SAN BLAS: Wir haben das Paradies gefunden

Und deshalb bekommt es auch ein eigenes Kapitel. San Blas oder auch Kuna Yala genannt, ist ein autonomes Gebiet an der Nordküste Panamas am Atlantik. Den San Blas Archipel bilden etwa 365 Inseln im karibischen Meer, von denen nur 50 bewohnt sind. Sie erstrecken sich über eine Länge von 180 Kilometern bis zur Küste Kolumbiens. Bewohnt wird Kuna Yala von rund 33.000 Angehörigen des Kuna Volkes, die der Unterwerfung trotzten und lange um ihr Gebiet kämpfen mussten. Sie haben eine eigene Sprache, einige von ihnen sprechen aber mittlerweile auch spanisch oder englisch. Es ist nur möglich mit dem Einverständnis, sprich einer Buchung über eine Agentur, auf die San Blas Inseln zu reisen. Es ist nicht möglich, mit dem eigenen Auto zum Hafen zu fahren. Man wird mit einem 4×4 Jeep im Hotel abgeholt und durch einen dichten Regenwald auf mörderischer Straße zum Hafen gebracht. Man passiert sogar eine Art Grenze, an der man den Pass zeigen muss. Wir sehen einige Jeeps am Straßenrand stehen, weil sich die Passagiere erleichtern müssen, nach oben raus…So versuchen die Guna ihre Gebiete vor dem Massentourismus zu schützen, der jedoch schon ein bisschen eingesetzt hat, schließlich geht es um Geld. Auch wenn es nicht überall danach aussieht, versuchen die Guna dennoch ihre Inseln sauber und schön zu halten. Auf unserer Insel kehrt jeden Tag der Opi das Laub und den Dreck weg. Wir sehen aber auch total vermüllte Inseln, auf denen es nicht so schön ist. Auch im Hafen von Carti ist es sehr dreckig. Auf den meisten Inseln gibt es keinen Strom oder nur aus einem Generator für ein bisschen Licht am Abend.

Wir sitzen also um 5:15 Uhr abfahrbereit auf der Bank vor dem Hotel. Pünktlich wie die Maurer (haha) mit dem Ticket in der Hand. Wie sich das gehört. Das große Gepäck können wir im Hotel lassen und eine Lunchbox gab es für die Fahrt. So sitzen wir und überlegen ziemlich oft, wann wir anrufen lassen, weil der Fahrer nicht kommt. Deutsche Pünktlichkeit trifft mittelamerikanische…Um 6:15 Uhr geht es dann mal los. Es kommt ein Jeep und wir werden verladen. Mit uns eine dürre amerikanische Touristin auf dem Beifahrersitz. Ein dickes Paar aus Brasilien teilt sich mit Mike die Mitte und Bela und ich haben im Kofferraum schön viel Platz. Nach etwa 15 Minuten Fahrt halten wir an einem Supermarkt. Die brasilianische Frau versorgt sich selber und ihren Mann erstmal mit je 1,5 Litern Cola. Die Amerikanerin kauft Tee. Wir bleiben im Auto. Wir haben gestern schon eingekauft und sind gut ausgestattet mit Snacks und ein bisschen Wasser. Wir bekommen drei Mahlzeiten pro Tag auf der Insel und dazu jeweils ein Dosengetränk. Wasser gibt es immer zum Nachfüllen. Dafür haben wir Flaschen dabei. Und wir können jederzeit für 2 Dollar Cola, Ginger Ale oder auch Bier kaufen. Bela und ich verschlafen die Fahrt. Es geht wohl über Stock und Stein, sagt Mike. Er versucht auch zu schlafen, ist aber leider beschäftigt. Das Dickerchen fällt nämlich ständig mit dem Kopf gegen seine Schulter. Das erinnert mich ein bisschen an unseren Flug in 2013 nach Bangkok, als Levi neben dem dicksten Mann der Welt im Flieger sitzen musste. 10 Stunden. Der Speck, so sagte er damals, kam über die Armlehne zu ihm gekrochen. Dafür hat er aber auch den Tapferkeitspreis bekommen. Wir sind dann doch ziemlich schnell am Hafen und werden nach einem System, was nur die Leute dort verstehen, in die Boote verteilt.

