Wir gehen zu Fuß nach Costa Rica. ich bin mir nicht sicher, ob ich jemals eine Grenze zu Fuß überquert habe…



Die Ausreise aus Panama klappt super, wir haben wieder einen netten Beamten, der den Stempel für Bela platzsparend dazwischen quetscht, ebenso bei der Einreise in Costa Rica. Dabei haben wir vorher die übelsten Geschichten über die Laune der Grenzbeamten gelesen. Dass sie viele merkwürdige Fragen stellen, wie z.B. wieso man so viele Stempel im Pass hat und so weiter. Wir wurden nichts dergleichen gefragt, mussten noch nicht einmal ein Ausreiseticket zeigen oder sagen, wie lange wir bleiben werden. Alles entspannt. Unser Shuttlebusfahrer ist eine faule unfreundliche Person, er ist aber auch der einzige unfreundliche Mensch, den wir in Costa Rica treffen. Alle anderen sind sehr nett, wobei wir es überwiegend mit ausgewanderten Europäern zu tun haben. Wir fahren nach Puerto Viejo. Dort habe ich ein kleines Hotel gebucht, was sogar eine Wasserrutschte hat. Pool und Garten sind wirklich sehr schön, die französische Besitzerin ist sehr nett, aber die Bungalows sind weniger als basic.


Die Schranktüren sind kaputt, es gibt keinen Mückenschutz vor den Fenstern und nur einen Ventilator. Weil wir nicht lüften können, wird die erste Nacht sehr heiß, Bela und ich schlafen kaum. Zerstochen werde ich dennoch. Wir dürfen morgen umziehen, in einen anderen Bungalow. Der ist etwas größer und heller.


Beim Lunch, den wir erst um 17 Uhr kurz vor dem Verhungern schaffen, stellen wir fest, dass es in Costa Rica erst 16 Uhr ist…Komisch. Nur 60 Kilometer gefahren von Bocas aus und eine Zeitverschiebung dazwischen.
Puerto Viejo ist ein typisches Touristenörtchen mit vielen Souvenirshops und Restaurants. Wir wohnen etwas außerhalb des Zentrums. Ein paar Ausgehmöglichkeiten gibt es aber auch in unserer Nähe. So waren Bela und ich am ersten Abend nochmal mit Taschenlampe unterwegs und haben einen Shake getrunken. Eine Schlange haben wir zum Glück nicht gesehen. Es gibt hier in Costa Rica sehr viele Schlangen. 145 verschiedene Arten, viele sehr giftig. Deshalb ist es wichtig mit Lampe rauszugehen, wenn es dunkel ist. Wir lassen es gechillt angehen. Lesen viel, chillen am Pool, gehen zum Strand. Wir besuchen ein Ara-Rettungszentrum. Das ist wunderschön. Leider ist der Volunteer, der die Führung macht, eine Schnarchnase und gestaltet es ziemlich langweilig. Aber die Papageien sind wunderschön.





Abends bummeln wir durch das Zentrum, kaufen ein Souvenir für unsere Sauna, gehen essen und in den Supermarkt. Wir haben eine Kochgelegenheit im Bunglow und brauchen noch etwas zum Frühstück. Es fängt an zu regnen wie aus Eimern, deshalb ist die Kassiererin so nett und ruft uns ein Taxi. Stockfinster ist es nämlich auch bereits ab 17 Uhr etwa…
Irgendwie ist die Luft ein wenig raus. Bela und ich fühlen uns nicht so wohl im Hotel. Wir reden mit Charlene, sie ist so nett und lässt uns ohne Kosten vorzeitig auschecken. Das heißt, wir bleiben eine weitere Nacht und ziehen dann um. Wir besuchen aber vorher noch ein Jaguar-Rettungszentrum, das ein absolutes Highlight ist. Wir dürfen das Gepäck im Hotel lassen und gehen zur Führung um 11:30 Uhr. Wir haben Glück, es gibt eine auf Deutsch. Das ist für Bela immer noch etwas interessanter. Im Rettungszentrum werden verletzte oder kranke Tiere aufgepäppelt und in den meisten Fällen wieder ausgewildert. Luis, ein Volunteer aus Hamburg, macht das super. Er erzählt interessante Dinge über die Tiere und die Arbeit im Zentrum. Eigentlich wollte er nur einen Monat bleiben, das war vor einem halben Jahr. Wir sehen viele Faultiere und erfahren Dinge, die wir vorher nicht wussten. Den Unterschied zwischen einem 2 und 3 Finger Faultier etwa, oder, dass sie 12 Stunden ruhen, 8 Stunden schlafen und sich nur 4 Stunden langsam bewegen und essen. Nur Blätter, deshalb haben sie nicht so viel Energie. Sie nehmen pro Tag etwa 170 Kalorien zu sich, damit müssen sie haushalten. Wir sehen viele Babyfaultiere, die sind wirklich extrem süß. Sie kommen ins Zentrum, weil sie zum Beispiel von der Mutter abgefallen und vom Baum runtergeplumpst sind. Bis die Mutter dann runtergeklettert ist, um es zurück zu holen, vergeht natürlich sehr viel Zeit. Oft wird es dann vorher gefunden und abgegeben.

