SAN BLAS: Wir haben das Paradies gefunden

Und deshalb bekommt es auch ein eigenes Kapitel. San Blas oder auch Kuna Yala genannt, ist ein autonomes Gebiet an der Nordküste Panamas am Atlantik. Den San Blas Archipel bilden etwa 365 Inseln im karibischen Meer, von denen nur 50 bewohnt sind. Sie erstrecken sich über eine Länge von 180 Kilometern bis zur Küste Kolumbiens. Bewohnt wird Kuna Yala von rund 33.000 Angehörigen des Kuna Volkes, die der Unterwerfung trotzten und lange um ihr Gebiet kämpfen mussten. Sie haben eine eigene Sprache, einige von ihnen sprechen aber mittlerweile auch spanisch oder englisch. Es ist nur möglich mit dem Einverständnis, sprich einer Buchung über eine Agentur, auf die San Blas Inseln zu reisen. Es ist nicht möglich, mit dem eigenen Auto zum Hafen zu fahren. Man wird mit einem 4×4 Jeep im Hotel abgeholt und durch einen dichten Regenwald auf mörderischer Straße zum Hafen gebracht. Man passiert sogar eine Art Grenze, an der man den Pass zeigen muss. Wir sehen einige Jeeps am Straßenrand stehen, weil sich die Passagiere erleichtern müssen, nach oben raus…So versuchen die Guna ihre Gebiete vor dem Massentourismus zu schützen, der jedoch schon ein bisschen eingesetzt hat, schließlich geht es um Geld. Auch wenn es nicht überall danach aussieht, versuchen die Guna dennoch ihre Inseln sauber und schön zu halten. Auf unserer Insel kehrt jeden Tag der Opi das Laub und den Dreck weg. Wir sehen aber auch total vermüllte Inseln, auf denen es nicht so schön ist. Auch im Hafen von Carti ist es sehr dreckig. Auf den meisten Inseln gibt es keinen Strom oder nur aus einem Generator für ein bisschen Licht am Abend.

Wir sitzen also um 5:15 Uhr abfahrbereit auf der Bank vor dem Hotel. Pünktlich wie die Maurer (haha) mit dem Ticket in der Hand. Wie sich das gehört. Das große Gepäck können wir im Hotel lassen und eine Lunchbox gab es für die Fahrt. So sitzen wir und überlegen ziemlich oft, wann wir anrufen lassen, weil der Fahrer nicht kommt. Deutsche Pünktlichkeit trifft mittelamerikanische…Um 6:15 Uhr geht es dann mal los. Es kommt ein Jeep und wir werden verladen. Mit uns eine dürre amerikanische Touristin auf dem Beifahrersitz. Ein dickes Paar aus Brasilien teilt sich mit Mike die Mitte und Bela und ich haben im Kofferraum schön viel Platz. Nach etwa 15 Minuten Fahrt halten wir an einem Supermarkt. Die brasilianische Frau versorgt sich selber und ihren Mann erstmal mit je 1,5 Litern Cola. Die Amerikanerin kauft Tee. Wir bleiben im Auto. Wir haben gestern schon eingekauft und sind gut ausgestattet mit Snacks und ein bisschen Wasser. Wir bekommen drei Mahlzeiten pro Tag auf der Insel und dazu jeweils ein Dosengetränk. Wasser gibt es immer zum Nachfüllen. Dafür haben wir Flaschen dabei. Und wir können jederzeit für 2 Dollar Cola, Ginger Ale oder auch Bier kaufen. Bela und ich verschlafen die Fahrt. Es geht wohl über Stock und Stein, sagt Mike. Er versucht auch zu schlafen, ist aber leider beschäftigt. Das Dickerchen fällt nämlich ständig mit dem Kopf gegen seine Schulter. Das erinnert mich ein bisschen an unseren Flug in 2013 nach Bangkok, als Levi neben dem dicksten Mann der Welt im Flieger sitzen musste. 10 Stunden. Der Speck, so sagte er damals, kam über die Armlehne zu ihm gekrochen. Dafür hat er aber auch den Tapferkeitspreis bekommen. Wir sind dann doch ziemlich schnell am Hafen und werden nach einem System, was nur die Leute dort verstehen, in die Boote verteilt.

Während wir warten, kommen sechs Männer einen Sarg tragend an uns vorbei und laden ihn in ein Boot. Tuch drüber. Gepäck drauf und Passagiere daneben (wir nicht) Hmmm….kann man so machen…

Das Wasser ist trüb, der Hafen dreckig und ich fange an zu zweifeln, ob das alles so richtig war. Für die völlig verdreckte Toilette muss ich einer mürrisch dreinblickenden Guna Frau 25 Cent geben. Das mag ja was werden auf der Insel. Alles basic. Ich denke an unsere Hütte aus Bambus. Die hat keinen Ventilator und natürlich keine Klimaanlage, aber dafür einen Boden aus Sand. Mit Sicherheit werde ich nachts kein Auge zu machen. Na gut, dann ist das halt so. Die Uhrzeit ist schuld, denke ich. Es ist gerade mal 8:30 Uhr, wir haben schon einen Ritt hinter uns und sind müde. Los gehts. Wir halten an einer aus Häusern bestehenden Insel, mit viel Dreck überall und mir rutscht das Herz in die Hose, ich denke:“bitte nicht!!!!“

Entwarnung, wir müssen alle sitzen bleiben, nur unser local Guide holt etwas von dort. Wir fahren weiter. Die Wellen werden höher, das Wasser klarer und die Sonne kommt raus.

Die Laune steigt und mit ihr die Zuversicht auf ein paar schöne Tage. Dass sie unvergesslich werden, wissen wir noch nicht. Unsere Insel heißt Niadub, Isla Diavolo, Teufelsinsel. Unsere Bambushütte ( Cabana 5) heißt uns herzlich willkommen.

Immerhin gibt es Blümchen vor der Haustür und eine „Terrasse“ mit Meerblick

Es gibt ein Toiletten/Duschhaus. Dusche heißt hier: Rohr aus der Wand, kaltes Wasser kommt raus. Ich inspiziere sie gespannt und bin überrascht. Toiletten und auch Duschen sind sauber. Es gibt ausreichend Papier. Die Mülleimer quillen nicht über. Hier sieht es viel besser aus, als auf so manchen Campingplätzen, die wir in der letzten Zeit besucht haben. Es gibt auch eine „Lounge“, dort ist es lustig.

Die Musik ist laut, die Leute sind total unterschiedlich und meist nett, der Liter Rum kostet 25 Dollar. Wir werden gefragt, was wir zum Mittag essen möchten. Die Auswahl ist besser, als ich vorher bei den Negativkritiken auf Tripadvisor gelesen habe. Es gibt Fischfilet, ganzen Fisch, Chicken oder Meeresfrüchte. Dazu Kokosreis, gekochte Kartoffeln, Pommes oder Kochbanane und Salat. Tip top. Wir nehmen alle Fischfilet mit Reis und Salat. Auf den heutigen Ausflug verzichten wir, wir sind müde und haben noch drei Tage dafür Zeit. Punkt 12 sitzen wir am Tisch und bekommen ziemlich leckeres Mittagessen. Die Guna Yala Familie, die unser Homestay leitet, ist meistens nett. Wir lernen Yuani kennen, die ist ein echter Sonnenschein und wir schließen sie sofort ins Herz.

Nach dem Essen machen wir ein unglaublich langes Mittagsschläfchen. Bela, der im Vorfeld meckert, er sei gar nicht müde, ist als erster eingeschlafen. Um 16 Uhr werden wir geweckt, weil die Köchin unsere Abendessenbestellung braucht. Die Auswahl ist immer die gleiche. Bela nimmt diesmal Chicken und ich den ganzen Fisch. Mike bleibt bei Filet. Wir erkunden die Insel. Dafür brauchen wir keine 10 Minuten. Also hängen wir ein bisschen auf unserer Terrasse ab und kümmern uns um den Sonnenuntergang. Gebadet haben wir auch, das Wasser ist superschön.

