Quer durch Argentinien

Wir starten in Bariloche (der Abschied von Obama und den Jungs fiel uns schwer) in Richtung San Martin de los Andes, durch das Gebiet der sieben Seen. Da hatten schon so viele Leute von geschwärmt und wir müssen zugeben, es ist dort landschaftlich wirklich sehr schön.

San Martin gefällt uns nicht so gut, das heißt, es ist zwar ganz hübsch, uns aber zu touristisch. Wir checken auf dem einzigen Campingplatz in der Stadt ein, bekommen noch Rabatt mit unserer ADAC Karte und versuchen uns ein schönes Plätzchen zu suchen. Der Platz liegt direkt an der Ruta 40, das wurde auch so beschrieben und ich dachte noch, es kann ja nicht schlimm sein. Dann allerdings machen wir kein Auge zu, weil es wirklich arg laut ist. Die Motorräder fahren noch mitten in der Nacht schnell und laut vorbei, so dass ich denke, sie fahren durchs Zelt. Eine kurze Nacht also. Am nächsten Vormittag bummeln wir durch die Stadt, bleiben ein bisschen am Strand und hätten fast einen Ausflug zum Fliegenfischen für Mike und Bela gebucht, leider voll bis Mitte Februar.

Also fahren wir weiter. Wir wollen nach Junin de los Andes, bevor wir uns dann auf den Weg quer durch Argentinien machen, um nach 1596 Kilometern in Buenos Aires anzukommen. Junin gefällt uns viel besser. Wir entscheiden uns für den Campingplatz auf einer kleinen Insel, finden eine schöne Stelle direkt am Ufer eines kleinen Flüßchens und richten es uns gemütlich ein.

Der Platz am Flussufer ist richtig schön, Mike und Bela gehen gleich erstmal baden.

Danach gehen wir einkaufen. Im Örtchen ist alles geschlossen, es ist Sonntag. Aber der Supermarkt hat offen. Wir kaufen für ein kleines Grillen Gemüse, Salat und an der Fleischtheke einen Hähnchenschenkel und eine Bratwurst. Der Metzger guckt mich ganz komisch an. Ich denke, solch geringe Mengen hat er noch nie verkauft. Auch die anderen Kunden gucken merkwürdig. Wir legen alles zum Kühlen in den Fluß. Inzwischen sind auch unsere Nachbarn eingetroffen. Ein Herr wollte Mike wohl nach Mate fragen (sie hatten ihre vergessen) und seine Frau schüttelt nur den Kopf und sagt : „Aleman“, da holt Mike unsere Mate raus und bringt sie damit zum Staunen. Sie sind aus Peru und sehr nett. Sie machen sehr großes Asado.

Unser Asado dagegen:

Als es fertig ist, bringen sie uns ein Probierstückchen, von dem wir so satt werden, dass wir unser Grillen auf später verschieben müssen. Wir gehen also nochmal spazieren. Hinter dem Campingplatz ist ein größerer, aber flacher Fluß. Dort kann man auch baden.

Wir spazieren am Ufer entlang und treffen einen Herrn, der sich zum Fliegenfischen bereit macht. Mit so einer speziellen Hose mit Gummistiefeln gleich unten dran. Bela guckt interessiert und schon bekommt er einen Fliegenfischenvortrag und einen selbergemachten Haken geschenkt.

Leider ist das Fischen dann nicht von Erfolg gekrönt, weil einfach noch zuviele Menschen am und im Wasser unterwegs sind und Krach machen. Wir warten, bis er schließlich frustriert wieder aus dem Wasser steigt.

Unser BBQ am Abend wird schön, wir sitzen noch lange und versuchen uns mit den Peruanern zu unterhalten. Sie kein englisch, wir nicht ausreichend spanisch. Es wird ein lustiges Geplauder.

Gegen 22 Uhr brechen sie dann auf, sie wohnen in Neuquen und müssen noch 5 Stunden fahren. Morgen ist Montag und sie müssen wieder arbeiten. Krass, da wird gefeiert bis zum Schluß, gefahren bis um 3 Uhr und dann arbeiten gegangen. Die wissen, wie man das Leben zu nehmen hat. Das haben wir in Argentinien aber schon oft erlebt. Auch sehr spätes Abendessen, wo unsereins sich stundenlang mit voller Plautze im Bett wälzt und nicht schlafen kann. Die feiern einfach weiter, gehen um 4 Uhr schlafen, stehen um 6:30 uhr auf, essen einen Cracker mit Dulce de Leche und gehen arbeiten. Na gut, dann haben viele von ihnen von 13 Uhr bis 17 Uhr Siesta und schlafen meistens… Wir brechen am nächsten Morgen nach dem Frühstück dann auch Richtung Neuquen auf mit dem Ziel, soweit wie möglich, gerne auch bis hinter Neuquen.

