Wir holen unseren Amarok. Der ist jedoch ein Hilux. Das finden wir gar nicht schlecht, wir denken, er ist für die Gegend hier besser geeignet. Die Vermietstation in Ushuaia ist ein Privathaus. Es laufen drei Hunde rum, es sieht aus wie bei den Hottentotten, aber die Leute sind sehr nett. Das Auto nebst Dachzelt ist eher eine Katastrophe. Abgenudelt und dreckig. Im Heck steht das Wasser, alles ist nass und voller Hundehaare. Der Aufbau ist undicht. Ich schüttel mich. Es nützt nichts, wir haben keine andere Wahl und nehmen es mit. Es fährt. Das konnte es auch schon 255000 km üben…Wir kaufen ein, da auch nicht genug Equipment an Board war. Sie wussten nicht, dass wir zu dritt reisen. Außerdem wollte ich das Geschirr nicht so gerne benutzen. Also Carrefour und shopping. Es gibt alles. Sogar tupperähnliche Dosen, deren Deckel nicht schließen. Naja, ist ja auch nur tupperähnliche argentinische Qualitätsarbeit. Wir decken uns ein, weil wir heute in den Nationalpark Feuerland wollen. Dort gibt es nichts, nur Natur. Wir essen noch in der Cafeteria, haben dort Internet und bekommen schon eine Nachricht vom Autovermieter. Wir sollen nochmal zurück, sie haben uns die falschen Papiere mitgegeben und den zweiten Schlüssel vergessen. Okay, also kehrt Marsch. Dann geht es aber endlich los. Wir fahren erst auf Teer, dann auf Schotter, das Auto läuft, alles gut. Wir können schon von weitem erkennen, wo die Strasse langführt, da eine große Staubfahne hochweht. Wir müssen Eintritt bezahlen und sind schon bald im südlichsten Nationalpark Argentiniens.
Wir fahren die berühmte Routa 3 bis zum Ende. Da treffen wir viele Motorradfahrer, die von Kanada oder USA aus gestartet sind und sich nun entsprechend feiern.

Es ist wie so oft auf unserer Reise wunderschön hier.

Zwischendurch ist es schon ganz schön windig. Ich denke an unser Vorhaben auf dem Autodach zu zelten und an die warnenden Worte der Vermieterin, wir sollen auf keinen Fall im Tierra del fuego Nationalpark im Dachzelt schlafen, weil der Wind viel zu heftig ist. Da sie uns aber nur ein unvollständiges anderes Zelt mitgegeben haben, ist das auch keine Option.


Wir finden einen sehr schönen Platz, an dem freies Campen erlaubt ist und richten uns ein. Wir reinigen ersmal das Auto. Es ist ganz anders als im Camper, da wir weniger Platz haben und drin nicht sitzen können. Alles ist staubig, weil diese Karre nicht dicht ist. Wir machen das beste draus. Den Tetrapak Wein kippen wir dennoch ins Gebüsch, den kann man, im Gegensatz zu Neuseeland, hier wirklich nicht trinken. Der Platz füllt sich, die Stimmung steigt und alle haben gute Laune. Es wird nicht dunkler, aber der Wind wird stärker. Die Argentinier feiern und singen. Wir versuchen ab 23 Uhr zu schlafen. Der Wind wird stärker. Bela hat Schiß, ich auch! Mike sagt, kein Problem, das Zelt sollte halten. Um 23:45 Uhr machen Bela und ich einen Spaziergang. Es ist wunderschön draußen, das Licht ist faszinierend. Irgendwann verschwinden wir wieder im Zelt. Der Wind wird stärker. Ab und zu krachen Böen ans Zelt, so dass Bela wach wird und jammert. Wir wachen nach einer gefühlt schlaflosen Nacht dennoch erfrischt auf und gucken raus.
Wir frühstücken mit Tee vom Gaskocher, der den Wind auch nicht mag. Dann erkunden wir das Terrain zu Fuß:



Wir machen kleine Wanderungen und finden es wirklich super. Bela hat Durst und meckert. Er hat Hunger und meckert, ihm tut der Fuß weh, er meckert, man kennt das ja 😉 Wir fahren weiter zum Lago Roca oder Lake Acigami. Auch dort ist es herrlich:

Aber auch hier, wie soll es anders sein, treffen wir auf Horden von Chinesen, die 15 Minuten Zeit haben am Seeufer lang zu flitzen, bevor der Bus weiter fährt. Am Nachmittag fahren auch wir weiter, heute so weit wir kommen.