Es wird früh dunkel, die Solarbeleuchtung ist auch nicht so hell, also werden wir früh müde und sind nach ein paar Runden UNO gegen 21 Uhr verschwunden. Entgegen meiner Vorahnung, schlafe ich gut. Habe zwar etwas Probleme beim Einschlafen, aber Bela auch und deshalb drehen wir zusammen noch eine kleine Taschenlampenrunde. Der Sternenhimmel ist der Hammer. Bela macht ein paar irre Fotos vom Mond. Zum Glück hat es sich abgekühlt und da wir unsere Hütte am Meer haben, weht es immer ein bisschen. Gibt ja auch genug Ritzen, damit die kühle Luft herein kann und die Ameisen und die Krabben und was noch mehr…

Frühstück ist von 7 bis 8! Upsi…Geht aber. Wir wachen von alleine auf, als es hell wird. Um 6 Uhr. Alles wie früher, also ganz früher. Immer dem Rhythmus der Sonne hinterher… Zum Frühstück gibt es Guna Yala Brot und Omelette mit Käse, sowie gruseligen Kaffee, der auch durch den Kaffeeweißer nicht besser wird. Für Bela bringen sie uns ganz stolz Trinkschokolade. Die wird mit heißem Wasser zubereitet. Ich muss an dieser Stelle glaube ich nicht erklären, warum er ab jetzt Wasser aus dem Nachfüllkanister oder Ginger Ale zum Frühstück gewählt hat…

Wir starten zum ersten Ausflug. Es geht auf die Nachbarinsel zum Schnorcheln und schwimmen. Dort liegt ein versunkenes Boot. Das ist zugewachsen mit bunten Korallen und voll mit bunten Fischen. Es ist wunderschön.

Bela findet eine Kokosnuss und kann sie ohne Hilfe öffnen. Das hat er auf Cook gelernt.

Die ist richtig lecker… Dazu gibt es Cola mit Eis und Nachos mit Dip von der Ausflugscrew. Und dann geht es weiter zumnächsten Stopp. Piscina naturales, swimming pool…naja. Mitten im Meer ist eine Sandbank und darüber ein bisschen Wasser. Ganz nett hier, aber beim Schnorcheln sieht man nichts.

Zurück auf unserer Insel gibt es wieder einfach leckeres Mittagessen und danach ein Schläfchen. Zum einen hat es sich bewährt und zum anderen haben wir nichts zu verpassen. Danach baden wir, trinken Kokosnüsse und freunden uns mit Yuani an. Sie scheint nur darauf gewartet zu haben. Wir bauen erstmal eine Kleckermatschburg und verbuddeln dann Bela im Sand. Zum Abwaschen müssen wir natürlich ins Wasser und während Yuani über den Korallenschrott flitzt, als wäre es nichts, mit einem Kopfsprung im Meer verschwindet, taste ich mich langsam und jammernd über die Steine zum Wasser hin.

Wir hängen noch ein bisschen ab

Bela und Yuani malen solange, bis ich mit UNO Karten erscheine. Dann leuchten ihre Augen und sie schmeißt die Stifte weg.

Wir spielen, machen Blödsinn und haben Spaß

Zum Abendessen haben wir Lobster vorbestellt. Während der bei uns zu Hause unbezahlbar ist (wir wollten auf Föhr schon mal einen essen, haben aber das Geld dann lieber in ein Ferienhaus investiert), kostet er hier nur 15 Dollar und schmeckt fantastisch

Gleicher Rhythmus wie gestern. Bett um 21.30 Uhr, schnell eingeschlafen, alles top. Heute ist Donnerstag, Rumnacht steht auf dem Programm, wir freuen uns auf ein Gläschen am Abend. Zum Frühstück gibt es Pfannkuchen. Danach gehts zum Ausflug, wieder otra island. Super schön dort.

Die Crew packt aus. Inzwischen kennen wir den harten Kern der Gäste. Es gibt auch viele Tagestouristen, die sind dann abends wieder verschwunden. Das heißt, mit ihnen haben wir wenig Kontakt. Aber mit Irina und Franck – eine russich-french-connection, Julia und Svenja aus dem Sauerland, Suzann und Eva aus Amsterdam und Michael aus Toronto (an ihn kann sich Mike morgen nicht mehr erinnern, das hatte etwas mit Rum zu tun und ist ein anderes Thema) können wir es gut aushalten. Von ihnen erfahren wir auch, dass die Rumnacht jetzt und hier startet. Die Crew hat bereits drei 2 Liter Flaschen Rum auf dem Tisch, sowie Eis und Cola. Los gehts. Bis die Flaschen leer sind. Wenn es schon mal angeboten wird…üben für Cuba!

Zwischendurch bekommen wir noch eine Kokosnuss gebracht, auch die ist sehr lecker und passt zum tropischen Gefühl.

Die Stimmung wird immer besser, nur Molly aus Californien hört sich lieber selber reden, das ist etwas anstrengend.

Wir fahren noch zu einem weiteren Schnorchelspot und dann zurück zum Lunch.

Weil es so lecker ist und die Stimmung so gut und Franck und Irina bald abreisen müssen und und und…Gründe gibt es genug für den Gang an die Theke…eine Flasche Rum, Cola und Eis, wir sind nur einmal jung! Zwischendurch bittet uns Bela mit dem Trinken aufzuhören, weil Cola nicht gesund ist 😉 Er hüpft mit Yuani im Wasser herum und hat Spaß. Irina verabschiedet sich, mit einer Einladung für uns nach Moskau. Da Mike einen Stempel von der Ukraine im Pass hat und nicht nach Russland einreisen darf, muss ich dann wohl alleine…Die Stimmung wird besser, Michael aus Toronto kommt an den trouble table und fühlt sich wohl.

Wir feiern noch ein bisschen und weil die Stimmng so gut ist und es so lecker ist und Franck und Irina jetzt weg sind und und und….die Mädels aus Amsterdam holen sie: die nächste Flasche!

Mike verschwindet einfach irgendwann heimlich im Bett. Leider wird ihm nicht mehr einfallen, wie er dort hin gekommen ist. Ich springe noch zu den Kindern ins Wasser und bin sofort wieder nüchtern. Das ist auch gut so!! Plötzlich schreit Yuani und ich sehe ihren Sparkassen Wasserball auf dem Wasser wegtreiben. Ich schwimme hinterher und versuche ihn zu retten. Dabei bekomme ich eine fürchterliche Wunde am Oberschenkel. ich reiße mir die Haut an Korallen auf, die ich nicht gesehen habe. Es blutet recht ordentlich und ich bekomme Kuna Yala Desinfektionsmittel. Das brennt wie Hölle. Von dieser Wunde werde ich noch lange etwas haben…Der Ball wurde schließlich von Yuanis Bruder gerettet. Dinner habe ich mit Bela alleine. Noch eine lange Kartenrunde mit Yuani und den Holländerinnen und ab auf die neue Matratze (wir haben heute neue Matratzen bekommen). Mike schläft zum Glück leise und schnarcht nicht. Als er am nächsten Morgen mein Bein sieht, fragt er ganz entsetzt, ob er das war…Ja ja, das war es dann wohl mit dem Rum!

Bekannter Rhythmus: Frühstück, Ausflug, Lunch und dann leider schon Abreise nach Panama City. Auf dem Ausflug hebt ein ziemlich durchtrainierter Kerl Bela routiniert ins Boot. Wir rätselten vorher schon und tippten auf Schwimmer. Er spricht Deutsch. Ich frage ihn, ob er Schwimmer ist. Er sagt:“ Nein. Tänzer“ ich staune, weil ich nicht davon ausgehe, dass man als Tänzer solche Oberschenkel bekommt. „Balletttänzer, hüpfen, springen und Frauen heben“, erklärt er mir. Damit war es geklärt. Viel zu schnell ging die Zeit hier vorbei. So skeptisch ich anfangs war, jetzt könnte ich noch eine Woche bleiben. Ich überlege, ob San Blas es schafft, den Perito Moreno Gletscher vom Thron zu schubsen…

Als wir uns verabschieden, gibt mir Yuani ein Küsschen. Da muss ich aufpassen, dass ich nicht anfange zu heulen…Die ist aber auch ein süßer Sonnenschein…

Once in a lifetime: GALAPAGOS

Wow…

So und noch viel besser landen wir in diesem Tierparadies. Wir sind zuerst auf der Insel Santa Cruz. Mit Shuttle Bus, Boot und Taxi gelangen wir nach Puerto Ayora, der Haupstadt der Insel. Es fängt damit an, dass mich der Taxifahrer im Beisein von Mann und Kind fragt, ob ich verheiratet bin. Bauch rein – Brust raus und schmunzelnd Mikes entsetzten Gesichtsausdruck genießen.Wir haben eine nette Unterkunft, sogar mit einem Pool. Es ist heiß, also erstmal rein da. Unser Vermieter ist sehr hilfsbereit und organisiert uns einen Ausflug. Wir haben vorher schon gehört, dass es hier sehr teuer sein soll. Die Tagesausflüge kosten tatsächlich 110 Dollar pro Person und für Kinder 90. Wir buchen nur den halben Tag mit einem Boot, diverse Schnorchelspots, eine kleine Wanderung zu einem Haitunnel, einem Strand, an dem Leguane ihre Eier ablegen und zum Baden in einer Schlucht. Für 35 Dollar pro Person und Bela 25 ist das in Ordnung. Abends gehen wir zum „Malecon“, das ist der Steg, an dem die Wassertaxis abfahren. Dieser Steg beleuchtet das Wasser, so dass wir kleine Haie beim Fressen beobachten können und allerlei andere Tiere. Auch einen Rochen sehen wir.

