra internationale haben machen lassen und die bisher noch niemand sehen wollte, zeigten wir also den mal vor. Hat ja schließlich Geld gekostet. Der Polizist schien etwas überfordert mit diesem grauen Lappen und den vielen Stempeln. Das fanden wir so lustig und da wir sowieso nicht verstehen, was die mit der Info machen, wohin wir fahren, haben wir angefangen Quatschantworten zu geben, wie z.B. Galapagos oder Gudensberg. Passiert ist uns nichts und somit haben wir uns ab jetzt auf „Polizisten in Verlegenheit bringen“ spezialisiert. Wir geben ab jetzt vor, die spanischen Fragen nicht zu verstehen. Da 85 % der argentinischen Polizisten kein englisch koennen, reagieren sie oft sehr hilflos. Die meisten winken uns dann einfach so durch.

Wir fahren Richtung Esquel. Bei jedem Fahrradfahrer, der uns entgegen kommt, müssen wir an den Spruch des Schweizers denken:“d_a_s…s_i_n_d…d_o_c_h…a_l_l_e_s…M_a_s_o_c_h_i_s_t_e_n…“ und müssen schmunzeln. Mike war den ganzen Vormittag schon ein bisschen übel und nun erwischt es mich. Montezumas Rache…das volle Programm. Auf freier Strecke im Nirgenwo mit leider – vielen Dank Mister Murphy, du Ratte – mit viel Verkehr. Ich spare mir an dieser Stelle die Einzelheiten. Es geht mir echt schlecht. Mike macht sich lustig, hupt und ich hüpfe vor Schreck. Das war der Fluch der schrägen Alten aus dem Restaurant von gestern Abend oder einfach nur das Essen. Wir halten nach 150 Kilometern Nichts begleitet von Muse und Placebo, diesmal keine Schlager. In Rio Mayo gehen wir in ein Cafe, trinken Cola und Tee und checken emails. Wieder so ein Ort, wo man nicht länger als nötig bleiben möchte. Wir schaffen es bis Gobernador Costa. Es ist 20 Uhr, Mike könnte noch weiterfahren, sagt er, aber wir haben keine Lust mehr. Es ist noch immer taghell und wir wollen uns ein bisschen bewegen. Wir finden den günstigsten Übernachtungsplatz auf dieser Reise. 100 Peso (5 Euro) für drei Personen und ein Auto. Und das mit Toiletten, warmen Duschen und Strom am Platz, so dass wir unsere Handys laden können.

Heute schläft Mike zum ersten Mal im Extrazelt, damit wir mehr Platz haben. Das Dachzelt ist für drei Personen, wovon einer sich stetig mal im und mal gegen den Uhrzeigersinn dreht, ein bisschen eng. Wir gehen in das einzige offene Restaurant, wo wir nicht, genau wie schon in der Tankstelle vorhin, mit Kreditkarte bezahlen können. Unser Bargeldvorrat ist erheblich geschrumpft und so müssen wir beim Aussuchen rechnen. Es gibt Salat und Suppe, ein Bier geht auch immer noch und ein Eis für Bela klappt auch noch. Die Nacht ist super. Es ist nicht windig, wir haben Platz und Mike schläft auch gut. Allerdings gibt es nach diversen Tshirts, Socken und Unterhosen weitere Verluste zu beklagen. Wer so eine Reise plant, sollte wissen, dass man die meisten Klamotten danach (oder schon zwischendurch) wegwerfen muss. Entweder sind sie kaputt oder schmutzig. So schmutzig, dass man sie auch nicht mehr sauber bekommt.

Zum Frühstück gibt es Kaffee, Tee und Müsli. Es ist warm, die Sonne scheint und alle sind ausgeschlafen. So macht Camping Spaß. Wir fahren weiter nach Esquel, das dauert nicht so lange. Wir suchen einen Campigplatz, der laut der iOverlander App gut bewertet wurde. Es ist oben auf einem Berg mit schönem Blick über die Stadt.

Leider ist es aber auch teuer. Wir überlegen und gucken erstmal. Finden einen tollen und gemütlichen Platz unter einem großen Baum und checken ein. „Are you happy?“, fragt die Madame auch noch…Hätte ich mal einen Blick ins Bad geworfen…Wir stellen Mikes Zelt auf, um den Platz zu markieren und fahren in die Stadt. Wir brauchen noch Sachen zum Grillen und vor allem wollen wir die Eisdiele suchen, von der Juan so geschwärmt hat. Obwohl es eigentlich egal ist, in welche Eisdiele man in Argentinien geht. Das Eis hier ist einfach das beste Eis auf der ganzen Welt und das rechtfertigt auch übermäßigen Genuß. Da man das hier in Gramm, bzw Kilogramm Einheiten kauft, geht das ganz schnell. Blöd nur: Iste mal 6 Wochen täglich ein Kilo und zack, biste fett! Wir grillen am Abend und werden interessiert von den Argentiniern beobachtet. Sie kennen kein Gemüse auf dem Grill, nur Massen an riesigen Fleischbrocken.

Wir trinken ausnahmsweise mal Bier und haben Spaß.