Wir wollen nach Chile, 50 km hinter der Grenze gibt es eine Pinguinbucht mit Königspinguinen, die einzige Kolonie, die man von Land aus betreten kann. Wir fahren durch kilometerlanges Nichts mit Tieren, die wir als Wölfe oder Silberfüchse falsch einordnen, es sind einfach nur Hunde.


Wir fahren zunächst bis Tolhuin, das ist 120 km von Ushuaia entfernt uns war ursprünglich als Übernachtungsort geplant. Es ist 16 Uhr und da wir nicht müde sind, gehen wir ein Eis essen und fahren weiter. In Tolhuin gibt es noch nicht einmal einen Lattenzaun, wo man tot drüber hängen könnte, sollte man es wollen. Also fahren wir weiter bis Rio Grande, das ist eine Stadt mit 70.000 Einwohnern. Es führt wieder durch Nichts, soweit das Auge reicht. Wir fangen an Udo Jürgens zu hören und mitzusingen. In Rio Grande ist es anders als in Tolhuin, dort ist was los, aber es ist so häßlich, dass wir auf keinen Fall bleiben wollen. Wir fahren weiter durch ausdrucksloses Nichts mit häßlichen Ölförderpumpen. „Ich war noch niemals in New York“ usw… Es sind noch 80 km bis in einen weiteren Ort: San Sebastian.

