Torres del Paine oder noch mehr Wind

Wir verlassen Puerto Natales bei Schmuddelwetter in Richtung Torres del Paine. Vor uns liegen 130 Kilometer, teils mit, teils aber auch ohne Asphalt.

Wir freuen uns schon wieder auf ein bisschen Natur. Zum Glück klart es auf und die Sonne kommt heraus. Wir haben wirklich extremes Glückmit dem Wetter auf unserer Reise. In Puerto Natales hat es nachts aus allen Eimern geschüttet, zum Glück dort, weil wir nicht im Zelt geschlafen haben.

Und dann ist es so, wie fast überall, biegst du um die Ecke, siehst du ein Wow! Die berühmte Bergformation taucht am Horizont auf und ist wunderschön.

Zwischendurch müssen wir stoppen, weil ein paar vorwitzige Guanakos die Strasse blockieren. Ich finde sie mittlerweile nicht mehr sooo schlimm, dass ich sogar aussteige und ein paar Bilder mache.

Natürlich kostet dieser Nationalpark auch wieder Eintritt, es muss ja alles erhalten werden. Die Infrastruktur ist auch echt in Ordnung, es gibt saubere Toiletten und gut ausgeschilderte Wanderwege. Anbei noch die Info, dass man im Dunkeln auf keinen Fall wandern darf, da man sonst höchstwahrscheinlich vom Puma gefressen wird. Daraufhin traut sich Bela nachts nicht auf die Toilette auf dem Campingplatz und macht einfach von der Leiter runter…

Wir machen den ersten Stopp, um die Luft zu schnuppern und den Ausblick zu genießen:

Die Frisur sitzt nicht, der Wind macht, was er will, speziell mit Haaren. Mike hatte da weniger Probleme. Dennoch ist es schön warm und der Blick atemberaubend. Der nächste Stopp soll eine kleine Wanderung werden. Zu einem Wasserfall und einem schönen Aussichtspunkt. Es ist bereits auf dem Parkplatz dermaßen windig, dass wir kaum die Autotüren aufbekommen. Wir verschnüren uns gut und sind los. Nach der ersten Kurve kommen uns Leute entgegen, die uns sagen, wir sollen Bela bitte gut festhalten. Dazu ein paar Schilder, die vor dem Wind warnen. So etwas hatten wir vorher noch nie erlebt. Dagegen war der Wind im Feuerland Nationalpark Kindergeburtstag.

Es fliegen Steinchen in unsere Gesichter, wir müssen uns schließlich die Hände vor die Augen halten. Wir kommen uns vor, wie auf einer Everest Expedition. Zum Glück ist es etwas wärmer. Wir schaffen es bis zur Plattform für den Wasserfall:

Der Wind wird tatsächlich noch stärker. Mike geht alleine weiter zum anderen Aussichtspunkt. Bela und ich kämpfen uns bis zum Auto. Gut gelaunte Menschen mit kleinen Kindern, teilweise im Kleidchen, kommen uns entgegen und Bela sagt :“die werden sich noch wundern“ und: „bei dem Dickerchen brauchen sie keine Angst haben, das fliegt so schnell nicht weg“ Da kam uns eine kleine chilenische Kindercindy aus Marzahn entgegen. Bela und ich verknoten uns und kommen nur langsam vorwärts. Dann sitzen wir im wackelnden Auto und trinken Mate. Ich versuche das immer wieder, es wird nur langsam leckerer. Mike hatte ähnlich Schwierigkeiten wie wir, nur dass der Wind hinter dem Wasserfall noch einmal einen Zahn zugelegt hatte. Er musste sich wohl richtig nach vorne beugen, sonst wäre er nicht vorwärts gekommen. Mittagpause machen wir in einer kleinen Cafeteria unterhalb der Wanderstrecke. Auch dort zieht es wie Hechtsuppe. Das ganze Häuschen wackelt und ächzt in dem Wind. Mir graut schon vor der Nacht in unserem Dachzelt.

Wir finden den Campingplatz, checken ein und finden ein hübsches Plätzchen. Alle Stellplätze sind mit halben Hütten geschützt. Also kein Problem für die Nacht. Wir richten uns ein und versuchen erneut ein bisschen zu laufen. Den Berg hoch, dort gibt es nämlich einen Condor Ausguck. Condore finden wir alle drei ganz wunderschön und wollen sie sehen. Es wird eine ähnlich Erfahrung wie am Wasserfall, nur dass wir jetzt zusätzlich auspassen müssen, nicht abzustürzen. Die Condore sind selbstverständlich woanders. Wahrscheinlich treffen sie sich mit den Albatrossen in Neuseeland 😉

Der Spaziergang ist trotzdem super. Es ist warm, wir bekommen ein bisschen farbe und haben spektakuläre Ausblicke in die Berge. Zum Abendessen bekommen wir Besuch von einem hungrigen Gürteltier. Das macht Essgeräusche und benimmt sich ziemlich daneben. Es hat in Windeseile ein tiefes Loch in unsere Hütte gebuddelt und alles eingestaubt. Also noch mehr eingestaubt. In Patagonien ist es überall staubig. Das nervt manchmal. Oft. Immer. Eigentlich. Am Abend sehen wir noch ein paar Raubvögel auf der Suche nach Resten vom Grillen und sogar einen Fuchs, der sich an den Campingplatz schleicht. Die Nacht ist windstill, man glaubt es kaum. Frühstück wieder in der Sonne, das hungrige Gürteltier ist auch schon wach. Wir packen und machen uns auf den Weg Richtung El Calafate. Dort wartet dasnächste Highlight auf uns, diesmal wieder in Argentinien. Hinter der chilenischen Grenze stehen zwei Backpacker und gucken uns mitleiderregend an, so dass wir schnell alles umpacken und sie mitnehmen. Es sind zwei Franzosen, die solange unterwegs bleiben wollen, wie das Geld reicht. Deshalb versuchen sie so günstig wie möglich zu reisen. Das geht mit Trampen am besten. Es sind zwei Geologen. Loris und Sarah. Sie können uns interessante Sachen über die Gegend erzählen und was man aus den Steinformationen so alles herauslesen kann. Außerdem bekommen wir eine neue App gezeigt. Die iOverlander App. Dort findet man weltweit Campingplätze, wilde Campingplätze, Hostels, Hotels, Tankstellen, Supermärkte und so weiter. Man kann selber Orte hinzufügen und die bewerten, wo man war. Das beste ist, dass man sie auch offline verwenden kann. Da wir keine mobilen Daten haben, ist das die perfekt App für uns. Wir nutzen sie ab jetzt sehr oft und finden darüber zum Teil sehr schöne Übernachtungsplätze.

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