Wir sehen auch ein kleines Krokodil, welches am Strand gefunden wurde. Das muss allerdings im Rettungszentrum bleiben, da die Regierung verboten hat, es wieder auszuwildern. Es wird erwartet, dass es bis zu 6 Meter lang wird, entsprechend schwierig wird es werden, ihm einen geeigneten Platz zu bieten.

Wir sehen viele Schlangen, die sie hier nur zu Aufklärungszwecken halten. Luis sagt, wenn man vor hat, sich von einer Schlange beißen zu lassen, dann sollte man es hier in Costa Rica tun. Es wird hier sehr viel mit Schlangengift geforscht und dementsprechend gibt es hier weltweit die beste Versorgung mit Gegengiften. Wieder was für „Wer wird Millionr“ gelernt! Das beruhigt mich sehr, dennoch habe ich nicht vor, mich von einer Schlange beißen zu lassen. Weder hier noch irgendwo anders. Ich denke, Mike und Bela sehen das ähnlich.




Wir sehen weitere Faultiere, auch ein wildes, welches gerade durch einen Baum über das Zentrum klettert. Es gibt zahlreiche Babyaffen, mit denen die Volunteers jeden Tag in den Wald gehen, um sie auf das Auswildern vorzubereiten. Interessant ist dabei die Tatsache, dass die Affen sich merken, in welche Tasche ein Volunteer sein Handy steckt und bei plassender Gelegenheit zugreifen. Dann verstecken sie es auf nimmer Wiedersehen in ihrem Geheimlager. Einmal wurde einem der freiwilligen Helfer nach 5 Monaten sein Armband zurückgegeben. Das war jedoch eine Ausnahme. Einen Affen gibt es, der in der Lage ist, Türen zu öffnen, buw. Schlösser zu knacken. So hatte er eines Morgens alle anderen Affen freigelassen. Muss wohl ein heiloses Durcheinander gewesen sein. Danach wurden Zahlenschlösser angeschafft, das war etwas mühsamer für das Äffchen, aber letztenendes auch kein allzu großes Problem. Wir sehen einen kleinen Kaiman und ein Otzelot, welches als Haustier gehalten und dann einkassiert wurde, da das Halten von Wildtieren in Costa Rica verboten ist. Dieser Otzelot ist jedoch schon so sehr an Menschen gewöhnt, dass es nicht lange gedauert hat, bis er nach dem ersten Auswilderversuch wieder im Zentrum aufgetaucht ist. Somit darf er bleiben, damit er nicht in Hotels oder in die Stadt geht. Ein zweiter Otzelot wurde einem Bauern abgenommen, der ihn schwer mit der Machete verletzt hat, so dass er jetzt einen Gehirnschaden hat. Er darf, vielmehr muss, ebenso bis zu seinem Lebensende im Reservat bleiben. Natürlich müssen wir ein Kuschelfaultier kaufen, bevor wir gehen. Das Taxi kommt und es geht los. Gepäck holen und einen Ort weiterreisen. Es geht nach Cahuita. Dort gibt es den gleichnamigen Nationalpark, wo man auch auf eigene Faust durchwandern kann. Das Hotel ist sehr schön, wir werden von Balu, dem Hotelhund begrüßt.



Gleich als erstes zeigt uns Nacho, der nette Mitarbeiter aus Barcelona, ein schlafendes Faultier in der Hecke.

So geht es weiter im Hotelgarten. Es gibt jede Menge Pfeilgiftfrösche, Vögel und Eichhörnchen. Einen Papagei gibt es auch, der wird nur leider manchmal von Balu geschnappt und sieht entsprechend zerrupft aus. Zum Glück macht er jedesmal ein Riesentheater und kann immer in letzter Sekunde gerettet werden. Natürlich hat er ein Trauma!


