Weltreise und dann? Ein Fazit…

Tja, Weltreise und was dann?

Wer noch überlegt: Sofort anfangen mit Planen und MACHEN!!!!!

Diese Reise war so ziemlich das beste, was wir je gemacht haben, gleich nach Kinder kriegen.

Wir planen schon die nächste 😉 Also nicht Weltreise, aber Ideen für unsere nächsten Reisen haben wir viele.

Das ist eine Suchterkrankung, da können wir nichts für.

Jetzt haben wir erstmal den After-Weltreise Plan: Wir bekommen einen Hund. Dementsprechend müssen wir unsere Reisen ab jetzt kötergerecht gestalten oder wir urlauben getrennt. Der Hund in einem Hotel oder bei Freunden und wir woanders.

Wir haben einiges von dem geschafft, was wir uns vorgenommen hatten und einiges nicht. Wir wären bereit gewesen Opfer für diese Reise zu bringen, falls es nötig gewesen wäre. Denn wenn eine Tür sich schließt, öffnen sich nach der Rückkehr zwei neue, so war unser Gedanke. Glücklicherweise stießen wir auf kein unüberwindbares Hindernis. Die gibt es meiner Meinung nach auch nicht. Wer eine solche Reise machen möchte, also wirklich machen möchte, kann das in allen möglichen Konstellationen auch verwirklichen. Mit oder ohne Kinder, vor, nach oder während des Studiums/Ausbildung, vor oder nach der Rente (besser eigentlich vorher, denn wie oft ist man mit Beginn der Rente entweder krank oder tot), mit oder ohne Wohneigentum, ja notfalls sogar mit Köter. Manche müssen sicher länger sparen, andere wieder nicht. Wer jung genug ist, kann Work and Travel machen, da arbeitet man auf der Reise gegen Bezahlung. Wer zu alt dafür ist, kann wwoofen, das bedeutet arbeiten gegen Kost und Logis. Es gibt viele Reisevarianten. Man muss ja nicht einmal rund um die Welt reisen. Drei oder sechs Monate mit dem Bulli oder der Eisenbahn durch Europa ist genauso klasse. Zelt, Hostel, Couchsurfing, es muss nicht immer ein Hotel sein. Optionen gibt es viele. Der erste Schritt zur Auszeit ist die Idee. Wer zögert, braucht noch ein bisschen (nicht zu lange zögern, das Leben kann sich ziemlich plötzlich radikal ändern) oder ist generell dafür nicht geeignet. Ich habe immer wieder gehört, wie mutig wir wären. Möglicherweise ist es mutig, für uns hat sich das nicht so angefühlt. Wir haben aber auch zum Glück keine einzige gefährliche oder brenzlige Situation erleben müssen und sind ja auch vorher nicht nur am Edersee gewesen. Das gefährlichste, was wir erlebt haben, war vielleicht das Durchstarten bei der Landung in Frankfurt, nachdem wir 6 Monate unbeschadet unterwegs waren. Und auch das ging glimpflich aus. Oder vielleicht die Schlange in Sri Lanka, wobei die ja mehr Angst vor uns hatte, als wir vor ihr. Oder vielleicht mein Kayakunfall in Neuseeland, wo ich fast ertrunken wäre. Okay, wirklich nur fast. Aber sonst? Nix wildes. Manchmal war es auch anstrengend, nicht so wie Urlaub. Den mussten wir zwischendurch einplanen. Ein paar Tage Strand mit Nichtstun. Die vielen Eindrücke wollten verarbeitet werden. Reisetage fanden wir anstrengend. Einmal mussten wir 8 Stunden in der Nacht in Bolivien auf einem klitzekleinen Flughafen auf den Anschlußflug warten, weil das die güstigste Verbindung war. Schließlich mussten wir sparsam unterwegs sein. Aber auch dort trafen wir mitten in der Nacht unglaublich nette Menschen:

Wir haben sehr viele Weltreisende unterwegs getroffen, viele auch mit Kindern. Das Jüngste war 7 Monate alt und reiste mit Eltern und Geschwistern (3 und 5 Jahre alt) ein Jahr durch die Welt. Dabei machte es einen sehr entspannten und zufriedenen Eindruck, wahrscheinlich deshalb, weil die Eltern so entspannt waren. Wir waren das auch und haben die Zeit, die wir zusammen verbringen konnten sehr genossen. Ohne Arbeit und Schule 24 Stunden 7 Tage die Woche zusammen sein zu können, ist ein Luxus, den wir uns zu Hause nicht leisten können. Das war toll.

Drei Geburtstage haben wir unterwegs gefeiert, in Sri Lanka, in Vietnam und in Argentinien. Einige verpasst. Aber mit Amazon und einem Anruf im Blumenladen zu Hause, war auch das problemlos zu regeln.

Wir haben sehr viele tolle Menschen und abgefahrene Freaks mit den unterschiedlichsten Geschichten kennengelernt, zu den meisten versuchen wir den Kontakt zu halten, in der Hoffnung, sie eines Tages wiederzusehen.

Auf die vielen Abschiede, die wir immer wieder hatten, waren wir nicht richtig vorbereitet. Wir haben da einfach überhaupt nicht dran gedacht. In Sri Lanka mussten wir uns von Joshua und der Familie meines Bruders verabschieden. Ich musste mich dort auch von meiner Familie verabschieden. Es ist mir unheimlich schwer gefallen, auch wenn es nur für eine Woche war. Was ich jedoch in dieser einen Woche zu Hause mit meinen Eltern erleben durfte, ist durch kein Reiseerlebnis zu toppen. Natürlich läuft in einer solchen Planung nicht alles glatt. Wir hatten zwischendurch Schwierigkeiten, die sich aber schnell behoben ließen. Alle, bis auf eine. Fünf Wochen vor unserem Abflug hatte mein Papa einen schweren Herzinfarkt und verabschiedete sich nach der Notoperation erstmal ins Koma. Naja, verabschiedet hat er sich eigentlich nicht…Der Flug für ihn war gebucht, er wollte uns nach Sri Lanka begleiten. Als Überraschung für die Enkel. So stand ich bis einen Tag vor Abflug vor der so ziemlich schwersten Entscheidung meines Lebens. Papa war inzwischen nach Gießen verlegt worden, was es für alle nicht einfacher machte. Für meinen Bruder und Familie ist es der Jahresurlaub und die lang ersehnte Asienreise für die Kinder. Er darf unter keinen Umständen auf die Idee kommen, zu Hause zu bleiben. Für uns ist es der Start in das wahrscheinlich größte Abenteuer unseres Lebens, worauf wir über 4 Jahre hingearbeitet haben und nicht einfach ein 14 Tage Urlaub in den Herbstferien. Und Mama? Zu Hause? Alleine? Ohne uns? Mit Papa 100 Kilometer weit in einer riesigen Uniklinik im Koma? Außerdem völlig unklar zu diesem Zeitpunkt wie das ausgeht…Einer der netteren Pfleger half mir bei der Entscheidung, indem er fragte, was Papa dazu sagen würde. Ganz klar: Er würde mich in den Hintern treten, sollte ich die Reise absagen, mit Anlauf. Die meisten anderen sagten das auch. Auch Mama. Zeit also für Plan B: Wir starten wie geplant, ich fliege für eine Woche mit nach Sri Lanka, mache die Rundreise und kehre danach wieder zurück. Strand werde ich auf der Reise noch genug haben. Für die Woche ohne meinen Burder und mich organisieren wir zusammen Fahrdienste für Mama, wir mochten sie nicht alleine fahren lassen. Es war überwältigend, wer sich alles angeboten hat. Pünktlich an meinem Geburtstag ist Papa aufgewacht und hat jeden Tag minikleine Fortschritte gemacht. Das war das schönste Geschenk. So verbrachten Mama und ich meine Zeit in Deutschland in Gießen im Hotel. Papa hat sich so dermaßen gefreut, weil nach und nach seine Erinnerungen wieder kamen und er auch die Weltreise nun auch auf dem Schirm hatte. Als mein Bruder wieder zurück kam, waren wir zu dritt nochmal bei ihm und danach ging es für mich mit einem guten Gefühl zum Flughafen. Nicht ohne das Versprechen, um Weihnachten herum ein weiteres Mal nach Hause zu kommen. So flog ich dann also zu meiner Sippe auf die Malediven und merkte dort erst so richtig, wie kaputt und fertig ich eigentlich war (neben den Fahrten in die Klinik habe ich selber noch 3 Schichten Dienste in der Klinik geschruppt, um Überstunden für die Reise zu sammeln. Das hieß vor dem Nachtdienst nach Gießen, nach dem Schlafen vor dem Spätdienst oder nach dem Frühdienst). Ich glaube, in so einem Fall ist es für die Angehörigen anstrengender, als für den Patienten. Ich weiß gar nicht mehr, wie lange ich nach der Ankunft auf Maafushi geschlafen habe.

