
Tja, Weltreise und was dann?
Wer noch überlegt: Sofort anfangen mit Planen und MACHEN!!!!!
Diese Reise war so ziemlich das beste, was wir je gemacht haben, gleich nach Kinder kriegen.
Wir planen schon die nächste 😉 Also nicht Weltreise, aber Ideen für unsere nächsten Reisen haben wir viele.
Das ist eine Suchterkrankung, da können wir nichts für.
Jetzt haben wir erstmal den After-Weltreise Plan: Wir bekommen einen Hund. Dementsprechend müssen wir unsere Reisen ab jetzt kötergerecht gestalten oder wir urlauben getrennt. Der Hund in einem Hotel oder bei Freunden und wir woanders.
Wir haben einiges von dem geschafft, was wir uns vorgenommen hatten und einiges nicht. Wir wären bereit gewesen Opfer für diese Reise zu bringen, falls es nötig gewesen wäre. Denn wenn eine Tür sich schließt, öffnen sich nach der Rückkehr zwei neue, so war unser Gedanke. Glücklicherweise stießen wir auf kein unüberwindbares Hindernis. Die gibt es meiner Meinung nach auch nicht. Wer eine solche Reise machen möchte, also wirklich machen möchte, kann das in allen möglichen Konstellationen auch verwirklichen. Mit oder ohne Kinder, vor, nach oder während des Studiums/Ausbildung, vor oder nach der Rente (besser eigentlich vorher, denn wie oft ist man mit Beginn der Rente entweder krank oder tot), mit oder ohne Wohneigentum, ja notfalls sogar mit Köter. Manche müssen sicher länger sparen, andere wieder nicht. Wer jung genug ist, kann Work and Travel machen, da arbeitet man auf der Reise gegen Bezahlung. Wer zu alt dafür ist, kann wwoofen, das bedeutet arbeiten gegen Kost und Logis. Es gibt viele Reisevarianten. Man muss ja nicht einmal rund um die Welt reisen. Drei oder sechs Monate mit dem Bulli oder der Eisenbahn durch Europa ist genauso klasse. Zelt, Hostel, Couchsurfing, es muss nicht immer ein Hotel sein. Optionen gibt es viele. Der erste Schritt zur Auszeit ist die Idee. Wer zögert, braucht noch ein bisschen (nicht zu lange zögern, das Leben kann sich ziemlich plötzlich radikal ändern) oder ist generell dafür nicht geeignet. Ich habe immer wieder gehört, wie mutig wir wären. Möglicherweise ist es mutig, für uns hat sich das nicht so angefühlt. Wir haben aber auch zum Glück keine einzige gefährliche oder brenzlige Situation erleben müssen und sind ja auch vorher nicht nur am Edersee gewesen. Das gefährlichste, was wir erlebt haben, war vielleicht das Durchstarten bei der Landung in Frankfurt, nachdem wir 6 Monate unbeschadet unterwegs waren. Und auch das ging glimpflich aus. Oder vielleicht die Schlange in Sri Lanka, wobei die ja mehr Angst vor uns hatte, als wir vor ihr. Oder vielleicht mein Kayakunfall in Neuseeland, wo ich fast ertrunken wäre. Okay, wirklich nur fast. Aber sonst? Nix wildes. Manchmal war es auch anstrengend, nicht so wie Urlaub. Den mussten wir zwischendurch einplanen. Ein paar Tage Strand mit Nichtstun. Die vielen Eindrücke wollten verarbeitet werden. Reisetage fanden wir anstrengend. Einmal mussten wir 8 Stunden in der Nacht in Bolivien auf einem klitzekleinen Flughafen auf den Anschlußflug warten, weil das die güstigste Verbindung war. Schließlich mussten wir sparsam unterwegs sein. Aber auch dort trafen wir mitten in der Nacht unglaublich nette Menschen:

Wir haben sehr viele Weltreisende unterwegs getroffen, viele auch mit Kindern. Das Jüngste war 7 Monate alt und reiste mit Eltern und Geschwistern (3 und 5 Jahre alt) ein Jahr durch die Welt. Dabei machte es einen sehr entspannten und zufriedenen Eindruck, wahrscheinlich deshalb, weil die Eltern so entspannt waren. Wir waren das auch und haben die Zeit, die wir zusammen verbringen konnten sehr genossen. Ohne Arbeit und Schule 24 Stunden 7 Tage die Woche zusammen sein zu können, ist ein Luxus, den wir uns zu Hause nicht leisten können. Das war toll.
Drei Geburtstage haben wir unterwegs gefeiert, in Sri Lanka, in Vietnam und in Argentinien. Einige verpasst. Aber mit Amazon und einem Anruf im Blumenladen zu Hause, war auch das problemlos zu regeln.
Wir haben sehr viele tolle Menschen und abgefahrene Freaks mit den unterschiedlichsten Geschichten kennengelernt, zu den meisten versuchen wir den Kontakt zu halten, in der Hoffnung, sie eines Tages wiederzusehen.