Wir kommen gut voran. Die Landschaft ist wieder anders. Anderes Nichts mittendrin. Pampa. Aber immer noch Patagonien. Unvorstellbar, wie groß Patagonien ist.

Leider versagt 200 Kilometer vor Neuquen der Servomotor der Lenkung, was das Fahren ziemlich anstrengend macht. Nun kann ich Mike nicht mehr ablösen. Kurz danach quittiert die Klimaanlage ihren Dienst. Das ist genauso blöd. Wir sind nicht mehr in Feuerland, das bedeutet, es ist ziemlich heiß draußen. Also erstmal Pause und raus aus der Hitze. Wir kommen in einen „Ort“, dort gibt es eine Tankstelle, einen Kiosk und ein Restaurant. So ein typischer Ort im Nichts eben. In Deutschland würden wir sagen, die haben alle die gleiche Blutgruppe da. Wir gehen in das Restaurant. Da wir jedoch nicht mehr genug Bargeld haben, fagen wir, ob sie Karten nehmen oder Dollar. Beides nicht. Gut, dann versuchen wir es im Kiosk, wir brauchen ja eigentlich nur ein kaltes Getränk. Unsere Kühlbox kühlt nämich auch nur noch dann, wenn sie es für nötig hält. Dementsprechend haben wir warmes Wasser und geschmolzene Butter im Angebot. Auch im Kiosk ist es nicht möglich mit Karte oder Dollar zu zahlen. Sie schickt uns um die Ecke, da sei noch ein anderer Laden, die würden eventuell wechseln. Wir versuchen es, das Schild sagt „Abierto“, was soviel heißt wie: Offen! Wir gucken uns um. Finden kalte Getränke und sogar Empanadas und Salat auf der Karte. Wir freuen uns solange, bis die Verkäuferin endlich mal vom Handy aufschaut und uns zu erklären versucht, dass wohl doch geschlossen ist. Wir zeigen ihr das Schild, sie zuckt nur mit den Schultern und widmet sich wieder ihrem Handy. Auf dem Weg zurück zum Parkplatz stolpern wir über einen Geldautomaten. Den hat bisher niemand erwähnt. Naja, die nächste Schule ist wahrscheinlich zu weit weg…Wir glauben nicht dran, versuchen aber dennoch Geld zu holen. Immerhin haben wir in der Hauptstadt bisher mehr leere als volle Geldautomaten gefunden. Es klappt tatsächlich, wir bekommen Geld und somit auch kalte Getränke und Empanadas im Restaurant. Wir versuchen erst gar nicht, sie darauf hinzuweisen, dass sich 15 Meter weiter ein Geldautomat befindet. Die haben hier ja wirklich gar nichts. Kaum vorstellbar. Ist aber so! Weiter gehts zunächst 35 Kilometer mit Klimaanlage, dann wieder ohne. Lenken wird schwieriger. Wir schaffen es bis in eine Toyota Werkstatt, zum Glück ist Neuquen recht groß und es ist kein Problem eine Werkstatt zu finden. Da wir in Bariloche zu Nipponcar gehen sollen, machen wir das hier jetzt auch. Sie checken es kurz und telefonieren netterweise mit dem Autovermieter. Die Hoppetosse ist total kaputt, sie werden bis morgen brauchen, um es wieder hinzukriegen. Der Vermieter will es jedoch dort nicht machen lassen, der Kostenvoranschlag ist zugegeben ziemlich teuer. Er nennt uns eine andere Werkstatt und sagt, wir sollen dorthin fahren. Wollen wir aber nicht. Soll er sich kümmern. Soll es von der anderen Werkstatt holen lassen. Verspricht er uns. Wir suchen ein Hotel und werden mit dem Taxi hingefahren. Das Hotel ist super.