Allerdings pustet der Wind dermaßen, dass alles und ich meine wirklich alles, auch der Salat, richtig staubig wird. Die Nacht ist dann überraschend windstill. Am nächsten Morgen ist es nebelig, so, dass man die Hand vor den Augen nicht sieht, im Bad!! Argentinier duschen oft, lang und heiß. Egal, wie es im Bad aussieht. Ich reiße erstmal das Fenster auf. Da das nicht reicht, lasse ich die Tür offen und werde sofort angebrüllt. Gelüftet wird in Argentinien offensichtlich auch nicht. Ich beschränke mich auf Katzenwäsche, es ist so dreckig überall, ich habe schon mit dem Toilettengang Schwierigkeiten. Ich will ja nach dem Duschen nicht schmutziger sein, als vorher. Da es ringsherum auch aussieht wie bei den Hottentotten, verlassen den Platz, nicht ohne eine schlechte Bewertung in der App zu hinterlassen. Weiter geht es nach Lago Puelo. Die Strecke ist sehr schön. Es wird bewaldeter und grüner. Der See ist ganz nett, aber bleiben wollen wir hier nicht, auch wenn es im Gespräch war. Also geht es weiter zu einem Platz, der wieder sehr gut abgeschnitten hat und so werden wir diesmal nicht enttäuscht. Wir landen mitten in der Natur und suchen unserem „Heim“ einen Platz zwischen Bach und Fluß.

Die Männer versuchen es wieder mal mit Angeln. Im Fluß. Das einzige, was sie mitbringen sind kalte Füße.

Zum Glück. Ich habe keine Lust auf Schuppen abkratzen. Die tun immer so weh, wenn man sie unter die Fingernägel bekommt. Wobei ich mich mit Fisch säubern ja wirklich nicht überanstrengen musste 😉 Wir schmeißen die Reste von allem auf den Grill und vor uns liegt die kälteste Nacht überhaupt. Wir nehmen alles zum Zudecken, was wir finden und frieren dennoch. Zum Frühstück haben wir wieder mal Gäste:

Nun ist es nicht mehr weit bis nach Bariloche, unserem nächsten Ziel, um Belas Geburtstag zu feiern. Auf dem Weg dorthin folgen wir einem Wegweiser von der Ruta 40 weg zu einer Cafe/Bar namens el Buho blanco. Mega cool dort. Ein lustiger Vogel hat sich dort seinen Traum erfüllt und in liebevoller und mühsamer Arbeit von Straße über Elektrik und Wasser eine Hütte gebaut, um dort Kaffee und Bier zu verkaufen.

Es ist ein traumhafter Ort, wir plaudern mit ihm und haben Spaß. Da der Strom ausgefallen ist, hat er nur Kaffee und Tee im Angebot. Oft lohnt es sich von der normalen Route ein bisschen abzuweichen. Er weiß nette Geschichten vom Bau dieses Hauses zu berichten und drin sieht es aus, wie in einem kleinen Museum. Er gibt uns noch ein paar Tipps für Bariloche und wir fahren weiter. Da wir lange kein Internet hatten, suchen wir uns ein Restaurant mit Internet zu Mittag, dort gefällt es Bela so gut, dass er sich Abendessen zum Geburtstag hier wünscht. Also reservieren wir gleich für zwei Tage später. Wir finden über das Internet eine schöne Hosteria, buchen und düsen los. Da unser Auto blöd macht und wir endlich mal dem Vermieter unseren Unmut über den Zustand und die Übergabe geschrieben haben, sollen wir in Barloche eine Werkstatt aufsuchen. Das haben wir für den nächsten Tag geplant. Ebenso einen Besuch im deutschen Konsulat, um wegen Belas vollen Pass zu fragen. Und Wäsche müssen wir wegbringen. Wir checken in der Hosteria ein, die beiden Hunde heißen 10,5 und 14 und freuen sich über unseren Besuch. Bela bleibt alleine dort, damit wir etwas für seinen Geburtstag organisieren können. Es klappt alles super. Torte bestellen, Geschenke und Deko besorgen. Am Abend bleiben wir in der Hosteria, trinken eine Flasche Malbec und gucken wieder „Fack ju Göhte“, diesmal schafft es auch Mike und wir haben Spaß. Unser Wirt hat erstaunlich viel Ähnlichkeit mit Barrack Obama, ist sehr nett und versorgt uns mit einer Platte Knabbereien. Ihn habe ich wegen Belas Geburtstag eingeweiht und er scheint aufgeregter zu sein als wir. Am nächsten Tag bringen wir die Wäsche weg und besuchen Frau Schiffmacher im deutschen Konsulat. Sie ist sehr nett und freut sich, wieder mal deutsch sprechen zu können. Da wir mit einem vorläufigen Pass mehr Umstände als Nutzen haben, weil wir nach Buenos Aires in die Botschaft müssten, lassen wir das. Außerdem haben wir unsere Reisepläne geändert. Wir wollen nach USA, weil wir so viel Spaß am Campen gefunden haben und uns eine Reise von Las Vegas nach Florida gut vorstellen können. 4 Wochen können wir uns dafür Zeit nehmen, ohne in Streß zu geraten. Mit einem vorläufigen Kinderausweis kommen wir aber nicht rein, da brauchen wir noch ein Visum. Das ist alles zu umständlich. Dass das noch an anderer Stelle ein Thema wird, konnte ich zu diesem Zeitpunkt noch nicht wissen. Also verfasst sie uns ein sehr offizielles Schreiben auf Spanisch, in dem sie bittet, die Stempel bitte in die Lücken zu setzen, damit der Pass länger hält. Super Idee. Zum Schluß werden wir geknutscht, wie das hier so üblich ist, und verschwinden, nicht ohne unsere Blogadresse dazulassen (liebe Grüße an dieser Stelle, liebe Frau Schiffmacher), weil sie sich sehr für unsere Reise interessiert. My Vale möchte sie sich auch in Homberg bestellen, wenn sie das nächste Mal in Deutschland ist. Danach fahren wir in die Werkstatt. Der Meister weiß sofort, was dem Auto fehlt und bestellt uns für den Nachmittag. Die Teile hat er vorrätig und wird es bis 18 Uhr schaffen. Wir fahren indessen mit dem Taxi in die Stadt und bummeln. Ich lande beim Friseur und werde dort auch mit Küsschen begrüßt. Mike und Bela holen das Auto ab. Es hat neue Bremsen bekommen. Eine war komplett kaputt. Wohl in der Werkstatt in Ushuaia falsch eingebaut…Glück gehabt…Aber nun ist alles wieder in Ordnung und wir haben das Auto für einen Geburtstagsausflug wieder zur Verfügung. Bela möchte in den Hochseilgarten.