Auf die vielen Abschiede, die wir immer wieder hatten, waren wir nicht richtig vorbereitet. Wir haben da einfach überhaupt nicht dran gedacht. In Sri Lanka mussten wir uns von Joshua und der Familie meines Bruders verabschieden. Ich musste mich dort auch von meiner Familie verabschieden. Es ist mir unheimlich schwer gefallen, auch wenn es nur für eine Woche war. Was ich jedoch in dieser einen Woche zu Hause mit meinen Eltern erleben durfte, ist durch kein Reiseerlebnis zu toppen. Natürlich läuft in einer solchen Planung nicht alles glatt. Wir hatten zwischendurch Schwierigkeiten, die sich aber schnell behoben ließen. Alle, bis auf eine. Fünf Wochen vor unserem Abflug hatte mein Papa einen schweren Herzinfarkt und verabschiedete sich nach der Notoperation erstmal ins Koma. Naja, verabschiedet hat er sich eigentlich nicht…Der Flug für ihn war gebucht, er wollte uns nach Sri Lanka begleiten. Als Überraschung für die Enkel. So stand ich bis einen Tag vor Abflug vor der so ziemlich schwersten Entscheidung meines Lebens. Papa war inzwischen nach Gießen verlegt worden, was es für alle nicht einfacher machte. Für meinen Bruder und Familie ist es der Jahresurlaub und die lang ersehnte Asienreise für die Kinder. Er darf unter keinen Umständen auf die Idee kommen, zu Hause zu bleiben. Für uns ist es der Start in das wahrscheinlich größte Abenteuer unseres Lebens, worauf wir über 4 Jahre hingearbeitet haben und nicht einfach ein 14 Tage Urlaub in den Herbstferien. Und Mama? Zu Hause? Alleine? Ohne uns? Mit Papa 100 Kilometer weit in einer riesigen Uniklinik im Koma? Außerdem völlig unklar zu diesem Zeitpunkt wie das ausgeht…Einer der netteren Pfleger half mir bei der Entscheidung, indem er fragte, was Papa dazu sagen würde. Ganz klar: Er würde mich in den Hintern treten, sollte ich die Reise absagen, mit Anlauf. Die meisten anderen sagten das auch. Auch Mama. Zeit also für Plan B: Wir starten wie geplant, ich fliege für eine Woche mit nach Sri Lanka, mache die Rundreise und kehre danach wieder zurück. Strand werde ich auf der Reise noch genug haben. Für die Woche ohne meinen Burder und mich organisieren wir zusammen Fahrdienste für Mama, wir mochten sie nicht alleine fahren lassen. Es war überwältigend, wer sich alles angeboten hat. Pünktlich an meinem Geburtstag ist Papa aufgewacht und hat jeden Tag minikleine Fortschritte gemacht. Das war das schönste Geschenk. So verbrachten Mama und ich meine Zeit in Deutschland in Gießen im Hotel. Papa hat sich so dermaßen gefreut, weil nach und nach seine Erinnerungen wieder kamen und er auch die Weltreise nun auch auf dem Schirm hatte. Als mein Bruder wieder zurück kam, waren wir zu dritt nochmal bei ihm und danach ging es für mich mit einem guten Gefühl zum Flughafen. Nicht ohne das Versprechen, um Weihnachten herum ein weiteres Mal nach Hause zu kommen. So flog ich dann also zu meiner Sippe auf die Malediven und merkte dort erst so richtig, wie kaputt und fertig ich eigentlich war (neben den Fahrten in die Klinik habe ich selber noch 3 Schichten Dienste in der Klinik geschruppt, um Überstunden für die Reise zu sammeln. Das hieß vor dem Nachtdienst nach Gießen, nach dem Schlafen vor dem Spätdienst oder nach dem Frühdienst). Ich glaube, in so einem Fall ist es für die Angehörigen anstrengender, als für den Patienten. Ich weiß gar nicht mehr, wie lange ich nach der Ankunft auf Maafushi geschlafen habe.