Wir checken für eine Nacht ein und fragen aber vorsichtshalber schon mal nach einem late check out. Morgen Nachmittag soll es fertig sein. Wir erfrischen uns im Pool und gehen zum Dinner ins Hotelrestaurant. Es hat ein Casino, da darf Bela aber leider nicht rein. Er freut sich auf Las Vegas! Das Zimmer ist riesig und hat ein sehr schönes Bad mit Wanne und Dusche. Wir haben direkten Poolzugang. Es ist so anders als Camping. Ich versuche am nächsten Tag die Flüge nach Vegas und die Esta Formalitäten für die USA Einreise zu erledigen, weil es hier ganz gutes Internet gibt. Die Werkstatt meldet sich, um 18 Uhr können wir das Auto holen. Also bleiben wir erstmal im Zimmer. Die Hotelmitarbeiter sind super nett und arrangieren es so, dass wir das Zimmer behalten können. Die Flüge finde ich schnell, sie sind ganz gut mit vernünftigen Umsteigezeiten und so habe ich die schon mal sicher. Am 14.2. gehts nach Vegas! Ich freu mich. Mit dem Camper durch USA, Grand Canyon ein zweites Mal für mich, für Mike und Bela das erste Mal. Bela hat es sich gewünscht, ebenso in Vegas das Hotel mit der Achterbahn im Erdgeschoss. Die Esta Formalure für Mike und mich sind rasch erledigt, ich buche für eine Gruppe, das heißt, bezahlt wird zum Schluß für alle. Bei Bela gerät die Sache ins Stocken. Das Formular will seine Passnummer nicht akzeptieren. Es dauert ein bisschen, bis ich herausfinde, dass er mit seinem Reisekinderausweis nur mit Visum reinkommt. Okay, Visum…kein Problem. Wir sind noch vier Tage in Buenos Aires, da gibt es eine Botschaft. Ich rufe also bei der Botschaft in Buenos Aires an und bekomme die Vorgehensweise erklärt. Ich registriere mich auf einer Internetseite, das Netz bricht immer wieder zusammen und es dauert. Schließlich zahle 160 Dollar für die Terminvergabe zum Bewerbungsinterview. Das alles zieht sich und meine Laune ist nicht mehr die beste. Der nächste freie Interviewtermin ist dann am 18.3.2018! Am 18.3. wollten wir bereits in Panama sein. Jetzt will ich gerade selber nicht in meiner Nähe sein! Ich will meine Gesichtsfarbe gar nicht wissen. Ich bin so sauer. Und geschockt. Es geht um ein Kind, mit einem Ausweis, mit dem wir in keinem Land der Welt bisher Probleme hatten, höchstens, dass die Leute gestaunt haben, wieviele Stempel aus wievielen Ländern da schon drin sind. Ich habe denen also 160 Dollar in den Hals geschmissen für nix. Dass dies eine Gültigkeit von 12 Monaten besitzt, nützt mir nichts, weil wir für ein Visum auch nur in dem Land vorsprechen dürfen, in dem wir das Geld bezahlt haben. Außerdem wird Bela nächstes Jahr 12 und bekommt einen „richtigen“ Reisepass! Als nächstes fallen mir die Flüge ein, die gebucht und bezahlt sind. Nun wird mir noch schlechter. Bela tröstet mich immer ganz kurz und verschwindet lieber schnell wieder im sicheren Pool. Mike hat sich ins Fitnessstudio verpisst, guckt wie ein Dackel und stellt keine Fragen. Zum Glück habe ich den Camper noch nicht gebucht. Da es in Deutschland bereits Abend ist und die Opodohotline schon Feierabend hat, rufe ich in England an. Die arbeiten da länger. Ranjid kommt ans Telefon und obwohl ich eigentlich nicht in der Stimmung bin, muss ich schmunzeln und an Kaya Yanar denken. Ich schildere mein Problem, soll ein paar Minuten warten und bekomme endlich mal gute Nachrichten („Be häb good news, Mäm“) Zum Glück bekommen wir das komplette Geld zurück, da ich gerade erst gebucht habe. Es handelt sich hierbei um nicht weniger als 2045 Euro und 35 Cent! Ich bin erleichtert. Der Mann an der Hotline war großartig, hat mir sehr geholfen und ich verspreche ihm, eine gute Bewertung über Opodo zu schreiben, was ich auch promt tat. Ich hatte gegen 17:30 Uhr bereits beschlossen, heute nicht weiter zu fahren. Dieser Tag war für mich der anstrengenste auf der ganzen Reise bisher, warum also jetzt weiter Stress machen und losfahren? Die Autovermietung zahlt ja sowieso das Hotel. Schicke also Bela mit einem Zettel an die Rezeption, Mike ist schon mit dem Taxi los, um das Auto zu holen. Kaum ist Bela zurück, ruft die Rezeption an und fragt, ob wir noch Zimmerservice brauchen, weil wir ja noch bleiben und noch keinen hatten. Wie nett. Wir entscheiden uns nur für frische Handtücher und neues Shampoo. Ich kann jetzt niemanden zum Saubermachen um mich haben. Will meine Ruhe! Und ein paar Runden schwimmen, dafür ist der Pool ja da und es ist immer noch heiß draußen. So stehe ich also gerade bis zu den Knöcheln im Pool, als Mike aufgeregt zur Tür raus ruft. Es ist kein Auto da! Die Dame von der Wunschwerkstatt des Vermieters war so nett und hat Mike zurückgebracht. Helle Aufregung mal wieder. Leider ist es jetzt bereits 18:30 Uhr und weder der Autovermieter, noch die Werkstatt von gestern sind zu erreichen. Um kurz vor sieben kam dann ein Whatsapp vom Vermieter, wir können das Auto erst morgen früh abholen. Irgendwas hat mit der Rechnung nicht gestimmt. Er hat das Auto doch in der anderen Werkstatt gelassen. Ich bin kurz vorm Platzen…und gehe schwimmen. Danach fahren wir mit dem Taxi in ein Brauhaus und trinken Bier. Und je mehr Bier, umso mehr kann uns USA mal!! Und das Auto kriegen wir auch nach Buenos Aires, am besten auf dem direkten Weg.