Torres del Paine oder noch mehr Wind

Wir verlassen Puerto Natales bei Schmuddelwetter in Richtung Torres del Paine. Vor uns liegen 130 Kilometer, teils mit, teils aber auch ohne Asphalt.

Wir freuen uns schon wieder auf ein bisschen Natur. Zum Glück klart es auf und die Sonne kommt heraus. Wir haben wirklich extremes Glückmit dem Wetter auf unserer Reise. In Puerto Natales hat es nachts aus allen Eimern geschüttet, zum Glück dort, weil wir nicht im Zelt geschlafen haben.

Und dann ist es so, wie fast überall, biegst du um die Ecke, siehst du ein Wow! Die berühmte Bergformation taucht am Horizont auf und ist wunderschön.

Zwischendurch müssen wir stoppen, weil ein paar vorwitzige Guanakos die Strasse blockieren. Ich finde sie mittlerweile nicht mehr sooo schlimm, dass ich sogar aussteige und ein paar Bilder mache.

Natürlich kostet dieser Nationalpark auch wieder Eintritt, es muss ja alles erhalten werden. Die Infrastruktur ist auch echt in Ordnung, es gibt saubere Toiletten und gut ausgeschilderte Wanderwege. Anbei noch die Info, dass man im Dunkeln auf keinen Fall wandern darf, da man sonst höchstwahrscheinlich vom Puma gefressen wird. Daraufhin traut sich Bela nachts nicht auf die Toilette auf dem Campingplatz und macht einfach von der Leiter runter…

Wir machen den ersten Stopp, um die Luft zu schnuppern und den Ausblick zu genießen:

Die Frisur sitzt nicht, der Wind macht, was er will, speziell mit Haaren. Mike hatte da weniger Probleme. Dennoch ist es schön warm und der Blick atemberaubend. Der nächste Stopp soll eine kleine Wanderung werden. Zu einem Wasserfall und einem schönen Aussichtspunkt. Es ist bereits auf dem Parkplatz dermaßen windig, dass wir kaum die Autotüren aufbekommen. Wir verschnüren uns gut und sind los. Nach der ersten Kurve kommen uns Leute entgegen, die uns sagen, wir sollen Bela bitte gut festhalten. Dazu ein paar Schilder, die vor dem Wind warnen. So etwas hatten wir vorher noch nie erlebt. Dagegen war der Wind im Feuerland Nationalpark Kindergeburtstag.

Es fliegen Steinchen in unsere Gesichter, wir müssen uns schließlich die Hände vor die Augen halten. Wir kommen uns vor, wie auf einer Everest Expedition. Zum Glück ist es etwas wärmer. Wir schaffen es bis zur Plattform für den Wasserfall:

Der Wind wird tatsächlich noch stärker. Mike geht alleine weiter zum anderen Aussichtspunkt. Bela und ich kämpfen uns bis zum Auto. Gut gelaunte Menschen mit kleinen Kindern, teilweise im Kleidchen, kommen uns entgegen und Bela sagt :“die werden sich noch wundern“ und: „bei dem Dickerchen brauchen sie keine Angst haben, das fliegt so schnell nicht weg“ Da kam uns eine kleine chilenische Kindercindy aus Marzahn entgegen. Bela und ich verknoten uns und kommen nur langsam vorwärts. Dann sitzen wir im wackelnden Auto und trinken Mate. Ich versuche das immer wieder, es wird nur langsam leckerer. Mike hatte ähnlich Schwierigkeiten wie wir, nur dass der Wind hinter dem Wasserfall noch einmal einen Zahn zugelegt hatte. Er musste sich wohl richtig nach vorne beugen, sonst wäre er nicht vorwärts gekommen. Mittagpause machen wir in einer kleinen Cafeteria unterhalb der Wanderstrecke. Auch dort zieht es wie Hechtsuppe. Das ganze Häuschen wackelt und ächzt in dem Wind. Mir graut schon vor der Nacht in unserem Dachzelt.