Es folgten weitere Abschiede, teilweise fiel es uns auch einfach nur schwer schöne Orte zu verlassen. Auf den Malediven war das nicht so schlimm. Aus Japan sind wir ungern abgereist, bei Vietnam ist es uns wieder leichter gefallen, allerdings hat es uns mit Jürgen sehr gut gefallen und wir hoffen, einige seiner Projekte nach unserer Rückkehr unterstützen zu können. Die Cookinseln waren so schön gechillt, dass wir mit einem lachenden und einem weinenden Auge weggeflogen sind. Neuseeland war super. Die Zeit in dem Wohnmobil war eine völlig neue Erfahrung, wir sind zu Campingfans geworden. Außerdem haben wir Joshi wieder getroffen. Und Tention aus Wildungen, die wahrscheinlich durchgeknallteste Auswanderin in ganz Neuseeland. Weihnachten sind wir nach Argentinien geflogen, da mussten wir Levi Tschüß sagen, für ihn ging die Reise weiter nach Deutschland. Ja und dann war ich mal wieder dran. Auch das ist mir nicht leicht gefallen. Mike und Bela fuhren am ersten Weihnachtsfeiertag nach Villa Gesell ans Meer und ich zum Flughafen. Eine Woche Deutschland. War auch überraschend anstrengend. Drei Langstreckenflüge mit erheblichen Zeitunterschieden innerhalb von 7 Tagen, hat mich in Villa Gesell auch erstmal wieder lange schlafen lassen. Gut, dass ich beruflich nicht so krass reisen muss. Dann Patagonien: Wir haben zwar viel mitgemacht mit unserem Hilux, aber als wir ihn abgeben mussten, hieß das, unser Patagonien Abenteuer ist zu Ende. Wieder ein Abschnitt vorbei. Dann wurde es extrem tränenreich, als wir uns in Buenos Aires von Azul und ihrer Familie verabschiedet haben, um nach Ecuador zu fliegen. Wir hoffen, dass wir sie schnell wiedersehen. Von Galapagos sind wir auch nur ungern weg, Bela hatte einen neuen Freund und wir haben uns pudelwohl dort gefühlt. Dann folgten Orte wie San Blas, da mussten wir uns zum Abschied richtig betrinken und Bocas del Toro in Panama, wo wir auch gerne geblieben wären. Costa Rica war wieder einfach, das Wetter hat es uns erleichtert. Kuba war natürlich auch schwer, weil wir uns auch dort von lieben alten Freunden verabschieden mussten und auch noch nicht wissen, wann wir uns wiedersehen. So könnte ich das fortsetzen, will ich aber nicht! Je näher das Ende der Reise kam, umso schwerer wurden die Abschiede. Ich hatte sogar beim Auschecken vom Kreuzfahrtschiff einen Kloß im Hals. Denn wir näherten uns unaufhaltsam der Rückkehr und damit dem Ende. Naja…und, weil wir keinen Einreisestempel bekommen haben. Die Tinte war leer. Ich hatte Schiß vor Schwierigkeiten bei der Ausreise…
Ankommen hingegen hat uns immer gut gefallen. Erkundschaften, wo wir gelandet sind. Begrüßungsbier am Pool in Sri Lanka. Um 12 Uhr mittags… Auf den Malediven, als Mike und Bela extra ein Speedboat gemietet haben, um mich am Flughafen abzuholen und ich Geschenke aus Deutschland für alle dabei hatte. Stollen und Lebkuchen. Am Strand. Bei 35 Grad. Ging nicht. Der erste Abend in Tokyo und die Atmosphäre in dieser tollen Stadt. Diese Ruhe. Im Gegensatz zu Hanoi. Da war das Ankommen auch aufregend, als das Taxi mitten auf der Strecke die Grätsche gemacht hat und die Empfangsdame aus dem Hotel uns quasi prophezeite, dass wir den Aufenthalt hier nicht überleben werden. Cook Island, unsere Zeitreise. Als wir im Dunkeln gelandet sind, einen Tag VOR Abflug und von den wahrscheinlich dicksten Menschen der Welt mit Blumenkränzchen begrüßt worden sind. Die ersten Kilometer mit dem Wohnmobil waren auch sehr aufregend. Der erste Einkauf im Supermarkt, mit dem riesengroßen Gefährt auf den Parkplatz und parken ohne zu zerstören. Das erste, was im Einkaufswagen gelandet ist, war eine bunte Lichterkette. Mit der haben wir nicht nur das Wohnmobil, sondern auch noch den Hilux in Patagonien abends geschmückt. Das Haus in Auckland, mit dem gestörten Hund und dem besoffenen Vermieter, der es bei uns so schön fand und nur schnell zum Nachkippen bei sich verschwand. Buenos Aires natürlich, nach vier Jahren haben wir Azuls Familie wiedergesehen. Ushuaia, wo es abends um 23 Uhr immer noch hell war und wir einfach nicht müde wurden. Die erste Nacht im Dachzelt im Tierra del Fuego Nationalpark bei Windgeschwindigkeiten von 120 Km/h war auch sehr spannend. Der erste Abend auf Galapagos, als wir den beleuchteten Malecon gefunden haben und darunter Haie geschwommen sind. Oder wir keine Bank ohne Seelöwenbefall sehen konnten. Panama City…okay, da mussten wir dann trinken beim Ankommen. War im nachhinein nicht so unser Fall. Und so ging es weiter. Oft wussten wir beim Aufwachen gar nicht, wo wir sind. Bis wir auf einmal an Ostern bei meinen Eltern in Rotenburg auf der Terrasse saßen.
Ja und nun? Wieder zu Hause, ist es so, als wären wir gar nicht weggewesen. Die Erde hat sich weitergedreht. Der Alltag hat uns wieder, die nächste Reise ist in Planung. Aber wir haben einen riesengroßen Koffer voller schöner Erlebnisse und Erinnerungen. Speicherkarten mit 10.000 Bildern, die sortiert werden wollen und die Sommerferien vor der Tür 🙂

Das haben wir jetzt auch!
















