Es folgten weitere Abschiede, teilweise fiel es uns auch einfach nur schwer schöne Orte zu verlassen. Auf den Malediven war das nicht so schlimm. Aus Japan sind wir ungern abgereist, bei Vietnam ist es uns wieder leichter gefallen, allerdings hat es uns mit Jürgen sehr gut gefallen und wir hoffen, einige seiner Projekte nach unserer Rückkehr unterstützen zu können. Die Cookinseln waren so schön gechillt, dass wir mit einem lachenden und einem weinenden Auge weggeflogen sind. Neuseeland war super. Die Zeit in dem Wohnmobil war eine völlig neue Erfahrung, wir sind zu Campingfans geworden. Außerdem haben wir Joshi wieder getroffen. Und Tention aus Wildungen, die wahrscheinlich durchgeknallteste Auswanderin in ganz Neuseeland. Weihnachten sind wir nach Argentinien geflogen, da mussten wir Levi Tschüß sagen, für ihn ging die Reise weiter nach Deutschland. Ja und dann war ich mal wieder dran. Auch das ist mir nicht leicht gefallen. Mike und Bela fuhren am ersten Weihnachtsfeiertag nach Villa Gesell ans Meer und ich zum Flughafen. Eine Woche Deutschland. War auch überraschend anstrengend. Drei Langstreckenflüge mit erheblichen Zeitunterschieden innerhalb von 7 Tagen, hat mich in Villa Gesell auch erstmal wieder lange schlafen lassen. Gut, dass ich beruflich nicht so krass reisen muss. Dann Patagonien: Wir haben zwar viel mitgemacht mit unserem Hilux, aber als wir ihn abgeben mussten, hieß das, unser Patagonien Abenteuer ist zu Ende. Wieder ein Abschnitt vorbei. Dann wurde es extrem tränenreich, als wir uns in Buenos Aires von Azul und ihrer Familie verabschiedet haben, um nach Ecuador zu fliegen. Wir hoffen, dass wir sie schnell wiedersehen. Von Galapagos sind wir auch nur ungern weg, Bela hatte einen neuen Freund und wir haben uns pudelwohl dort gefühlt. Dann folgten Orte wie San Blas, da mussten wir uns zum Abschied richtig betrinken und Bocas del Toro in Panama, wo wir auch gerne geblieben wären. Costa Rica war wieder einfach, das Wetter hat es uns erleichtert. Kuba war natürlich auch schwer, weil wir uns auch dort von lieben alten Freunden verabschieden mussten und auch noch nicht wissen, wann wir uns wiedersehen. So könnte ich das fortsetzen, will ich aber nicht! Je näher das Ende der Reise kam, umso schwerer wurden die Abschiede. Ich hatte sogar beim Auschecken vom Kreuzfahrtschiff einen Kloß im Hals. Denn wir näherten uns unaufhaltsam der Rückkehr und damit dem Ende. Naja…und, weil wir keinen Einreisestempel bekommen haben. Die Tinte war leer. Ich hatte Schiß vor Schwierigkeiten bei der Ausreise…