Der letzte Ort vor der Grenze. Wir tanken am Ortseingang von San Sebastian und fragen nach der Stadt. Der Tankwart versteht die Frage nicht…Die „Stadt“ besteht aus Tankstelle und zwei weiteren Gebäuden und hat 34 Einwohner. Ich frage nach einem Campingplatz. Gibt es nicht. Hotel? Ja, neben der Tankstelle. Schwein gehabt. Für erstaunlich günstig mieten wir ein sauberes Zimmer mit Frühstück. Wir dürfen im Restaurant unsere eigenen Sachen essen, weil wir vieles nicht mit nach Chile nehmen dürfen. Das ist wirklich nett. Dafür kaufen wir Bier und Salat von der Wirtin dazu. Der Grenzübertritt am nächsten Vormittag klappt gut. Die argentinischen Beamten sind brummelig und gucken böse, die Chilenen machen Späßchen mit Bela und nehmen uns die Eier weg, die wir total vergessen hatten. Da der Beamte wusste, wo er gucken muss, hat er sie natürlich auch sofort gefunden. Der Verlust der 12 Eier beschäfigt mich noch lange, obwohl ich froh bin, dass wir keine Anzeige und Strafe bekommen haben. Mike sagt, wir sollen ihm das Mittagsomelette gönnen, weil er so nett war. Wir sind in Chile. Dort sind die Straßen schlecht und die Leute fahren wie die Henker, so wurde es uns beim Abholen des Autos prophezeit. In echt? Die Straßen sind viel besser, als in Argentinien, die Leute empfinden wir als wesentlich netter und fahren tun sie auch ganz gut.
So kommen wir schnell zur Pinguinkolonie. Es dürfen pro Tag nur 200 Personen hinein, deshalb haben wir uns vorher per email angekündigt. Wir sind begeistert. Die sind ja so drollig und total hübsch. Es sind insgesamt etwa 120 Tiere, die hier leben. Momentan gibt es auch ein paar Kleine, die die ersten Versuche im Meer machen:
Sehr nah dürfen wir nicht ran, aber es gibt Ferngläser, durch die wir sie ganz gut beobachten können. Wir verbringen hier zwei informative Stunden und fahren weiter. Im Hotel in San Sebastian hat man uns schon gesagt, wo wir übernachten können, weil es hier auch wieder kilometerweit nichts gibt. Also ab nach Cerro Sombrero. Das liegt auf der Strecke zur Fähre, mit der wir Feuerland verlassen werden. Der Ort ist geprägt von Gasförderung. Es riecht auch ein bisschen. Wir verfahren uns erstmal in dem Ort, der recht verlassen erscheint, und landen vor einer Touristeninformation. Komisch, was? Ja. Der nette Mitarbeiter spricht deutsch und hat uns einiges zu sagen. Er gibt uns Tipps für Hostels (dieser Ort hat tatsächlich 7 oder 8 davon) und für die Weiterreise nach Norden bekommen wir Karten und viele Hinweise. Wir klappern die Hostels ab, die allesamt entweder dreckig sind oder nach Küche stinken und alle viel zu teuer sind. So landen wir für günstiger im ersten und einzigen Hotel am Platz.
Dort können wir auch Abendessen und haben Spaß mit dem lustigen Koch. Es gibt ein günstiges Menü des Tages und der Tag ist gerettet. Am nächsten Tag fahren wir weiter nach Bahia Azul zur Fähre:
Wir verlassen Feuerland mit der schratigsten Fähre, die wir jemals gesehen haben. Ushuaia war toll, die Pinguinkolonie in Chile auch, aber der Teil dazwischen war recht langweilig. Wer also keine Zeit und kein Auto aus Ushuaia zu überführen hat, sollte da besser drüber fliegen oder in El Calafate mit der Patagonienreise starten.
Wir haben es an diesem Tag tatsächlich geschafft die 360 Kilometer bis Puerto Natales zu fahren. Die Strecke war wieder voll mit „Ich war noch niemal in New York“ und anderen Hits, sowie endlos erscheinendem Nichts.
Tanken müssen wir bei jeder Tankstelle, egal, wie voll der Tank noch ist. Im großen Nichts kommen wir durch San Gregorio, das ist ein ziemlich abgefahrener Lost Place. Ich hab an noch keinem Ort, an dem es nichts mehr gab, mehr Autos anhalten sehen, als hier:
Auf der weiteren Strecke finden wir bunte Lupinenfelder im Nichts, das sieht wunderschön aus.

In Puerto Natales haben wir ein Hostel vorgebucht, wir möchten zwei Nächte bleiben, Wäsche waschen und den Trip in den Torres del Paine Nationalpark planen. Puerto Natales hat ein bisschen so etwas wie Infrastruktur. Wir empfinden es jedoch als einen Ort, den die Welt vergessen hat.
Das Hostel entpuppt sich als Glücksgriff. Wir bekommen die Wäsche gewaschen und kommen super sauber und recht preiswert unter. Wir sind umgeben von ausschließlich anderen Weltreisenden, ein Paar mit Kind aus Holland, die ein Jahr unterwegs sind und ihr Kind unterrichten müssen (da sie Lehrer sind, ist das wohl kein Problem) Bela ist völlig erleichtert und lehnt das Angebot mit unterrichtet zu werden sofort ab!
Wir erkundigen uns in der Touristeninformation nach den Gepflogenheiten im Torres del Paine Nationalpark. Wir hatten gelesen, dass man nur mit Übernachtungsvorbuchung reingelassen wird. Dummerweise antwortet der Campingplatz nicht. Wir sollen uns nicht stressen, sagen sie, die Vorbuchungen sind nur für die Plätze nötig, die man nicht per Auto erreichen kann. Wir kehren gegen 18 Uhr auf ein Bier in einem ziemlich coolen Hostel ein und schleppen uns gegen 23:30 Uhr satt und betrunken nach Hause 😉