Wir finden den Campingplatz, checken ein und finden ein hübsches Plätzchen. Alle Stellplätze sind mit halben Hütten geschützt. Also kein Problem für die Nacht. Wir richten uns ein und versuchen erneut ein bisschen zu laufen. Den Berg hoch, dort gibt es nämlich einen Condor Ausguck. Condore finden wir alle drei ganz wunderschön und wollen sie sehen. Es wird eine ähnlich Erfahrung wie am Wasserfall, nur dass wir jetzt zusätzlich auspassen müssen, nicht abzustürzen. Die Condore sind selbstverständlich woanders. Wahrscheinlich treffen sie sich mit den Albatrossen in Neuseeland 😉

Der Spaziergang ist trotzdem super. Es ist warm, wir bekommen ein bisschen farbe und haben spektakuläre Ausblicke in die Berge. Zum Abendessen bekommen wir Besuch von einem hungrigen Gürteltier. Das macht Essgeräusche und benimmt sich ziemlich daneben. Es hat in Windeseile ein tiefes Loch in unsere Hütte gebuddelt und alles eingestaubt. Also noch mehr eingestaubt. In Patagonien ist es überall staubig. Das nervt manchmal. Oft. Immer. Eigentlich. Am Abend sehen wir noch ein paar Raubvögel auf der Suche nach Resten vom Grillen und sogar einen Fuchs, der sich an den Campingplatz schleicht. Die Nacht ist windstill, man glaubt es kaum. Frühstück wieder in der Sonne, das hungrige Gürteltier ist auch schon wach. Wir packen und machen uns auf den Weg Richtung El Calafate. Dort wartet dasnächste Highlight auf uns, diesmal wieder in Argentinien. Hinter der chilenischen Grenze stehen zwei Backpacker und gucken uns mitleiderregend an, so dass wir schnell alles umpacken und sie mitnehmen. Es sind zwei Franzosen, die solange unterwegs bleiben wollen, wie das Geld reicht. Deshalb versuchen sie so günstig wie möglich zu reisen. Das geht mit Trampen am besten. Es sind zwei Geologen. Loris und Sarah. Sie können uns interessante Sachen über die Gegend erzählen und was man aus den Steinformationen so alles herauslesen kann. Außerdem bekommen wir eine neue App gezeigt. Die iOverlander App. Dort findet man weltweit Campingplätze, wilde Campingplätze, Hostels, Hotels, Tankstellen, Supermärkte und so weiter. Man kann selber Orte hinzufügen und die bewerten, wo man war. Das beste ist, dass man sie auch offline verwenden kann. Da wir keine mobilen Daten haben, ist das die perfekt App für uns. Wir nutzen sie ab jetzt sehr oft und finden darüber zum Teil sehr schöne Übernachtungsplätze.

Patagonien: viel Wind im Nichts

Wir holen unseren Amarok. Der ist jedoch ein Hilux. Das finden wir gar nicht schlecht, wir denken, er ist für die Gegend hier besser geeignet. Die Vermietstation in Ushuaia ist ein Privathaus. Es laufen drei Hunde rum, es sieht aus wie bei den Hottentotten, aber die Leute sind sehr nett. Das Auto nebst Dachzelt ist eher eine Katastrophe. Abgenudelt und dreckig. Im Heck steht das Wasser, alles ist nass und voller Hundehaare. Der Aufbau ist undicht. Ich schüttel mich. Es nützt nichts, wir haben keine andere Wahl und nehmen es mit. Es fährt. Das konnte es auch schon 255000 km üben…Wir kaufen ein, da auch nicht genug Equipment an Board war. Sie wussten nicht, dass wir zu dritt reisen. Außerdem wollte ich das Geschirr nicht so gerne benutzen. Also Carrefour und shopping. Es gibt alles. Sogar tupperähnliche Dosen, deren Deckel nicht schließen. Naja, ist ja auch nur tupperähnliche argentinische Qualitätsarbeit. Wir decken uns ein, weil wir heute in den Nationalpark Feuerland wollen. Dort gibt es nichts, nur Natur. Wir essen noch in der Cafeteria, haben dort Internet und bekommen schon eine Nachricht vom Autovermieter. Wir sollen nochmal zurück, sie haben uns die falschen Papiere mitgegeben und den zweiten Schlüssel vergessen. Okay, also kehrt Marsch. Dann geht es aber endlich los. Wir fahren erst auf Teer, dann auf Schotter, das Auto läuft, alles gut. Wir können schon von weitem erkennen, wo die Strasse langführt, da eine große Staubfahne hochweht. Wir müssen Eintritt bezahlen und sind schon bald im südlichsten Nationalpark Argentiniens.

