Im Dezember haben wir angefangen, die nächste Reise nach Kuba zu planen. Mit Levi dieses Mal. Darüber habe ich mich sehr gefreut, wir werden mit Papa dort sein. Also stellte ich direkt einen Spendenaufruf in meinen WhatsApp Status. Allgemein und auch gezielt nach bestimmten Dingen, die ich im Februar erfragt hatte. Dazu bekam ich zusätzlich Informationen aus Kuba, dass die Krankenhäuser mittlerweile noch leerer sind, als zuvor schon. Nach nur unglaublichen 4 Stunden musste ich den Status löschen, weil ich sonst ein komplettes Flugzeug hätte chartern müssen. Ich bin immer wieder total überwältigt von der Hilfsbereitschaft und Großzügigkeit meiner Mitmenschen. Es kam sehr viel zusammen, es wurden gebrauchte Dinge, wie Kleidung und Schuhe für Kinder und Erwachsene gebracht, genauso wie neu gekaufte Sachen, wie Spritzen, Kanülen, Zahnpasta und Zahnbürsten, Geld und Brillengläser von meinem Optikerfreund, unser hiesiger Optiker gab die Brille und den Einbau dazu. Aus unserer Apotheke bekam ich ein riesengroßes Paket, ebenso von meiner Hausarztpraxis. Nachdem ich mir letztes Jahr geschworen habe, kein Fahrrad mehr mitzunehmen, weil das schon einigermaßen umständlich gewesen ist, ziehen Levi und ich diesmal mit zwei Fahrrädern los…Auch eine Spende, die mithilfe unseres Radladens gut verpackt auf die Reise geht. Ich musste sämtliche Kubaner aus meinem WhatsApp Status rausnehmen, weil das im letzten Jahr für Papa eine Katastrophe war. Sie haben ihm regelrecht aufgelauert, um zu erfahren, wann ich hier ankomme. Daraus habe ich gelernt.

Wir mieten einen Transporter für die ganzen Sachen und fahren los. Alles klappt gut, bis auf einen dicken Anschiss vom Check In Mann, der sofort geschnallt hat, dass in den Fahrrad Kartons nicht nur Fahrräder drin sind. Wer mich kennt, weiß, dass ich damit durchgekommen bin;) Insgesamt haben wir 135 Kilo zum Verteilen dabei: pro Person 30 Kilo Gepäck zum Aufgeben und jeweils 10 Kilo Spendengepäck von der Fluggesellschaft. Plus die „Schmuggelkilos“ in den Fahrradkartons. Levi und ich haben für uns nur Handgepäck. Ach ja, den Kinderwagen hat er auch angemahnt. Der sei nur erlaubt, wenn man mit seinem Kind verreist. Ein kurzer Blick zu Levi und die Sache war geklärt 😉

Nach einem vorzüglichem Frühstück in der Lufthansa Lounge geht es los. Frankfurt – Varadero ohne umsteigen. So praktisch…Einige Filme und Mahlzeiten später, landen wir 30 Minuten früher als geplant in Kuba. Wir sind die ersten, die aussteigen dürfen, daher geht alles fix. Zoll und Röntgen des Handgepäcks. Das restliche Gepäck geht auch fix, unser Fahrer, Rodolfo, wartet schon auf uns. Zum Glück ist das Auto groß genug. Trotzdem müssen wir uns quetschen.