Obwohl Balu ein Steffordshire ist, habe ich keine Angst vor ihm. Wir haben auf der Reise so viele Hunde kennengelernt, darunter auch Listenhunde, wie sie bei uns heißen, und alle waren freundlich. Balu liebt Bela, ganz besonders seine Füße. Da Bela meist barfuß geht, muss er also schlabberige Kitzelattacken über sich ergehen lassen. Je lauter er quietscht, umso intensiver schlabbert der Hund über die Füße. Best buddies für drei Tage…
Ich finde ein weiteres Faultier im Hotel:

Wir spazieren durch den kleinen Ort, es ist hier etwas beschaulicher und nicht so ganz schlimm touristisch, wie in Puerto Viejo.

Lunch haben wir wieder erst um 16:30 Uhr, dafür sparen wir das Abendessen. Es gibt gutes Selbstgekochtes in einem sehr einheimischen Lokal. Wie so oft ist es Fisch und es schmeckt wie immer sehr lecker. Abends regnet es und wir spielen Karten. Schlafen können wir ziemlich gut. Es ist fast kühl (ich überlege, ob ich einfach nur gut adaptiert bin oder auf dem Weg zum Weichei, weil ich bei 25 Grad gegen Abend anfange leicht zu frieren…das darf man zu Hause bei 10 Grad unter Null keinem erzählen!) Das Frühstück ist prima. Wir haben gelesen, es gebe wohl keinen guten Kaffee in Costa Rica, weil der komplett exportiert wird und nur der minderwertige Kaffee im Land bleibt (so ähnlich wie in Argentinien das Rindfleisch). Das können wir nicht bestätigen. Ich trinke ab und zu wieder Kaffee und habe damit hier erst wieder angefangen, gerade weil der Kaffee so gut ist. Wir brechen früh auf. Heute steht eine Tour im Nationalpark an, wir wollen nicht zu spät hin, wegen der anderen Touristen. Die sind ja bekanntlich oft laut und vertreiben die Tiere. Da fällt mir ein, dass wir schon länger keine Chinesen mehr gesehen haben. Ist wohl nicht so die Region für Chinesen. Liegt nicht auf der „Taj Mahal – Eifelturm – Oktoberfest – Gran Canyon – Achse“. Wir müssen einen Obulus entrichten und uns in ein Buch eintragen. Ein privater Guide steht auch schon parat, obwohl wir ihn nicht eingeplant haben. Wir entscheiden uns für eine Tour mit ihm, verhandeln noch ein wenig über den Preis und haben schon nach 10 Minuten lauter Tiere gesehen, die wir ohne ihn niemals bemerkt hätten. Wir sehen Leguane, Vögel, Spinnen und natürlich viele Faultiere. Ein paar Affen sehen wir auch, doch dann fängt es leider an zu stürmen und zu regnen. Wir gehen an Stränden entlang, der Sand ist braun und das Wasser auch. Überall weht die rote Flagge. Gut, dass wir uns für hier keinen Strand vorgenommen haben. Der Wind wird stärker. Der Guide sagt, es sei das Wetter, bei dem Schlangen fliegen können. Mir wird komisch. Er lacht. Wir kommen an einem Termitenbau vorbei und Bela erklärt ihm, wie Termiten schmecken. Er erklärt uns, dass die Ureinwohner Termiten zwischen den Händen zerrieben und als Moskitoschutz benutzt haben. Hätte ich das mal früher gewusst… Meine Korallenverletzung ist zwar viel besser geworden, aber die 1 Millionen Stiche machen mir sehr zu schaffen. Wir kommen an einen Fluss, dort gibt es Krokodile. Heute aber nicht. Der Regen wird stärker. Der Guide veraschiedet sich. Die restlichen Tiere auch. Schade. So im Nachhinein, zurück in sicherem Terrain, hätte ich mich auch über eine Schlange gefreut. Eine kleine. Nicht so giftig. Ziemlich nass gehen wir zurück ins Hotel. Dort sehen wir wieder mehr Tiere. Balu hat wieder den Papagei in der Schauze und die Putzfrau rennt schreiend hinterher. Wir schreiben Blog und Tagebuch, spielen Karten und lassen es locker angehen. Wir haben Wäsche in der Wäscherei, die holen wir nach dem Dinner. Die Wäscherei gehört Joe. Er ist der letzte Cowboy von Cahuita. Und