Wir fahren die berühmte Routa 3 bis zum Ende. Da treffen wir viele Motorradfahrer, die von Kanada oder USA aus gestartet sind und sich nun entsprechend feiern.

Es ist wie so oft auf unserer Reise wunderschön hier.

Zwischendurch ist es schon ganz schön windig. Ich denke an unser Vorhaben auf dem Autodach zu zelten und an die warnenden Worte der Vermieterin, wir sollen auf keinen Fall im Tierra del fuego Nationalpark im Dachzelt schlafen, weil der Wind viel zu heftig ist. Da sie uns aber nur ein unvollständiges anderes Zelt mitgegeben haben, ist das auch keine Option.

Wir finden einen sehr schönen Platz, an dem freies Campen erlaubt ist und richten uns ein. Wir reinigen ersmal das Auto. Es ist ganz anders als im Camper, da wir weniger Platz haben und drin nicht sitzen können. Alles ist staubig, weil diese Karre nicht dicht ist. Wir machen das beste draus. Den Tetrapak Wein kippen wir dennoch ins Gebüsch, den kann man, im Gegensatz zu Neuseeland, hier wirklich nicht trinken. Der Platz füllt sich, die Stimmung steigt und alle haben gute Laune. Es wird nicht dunkler, aber der Wind wird stärker. Die Argentinier feiern und singen. Wir versuchen ab 23 Uhr zu schlafen. Der Wind wird stärker. Bela hat Schiß, ich auch! Mike sagt, kein Problem, das Zelt sollte halten. Um 23:45 Uhr machen Bela und ich einen Spaziergang. Es ist wunderschön draußen, das Licht ist faszinierend. Irgendwann verschwinden wir wieder im Zelt. Der Wind wird stärker. Ab und zu krachen Böen ans Zelt, so dass Bela wach wird und jammert. Wir wachen nach einer gefühlt schlaflosen Nacht dennoch erfrischt auf und gucken raus.

Wir frühstücken mit Tee vom Gaskocher, der den Wind auch nicht mag. Dann erkunden wir das Terrain zu Fuß:

Wir machen kleine Wanderungen und finden es wirklich super. Bela hat Durst und meckert. Er hat Hunger und meckert, ihm tut der Fuß weh, er meckert, man kennt das ja 😉 Wir fahren weiter zum Lago Roca oder Lake Acigami. Auch dort ist es herrlich:

Aber auch hier, wie soll es anders sein, treffen wir auf Horden von Chinesen, die 15 Minuten Zeit haben am Seeufer lang zu flitzen, bevor der Bus weiter fährt. Am Nachmittag fahren auch wir weiter, heute so weit wir kommen.

Wir wollen nach Chile, 50 km hinter der Grenze gibt es eine Pinguinbucht mit Königspinguinen, die einzige Kolonie, die man von Land aus betreten kann. Wir fahren durch kilometerlanges Nichts mit Tieren, die wir als Wölfe oder Silberfüchse falsch einordnen, es sind einfach nur Hunde.

Wir fahren zunächst bis Tolhuin, das ist 120 km von Ushuaia entfernt uns war ursprünglich als Übernachtungsort geplant. Es ist 16 Uhr und da wir nicht müde sind, gehen wir ein Eis essen und fahren weiter. In Tolhuin gibt es noch nicht einmal einen Lattenzaun, wo man tot drüber hängen könnte, sollte man es wollen. Also fahren wir weiter bis Rio Grande, das ist eine Stadt mit 70.000 Einwohnern. Es führt wieder durch Nichts, soweit das Auge reicht. Wir fangen an Udo Jürgens zu hören und mitzusingen. In Rio Grande ist es anders als in Tolhuin, dort ist was los, aber es ist so häßlich, dass wir auf keinen Fall bleiben wollen. Wir fahren weiter durch ausdrucksloses Nichts mit häßlichen Ölförderpumpen. „Ich war noch niemals in New York“ usw… Es sind noch 80 km bis in einen weiteren Ort: San Sebastian.

Der letzte Ort vor der Grenze. Wir tanken am Ortseingang von San Sebastian und fragen nach der Stadt. Der Tankwart versteht die Frage nicht…Die „Stadt“ besteht aus Tankstelle und zwei weiteren Gebäuden und hat 34 Einwohner. Ich frage nach einem Campingplatz. Gibt es nicht. Hotel? Ja, neben der Tankstelle. Schwein gehabt. Für erstaunlich günstig mieten wir ein sauberes Zimmer mit Frühstück. Wir dürfen im Restaurant unsere eigenen Sachen essen, weil wir vieles nicht mit nach Chile nehmen dürfen. Das ist wirklich nett. Dafür kaufen wir Bier und Salat von der Wirtin dazu. Der Grenzübertritt am nächsten Vormittag klappt gut. Die argentinischen Beamten sind brummelig und gucken böse, die Chilenen machen Späßchen mit Bela und nehmen uns die Eier weg, die wir total vergessen hatten. Da der Beamte wusste, wo er gucken muss, hat er sie natürlich auch sofort gefunden. Der Verlust der 12 Eier beschäfigt mich noch lange, obwohl ich froh bin, dass wir keine Anzeige und Strafe bekommen haben. Mike sagt, wir sollen ihm das Mittagsomelette gönnen, weil er so nett war. Wir sind in Chile. Dort sind die Straßen schlecht und die Leute fahren wie die Henker, so wurde es uns beim Abholen des Autos prophezeit. In echt? Die Straßen sind viel besser, als in Argentinien, die Leute empfinden wir als wesentlich netter und fahren tun sie auch ganz gut.