Fast hätten wir den Buggy für die kleine Lorena vergessen, Levi flitzt nochmal rein. Im Hotel ist die Freude groß, alle heißen uns herzlich Willkommen. Ich hätte letztes Jahr nicht gedacht, dass die Situation dort noch schlimmer werden könnte. Aber der Ukraine Krieg hat Auswirkungen bis nach Kuba. Während meines Rückfluges im letzten Jahr hat diese “Spezialoperation” begonnen. Es gab vor Covid schon wenig, danach noch viel weniger und jetzt eigentlich gar nichts mehr. Kuba wurde stets von Russland finanziell unterstützt, da aber die Hilfe nicht zurückgezahlt werden kann und Russland das Geld anderweitig braucht, wurde die Reißleine gezogen. Sämtliche Hilfe wurde eingestellt. Auch kommen kaum noch russische Touristen mehr hierher, weil sie über Dubai fliegen müssen. Die richtig reichen Russen kommen auch nicht nach Kuba, sondern bleiben in Dubai oder reisen nach Asien. Somit ist China das einzige Land, welches Kuba offiziell noch unterstützt. 100.000 Fahrräder kamen im letzten Jahr aus China, da bin ich mit meinen dreien ganz nah dran…Reis und Hühnchen kommen tatsächlich aus USA, auch wenn man das hier weder wahrhaben möchte, noch zugeben würde, jedenfalls nicht als Parteimitglied. Kanada hilft auch noch. Das Essen im Hotel ist ähnlich wie im letzten Jahr. Aber zuviel Auswahl ist ja auch gar nicht gut, man erlebt schon genug auf der Reise. Reis und Bohnen sind verlässliche Partner, totgekochte “Spagetti” mit irgendwas gibt es auch immer, meistens Kraut und Speck. Auch immer schon zum Frühstück. Mittags und abends gibt es BBQ, meisten Pork, das heißt: Knochen und Fett, manchmal auch Fett und Knochen. In 10 Tagen einmal Fisch und zweimal Hühnchen. Obst und Salat gibt es dafür immer, manchmal sogar reif. An meinem ersten Morgen bin ich Jetlag bedingt bereits um 6 Uhr wach und gehe zum Strand. Den habe ich für mich alleine.

Der erste Kaffee mit Milch, die grieselt. Ich weiß nicht, wann der Durchfall losgehen wird. Gleich oder erst später? Ich warte…

Wir lassen es gemütlich angehen, also bis mittags, dann kommen die Hummeln im Hintern, leider nur bei mir. Wir fahren mit dem Taxi zu einer Freundin in Santa Marta und versorgen sie und ihre Nachbarn mit Medikamenten, Monatshygiene und Zahnpflege. Es ist heiß, es ist staubig und die “Einzimmerküche/Bad-draußen-Häuser” haben nur gestampften Fußboden.



Wir wurden herzlich empfangen und jeder wollte uns etwas anbieten. Das nehmen wir nie, weil es ihnen dann fehlt. Da wir aber nicht unhöflich sein wollen, begründen wir das stets mit unserem eng gesteckten Zeitplan. Wir haben die ganzen Sachen in unserem Hotelzimmer stehen, so auch die beiden großen Fahrradkartons. Die müssen weg. Eine befreundete Familie kommt ins Hotel, sie haben sich den Skoda des Cousins dafür geliehen, Baujahr 1962. Luis ist seit 20 Jahren nicht mehr Auto gefahren.

Ich habe Lego für den 7 Jährigen und eine Puppe für die kleine Lorena besorgt, für sie ist auch der Buggy. Das Fahrrad geht ebenfalls zu ihnen. Es kullern die ersten Tränen, das war ja klar. Ich bin da immer fix mit. Wiedersehensfreude und zu sehen, wie sich alle über die Sachen freuen, rührt mich sehr. Wir klönen ein Stündchen und gehen dann schwimmen. Der Strand ist abends am schönsten, genauso wie das Meer.

Leider habe ich mich schon am ersten Morgen ordentlich verbrannt, obwohl ich nur zwischen 7.30 Uhr und 9 Uhr im Schatten gelegen habe. Da ich keinerlei Creme mit Lichtschutzfaktor vertrage, muss ich es stets langsam angehen lassen. Diesmal ist die Sonne krasser. Am Freitag gibt es dann auch endlich Strandhandtücher. Und frische Duschtücher. Kleine. Aber egal. Die von Dienstag haben einiges mitgemacht. 3 Tage duschen und Strand. Geht alles, man muss halt flexibel sein. Milch gibt es auch nicht, also Kaffee weiterhin mit Pulver und Flöckchen. Oder Wasser. Oder Rum. Auch das geht.

Nachmittags steht oft Bingo auf dem Programm, das wird auch immer tapfer durchgezogen. Egal, ob jemand mitmacht oder nicht 😉

Am Samstag fahren Levi und ich morgens schon nach Havanna. Das steht immer auf der Liste. Ich habe einen totalen Narren an Havanna gefressen. Ein riesengroßes Freilichtmuseum. Wie ganz Kuba eigentlich. Wir gönnen uns ein sehr geiles Hotel, an dem ich immer vorbeigelaufen bin und gedacht habe, wenn ich groß bin, möchte ich dort einmal übernachten und da ich mittlerweile schon angefangen habe, wieder kleiner zu werden, wurde das jetzt Zeit.