Während wir warten, kommen sechs Männer einen Sarg tragend an uns vorbei und laden ihn in ein Boot. Tuch drüber. Gepäck drauf und Passagiere daneben (wir nicht) Hmmm….kann man so machen…

Das Wasser ist trüb, der Hafen dreckig und ich fange an zu zweifeln, ob das alles so richtig war. Für die völlig verdreckte Toilette muss ich einer mürrisch dreinblickenden Guna Frau 25 Cent geben. Das mag ja was werden auf der Insel. Alles basic. Ich denke an unsere Hütte aus Bambus. Die hat keinen Ventilator und natürlich keine Klimaanlage, aber dafür einen Boden aus Sand. Mit Sicherheit werde ich nachts kein Auge zu machen. Na gut, dann ist das halt so. Die Uhrzeit ist schuld, denke ich. Es ist gerade mal 8:30 Uhr, wir haben schon einen Ritt hinter uns und sind müde. Los gehts. Wir halten an einer aus Häusern bestehenden Insel, mit viel Dreck überall und mir rutscht das Herz in die Hose, ich denke:“bitte nicht!!!!“

Entwarnung, wir müssen alle sitzen bleiben, nur unser local Guide holt etwas von dort. Wir fahren weiter. Die Wellen werden höher, das Wasser klarer und die Sonne kommt raus.

Die Laune steigt und mit ihr die Zuversicht auf ein paar schöne Tage. Dass sie unvergesslich werden, wissen wir noch nicht. Unsere Insel heißt Niadub, Isla Diavolo, Teufelsinsel. Unsere Bambushütte ( Cabana 5) heißt uns herzlich willkommen.

Immerhin gibt es Blümchen vor der Haustür und eine „Terrasse“ mit Meerblick

Es gibt ein Toiletten/Duschhaus. Dusche heißt hier: Rohr aus der Wand, kaltes Wasser kommt raus. Ich inspiziere sie gespannt und bin überrascht. Toiletten und auch Duschen sind sauber. Es gibt ausreichend Papier. Die Mülleimer quillen nicht über. Hier sieht es viel besser aus, als auf so manchen Campingplätzen, die wir in der letzten Zeit besucht haben. Es gibt auch eine „Lounge“, dort ist es lustig.

Die Musik ist laut, die Leute sind total unterschiedlich und meist nett, der Liter Rum kostet 25 Dollar. Wir werden gefragt, was wir zum Mittag essen möchten. Die Auswahl ist besser, als ich vorher bei den Negativkritiken auf Tripadvisor gelesen habe. Es gibt Fischfilet, ganzen Fisch, Chicken oder Meeresfrüchte. Dazu Kokosreis, gekochte Kartoffeln, Pommes oder Kochbanane und Salat. Tip top. Wir nehmen alle Fischfilet mit Reis und Salat. Auf den heutigen Ausflug verzichten wir, wir sind müde und haben noch drei Tage dafür Zeit. Punkt 12 sitzen wir am Tisch und bekommen ziemlich leckeres Mittagessen. Die Guna Yala Familie, die unser Homestay leitet, ist meistens nett. Wir lernen Yuani kennen, die ist ein echter Sonnenschein und wir schließen sie sofort ins Herz.

Nach dem Essen machen wir ein unglaublich langes Mittagsschläfchen. Bela, der im Vorfeld meckert, er sei gar nicht müde, ist als erster eingeschlafen. Um 16 Uhr werden wir geweckt, weil die Köchin unsere Abendessenbestellung braucht. Die Auswahl ist immer die gleiche. Bela nimmt diesmal Chicken und ich den ganzen Fisch. Mike bleibt bei Filet. Wir erkunden die Insel. Dafür brauchen wir keine 10 Minuten. Also hängen wir ein bisschen auf unserer Terrasse ab und kümmern uns um den Sonnenuntergang. Gebadet haben wir auch, das Wasser ist superschön.

