Wir checken ein. Haben uns diesmal gegen unser Stammhotel entschieden. Ausländische Touristen müssen in Argentinien keine Hotelsteuer bezahlen. Das verstehe wer will, aber es ist so. Also möchten wir das auch nicht. Unser hübsches super gelegenes Stammhotel will das nicht einsehen und nicht drauf verzichten. Also gehen wir woanders hin! Ist auch noch schöner dort 😉 Wir haben Internet, endlich mal wieder gutes und ich suchen nach ein paar Bausteinen für unserer Reise. Bela möchte gerne eine Kreuzfahrt machen und Mike ist inzwischen so gechillt und kann sich runterfahren, dass er nichts dagegen hat. Ich bin sowieso Kreuzfahrtfan, finde es toll, die Orte zu wechseln ohne zu packen und mag es oben auf dem Deck zu sein und auf das Meer zu schauen. Die anderen Passagiere nehme ich gar nicht wahr. Die sind schon teilweise merkwürdig, dürfen das aber gerne von mir auch denken. Ich nehme halt nicht für jeden Abend ein anderes Kleid mit und für die Kinder Anzüge…Ich finde ein Schnäppchen mit Balkonkabine für unglaublich wenig Geld, dafür bekämen wir kein Hotel nur zum Übernachten für eine Woche und so haben wir sogar Vollpension und den Transport noch dabei. Es geht von Havanna über Jamaika und Grand Cayman nach Cozumel in Mexiko. Das ist nicht weit von Cancun, von dort gibt es günstige Flüge nach Frankfurt. Eingetütet -nachdem ich die Einreisebestimmungen aller Länder studiert habe und wir mit Belas Pass keine Problem haben werden- gebucht und bezahlt. Eine Woche Strand in Varadero ist auch noch drin! Darauf freue ich mich besonders, weil ich Papas und unseren guten Freund Raul wiedersehe, der vor vielen Jahren in Deutschland gearbeitet hat. Seit 15 Jahren haben wir uns nicht mehr gesehen, nur telefoniert. Da Papa so schlimm krank war, kann er auch erstmal nicht nach Kuba, so könne wir allen liebe Grüße ausrichten. Und nun wissen wir auch, dass es am 30.3. nach Hause geht. Dann kommt uns Azul abholen, wollen ein bisschen schlendern und einkaufen. Mike möchte gerne die Sonne von der argentinischen Flagge auf den Nacken tätowiert haben, also suchen wir unser gegoogeltes Tattoostudio, was gut bewertet wurde, um einen Termin zu vereinbaren. Praktischerweise hat wohl gerade jemand abgesagt und er kann gleich bleiben. Hätten wir das schon mal erledigt. Wieder ein Souvenir, was keinen Platz im Gepäck braucht. Santiago, der Tätowierer freut sich auch.


Am Abend essen wir bei Azul. Ihre Eltern sind mit Abril und Luciano noch in Villa Gesell. So sind wir mit Morena und ihrem Freund Benhamin und Azul in der Wohnung und werden bekocht. Wir verabreden uns für den nächsten Tag mit Azuls Freundin Fleur und unserem Ritter Sport Kumpel Lisandro (ihn hatten wir 2014 in der Eisdiele kennengelernt, weil er mit uns deutsch sprechen konnte. Er war im Schwarzwald zum Austauschjahr und liebt Ritter Sport. Deshalb habe ich Azul immer ein paar Tafeln mitgegeben, wenn sie bei uns gewesen ist). Wir wollen nach Recoleta, auf den Friedhof. Evita besuchen. Es ist schön dort. Es ist wie wir es kennen. Danach gehen wir ins Havanna und trinken Kaffee.



Wieder einen tollen Tag verbracht. Morgen gehts nach La Boca, das lieb ich besonders. Dort haben wir vor vier Jahren einen Mann getroffen, der seit 25 Jahren als Ameise verkleidet abhängt und Souvenirs verkauft. Ihn wollen wir suchen.



In La Boca herrscht immer ausgelassenes Treiben und eine besondere Stimmung. Ich könnte hier ewig rumhängen. Es ist wunderschön, obwohl es nur für Touristen ist. Es laufen dicke Maradonas herum, mit denen man sich fotografieren lassen kann oder -für die Männer- schicke Tangotänzerinnen, in knappen Fummeln, die den Herren das Bein auf die Schulter legen und den „Nimm-mich“- Blick aufsetzen.
Es dauert nicht so lange, bis ich den Antman entdecke. Also hin. Azul übersetzt, dass wir extra hergekommen sind, um ihn zu suchen. Er ist so gerührt, dass wir ihm zwei nicht sehr hübsche selbergebastelte Ameisen abkaufen. Wir unterhalten uns ein bisschen und als er uns allzu philosophisch wird, hauen wir ab. Das Leben als Ameise geht nicht spurlos an einem vorrüber. Und das seit nunmehr 29 Jahren…


Wir gehen etwas trinken und Atmosphäre schnuppern. Neben uns wird Tango getanzt und gesungen.


Wir reden über das heutige Bocas Spiel, was zum Glück auswärts stattfindet, sonst hätten wir gar nicht herkommen können.

