Zum Abschluß der Reise sind wir vier Tage in Mexiko. Keiner hatte das je auf der Liste, doch da wir in Cozumel das Schiff verlassen und günstige Flüge von Cancun nach Frankfurt gefunden haben, nehmen wir das eben noch mit. Schwierig war die Auswahl des Aufenthaltsortes hier. Nicht zu touristisch, eher klein und gemütlich soll es sein. Wir haben es fast auf der kompletten Reise geschafft, den Massentourismus zu umgehen (ja, auch auf der Kreuzfahrt ging das), da brauchen wir das zum Schluß nicht. Deshalb schied Cancun schon mal aus. Unerwartete Hilfe bekamen wir auf San Blas beim Schnorcheln im glasklaren Wasser von einem mexikanisch-griechischen Paar aus Hamburg. Wir sollten am besten nach Tulum gehen. Das ist nicht so groß, es gibt Maya Ruinen direkt am Meer und Strand und Wasser seien so wie hier in diesem Archipel. Prima. Danke. Wir haben uns für ein kleines Hotel mit ein bisschen bezahlbarem Luxus in der Nähe des Zentrums entschieden, etwas weiter weg vom Strand zwar, aber mit kostenlosen Hotelfahrrädern sollte das kein Problem sein. Die Strandhotels waren uns allesamt zu teuer, so dass wir uns dagegen entschieden haben. Das war, gerade im Nachhinein betrachtet, nicht nur aus finanziellen Gründen eine sehr gute Entscheidung. Da wir mittlerweile Handelprofis sind, bekommen wir das Taxi vom Hafen nach Tulum günstiger als den Bus. Das Hotel ist super, wir fühlen uns vom ersten Augenblick an pudelwohl. Es gibt eine Bar, ein Restaurant und einen schönen Garten mit viel Feng Shui und Pool.



Die Mitarbeiter sind alle locker und gechillt. Den ganzen Tag läuft tolle Musik, ich komme mit Shazamen gar nicht mehr hinterher und nehme zahlreiche neue Playlisten mit nach Hause. Vor unserem Zimmer haben wir eine riesengroße mexikanische Hängematte.

Wir packen aus, bekommen ein paar Tipps, was wir nicht verpassen dürfen und verschwinden den Rest des Tages mit Cocktails an den Pool. Es ist ein wunderbarer Ort, um zu relaxen und die Reise mit den vielen tollen Erlebnissen sacken zu lassen. Abends essen wir hier, keiner will raus aus dieser Oase.