Pelikane sehen ein bisschen aus wie prähistorische Pteranodons, ich finde sie ungeschickt. Sie spritzen soviel, wenn sie auf dem Wasser landen. Wir sehen Seelöwen, die faul auf Bänken oder in Booten schlafen. Wir sind begeistert. Zum Essen landen wir in einer Art „Freßgass“, es ist immer noch sehr warm, die Straße ist abends gesperrt und Tische und Stühle stehen draußen. Ein Restaurant folgt auf das andere. Und es ist hier nicht besonders teuer. Mittagessen gibt es für 5 Dollar, inkl. Suppe, Saft und Desert.

Die Stimmung ist gut, die Menschen sind nett und das Essen ist lecker.

Unser Ausflug startet um 9 Uhr.

Wir sehen sehr viel und sind begeistert. Schnorcheln ist ganz okay, das hatten wir in Asien jedoch schon besser. Das Wasser ist stellenweise ganz schön trüb und die Fische sind woanders, wahrscheinlich bei den Schildkröten und Rochen…Nach dem Baden in der Schlucht, sowie Sonne und Hitze satt, sind wir nach dem Halbtagesausflug so kaputt wie nach einem Tagesausflug. Also ab ins Hotel und Siesta. Am Abend gehen wir erst zur Pelican Bay, dort gibt es ein bisschen Folklore:

Und danach wieder zum Steg, Haie gucken und in die Freßgass.

Stimmung und Haare sind außer Kontrolle.

Die Fähre nach Isla Isabela geht um 7:30 Uhr, das große Gepäck dürfen wir bei Patty und Marcos lassen. Bela hat sich inzwischen mit dem 10 Jährigen Sohn Mariano angefreundet und freut sich schon auf die Rückkehr und weitere 4 Nächte. Wir haben unseren Aufenthalt verlägert, weil wir mal wieder Urlaub brauchen. Um 6:45 Uhr sind wir am Steg, es herrscht großes Gewusel. Wir treffen Javier und seine Söhne wieder. Sie hatten uns freundlicherweise mit ihrem Taxi vom Flughafen mitgenommen. Sie machen nur einen Tagesausflug und fahren um 15 Uhr wieder zurück. Zu schade für so eine schöne Insel, finde ich. Aber sie haben nicht viel Zeit. Die Fährfahrt (für mich ist es ein kleines Boot, was uns darüber bringt) dauert 2,5 Stunden und ich habe vorher viel schlimmes darüber gehört und auch gelesen. Und tatsächlich ist die Fahrt entlang Santa Cruz wellig und stürmisch, weil das Wasser noch recht flach ist. Mir ist schlecht. Bela schläft. Mir ist schlecht. Mike schläft, weil er hier nicht angeln darf. Mir ist schlecht. Jemand hatte in einem Forum geschrieben, er sei ums Kap Hoorn gefahren, das sei Kindergeburtstag gewesen im Vergleich zu der Überfahrt von Santa Cruz nach Isabela. Waren wir doch gefühlt auch gerade in der Nähe von Kap Hoorn und haben die Schauergeschichten der Seefahrt dort im Museum gesehen, ahne ich nichts Gutes. Die Wellen sind hoch, aber nicht lebensgefährlich. Das beruhigt mich, aber schlecht ist mir immer noch. Zum Glück ist es kein Segelboot, dann wäre mir noch schlechter. Bela und ich haben letztes Jahr auf Formentera einen Segelausflug gemacht, so lange, bis der Kapitän meinetwegen das Segel einholen und den Motor starten musste, so grün war ich im Gesicht. Bela war sauer! Als wir endlich ankommen, sagt Bela fröhlich:“so schlimm war es jetzt auch nicht“, nee, er hat die ganze Fahrt verschlafen, ebenso Mike. Im Hotel mache ich Yoga-Wechselatmung über der Kloschüssel. Ich brauche ein Weilchen bis ich wieder hergestellt bin, begleitet werde ich dabei von blöden Sprüchen. Wir leihen uns Fahrräder für die zwei Tage und düsen los. Es ist total heiß, aber die Wege sind nicht allzu lang hier. Die Insel ist zwar viel größer als Santa Cruz, aber die sehenswerten Orte liegen nah an dem Hauptörtchen Puerto Villamil. Der Vulkn ist wegen Aktivität gesperrt, also sparen wir uns auch hier teure Ausflüge und erkundschaften alles mit unseren tollen Cubes. Zunächst geht es zu einer Schildkrötenaufzucht Station. Hier sehen wir die großen Galapagos Schildkröten (Tortugas gigantes) und erfahren allerhand wissenswertes über die Aufzucht. Es gibt 4 ausgwachsene Männer und 4 ausgewachsene Damen, alle so etwa 70-80 Jahre alt. Sie werden für die Zucht gehalten. Eier werden zusätzlich in der freien Wildbahn gesammelt und in der Station im Inkubator gebrühtet, weil sie in der Natur keine Chance hätten. Nach etwa 5 Jahren werden sie dann auf verschiedenen Inseln, je nachdem wo die Eier herkommen, ausgewildert.

Sie sind recht agil und es macht Spaß ihnen zuzuschauen. Es gibt einen Ausstellungsraum mit Film und weiteren Informationen. Es wird ein Teil des Brutkastens gezeigt, in dem wir die Eier sehen können und daneben bereits geschlüpfte kleine Schildkröten, die die ersten 4 Wochen ohne Nahrung und Wasser im Dunkeln gehalten werden, um das Schlüpfen in der Natur zu simulieren. Solange brauchen sie nämlich, um sich aus dem Nest in der Erde nach dem Schlüpfen rauszu arbeiten. Ich finde sie ziemlich klein und kann nicht glauben, dass sie mal so groß werden, wie das Modell der ausgewachsenen Galapagos Riesenschildkröte daneben, die mit etwa 90 bis 100 Jahren ihre endgültige Größe erreicht hat. Wir erfahren außerdem, dass ihre Kackhaufen, je nachdem ob sie Gras, Blätter oder was weiß ich gegessen haben, unterschiedlich aussehen. Wir dürfen 5 verschiedene Arten Schildkrötenkacke bewundern. Echt und nicht aus Plastik! Nice… In der Flamingo Lagune herrscht leider gähnende Leere, also fahren wir nach Concha la Perla zum Schnorcheln.

Auf dem Weg dorthin treffen wir wieder mal einen Pulk Iguanas.

Schnorcheln dort macht viel Spaß, das Wasser ist schön kalt und klar. Wir sehen einiges. Wir sind ab jetzt zweimal am Tag hier, gleich schon morgens um 9 Uhr, wenn nur wenige andere Menschen hier sind und das Wasser nicht so aufgewühlt ist. Einmal kommt ein Seelöwenpärchen zum Spielen vorbei. Das ist erstmal etwas befremdlich, aber da sie niemandem im Wasser etwas tun, sondern nur umher schwimmen und springen, traut sich dann auch Bela dazu.

und dann…Freunde:

Am Abend gehen Bela und ich bummeln und finden eine Karnevalsparty am Strand. Die Kinder besprühen sich mit Seifenschaum. Natürlich darf Bela mitmachen.

Die Chillecke in unserem Hotel wurde von uns fast gar nicht genutzt, weil es hier soviel zu entdecken und unternehmen gab.

Noch einmal am Concha da Perla

Zurück nach Santa Cruz geht es um 15 Uhr, es gibt ein bisschen Theater, weil die Liste von unserem Boot voll ist, unsere Namen aber nicht draufstehen. Ich zeige dem Mann das Ticket, auf dem mein Name steht und 3 Personen. Er rafft es nicht und zeigt auf die Spalte von Robin Kohlmeier, nur weil sein Ticket von der gleichen Agentur ist und die gleiche Farbe hat, wie unsers. Naja, ich schimpfe ein bisschen und schon streicht er mit seinen fetten behaarten Fingern und Tipex drei Passagiere von der Liste, die noch nicht am Hafen sind. Die Fahrt ist wieder der Horror für mich, Bela und Mike schlafen und finden es nicht so schlimm… Es ist Rosenmontag! Das bedeutet noch mehr Seifenschaumspraydosen kaufen und sprühen. Wir nehmen Belas neuen Freund Mariano mit in die Stadt.

Erst essen wir in der Freßgass…

…und dann geht es zur Pelikan Bay, dort ist die Faschingsparty. Mit Seifenschaum, Farbpulver, Misswahlen und EIERN!!!! Igitt…

Naja, nach dem dritten Bier kommt die Einsicht, Hauptsache das Kind hat Spaß und schwupps, habe ich ein Ei in den Haaren. Soll ja gesund sein. Der Seifenschaum im Bier ist jetzt auch kein Problem mehr. Wir treffen Marco aus Österreich, er lebt hier seit einigen Jahren und feiert mit uns.