Gesagt, gebucht. Durften um 11 Uhr schon einchecken, haben 30 Minuten Wartezeit mit Milchkaffee (!!!!!!!!!!!) trinken verbracht und bekamen kostenloses Internet für die ganze Zeit. Aus einem kleinen Drucker. In Varadero müssen wir das Internet stundenweise kaufen und bekommen dafür einen kleinen abgeschnittenen Zettel, vorne der Zugangscode mit Hand geschrieben, hinten drauf Gästedaten. Mit Namen und Zimmernummern, teilweise sogar mit Unterschriften. Als ich das anspreche, versteht mich natürlich niemand und ich bekomme einen neuen handgeschriebenen Zettel, frisch, ohne Gästedaten. Mir ging es hauptsächlich darum, dass fremde Menschen meine Daten nicht zu sehen bekommen. Ist aber nicht schlimm, so heißt es, ist ja von 2018…da waren wir auch hier!
Zurück nach Havanna: Das Zimmer ist klasse, wir halten uns aber nicht lange auf und erkunden die beiden Dachterrassen mit den beiden Pools und entscheiden uns später für den schöneren. Der Blick von hier oben über die Stadt ist der Wahnsinn.

Um 13 Uhr treffen wir unseren alten Freund Abel mit deiner Frau zum Mittagessen. Abel hatte eine Zahnoperation, hat eine dicke Wange und sieht furchtbar komisch aus. Er leidet die ganze Zeit, weil wir immer soviel Spaß zusammen haben und lachen schmerzt.

Ich habe ihm ein neues Handy mitgebracht. Das muss ich ihm einfach hinlegen, dann haben wieder alle geheult. Er ist so bescheiden, dass er von uns niemals etwas haben möchte. Seine Tochter ist mittlerweile in Miami (wie so viele Menschen, die ich hier kannte), sie hat sich immer über Coca Cola und Milka gefreut. Normalerweise ist er stets unser Taxifahrer, jetzt ist jedoch sein Auto kaputt und er untröstlich darüber. Dafür hat er uns seinen Kumpel für den Ausflug am Sonntag vermittelt. Dazu später mehr. Nach zwei sehr schönen gemeinsamen Stunden verabschieden wir uns einmal im Restaurant, “hätten wir das auch geschafft” hab ich gedacht, wegen heulen und wann und ob wir uns jemals wiedersehen und so weiter, da fällt Levi ein, dass wir im Hotel noch einen großen Koffer für ihn haben. Mist…das ganze Geflenne noch einmal…. Für Zerstreuung sorgt eine ausgedehnte Tour mit dem Coco Taxi, es ist heiß, das Coco Taxi ist luftig und laufen werden wir noch genug. Also einmal Havanna die große Runde.


Das Hotel Nacional de Cuba, erbaut in 1930. Im Dezember 1946 hielt die Amerikanische Cosa Nostra einen Kongress im Nacional ab, der als Havanna Konferenz bekannt wurde. In den 1950er Jahren richtete der Obergangster Meyer Lansky mit Genehmigung und Unterstützung des Staatspräsidenten und Obergangsterkollegen Fulgencio Batista eines der erfolgreichsten Kasinos Amerikas im Hotel ein. In Folge der Revolution wurde das Kasino in den 1960er Jahren geschlossen. Seit 1988 ist es Kulturdenkmal und im Jahr 1992 wurde es grundlegend saniert. Wir haben es auf unserer ersten Kubareise noch unrenoviert gesehen. Hier wohnten schon so einige: Buster Keaton, Johnny Weissmüller, Marlene Dietrich, Juri Gagarin, Rocky Marciano und natürlich Ernest Hemingway. Mein Bruder und ich haben hier nur Unmengen schlechtes Dosenbier getrunken, er ist anschließend spektakulär aus der Hängematte gefallen.

Wunderbar. Danach zu Fuß durchs Getümmel und die Hitze. Alle sind unterwegs. Ich liebe das. Wir bekommen das Übliche angeboten, wie z.B.“Tschäjnmonii”, brauchen wir nicht. Hatte diesmal keine Pesos getauscht, alles in baren Euros und Dollares. Ansonsten wäre ich tatsächlich auf dieses Angebot eingegangen. Der Wechselkurs hier auf der Bank ist 1:25 und auf der Strasse 1:170 Dafür kann man schon mal etwas riskieren 😉
Zurück im Hotel ist Poolen angesagt. Zu schön hier, um das nicht zu genießen. Pina Colada ist hier auch keine All Inklusive Mischung aus der Flasche, sondern echt lecker. Ich bleibe, bis sie die rote Flagge hissen.