Am nächsten Morgen, nach dem leckeren Frühstück,

suchen wir uns die passenden Fahrräder und wollen an den Strand. Heute ist eine etwas unentspanntere Dame an der Rezeption, die uns maßregelt, die Räder seien nur für Erwachsene. Na super…wie sollen wir Bela zum drei Kilometer entfernten Strand bekommen? Im Körbchen vielleicht? Wir diskutieren ein bisschen mit ihr und sie erlaubt es uns, aber ausdrücklich nur auf unsere eigene Verantwortung. Damit haben wir kein Problem, schließlich machen wir alles im Leben auf unsere eigene Verantwortung. Wir erklären ihr, dass Bela radeln kann, seit er drei Jahre alt ist. Sie ist erstaunt, denn mexikanische Kinder können das nicht, sagt sie. Ich erfahre, als sie wieder etwas entspannter ist und wir ins Plaudern kommen, noch einiges über das System hier in Mexiko. Davon aber später mehr… Im nächsten Supermarkt decken wir uns für ein Picknick ein und radeln los. Erstaunlicherweise gibt es einen Radweg. Das Wetter ist bombastisch, nichts steht einem entspannten Tag am Strand im Weg. Leider doch. Wir kommen an, schließen die Räder ab und stürzen los. Blöderweise gibt es El Nino bedingt seit drei Wochen raue See mit hohen Wellen und eine extreme Seegrasplage am Strand. Das bedeutet: rote Flagge, baden verboten, Strand nicht traumhaft weiß, sondern voller Dreck und Wasser nicht glasklar, sondern braun und brackig. Entsprechend riecht es auch. So eine Scheiße! Das haben wir uns für den Abschluß irgendwie ganz anders vorgestellt. Zum Glück haben wir kein Strandhotel. Denn dort wären wir weit weg vom Zentrum und müssten uns dieses Drama den ganzen Tag ansehen. Wir picknicken dann doch am Strand, der Sand weht über den Käse und verschafft uns ein Zahnpeeling. Wir können einen Tisch organisieren, damit wir unser Picknick nicht im Seegras aufbauen müssen. Wir radeln zurück und gehen im Zentrum ein bisschen bummeln.
Für den nächsten Tag stehen die Maya Ruinen auf dem Programm. Das Wetter wäre wieder sehr perfekt für den Strand, aber lassen wir das. Ich habe vorher ein bisschen recherchiert und herausgefunden, dass wir am besten gleich um 8 Uhr dort sein sollen. Zum einen ist es dann noch nicht so heiß und zum anderen noch recht leer, weil die Busse erst später anreisen. Das klappt so super. Pünktlich kurz nach den Reisebussen kommen wir an und stellen uns um 10:30 Uhr in die lange Schlange vor dem Ticketschalter. Weil die meisten anderen Touristen eine Tour machen und im Pulk dem Guide hinterherlaufen, gibt es zum Fotografieren tatsächlich menschenfreie Momente. Übrigens haben wir hier noch gar keine Chinesen gesehen…der musste jetzt zum Schluß nochmal sein;) Es ist recht schön hier:




Tulum ist die einzige Maya Fundstätte direkt am Meer. An der Riviera Maya, der karibischen Küste. Die Stadt wurde von einer Mauer umschlossen, von den zahlreichen Häusern sieht man nur noch die Grundmauern. Außerhalb der Stadtmauer standen viele Hütten der einfachen Bevölkerung. Es ist anzunehmen, dass es eine größere Stadt war und auch, vermutlich wegen der günstigen Lage am Meer, ein Handelsknotenpunkt gewesen ist. Sie verfügte über ein gut entwickeltes Verteidigungssystem und wurde als religiöses Zentrum auch noch bei Ankunft der Spanier in 1517 genutzt. Sie wurde wohl auch zur Sternenbeobachtung errichtet (darauf deuteten Fensterluken hin), da der Maya Kalender an solchen Orten erstellt und ständig überprüft wurde.
Das Schloss (Castillo) ist das höchste Gebäude hier:

Der Tempel des herabsteigenden Gottes war der Gottheit gewidmet, die für Sonnenuntergang, Regen, Blitz und die Bienenzucht zuständig war und war zugleich Wohnsitz des Herrschers. Man fand eine Figur dieses Gottes im Dachfirst.

Der Tempel des Windgottes steht auf einem Hügel, hier mit Kitesurfergott:

Und noch ein paar mehr, für die ich keine Erklärung gefunden habe:






Unterhalb des Windgotttempels ist der Strand, normalweise karibisch und wie aus dem Bilderbuch. Aber heute leider wegen der Seegrasplage gesperrt. Schade.



Zum Abschluss läuft uns noch eine süße Echse vor die Linse, dann schlendern wir ins Touristengetümmel am Ausgang.