Nach einer lustigen Feier mit einer langweiligen Misswahl, sehen wir so aus:

Es war ein wirklich lustiger Abend. Allerdings müssen wir auf der Heimfahrt mit dem Taxi auf der Ladefläche sitzen. Alle Taxis sind hier weiß und Pickups. Das ist total praktisch, wenn man Kinderwagen oder Fahrrad mitnehmen muss. Oder nass ist oder dreckig. Alle Fahrten innerhalb des Ortes kosten 1,50

Der nächste Ausflug geht zu zwei Kratern. Los Gemelos, zu den Riesenschildkröten und zu einem Lavatunnel.

Wir laufen durch den Lavatunnel. Er ist beleuchtet und natürlich kommen uns als erstes Deutsche entgegen.

Ein bisschen müssen wir zwischendrin klettern und auch krabbeln.

Am Abend gehen wir zum Fischmarkt. Es gibt jedoch mehr Pelikane als Fisch. Eine Verkäuferin ist nur mit Fliegenabwehr beschäftigt. Kühlkette ist auch hier kein Problem. Es gibt keine!

Weiter gehts mit Mariano im Schlepptau, an den Playa Aleman. Den deutschen Strand, warum der so heißt, konnten wir nicht herausfinden. Der Strand ist breit, das Wasser sehr flach und auf dem Grund soviele Steine, dass wir eigentlich Schuhe gebraucht hätten.

Also geht es weiter zu Las Grietas. Da waren wir letzte Woche schon zum baden und fanden es sehr schön

Baden in der Schlucht ist super. Das Wasser ist schön kalt, wir sehen viele große Fische und es sind heute nicht soviel Leute hier.

Auf dem Rückweg am Playa Aleman vorbei, ist dieser dann fast verschwunden, dafür ist das Wasser da und super zum Schwimmen.

Am Abend wollen wir ein letztes Mal in die Freßgass und noch ein bisschen Souvenirs besorgen. Ich freue mich auf einen Bummel am letzten Abend. Es fängt jedoch um 18 Uhr dermaßen an zu regnen, dass in kürzester Zeit die Straßen unter Wasser stehen. Bela und ich schaffen es mit lustigen Regenumhängen gerade so noch in den Supermarkt. Gebummelt wird dann am nächsten Vormittag, unser Flug geht erst um 16 Uhr. Der Abschied fällt mal wieder schwer, es ist wieder ein Abschnitt vorbei. Für Bela ist es auch nicht einfach, da er sich mit Mariano so gut verstanden und jede freie Minute verbracht hat.

Quito und die Schnappatmung

Wir kommen pünktlich, aber müde in Quito an. Die Hosteria hat ein Taxi geschickt.

Wir fahren etwa eine Stunde bis ins Zentrum. Unsere Hosteria ist im historischen Viertel und sehr süß. Der Blick ist fantastisch. Quito ist etwa 5 Kilometer breit und 35 Kilometer lang. Ein bisschen was davon sieht man von unserem Balkon aus.

Wir relaxen ein bisschen. Die Reise war lang, bis auf Bela hat keiner geschlafen, und wir sind müde. Zum Glück fängt es an zu regnen wie aus Kübeln, so dass wir sowieso nicht raus könnten. Jetzt kommen Kopfschmerzen dazu. Stechende. Wir schnaufen beim Treppensteigen. Komisch. Sogar unser Supersportler Mike hat Probleme beim Atmen. Als der Regen nachlässt, gehen wir die Stadt erkundschaften. Bergauf ist ein großes Problem. Am meisten für Mike. Dann fällt uns die Höhe wieder ein. Quito liegt auf 2850 Metern. Das vergisst man schnell. Wir brauchen wohl ein bisschen Zeit zum Akklimatisieren. Wir schlendern durch das historische Viertel und finden es hübsch. So ganz anders als Buenos Aires. Nicht so europäisch, eher so, wie man sich eine südamerikanische Stadt vorstellt.

Ab und zu regnet es noch ein wenig. Insgesamt tut die Abkühlung nach den heißen Tagen in Argentinien aber gut. Wenn wir nur mehr Luft bekämen…in der Stadt ist viel los. Wir sehen Leute, die komsiche Sachen verkaufen:

Wir gehen auf die Dachterrasse eines Restaurants und haben einen tollen Blick:

Hungrig landen wir schließlich in einem Pub. Es ist immer noch recht früh, dennoch sehen wir aus wie Zombis:

Und fühlen uns auch so. Das ging uns oft so, wenn wir Reisetage hatten. Hier kommt dann auch noch das Luftproblem dazu… Wir landen entsprechend früh wieder in der Hosteria, da es hier früher dunkel wird, sehen wir nun ein Lichtermeer vom Balkon aus:

Für den nächsten Tag sind wir mit Carla verabredet. Sie war zur gleichen Zeit wie Azul in Gudensberg zum Austauschjahr. Da sie sich damals angefreundet haben, hatten wir sie auch oft und gerne bei uns zu Hause. Deshalb ist die Freude jetzt riesig. Sie hat sich gar kein bißchen verändert, trotz der sechs Jahre, die inzwischen vergangen sind (viele Menschen auf der Welt brauchen für solche Rechnungen einen Taschenrechner. Sie sagt, es waren 4 Jahre, sie war 18 und jetzt ist sie 24. 4 Jahre. Logisch!) Wir treffen uns an der Talstation des Teleferico. Wir wollen auf den Berg. Das volle Programm mit noch weniger Luft;) Mike und Bela erholen sich vorher noch etwas, die südamerikanische Pünktlichkeit lässt das zu!

Auch Souvenir shoppen und dem Maler über die Schulter gucken ist noch drin.

Schließlich kommt sie mit ihrem Kumpel Alvaro den Berg hochgeschlappt und freut sich. Alvaro hat Angst in der Seilbahn. Deshalb läuft er normalerweise auf den Berg. Heute muss er da durch und Carla macht sich lustig. Ich versuche ihn mit Fotos von unserer Reise abzulenken.

Wir haben einen fantastischen Blick von oben. Carla wohnt -mit Ausnahme der 10 Monate Deutschland- seit 24 Jahren in Quito und hat es noch nie hier hoch geschafft. Sie ist geflasht. Natürlich ist es kälter als unten, trotzdem holen wir uns einen leichten Sonnenbrand. Und blaue Lippen natürlich. Unseren Gipfelspaziergang müssen wir aufgrund von Atemnot auch abbrechen. In der Cafeteria neben der Seilahnstation gibt es Sauerstoff in verschiedenen Duftrichtungen. 7 Minuten kosten 3 Dollar. Genau, Dollar. Das ist hier die Währung. Eine eigene Währung hatte Ecuador schon mal, das hat aber nicht so gut geklappt.

Wir trinken Mate und gucken runter.

Als es zu kalt wird und dunkle Wolken in rasender Geschwingkeit aufziehen, fahren wir wieder runter. In Quito gibt es fast alle Sorten Wetter jeden Tag, bis auf Schnee. So haben wir es auch erlebt. Morgens heiß und sonnig, mittags regenet es und ab dann ist es auch kalt und/oder windig. Unterhalb der Seilbahnstation gibt es einen kleinen Freizeitpark mit ein paar Fahrgeschäften und einer Kartbahn. Bela und Mike drehen eine Runde. Bei Mikes Kart funktionieren die Bremsen nicht und bei Belas klemmt das Gaspedal. Es wird also ein nicht so ganz großes Vergnügen.

Danach fahren wir alle noch eine runde Achterbahn, für 25 Cent pro Person. Schlecht wird mir trotzdem. Es ist eine ruckelige Angelegenheit, hinterher tut uns alles weh. Der TÜV hätte auch hier viel zu tun! Wir nehmen uns ein Uber und fahren zur „Halbwelt“ wie Carlita in ihrem lustigen Deutsch sagt. Sie meint, die Mitte der Welt. Sprich den Äquator. Dort gibt es ein Monument, in dem man hoch gehen kann. Auf jeder Etage ist eine kleine Ausstellung im Sinne eines Technikmuseums. Das macht großen Spaß, weil wir viele Experimente machen können.

Von oben haben wir einen schönen Ausblick

Mike macht ein paar Pistols auf der Äquatorlinie und wir tanzen von der Nordhalbkugel auf die Südhalbkugel und wieder zurück. Nachdem wir in Ushuaia schon am Ende der Welt gewesen sind, sind wir hier in der Mitte. Was wir zu diesem Zeitpunkt noch nicht wissen, wir werden auch noch an den Anfang der Welt reisen: die Galapagos Inseln werden als der Anfang der Welt bezeichnet. Der Flug ist morgen.

Wir bringen Carlita in die Uni und fahren zurück in die Hosteria. Die Zeit in Quito war schön, aber ausreichend. So geht es nach zwei Nächten weiter in Richtung Galapagos, worauf wir uns schon riesig freuen.