Es gibt dann wohl noch mehr Randale als in Deutschland bei Dortmund gegen Schalke. So kommen wir von den Boca Juniors über gegen wen spielen die heute? Was ist heute für ein Datum? Der 5. sagt Azul und Mike schließt sich an. Ich sage, es ist der 4. und sie bestehen auf den 5.! Okay, mir rutscht das Herz sowas von in die Hose. Ich denke, wir fliegen am 5. nach Galapagos und zweifel an mir und meinen Planungskünsten. Das Trauma von Sao Paulo steckt mir immer noch in den Knochen (nachzulesen in: Weihnachten in Buenos Aires und Ausflug nach Deutschland). Ich hole mein Handy, öffne meine Mails und finde die Tickets. 5.2. von Buenos Aires nach Santa Cruz/Bolivien um 23 Uhr von Ezeiza. Ich schlucke. Ich wusste, wir fliegen am 5.2., ich habe das Hotel für drei Nächte gebucht, alles ist aufeinander abgestimmt gewesen. Wie kann das sein? Alles klar. Taxi und los, wir schaffen das. Es ist ja erst 18 Uhr. Zum Glück gucke ich vor einem überstürzten Aufbruch in den Kalender: SONNTAG,4.2.!!!! Ich bin fix und fertig. So fertig, das kriegt man nur mit Bier wieder hin! Das kann auch keiner nachempfinden. Ich hatte das Sao Paulo Gefühl! Mit Azul und Mike bin ich die nächsten 15 Minuten Feind! Sie haben das wirklich geglaubt und mich nicht veräppeln wollen, deshalb haben sie es so glaubhaft rüber gebracht. Bela war mir da auch keine Hilfe, da es ihm stets reichlich egal ist, was für ein Datum wir haben, außer am 24.12. und am 26.1. Nach ein paar Bierchen geht es besser. Quilmes vom Fass in La Boca, was willst du mehr? Alles wird gut! Ich bin halt nicht mehr die Jüngste 😉
Am Ende der bunten Häuserzeile finden wir ein Fahrradkunstwerk von Aiweiwei. Das ist ein chinesischer Künstler und Menschenrechtsaktivist, wir kennen ihn seit der Documenta 2007, als sein Holzturm Kunstwerk vor der Orangerie in Kassel im Sturm zusammengekracht ist und nicht wieder aufgebaut wurde. Nun laufen wir ihm hier ungeplant wieder über den Weg, vielmehr einem seiner Kunstwerke. Es ist beeindruckend und gefällt uns gut.





Es sind, glaube ich gelesen zu haben, 1254 Fahrräder. Hatten wir für einen kurzen Moment die Befürchtung, wir würden Mister Ant nicht finden, sitz er sogar auf dem Hemweg bei uns im Bus!

Am nächsten Tag packen wir die Sachen, ganz in Ruhe, wir fliegen ja erst um 23 Uhr am 5.2.!!!! Lagern sie bei Azul zwischen und packen Mike ins Bett, da er sich krank fühlt. Zum Glück sind wir mit ernsten Krankheiten oder Zwischenfällen auf der Reise bisher verschont geblieben. Bela, Azul und ich gehen ins El Ateneo Grand Splendid, der wahrscheinlich schönste Buchladen der Welt:

Er ist in einem ehemaligen Theater untergebracht und der bekannteste Buchladen in Buenos Aires. Das Theater wurde 1919 eröffnet, die Figuren und Wandmalereien nehmen Bezug auf den Waffenstillstand im ersten Weltkrieg. In den späten 1920ern wurde es in ein Kino umgewandelt und seit dem Jahr 2000 ist es ein Buchladen der Kette Ateneo. In den ehemaligen Logen befinden sich Lesesessel, in denen man die Bücher lesen kann, ohne sie zu kaufen. Auf der Bühne gibt es ein Cafe. 2008 wurde es vom Guardian zur zweitschönsten Buchhandlung der Welt ernannt. Der erste Platz ging an die Buchhandlung Dominicanenkerk in Maastricht. Seit 2000 ist es ein Kulturdenkmal der Stadt Buenos Aires. Natürlich findet Bela hier Stifte, die er für sein neues Malhobby braucht. Im Anschluß besuchen wir Azuls Uni, das ist auch ein schönes, altes Gebäude, aber leider extrem renovierungsbedürftig. Ich erlebe, wir es hier im Copyshop möglich ist, einzelne Kapitel oder auch komplette Bücher als Kopie vorzubestellen. Da die Bücher hier sehr teuer sind, empfehlen die Professoren sie als Kopie zu kaufen, das kostet etwa nur ein Zehntel. Noch günstiger, wenn man nur das Kapitel kauft, was man braucht. Bei uns undenkbar. Zurück in Palermo scheint Mike wieder hergestellt zu sein. Es gibt Marias Empanadas zum vorgezogenen Dinner um 19 Uhr, weil um 20 Uhr das Taxi kommt, um uns nach Ezeiza zu bringen.


Es wird ein tränenreicher Abschied, weil wir nicht wissen, wann wir Azul und schon gar nicht ihre Familie wiedersehen werden. Außerdem ist das Argentinien Kapitel jetzt vorbei und wir wissen nicht, was uns erwartet.



Am Flughafen klappt alles reibungslos, keine Probleme mit irgendwelchem Gepäck oder Tickets oder sonstigen nicht vorhersehbaren Schwierigkeiten. Der Zollbeamte ist zwar nicht begeistert von dem Schreiben der Botschaft, schimpft und knallte den Stempel in eine Lücke. Klappt! Wir starten pünktlich. Es ist dunkel, dann ist Buenos Aires von oben immer ein besonderes Spektakel.


Umsteigen in Bolivien klappt auch. Ist halt langweilig, so von 1 Uhr in der Nacht bis es um 7 Uhr weitergeht. Bela stört das nicht:

Und wir bekommen Kaffee geschenkt:

Es geht weiter über Lima, da haben wir nur 1 Stunde Aufenthalt, nach Quito, der höchstgelegenen Hauptstadt der Welt. Bela juckt auch das nicht besonders:
