Kreuzfahrt oder Fluch der Karibik ?

Belas Wunsch war uns Befehl: am 20.3.2018 um 20:59 Uhr ist Check In auf der MSC Armonia im Hafen von Havanna. Da unser Taxifreund Abel so pünktlich im Hotel war und wir so gut durchgekommen sind, checken wir bereits um 19:30 Uhr ein und keiner merkt es. Wir haben eine Balkonkabine, die gab es zum Sonderpreis. Es geht von Havanna nach Jamaika, Grand Cayman und Mexiko, wo wir unsere Weltreise beenden werden. Karibik-Kreuzfahrt hört sich teuer an, allerdings sind wir ja schon vor Ort, brauchen daher keinen Flug und haben wieder mal Glück, indem wir dieses Megaschnäppchen für 447 Euro (für uns drei!) gefunden haben, das es uns möglich machte, uns nach einer so langen Reise noch eine Karibik Kreuzfahrt leisten können. Das war wirklich ein Glücksschnäppchen. Allerdings ohne Getränkepaket und die Ausflüge organisieren wir selber. Dass wir der Kleiderempfehlung nicht entsprechen können (und wollen), brauche ich an dieser Stelle wohl nicht erwähnen. So günstig hätten wir kein Hotel bekommen und hier haben wir Vollpension! Das Essen überrascht uns. Es ist alles super lecker, frisch und hübsch anzusehen. Am meisten freue ich mich über:

Jawoll. Brot. Richtiges Brot meine ich. So welches gibt es nur in Deutschland. Schwarz und Vollkorn. So hart, dass man damit Fensterscheiben einschmeißen könnte. Sehr geil! Das ist das einzige – abgesehen von ein paar lieben Menschen – was mir auf der Reise wirklich gefehlt hat. Brot kann keiner, außer uns!

Zum Schiff erkunden bin ich zu müde und schicke die Männer alleine los. Wir sind morgen noch den ganzen Tag in Havanna und machen mit Abel eine Tour. Mike ist überrascht vom Schiff und der Atmosphäre. Darüber bin ich sehr erleichtert, weil ich dachte mich verhört zu haben, als er sich damit einverstanden erklärt hat. Niemals würde er so ein Schiff betreten, das wäre das allerletzte…Nun gefällt es ihm sogar noch. Unglaublich.

Wir lernen Lester aus Kuba kennen. Er ist ein total lustiger Mensch und wir haben immer viel Spaß, wenn wir ihn treffen.

Wir schlafen super gut. Endlich mal wieder Federbetten. Das Frühstück ist auch der Hammer. Nur die Rettungsübung ist wie immer langweilig, das nehmen wir aber vor dem Ausflug noch mit (ich schaffe es sogar mittlerweile unseren Taxifahrer auf spanisch eine halbe Stunde nach hinten zu verschieben), dann haben wir das hinter uns. Dass das eine gute Entscheidung war, werden wir bei der Durchsage um 22:45 Uhr erfahren, denn dann sollen alle hin, die noch nicht dort waren. Wir liegen bereits im Bett!

Abel ist pünktlich und fährt uns zu Hemingways Ferienhaus. Es ist jetzt ein Museum und ein sehr schöner Ort. Erinnerungsfetzen tauchen in meinem Gedächtnis auf. Ich war 1990 schon mal hier und fand es schon damals toll. Hemingway hat hier zwischen 1939 und 1961 sehr viel Zeit verbracht:

Die Villa ist etwa 15 Kilometer von Havanna entfernt auf einer Anhöhe der Ortschaft San Francisco. Man hat einen traumhaften Blick über die Hügel und Havanna bis zum Meer. Hier schrieb er u.a. „der alte Mann und das Meer“, dafür bekam er den Nobelpreis. Hier im Haus ist alles so geblieben, wie Hemingway es verlassen hat. Es sieht so aus, als würde er gleich zurückkommen. Auf dem Tisch steht eine halbvolle Whiskeyflasche mit zwei Gläsern daneben. Man darf nur durch die offenen Fenster schauen, doch das ist vollkommen ausreichend, weil alles sehr offen gestaltet ist. Seine alte Schreibmaschine steht noch im Turmzimmer. Weil er aufgrund eines Rückenleidens oft Schmerzen hatte, schrieb er im Stehen und schwamm täglich ein paar Runden in seinem Pool. Er hatte viele Gäste dort, u.a. Frank Sinatra. Es hängen Miros und Picassos an den Wänden. Wir sehen auch viele seiner Trophäen vom Großwildjagen mit Mussolini. Eine nette Dame fängt an uns ein paar Dinge zu erklären und bringt uns schließlich bis zum Turm. Ich raffe es natürlich gar nicht und finde das sehr nett, Mike übernimmt dann mal eben das Trinkgeld. Sie hat wohl schon die Hand aufgehalten.

Danach gehen wir auf einen Markt, wo wir die einzigen Touristen sind.

Es ist alles unfassbar günstig, muss es aber auch sein. Da wir hier die Tropenregel besser einhalten wollen (was wir bisher oft nicht brauchten, immer auch Salat gegessen und uns mit Leitungswasser Zähne geputzt oder auch getrunken, in Argentinien, Chile oder auch Japan und Neuseeland ist das gar kein Problem) können wir leider nichts kaufen. Außerdem haben wir keine CUP. Weiter geht es also zum Platz der Revolution, der offiziell Plaza de la Revolucion Jose Marti (kubanischer Poet, Schriftsteller und Nationalheld, sowie Symbol für den Unabhängigkeitskampf des Landes) heisst. Mit 72000 QM ist er der größte innerstädtische Platz Kubas und hat Platz für mehr als 1 Mio Menschen. Der 109 Meter hohe Turm, das Jose-Marti-Denkmal, ist das höchste Bauwerk der Stadt. Rundherum befinden sich viele Ministerien und die Nationalbibliothek. Hinter dem Marti Denkmal befinden sich die streng bewachten Büroräume des ehemaligen Präsidenten Fidel Castro. Gegenüber auf dem Gebäude des Innenministeriums sehen wir ein großes Bildnis von Che Guevara und den Spruch: „Hasta la victoria siempre“ (immer bis zum Sieg) und daneben auf der Wand des Informationsministeriums sehen wir Camilo Cienfuegos (war neben den Castrobrüdern und Che einer der führenden Revolutionäre und Guerillaführer Kubas). Vieles davon kann uns Abel in einer Mischung aus spanisch, englisch und mit Händen und Füßen erklären. Immer mit Zeit zum Rumflitzen und Quatsch machen mit Bela. Er dachte immer Revolution wäre was Tolles, dass dabei viele Menschen umgekommen sind, entsetzt ihn und er beschließt ab jetzt das Wort revolutionär (im Sinne von exorbitant großartig) nicht mehr zu benutzen. Es ist ja für Erwachsene schon komplex und schwierig, da mag man das als Kind ja noch weniger verstehen. Wir sehen eine Gruppe, die hinter einem MSC Schild herdackelt, sie sehen ein bisschen gehetzt aus. Was sind wir froh, dass wir mit Abel alleine unterwegs sind und das Programm für uns zurechtbasteln können. Und das für erheblich weniger. Wir zahlen für 4 Stunden Privattaxi gerade mal 40 Euro (da ist dann auch schon Trinkgeld dabei). Das ist noch nicht mal das, was der Ausflug vom Schiff aus pro Person gekostet hätte. Leider hat die Zigarrenfabrik schon geschlossen, so dass meine Männer nicht in den Genuß kommen, zu sehen, wie Zigarren auf den Oberschenkeln von Jungfrauen gedreht werden…zahnlosen 78 Jährigen 😉

Wir sehen eine Krankenschwester und sind nicht mal mehr überrascht. Die Damen beim Zoll tragen kurze Röcke und Strapse…

Ob diese Krankenschwester für Herzkranke geeignet ist, konnten wir nicht herausfinden.

Wir verabschieden uns von Abel und werden in Deutschland seine Nummer verteilen. Raul sagt, er sei gar kein richtiger Kubaner. Er ist pünktlich und versucht einen nicht über den Tisch zu ziehen. Außerdem ist er seit 29 Jahren glücklich mit seiner Frau verheiratet und hat keine Freundin. Wir sind froh, ihn getroffen zu haben. Wir gehen auf einen Mojito in die Bar, wo einst Hemingway soff: die Bodeguita el Medio

Es ist natürlich rappelvoll, wir bekommen dennoch einen Platz an der Theke und können das hektische Treiben hinter dem Tresen beobachten. Die Mojitos sind zwar für kubanische Verhältnisse recht teuer, aber dafür auch recht gehaltvoll. So zwitschern wir weiter und haben leicht einen sitzen… Diese Ecke von Havanna kennen wir noch nicht und finden sie sehr schön. Wir finden einen Flohmarkt mit wirklich alten Raritäten und stöbern ein bisschen. Bela kauft eine alte Münze mit Fidel drauf und bekommt eine Briefmarke dazu geschenkt. 1961 wurden Briefmarken mit Fidel drauf gedruckt. Er wollte sich jedoch nicht zu Lebzeiten auf einer Briefmarke sehen und so wurden sie bis zu seinem Tod im November 2016 eingemottet. Mein Papa war gerade am 24.11.2016 in Kuba angekommen, als ein Tag später Fidel im Alter von 90 Jahren in Havanna starb. Es gab eine große Parade, in der der tote Führer 800 Kilometer aufgebahrt durch das Land bis nach Santiago de Cuba gekarrt wurde, zu seiner Ruhestätte. Die Straßen waren proppevoll mit seinen Anhängern, die ihm die letzte Ehre erweisen wollten. Mittendrin: mein Papa! Castro hatte bereits 2006 die Amtsgeschäfte wegen schwerer Krankheit an seinen Bruder Raul Castro abgegeben, äußerte sich aber bis zuletzt zur kubanischen Politik. 1959 war er mit seinen Rebellen in Havanna einmarschiert und hat den Diktator Batista vertrieben. Danach herrschte er 50 Jahre lang mit eiserner Hand, um seine Vorstellungen eines kommunistischen Landes durchzusetzen. Wohnraum, Bildung und kostenlose Gesundheitsversorgung für die gesamte Bevölkerung war sein Ziel. Er enteigenete Großgrundbesitzer und ausländische Firmen. Dissidenten wurden aus dem Land getrieben oder eingesperrt. Viele seiner Weggefährten und Unterstützer verließen ihn im Laufe der Zeit. Schnell machte er sich mit dieser Vorgehensweise die USA zum Feind, die Kuba daraufhin mit einem Handelsembargo belegte. Kuba wurde immer abhängiger von der Sowjetunion, die bis zum Zusammenbruch 1990 halfen. Der Zusammenbruch der Sowjetunion brachte Kuba in eine schwere Wirtschaftskrise, so dass aus der Not heraus begrenzte Marktwirtschaftliche Reformen zugelassen wurden. Kurz vor seinem 80. Geburtstag hatte er sich einer schweren Operation zu unterziehen, so dass er seine Ämter zunächst provisorisch (in 2008 dann endgültig) an seinen Bruder Raul abgab. Geändert hat sich gar nichts, nicht mal der Name. Wie das so ist, in diesen Ländern wird die Macht innerhalb der Familie weitergegeben, damit alles so bleibt! Nichtsdestotrotz interessiert mich seine Persönlichkeit, ebenso die Che Guevaras, so dass ich beim Recherchieren viele Dinge erfahren habe, die ich noch nicht wusste. Das alles hier zu schreiben, würde den Rahmen sprengen. Zigarren, langer Bart, grüne Militäruniform (die später gegen „echte Retro“- Trainingsanzüge getauscht wurden), lange Reden und Kritik an den USA, all dafür war er bekannt.

Als 2016 Barack Obama Kuba besuchte, um den Aussöhnungsprozess zu unterstützen, sparte Castro nicht mit Kritik: „Wir haben es nicht nötig, dass das Imperium uns was schenkt“…Nun…das ist ja mittlerweile auch Geschichte…Die Botschaft in Havanna ist wieder geschlossen, dafür gibt es jetzt eine in Jerusalem.

Leider komme ich nicht um eine kurze Che Geschichte herum, da müsst ihr jetzt durch: Ernesto Rafael Guevara, kurz Che Guevara oder noch kürzer Che, marxistischer Revolutionär, Autor und Arzt, wurde in Rosario in Argentinien, während einer Schiffsreise beim Zwischenhalt, geboren. Seit dem zweiten Lebensjahr hatte er Asthma, die Krankheit bestimmte seine Entwicklung und Persönlichkeit. Er las viel und sprach fließend französisch. Er studierte Medizin in Buenos Aires. Er reiste sehr gerne und umfangreich, worüber er Bücher schrieb. Irgendwann wurde er durch äußere und innere Umstände zum Revolutionär. Über Umwege durch Costa Rica, Guatemala und Mexiko (wo er Fidel Castro kennenlernte), wurde er Comandante der Rebellenarmee der kubanischen Revolution und wichtigste Symbolfigur neben Fidel Castro. Er verehrte Stalin und führte einen erbitterten Kampf gegen den Kapitalismus. Als Industrieminister und späterer Leiter der kubanischen Zentralbank strebte er eine vollständige Verstaatlichung der Wirtschaft an. Mit Fidel zusammen formte er eine totalitäre Diktatur. Er selbst lebte diese Ideale und verzichtete auf Vergünstigungen für sich und seine Familie. Er verlangte die Aufopferungsbereitschaft, die er an den Tag legte auch von anderen. Da es unter seiner Führung mit der kubanischen Wirtschaft rapide abwärts ging, verließ ein Zehntel, mehrheitlich die kubanische Oberschicht, Kuba in Richtung Florida. Das führte natürlich zu einem weiteren Rückgang der Wirtschaftsleistungen und Produktivität. Die Differenzen zwischen ihm und Fidel wurden immer größer. Che wollte eine noch radikalere Revolution. Pack schlägt sich und Pack verträgt sich in diese Falle nicht mehr…Che wurde in 1967 in Bolivien erschossen. Er ist umstritten, für die einen ein von seiner Ideologie getriebener Mörder und für die anderen ein Vorbild im Kampf für eine gerechtere Welt. In Kuba gilt er bis heute als Volksheld. Irgendwie übt er auch auf mich eine gewisse Faszination aus…

Wir bummeln weiter und genießen die Atmosphäre hier:

Eine Näherei:

Diese Apotheke hat uns besonders gut gefallen:

Eine laute Parade:

Das darf natürlich auf keinen Fall fehlen:

Und zurück zum Schiff:

Wir verlassen Havanna um 5:30 Uhr am Morgen, wir stellen den Wecker und beobachten von unserem Balkon aus das Verlassen des hübsch erleuchteten schlafenden Havannas.

Das Lotsenboot bringt uns sicher aus dem großen Hafen:

Auf dem Programm steht ein Seetag für morgen, da wir aber heute noch vor dem Aufstehen auslaufen, haben wir heute natürlich auch Seetag. Das nächste Ziel ist Jamaika, 646 Seemeilen vom Starthafen entfernt, das entspricht etwa 1200 Kilometern, bei einer Geschwindigkeit von maximal 39 Km/h sind wir eine Weile zum Seele baumeln lassen unterwegs;)

Wir lesen, chillen, spielen und gehen ins Gym. Ich mag Seetage, da muss man einfach runter kommen. Die verzweifelten Bemühungen der Animateuere, auch dem letzten Bewegungslegastheniker das Tanzen beizubringen, können wir ausblenden. Schmunzeln müssen wir dennoch, wer sich so alles an südamerikansichen Powackeltänzen versucht. Aber mit dem All inklusive Getränkepaket ist schon so manch einer über sich hinausgewachsen. Da habe ich in England ein treffendes Schild gefunden:

Wir schippern weiter gemütlich durch das karibische Meer und kommen gut runter. Wir haben sehr viele Eindrücke zu verarbeiten, dabei hilft der Anblick von Wasser – und ich meine ausschließlich Wasser – ungemein.

Bela findet einen Freund und wir lernen auch ein paar Leute kennen. Es ist recht interessant, wer hier warum mitfährt. Viele Deutsche sind an Bord. In einigen Bundesländern sind schon Osterferien. Das geht auf der Reise alles völlig an uns vorbei, keine Ahnung, wann welche Ferien sind. Ich bin froh, wenn ich keinen Geburtstag vergesse… Ich gehe mal zum Friseur und sehe mit Farbe auf dem Kopf eine Delfinschule vorbei springen. Bela erkundet die Shoppinglage und berichtet uns über Legoereignisse im Laden mit dem netten Verkäufer, der ihm sogar ein Päckchen geschenkt hat. Sport bei Seegang ist ein bisschen komisch, das weiß jeder, der schon mal versucht hat bei 3 Meter hohen Wellen auf dem Laufband zu laufen. Die Zeit vergeht auch hier ziemlich schnell und schwupps – legen wir in Montego Bay in Jamaika an. Vom Schiff und durch die Nachrichten bekommen wir Hinweise und Ratschläge über den Ausnahmezustand in Montego Bay aufgrund zahlreicher Schießereien und Morde unter Kriminellen, in die auch immer wieder Unbeteiligte geraten sind. Wir werden zu erhöhter Vorsicht aufgerufen und sollen Menschenansammlungen meiden und uns nur in Touristengegenden aufhalten. Diese werden besonders überwacht. Genau das richtige für mich! Ich hatte vorher schon mal ein wenig recherchiert, was sich lohnt gesehen zu werden und beschlossen spontan und flexibel zu bleiben, eigentlich ist es egal, weil wir an nur einem Tag nicht mal einen Überblick bekommen werden. Jamaika ist die drittgrößte Insel der großen Antillen und hat etwa 2,9 Mio Einwohner. Sie liegt 145 Kilometer von der Südküste Kubas entfernt und 160 Kilometer westlich von Hispaniola (die Insel, auf der Haiti und die Dominikanische Republik liegen), getrennt durch den Jamaica Channel. Die Hauptstadt ist Kingston, das Staatsoberhaupt ist keine geringere als Queen Elizabeth II., da Jamaika Mitglied des Commonwealth ist. Jamaika war sowohl spanische (1509-1655), als auch englische (1655-1962) Kolonie. Das Klima ist tropisch, es gibt über das Jahr hinweg kaum Temperaturunterschiede. Die Insel liegt im Hurricangebiet, zweimal im Jahr ziehen Stürme hier durch. Bezahlt wird in Jamaicadollar, wobei wir auch mit US Dollar keine Probleme haben. Die Informationen über die verschiedenen Religionen finde ich spannend. Es gibt natürlich alles, was wir so aus Europa kennen: katholisch 4%, anglikanisch 2,8%, Zeugen Jehovas 1,9% -die sind echt weltweit mit ihren Königreichsälen zu finden- und ein paar Juden) und dann gibt es die Rastafari. Bei uns eher bekannt als kiffende Zottelmonster. Wir haben herausgefunden, das ist auch so! Es gibt verschiendene Bewegungen, für die meisten steht das Individuum im Vordergrund, frei von Gesetzen und Vorschriften. Alkohol und Tabak ist tabu, kiffen erlaubt. Und das gerne gemeinsam und immer. Auf rituelle Weise und zum Nachdenken. Hanf zur Heilung der Völker. Dazu Dreadlocks. Das gefällt mir. So gehen wir neugierig, gespannt und aufmerksam von Bord. Stempel bekommen wir keine (gut für Belas Pass) und stehen mit 4 Schwaben ein wenig ratlos vor einer Informationstafel. Wir beschließen uns zusammen zu tun. Dann wird es für alle günstiger. Das wird es sowieso, wenn man etwas mit Schwaben macht 🙂 Wir entscheiden uns für die Dunnˋs River Falls in Ocho Rios und ein bisschen mehr. Die Schwaben schaffen es tatsächlich, das Taxi noch weiter runter zu handeln. Wir freuen uns und fahren los. Die Fahrt dauert etwa 1,5 Stunden. Der erste Eindruck, den wir von Jamaika haben, ist nicht so prall. Warten wir mal ab. Wir kommen an, der Parkplatz ist schon voll, der Eintritt kostet 20 Dollar pro Person, für Bela die Hälfte und wir stürzen uns ins Getümmel. Die Wasserfälle sind sehr schön, ich schaffe sogar ein Bild ohne Menschen zu schießen. Man kann in einer Tour die Fälle hochklettern. Das ist spannend. Unglaublich, wen die da alles mitschleppen. Flipflops sind verboten (man konnte am Eingang Wasserschuhe kaufen), aber Jeans sind erlaubt. Da kraxeln Menschen hoch, die in ihrem Leben noch nie Sport gemacht zu haben scheinen.

Wir erfrischen uns erstmal in einem der Badebecken

Ungefähr auf der Mitte diese Abschnittes, stürzt ein Mann, der mit seinem Kumpel alleine dort hoch möchte. Er fällt auf die Seite mit dem Kopf zuerst und ist für eine kurze Zeit ohne Bewusstsein. Sie klettern vorsichtig runter und setzen sich neben uns. Ich schaue mir die Verletzung an und glaube, er hat sich das Jochbein gebrochen. Zudem steht er ganz schön neben sich. Ab in die Klinik also….

Danach spazieren wir bergab in Richtung Strand, immer dicht an der Kletterroute im Wasserfall entlang. Die Strecke wir immer anspruchsvoller, wir sehen einige stürzen. Ich denke, hier werden eine Menge Fails gedreht. Teilweise erscheint es uns recht gefährlich, gerade, wenn man bedenkt, wer da alles mitmachen darf.

Wir kommen an den Strand und vergessen vor lauter Enttäuschung zu fotografieren. Es ist nix dolles, dabei hört man so viel Schönes von den Stränden hier. Das Wasser ist trüb und braun, der Strand auch. Es ist total voll, die Schlange am Wasserfallkletterstart ist sehr lang und in der Bucht liegen zahlreiche Amüsierkatamarane, wie wir sie aus Kuba kennen. Also wieder ab nach oben. Dort gibt es für Kinder einen kleinen Wasserpark mit Rutsche und Springbrunnen.

Auf dem Gelände finden wir noch den Tranquility Garden, der ist ganz schön. Wir schlendern ein bisschen und bekommen von einem der Gärtner eine Spinne gezeigt.

Da wir dort unsere Schwaben wiedertreffen, beschließen wir, vor der verabredeten Zeit zum Taxi zurück zum zu gehen und weiter zu fahren. Der Taxifahrer bringt uns an einen Freizeitpark, wo es Ziprides und Sommerrodelbahnen gibt. Da der Eintritt jedoch mit mindestens 75 Dollar pro Person nicht nur für schwäbisches Empfinden viel zu hoch ist, fahren wir weiter. Der Taxifahrer gibt nicht auf uns irgendwo teuer unterbringen zu wollen. Wir fahren auf den Berg zu einer Villa, diese sei das Ferienhaus eines Prominenten, wer das ist konnte er nicht sagen, man hätte einen wundervollen Ausblick und könne sich für 20 Dollar pro Person das Haus von innen angucken. Okay, weiter geht es also. Nächster Berg, nächster toller Ausblick. Golfclub. Hier sollen wir Kaffee trinken. Schon klar. So nebenbei erfahren wir von unseren schwäbischen Mitstreitern, dass wohlalle Ausflügevon Cozumel (Mexiko) auf das Festland gestrichen worden sind, weil man die Fähre nicht benutzen soll. Total topp! Keiner weiß warum, auch nicht das Internet, welches wir hier im teuren Golfclub schnell dafür noch nutzen. Es ist von erhöhter Anschlagsgefahr die Rede. Wir brauchen diese Fährverbindung jedoch, um von der Insel Cozumel nach Tulum zu kommen. Wir werden auf dem Schiff nochmal fragen. Verrückt machen bringt ja jetzt auch nichts. Weiter gehts also. Nächster Berg, nächster toller Ausblick. Wieder Villa, wieder 20 Dollar Eintritt. Unser Taxityp rafft es einfach nicht und gibt alles. Leider sind die tollen Ausblicke, die wir sehen alle durch hohe Bäume für Fotos unbrauchbar. Langsam wird er unentspannt. Wir wollen zurück zum Schiff. Zum Abschluß gibt es eine Stadtrundfahrt durch Montego Bay, mittenrein in den Ausnahmezustand!! Das wollten wir eigentlich vermeiden. Uns ist etwas mulmig. Die Menschen haben so einen merkwürdigen Gesichtausdruck und manche kommen bettelnd ans Auto. Niemand traut sich daraufhin Fotos zu machen. Es lohnt sich auch überhaupt nicht. Wir sehen ansich nur Dreck und Elend, mit ein paar hübsch renovierten Kirchen und Plätzen dazwischen. Vieles ein bisschen Kolonialenglisch. Zu guter Letzt fordert unser unverschämter Fahrer auch noch ein Trinkgeld, kommt damit aber nicht durch. Jemand fragt, ob er denkt, dass alle Europäer Gelddrucker im Keller stehen hätten. Wenn das Bob Marley wüsste…Wir sind froh, wieder auf dem Schiff zu sein. Haben noch ein bisschen Zeit bis zum Auslaufen, machen Sport, gehen schwimmen und genießen die Sonne.

Dann wird es langsam dämmrig, der Kapitän spielt „Time to say Goodbye“ und wir legen ab.

Mit Sicherheit tun wir dem Land unrecht, aber Jamaika brauchen wir nicht nochmal. Die „Just White“ Party am Abend schenken wir uns auch, wenn man auf eine 6 Monate dauernde Weltreise weiße Klamotten mitnimmt, kann man höchstens noch bei „Just Grey“mitmachen. Meine Informationsbeschaffung zum Thema Fähre in Mexiko ist auch nicht besonders erfolgreich. Ich erfahre lediglich, dass die USA verboten hat, diese Fähren zu benutzen. Da auch US Amerikaner an Bord sind, werden alle Fahrten gestrichen. Warum das so ist, konnte mir die etwas angepisste Dame aus der Ukraine auch nicht sagen.

Für den nächsten Tag steht Georgetown auf Grand Cayman auf dem Programm, das kennen wir auch nur von irgendwelchen Steuerflucht- und Briefkastenfirmengeschichten, bzw -filmen.

Im Hafen sehen wir eine alte Bekannte: Die Norwegian Jade, mit der wir unsere erste Kreuzfahrt im Mittelmeer gemacht und daraufhin beschlossen haben, amerikanische Kreuzfahrtgesellschaften künftig zu meiden… Heute werden wir „ausgebootet“:

Das dauert nicht viel länger, als über den Steg und ist mal was anderes. Grand Cayman ist die größte der Cayman Islands und britisches Überseegebiet. Es gibt schöne Strände und die Atmosphäre ist wesentlich entspannter als in Jamaika. Wir gehen erstmal Kaffee trinken, wollen mails und Nachrichten checken, da wir auf dem Schiff das Wlan nicht leisten können. Es muss doch noch irgendetwas genaueres über die verdammte Fähre herauszufinden sein… Im Cafe werden auch Zigarren hergestellt, allerdings werden sie hier nicht auf einem jungfräulichen Oberschenkel gerollt:

In 2004 wurden 80 Prozent der Gebäude auf Grand Cayman durch einen Hurricane zerstört, dabei zog der Sturm in circa 50 Kilometern Entfernung an der Küste vorbei. Bei Windgeschwindigkeiten bis zu 290 Km/h gab es auch mehrere Tdesopfer. Die Insel ist bekannt aus dem Film „die Firma“. Es gibt zwei verschiedene Leguan Arten, die nur hier vorkommen. Das sollte dann auch alles gewesen sein. Eventuell hätten wir auf einem MSC organisierten Ausflug etwas mehr erfahren, aber darauf haben wir keine Lust. Nach dem Kaffee suchen wir den Strand. Dabei werden wir von vielen hilfsbereiten Menschen angesprochen, die uns ihre Ausflüge aufs Auge drücken wollen. Klar, könnten wir einen Schnorcheltrip zu den Rochen machen, wir sind jedoch seit dem Delfinerlebnis in Kuba etwas zurückhaltend mit solchen Veranstaltungen und zudem auch total unternehmensmüde. Wir sind schon so lange unterwegs und haben so viel gesehen, dass wir einfach nur schlendern und abhängen möchten.

Einen ganz netten Strand finden wir am Anfang des 7 Mile Beach, aber mit unerem Stranderleben im Gepäck, ist er auch wirklich nur ganz nett.

Am Ende des Landausfluges bummeln wir noch ein wenig, kaufen ein Souvenir und gehen wieder vor Ablauf der Zeit zurück auf unser Schiff. Ich erfahre, dass es Anfang März auf einer der Fähren eine Explosion gegeben hat und lauter Spekulationen. Man hat eine Bombe gefunden. Bald sind Wahlen in dieser Gegend. Wir werden auch wieder nur zur Vorsicht aufgerufen. Setzen wir uns eben vorsichtig auf die Fähre, wenn diese dann mitten auf dem Wasser in die Luft fliegt – gute Idee. Ich googel schon mal nach Flügen. Das ist der einzige Moment auf der ganzen Reise, an dem mein Gatte und ich so unterschiedlicher Meinung sind, dass wir uns streiten. So heftig, bis Bela uns wieder auseinander zieht. Egal, denke ich, wenn ich einfach Flüge buche, müssen sie mit!

Dort haben wir das übliche Erholungsprogramm mit Sport, Schwimmen und heute gibt es ausnahmsweise mal Cocktails. Wir lümmeln uns auf den Liegen am Pool, weil die Sonne noch so schön scheint, als uns der Kapitän heute mit einem anderen Verabschiederitual überrascht. Er hupt. Alter Schwede, ein paar Leute fallen vor Schreck von den Liegen. Ich mache auch einen ordetnlichen Hüpfer. Bela und ich sind überzeugt, dass er auf der Brücke sitzt mit Blick auf das Deck, wartet, bis alle wieder auf den Liegen liegen und hupt erneut. Dreimal hintereinander. Das ist so laut. Erst, als alle denken, nun ist gut, hupt er wieder. Lustiger Vogel. Ich fand ja „Time so say goodbye“ schon schlimm…

Am Abend gibt es Flower Power 70er Party, wo wir diesmal mit unseren Goa Hosen teilnehmen könnten, wenn wir denn wollten. Wir treffen Lena und trinken mit ihr. Sie hat ein Getränkepaket 😉

Bela ist bis um 1 Uhr mit seinem neuen Kumpel unterwegs. Wir schlafen schon fast, als er zurück in die Kabine kommt. Morgen früh ist Checkout um 11 Uhr, das Gepäck muss bis um 8 Uhr vor der Tür stehen. Voll Pauschalurlaub. Danach werden wir uns selbst überlassen, raus geschickt ins gefährliche Mexiko und immer noch keine verlässliche Info über die Fähre. Sabotage soll es gewesen sein, es wurde auch keiner besonders schwer verletzt. Die Einreiseformalitäten werden übrigens auf dem Schiff erledigt, es gibt auch dieses mal keinen Stempel, weil die Tinte leer ist. Wir hätten also mit Belas Pass noch 5-9 andere Länder besuchen können.

Ich habe keinen Flug auf das Festland gebucht, das wäre Cancun gewesen, die völlig andere Richtung, es wäre wirklich zu umständlich und teuer geworden. Jetzt hilft also nur positiv denken. Wir laufen zur Fähre, kaufen Tickets und gehen an Bord. Die Kontrolle ist überraschend lax. Mit einem mulmigen Gefühl sitze ich da. Es gibt Livemusik auf dem Deck. Ist die Titanic nicht auch mit Musik untergegangen?

Natürlich geht alles gut. Nach 25 Minuten erreichen wir unbeschadet das mexikanische Festland.

24/7 Guantanamera oder KUBA

Zum Glück reisen wir, wie so oft, völlig unproblematisch ein. Die Beamtin sieht zwar recht gefährlich aus mit ihren goldenen, irre langen Fingernägeln und einer Oberweite, dass ich lieber in Deckung gehe, falls die Knöpfe anfangen zu schießen, ist aber sehr nett. Klemmt den Stempel für Bela in die Lücke, weil ich sie nett frage. Seitdem wir das Schreiben von der Botschaft nicht mehr zeigen,klappt das mit dem Lückenfüllen ganz gut. Sie fragt uns gar nichts. Wir müssen ihr nicht sagen, wo wir wohnen und wie lange wir bleiben. Auch müssen wir keine Krankenversicherung vorzeigen. Alles total entspannt. Auch unser Gepäck kommt vollständig an und problemlos durch den Zoll. Wir wechseln Geld. Das dauert ein bisschen. Von den vier Automaten werden jeweils zwei im Wechsel permanent aufgefüllt oder repariert, weil sich etwas verklemmt hat. Man darf nur alleine an einen Automaten. Da sind die ganz streng. Bela kommt zu mir und ich bitte ihn zu bleiben. Will den Wechselautomatenaufpasser mal etwas durcheinander bringen. Aber: kein Problem. Bela darf mit mir gehen. Ich werde geschult. Vom Automaten. Ich schiebe zweihundert Euro hinein. Sie kommen wieder raus. Sie dürfen keine Eselsohren haben. Natürlich haben sie das. Sie sind doch noch unser „Busgeld“, was wir im September für unseren geliebten T4 bekommen haben. Alle samt haben sie Schäden. Sind ja schon ziemlich weit gereist. Weiter als jeder Kubaner. Irgendwann klappt es endlich und wir bekommen 235 CUC. Es gibt in Kuba zwei verschiedene Währungen. Eine für Touristen, der Cubano peso Convertible. Damit dürfen die Einheimischen nicht bezahlen. Und es gibt die nationale Währung, den Peso, CUP genannt, damit dürfen Touristen nicht bezahlen. So ein Blödsinn, als ob dieses Land nicht genug andere Probleme hätte. Wir zahlen schließlich in CUC und die Kubaner müssen diese CUC dann erstmal wechseln, bevor sie es zum Bezahlen benutzen können. Eigentlich kann Kuba sich das nicht leisten… Wir finden ziemlich schnell ein Taxi und fahren mitten rein. Nach Havanna. In Barbaras Casa. Das ist eine Privatunterkunft, wie es seit etwa 2011 in Kuba erlaubt ist. Ich war in 1990 schon mal hier in Kuba und kann mich erinnern, dass es noch nicht einmal Restaurants gab. Wir haben immer im Hotel gegessen. Sozialistisches Feng Shui inklusive. Das hieß, das Geschirr wurde dir von der dreckigen Tischdecke unter der Kinnlade weggezogen, sobald du den letzten Bissen in den Mund gesteckt hattest. Das ist irgendwie immer noch so. Aber mittlerweile gibt es Restaurants und Privatunterkünfte. Sogar über Airbnb oder booking.com zu buchen. Allerdings muss man einen Reisegrund angeben. Unser Reisegrund, nämlich ganz einfach Tourismus, war nicht aufgeführt. Also musste ich mich zwischen kirchlichem Engagement (kommt wohl im Kommunismus nicht so gut an), Journalismus, diplomatische oder medizinische Tätigkeiten oder Hilfe für das kubanische Volk entscheiden. Das schien mir am wahrscheinlichsten. Also helfen wir gerade dem kubanischen Volk. Und das hat es sehr nötig. Dazu später mehr! Havanna ist ein großes Museum:

Uhrmacher bei der Arbeit – auch wie im Film…

In der Casa Barbara werden wir sehr herzlich empfangen. Wir buchen uns für 5 CUC pro Person Frühstück dazu und haben somit eine günstige Unterkunft in der Nähe des Zentrums von Havanna. Mit Familienanschluss:

Wir packen aus und schlendern zum Malecon. Das ist die etwa 7 Kilometer lange Uferpromenade, an unserem Abschnitt relativ gut erhalten, weiter weg, wohl in katastrophalem Zustand. Die ungefähr 3 Meter hohen Wellen schwappen über die Brüstung. Der Boulevard ist durchlöchert, mit Algen überzogen und glitschig wie Schmierseife. Laufend kaum zu bewältigen. Wir fühlen uns wie auf einer Zeitreise. Hier ist scheinbar in den 1960ern die Zeit stehen geblieben. Echt krass.

Die Leute feiern auf der Strasse, von überall hören wir Musik. Wenn wir denken, da vorne ist ein Shop, ist es bloß ein offenes Fenster. Alles ist hier offen. Fenster und Türen. Sperrangelweit. Das Abend- bzw Nachtleben findet halb drin und halb draußen statt. Wir gehen in das Restaurant, was uns von Barbara vorgeschlagen wurde und werden nicht enttäuscht. Wir zahlen etwa 13 Euro für einmal Fisch, zweimal Beef, dreimal Wasser und zweimal Mojito ohne und zweimal Mojito mit Rum. Leider darf hier überall geraucht werden, das ist während des Essens unangenehm. Bela verteilt Speerspitzen mit den Augen. Wir bummeln noch ein bisschen weiter, weil wir unsere Gegend erkundschaften möchten. Zwischendurch regnet es ziemlich schnell ziemlich viel. Wir sind klatschnass und dann wird es auch kalt. Also heim. Aus einem abruchreifen Haus bekommt Mike Küßchen zugeworfen und wird herangewunken. Wir erfahren später, dass die Frauen für ein gut bezahltes Schäferstündchen gerne und sofort ihre Arbeit liegen lassen. Ich bin ein bißchen sprachlos, dass das so offensichtlich und in meiner Gegenwart geschieht. Meinen Mann lässt das zum Glück kalt, er schüttelt sich erstmal, wegen dieses speziellen Exemplares. Das Frühstück am nächsten Morgen wurde uns nicht vor 9 Uhr angeboten. Wir haben jedoch Zeitverschiebung und sind deswegen schon recht früh wach. Sie wollen erst auf dem Markt noch frisches Obst für uns kaufen. Nett. Der Obstteller, den wir sozusagen als Frühstücksvorspeise bekommen, hat mehr Kalorien, als Bela innerhalb einer Woche zu sich nehmen kann. Es gibt für jeden von uns einen großen Teller mit Ananas, Melone, Papaya, Guave und 3 (in Worten drei!) Bananen. Dazu ein großes Glas Guavensaft, frisch geschrettert und mit viel Zucker selbstverständlich. Nach der Hälfte sind wir eigentlich satt. Sie sind total aus dem Häuschen, weil sie so gesundes Frühstück anbieten, was so lange vorhält. Bei uns in dem Fall bis zum Abendessen. Weiter geht es mit Spiegelei auf Fettsee, Weißbrot im Überfluss, Butter- und Käsescheiben, wobei die Butterscheiben so groß sind wie die Käsescheiben. Kaffee mit Milch. Milch heißt in dem Fall Kaffeesahne, 7.5%, normale Milch kennen sie nicht zum Kaffee und wundern sich zudem, dass wir keinen Zucker brauchen. Okay, wenn man sie sich so anguckt…Nett sind sie ja wirklich. Ehrlich nett und hilfsbereit. Aber diese Garderobe in Kombination mit der Figur. Erinnert uns stark an Presswurst. Alle beide. Und die 6 Jährige auch schon. Wie dem auch sei, wir essen nur soviel, wie reinpasst und verschwinden in Richtung Busterminal, wir haben noch kein Ticket für Varadero. Dabei bummeln wir durch eine „Einkaufsstrasse“, in der es keine Geschäfte gibt. Bela wird übel. Wir finden ein altes Taxi und machen uns auf den Weg, dann kann er sich etwas erholen.

Es ist recht warm und riecht ab und zu komisch hier. Vor dem Terminal schwätzt mir ein Taxifahrer seine Dienste auf und rechnet mir vor, dass wir sparen, wenn wir mit dem Taxi nach Varadero fahren. Im Nachhinein sollte er recht behalten. Da ich das erstmal nicht glaube, handel ich ihn um 30 CUC runter und freue mich. Abholen morgen in der Casa Barbara um 10 Uhr. Wir fahren zurück. Am Capitolio steigen wir aus und gucken uns das alte Zentrum an.

Wir dürfen uns eine total alte Sporthalle anschauen, aber leider nicht fotografieren. Bela findet eine Schießbude und versüßt dem Schießbudenopi den Tag mit ein paar tollen Treffern.

Es fängt wieder an zu regnen. Da wir uns unter einer Art Arkaden befinden, ist das nicht so schlimm.

Wir trinken Kaffee mit Kapelle, Guantanamera und so weiter, wie man es sich vorstellt. Einige Menschen tanzen. Wir laufen den Prado entlang, das ist so was wie die Kö in Düsseldorf, nur ohne Geschäfte. Vorsichtig, denn überall sind Löcher im Marmor.

Wir sehen das Fort, hier gibt es jeden Abend um 21 Uhr Kanonenschläge.

Am Abend essen wir ein Menü, der Wirt bringt uns persönlich zu einem Geldautomaten, weil wir nicht mit Karte zahlen können und uns das Bargeld eigentlich aufheben wollten. Ich bin überrascht, denn ich hätte hier nicht mit Geldautomaten gerechnet. Es geht aber problemlos. Wir speisen lecker und gehen noch auf ein Schöppchen zu einem Platz mit Musik und tanzenden Opis. Es ist warm, der Rum schmeckt, die Stimmung ist gut, wir genießen Havanna.

Das Frühstück für den nächsten Morgen haben wir auf zwei reduziert und auch diverse Obstsorten gestrichen. Trotzdem ist es irgendwie nicht weniger.

Ab 10:30 Uhr warten wir aufs Taxi, um 11:30 Uhr denke ich nicht mehr daran, dass es noch kommt. Es gab wahrscheinlich ein lukrativeres Angebot. Bela und ich gehen raus und wollen eins kapern. Das geht fix. Ein Mann steht so darum und fragt, ob wir ein Taxi brauchen. „Si“, sagt Bela, „to Varadero“. Ein Lächeln huscht über das Gesicht des Taxifahrers, es sind ja schließlich etwa 150 Kilometer bis dort. 100 CUC möchte er dafür haben. Zu viel, entscheiden Bela und ich sofort und handeln. Bela schafft es bis 65 runter und gibt ihm die Hand. Wir fahren zusammen zu Mike und dem Gepäck. Es ist überrascht, weil die ganze Aktion nicht besonders lange gedauert hat. Um 11:45 Uhr sind wir auf dem Weg nach Varadero. Viele kubanische Freunde warten dort schon auf uns. Die Fahrt vergeht zügig, Abel ist ein guter Fahrer und dazu noch sehr nett. Allerdings fährt er, wie übrigens alle Machomittelamerikaner, stets auf der linken Spur und schnallt sich vor der Polizeikontrolle an und danach wieder ab. In Havanna gibt es eine 6 spurige Straße direkt am Malecon entlang, da wo Mike laufen war. Er hatte die rechte Spur für sich und konnte auf der Straße laufen, weil auch dort alle nur ganz links fahren. Wie dem auch sei, wir kommen schnell im Hotel an und werden schon erwartet. Wir haben uns, trotz vieler schlechter Bewertungen, für das Stammhotel von Papa entschieden. Ein 3 Sterne All-Inklusive Hotel direkt am wunderschönen Strand von Varadero. Wir sind auf das Schlimmste vorbereitet. Eingecheckt werden wir von einer guten Freundin von Papa, sie hat uns ein extra großes und ruhiges Zimmer gegeben, fernab vom Animationstrubel. Da wir erst um 16 Uhr ins Zimmer dürfen und jetzt aber erst 13 Uhr ist, gehen wir Mittgsessen. Nicht ohne uns für nächsten Dienstag um 16 Uhr mit Abel zu verabreden, damit er uns wieder abholt. Das Restaurant, was Bela schnell liebevoll in Kantine umbenennt, ist ganz okay. Es gibt reichlich Auswahl, so dass auch Mike als Vegetarier immer etwas findet. Der Service ist allerdings basic. Da sitzt man schon mal 10 Minuten vor seinem Teller und hat kein Besteck. Die Leute machen eben nur dass, was sie gesagt bekommen, eigenständiges Denken ist hier nicht gewollt. Kuba ist einfach anders. Die Menschen nett und herzlich, aber auch nur dann ein wenig mehr, wenn sie etwas dafür bekommen. Der Verdienst ist sehr wenig. So bekommen Zimmermädchen umgerechnet gerade mal 20 Dollar im Monat! Für eine 6 Tage Woche. Dennoch ist ein Job als Zimmermädchen sehr gefragt, weil sie sehr viel Trinkgeld von den Touristen bekommen. Auch die Barkeeper pimpen ihr Gehalt, indem sie hinter der Theke Rum verkaufen. Ich finde das fragwürdig und habe lange mit einem Systembefürworter diskutiert, da kommt man auf keinen grünen Zweig. Das System wird verteidigt bis aufs Letzte. „Die Leute verdienen sehr wenig, ja“, das sei aber nicht schlimm, schließlich bekämen sie Grundnahrungsmittel nahezu kostenlos. „Reis, Bohnen, Milch, Eier und Mehl gibt es in einem Bonussystem, das reicht zum Überleben“. „Ja“, sage ich, „zum Überleben reicht es. Sagen die, die sich durch dieses System unterstützt die Vorteile rauspicken und sich die Kippen vollmachen“ Dafür ernte ich einen geschockten Blick. Sowohl von meinem Diskussionsgegner, als auch von meinem Mann, der -zugegebenermaßen- etwas diplomatischer auf die zweite Seite der Medaille hingewiesen hätte. Es ist unvorstellbar für mich. „Ich soll mal überlegen (wahrscheinlich sollte ich lieber weniger überlegen und mehr trinken), die medizinische Versorgung ist hier kostenlos. Für alle Kubaner. Und es gibt sehr gute Ärzte“… also die, die noch nicht ins Ausland verschwunden sind. Was nützen mir die besten Ärzte, wenn die Krankenhäuser und Praxen kein Equipment haben. Es gibt eine gute Klinik in Havanna, dort lässt sich halb Südamerika operieren, allerding kein einziger Kubaner. Diese Klinik ist privat und für Kubaner unerschwinglich. Ein Arzt verdient in Kuba etwa 80 Dollar im Monat. Das ist richtig viel für dortige Verhältnisse. Damit sie im Land bleiben gibt es außerdem Lockangebote wie zum Beispiel ein günstiges nettes Haus in einer guten Gegend oder schnellere Bearbeitung der Autobestellung. Normalerweise warten Kubaner einige Jahre auf ein bestelltes Auto. Ich habe jemanden getroffen, der verdient umgerechnet 15 Dollar im Monat, für 6 Tage je 8 Stunden Arbeit plus 1,5 Stunden Fahrt mit dem Bus pro Strecke. Ich musste aufpassen, dass ich nicht anfange zu heulen, als ich das gehört habe. Etwas, was wir auf dieser Reise immer wieder festgestellt und zu schätzen gelernt haben, ist das große Glück, welches wir mit unserem Geburtsort hatten. Lebst du in Deutschland, kann dir eigentlich gar nichts passieren. Wir sind so gut versorgt und abgesichert, im Gegensatz zu den meisten Menschen im Rest der Welt. Das sollte sich so manches Lästermaul mal zu Herzen nehmen. So und nun ab an den Strand!

Für heute haben wir nichts weiter geplant. Ankommen und chillen.

Am Abend gibt es eine Show, Bela will sie sehen, also machen wir das! Dazu gibt es Mojito mit und ohne. Eine Band spielt Rock. Ein betrunkener Engländer (die gibt es hier auch) soll auf die Bühne. Er war wohl schon letzte Woche und hat Eindruck hinterlassen, jedenfalls beim Sänger. Der ist nur schön und ruht sich ein bisschen aus, während der zahnlose Mann aus Birmingham „Smoke on the water“ ins Mikro brüllt. Die Menge tobt, auch des Engländers Frau schiebt ihren in Joggingmontur gekleideten Alabasterkörper Richtung Bühne. Viel mehr Zähne als er hat auch sie nicht. So langsam spricht sich unter den Hotelmitarbeitern herum, wer wir sind. Viele wollen Fotos machen, die wir Papa zeigen sollen. Alle freuen sich, vor allem, dass es ihm besser geht. Bela ist der Principe und wird verwöhnt.

Am nächsten Tag treffen wir Raul, seit 25 Jahren ein sehr guter Freund der Familie. Die Freude ist riesig. Schließlich kennt er Mike und Bela noch nicht.

Er packt uns kurzerhand in sein Auto und nimmt uns mit zum Grillen beim Bürgermeister. Wir starten um 14:30 Uhr etwa und wundern uns, wie schnell sich der Garten füllt, alle aufhören zu arbeiten und mit dem Trinken beginnen. Eine Flasche Rum steht auf dem Tisch, dazu gibt es Bier. Als sie merken, dass Bela nicht so gerne Rum trinkt, holen sie Cola. Kuba Cola, schmeckt wie früher in der DDR. Über Mike wundern sie sich auch, kaum Alkohol und seit 30 Jahren kein Fleisch. Damit kommen sie nicht klar. Der Bürgemeister repariert auch noch Autos. Deshalb empfängt er uns im schicken Braunen und riecht ein bisschen. Er ist jedoch der lustigste von allen und geht päter auch duschen und macht sich schick. Das einzige Deutsch, was er kann ist: „Ich bin ein Schweinehund“. Wer ihm das wohl beigebracht hat? Es wird ein altes Schweißgerät herbei geholt, das brauchen sie, um den Grill anzuschmeißen. Eine Mütze geht rum, sie wollen für den Einkauf sammeln. Das unterbrechen wir und übernehmen das! Alex (auch ein guter Freund von Papa) und der Bürgermeister fahren los. Elvira erscheint auf der Bildfläche. Die Exfau vom Bürgermeister. Laut, schrill und klebrig. Sofort schliesst sie Bela ins Herz, er ist ein bisschen sauer, denn:

und dann:

Sie haben das Haus und den Garten mit Hilfe einer Schnur in zwei Teile geteilt. Das stört sie aber gar nicht und feiert mit! Ich habe drei Tage Tinnitus.

Inzwischen ist auch Schatzi eingetroffen. Von ihr darf ich keine Fotos veröffentlichen. Schatzi ist 22 Jahre alt und seit zwei Jahren mit einem der Herren (Mitte 50) liiert. Seine Frau darf das nicht erfahren. Jeder hat hier so ein heimliches Liebchen. Nur der Bürgermeister nicht, der hat offiziell gleich ein paar davon, weil er sich hat scheiden lassen. Die Scheidung kann ich nachvollziehen…Was ich nicht verstehe ist, was so ein junges hübsches Ding mit einem 35 Jahre älteren Kerl mit Wohlstandsplautze und roter Nase möchte. Naja, sie verstehen auch nicht, dass Mike, nicht nur Vegetarier und Minimalkonsumierer von Alkohol ist und keine Freundin hat, die seine Tochter oder Enkelochter sein könnte. Wir feiern einfach weiter. Belas spanisch wird immer besser. Er versteht sich mit Alex auf Anhieb total gut. Alex ist ehemaliger Ruderer in der kubanischen Nationalmannschaft und hats noch drauf. Sie boxen und tanzen vorm Grill.

Der Grill wird angeschmissen, die Kerle sind vom Einkaufen zurück und haben 5 Hähnchen, sowie Tomaten und Reis mitgebracht. Außerdem mehr Rum.

Ich unterhalte mich mit einem Diabetiker. Da er keinen Alkohol trinken darf, erklärt er mir, trinkt er Cola. Bela sagt ihm, ich sei Doktor, und soll ihn retten. Wir versuchen das auf spanisch und mit Händen und Füßen. Ab und zu muss Raul noch übersetzen. Bela ist zufrieden, da er (und ich ein bisschen) ihm etwas zur Lebensverlängerung beibringen konnten. Im Zuge dessen bekommt Raul auch gleich einen Trainigsplan von Bela, weil er auch einen viel zu dicken Bauch hat. Und er soll ab jetzt keinen Rum mehr trinken. Raul ist ein bisschen in der Zwickmühle 😉

Wir feiern weiter. Langsam wird es kalt. Ich bin mir nicht sicher, ob wir nur gut adaptiert sind oder auf dem Weg zum Weichei, wenn wir bei einer Außentemperatur unter 26 Grad anfangen zu frösteln. Wir werden eingekleidet und müssen weiter feiern. Die Hähnchen sind richtig lecker, ebenso die Tomaten. Ich habe vorher noch nie grüne Tomaten gegessen. Bela findet auf dem Hof und in der Garage allerlei Dinge zum Spielen und hat Spaß.

Es kommen auch immer mal wieder Leute vorbei, so auch Uwe aus Hamburg. Auch er mit einer 23 Jährigen im Schlepptau. Er ist fast ausgewandert. Immer längere Zeit hier und dann wieder kurz in Deutschland, um auf Föhr (wie witzig, unsere zweite Heimat) Strandgut zu sammeln, in Hamburg zu verkaufen und mit dem Geld dann wieder hier für mehrere Monate. Papa kennt er auch. Miguel kommt auch vorbei. Das ist super. Er ist Tauchlehrer und auch schon mit Papa getaucht. Wir verabreden uns mit ihm für Freitag zum Tauchen auf der Karibikseite von Kuba in der Nähe der Schweinebucht. Mike und ich wollen Schnorcheln und Bela mal wieder tauchen. Wir freuen uns sehr darauf. Um 22 Uhr werden wir ins Hotel gebracht, trinken mit Raul noch einen Kaffee und hatten einen wunderschönen Tag, den man als normaler Tourist so niemals hätte haben können.

Den nächsten Tag brauchen wir wieder zum Nichtstun. Ich fahre mit Bela in einen Freizeitpark. Sehr spannend. Hin mit der Kutsche, zurück mit einem alten Taxi.

Der Park ist sehr klein, es fährt auch nur das Riesenrad. Wer mich kennt, weiß, dass das gut ist. Also rein. Für unglaubliche 0,5 CUC fahren wir beide. Das ist so wenig, dass ich schon überlege, Trinkgeld zu geben. Da es nicht sehr hoch ist, lasse ich das!

Die meisten Geräte fahren gar nicht. Sie sind kaputt, Ersatzteile gibt es nicht. Das ist total schade, denn das hier können sich sogar die Kubaner leisten. Bela und ich sind die einzigen Touristen hier. Der Autoscooter ist schon ganz eingestaubt. So ganz unglücklich bin ich über die kaputte wilde Maus nicht, ich denke an TÜV und Übergeben… Den Rest des Tages verbringen wir am Strand.

Am Abend klinkt Mike sich aus und ich gehe mit Bela zur Zaubershow. Das hat uns der Engländer empfohlen, bzw. befohlen. Okay. Die Zauberei ist wirklich gut. Dann kommt der Clown. Ich habe schon länger ein gestörtes Verhältnis zu Clowns. Erst muss ich auch mal lachen, doch das vergeht mir, als ich auf die Bühne soll. Ich mache mit, will ja mein Kind nicht blamieren. Es gibt einen Glöckchen Witz. Zum Glück liegen 11 Glöckchen auf einem Tisch und mit mir müssen noch 10 weitere Unfreiwillige auf die Bühne. Auch unser Freund aus Birmingham. Da das ein All-Inklusive Hotel ist und er Engländer, ist er selbstredend bereits donnervoll. Er steht am Bühnenrand, macht Späße und fällt rund 1,20 Meter von der Bühne runter. Sofort springen alle hin, ich halte mich jedoch bescheiden im Hintergrund. Er versucht sofort aufzustehen und dabei zu grinsen. Das geht schief. Er hat bei dem Sturz sowohl Sonnenbrille, als auch Sprunggelenk geschrottet. Ihm wird auf die Bühne geholfen, der Clown macht sich lustig und positioniert ihn weit weg vom Bühnenrand, direkt neben mich, der Engländer tut so, als wäre nichts und ich stehe mit meinem gelben Glöckchen auf der Bühne und warte auf meinen Einsatz. Den vermassel ich, weil der Clown mich verarscht…Wir haben übrigens danach weder den Engländer, noch seine Frau jemals wieder gesehen. Wahrscheinlich musste er ins leere Krankenhaus, um sich kostenlos behandeln zu lassen 😉

Am nächsten Morgen holt uns Miguel pünktlich zum Tauchausflug ab. Wir fahren zunächst auf sein Anwesen, um ein paar Sachen zu holen. Er hat eine wunderschöne Estancia mit Pferden und einem großen Pool für die Tauchkurse. Leider wartet er schon ewig auf die Lizenz zum Zimmer vermieten. Die warten nämlich bereits fix und fertig auf Gäste.

Wir fahren einmal quer durch Kuba auf die Karibikseite in die Nähe der Schweinebucht. Wir kommen dort durch, wo es keine Touristen, keine Hotels und auch keine Restaurants gibt. Das ist schon alles sehr deprimierend anzusehen. Sollten doch bitte alle Verfechter des Kommunismus mal hier herkommen und sich das anschauen…

Die Schweinebucht an der Südküste Kubas wurde nicht nach Schweinen benannt, sondern nach den karibischen Drückerfischen, die hier -wie auch die Schweine- cochinos genannt werden. 1961 gab es dort ein für die USA riesengroßes politisches, wie auch militärisches Debakel. Ein von den USA organisierter Angriff kubanischer Exilkubaner, welcher den Sturz Fidel Castros zum Ziel hatte, scheiterte, weil diese Pläne im Vorfeld wohl „durchgesickert“ waren und die kubanische Armee vorbereitet gewesen ist, ja sogar quasi auf die Invasion gewartet hat. Die 1113 gefangenen US Soldaten wurden gegen u.a. Kompott für kubanische Babies getauscht. Das ist etwas, wofür heute die Kubaner noch unglaublich stolz sind. Fidel war so klug und hat einen solch guten Deal ausgehandelt. Ich geben zu bedenken, dass Kuba ja offensichtlich durch dieses System nicht in der Lage war, ihre eigenen Babies, sprich ihre Zukunft, ernähren zu können. Da gucken sie dann komisch…Der Teller über deren Rand man hier guckt, hat einen ziemlich kleinen Durchmesser!

Wir kommen an unserem Tauchplatz an und Miguel hat überraschenderweise -ich glaube nach Absprache mit meinem Ehemann- eine dritte Ausrüstung für mich dabei. So werde ich überredet und gehe zum ersten Mal seit 20 Jahren wieder tauchen! Was für ein Abenteuer. Gut, dass wir Kubas besten Tauchlehrer dabei haben.

Es ist genau wie mit Fahrrad fahren, schwimmen und Ski fahren, man verlernt es nicht. Wir machen wegen Bela nur basic, obwohl er in den letzten Jahren mehr Tauchgänge absolviert hat als ich, darf er wegen seiner kleinen Kinderlungen nur maximal auf 5 Meter Tiefe. Nach anfänglichen Austarierschwierigkeiten und schneller panischer Atmung, dadurch wildes Gebubbel, und immer das Gefühl mich auch um Bela kümmern zu müssen, werde ich gechillter und fange an, es zu genießen. Bela macht es von Beginn an super, natürlich mit Überschlägen und anderen Späßen. Wir schweben dahin und sehen viele bunte Fische in einem erstaunlich intakten und wunderschönen Korallenriff. Sogar Barakudas und Feuerfische bekommen wir zu Gesicht. Wie vor 20 Jahren vergehen auch heute die Tauchgänge unglaublich schnell. Mike ist eine Weile über uns geschnorchelt und hat sich von unseren Blasen kitzeln lassen. Da wir jetzt einen riesengroßen Hunger haben, geht Miguel mit uns dorthin, wo keine Touristen hinkommen. Wir werden köstlich bekocht und erleben Kuba so, wie es ist!

Auf dem Weg zurück stoppen wir an einer Krokodilfarm. Da wir in letzter Zeit nur mit Rettungszentren zu tun hatten, dachten wir natürlich, diese sei auch zur Rettung der Krokodile gedacht oder zum Aufpeppeln von kranken oder verletzten Krokodielen. Aber leider ist das nicht der Fall. Die Krokodile werden nur zum Geldverdienen benutzt. Es ist nicht schön zu sehen, wie man hier mit den Tieren umgeht. An einem großen Gehege kann man ein Stück Kuhhaut an einer Angel kaufen und den Tieren geben. Das führt jedoch nur zu Kämpfen, bei denen schon so manches Auge auf der Strecke geblieben ist. Belas Entsetzen muss ich dann einer Angestellten übersetzen, die den Eindruck macht, als sehe sie das genauso wie wir, aber machtlos ist, weil sie ihren Job nicht verlieren möchte. Natürlich bleiben wir nicht lange hier.

Kurz vor Varadero stoppen wir wieder auf dem Anwesen des Tauchlehrers. Es ist jetzt schön warm, Bela springt in den Pool. Kurzes Entsetzen bei den anwesenden Erwachsenen, ihre Kinder können alle nicht schwimmen. Das sind Situationen, in denen wir schmunzeln müssen. So geht es uns, seit dieses Kind im Alter von 3 Jahren seine Seepferdchen Prüfung abgelegt hat. Er schwimmt wie ein Fisch seit seinem ersten Geburtstag. Das hat oft in Asien schon zu lustigen Situationen geführt, wenn er mit einem eleganten Kopfsprung in den Pool sprang und sämtliche Asiaten sofort an den Beckenrand eilten und rumkreischten. Keiner fühlte sich in der Lage, ihn zu retten, weil sie alle selber nicht schwimmen konnten. Ihre eigene Kinder waren ausgerüstet mit allem, was es käuflich zu Erwerben gab. Schwimmreifen, Weste, Schwimmflügel und auf dem Rücken noch etwas mehr zum Aufblasen. Dabei durften sie sich dann bloß nicht aus Versehen auf den Bauch drehen, denn dann wären sie ertrunken…

Auf einen Tipp hin, haben wir uns für Samstag zu einer tollen Katamaranfahrt angemeldet. Wir und das 6 Jährige Kind, welches kostenlos mitfahren kann 😉 Alles inklusive, auch das Mittagessen und schwimmen mit Delfinen. Spätestens da hätten wir eigentlich stutzig werden müssen. Der Bus kommt um 9 Uhr und fährt durch ganz Varadero, um aus allen Hotels andere Gäste einzuladen. Um 10.30 Uhr sind wir auf dem Schiff. Mit gefühlt 100 anderen feiergelaunten und durstigen Gästen in nachgemachter Markenkleidung…

Wir sichern uns ein schönes Plätzchen vorne im Netz, da sind außer uns noch Gleichgesinnte, die keinen Bock auf Trink- und Tanzspielchen haben. Die Bar öffnet und los gehts. Rumpunsch, bis nix mehr reinpasst. Mit Despacito natürlich. Der Kapitän sucht sich eine dürre Verbrannte und schiebt sie mit seinem Bauch über das Deck. Die Menge tobt.

Das Wasser ist super, aber zum ersten Mal in meinem Leben, schnorchel ich nicht am Schnorchelpunkt. Wir stecken genau dort drin, was wir bisher immer geschafft haben zu vereiden, in dem wir privat entgegen der offiziellen Routen losgezogen sind. Inmitten von weiteren 5 Katamaranen, was soviel heißt wie: 350 in Schwimmwesten steckenden jolenden und kreischenden Möchtegernschnorchlern, teilweise mit Guide an der Seite, damit sie nicht absaufen. Das können die nämlich trotz Weste. Fische? Fehlanzeige. Hätte mich als Fisch auch verkrümelt. Zum Lunch halten wir auf Cayo Blanco. Sehr hübsche Insel…eigentlich! Jedoch nur zum Zwecke des Tagestourismus eingerichtet. Dementsprechend voll ist es auch hier. Da wir noch eine Stunde Zeit haben bis zum Lunch suchen wir uns eine Liege am Strand. Wir sind schneller als die anderen und finden eine an offenbar der einzigen Palme auf der Insel.

Diese Palme ist extrem begehrt. Die Damen stehen davor Schlange, um sich fotografieren zu lassen oder Selfies zu machen. Die Chinesinnen trampeln dabei natürlich über unsere Handtücher und Rucksäcke. Das Highlight ist eine Dame aus Italien, die sich im Stringbikini an der Pame räkelt und aller Welt ihren total verpickelten Allerwertesten präsentiert. Eine Russin posiert kokett mit einer Ananas und verschwindet dann mit dem Bademeister. Das Wasser ist ein richtiger Traum, leider voller Menschen.

Ich erwische den dicksten Mann der Welt, wie er eine Kippe ins Wasser schnippt und flippe aus. Er nimmt sie zurück und steckt sie in seine Badehose. Was gibt es nur für Menschen? Eine Frau sagt daraufhin, das sie das Seegras auch so ekelig findet. Ich sag: „Nee, der Typ hat seine Kippe ins Wasser geschnippt, das ist ekelhaft“ Wenn ich gewusst hätte, dass es ihr Mann ist, hätte ich es entsprechend schärfer formuliert. Mittlerweile habe ich auch einen Rumpunsch getrunken, doch das Bacardifeeling will sich nicht einstellen. Also muss es ein zweiter sein. Ist ja alles bzahlt. Wenn ich schon die Welt nicht rettenkann, bin ich halt Pauschaltourist. Zur Bespaßung gibt es ein Krebsrennen. Alle stellen sich in einen Kreisund ziehen ein Kästchen vor sich in den Sand, der Ersatzbademeister (der andere steckt wahrscheinlich noch in Rußland fest) bringt ein großes Glas voller Einsiedlerkrebse und schüttet es im Sand aus. Super Idee, die Tiere durch die Hitze flitzen zu lassen. Bela steht brav im Kreis, in der prallen Sonne, Despacito auf Anschlag und feuert recht verhalten die Krebse an. Wenn man nicht klatscht, rennen sie nicht. Das weiß doch jeder. Der Gewinnerkrebs rennt in die Nachbarkiste und Bela verpasst knapp den Hauptgewinn: eine 3 Liter Flasche Rum! Mein persönliches Bacardifeeling kommt mit einem Hammerschlag, um ein Haar hätte ich sogar noch beim Bademeistertanzkurs mitgemacht. Meine Männer haben das gerade noch verhindert. Ab jetzt bekomme ich nur noch Wasser. Zum Glück! Es gibt Lunch. Das heißt in diesem Fall Buffett. Ist alles ein bisschen geht so, für Massen kochen kann nicht jeder. Wir bringen das schnell hinter uns und gehen wieder baden.

Zurück auf dem Schiff, werden wir vom Schiffsfotografen belästigt. Morgen können wir den ganzen Film im Hotel kaufen. Super. Nun freuen wir uns auf schwimmen mit Delfinen. Wir fahren um die nächste Kurve und das Bacardifeeling ist weg, so schnell, wie es kam. Wir halten vor einem Delfinarium und sind sprachlos. Bela sammelt sich als erster und sagt, da gehen wir auf keinen Fall rein. Drei Delfine schwimmen in einem abgesteckten Bereich, der ungefähr so groß ist wie unser Wohnzimmer und müssen dumme Sachen machen. Die Zuschauer -das soll wohl das Schwimmen sein- stehen bis zu den Knien im Wasser und dürfen sich küssen lassen. Ich versuche dem Kapitän zu erklären, warum wir das ablehnen, an Bord bleiben wollen und unseren Anteil Geld für diesen Part des Ausfluges zurückfordern. Da fängt der an, sich über uns lustig zu machen. Wie wir uns das vorstellen, schwimmen mit Delfinen, die nicht eingesperrt sind. Halten wir irgendwo und pfeiffen, damit sie kommen? Das hätte er ja noch nie gehört. Mike wird spontan böse, Bela fängt an zu weinen und ich erzähle ihm von Neuseeland, Argentinien und Panama, wo wir überall Delfine in freier Wildbahn erlebt haben. Hat er noch nie gehört und lacht weiter. Ich werde auch sauer. Die Delfinschau ist ein Trauerspiel, das könne wir vom Schiff aus sehen. Wahrscheinlich gibt es hier gar keine Delfine mehr, weil sie alle gefangen und eingesperrt haben, um damit Geld zu verdienen. Wir haben ja bereits erlebt, wie der Kommunismus mit Tieren umgeht. Ein wenig frustiert geht es zurück. Natürlich wieder mit Tanzspielchen, bei denen reichlich gesoffen wird. Im Bus sitzt eine blasse Dame mit den Füßen nach oben und sieht gar nicht gut aus. Neben ihr ein etwa 10 jahre altes Kind. Ich habe die beiden bereits beim Lunch gesehen, die Mutter hat gesoffen, was rein ging. Jetzt ist ihr wohl ein bisschen übel. Mike holt schon mal eine Tüte raus und gibt sie ihr. Bela wird später ihre Mahlzeit analysieren…Das Kind tut uns allen leid, besonders, als sie ihren Ausstieg am Hotel verpassen und der Busfahrer mitten auf der Strasse halten muss, um sie rauszulassen. Bela ist sehr erleichtert, dass wir jetzt nicht mehr so viel trinken. Das verkündet er lauthals im Bus und einige Menschen schmunzeln. Man spricht Deutsch!

Zwischendurch bekommen wir so etwas aus Deutschland und sind wieder mal der Meinung, dass wir alles richtig gemacht haben.

Durch die viele Sonne sind wir abends so platt, dass wir ziemlich früh im Bett liegenund sogar die Show verpassen. Der Sonntag ist Strandtag vom feinsten.

Das Wasser ist mit das schönste, was wir je erlebt haben. Abends gehen wir mit Raul in die Pizzeria. So langsam können wir das „Kantinenessen“ nicht mehr ertragen. Wir zahlen für alles für alle etwa 25 Euro!

Am nächsten Tag sind wir zu Alex und seiner Frau zum Langustengrillen eingeladen. Darauf freuen wir uns sehr, besonders Bela. Es wird ein richtig lustiger Abend. Hortensia zeigt mir Bilder von der Hochzeit ihrer Tochter, zu der mein Papa eingeladen war. Wir schicken ihm eine Nachricht. Bela und Alex grillen:

Bela trifft den Brotmann:

Bela und Alex werkeln in der Werkstatt:

Hortensia und Martika mit mir in der Küche:

Der Bürgermeister ist natürlich auch wieder mit von der Partie:

Mit seinem alten Lada bringt er uns in die Eisdiele:

So endet der Abend in der Eisdiele in Santa Marta. Das Eis ist lange nicht so gut wie in Argentinien, aber auf jeden Fall besser als in Deutschland.

Den letzten Tag verbringen wir wieder am Strand.

Check out ist dank Papa erst um 17 Uhr. Der Wagen unseres Zimmermädchens sieht übrgens so aus:

Dann heißt es Abschied nehmen, jeder möchte noch schnell ein Bild machen. Esmeralda und Yoli haben Bela besonders ins Herz geschlossen:

Martika mit dem Nachbarbaby

Und natürlich Raul, von ihm ist uns der Abschied am schwersten gefallen. Ich hoffe nicht, dass es wieder 15 Jahre dauert, bis wir uns wiedersehen!

Abel ist pünktlich und los gehts. Zum nächsten Abenteuer

Pura Vida in Costa Rica…

Wir gehen zu Fuß nach Costa Rica. ich bin mir nicht sicher, ob ich jemals eine Grenze zu Fuß überquert habe…

Die Ausreise aus Panama klappt super, wir haben wieder einen netten Beamten, der den Stempel für Bela platzsparend dazwischen quetscht, ebenso bei der Einreise in Costa Rica. Dabei haben wir vorher die übelsten Geschichten über die Laune der Grenzbeamten gelesen. Dass sie viele merkwürdige Fragen stellen, wie z.B. wieso man so viele Stempel im Pass hat und so weiter. Wir wurden nichts dergleichen gefragt, mussten noch nicht einmal ein Ausreiseticket zeigen oder sagen, wie lange wir bleiben werden. Alles entspannt. Unser Shuttlebusfahrer ist eine faule unfreundliche Person, er ist aber auch der einzige unfreundliche Mensch, den wir in Costa Rica treffen. Alle anderen sind sehr nett, wobei wir es überwiegend mit ausgewanderten Europäern zu tun haben. Wir fahren nach Puerto Viejo. Dort habe ich ein kleines Hotel gebucht, was sogar eine Wasserrutschte hat. Pool und Garten sind wirklich sehr schön, die französische Besitzerin ist sehr nett, aber die Bungalows sind weniger als basic.

Die Schranktüren sind kaputt, es gibt keinen Mückenschutz vor den Fenstern und nur einen Ventilator. Weil wir nicht lüften können, wird die erste Nacht sehr heiß, Bela und ich schlafen kaum. Zerstochen werde ich dennoch. Wir dürfen morgen umziehen, in einen anderen Bungalow. Der ist etwas größer und heller.

Beim Lunch, den wir erst um 17 Uhr kurz vor dem Verhungern schaffen, stellen wir fest, dass es in Costa Rica erst 16 Uhr ist…Komisch. Nur 60 Kilometer gefahren von Bocas aus und eine Zeitverschiebung dazwischen.

Puerto Viejo ist ein typisches Touristenörtchen mit vielen Souvenirshops und Restaurants. Wir wohnen etwas außerhalb des Zentrums. Ein paar Ausgehmöglichkeiten gibt es aber auch in unserer Nähe. So waren Bela und ich am ersten Abend nochmal mit Taschenlampe unterwegs und haben einen Shake getrunken. Eine Schlange haben wir zum Glück nicht gesehen. Es gibt hier in Costa Rica sehr viele Schlangen. 145 verschiedene Arten, viele sehr giftig. Deshalb ist es wichtig mit Lampe rauszugehen, wenn es dunkel ist. Wir lassen es gechillt angehen. Lesen viel, chillen am Pool, gehen zum Strand. Wir besuchen ein Ara-Rettungszentrum. Das ist wunderschön. Leider ist der Volunteer, der die Führung macht, eine Schnarchnase und gestaltet es ziemlich langweilig. Aber die Papageien sind wunderschön.

Abends bummeln wir durch das Zentrum, kaufen ein Souvenir für unsere Sauna, gehen essen und in den Supermarkt. Wir haben eine Kochgelegenheit im Bunglow und brauchen noch etwas zum Frühstück. Es fängt an zu regnen wie aus Eimern, deshalb ist die Kassiererin so nett und ruft uns ein Taxi. Stockfinster ist es nämlich auch bereits ab 17 Uhr etwa…

Irgendwie ist die Luft ein wenig raus. Bela und ich fühlen uns nicht so wohl im Hotel. Wir reden mit Charlene, sie ist so nett und lässt uns ohne Kosten vorzeitig auschecken. Das heißt, wir bleiben eine weitere Nacht und ziehen dann um. Wir besuchen aber vorher noch ein Jaguar-Rettungszentrum, das ein absolutes Highlight ist. Wir dürfen das Gepäck im Hotel lassen und gehen zur Führung um 11:30 Uhr. Wir haben Glück, es gibt eine auf Deutsch. Das ist für Bela immer noch etwas interessanter. Im Rettungszentrum werden verletzte oder kranke Tiere aufgepäppelt und in den meisten Fällen wieder ausgewildert. Luis, ein Volunteer aus Hamburg, macht das super. Er erzählt interessante Dinge über die Tiere und die Arbeit im Zentrum. Eigentlich wollte er nur einen Monat bleiben, das war vor einem halben Jahr. Wir sehen viele Faultiere und erfahren Dinge, die wir vorher nicht wussten. Den Unterschied zwischen einem 2 und 3 Finger Faultier etwa, oder, dass sie 12 Stunden ruhen, 8 Stunden schlafen und sich nur 4 Stunden langsam bewegen und essen. Nur Blätter, deshalb haben sie nicht so viel Energie. Sie nehmen pro Tag etwa 170 Kalorien zu sich, damit müssen sie haushalten. Wir sehen viele Babyfaultiere, die sind wirklich extrem süß. Sie kommen ins Zentrum, weil sie zum Beispiel von der Mutter abgefallen und vom Baum runtergeplumpst sind. Bis die Mutter dann runtergeklettert ist, um es zurück zu holen, vergeht natürlich sehr viel Zeit. Oft wird es dann vorher gefunden und abgegeben.

Wir sehen auch ein kleines Krokodil, welches am Strand gefunden wurde. Das muss allerdings im Rettungszentrum bleiben, da die Regierung verboten hat, es wieder auszuwildern. Es wird erwartet, dass es bis zu 6 Meter lang wird, entsprechend schwierig wird es werden, ihm einen geeigneten Platz zu bieten.

Wir sehen viele Schlangen, die sie hier nur zu Aufklärungszwecken halten. Luis sagt, wenn man vor hat, sich von einer Schlange beißen zu lassen, dann sollte man es hier in Costa Rica tun. Es wird hier sehr viel mit Schlangengift geforscht und dementsprechend gibt es hier weltweit die beste Versorgung mit Gegengiften. Wieder was für „Wer wird Millionr“ gelernt! Das beruhigt mich sehr, dennoch habe ich nicht vor, mich von einer Schlange beißen zu lassen. Weder hier noch irgendwo anders. Ich denke, Mike und Bela sehen das ähnlich.

Wir sehen weitere Faultiere, auch ein wildes, welches gerade durch einen Baum über das Zentrum klettert. Es gibt zahlreiche Babyaffen, mit denen die Volunteers jeden Tag in den Wald gehen, um sie auf das Auswildern vorzubereiten. Interessant ist dabei die Tatsache, dass die Affen sich merken, in welche Tasche ein Volunteer sein Handy steckt und bei plassender Gelegenheit zugreifen. Dann verstecken sie es auf nimmer Wiedersehen in ihrem Geheimlager. Einmal wurde einem der freiwilligen Helfer nach 5 Monaten sein Armband zurückgegeben. Das war jedoch eine Ausnahme. Einen Affen gibt es, der in der Lage ist, Türen zu öffnen, buw. Schlösser zu knacken. So hatte er eines Morgens alle anderen Affen freigelassen. Muss wohl ein heiloses Durcheinander gewesen sein. Danach wurden Zahlenschlösser angeschafft, das war etwas mühsamer für das Äffchen, aber letztenendes auch kein allzu großes Problem. Wir sehen einen kleinen Kaiman und ein Otzelot, welches als Haustier gehalten und dann einkassiert wurde, da das Halten von Wildtieren in Costa Rica verboten ist. Dieser Otzelot ist jedoch schon so sehr an Menschen gewöhnt, dass es nicht lange gedauert hat, bis er nach dem ersten Auswilderversuch wieder im Zentrum aufgetaucht ist. Somit darf er bleiben, damit er nicht in Hotels oder in die Stadt geht. Ein zweiter Otzelot wurde einem Bauern abgenommen, der ihn schwer mit der Machete verletzt hat, so dass er jetzt einen Gehirnschaden hat. Er darf, vielmehr muss, ebenso bis zu seinem Lebensende im Reservat bleiben. Natürlich müssen wir ein Kuschelfaultier kaufen, bevor wir gehen. Das Taxi kommt und es geht los. Gepäck holen und einen Ort weiterreisen. Es geht nach Cahuita. Dort gibt es den gleichnamigen Nationalpark, wo man auch auf eigene Faust durchwandern kann. Das Hotel ist sehr schön, wir werden von Balu, dem Hotelhund begrüßt.

Gleich als erstes zeigt uns Nacho, der nette Mitarbeiter aus Barcelona, ein schlafendes Faultier in der Hecke.

So geht es weiter im Hotelgarten. Es gibt jede Menge Pfeilgiftfrösche, Vögel und Eichhörnchen. Einen Papagei gibt es auch, der wird nur leider manchmal von Balu geschnappt und sieht entsprechend zerrupft aus. Zum Glück macht er jedesmal ein Riesentheater und kann immer in letzter Sekunde gerettet werden. Natürlich hat er ein Trauma!

Obwohl Balu ein Steffordshire ist, habe ich keine Angst vor ihm. Wir haben auf der Reise so viele Hunde kennengelernt, darunter auch Listenhunde, wie sie bei uns heißen, und alle waren freundlich. Balu liebt Bela, ganz besonders seine Füße. Da Bela meist barfuß geht, muss er also schlabberige Kitzelattacken über sich ergehen lassen. Je lauter er quietscht, umso intensiver schlabbert der Hund über die Füße. Best buddies für drei Tage…

Ich finde ein weiteres Faultier im Hotel:

Wir spazieren durch den kleinen Ort, es ist hier etwas beschaulicher und nicht so ganz schlimm touristisch, wie in Puerto Viejo.

Lunch haben wir wieder erst um 16:30 Uhr, dafür sparen wir das Abendessen. Es gibt gutes Selbstgekochtes in einem sehr einheimischen Lokal. Wie so oft ist es Fisch und es schmeckt wie immer sehr lecker. Abends regnet es und wir spielen Karten. Schlafen können wir ziemlich gut. Es ist fast kühl (ich überlege, ob ich einfach nur gut adaptiert bin oder auf dem Weg zum Weichei, weil ich bei 25 Grad gegen Abend anfange leicht zu frieren…das darf man zu Hause bei 10 Grad unter Null keinem erzählen!) Das Frühstück ist prima. Wir haben gelesen, es gebe wohl keinen guten Kaffee in Costa Rica, weil der komplett exportiert wird und nur der minderwertige Kaffee im Land bleibt (so ähnlich wie in Argentinien das Rindfleisch). Das können wir nicht bestätigen. Ich trinke ab und zu wieder Kaffee und habe damit hier erst wieder angefangen, gerade weil der Kaffee so gut ist. Wir brechen früh auf. Heute steht eine Tour im Nationalpark an, wir wollen nicht zu spät hin, wegen der anderen Touristen. Die sind ja bekanntlich oft laut und vertreiben die Tiere. Da fällt mir ein, dass wir schon länger keine Chinesen mehr gesehen haben. Ist wohl nicht so die Region für Chinesen. Liegt nicht auf der „Taj Mahal – Eifelturm – Oktoberfest – Gran Canyon – Achse“. Wir müssen einen Obulus entrichten und uns in ein Buch eintragen. Ein privater Guide steht auch schon parat, obwohl wir ihn nicht eingeplant haben. Wir entscheiden uns für eine Tour mit ihm, verhandeln noch ein wenig über den Preis und haben schon nach 10 Minuten lauter Tiere gesehen, die wir ohne ihn niemals bemerkt hätten. Wir sehen Leguane, Vögel, Spinnen und natürlich viele Faultiere. Ein paar Affen sehen wir auch, doch dann fängt es leider an zu stürmen und zu regnen. Wir gehen an Stränden entlang, der Sand ist braun und das Wasser auch. Überall weht die rote Flagge. Gut, dass wir uns für hier keinen Strand vorgenommen haben. Der Wind wird stärker. Der Guide sagt, es sei das Wetter, bei dem Schlangen fliegen können. Mir wird komisch. Er lacht. Wir kommen an einem Termitenbau vorbei und Bela erklärt ihm, wie Termiten schmecken. Er erklärt uns, dass die Ureinwohner Termiten zwischen den Händen zerrieben und als Moskitoschutz benutzt haben. Hätte ich das mal früher gewusst… Meine Korallenverletzung ist zwar viel besser geworden, aber die 1 Millionen Stiche machen mir sehr zu schaffen. Wir kommen an einen Fluss, dort gibt es Krokodile. Heute aber nicht. Der Regen wird stärker. Der Guide veraschiedet sich. Die restlichen Tiere auch. Schade. So im Nachhinein, zurück in sicherem Terrain, hätte ich mich auch über eine Schlange gefreut. Eine kleine. Nicht so giftig. Ziemlich nass gehen wir zurück ins Hotel. Dort sehen wir wieder mehr Tiere. Balu hat wieder den Papagei in der Schauze und die Putzfrau rennt schreiend hinterher. Wir schreiben Blog und Tagebuch, spielen Karten und lassen es locker angehen. Wir haben Wäsche in der Wäscherei, die holen wir nach dem Dinner. Die Wäscherei gehört Joe. Er ist der letzte Cowboy von Cahuita. Und wahrscheinlich der dickste. Ich hoffe nicht, dass er auf den recht elend aussehenden Pferden, die am Haus im Matsch stehen, reitet. Er kann kaum laufen. Wir sehen ihn abends im Costa Rica Magazin. Scheint eine Institution zu sein. Ein Unikum auf jeden Fall. In der Nacht regnet es wieder. Am Vormittag auch. Wir schnappen uns Schirme und gehen zum Busterminal. Wir haben noch keine Tickets für den Bus nach San Jose. Wir müssen nicht lange überlegen, wie wir zum Flughafen kommen. Ein Shuttle kostet 260 Dollar und der Bus für uns alle 27! Wir bekommen Tickets für 13:30 Uhr. Das passt uns gut, Checkout ist erst um 12 Uhr. Wir hassen frühes Reisen und versuchen es zu vermeiden, wo es nur geht. Unser Flug nach Havanna ist am Sonntag um 11:45 Uhr. Auch das passt uns gut. Nachmittags schlendern wir in die andere Richtung am Strand entlang. Auch hier ist es wieder ziemlich braun und wirkt auf uns nicht einladend. Es gibt einen Trainingspark direkt am Ufer, der ist ziemlich genial improvisiert und total cool. Bela muss natürlich alles ausprobieren. Nebenan ist eine Reggaebar, die muss ich erstmal ausrobieren. Das Mädel, was dort arbeitet, hat den „Hausfrauenblick extrem“, rechts nach der Wäsche und links nach den Kindern. Gleichzeitig! Ich kann mich einfach nicht entscheiden, auf welches Auge ich mich konzentrieren möchte und hoffe, sie merkt es nicht. Dann kommt Bela und starrt sie an. Gefühlte 15 Minuten lang. Auch nicht so schlimm. Sie kann ja mit einem Auge weggucken 😉 In der letzten Nacht haben wir eine (EINE) Mücke im Zimmer. Ich habe jedoch 7 neue Stiche. Mike vermutet, die Mücke hat Bulimie. Das wäre eine Erklärung. Die Hotelbesitzerin fährt uns mit ihrem spanischen Auto (sie hat es mit dem Schiff geschickt) zum Busbahnhof. Wir brauchen 4 Stunden bis San Jose. Es regnet, somit fällt der Abschied nicht schwer. Von Costa Rica hatten wir uns mehr versprochen. Es dämmert, als wir in der Hauptstadt ankommen. Mega gefährlich ab 18 Uhr. Also bloß noch Hotel und schlafen. Shuttle zum Flughafen ist bestellt. Leider kommen wir nicht so schnell ins Bett, wie wir möchten, da wir im Zimmer eine Überflutung haben. Es dauert ziemlich lange, bis das Wasser weg ist. Wir spielen Bohnanza. Dummerweise google ich jetzt noch Bewertungen über die kubanische Fluggesellschaft, mit der wir fliegen werden und bin auf das Schlimmste vorbereitet. Es werden regelrechte Warnungen ausgesprochen mit denen zu fliegen. Verspätungen waren da noch die harmloseren Schwierigkeiten…Am Flughafen dann geht alles wirklich fix. Wir haben uns auf Schwierigkeiten eingestellt. Aber weder Ausreisesteuer noch die Touristenkarte für Kuba sind ein Problem. Die Ausreisesteuer dürfen wir mit den restlichen Colon und mit Kreedtikarte im Mix bezahlen. Die Touristenkarten für Kuba nur in bar. DAs habe ich zum Glück noch. Ist hier günstiger, als in Deutschland, wo sie 27 Euro kosten. Hier nur 20 Dollar. Auch die Stempelsache klappt gut. Ich frage wieder seh nett, ob sie Belas Stempel in eine Lücke quetschen können. Die nette Dame sagt daraufhin, sie kann ihn auch weglassen. Okay…So sitzen wir kurze Zeit später, traumabedingt, eine Stunde vor Abflug am Gate und langweilen uns. Wir werden sehr nett über eine 30 minütige Verspätung informiert und mir fallen die Bewertungen wieder ein. Ich kann mich jedoch nicht beschweren. Klar, wir wurden schon komfortabler transportiert (Emirates A380 Business Class), aber auch schon erheblich schlechter (Kuwait Airlines – blöderweise Langstrecke). Der Service ist gut, wir haben sogar ziemlich viel Platz und der Flug vergeht rasch und ist entspannt. Nun heißt es:“ Havanna, wir kommen!“

Oh wie schön ist Panama

Der erste Eindruck ist schon mal überraschend modern und sauber. Die Skyline ist der Hammer. Ein richtiger Kulturschock nach der vielen Natur auf Galapagos. Unser Hotel ist mitten in der Häuserschlucht. Wir sind bereits um 11 Uhr dort, check in ist eigentlich erst ab 15 Uhr. Da wir der Dame an der Rezeption aber so leid tun, weil wir eine so lange Anreise hatten, gibt sie Gas und uns ein Zimmer! Nach einer kurzen Siesta, bestellen wir ein Uber und fahren in die Altstadt. Es ist echt schön.

Leider sind die Menschen hier nicht so herzlich und freundlich wie die Südamerikaner. Die Verkäufer in den Geschäften ziehen Gesichter, dass einem die Kauflaune vergeht. Das soll sich auch in der ganzen Zeit in Panama, bis auf wenige Ausnahmen nicht mehr ändern. Im alten Viertel von Panama City (Casco Viejo) wird man überall angesprochen und mit Speisekarten „bewedelt“, außerdem hupen die Taxis hier, halten an und fragen:“Taxi? Taxi?“ Fragt man dann nach dem Preis, muss man die Luft anhalten, so teuer ist es. Nicht wie in Galapagos, 1,50 USD in der Stadt, egal wohin, egal wieviele. Somit fahren wir halt Uber. Das kostet auch unterschiedlich, ist aber lange nicht so teuer, wie Taxifahrten. Wenn uns eine Fahrt zu teuer scheint, gucken wir 5 Minuten später erneut in die App. So geht das ganz gut. Damit fahren wir auch am nächsten Tag zum Panama Kanal. In unserem Hotel gab es die Panamakanaltour übrigens für 68 Dollar pro Person, für Kinder bis 8 halber Preis! Wir haben keine 50 bezahlt, für uns alle zusammen. Es ist unglaublich spannend, wenn Schiffe durchfahren. Darauf müssen wir zwar 2 Stunden warten, aber wir haben ja Zeit und das Museum ist so interessant, dass die Zeit schnell vergeht. Es wird viel über die Entstehung, Planung und Bau erklärt und gezeigt. Einen Film gibt es auf englisch und spanisch. Ein unglaubliches Bauwerk ist das! Er ist 82 Kilometer lang und verbindet den Atlantik mit dem Pazifik. Spart den Reedereien so etwa 14 Tage Zeit und 16000 Kilometer Strecke um das Kap Hoorn herum. Er wurde 1914 eröffnet, nach weniger als der angebenen 10 Jährigen Bauzeit. 6 Monate vor der geplanten Fertigstellung konnte eröffnet werden. Das zu der Zeit! Wow, da kann sich BER mal ein oder zwei Scheiben von abschneiden 😉

Der Panamakanal ist die wichtigste Wasserstrasse der Welt. 2010 durchfuhr ihn das 1 Millionste Schiff. Im Schnitt sind es 14.300 Schiffe jedes Jahr. Die Schiffe werden in der ersten Schleuse (insgesamt gibt es drei) auf den 26 Meter über dem Meeresspiegel gelegenen Gatun Stausee angehoben, den sie durch ausgebaggerte Rinnen durchfahren, passieren einen Bergrücken und werden durch zwei aufeinanderflogende Schleusen ( Pedro-Miguel- und Miraflores-Schleusen) wieder zum Pazifik hinuntergelassen. Die Idee einer Art Kanal zwischen Atlantik und Pazifik an dieser Stelle gab es bereits 1513 durch die Spanier. Erste Ausarbeitungen gab es ab 1523. In den folgenden Jahrhunderten beschäftigten sich immer wieder Politiker und Wissenschaftler mit der Frage des Kanalbaus. U.a. Alexander von Humboldt in den Jahren 1799 bis 1804. Und bereits 1827 prophezeite Goethe, es werde der „jugendliche Staat“ der USA sein, der den Kanal baue. 1876 wurde in Frankreich die Panamakanal-Gesellschaft gegründet, dessen Präsident wurde der Erbauer des Suezkanals, Ferdinand Lesseps. 1881 wurde mit den Arbeiten begonnen. Zunächst war ein schleusenloser Kanal geplant. Wegen Planungsmängeln, falscher geologischer Untersuchungen, schlechter Organisation, Bestechung und unzähliger technischer Schwierigkeiten gaben die Franzosen 1889 auf. Dies führte zu einem der größten Finanzskandale des 19. JH. Durch die Arbeiten immigrierten etwa 100.000 Menschen in diese Region, die niemals zurückkehrten. Täglich starben etwa 7 Arbeiter in den Sümpfen an Gelbfieber oder Malaria. Dies war u.a. auch ein Grund, warum die Bauarbeiten abgebrochen wurden. Als Schutz vor den Malariamücken wurde empfohlen, die Bettpfosten der Arbeiter in Wassereimer zu stellen. Dadurch breitete sich die Krankheit noch schneller aus, die Wassereimer wurden zu Brutstätten für die Mücken.

Für 40 Mio. USD wurde schließlich der gesamte Komplex 1902 an die USA verkauft und ab 1904 weitergebaut. 6 Monate vor Termin, am 3.August 1914, durchfuhr das erste Schiff den Kanal in voller Länge. Durch den Ausbruch des ersten Weltkrieges genau an diesem Tag, wurden die Eröffnungsfeierlichkeiten jedoch erst 1920 nachgeholt. Am 31.12.1999 wurde der Panamakanal von den USA an Panama übergeben. Die Einnahmen daraus sind enorm, darum geht es dem Land auch finaziell gut. Vielleicht ist das ein Grund, warum die Menschen hier so unfreundlich sind.

Die Schiffe werden laut und oft genug angekündigt, so dass es wirklich jeder schafft, pünktlich auf der Besucherterrasse zu erscheinen. Das riesengroße Cotainerschiff haben wir bereits in der vorigen Schleuse stehen sehen, von dort braucht es aber locker noch 1,5 Stunden bis vor unsere Nase. Dafür ist es dann umso spannender. Ich denke, keine Hand passt mehr zwischen Kanalwand und Schiff. Gezogen werden die Schiffe von 6 Elektroloks, drei an jeder Seite, um sie stabil in der Mitte zu halten.

Die Preise für die Passage richten sich nach Art und Größe des Schiffes und, ob es voll oder leer durchfährt. So können schnell mal 340.000 USD zusammenkommen, inklusive aller Nebengebühren für Lotsen, Lokomotiven und Schlepper. Die teuerste Passage betrug 400.000 USD für ein Kreuzfahrtschiff mit 2000 Betten. Die niedrigste Gebühr fiel 1928 an. Ein weltreisender Journalist aus USA wollte als Abschluß seiner Reise den Panamakanal durchschwimmen. Da die Kanalbehöre nur einem Schiff den Durchlass gewähren konnte, wurde der Mann nach dem Schiffsmaß Tonnage vermessen und eingestuft und durfte gegen eine Gebühr von 36 US Cent passieren. 8 Tage brauchte er dafür, inklusive aller Schleusen.

Von 2007 bis 2016 wurde der Kanal ausgebaut und für noch größere Schiffe gangbar gemacht. So kann die Queen Mary 2 jetzt auch den Kanal benutzen, vorher war sie dafür zu groß.

Auf dem Rückweg stoppen wir in der Albrook Mall zum Bummeln und Abendessen. Das heißt, es gab natürlich wieder kleinere Kompliaktionen. DA es einfacher ist, von den Locks mit dem Bus zurück zu fahren als hin, wollten wir das natürlich auch machen. Wir stellen uns an die Bushaltestelle, Bus kommt. Wir haben 75 Cent parat, der kostet hier nämlich 25 pro Person, egal wohin, und können nicht einsteigen, weil sie nur Karten akzeptieren, die wir nicht haben (genau wie in Argentinien). Nach einigem Hin und Her nimmt uns eine sehr freundliche Dame auf ihre Karte mit in den Bus. Merkwürdiges System. Hat mich schon in Argentinien geärgert, weil das dort genauso ist. In Villa Gesell wollten wir fahren, es gibt aber in der Stadt nur eine Möglichkeit die Karte aufzuladen. Und dieser Laden hat total bescheuerte Öffnungszeiten. So mussten wir mit dem Taxi fahren, weil Azuls Karte leer war. Echt dämlich. Auf die Idee mit einem günstigen Uber zu fahren, bin ich damals noch nicht gekommen. Egal, wir fahren mit dem Bus zur Mallund fühlen uns ein bisschen wie in den USA, die Mall ist sehr groß, es gibt Karussells und 1 Mio Geschäfte. Leider gibt es keine Fotos davon.

Zurück in die Häuserschlucht und chillen:

Am darauffolgenden Tag organisieren wir unseren Trip ins San Blas Archipel, danach gehen wir im Dunkeln zum Fischmarkt essen und schlendern über die 5 Kilometer lange Uferpromenade zurück zum Hotel. Der Plan früh ins Bett zu gehen, weil der Jeep uns um 5:15 Uhr früh abholt, scheitert. Dafür ist die Promenade zu lang und der Abend zu schön.

Da San Blas ein eigenes Kapitel hat, geht es in Panama City weiter…

Zurück vom Abenteuer auf der einsamen Insel, stehen wir plötzlich wieder im Hotel inmitten der Hochhauschlucht an der Rezeption beim Checkin. Braungebrannt, mit Salzresten vom letzten Baden im Meer, barfuß und mit Sand an den Füßen. Im 4 Sterne Hotel. Yeah…läuft bei uns. Uns ist nichts mehr peinlich. Die Spießer neben uns mit ihren Lacoste Polohemden belächeln wir nur mitleidig…

Wir chillen und Bela findet Freunde:

Abends bestellen wir ein Uber und fragen, wo er zum Essen hingeht, so als local. Und schwupps sitzen wir an einem schönen Platz mitten in der Altstadt von Panama City im Restaurant Casa Blanca. Zu den Klängen der Gitarre nebst schiefem Gesang, speisen wir sehr lecker, zur Abwechslung mal Fisch 😉

Wir haben late Checkout verhandelt und dürfen bis 17 Uhr im Hotel bleiben. Nach kurzer Überlegung und checken der Preise, haben wir den vernünftigen Entschluß gefasst, mit dem Nachtbus nach Bocas del Toro zu fahren, anstatt zu fliegen. Es ist nicht nur der Preisunterschied ( Flug plus 1 Hotelübernachtung 480 USD für uns alle versus Bus und eine Nacht Hotel gespart 105 USD für uns alle, inkl. 15 USD für den Late Checkout) wir fahren mit dem Bus um 19.30 Uhr und haben so den Tag zur Verfügung. Würden wir um 14:30 Uhr fliegen, ist der ganze Tag irgendwie versaut, weil wir vor Abflug nichts mehr machen könnten. So fahren wir wieder mit Uber zur Mall und kaufen uns die Tickets, auf dem Rückweg nehmen wir den Bus. Bela hat eine Buskarten gefunden, die wir mit einem USD aufladen konnten und so fahren wir für 25 Cent pro Person zurück. Da Bela unbedingt noch einen Pulli aus dem Hardrockcafe haben möchte, bummeln wir durch die nächste Mall. Ich versuche antiseptische Salbe für meine Korallenverletzung zu bekommen. Mittlerweile ist nämlich mein Oberschenkel angeschwollen und rot. Octenisept reicht nicht mehr. Es schmerzt bei jedem Schritt und ich habe keine Lust auf irgendwelche fiesen Infektionen. Schwieriger als gedacht…Wir versuchen es logischerweise in einer Apotheke. Ich zeige meine Wunde und google Übersetzer hilft, weil die dort kein Englisch können. Komisch, selbst in den kleinsten Apotheken in Hinterasien haben immer alle wenigstens die basics in Englisch gewusst. Gelangweilt legt sie mir zwei Salben zur Auswahl vor, eine mit Hormonen und eine Vaseline. Beides nicht das richtige. Nach 20 Minuten wird Mike sauer und bringt es mal auf den Punkt. Ab dann geht es. Ich bekomme eine Salbe mit den richtigen Wirkstoffen, die im Gegensatz zu den beiden ersten nur 1,70 USD kostet und nicht 15 USD. Ich habe zwar einen guten Vorrat an Pflastern und Verbänden dabei, möchte aber noch ein wasserfestes Pflaster haben, damit ich weiter baden gehen kann. Haben sie nicht. In der Apotheke. Krass. Zeigen mir Watte. Mit einem Gesichtsausdruck zum Davonlaufen. Auch hier treffen wir leider wieder auf unmotivierte und unfreundliche Menschen. Das ist wirklich schade und trübt den ganzen Eindruck, den wir von Panama haben. Zieht sich aber irgendwie wie ein roter Faden durch unsere Panama Reise. Das ist schade, denn ein Lächeln kostet nichts und bewirkt soviel. Ich habe es hier mit Dauerlächeln versucht, aber die einzige Reaktion bekam ich, als ich eine Verkäuferin fragte, ob lächeln in Panama verboten ist…da musste sie grinsen. Wir verbringen den Tag entspannt mit Lesen, Blogschreiben und schwimmen im Pool, packen unsere Sachen und verlassen gegen 17.15 Uhr das Hotel in Richtung Busterminal. Wir haben Zeit, so wird Mike verdonnert auf die Sachen aufzupassen. Was ich alles bei meiner Suche nach einer Gepäckaufbewahrung erlebt habe, erspare ich euch an dieser Stelle. Bela und ich schlendern also nochmal durch die Mall und finden einen Mangaladen. Also rein. Wir rennen gegen eine Wand aus Weichmachern, es stinkt wie die Pest. Bela sucht nach Pokemonkarten, die er hier findet. Die Verkäuferin sitzt handyspielend hinter dem Tresen. Ich spreche sie dreimal an, ehe sie überhaupt reagiert. Ich frage nach dem Preis der Karten, auf spanisch. Sie nuschelt die ganze Zeit no,no, solo efektivo. Sie dachte, ich wollte mit Karte bezahlen. Es dauert eine Ewigkeit, bis sie es mal rafft. Bela zieht sie schließlich, nachdem andere Kunden uns schon zu helfen versuchten, quasi an der Hand hinter dem Tresen hervor. Die hatte echt nicht mehr alle Leisten komplett. Zuviel Weichmacher geschnüffelt. Nix wie raus! Wir besorgen noch ein kleines Abendessen, Mike verspeist es dann direkt in der Wartehalle vor dem Essen verboten Schild. Bela und ich heben es auf, was sich im Nachhinein als nicht so clever erweist. Ein total aufgeweichtes Sub von Subway in einem Bus, in dem man nicht essen darf zu verpeisen, ist schon fast dämlich. Entsprechend sahen wir dann aus. Der Busbegleiter hat eine Kamera vorne und war wohl zum Glück abgelenkt, denn er war sehr unentspannt. Aber von vorne: Es ist 19.25 Uhr und ich frage zum xten mal nach unserem Bus. Sie sagen, der eine muss erst abfahren, dann kommt unserer. Ich habe es also immernoch nicht gelernt. Der 19 uhr Bus verlässt also um 19:45 Uhr den Busbahnhof. Unser Bus fährt ein. Wir müssen durch ein Drehkreuz. Das geht nur mit Karte. Die hat Bela aber in seinem Gepäck, als Souvenir gut verstaut. Sie zucken mit den Schultern, so nach dem Motte: Pech halt, wenn ihr keine Karte habt, kommt ihr nicht durch. unsere Gesichtsausdrücke hätten mich interessiert. Hinter uns noch ein deutsches Paar ohne Karte. Das muss man sich mal vorstellen, da zahlst du 100 USD für die Bustickets und darfst wegen 25 Cent nicht durch die Schranke. Schließlich erbarmt sich der Busbegleiter missmutig uns gegen Barzahlung mit seiner Karte durchzulassen. Bela soll drunter durch krabbeln, bleibt aber mit seinem großen Rucksack am Drehkreuz hängen. Das ist dann zuviel für den armen Mann. Wir landen dann irgendwann doch noch im Bus. Naja, es ist eine fahrende Gefriertruhe. Das wussten wir zum Glück vorher und haben uns entsprechend angezogen. Der Busbegleiter kommt durch, verteilt Plastiktüten und motzt erstmal rum. Wir dürfen unser Handgepäck nicht in den oberen Ablagen verstauen. Liebevoll knallt er uns die Rucksäcke auf den Schoß, das heißt auf meine Wunde. Jetzt haben wir fast keinen Platz mehr. Komfortabel ist das nicht. Wir denken mit Sehnsucht an die Busse in Argentinien zurück. Wir haben eine Lady als Busfahrerin. Sie ist sehr nett, fährt aber scheiße. Schnell ist uns klar, warum die Tüten verteilt wurden. Bela und ich kleckern uns -wie bereits erwähnt- mit dem Sub voll und haben Angst erwischt zu werden. Wir spielen und versuchen zu schlafen. Irgendwann geht die Festbeleuchtung an und der Busbegleiter kommt laut rufend durch den Bus:“ Santiago, comer, bano“ Alles klar…Päuschen also. um kurz vor Mitternacht. Ich hätte lieber weitergeschlafen.Wir mussten aber alle aussteigen. In einer Kantine gibt es warmes Essen. Keiner hat Hunger. Für Mike wollen wir ein Käsesandwich kaufen und stehen an, als wir dran sind und sagen, was wir möchten, fragt sie uns nach dem Ticket. Wir hätten also vorher an der anderen Schlange anstehen müssen, um zu bezahlen und das Ticket zu bekommen. Hmmm…also kein Käsesandwich. Auch hier gucken wieder alle sehr böse und mißgelaunt. Ich versuche etwas zu trinken zu kaufen und muss mich zusammenreißen, es denen nicht um die Ohren zu schmeißen. Den Rest der Fahrt verbringen wir schlafend, bis uns der nette Busbegleiter mit Festbeleuchtung und erneutem Gebrüll weckt: 2 Minuten bis Almirante! Gefühlt aus dem Tiefschlaf gerissen, Bela entsprechend gelaunt, packen wir unseren Krempel zusammen und verlassen den Bus. Leider sind unsere Gepäckabschnitte irgendwo, nur nicht da, wo wir sie schnell finden. Das ist zuviel für den Busbegleiter. Er wird nervös, der Bus muss weiter fahren. Unsere Rucksäcke bekommen wir selbstverständlich nicht ohne. Auch irgendwie beruhigend, wie ich finde. Nachdem wir uns gegeseitig eine gefühlte Ewigkeit, mit entsprechendem Blick vom netten Busbegleiter, der nicht zur Entspannung beitrug, versicherten die Abschnitte nicht zu haben, tauchten sie zum Glück auf. Wir sind froh, ihn loszusein. Irgendwie geht jetzt alles ziemlich schnell und um 6:40 Uhr in der Früh sitzen wir im Wassertaxi auf dem Weg zur Isla Colon, Hauptinsel von Bocas de Toro.

Die Sonne geht auf, es ist wunderschön und vor uns liegt eine Woche „Urlaub“ ohne Reisen, ohne packen und ohne großes Sightseeingprogramm. Wir freuen uns. Obwohl uns auch ein bisschen graut, weil wir vorher Dinge gehört habe wie „Ballermann Panamas“ und total touristisch, nur laut und Party. Um 7:30 Uhr sind wir in unserer Unterkunft. Check in ist erst um 15 Uhr, wir möchten aber unser Gepäck gerne loswerden. Nachdem wir die Panamaer als unfreundliche und nicht besonders hilfsbereite Menschen kennengelernt haben, wollen wir vorsichtig fragen, ob es eine Möglichkeit gibt, die Rucksäcke unterzustellen und dann passiert das:

Die Küchentür geht auf und innerhalb von Sekunden macht er das wett, was alle anderen vor ihm nicht geschafft haben. Orlando! Der gute Geist unseres Hotels. Alles „No problem“, schickt uns in eine panaderia aleman zum Frühstück und an den Boca de Drago Beach zum Relaxen. Wir sind baff! Es gibt sie doch. Nette Menschen in Panama. Orlando und auch Hercilia, die Hotelbesitzerin, kümmern sich die nächste Woche super um uns und Belas spezielle Wünsche. Mal Speck zum Angeln aus der Küche, mal ein Shake, Schnorchelutensilien, alles „No problem“, auch, als er mit der Angel die Lampe zerstört, dazu bekommt er regelmäßig heiße Schokolade. Die Unterkunft ist gemütlich und wir fühlen uns auf Anhieb wohl.

Es gibt eine Terrasse über dem Wasser, von dort aus können wir schwimmen gehen. Das macht Spaß, weil das Wasser bei Flut hoch genug ist zum Springen und bei Ebbe klar genug zum Schnorcheln. Außerdem können die Jungs hier endlich wieder angeln. Bela bekommt ein grünes Aufblaskrokodil von Orlando und ist ab jetzt Captain Crocodile.

Wir fahren mit dem Bus zum Dragonbeach. Man glaubt gar nicht, wie viele Leute in einen Minibus reinpassen. Alle einsortiert, damit alle mitfahren können. Menschentetris. Bela sitzt auf meinem Schoß, mitten auf der Wunde. Bewegen geht aber nicht.

Ein paar Impressionen vom ersten Tag am Boca del Drago Beach, von dem wir nicht mehr viel wissen, weil wir sooo müde waren:

Wir machen eine kleine Wanderung zum Playa Estrella, es geht über einen Trampelpfad am Strand entlang. An einem schönen Abschnitt flötzen wir uns in den Sand. Ich schlafe ein. 83 Mücken gefällt das! Mike und Bela kümmern sich um Kokosnüsse. Ich werde widerlich zerstochen. Am Playa Estrella, Seesternstrand, gibt es leider keine Seesterne. Ich vermute, weil viele Touristen sie zum Fotografieren aus dem Wasser holen. Davon sterben sie dann leider. Zurück Boca del Drago fahren wir mit dem Boot, essen dort Mittag und fahren mit dem Bus über die Insel zurück nach Bocas Town ins Bocas Inn. Alt werden wir heute nicht! Wir lernen noch Hercilia kennen, die Chefin und mögen sie auf Anhieb. Die nächsten Tage verbringen wir mit angeln, schwimmen, lesen und faul sein. Zweimal am Tag fliegt die Maschine aus Panama City über unser Haus. Morgens wissen wir immer, es ist Zeit für das Frühstück, wenn der Flieger kommt. Manchmal vormittags und oft abends kommen zwei Delfine vorbei. Ich schaffe es nicht, sie zu fotografieren, weil ich jedesmal wie hypnotisiert aufs Wasser gucke und zu langsam bin. Wir kommen richtig runter und genießen es sehr.

Mein Schreibplatz für eine Woche. Vom Pub nebenan gibts oft die passende Musik zu meiner Stimmung recht laut dazu. Momentan singen Simon und sein Kumpel vom Boxer…mit sehr schönen Erinnerungen behaftet…

Leider können wir die Zeit nicht anhalten!

Ein Fischer kommt vorbei, obwohl er weiß, dass wir hier keine Küche haben. Er möchte Bela seinen Fang zeigen

Delfine:

Wir möchten einen Ausflug machen und nehmen ein Taxiboot zur Isla Carenero. Dieser Trip muss Uhrzeitgenau geplant werden, wegen der Sandflöhe. Dort gibt es einen hübschen Strand und eine coole Location zum Essen. Also hin:

Bela darf Boot fahren

Beim Angeln wird er auch immer erfolgreicher.

Einen längeren Ausflug machen wir aber dann doch noch. Wir besuchen eine Kakaofarm und schnorcheln. Das Wetter ist super, die Sonne scheint und das Meer ist spiegelglatt. Leider haben wir den Namen unseres Kapitäns vergessen. Hercilia packt uns Handtücher, Schnorchelequipment und Saft ein und los gehtˋs.

Zuerst zur Schokoladenfarm. Dort haben wir eine Führung. Robert und Julie aus Florida sind seit 6 Jahren Besitzer dieser Farm und haben ein wunderschönes Anwesen mitten im Dschungel. Die nächste Strasse ist 10 Kilometer weit entfernt, durch den dichten undurchdringlichen Dschungel. Wir merken sofort, wieviel Zeit und Liebe sie investiert haben.

Robert empfängt uns am Steg. Mit von der Partie eine Gruppe überzüchteter Amerikaner, wie Mike sagt. Nicht alle dick, aber alle unheimlich krank aussehend. Robert ist in den Staaten 30 Jahre lang Zahnarzt gewesen und verkauft jetzt Schokolade. Komisch? Findet er auch. Der größte Unterschied zu seinem früheren Beruf besteht darin, dass die Leute sich jetzt freuen, wenn sie ihn besuchen. Da gackert auch die dicke Dame aus Wisconsin lauthals. Sie wird es die ganze Führung über nicht müde zu erklären, dass sie aus Wisconsin kommt. Ich muss das mal googeln. Mal schauen, was da so besonders dran ist, an Wisconsin, außer lautes Organ und zu kurzer Rock. Wir bekommen zunächst eine kurze Erklärung über seinen Werdegang und, dass er nichts über Kakao und Gärtnern wusste, als er hierher kam. Der Garten ist total klasse. wir halten an einer Banane. Er hat vier verschiedene Arten Bananen auf seinem Grundstück. Die, die wir in Europa kaufen können (und gerade wir in Deutschland sind Bananenesser Nummer eins in der Welt) heißen Cavendish Bananen – für alle Klugscheißer unter uns, ich vorneweg 😉

Wir gehen zum Haus und sehen ein paar seiner „Mitbewohner“. Da ist ein Glas voller Babyskorpione. Die Mutter dazu hat er in seinem Schlafzimmer gefunden und ins Glas getan. Zwei Tage später waren die Kleinen da. Er ist natürlich ziemlich froh, dass er sie vorher gefunden hat. Sie liegt vertrocknet daneben auf dem Tisch. Die erste Mahlzeit eines Babyskorpions ist das Blut der eigenen Mutter. Die lässt es geschehen. Wussten wir nicht, finden wir interessant. Die Dame aus Wisconsin quietscht. Als nächstes dürfen wir mit einer Baby Boa constrictor kuscheln. Die ist auch wirklich fast ein bisschen süß, finde ich.

Plötzlich hüpft er über die Steine in den Garten und kommt mit einem bunten Frosch in der Hand zurück. Ich dachte immer, schon der bloße Anblick eines giftigen Frosches bringt einen um. Nee, nur wenn das Gift in die Blutbahn kommt. Hände wäscht er sich hinterher dennoch.

Nun kommt der Kakao. Es gibt acht verschiedene Sorten Kakaobäume. Auf dieser Farm wachsen vier. Robert öffnet eine Frucht und wir dürfen probieren. Jede Bohne ist von einer weißen süßen Schutzhülle umgeben. Die ist lecker. Die Bohnen selber schmecken bitter. Nach der Ernte werden die Bohnen fermentiert, in der Sonne getrocknet, geröstet und geschält. Da es hier keinen Strom gibt, nur ein bisschen Solarenergie, musste er kreativ sein und sich Geräte erfinden, die nur wenig Energie verbrauchen. Dabei sei er McGyver mäßig zu Werke gegangen. Bei einer Maschine hat er sogar das berühmte Kaugummi gebraucht. Bela findet das nicht so spannend, weil er McGyver nicht kennt, aber die Amis sind nicht mehr zu halten. Die Dame aus Wisconsin gackert so laut los, dass sich Bela erschreckt. Noch mehr dann aber, weil beim Lachen ihr Dekoltee fröhlich wippt…wobei wippt nicht der richtige Ausdruck ist. Eigentlich könnte man fast sagen, die Möpse schlagen ihr unters Doppelkinn. Liegt wahrscheinlich auch daran, dass sie aus Wisconsin kommt. Nur eine Vermutung.

Wir dürfen getrocknete Kakaobohnen probieren und Bela macht sich die Taschen voll. Natürlich will er nachher im Hotel in die Schokoladenproduktion einsteigen. Wir gehen weiter über das Anwesen und bekommen verschiedene Orchideen erklärt. Robert sagt, es sind wunderschöne Pflanzen, aber meistens sind sie langweilig. Ich denke an meine heimische Fensterbank und muss ihm ein Stück weit recht geben. Momentan finden wir jedoch fast ausschließlich interessante:

Wir stoppen an einem Termitenbau und bekommen die positiven Eigenschaften von Insektennahrung erklärt. Termiten enthalten das vierfache an Eiweiß im Vergleich zu einem Rindersteak. Wir dürfen probieren. Die Dame aus Wisconsin schüttelt sich und ihre Teile. Outet sich dann jedoch, schon einmal Schildkröte gegessen zu haben und hat somit ausgeschissen. Termiten schmecken übrigens ein bisschen wie Petersilie. Bela konnte gar nicht genug davon bekommen. Zurück am Haus hat Julie bereits einige Dinge zum Probieren aufgebaut. Da hier alles, tatsächlich auch für die Zähne gesund, ohne Zucker verwendet wird, halten sich die Amis an den Rum. Ich kaufe nur ein bisschen Peeling, wir haben ja das Gepäck Problem, und für Bela einen kleinen Block pure Schokolade. Ich soll ihm Brownies backen, wie Julie sie gebacken hat. Dann geht er zu ihr und fragt sie in höflichstem Englisch, ob er noch mehr Brownie bekommen kann. Mit ‚please‘ am Ende. Die Amis sind völlig aus dem Häuschen, da sie selber keine Fremdsprachen sprechen. Ich fürchte für einen kurzen Moment, dass er gleich mit der Nase voran im Wisconsin-Ausschnitt verschwindet. Es geht aber gerade noch gut. Sie streicht ihm nur über den Kopf. Okay, ich kaufe also den Block Schoki und muss dann in Costa Rica wohl eine Unterkunft mit Küche suchen.

Die Tour ist vorbei, die Amis verabschieden sich und verschwinden zu ihrem Boot. Wir bleiben noch ein bisschen. Robert und Julie finden unsere Reise interessant und stellen ein paar Fragen. Sie selber wollten eigentlich nur für zwei Jahre hier bleiben, mittlerweile sind es sechs und auch sie wollen weiterziehen. Der Katamaran steht einsatzbereit in der Bucht. Durch den Kanal bis nach Hongkong soll es gehen, sobald sie einen Käufer gefunden haben. Das ist der Moment, an dem es mein Mann plötzlich sehr eilig hat. Eine Kakaofarm haben wir nämlich noch nicht. Wahrscheinlich interpretiert er meinen Gesichtsausdruck fehl. Wir fahren weiter durch die Dolphin Bay und durch die Mangroven zum wahrscheinlich schönsten Restaurant auf der ganzen Welt.

Erwartungsgemäß schmeckt es irre frisch und lecker. Die Auswahl ist auch nicht so schwer, das ist speziell für mich von Vorteil, weil ich mich selten schnell entscheiden kann und selbst wenn ich die Bestellung schon aufgegeben habe, noch hinter dem Kellner herflitze, um etwas zu ändern. Hier gibt es Fisch und Meeresfrüchte mit Reis, Salat und Kochbananen. Bela darf angeln. Leider wird das ein kurzes Vergnügen. Einen Fisch fängt er und dann reißt ein dicker Fisch den Blinker von der Schnur und schwimmt damit weg.

Weil es so gut tut, gehen wir direkt nach dem Essen schnorcheln. Wir sind am Coral Cay, das ist eine Art Korallengarten. Wir haben noch nie so bunte und soviele intakte Korallen gesehen, wie hier. Und wir waren schon ein oder zweimal tauchen und schnorcheln 😉

Klar, dass Bela uns nach Hause fährt. Einparken kann er inzwischen auch in unseren Hotelanleger, das durfte er mit einem Taxibootfahrer üben.

Eigentlich wollten wir zum Dinner in der Blue Coconut bleiben und später mit einem Taxiboot heimfahren. Das ist eine tolle Bar mit Hängematten im Wasser, Sprungtürmen und tollen Cocktails. Allerdings ist da heute eine filthy friday Veranstaltung und das Ding ist brechend voll mit brechenden Happy Hour Besuchern. Die Mädels wackeln im Tanga auf den Stegen herum, dass Bela rote Ohren bekommt.

Wir finden eine andere coole Bar und lassen uns dort noch nieder.

Nebenan ist eine schwimmende Baustelle und ich staune nur noch, dass der Kahn, bzw. der Krahn nicht absäuft. Erstaunlich, was alles so möglich ist, wenn es keinen TÜV gibt oder der wegschaut. Berufstaucher habe ich auch schon anders ausgerüstet gesehen.

Im Hotel sitzen wir noch ein bisschen auf der Terrasse und genießen die Dunkelheit und den Mond

Doch wie überall finden wir auch die weniger hübschen Plätze, beim Bummel abseits der Touristenmeile. Wobei die hier auch recht dreckig ist. So ist Panama auch und zwar an vielen Ecken. Wir sind immer wieder entsetzt, in welchen Dreck die Menschen leben. Sie sitzen mittendrin und sehen das offenbar gar nicht. Das tut uns echt weh.

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Wir hören die Abendmaschine aus Panama City und sehen sie schon über unseren Köpfen

Eine Dame erklärt uns, dass jetzt die Kinder auf dem Flugplatz rennen. Sie spielen Fussball oder Baseball auf dem Rollfeld. Ich bekomme Gänsehaut. Am Abend treffen wir noch einen Harpunenfischer bei ums am Steg, der uns sein Abendessen präsentiert. Bela bemerkt, dass sein Schnorchel kaputt ist und schwimmt schnell hinter ihm her, um ihn seinen zu schenken. Er hat beim Schnorcheln in den Korallen einen guten gefunden und ihn hochgeholt.

Die Zeit vergeht leider viel zu schnell und schon wieder müssen wir uns von einem Ort verabschieden, an dem wir gerne noch geblieben wären.

Wir haben einen Shuttle gebucht, der nur unwesentlich teurer ist, als wenn wir auf eigene Faust nach Costa Rica reisen. Dafür geht dieser von Haustür zu Haustür. In diesem Fall heißt das, ein junger Mann holt uns zu Fuß ab und bringt uns zum Hafen der Taxiboote. Bevor wir losgehen bekommt er von Hercilia ordentlich den Kümmel gerieben, weil er uns kein einziges Gepäckstück abnimmt. Ich verstehe nicht alles, nur soviel wie, was das für ein Service sei. Ganz nach Panama Manier, stört ihn das überhaupt nicht und er geht los. Schnell. Bela hat Mühe mit zu halten.

Wir fahren aufs Festland.

Dort angekommen, überfordern wir den Minibusfahrer rein durch unsere Anwesenheit. Der Bus ist nämlich schon voll besetzt. Er zählt und überlegt. Ich sehe es leicht qualmen über seinem Kopf. Er zählt und kleine Fragezeichen verlassen sein Haupt in Richtung Himmel. Er zählt die Leute und die Plätze im Bus. Dann kommen weitere drei Personen mit einem gelben Bändchen am Handgelenk. Es werden einfach nicht mehr Plätze, so oft er auch nachzählt… Das überfordert ihn. Wozu haben wir überhaupt virgebucht? Die sind nicht mal in der Lage bei Anmeldung die Leute zu zählen und wenn der Bus voll ist, entweder zu sagen, es ist ausgebucht oder einen zweiten Bus zu organisieren. Naja…Wir sind gespannt. Die Überbuchungsproblematik kenne ich vom Fliegen. Da kannst du dann auch nicht mit. Bekommst aber zuzüglich zum nächstmöglichen Flug in First- oder mindestens Businessclass eine Nacht im Hilton, Bulgari Parfum, ein paar Manolo Blanik, 780 Euro und wahlweise einen Ferrari oder Maserati dazu. Aber beim Minibus? Sicherheitshalber geht der Busfahrer erstmal weg. Wir trinken eine Kokosnuss, es ist ziemlich heiß. Nach 45 Minuten kommt ein Taxi. Ein Hilux, Doppelkabiner mit 5 offiziellen Sitzplätzen und Ladefläche. Mit dem Gepäck haben wir schon mal keine Probleme. So gibt es wieder Menschentetris. Man muss ja flexible bleben. Das tun wir. Die nächsten 50 Kilometer. Bela sitzt wieder auf meinem offenen Bein, daneben Mike, ein Holländer und ein Israeli. Vorne ein Mann ohne Stimme, Herkunft und Spaß, sowie der Taxifahrer. Er nimmt erstmal schön alle auf die Schippe, lacht selber am meisten und singt mit dem Radio um die Wette. Despacito. Laut und falsch.

Wenn einer eine Reise macht, dann kann er was erleben. Der Weg ist das Ziel.