wahrscheinlich der dickste. Ich hoffe nicht, dass er auf den recht elend aussehenden Pferden, die am Haus im Matsch stehen, reitet. Er kann kaum laufen. Wir sehen ihn abends im Costa Rica Magazin. Scheint eine Institution zu sein. Ein Unikum auf jeden Fall. In der Nacht regnet es wieder. Am Vormittag auch. Wir schnappen uns Schirme und gehen zum Busterminal. Wir haben noch keine Tickets für den Bus nach San Jose. Wir müssen nicht lange überlegen, wie wir zum Flughafen kommen. Ein Shuttle kostet 260 Dollar und der Bus für uns alle 27! Wir bekommen Tickets für 13:30 Uhr. Das passt uns gut, Checkout ist erst um 12 Uhr. Wir hassen frühes Reisen und versuchen es zu vermeiden, wo es nur geht. Unser Flug nach Havanna ist am Sonntag um 11:45 Uhr. Auch das passt uns gut. Nachmittags schlendern wir in die andere Richtung am Strand entlang. Auch hier ist es wieder ziemlich braun und wirkt auf uns nicht einladend. Es gibt einen Trainingspark direkt am Ufer, der ist ziemlich genial improvisiert und total cool. Bela muss natürlich alles ausprobieren. Nebenan ist eine Reggaebar, die muss ich erstmal ausrobieren. Das Mädel, was dort arbeitet, hat den „Hausfrauenblick extrem“, rechts nach der Wäsche und links nach den Kindern. Gleichzeitig! Ich kann mich einfach nicht entscheiden, auf welches Auge ich mich konzentrieren möchte und hoffe, sie merkt es nicht. Dann kommt Bela und starrt sie an. Gefühlte 15 Minuten lang. Auch nicht so schlimm. Sie kann ja mit einem Auge weggucken 😉 In der letzten Nacht haben wir eine (EINE) Mücke im Zimmer. Ich habe jedoch 7 neue Stiche. Mike vermutet, die Mücke hat Bulimie. Das wäre eine Erklärung. Die Hotelbesitzerin fährt uns mit ihrem spanischen Auto (sie hat es mit dem Schiff geschickt) zum Busbahnhof. Wir brauchen 4 Stunden bis San Jose. Es regnet, somit fällt der Abschied nicht schwer. Von Costa Rica hatten wir uns mehr versprochen. Es dämmert, als wir in der Hauptstadt ankommen. Mega gefährlich ab 18 Uhr. Also bloß noch Hotel und schlafen. Shuttle zum Flughafen ist bestellt. Leider kommen wir nicht so schnell ins Bett, wie wir möchten, da wir im Zimmer eine Überflutung haben. Es dauert ziemlich lange, bis das Wasser weg ist. Wir spielen Bohnanza. Dummerweise google ich jetzt noch Bewertungen über die kubanische Fluggesellschaft, mit der wir fliegen werden und bin auf das Schlimmste vorbereitet. Es werden regelrechte Warnungen ausgesprochen mit denen zu fliegen. Verspätungen waren da noch die harmloseren Schwierigkeiten…Am Flughafen dann geht alles wirklich fix. Wir haben uns auf Schwierigkeiten eingestellt. Aber weder Ausreisesteuer noch die Touristenkarte für Kuba sind ein Problem. Die Ausreisesteuer dürfen wir mit den restlichen Colon und mit Kreedtikarte im Mix bezahlen. Die Touristenkarten für Kuba nur in bar. DAs habe ich zum Glück noch. Ist hier günstiger, als in Deutschland, wo sie 27 Euro kosten. Hier nur 20 Dollar. Auch die Stempelsache klappt gut. Ich frage wieder seh nett, ob sie Belas Stempel in eine Lücke quetschen können. Die nette Dame sagt daraufhin, sie kann ihn auch weglassen. Okay…So sitzen wir kurze Zeit später, traumabedingt, eine Stunde vor Abflug am Gate und langweilen uns. Wir werden sehr nett über eine 30 minütige Verspätung informiert und mir fallen die Bewertungen wieder ein. Ich kann mich jedoch nicht beschweren. Klar, wir wurden schon komfortabler transportiert (Emirates A380 Business Class), aber auch schon erheblich schlechter (Kuwait Airlines – blöderweise Langstrecke). Der Service ist gut, wir haben sogar ziemlich viel Platz und der Flug vergeht rasch und ist entspannt. Nun heißt es:“ Havanna, wir kommen!“