Ankommen hingegen hat uns immer gut gefallen. Erkundschaften, wo wir gelandet sind. Begrüßungsbier am Pool in Sri Lanka. Um 12 Uhr mittags… Auf den Malediven, als Mike und Bela extra ein Speedboat gemietet haben, um mich am Flughafen abzuholen und ich Geschenke aus Deutschland für alle dabei hatte. Stollen und Lebkuchen. Am Strand. Bei 35 Grad. Ging nicht. Der erste Abend in Tokyo und die Atmosphäre in dieser tollen Stadt. Diese Ruhe. Im Gegensatz zu Hanoi. Da war das Ankommen auch aufregend, als das Taxi mitten auf der Strecke die Grätsche gemacht hat und die Empfangsdame aus dem Hotel uns quasi prophezeite, dass wir den Aufenthalt hier nicht überleben werden. Cook Island, unsere Zeitreise. Als wir im Dunkeln gelandet sind, einen Tag VOR Abflug und von den wahrscheinlich dicksten Menschen der Welt mit Blumenkränzchen begrüßt worden sind. Die ersten Kilometer mit dem Wohnmobil waren auch sehr aufregend. Der erste Einkauf im Supermarkt, mit dem riesengroßen Gefährt auf den Parkplatz und parken ohne zu zerstören. Das erste, was im Einkaufswagen gelandet ist, war eine bunte Lichterkette. Mit der haben wir nicht nur das Wohnmobil, sondern auch noch den Hilux in Patagonien abends geschmückt. Das Haus in Auckland, mit dem gestörten Hund und dem besoffenen Vermieter, der es bei uns so schön fand und nur schnell zum Nachkippen bei sich verschwand. Buenos Aires natürlich, nach vier Jahren haben wir Azuls Familie wiedergesehen. Ushuaia, wo es abends um 23 Uhr immer noch hell war und wir einfach nicht müde wurden. Die erste Nacht im Dachzelt im Tierra del Fuego Nationalpark bei Windgeschwindigkeiten von 120 Km/h war auch sehr spannend. Der erste Abend auf Galapagos, als wir den beleuchteten Malecon gefunden haben und darunter Haie geschwommen sind. Oder wir keine Bank ohne Seelöwenbefall sehen konnten. Panama City…okay, da mussten wir dann trinken beim Ankommen. War im nachhinein nicht so unser Fall. Und so ging es weiter. Oft wussten wir beim Aufwachen gar nicht, wo wir sind. Bis wir auf einmal an Ostern bei meinen Eltern in Rotenburg auf der Terrasse saßen.

Ja und nun? Wieder zu Hause, ist es so, als wären wir gar nicht weggewesen. Die Erde hat sich weitergedreht. Der Alltag hat uns wieder, die nächste Reise ist in Planung. Aber wir haben einen riesengroßen Koffer voller schöner Erlebnisse und Erinnerungen. Speicherkarten mit 10.000 Bildern, die sortiert werden wollen und die Sommerferien vor der Tür 🙂

Das haben wir jetzt auch!