Das habe ich auch noch nicht gesehen. Der Sonnenuntergang hier oben ist der Wahnsinn und so schön, dass wir einfach unseren Tisch behalten und hier oben Abend essen.

Es ist unglaublich lecker, wirklich lecker, nicht nur, weil wir die letzten 4 Tage immer nur das gleiche gegessen haben. Es. gibt Languste für Levi, die zarteste und eine der besten, die wir je gegessen haben und für mich einen Burger. Dazu einige Biere aus Glasgläsern, nicht aus Plastik. Manchmal liegt es an den ganz einfachen Dingen. Wir schlafen wie in Abrahams Schoß und sind am nächsten Morgen total überfordert mit dem Frühstücksbüfett. Unser Fahrer heißt Choi, ist sehr pünktlich und ungefähr 96 Jahre alt. Er trägt ausgelatschte Laufschuhe und humpelt ein bisschen. Aber topfit.

Es geht heute nach Vinales, ins Tal des Tabaks. Ungefähr 150 Kilometer von Havanna entfernt. Da er uns am Abend nach Varadero zurückbringen wird, verliert er keine Zeit und düst los. Mich beruhigt die Tatsache, dass er schon so alt geworden ist und sein Auto auch noch relativ okay aussieht. Er spricht sogar deutsch. Oder so was ähnliches. Wir fahren durch Miramar, ein Nobelviertel in Havanna, das beginnt dort, wo der Malecon aufhört. Krasse Villen stehen hier und Botschaften. Choi sagt, hier wohnen die Millionäre, aber nicht die Pesomillionäre. Wir fahren am hermetisch abgeriegelten Haus des Präsidenten vorbei, das heißt, am Zaun und am Tor vor dem Tor. Der aktuelle Präsident heißt Miguel Diaz-Canel und ich würde gerne mal ein Käffchen mit ihm trinken. Nur mal so 😉 Wir hätten uns sicher einiges zu erzählen, also ich mehr als er….
Choi erzählt und erzählt und erzählt und es ist unglaublich anstrengend ihn zu verstehen, weil ihm zusätzlich zu seinem Kauderwelschdeutsch auch noch ein paar Zähne fehlen. Er ist hier Marathon gelaufen, in den Boulevards von Miramar. Wow…deshalb die Schuhe. Und die Hüfte. Er ist eigentlich Master der Physiotherapie. Das merken wir an jeder Ecke, er dehnt sich und gymnastiziert, wo er kann. Und wie er fährt…120 Einheitsgeschwindigkeit und so hektisch. Ich vergesse ein paar Mal zu atmen. So habe ich noch keinen Kubaner fahren sehen und habe gerade Sehnsucht nach Abel. Auf der Autobahn sind wir schnell in Pinar del Rio, das war schon heftig, aber jetzt geht es über Stock und Stein auf einer ziemlich kaputten Straße. Und vor allem: wo man in ein Tal möchte, muss man vorher über einen Berg. Tatsächlich schimpfe ich sogar und verbiete ihm das Handy. Er bekam zwischendurch einen Anruf und sollte eine Nummer weitergeben. Da musste ich assistieren, war aber zu blöd und er wurde garstig. Hab nicht gerafft, dass ich aus dem Handschuhfach einen Kuli und ein Papier nehmen sollte, um was aufzuschreiben. Er hat dann die Nummer ins Telefon gebrüllt, scheinbar war die Person am Telefon genauso blöd wie ich. Er überholt im Überholverbot, vor der Kurve, vor dem Hügel, er gehört eigentlich eher nach Asien. Wir kommen an einen Aussichtspunkt, der im September durch den Hurricane zerstört wurde. Der Ausblick ist trotzdem der Hammer.

Der Blick über das ganze Tal ist wunderschön, hier hat wohl früher der Chef gestanden und die Sklaven beim Arbeiten beobachtet. Nun schaudert es mich. Weiter geht´s runter ins Tal, alles gehört zum Nationalpark Vinales, seit 1999 Unesco Weltkulturerbe, mit dem gleichnamigen kleinen Örtchen und seinen bunten Häusern. Das ist wirklich süß und beschaulich. Wir besuchen eine Tabakfarm, dort lernen wir, dass es nur 5 Orte gibt zum Zigarren kaufen: Hotels, Duty Free an Flughäfen, Zigarrenfabriken, Tabakgeschäfte und Farmen. Nur auf den Farmen ist die Regierung nicht beteiligt. Der Tabak wird zwar von dort zu 90 % an die Regierung verkauft, aber die machen daraus qualitativ mehr oder weniger schlechte Zigarren.