So kommen wir schnell zur Pinguinkolonie. Es dürfen pro Tag nur 200 Personen hinein, deshalb haben wir uns vorher per email angekündigt. Wir sind begeistert. Die sind ja so drollig und total hübsch. Es sind insgesamt etwa 120 Tiere, die hier leben. Momentan gibt es auch ein paar Kleine, die die ersten Versuche im Meer machen:

Sehr nah dürfen wir nicht ran, aber es gibt Ferngläser, durch die wir sie ganz gut beobachten können. Wir verbringen hier zwei informative Stunden und fahren weiter. Im Hotel in San Sebastian hat man uns schon gesagt, wo wir übernachten können, weil es hier auch wieder kilometerweit nichts gibt. Also ab nach Cerro Sombrero. Das liegt auf der Strecke zur Fähre, mit der wir Feuerland verlassen werden. Der Ort ist geprägt von Gasförderung. Es riecht auch ein bisschen. Wir verfahren uns erstmal in dem Ort, der recht verlassen erscheint, und landen vor einer Touristeninformation. Komisch, was? Ja. Der nette Mitarbeiter spricht deutsch und hat uns einiges zu sagen. Er gibt uns Tipps für Hostels (dieser Ort hat tatsächlich 7 oder 8 davon) und für die Weiterreise nach Norden bekommen wir Karten und viele Hinweise. Wir klappern die Hostels ab, die allesamt entweder dreckig sind oder nach Küche stinken und alle viel zu teuer sind. So landen wir für günstiger im ersten und einzigen Hotel am Platz.

Dort können wir auch Abendessen und haben Spaß mit dem lustigen Koch. Es gibt ein günstiges Menü des Tages und der Tag ist gerettet. Am nächsten Tag fahren wir weiter nach Bahia Azul zur Fähre:

Wir verlassen Feuerland mit der schratigsten Fähre, die wir jemals gesehen haben. Ushuaia war toll, die Pinguinkolonie in Chile auch, aber der Teil dazwischen war recht langweilig. Wer also keine Zeit und kein Auto aus Ushuaia zu überführen hat, sollte da besser drüber fliegen oder in El Calafate mit der Patagonienreise starten.

Wir haben es an diesem Tag tatsächlich geschafft die 360 Kilometer bis Puerto Natales zu fahren. Die Strecke war wieder voll mit „Ich war noch niemal in New York“ und anderen Hits, sowie endlos erscheinendem Nichts.

Tanken müssen wir bei jeder Tankstelle, egal, wie voll der Tank noch ist. Im großen Nichts kommen wir durch San Gregorio, das ist ein ziemlich abgefahrener Lost Place. Ich hab an noch keinem Ort, an dem es nichts mehr gab, mehr Autos anhalten sehen, als hier:

Auf der weiteren Strecke finden wir bunte Lupinenfelder im Nichts, das sieht wunderschön aus.

20180112_171819246626443.jpg

In Puerto Natales haben wir ein Hostel vorgebucht, wir möchten zwei Nächte bleiben, Wäsche waschen und den Trip in den Torres del Paine Nationalpark planen. Puerto Natales hat ein bisschen so etwas wie Infrastruktur. Wir empfinden es jedoch als einen Ort, den die Welt vergessen hat.

Das Hostel entpuppt sich als Glücksgriff. Wir bekommen die Wäsche gewaschen und kommen super sauber und recht preiswert unter. Wir sind umgeben von ausschließlich anderen Weltreisenden, ein Paar mit Kind aus Holland, die ein Jahr unterwegs sind und ihr Kind unterrichten müssen (da sie Lehrer sind, ist das wohl kein Problem) Bela ist völlig erleichtert und lehnt das Angebot mit unterrichtet zu werden sofort ab!

Wir erkundigen uns in der Touristeninformation nach den Gepflogenheiten im Torres del Paine Nationalpark. Wir hatten gelesen, dass man nur mit Übernachtungsvorbuchung reingelassen wird. Dummerweise antwortet der Campingplatz nicht. Wir sollen uns nicht stressen, sagen sie, die Vorbuchungen sind nur für die Plätze nötig, die man nicht per Auto erreichen kann. Wir kehren gegen 18 Uhr auf ein Bier in einem ziemlich coolen Hostel ein und schleppen uns gegen 23:30 Uhr satt und betrunken nach Hause 😉

Argentinien oder die Suche nach dem perfekten Steak

Die Woche in Deutschland vergeht ganz schnell  und war super. Mike und Bela haben am Strand von Villa Gesell auch ohne mich eine tolle Zeit mit chillen und Spaß am Meer.                                             Ich fliege am 31.12. um 22 Uhr los, das bedeutet soviel wie: Silvester Party mit der Lufthansa. Der Flughafen in Frankfurt ist gespenstisch leer, ebenso der Flieger.