Zu guter Letzt: Mexiko

Zum Abschluß der Reise sind wir vier Tage in Mexiko. Keiner hatte das je auf der Liste, doch da wir in Cozumel das Schiff verlassen und günstige Flüge von Cancun nach Frankfurt gefunden haben, nehmen wir das eben noch mit. Schwierig war die Auswahl des Aufenthaltsortes hier. Nicht zu touristisch, eher klein und gemütlich soll es sein. Wir haben es fast auf der kompletten Reise geschafft, den Massentourismus zu umgehen (ja, auch auf der Kreuzfahrt ging das), da brauchen wir das zum Schluß nicht. Deshalb schied Cancun schon mal aus. Unerwartete Hilfe bekamen wir auf San Blas beim Schnorcheln im glasklaren Wasser von einem mexikanisch-griechischen Paar aus Hamburg. Wir sollten am besten nach Tulum gehen. Das ist nicht so groß, es gibt Maya Ruinen direkt am Meer und Strand und Wasser seien so wie hier in diesem Archipel. Prima. Danke. Wir haben uns für ein kleines Hotel mit ein bisschen bezahlbarem Luxus in der Nähe des Zentrums entschieden, etwas weiter weg vom Strand zwar, aber mit kostenlosen Hotelfahrrädern sollte das kein Problem sein. Die Strandhotels waren uns allesamt zu teuer, so dass wir uns dagegen entschieden haben. Das war, gerade im Nachhinein betrachtet, nicht nur aus finanziellen Gründen eine sehr gute Entscheidung. Da wir mittlerweile Handelprofis sind, bekommen wir das Taxi vom Hafen nach Tulum günstiger als den Bus. Das Hotel ist super, wir fühlen uns vom ersten Augenblick an pudelwohl. Es gibt eine Bar, ein Restaurant und einen schönen Garten mit viel Feng Shui und Pool.

Die Mitarbeiter sind alle locker und gechillt. Den ganzen Tag läuft tolle Musik, ich komme mit Shazamen gar nicht mehr hinterher und nehme zahlreiche neue Playlisten mit nach Hause. Vor unserem Zimmer haben wir eine riesengroße mexikanische Hängematte.

Wir packen aus, bekommen ein paar Tipps, was wir nicht verpassen dürfen und verschwinden den Rest des Tages mit Cocktails an den Pool. Es ist ein wunderbarer Ort, um zu relaxen und die Reise mit den vielen tollen Erlebnissen sacken zu lassen. Abends essen wir hier, keiner will raus aus dieser Oase.

Am nächsten Morgen, nach dem leckeren Frühstück,

suchen wir uns die passenden Fahrräder und wollen an den Strand. Heute ist eine etwas unentspanntere Dame an der Rezeption, die uns maßregelt, die Räder seien nur für Erwachsene. Na super…wie sollen wir Bela zum drei Kilometer entfernten Strand bekommen? Im Körbchen vielleicht? Wir diskutieren ein bisschen mit ihr und sie erlaubt es uns, aber ausdrücklich nur auf unsere eigene Verantwortung. Damit haben wir kein Problem, schließlich machen wir alles im Leben auf unsere eigene Verantwortung. Wir erklären ihr, dass Bela radeln kann, seit er drei Jahre alt ist. Sie ist erstaunt, denn mexikanische Kinder können das nicht, sagt sie. Ich erfahre, als sie wieder etwas entspannter ist und wir ins Plaudern kommen, noch einiges über das System hier in Mexiko. Davon aber später mehr… Im nächsten Supermarkt decken wir uns für ein Picknick ein und radeln los. Erstaunlicherweise gibt es einen Radweg. Das Wetter ist bombastisch, nichts steht einem entspannten Tag am Strand im Weg. Leider doch. Wir kommen an, schließen die Räder ab und stürzen los. Blöderweise gibt es El Nino bedingt seit drei Wochen raue See mit hohen Wellen und eine extreme Seegrasplage am Strand. Das bedeutet: rote Flagge, baden verboten, Strand nicht traumhaft weiß, sondern voller Dreck und Wasser nicht glasklar, sondern braun und brackig. Entsprechend riecht es auch. So eine Scheiße! Das haben wir uns für den Abschluß irgendwie ganz anders vorgestellt. Zum Glück haben wir kein Strandhotel. Denn dort wären wir weit weg vom Zentrum und müssten uns dieses Drama den ganzen Tag ansehen. Wir picknicken dann doch am Strand, der Sand weht über den Käse und verschafft uns ein Zahnpeeling. Wir können einen Tisch organisieren, damit wir unser Picknick nicht im Seegras aufbauen müssen. Wir radeln zurück und gehen im Zentrum ein bisschen bummeln.