Buenos Aires oder die wahrscheinlich geilste Stadt der Welt

Wir checken ein. Haben uns diesmal gegen unser Stammhotel entschieden. Ausländische Touristen müssen in Argentinien keine Hotelsteuer bezahlen. Das verstehe wer will, aber es ist so. Also möchten wir das auch nicht. Unser hübsches super gelegenes Stammhotel will das nicht einsehen und nicht drauf verzichten. Also gehen wir woanders hin! Ist auch noch schöner dort 😉 Wir haben Internet, endlich mal wieder gutes und ich suchen nach ein paar Bausteinen für unserer Reise. Bela möchte gerne eine Kreuzfahrt machen und Mike ist inzwischen so gechillt und kann sich runterfahren, dass er nichts dagegen hat. Ich bin sowieso Kreuzfahrtfan, finde es toll, die Orte zu wechseln ohne zu packen und mag es oben auf dem Deck zu sein und auf das Meer zu schauen. Die anderen Passagiere nehme ich gar nicht wahr. Die sind schon teilweise merkwürdig, dürfen das aber gerne von mir auch denken. Ich nehme halt nicht für jeden Abend ein anderes Kleid mit und für die Kinder Anzüge…Ich finde ein Schnäppchen mit Balkonkabine für unglaublich wenig Geld, dafür bekämen wir kein Hotel nur zum Übernachten für eine Woche und so haben wir sogar Vollpension und den Transport noch dabei. Es geht von Havanna über Jamaika und Grand Cayman nach Cozumel in Mexiko. Das ist nicht weit von Cancun, von dort gibt es günstige Flüge nach Frankfurt. Eingetütet -nachdem ich die Einreisebestimmungen aller Länder studiert habe und wir mit Belas Pass keine Problem haben werden- gebucht und bezahlt. Eine Woche Strand in Varadero ist auch noch drin! Darauf freue ich mich besonders, weil ich Papas und unseren guten Freund Raul wiedersehe, der vor vielen Jahren in Deutschland gearbeitet hat. Seit 15 Jahren haben wir uns nicht mehr gesehen, nur telefoniert. Da Papa so schlimm krank war, kann er auch erstmal nicht nach Kuba, so könne wir allen liebe Grüße ausrichten. Und nun wissen wir auch, dass es am 30.3. nach Hause geht. Dann kommt uns Azul abholen, wollen ein bisschen schlendern und einkaufen. Mike möchte gerne die Sonne von der argentinischen Flagge auf den Nacken tätowiert haben, also suchen wir unser gegoogeltes Tattoostudio, was gut bewertet wurde, um einen Termin zu vereinbaren. Praktischerweise hat wohl gerade jemand abgesagt und er kann gleich bleiben. Hätten wir das schon mal erledigt. Wieder ein Souvenir, was keinen Platz im Gepäck braucht. Santiago, der Tätowierer freut sich auch.

Am Abend essen wir bei Azul. Ihre Eltern sind mit Abril und Luciano noch in Villa Gesell. So sind wir mit Morena und ihrem Freund Benhamin und Azul in der Wohnung und werden bekocht. Wir verabreden uns für den nächsten Tag mit Azuls Freundin Fleur und unserem Ritter Sport Kumpel Lisandro (ihn hatten wir 2014 in der Eisdiele kennengelernt, weil er mit uns deutsch sprechen konnte. Er war im Schwarzwald zum Austauschjahr und liebt Ritter Sport. Deshalb habe ich Azul immer ein paar Tafeln mitgegeben, wenn sie bei uns gewesen ist). Wir wollen nach Recoleta, auf den Friedhof. Evita besuchen. Es ist schön dort. Es ist wie wir es kennen. Danach gehen wir ins Havanna und trinken Kaffee.

Wieder einen tollen Tag verbracht. Morgen gehts nach La Boca, das lieb ich besonders. Dort haben wir vor vier Jahren einen Mann getroffen, der seit 25 Jahren als Ameise verkleidet abhängt und Souvenirs verkauft. Ihn wollen wir suchen.

In La Boca herrscht immer ausgelassenes Treiben und eine besondere Stimmung. Ich könnte hier ewig rumhängen. Es ist wunderschön, obwohl es nur für Touristen ist. Es laufen dicke Maradonas herum, mit denen man sich fotografieren lassen kann oder -für die Männer- schicke Tangotänzerinnen, in knappen Fummeln, die den Herren das Bein auf die Schulter legen und den „Nimm-mich“- Blick aufsetzen.

Es dauert nicht so lange, bis ich den Antman entdecke. Also hin. Azul übersetzt, dass wir extra hergekommen sind, um ihn zu suchen. Er ist so gerührt, dass wir ihm zwei nicht sehr hübsche selbergebastelte Ameisen abkaufen. Wir unterhalten uns ein bisschen und als er uns allzu philosophisch wird, hauen wir ab. Das Leben als Ameise geht nicht spurlos an einem vorrüber. Und das seit nunmehr 29 Jahren…

Wir gehen etwas trinken und Atmosphäre schnuppern. Neben uns wird Tango getanzt und gesungen.

Wir reden über das heutige Bocas Spiel, was zum Glück auswärts stattfindet, sonst hätten wir gar nicht herkommen können.

Es gibt dann wohl noch mehr Randale als in Deutschland bei Dortmund gegen Schalke. So kommen wir von den Boca Juniors über gegen wen spielen die heute? Was ist heute für ein Datum? Der 5. sagt Azul und Mike schließt sich an. Ich sage, es ist der 4. und sie bestehen auf den 5.! Okay, mir rutscht das Herz sowas von in die Hose. Ich denke, wir fliegen am 5. nach Galapagos und zweifel an mir und meinen Planungskünsten. Das Trauma von Sao Paulo steckt mir immer noch in den Knochen (nachzulesen in: Weihnachten in Buenos Aires und Ausflug nach Deutschland). Ich hole mein Handy, öffne meine Mails und finde die Tickets. 5.2. von Buenos Aires nach Santa Cruz/Bolivien um 23 Uhr von Ezeiza. Ich schlucke. Ich wusste, wir fliegen am 5.2., ich habe das Hotel für drei Nächte gebucht, alles ist aufeinander abgestimmt gewesen. Wie kann das sein? Alles klar. Taxi und los, wir schaffen das. Es ist ja erst 18 Uhr. Zum Glück gucke ich vor einem überstürzten Aufbruch in den Kalender: SONNTAG,4.2.!!!! Ich bin fix und fertig. So fertig, das kriegt man nur mit Bier wieder hin! Das kann auch keiner nachempfinden. Ich hatte das Sao Paulo Gefühl! Mit Azul und Mike bin ich die nächsten 15 Minuten Feind! Sie haben das wirklich geglaubt und mich nicht veräppeln wollen, deshalb haben sie es so glaubhaft rüber gebracht. Bela war mir da auch keine Hilfe, da es ihm stets reichlich egal ist, was für ein Datum wir haben, außer am 24.12. und am 26.1. Nach ein paar Bierchen geht es besser. Quilmes vom Fass in La Boca, was willst du mehr? Alles wird gut! Ich bin halt nicht mehr die Jüngste 😉

Am Ende der bunten Häuserzeile finden wir ein Fahrradkunstwerk von Aiweiwei. Das ist ein chinesischer Künstler und Menschenrechtsaktivist, wir kennen ihn seit der Documenta 2007, als sein Holzturm Kunstwerk vor der Orangerie in Kassel im Sturm zusammengekracht ist und nicht wieder aufgebaut wurde. Nun laufen wir ihm hier ungeplant wieder über den Weg, vielmehr einem seiner Kunstwerke. Es ist beeindruckend und gefällt uns gut.

Es sind, glaube ich gelesen zu haben, 1254 Fahrräder. Hatten wir für einen kurzen Moment die Befürchtung, wir würden Mister Ant nicht finden, sitz er sogar auf dem Hemweg bei uns im Bus!