Die Farmer drehen die Zigarren von Hand und sortieren vorher den Tabak, damit nur wirklich guter Tabak in die Zigarren kommt.

Es gibt drei verschieden Sorten von Zigarren: Cohiba ähnlich, das heißt, es wird so gemischt, dass ein Großteil der oberen Blätter der Pflanze genommen wird, die sind am stärksten, weil sie die ganze Zeit in der Sonne sind. Für die mittlere Stärke, so wie Monte Cristo, wird ein großer Anteil von den Blättern des mittleren Pflanzenteils benutzt. Die sind milder. Und nur wenig von oben und unten. Für milde Zigarren, wie zum Beispiel Romeo y Juliette, wird überwiegend der untere Pflanzenteil genommen.

Die Pflanzen im Vinales Tal wurden alle durch den letzten Hurricane zerstört, deshalb sind die aktuellen Pflanzen noch klein und die Ernte hängt 3 Monate hinterher. Aber sie lassen sich nicht unterkriegen. Wir lernen Zigarren zu drehen und trinken dabei Canchanchara, einen Cocktail aus Rum, Honig und Limette. Die Zigarren schmecken mir davon nicht besser, aber wat mut, dat mut!

Unser Guide heißt Miguel und spricht ein ganz tolles Englisch. Wir fragen nach, er ist Englischlehrer.

Weiter geht`s in eine Tropfsteinhöhle, wo wir mit einem Boot durchgefahren werden. Leider Motorboot. Mit Abgas, Lärm und Gestank. Ich finde solche Höhlen immer etwas meditativ, allerdings nicht diese. Danach gibt es kubanisches Mittagessen, authentisch, klein und ohne Touristen. Das hat unser Fahrer gut ausgesucht. Danach haben wir noch einen letzten Stop hier im Tal, bei den riesigen Wandgemälden, 1961 wurde begonnen, vier Jahre Malzeit, 20 Bauern, 120 Meter Länge und damit eines der größten Freiluftgemälde der Welt: El Mural. Es stellt die Evolution des Menschen dar und ist kunterbunt. Und nun sitzen wir schon wieder im Auto und rasen zurück. Das war total anstrengend, aber sehr schön. Das nächste Mal mit Übernachtung im Tal, dann braucht der Fahrer nicht so schnell zu fahren…

Am nächsten Tag ist chillen angesagt, bis ich wieder Hummeln im Hintern bekomme. Also gehen wir in den kleinen Nationalpark in Varadero und fotografieren.

Wir sind die einzigen. Mein Papa kannte es nicht, das ist schon komisch, er kennt hier nämlich alle und alles. Genauso wie der Coco Taxifahrer, er wollte die ganze Zeit wieder wenden und zurück fahren, um uns ins Delfinario zu bringen. Da kriegen mich keine 10 Pferde rein. Er war sehr überrascht, weil wir das nicht wollten. Ich hatte vorher schon über die Art, wie Kubaner mit Tieren umgehen geschrieben, das wird sich auch so schnell nicht ändern. Man stößt überall auf Unverständnis, Bela hatte damals schon diskutiert und geschimpft bis zum Umfallen. Solang man jedoch nur einen Cent damit verdienen kann, werden Tiere weiterhin so behandelt…und ein bisschen kann ich es sogar verstehen. Die haben hier echt nichts!
Wir finden den Eingang zum „Nationalpark“, kaufen Tickets und bekommen eine abgewetzte Landkarte, in der alle Spots eingezeichnet und erklärt sind. Auch auf Deutsch oder einer ähnlichen Sprache. Wir mussten einige Male lachen. Es ist heiß, das finden die Mücken zum Glück auch und wir schlendern den Rundweg entlang. Zum Fotografieren gibt es nicht so viel, aber wir haben das Gefühl, wenigstens den Park unterstützt zu haben.