Für den nächsten Tag stehen die Maya Ruinen auf dem Programm. Das Wetter wäre wieder sehr perfekt für den Strand, aber lassen wir das. Ich habe vorher ein bisschen recherchiert und herausgefunden, dass wir am besten gleich um 8 Uhr dort sein sollen. Zum einen ist es dann noch nicht so heiß und zum anderen noch recht leer, weil die Busse erst später anreisen. Das klappt so super. Pünktlich kurz nach den Reisebussen kommen wir an und stellen uns um 10:30 Uhr in die lange Schlange vor dem Ticketschalter. Weil die meisten anderen Touristen eine Tour machen und im Pulk dem Guide hinterherlaufen, gibt es zum Fotografieren tatsächlich menschenfreie Momente. Übrigens haben wir hier noch gar keine Chinesen gesehen…der musste jetzt zum Schluß nochmal sein;) Es ist recht schön hier:

Tulum ist die einzige Maya Fundstätte direkt am Meer. An der Riviera Maya, der karibischen Küste. Die Stadt wurde von einer Mauer umschlossen, von den zahlreichen Häusern sieht man nur noch die Grundmauern. Außerhalb der Stadtmauer standen viele Hütten der einfachen Bevölkerung. Es ist anzunehmen, dass es eine größere Stadt war und auch, vermutlich wegen der günstigen Lage am Meer, ein Handelsknotenpunkt gewesen ist. Sie verfügte über ein gut entwickeltes Verteidigungssystem und wurde als religiöses Zentrum auch noch bei Ankunft der Spanier in 1517 genutzt. Sie wurde wohl auch zur Sternenbeobachtung errichtet (darauf deuteten Fensterluken hin), da der Maya Kalender an solchen Orten erstellt und ständig überprüft wurde.

Das Schloss (Castillo) ist das höchste Gebäude hier:

Der Tempel des herabsteigenden Gottes war der Gottheit gewidmet, die für Sonnenuntergang, Regen, Blitz und die Bienenzucht zuständig war und war zugleich Wohnsitz des Herrschers. Man fand eine Figur dieses Gottes im Dachfirst.

Der Tempel des Windgottes steht auf einem Hügel, hier mit Kitesurfergott:

Und noch ein paar mehr, für die ich keine Erklärung gefunden habe:

Unterhalb des Windgotttempels ist der Strand, normalweise karibisch und wie aus dem Bilderbuch. Aber heute leider wegen der Seegrasplage gesperrt. Schade.

Zum Abschluss läuft uns noch eine süße Echse vor die Linse, dann schlendern wir ins Touristengetümmel am Ausgang.