Am nächsten Tag packen wir die Sachen, ganz in Ruhe, wir fliegen ja erst um 23 Uhr am 5.2.!!!! Lagern sie bei Azul zwischen und packen Mike ins Bett, da er sich krank fühlt. Zum Glück sind wir mit ernsten Krankheiten oder Zwischenfällen auf der Reise bisher verschont geblieben. Bela, Azul und ich gehen ins El Ateneo Grand Splendid, der wahrscheinlich schönste Buchladen der Welt:

Er ist in einem ehemaligen Theater untergebracht und der bekannteste Buchladen in Buenos Aires. Das Theater wurde 1919 eröffnet, die Figuren und Wandmalereien nehmen Bezug auf den Waffenstillstand im ersten Weltkrieg. In den späten 1920ern wurde es in ein Kino umgewandelt und seit dem Jahr 2000 ist es ein Buchladen der Kette Ateneo. In den ehemaligen Logen befinden sich Lesesessel, in denen man die Bücher lesen kann, ohne sie zu kaufen. Auf der Bühne gibt es ein Cafe. 2008 wurde es vom Guardian zur zweitschönsten Buchhandlung der Welt ernannt. Der erste Platz ging an die Buchhandlung Dominicanenkerk in Maastricht. Seit 2000 ist es ein Kulturdenkmal der Stadt Buenos Aires. Natürlich findet Bela hier Stifte, die er für sein neues Malhobby braucht. Im Anschluß besuchen wir Azuls Uni, das ist auch ein schönes, altes Gebäude, aber leider extrem renovierungsbedürftig. Ich erlebe, wir es hier im Copyshop möglich ist, einzelne Kapitel oder auch komplette Bücher als Kopie vorzubestellen. Da die Bücher hier sehr teuer sind, empfehlen die Professoren sie als Kopie zu kaufen, das kostet etwa nur ein Zehntel. Noch günstiger, wenn man nur das Kapitel kauft, was man braucht. Bei uns undenkbar. Zurück in Palermo scheint Mike wieder hergestellt zu sein. Es gibt Marias Empanadas zum vorgezogenen Dinner um 19 Uhr, weil um 20 Uhr das Taxi kommt, um uns nach Ezeiza zu bringen.

Es wird ein tränenreicher Abschied, weil wir nicht wissen, wann wir Azul und schon gar nicht ihre Familie wiedersehen werden. Außerdem ist das Argentinien Kapitel jetzt vorbei und wir wissen nicht, was uns erwartet.

Am Flughafen klappt alles reibungslos, keine Probleme mit irgendwelchem Gepäck oder Tickets oder sonstigen nicht vorhersehbaren Schwierigkeiten. Der Zollbeamte ist zwar nicht begeistert von dem Schreiben der Botschaft, schimpft und knallte den Stempel in eine Lücke. Klappt! Wir starten pünktlich. Es ist dunkel, dann ist Buenos Aires von oben immer ein besonderes Spektakel.

Umsteigen in Bolivien klappt auch. Ist halt langweilig, so von 1 Uhr in der Nacht bis es um 7 Uhr weitergeht. Bela stört das nicht:

Und wir bekommen Kaffee geschenkt:

Es geht weiter über Lima, da haben wir nur 1 Stunde Aufenthalt, nach Quito, der höchstgelegenen Hauptstadt der Welt. Bela juckt auch das nicht besonders:

Quer durch Argentinien

Wir starten in Bariloche (der Abschied von Obama und den Jungs fiel uns schwer) in Richtung San Martin de los Andes, durch das Gebiet der sieben Seen. Da hatten schon so viele Leute von geschwärmt und wir müssen zugeben, es ist dort landschaftlich wirklich sehr schön.

San Martin gefällt uns nicht so gut, das heißt, es ist zwar ganz hübsch, uns aber zu touristisch. Wir checken auf dem einzigen Campingplatz in der Stadt ein, bekommen noch Rabatt mit unserer ADAC Karte und versuchen uns ein schönes Plätzchen zu suchen. Der Platz liegt direkt an der Ruta 40, das wurde auch so beschrieben und ich dachte noch, es kann ja nicht schlimm sein. Dann allerdings machen wir kein Auge zu, weil es wirklich arg laut ist. Die Motorräder fahren noch mitten in der Nacht schnell und laut vorbei, so dass ich denke, sie fahren durchs Zelt. Eine kurze Nacht also. Am nächsten Vormittag bummeln wir durch die Stadt, bleiben ein bisschen am Strand und hätten fast einen Ausflug zum Fliegenfischen für Mike und Bela gebucht, leider voll bis Mitte Februar.

Also fahren wir weiter. Wir wollen nach Junin de los Andes, bevor wir uns dann auf den Weg quer durch Argentinien machen, um nach 1596 Kilometern in Buenos Aires anzukommen. Junin gefällt uns viel besser. Wir entscheiden uns für den Campingplatz auf einer kleinen Insel, finden eine schöne Stelle direkt am Ufer eines kleinen Flüßchens und richten es uns gemütlich ein.

Der Platz am Flussufer ist richtig schön, Mike und Bela gehen gleich erstmal baden.

Danach gehen wir einkaufen. Im Örtchen ist alles geschlossen, es ist Sonntag. Aber der Supermarkt hat offen. Wir kaufen für ein kleines Grillen Gemüse, Salat und an der Fleischtheke einen Hähnchenschenkel und eine Bratwurst. Der Metzger guckt mich ganz komisch an. Ich denke, solch geringe Mengen hat er noch nie verkauft. Auch die anderen Kunden gucken merkwürdig. Wir legen alles zum Kühlen in den Fluß. Inzwischen sind auch unsere Nachbarn eingetroffen. Ein Herr wollte Mike wohl nach Mate fragen (sie hatten ihre vergessen) und seine Frau schüttelt nur den Kopf und sagt : „Aleman“, da holt Mike unsere Mate raus und bringt sie damit zum Staunen. Sie sind aus Peru und sehr nett. Sie machen sehr großes Asado.

Unser Asado dagegen:

Als es fertig ist, bringen sie uns ein Probierstückchen, von dem wir so satt werden, dass wir unser Grillen auf später verschieben müssen. Wir gehen also nochmal spazieren. Hinter dem Campingplatz ist ein größerer, aber flacher Fluß. Dort kann man auch baden.

Wir spazieren am Ufer entlang und treffen einen Herrn, der sich zum Fliegenfischen bereit macht. Mit so einer speziellen Hose mit Gummistiefeln gleich unten dran. Bela guckt interessiert und schon bekommt er einen Fliegenfischenvortrag und einen selbergemachten Haken geschenkt.

Leider ist das Fischen dann nicht von Erfolg gekrönt, weil einfach noch zuviele Menschen am und im Wasser unterwegs sind und Krach machen. Wir warten, bis er schließlich frustriert wieder aus dem Wasser steigt.

Unser BBQ am Abend wird schön, wir sitzen noch lange und versuchen uns mit den Peruanern zu unterhalten. Sie kein englisch, wir nicht ausreichend spanisch. Es wird ein lustiges Geplauder.

Gegen 22 Uhr brechen sie dann auf, sie wohnen in Neuquen und müssen noch 5 Stunden fahren. Morgen ist Montag und sie müssen wieder arbeiten. Krass, da wird gefeiert bis zum Schluß, gefahren bis um 3 Uhr und dann arbeiten gegangen. Die wissen, wie man das Leben zu nehmen hat. Das haben wir in Argentinien aber schon oft erlebt. Auch sehr spätes Abendessen, wo unsereins sich stundenlang mit voller Plautze im Bett wälzt und nicht schlafen kann. Die feiern einfach weiter, gehen um 4 Uhr schlafen, stehen um 6:30 uhr auf, essen einen Cracker mit Dulce de Leche und gehen arbeiten. Na gut, dann haben viele von ihnen von 13 Uhr bis 17 Uhr Siesta und schlafen meistens… Wir brechen am nächsten Morgen nach dem Frühstück dann auch Richtung Neuquen auf mit dem Ziel, soweit wie möglich, gerne auch bis hinter Neuquen.

Wir kommen gut voran. Die Landschaft ist wieder anders. Anderes Nichts mittendrin. Pampa. Aber immer noch Patagonien. Unvorstellbar, wie groß Patagonien ist.