Es wird früh dunkel, die Solarbeleuchtung ist auch nicht so hell, also werden wir früh müde und sind nach ein paar Runden UNO gegen 21 Uhr verschwunden. Entgegen meiner Vorahnung, schlafe ich gut. Habe zwar etwas Probleme beim Einschlafen, aber Bela auch und deshalb drehen wir zusammen noch eine kleine Taschenlampenrunde. Der Sternenhimmel ist der Hammer. Bela macht ein paar irre Fotos vom Mond. Zum Glück hat es sich abgekühlt und da wir unsere Hütte am Meer haben, weht es immer ein bisschen. Gibt ja auch genug Ritzen, damit die kühle Luft herein kann und die Ameisen und die Krabben und was noch mehr…

Frühstück ist von 7 bis 8! Upsi…Geht aber. Wir wachen von alleine auf, als es hell wird. Um 6 Uhr. Alles wie früher, also ganz früher. Immer dem Rhythmus der Sonne hinterher… Zum Frühstück gibt es Guna Yala Brot und Omelette mit Käse, sowie gruseligen Kaffee, der auch durch den Kaffeeweißer nicht besser wird. Für Bela bringen sie uns ganz stolz Trinkschokolade. Die wird mit heißem Wasser zubereitet. Ich muss an dieser Stelle glaube ich nicht erklären, warum er ab jetzt Wasser aus dem Nachfüllkanister oder Ginger Ale zum Frühstück gewählt hat…

Wir starten zum ersten Ausflug. Es geht auf die Nachbarinsel zum Schnorcheln und schwimmen. Dort liegt ein versunkenes Boot. Das ist zugewachsen mit bunten Korallen und voll mit bunten Fischen. Es ist wunderschön.

Bela findet eine Kokosnuss und kann sie ohne Hilfe öffnen. Das hat er auf Cook gelernt.

Die ist richtig lecker… Dazu gibt es Cola mit Eis und Nachos mit Dip von der Ausflugscrew. Und dann geht es weiter zumnächsten Stopp. Piscina naturales, swimming pool…naja. Mitten im Meer ist eine Sandbank und darüber ein bisschen Wasser. Ganz nett hier, aber beim Schnorcheln sieht man nichts.

Zurück auf unserer Insel gibt es wieder einfach leckeres Mittagessen und danach ein Schläfchen. Zum einen hat es sich bewährt und zum anderen haben wir nichts zu verpassen. Danach baden wir, trinken Kokosnüsse und freunden uns mit Yuani an. Sie scheint nur darauf gewartet zu haben. Wir bauen erstmal eine Kleckermatschburg und verbuddeln dann Bela im Sand. Zum Abwaschen müssen wir natürlich ins Wasser und während Yuani über den Korallenschrott flitzt, als wäre es nichts, mit einem Kopfsprung im Meer verschwindet, taste ich mich langsam und jammernd über die Steine zum Wasser hin.

Wir hängen noch ein bisschen ab

Bela und Yuani malen solange, bis ich mit UNO Karten erscheine. Dann leuchten ihre Augen und sie schmeißt die Stifte weg.

Wir spielen, machen Blödsinn und haben Spaß

Zum Abendessen haben wir Lobster vorbestellt. Während der bei uns zu Hause unbezahlbar ist (wir wollten auf Föhr schon mal einen essen, haben aber das Geld dann lieber in ein Ferienhaus investiert), kostet er hier nur 15 Dollar und schmeckt fantastisch

Gleicher Rhythmus wie gestern. Bett um 21.30 Uhr, schnell eingeschlafen, alles top. Heute ist Donnerstag, Rumnacht steht auf dem Programm, wir freuen uns auf ein Gläschen am Abend. Zum Frühstück gibt es Pfannkuchen. Danach gehts zum Ausflug, wieder otra island. Super schön dort.

Die Crew packt aus. Inzwischen kennen wir den harten Kern der Gäste. Es gibt auch viele Tagestouristen, die sind dann abends wieder verschwunden. Das heißt, mit ihnen haben wir wenig Kontakt. Aber mit Irina und Franck – eine russich-french-connection, Julia und Svenja aus dem Sauerland, Suzann und Eva aus Amsterdam und Michael aus Toronto (an ihn kann sich Mike morgen nicht mehr erinnern, das hatte etwas mit Rum zu tun und ist ein anderes Thema) können wir es gut aushalten. Von ihnen erfahren wir auch, dass die Rumnacht jetzt und hier startet. Die Crew hat bereits drei 2 Liter Flaschen Rum auf dem Tisch, sowie Eis und Cola. Los gehts. Bis die Flaschen leer sind. Wenn es schon mal angeboten wird…üben für Cuba!