Die verbleibende Zeit nutzen wir fürs Nichtstun. Wir haben kurz überlegt, ob wir noch etwas anschauen oder unternehmen, sind aber einstimmig der Meinung, dass wir mit Erleben und Entdecken fertig sind. Ich habe die Gelegenheit mit der Dame von der Rezeption zu plaudern. Mich interessiert, wie überall auf der Welt, die Frage nach dem Führerschein. Bela hatte schon mal in einem Bericht gehört, dass man in Mexiko den Führerschein für fast lau am Automaten bekommt. So wie die Mexikaner Auto fahren, könnte man das fast glauben. Fußgänger oder Radfahrer gelten als störende Elemente auf die man keinerlei Rücksicht nehmen muss. Ampeln sind lediglich bunte Dekorationen und der Beruf des Parkplatzeinwinkers auf dem aufsteigenden Ast, weil keiner das Einparken beherrscht. Die Fahrprüfung wurde vor ein paar Jahren abgeschafft, um die Korruption zu bekämpfen. Denn wo es keine Prüfung gibt, kann auch kein Bestechungsgeld fließen. Kurz darauf wurde Mexiko City zur Stadt mit dem größten Verkehrschaos gewählt und nun die Prüfung wieder eingeführt. Leider gibt es keine Fahrlehrer mehr…Man geht auf das zuständige Amt und je nachdem wie der Beamte drauf ist, muss man eine Prüfung nachweisen oder auch nicht. Meistens nicht! Dann kann man wählen zwischen einem Führerschein für ein Jahr (für umgerechnet etwa 13 Euro) oder für drei Jahre (was circa 30 Euro kostet). Das Schulsystem ist nur basic, Sport- oder Kunstunterricht gibt es gar nicht. Außer an Privatschulen. Es ist nicht gewünscht, dass die Menschen sich bilden. Bücher kosten ein Vermögen. Ein Band von Harry Potter soll etwa 50 Euro kosten, das ist mit einem Monatslohn von 500 Dollar nicht machbar. Ähnlich wie in Kuba müssen die Menschen hier dafür auch 6 Tage die Woche arbeiten, bekommen allerdings keine Lebensmittelunterstützung. Witzigerweise hat Mexiko ein ähnlich großes Problem mit illegalen Einwanderern aus den USA, wie umgekehrt auch. Viele Rentner wollen ihren Lebensabend im Warmen verbringen und wandern aus, ohne eine Aufenthaltserlaubnis zu besitzen. Da Mexiko jedoch von diesen profitiert, wird dieses Problem eher lax angegangen.

Mein Schreibplatz in Mexiko:

Bela trinkt sich die Cocktailkarte hoch und runter, was nicht so lange dauert, weil es nicht so viele Cocktails ohne Alkohol gibt…

Mike und ich folgen unserem Motto: „was der Bauer nicht kennt, muss er probieren“ und bestellen Heuschrecken Cocktail. Die Heuschrecken sind gut, der Mezcal schmeckt fürchterlich!

Ein abendliches Bad im hübsch erleuchteten Pool:

Ein letztes Frühstück. Das Lied, welches dazu läuft, ist passenderweise „I don´t want to go home“ von Nick Mulvey…Ich habe einen Kloß im Hals. Nicht, weil ich Mexico so hammermäßig schön fand, sondern, weil diese Reise, auf die wir uns so lange gefreut haben, auf die wir so lange hingearbeitet und gespart haben, die von solch einem dramatischen Start, tiefer Sorge und zig tausend Extraflugkilometern (und Meilen, die uns später einen kostenlosen Flug nach England beschert haben) begleitet war, nun auf einmal zu Ende ist.

Und das obligatorische Abschiedsfoto:

Nun ist es wirklich Zeit, die Heimreise anzutreten:

So hat jeder auf dem Rückflug sein Programm und die Zeit vergeht rasch:

Witzigerweise müssen wir in Manchester umsteigen. Dort werde ich in 6 Tagen wieder landen, um weitere 8 Wochen mit den Jungs unterwegs zu sein. Sie gehen dort in die Sprachenschule.

In Frankfurt müssen wir durchstarten, weil der Wind ungünstig kommt. Bela hat geschlafen und war so sauer danach. Da sind wir schon zig Mal geflogen und immer hat er sich das gewünscht. Und jetzt, wo es passiert, verpennt er es. Natürlich habe ich versucht ihn zu wecken, hatte aber leider keine Chance. Die Ankunft in Deutschland ist super. Auf Wildungen ist eben Verlass. So werden wir am Flughafen empfangen, nach Hause gebracht und auch noch ordnungsgemäß bespasst. Wir werden mit einer Party überrascht, sind ab 18.30 Uhr unglaublich müde, dann kommt der Jetlaghammer und wir feiern bis morgens um 7!! Großartig. Beste Freunde bleiben, egal wie lang und weit man weg ist…