Leider versagt 200 Kilometer vor Neuquen der Servomotor der Lenkung, was das Fahren ziemlich anstrengend macht. Nun kann ich Mike nicht mehr ablösen. Kurz danach quittiert die Klimaanlage ihren Dienst. Das ist genauso blöd. Wir sind nicht mehr in Feuerland, das bedeutet, es ist ziemlich heiß draußen. Also erstmal Pause und raus aus der Hitze. Wir kommen in einen „Ort“, dort gibt es eine Tankstelle, einen Kiosk und ein Restaurant. So ein typischer Ort im Nichts eben. In Deutschland würden wir sagen, die haben alle die gleiche Blutgruppe da. Wir gehen in das Restaurant. Da wir jedoch nicht mehr genug Bargeld haben, fagen wir, ob sie Karten nehmen oder Dollar. Beides nicht. Gut, dann versuchen wir es im Kiosk, wir brauchen ja eigentlich nur ein kaltes Getränk. Unsere Kühlbox kühlt nämich auch nur noch dann, wenn sie es für nötig hält. Dementsprechend haben wir warmes Wasser und geschmolzene Butter im Angebot. Auch im Kiosk ist es nicht möglich mit Karte oder Dollar zu zahlen. Sie schickt uns um die Ecke, da sei noch ein anderer Laden, die würden eventuell wechseln. Wir versuchen es, das Schild sagt „Abierto“, was soviel heißt wie: Offen! Wir gucken uns um. Finden kalte Getränke und sogar Empanadas und Salat auf der Karte. Wir freuen uns solange, bis die Verkäuferin endlich mal vom Handy aufschaut und uns zu erklären versucht, dass wohl doch geschlossen ist. Wir zeigen ihr das Schild, sie zuckt nur mit den Schultern und widmet sich wieder ihrem Handy. Auf dem Weg zurück zum Parkplatz stolpern wir über einen Geldautomaten. Den hat bisher niemand erwähnt. Naja, die nächste Schule ist wahrscheinlich zu weit weg…Wir glauben nicht dran, versuchen aber dennoch Geld zu holen. Immerhin haben wir in der Hauptstadt bisher mehr leere als volle Geldautomaten gefunden. Es klappt tatsächlich, wir bekommen Geld und somit auch kalte Getränke und Empanadas im Restaurant. Wir versuchen erst gar nicht, sie darauf hinzuweisen, dass sich 15 Meter weiter ein Geldautomat befindet. Die haben hier ja wirklich gar nichts. Kaum vorstellbar. Ist aber so! Weiter gehts zunächst 35 Kilometer mit Klimaanlage, dann wieder ohne. Lenken wird schwieriger. Wir schaffen es bis in eine Toyota Werkstatt, zum Glück ist Neuquen recht groß und es ist kein Problem eine Werkstatt zu finden. Da wir in Bariloche zu Nipponcar gehen sollen, machen wir das hier jetzt auch. Sie checken es kurz und telefonieren netterweise mit dem Autovermieter. Die Hoppetosse ist total kaputt, sie werden bis morgen brauchen, um es wieder hinzukriegen. Der Vermieter will es jedoch dort nicht machen lassen, der Kostenvoranschlag ist zugegeben ziemlich teuer. Er nennt uns eine andere Werkstatt und sagt, wir sollen dorthin fahren. Wollen wir aber nicht. Soll er sich kümmern. Soll es von der anderen Werkstatt holen lassen. Verspricht er uns. Wir suchen ein Hotel und werden mit dem Taxi hingefahren. Das Hotel ist super.

Wir checken für eine Nacht ein und fragen aber vorsichtshalber schon mal nach einem late check out. Morgen Nachmittag soll es fertig sein. Wir erfrischen uns im Pool und gehen zum Dinner ins Hotelrestaurant. Es hat ein Casino, da darf Bela aber leider nicht rein. Er freut sich auf Las Vegas! Das Zimmer ist riesig und hat ein sehr schönes Bad mit Wanne und Dusche. Wir haben direkten Poolzugang. Es ist so anders als Camping. Ich versuche am nächsten Tag die Flüge nach Vegas und die Esta Formalitäten für die USA Einreise zu erledigen, weil es hier ganz gutes Internet gibt. Die Werkstatt meldet sich, um 18 Uhr können wir das Auto holen. Also bleiben wir erstmal im Zimmer. Die Hotelmitarbeiter sind super nett und arrangieren es so, dass wir das Zimmer behalten können. Die Flüge finde ich schnell, sie sind ganz gut mit vernünftigen Umsteigezeiten und so habe ich die schon mal sicher. Am 14.2. gehts nach Vegas! Ich freu mich. Mit dem Camper durch USA, Grand Canyon ein zweites Mal für mich, für Mike und Bela das erste Mal. Bela hat es sich gewünscht, ebenso in Vegas das Hotel mit der Achterbahn im Erdgeschoss. Die Esta Formalure für Mike und mich sind rasch erledigt, ich buche für eine Gruppe, das heißt, bezahlt wird zum Schluß für alle. Bei Bela gerät die Sache ins Stocken. Das Formular will seine Passnummer nicht akzeptieren. Es dauert ein bisschen, bis ich herausfinde, dass er mit seinem Reisekinderausweis nur mit Visum reinkommt. Okay, Visum…kein Problem. Wir sind noch vier Tage in Buenos Aires, da gibt es eine Botschaft. Ich rufe also bei der Botschaft in Buenos Aires an und bekomme die Vorgehensweise erklärt. Ich registriere mich auf einer Internetseite, das Netz bricht immer wieder zusammen und es dauert. Schließlich zahle 160 Dollar für die Terminvergabe zum Bewerbungsinterview. Das alles zieht sich und meine Laune ist nicht mehr die beste. Der nächste freie Interviewtermin ist dann am 18.3.2018! Am 18.3. wollten wir bereits in Panama sein. Jetzt will ich gerade selber nicht in meiner Nähe sein! Ich will meine Gesichtsfarbe gar nicht wissen. Ich bin so sauer. Und geschockt. Es geht um ein Kind, mit einem Ausweis, mit dem wir in keinem Land der Welt bisher Probleme hatten, höchstens, dass die Leute gestaunt haben, wieviele Stempel aus wievielen Ländern da schon drin sind. Ich habe denen also 160 Dollar in den Hals geschmissen für nix. Dass dies eine Gültigkeit von 12 Monaten besitzt, nützt mir nichts, weil wir für ein Visum auch nur in dem Land vorsprechen dürfen, in dem wir das Geld bezahlt haben. Außerdem wird Bela nächstes Jahr 12 und bekommt einen „richtigen“ Reisepass! Als nächstes fallen mir die Flüge ein, die gebucht und bezahlt sind. Nun wird mir noch schlechter. Bela tröstet mich immer ganz kurz und verschwindet lieber schnell wieder im sicheren Pool. Mike hat sich ins Fitnessstudio verpisst, guckt wie ein Dackel und stellt keine Fragen. Zum Glück habe ich den Camper noch nicht gebucht. Da es in Deutschland bereits Abend ist und die Opodohotline schon Feierabend hat, rufe ich in England an. Die arbeiten da länger. Ranjid kommt ans Telefon und obwohl ich eigentlich nicht in der Stimmung bin, muss ich schmunzeln und an Kaya Yanar denken. Ich schildere mein Problem, soll ein paar Minuten warten und bekomme endlich mal gute Nachrichten („Be häb good news, Mäm“) Zum Glück bekommen wir das komplette Geld zurück, da ich gerade erst gebucht habe. Es handelt sich hierbei um nicht weniger als 2045 Euro und 35 Cent! Ich bin erleichtert. Der Mann an der Hotline war großartig, hat mir sehr geholfen und ich verspreche ihm, eine gute Bewertung über Opodo zu schreiben, was ich auch promt tat. Ich hatte gegen 17:30 Uhr bereits beschlossen, heute nicht weiter zu fahren. Dieser Tag war für mich der anstrengenste auf der ganzen Reise bisher, warum also jetzt weiter Stress machen und losfahren? Die Autovermietung zahlt ja sowieso das Hotel. Schicke also Bela mit einem Zettel an die Rezeption, Mike ist schon mit dem Taxi los, um das Auto zu holen. Kaum ist Bela zurück, ruft die Rezeption an und fragt, ob wir noch Zimmerservice brauchen, weil wir ja noch bleiben und noch keinen hatten. Wie nett. Wir entscheiden uns nur für frische Handtücher und neues Shampoo. Ich kann jetzt niemanden zum Saubermachen um mich haben. Will meine Ruhe! Und ein paar Runden schwimmen, dafür ist der Pool ja da und es ist immer noch heiß draußen. So stehe ich also gerade bis zu den Knöcheln im Pool, als Mike aufgeregt zur Tür raus ruft. Es ist kein Auto da! Die Dame von der Wunschwerkstatt des Vermieters war so nett und hat Mike zurückgebracht. Helle Aufregung mal wieder. Leider ist es jetzt bereits 18:30 Uhr und weder der Autovermieter, noch die Werkstatt von gestern sind zu erreichen. Um kurz vor sieben kam dann ein Whatsapp vom Vermieter, wir können das Auto erst morgen früh abholen. Irgendwas hat mit der Rechnung nicht gestimmt. Er hat das Auto doch in der anderen Werkstatt gelassen. Ich bin kurz vorm Platzen…und gehe schwimmen. Danach fahren wir mit dem Taxi in ein Brauhaus und trinken Bier. Und je mehr Bier, umso mehr kann uns USA mal!! Und das Auto kriegen wir auch nach Buenos Aires, am besten auf dem direkten Weg.

Das ist jedoch ein zu sportliches Ziel. Wir fahren mit der Lenkung 2.0 und einer frischen Klimaanlage erstmals die Wahnsinnsstrecke von 730 KM. Das ist unwahrscheinlich viel auf südamerikanischen Straßen. Zumal auch heute wieder nach etwa 250 KM die Klimaanlage aufgehört hat, für uns tätig zu sein. Wir suchen uns einen günstigen Platz für die Nacht, spielen Uno, essen und gehen schlafen. Mike hat neben seinem Zelt einen Hund, der ihn wohl mag. Aber auch Flöhe hat. Deshalb macht er die ganze Nacht schlabbernde Geräusche. Mike schläft nicht. Bela und ich dagegen schon. Und das, obwohl wir heute erst feststellen, dasss das Mückennetz im Zelt kaputt ist und wir es geschlossen lassen müssen. Es ist sehr warm. Der nächste Tag vergeht auch mit Fahren. Wir rutschen durch bis etwa 100 Kilometer vor Buenos Aires, wollen es jetzt doch noch ein bisschen langsamer angehen lassen zum Schluß, und halten an einer hübschen Lagune. Hübsch sicher, wäre Wasser drin. So stinkt es. Und es zuckt, mindestens 3,5 Mio Zuckmückenlarven sind hier zu Hause.