 

Um 23.30 Uhr teilt der Purser Pommery aus, die Stewardess dazu die Plastikbecher, die aber nur kurze Zeit später der Purser mit hektischem Kopfschütteln gegen Glas austauscht.

So sitze ich um 0:00 Uhr alleine mit dem Champus in Sitzreihe 23, stosse mit mir an, wünsche allen Gesundheit für 2018 und vergieße ein Tränchen. Ich habe Wolkenwlan, verschicke Nachrichten und bekomme auch  ganz viele. So fühle ich mich nicht ganz so alleine. Dann schlafe ich. Da ich Sitzreihe 23 für mich alleine habe, kann ich es mir im Liegen schön gemütlich machen und schlafe bis zum Frühstück. Alles klappt gut. Der Umstieg in Sao Paulo diesmal auch. Ich sitze wieder als erste am Gate, ohne Pipipause. Ich habe ein Trauma. In Buenos Aires geht auch alles fix, ich werde nicht mal gescannt oder muss eine Einreisekarte abgeben. Ob das am Feiertag liegt oder am kleinen Flughafen, weiß ich nicht. Ich verbringe zwei lustige Stunden mit Maria ( Azuls Mama, die mich besuchen kommt). Weil ich verschiedene Flüge gebucht habe, muss ich mein Gepäck holen und neu einchecken. Natürlich bin ich wieder überpünktlich am Gate. Leider hat der Flug aus unbekannten Gründen 3 Stunden Verspätung und da ich schon ziemlich lange unterwegs bin, ist mein Hals entsprechend angeschwollen. Es bleibt mir also nichts anderes übrig, als mich mit Brandon aus Denver an der Theke des Hardrockcafes (wo mein Handy zum Laden liegt) zu betrinken. Es macht ihm Spaß mit einer Deutschen Bier zu trinken…Der Flug vergeht dann schnell, ich bin müde und will endlich ankommen. Einen Aufreger hatte ich selbstverständlich noch, abgesehen davon, dass die Airline das allerletzte war. Ich trinke seit Vietnam keinen Kaffee mehr, also bestellte ich mir im Flieger einen Tee. Ich bekam: Kamillentee! Wer mich kennt, weiß meine Aversion gegen Kamillentee. Ich hätte brechen können. Und dann keine Blume in der Nähe zum Wegschütten. Und keine Kinder zum Verfüttern. Es war ekelhaft. Kamillentee im Flugzeug, wo gibt´s denn sowas? Ich lande in Mar del Plata und muss noch 100 Km weiter. Da wir soviel Verspätung haben, fährt jetzt kein Bus mehr. Also fährt mich Juan mit seinem Taxi.

Als ich endlich da bin, ist die Freude riesig. Kurz duschen und dann geht es los. Mit Azul und ihrem Bruder gehen wir aus. Bela hängt die ganze Zeit an mir. Logisch. Ich schaffe es nicht lange. Es ist bereits 23 Uhr und ich habe den dritten Jetlag innerhalb einer Woche. Mein Facebook Post mit dem Titel „endlich Urlaub“ stösst auf Unverständnis. Wer noch nie so gereist ist, wie wir es gerade machen, kann das auch nicht verstehen. Ich genieße diese vier Tage am Strand mit chillen und Organisation der Weiterreise.

Das Örtchen ist wirklich schön. Die Häuser sind ganz süß und die Straßen aus Sand. Dementsprechend sieht man nach kurzer Zeit auch aus. Die Füße durch die Schuhe dreckig.

Am 5. Januar fahren wir mit dem Bus nach Bahia Blanca, von dort geht am 6. Januar der Flug nach Ushuaia. Die Busse sind komfortabel und die 600 Kilometer vergehen erstaunlich schnell. Bahia Blanca ist eher nicht zu empfehlen, wir sind froh, dass wir hier nur einmal übernachten. Am Abend gehen wir aus, immernoch auf der Suche (wie der Titel schon sagt) nach dem perfekten Steak. Das hatten wir in 2014 in Argentinien auch schon nicht gefunden. Es hieß immer, in Argentinien kriegst du in jeder Eckkneipe besseres Steak, als bei uns im teuersten Steakhaus. Stimmt nicht. Das können wir sagen. Wir haben schließlich überall gesucht und probiert. Hier hat man lieber große Fleischfetzen auf dem Teller. Es wird mit wenig Glut sehr lange gegart und somit ist der Muskelkater im Kiefer ein treuer Begleiter. Auch in Bahia Blanca werden wir nicht fündig. Mike bekommt wieder leckere Extras, weil er Vegetarier ist und Bela und ich knabbern und kauen was das Zeug hält. Auf dem Rückweg zum Hotel stossen wir noch auf eine Laufveranstaltung, bei dem sogar der Weihnachtsbaum mitrennt:

Mit dem Reisetag will ich nicht schon wieder nerven. Nur so viel. Wir sind gut in Ushuaia angekommen:

Wir gönnen uns ein bisschen Luxus, den ersten richtigen auf dieser Reise, bevor wir dann für 4 Wochen im Jeep und Dachzelt unterwegs sein werden.

Wir haben ein sehr schönes Hotel auf dem Berg mit tollem Blick auf die Bucht mit dem Beagle Kanal. Es gibt einen kostenlosen Shuttle in die Stadt, den wir nach einer Ausruhpause in Anspruch nehmen. Wir gucken uns ein bisschen um und verschaffen uns erstmal einen Überblick. Die Stadt ist nicht so hübsch, nimmt uns aber dennoch gefangen. Irgendwas hat sie, wir können es nicht beschreiben. Auf jeden Fall wird es hier nicht dunkel, am offiziellen Ende der Welt. Um 22 Uhr entsteht folgendes Bild:

Wir werden auch hier nicht das perfekte Steak finden und beschließen, die Suche voerst zu beenden. Müde werden wir jedoch auch nicht.

Der Blick auf den Beagle Kanal. Wir sehen sogar Albatrosse, einfach so, hier an der Promenade. In Neuseeland sind wir extra kilometerweit dafür gefahren, um dann nur einen zu sehen.                          Der nächste Morgen beginnt mit Frühsport:

Bogenschießen steht auf dem Programm. Erst auf Zielscheiben, dann auf Pappbiber im Wald. Meine Männer sind sehr erfolgreich. Hätten sie soviel Erfolg nur mal beim Angeln gehabt… Danach folgt ein bisschen Wellness und dann geht es mit dem Shuttle wieder ins Städtchen. Wir wollen in ein Museum, wofür es gestern Abend schon zu spät war. Es heißt Galeria Tematica und zeigt die Geschichte Feuerlands und deren Ureinwohner. Wir bekommen Kopfhörer mit Erklärung und dürfen uns in manchen Bereichen auch fotografieren. Bela hatte übrigens Spaß, er wollte nur authentisch sein und mitleiden. Daher sein Gesichtsausdruck.

Es ist ein tolles Museum, super gut gemacht und sehr informativ. Wir waren begeistert. Im Souveniershop nebenan finden die Jungs auch endlich einen passende Matetasse. Vater und Sohn trinken das Zeug mit Begeisterung. Ich finde es scheußlich. Wenn ich jedoch die hungerstillende Wirkung merken würde, würde ich das Zeug auch saufen…                                                                      Wir schauen nochmal am Beagle Kanal, fahren zum Hotel und lassen den Blick vom Balkon aus schweifen:

Am nächsten Morgen starten wir zu einer kleinen Wanderung vom Hotel aus. Es geht den Berg ein Stück hoch, über eine Skipiste zu einem Hochmoor. Wir sinken ein und kriegen nasse Füße.

Der Blick von hier aus ist fantastisch. Wir laufen im T-Shirt rum und haben trotzdem ein bisschen Skiurlaub Gefühle. Die Luft riecht einfach nach Berg. Für den Nachmittag haben wir eine Katamaranfahrt auf dem Beaglekanal gebucht. Wir wollen Kormorankolonien und Seelöwen sehen, außerdem den Leuchtturm am Ende der Welt. Das Wetter ist lustig. Nix, worauf wir uns irgendwie einrichten oder gar verlassen können. Das bedeutet für die Zeit auf dem Schiff anziehen, ausziehen, im stetigen Wechsel. Entweder brennt die Sonne erbarmunglos oder es fegt ein eisiger Wind mit etwas Regen. Alles in allem haben wir aber viel Glück mit der Witterung.

Die Kormorane stinken ganz schön…

Der Leuchtturm am Ende der Welt. Es hat ein bisschen gedauert, bis alle anderen Boote hinter der Insel verschwunden waren, so dass ich ein schönes Bild machen konnte.



Es ist egal, wo wir auf dieser Welt mit einem Boot unterwegs sind, irgendwann endet Bela immer beim Kapitän und darf steuern:

Dieser Trip hat sich wirklich gelohnt, es war super schön. Danach erfüllen wir gerne Belas Wunsch und gehen in die Icebar. Super Idee um 18 Uhr mit leerem Magen. Mike und ich müssen Eintritt bezahlen, Bela ist kostenlos.

Dafür dürfen wir verkleidet bei minus 17 Grad für 30 Minuten trinken was rein geht. Auf gut deutsch: Druckbetankung 😉 Wir entscheiden uns für Tequila Sunrise und schaffen eine Menge. Außer uns ist niemand hier, wir haben also die ungeteilte Aufmerksamkeit des Barkeepers. Bela trinkt Sprite.

Wir haben echt viel Spaß. Das hätten wir nicht gedacht. Länger als 30 Minuten schafft man aber auch nicht. Es ist schweinekalt, sogar die Gläser sind aus Eis:

Als wir fertig sind, hat Bela zwei Probleme: besoffene Mutter und besoffenen Vater 😉  Also gehen wir ins Restaurant zum Abendessen und machen mit Rotwein weiter. Wenn schon, denn schon!

So geht die Zeit in Ushuaia zu Ende. Wir haben es echt genossen.  Wir freuen uns auf unser nächstes Abenteuer: Mit dem Amarok und Dachzelt 4000 Kilometer durch Feuerland und Patagonien bis nach Buenos Aires!