Das ist jedoch ein zu sportliches Ziel. Wir fahren mit der Lenkung 2.0 und einer frischen Klimaanlage erstmals die Wahnsinnsstrecke von 730 KM. Das ist unwahrscheinlich viel auf südamerikanischen Straßen. Zumal auch heute wieder nach etwa 250 KM die Klimaanlage aufgehört hat, für uns tätig zu sein. Wir suchen uns einen günstigen Platz für die Nacht, spielen Uno, essen und gehen schlafen. Mike hat neben seinem Zelt einen Hund, der ihn wohl mag. Aber auch Flöhe hat. Deshalb macht er die ganze Nacht schlabbernde Geräusche. Mike schläft nicht. Bela und ich dagegen schon. Und das, obwohl wir heute erst feststellen, dasss das Mückennetz im Zelt kaputt ist und wir es geschlossen lassen müssen. Es ist sehr warm. Der nächste Tag vergeht auch mit Fahren. Wir rutschen durch bis etwa 100 Kilometer vor Buenos Aires, wollen es jetzt doch noch ein bisschen langsamer angehen lassen zum Schluß, und halten an einer hübschen Lagune. Hübsch sicher, wäre Wasser drin. So stinkt es. Und es zuckt, mindestens 3,5 Mio Zuckmückenlarven sind hier zu Hause.

Wir mieten ein Cabana, das ist total praktisch, weil wir gleich das Auto entsprechend umpacken und saubermachen können.

Leider müssen wir abends mit Raid sprühen, weil die Mückenlarven ausgeschlüpft und in unsere Hütte eingezogen sind. Natürlich grillen wir, ein letztes Mal.

Auch hier werden wir wieder von unseren Nachbarn zum Probieren eingeladen. Nachdem wir so begeistert von dem peruanischen Asado waren, haben wir es hier mit fettigen Schweinerippchen und gegrillter Blutwurst zu tun. Ich versuche wenigstens noch den Schein zu wahren, was mir schwerfällt, und tu so, als ob. Es ist noch weit entfernt von gewöhnungsbedürftig. Bela spuckt es gnadenlos zurück auf den Teller. Mike ist fein raus und grinst schadenfroh. Zum Glück gibt hinterher einen Schnaps! Auch für Vegetarier.

In Buenos Aires klappt alles überraschend gut. Eigentlich wollten wir den Vermieter zur Strecke bringen, aber als er dann um die Ecke kommt, uns mit Küsschen begrüßt und so ehrlich nett und sympatisch ist, heben wir uns das für einen richtigen Schurken auf. Wir einigen uns richtig gut, d.h. wir bekommen einen ordentlichen Batzen Geld zurück und er entschuldigt sich unzählige Male. Für manches kann er ja auch nichts, er hätte das Auot einfach regelmäßig warten lassen müssen, dann wäre ihm und uns einiges an Ärger erspart geblieben. Dabei hatten wir ja richtig Glück, dass wir nicht irgendwo in der südargentinischen Steppe liegen geblieben sind oder durch Ausfall von Funktionen wie den Bremsen oder der Lenkung nicht noch etwas schlimmeres passiert ist. Letztenendes war es ein super tolles Abenteuer mit unserer Hoppetosse und wir hatten einmalige Erlebnisse. Der Vermieter hat es zum Abschluß verstanden, uns mit einem guten Gefühl weiter zu schicken. So sitzen wir im Taxi und fahren geradewegs in den Smog von Buenos Aires. Mit ein bisschen Wehmut….mal wieder. Es ist ein weiterer Abschnitt zu Ende.

In unserer Lieblingsstadt Südamerikas verbringen wir noch drei aufregende Tage!

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