Die verbleibende Zeit nutzen wir fürs Nichtstun. Wir haben kurz überlegt, ob wir noch etwas anschauen oder unternehmen, sind aber einstimmig der Meinung, dass wir mit Erleben und Entdecken fertig sind. Ich habe die Gelegenheit mit der Dame von der Rezeption zu plaudern. Mich interessiert, wie überall auf der Welt, die Frage nach dem Führerschein. Bela hatte schon mal in einem Bericht gehört, dass man in Mexiko den Führerschein für fast lau am Automaten bekommt. So wie die Mexikaner Auto fahren, könnte man das fast glauben. Fußgänger oder Radfahrer gelten als störende Elemente auf die man keinerlei Rücksicht nehmen muss. Ampeln sind lediglich bunte Dekorationen und der Beruf des Parkplatzeinwinkers auf dem aufsteigenden Ast, weil keiner das Einparken beherrscht. Die Fahrprüfung wurde vor ein paar Jahren abgeschafft, um die Korruption zu bekämpfen. Denn wo es keine Prüfung gibt, kann auch kein Bestechungsgeld fließen. Kurz darauf wurde Mexiko City zur Stadt mit dem größten Verkehrschaos gewählt und nun die Prüfung wieder eingeführt. Leider gibt es keine Fahrlehrer mehr…Man geht auf das zuständige Amt und je nachdem wie der Beamte drauf ist, muss man eine Prüfung nachweisen oder auch nicht. Meistens nicht! Dann kann man wählen zwischen einem Führerschein für ein Jahr (für umgerechnet etwa 13 Euro) oder für drei Jahre (was circa 30 Euro kostet). Das Schulsystem ist nur basic, Sport- oder Kunstunterricht gibt es gar nicht. Außer an Privatschulen. Es ist nicht gewünscht, dass die Menschen sich bilden. Bücher kosten ein Vermögen. Ein Band von Harry Potter soll etwa 50 Euro kosten, das ist mit einem Monatslohn von 500 Dollar nicht machbar. Ähnlich wie in Kuba müssen die Menschen hier dafür auch 6 Tage die Woche arbeiten, bekommen allerdings keine Lebensmittelunterstützung. Witzigerweise hat Mexiko ein ähnlich großes Problem mit illegalen Einwanderern aus den USA, wie umgekehrt auch. Viele Rentner wollen ihren Lebensabend im Warmen verbringen und wandern aus, ohne eine Aufenthaltserlaubnis zu besitzen. Da Mexiko jedoch von diesen profitiert, wird dieses Problem eher lax angegangen.
Mein Schreibplatz in Mexiko:

Bela trinkt sich die Cocktailkarte hoch und runter, was nicht so lange dauert, weil es nicht so viele Cocktails ohne Alkohol gibt…


Mike und ich folgen unserem Motto: „was der Bauer nicht kennt, muss er probieren“ und bestellen Heuschrecken Cocktail. Die Heuschrecken sind gut, der Mezcal schmeckt fürchterlich!

Ein abendliches Bad im hübsch erleuchteten Pool:



Ein letztes Frühstück. Das Lied, welches dazu läuft, ist passenderweise „I don´t want to go home“ von Nick Mulvey…Ich habe einen Kloß im Hals. Nicht, weil ich Mexico so hammermäßig schön fand, sondern, weil diese Reise, auf die wir uns so lange gefreut haben, auf die wir so lange hingearbeitet und gespart haben, die von solch einem dramatischen Start, tiefer Sorge und zig tausend Extraflugkilometern (und Meilen, die uns später einen kostenlosen Flug nach England beschert haben) begleitet war, nun auf einmal zu Ende ist.

Und das obligatorische Abschiedsfoto:

Nun ist es wirklich Zeit, die Heimreise anzutreten:


So hat jeder auf dem Rückflug sein Programm und die Zeit vergeht rasch:



Witzigerweise müssen wir in Manchester umsteigen. Dort werde ich in 6 Tagen wieder landen, um weitere 8 Wochen mit den Jungs unterwegs zu sein. Sie gehen dort in die Sprachenschule.
In Frankfurt müssen wir durchstarten, weil der Wind ungünstig kommt. Bela hat geschlafen und war so sauer danach. Da sind wir schon zig Mal geflogen und immer hat er sich das gewünscht. Und jetzt, wo es passiert, verpennt er es. Natürlich habe ich versucht ihn zu wecken, hatte aber leider keine Chance. Die Ankunft in Deutschland ist super. Auf Wildungen ist eben Verlass. So werden wir am Flughafen empfangen, nach Hause gebracht und auch noch ordnungsgemäß bespasst. Wir werden mit einer Party überrascht, sind ab 18.30 Uhr unglaublich müde, dann kommt der Jetlaghammer und wir feiern bis morgens um 7!! Großartig. Beste Freunde bleiben, egal wie lang und weit man weg ist…