Wir mieten ein Cabana, das ist total praktisch, weil wir gleich das Auto entsprechend umpacken und saubermachen können.

Leider müssen wir abends mit Raid sprühen, weil die Mückenlarven ausgeschlüpft und in unsere Hütte eingezogen sind. Natürlich grillen wir, ein letztes Mal.

Auch hier werden wir wieder von unseren Nachbarn zum Probieren eingeladen. Nachdem wir so begeistert von dem peruanischen Asado waren, haben wir es hier mit fettigen Schweinerippchen und gegrillter Blutwurst zu tun. Ich versuche wenigstens noch den Schein zu wahren, was mir schwerfällt, und tu so, als ob. Es ist noch weit entfernt von gewöhnungsbedürftig. Bela spuckt es gnadenlos zurück auf den Teller. Mike ist fein raus und grinst schadenfroh. Zum Glück gibt hinterher einen Schnaps! Auch für Vegetarier.

In Buenos Aires klappt alles überraschend gut. Eigentlich wollten wir den Vermieter zur Strecke bringen, aber als er dann um die Ecke kommt, uns mit Küsschen begrüßt und so ehrlich nett und sympatisch ist, heben wir uns das für einen richtigen Schurken auf. Wir einigen uns richtig gut, d.h. wir bekommen einen ordentlichen Batzen Geld zurück und er entschuldigt sich unzählige Male. Für manches kann er ja auch nichts, er hätte das Auot einfach regelmäßig warten lassen müssen, dann wäre ihm und uns einiges an Ärger erspart geblieben. Dabei hatten wir ja richtig Glück, dass wir nicht irgendwo in der südargentinischen Steppe liegen geblieben sind oder durch Ausfall von Funktionen wie den Bremsen oder der Lenkung nicht noch etwas schlimmeres passiert ist. Letztenendes war es ein super tolles Abenteuer mit unserer Hoppetosse und wir hatten einmalige Erlebnisse. Der Vermieter hat es zum Abschluß verstanden, uns mit einem guten Gefühl weiter zu schicken. So sitzen wir im Taxi und fahren geradewegs in den Smog von Buenos Aires. Mit ein bisschen Wehmut….mal wieder. Es ist ein weiterer Abschnitt zu Ende.

In unserer Lieblingsstadt Südamerikas verbringen wir noch drei aufregende Tage!

Belas Geburtstag in Bariloche

Der Geburtstagsmorgen verläuft für Bela sehr spannend. Bereits am Abend vorher hat mir Paolo eine Torte im Kühlschrank gezeigt. Ich habe mich sehr gefreut, dass unsere Bestellung mit Zahl und Name drauf schon am Vorabend geliefert wurde. Allerdings fehlte auf dieser sowohl der Name, als auch die Zahl und es war keine Schokoladentorte, wie ich es bestellt hatte. Wollte gerade schon sauer werden, als ich schließlich gerafft habe, dass die Geburtstagstorte von Paulo für Bela ist. Wie nett. Jetzt haben wir zwei!

Als wir kurz nach Mitternacht ins Bett gegangen sind, hat er schon seit erstes kleines Geschenk bekommen. Da er auf dieser Reise zu malen begonnen hat, bekommt eine Packung Faber Castell Neon Stifte. In Calafate hat er sich schon ein schönes Skizzenbuch gekauft und malt seitdem Vorlagen für ein Tattoo für Mikes untätowierte Wade. Und, was er so sieht.

Wir stehen auf und schmücken unseren Frühstücksplatz. Paolo ist aufgeregter als wir, es macht Spaß. Wir haben Luftschlangen und Luftballons gefunden und eine 11 Kerze. Das Mädel aus der Bäckerei klopft um 8:30 Uhr an unsere Zimmertür.

Der Jubilar betritt den Saal und bekommt die Augen zugehalten. Er freut sich sehr über seinen Geburtstagstisch. Es gibt ein kleines Feuerwerk auf dem Kuchen.

Da wir ein bisschen Zeit zum Shoppen ohne ihn hatten, bekommt er von Onkel und Tante aus Weimar ein tolles Taschenmesser, vom Patenonkel ein Fernglas und aus Bad Wildungen Lego, was er sich sooo dringend gewünscht hat. Alles weltreisekonform.

Natürlich bekommt er nach dem Kerzenauspusten ein Ständchen auf spanisch von den anderen Gästen. Alle gratulieren, die meisten mit Küsschen. Dafür stellen wir die Torten auf den Kaffeetisch, alleine schaffen wir das nicht! Tommy kommt zu uns an den Tisch, er ist 6 und Belas neuer Freund.

Er futtert in affenartiger Geschwindigkeit ein ziemlich großes Stück Torte und bekommt von seiner Mutter dazu Cafe con leche (Milchkaffee), den trinken die Kinder in Argentinien, weil er stark macht. Leichte Zweifel kommen in mir hoch…Nach dem Kuchen isst er noch 10 Schokoladentaler, die ich als Deko besorgt habe und Bela nicht schmecken. Er steckt sie sich alle auf einmal in den Mund. Von der Mutter bekommt er noch ein großes Glas Cola, er soll noch etwas trinken nach dem Frühstück. Ich staune nicht mal mehr. Wir haben das Hosteria Frühstück um Käse und Wurst ergänzt, weil wir mit diesem Süßkram nicht klar kommen. Auch hier gibt es Cracker, geröstetes Weißbrot und Marmelade. So hat der 6 Jährige um 9 Uhr bereits seine (für meine Begriffe) Wochenration Zucker intus plus eine große Tasse Kaffee. Ich sag noch so: „das kommt nachher alles wieder raus“.

Nicht unser Problem. Wir fahren Richtung Berg. Es geht 4 Kilometer Schotter- und Feldweg bergauf. Der Blick über Bariloche und den See ist toll. Oben angekommen finden wir Halligalli der feinsten Sorte. Ein erstklassig ausgestatteter Hochseilgarten mit schweizer Knowhow. Der Hochseilgartenmeister hat 4 Jahre in der Schweiz gelebt und den Krempel mitgebracht.

Es gibt eine Reifenrutsche den ganzen Berg runter und eine Zipride Anlage, mehrere Lifte auf den Berg rauf und für den Winter verschiedene Skipisten. Bela und Mike checken ein, ich nicht. Mein Hochseilgartenhunger ist gestillt, seitdem ich mich in Österreich auf der ersten Plattform -kaum war ich oben- 45 Minuten am Baumstamm wie ein Äffchen festgeklammert habe und nur durch gutes Zureden und Begleitung eines zweiten Trainers in der Lage war, den Parcours zu machen. Ich bummel also ein bisschen rum, mache Bilder, trinke schlechten Kaffee und beobachte die beiden Kletterer. Die Parcoure sind toll. Es macht Spaß zuzuschauen.

Danach möchte Bela eine Runde Zipride machen, da die Reifenrutsche gesperrt ist. Also fahren wir alle mit dem Lift nach oben.

Dort ist der Ausblick noch besser. Mir rutscht allerdings das Herz in die Hose, als es für Bela losgeht. Erst 500 Meter bergab und dann umsteigen und nochmal 1000 Meter.

Als wir mit dem Lift wieder unten ankommen, wartet er bereits strahlend auf uns.

Wir besuchen ein Havanna zum Geburtstagskaffee. Da wir dort Internet haben, kommen zahlreiche Geburtstagsanrufe für Bela.

Neben dem Havanna gibt es eine Sommerrodelbahn, die wird auch gleich noch mitgenommen. Zurück in der Hosteria für eine kurze Siesta, spielt Bela mit Tommy und seinem Bruder Fussball. Dann passiert, was ich schon morgens für nicht ganz unwahrscheinlich gehalten habe: Tommy kotzt auf den Rasen. Einer der Hunde freut sich drüber 😉

Am Abend gehen wir wieder ins Alto de Fuego, wo wir reserviert haben. Ich schmücke den Tisch, wir essen das beste Beef ever und Bela erlaubt uns sogar eine Flasche vorzüglichen patagonischen Malbec. Er bekommt ein Desert mit Kerze, das Licht wird ausgemacht und ein Geburtstagslied gesungen.

Es war ein toller Tag! Bela hat es Spaß gemacht, das war die Idee dabei.