Zwischendurch bekommen wir noch eine Kokosnuss gebracht, auch die ist sehr lecker und passt zum tropischen Gefühl.

Die Stimmung wird immer besser, nur Molly aus Californien hört sich lieber selber reden, das ist etwas anstrengend.

Wir fahren noch zu einem weiteren Schnorchelspot und dann zurück zum Lunch.

Weil es so lecker ist und die Stimmung so gut und Franck und Irina bald abreisen müssen und und und…Gründe gibt es genug für den Gang an die Theke…eine Flasche Rum, Cola und Eis, wir sind nur einmal jung! Zwischendurch bittet uns Bela mit dem Trinken aufzuhören, weil Cola nicht gesund ist 😉 Er hüpft mit Yuani im Wasser herum und hat Spaß. Irina verabschiedet sich, mit einer Einladung für uns nach Moskau. Da Mike einen Stempel von der Ukraine im Pass hat und nicht nach Russland einreisen darf, muss ich dann wohl alleine…Die Stimmung wird besser, Michael aus Toronto kommt an den trouble table und fühlt sich wohl.

Wir feiern noch ein bisschen und weil die Stimmng so gut ist und es so lecker ist und Franck und Irina jetzt weg sind und und und….die Mädels aus Amsterdam holen sie: die nächste Flasche!

Mike verschwindet einfach irgendwann heimlich im Bett. Leider wird ihm nicht mehr einfallen, wie er dort hin gekommen ist. Ich springe noch zu den Kindern ins Wasser und bin sofort wieder nüchtern. Das ist auch gut so!! Plötzlich schreit Yuani und ich sehe ihren Sparkassen Wasserball auf dem Wasser wegtreiben. Ich schwimme hinterher und versuche ihn zu retten. Dabei bekomme ich eine fürchterliche Wunde am Oberschenkel. ich reiße mir die Haut an Korallen auf, die ich nicht gesehen habe. Es blutet recht ordentlich und ich bekomme Kuna Yala Desinfektionsmittel. Das brennt wie Hölle. Von dieser Wunde werde ich noch lange etwas haben…Der Ball wurde schließlich von Yuanis Bruder gerettet. Dinner habe ich mit Bela alleine. Noch eine lange Kartenrunde mit Yuani und den Holländerinnen und ab auf die neue Matratze (wir haben heute neue Matratzen bekommen). Mike schläft zum Glück leise und schnarcht nicht. Als er am nächsten Morgen mein Bein sieht, fragt er ganz entsetzt, ob er das war…Ja ja, das war es dann wohl mit dem Rum!

Bekannter Rhythmus: Frühstück, Ausflug, Lunch und dann leider schon Abreise nach Panama City. Auf dem Ausflug hebt ein ziemlich durchtrainierter Kerl Bela routiniert ins Boot. Wir rätselten vorher schon und tippten auf Schwimmer. Er spricht Deutsch. Ich frage ihn, ob er Schwimmer ist. Er sagt:“ Nein. Tänzer“ ich staune, weil ich nicht davon ausgehe, dass man als Tänzer solche Oberschenkel bekommt. „Balletttänzer, hüpfen, springen und Frauen heben“, erklärt er mir. Damit war es geklärt. Viel zu schnell ging die Zeit hier vorbei. So skeptisch ich anfangs war, jetzt könnte ich noch eine Woche bleiben. Ich überlege, ob San Blas es schafft, den Perito Moreno Gletscher vom Thron zu schubsen…

Als wir uns verabschieden, gibt mir Yuani ein Küsschen. Da muss ich aufpassen, dass ich nicht anfange zu heulen…Die ist aber auch ein süßer Sonnenschein…

Hinterlasse einen Kommentar