Der nächste Ausflug ging nach Jovellanos, etwa 60 KM von Varadero entfernt. Dahin, wo sich niemals ein Tourist hin verirrt, die Straßen unbefestigt, bei Regen eine Schlammhölle. Das Krankenhaus überfüllt, aber auch dort sind alle Schubladen leer. Etwa 58.000 Einwohner, Tendenz fallend, viele verlassen das Land. Die Arbeitslosigkeit ist hier extrem hoch, das Pflaster ist nicht ungefährlich. Mir fällt das nicht so auf, ich habe schließlich eine Mission.

Wir besuchen Roberto. Er ist alt, krank und sehr dünn, aber ein Herzensmensch. Ich hatte sicher schon über ihn berichtet. Er hat im Schlafzimmer einen gedeckten Kaffeetisch. Dort saß seine Frau und bat ihn um einen Kaffee. Als er ein paar Minuten später mit dem Kaffee zu ihr kam, war sie tot. Wir waren letztes Jahr gerade ein paar Wochen später dort. Jetzt wieder vor diesem Tisch zu stehen, war genauso traurig. Jetzt ist er alleine und wird von seiner Schwester versorgt, die zwar etwas jünger, aber genauso krank ist, wie er. Sie hat eine Fußfehlstellung und vom Arzt für unglaubliche 800 Pesos Tabletten (bisschen Vitamin A und C und Füllstoffe) bekommen. Total entsetzt über soviel Abzocke durch den Mediziner, habe ich ihr ein paar Gymnastikübungen gezeigt, die ihr gut helfen. Sie knetet jetzt mehrfach täglich eine Plastikorange aus der Deko-Obstschale mit der Sohle und ist happy. Raul sagt, ich soll nach Kuba ziehen und den Leuten helfen. Ich würde auch noch Bürgermeisterin werden…und sicher schneller im Knast landen, als er sich das denkt 😉


Wir bekommen leckeren Kaffee und ich drehe mit Roberto eine Runde durch seinen Garten und lasse mir seine Anbaumethoden erklären. Wir packen unsere Mitbringsel aus. Nur ein paar Rollen Vitamin C, Pflaster, Ibu und Paracetamol, Milchpulver, Zahnbürsten und Zahnpasta, Creme und Salbe. Für uns nicht viel, für Roberto und seine Schwester die Welt! Es geht mir nicht gut. Wer weiß, ob ich die beiden bei meinem nächsten Besuch noch sehen werde…Vergessen von der Regierung, abgeschnitten von der Versorgung. Müssen sich selber so durchkämpfen. Zum Glück haben sie den Garten.

Der Wasserlaster versorgt die Menschen mit Trinkwasser, es kommt oft nicht aus der Leitung. Stromausfälle von bis zu 12 Stunden in der Nacht sind hier üblich. Klimaanlagen laufen dann logischerweise nicht und die Mücken dadurch eine echte Plage. Denguefieber und Zicka ist sehr krass gerade.
Als nächstes besuchen wir mein kleines Patenkind Ahinoa und ihren Bruder Alexander. Für ihn habe ich ein Tablet dabei, das habe ich gespendet bekommen. Ahinoa bekommt eine Puppe von Haba, die so aussieht wie sie selber. Die Freude ist riesig, Alex kommt sofort zu mir und drückt mich ganz fest. Ahinoa ist drei, sie kenne ich noch aus dem Bauch. Wir werden im Haus der Schwester empfangen, weil sie sich für ihr Haus schämen. Nur ich darf kurz mit:

Ich verstehe ehrlich gesagt nicht, warum es dort so aussehen muss. Aufräumen geht ja auch ohne Geld und Gartenmöbel…

Aber ich stecke dort auch nicht im Alltag. Vielleicht sind sie einfach nur zu kaputt, weil sie 12 bis 14 Stunden Arbeitstage haben, 6 pro Woche und es ist echt verdammt heiß.

Der Kühlschrank ist kaputt, die Tür wird durch ein Kabel verschlossen. Was nicht gut ist, wenn 12 Stunden der Strom ausfällt und es keine Lebensmittel einfach so zu kaufen gibt. Papa und ich legen zusammen und es hat keine 14 Tage gedauert, da stand dort ein neuer 😉 Sie habe angefangen für uns zu kochen, das wollten wir auf keinen Fall, denn wir werden im Hotel versorgt und sie sollen das bisschen, was sie haben lieber selber essen. Also noch einen Kaffee, diesmal mit Rum. Und dann noch einen Rum. Den brauche ich, weil ich mich etwas länger mit einem Freund der Familie unterhalten habe, der gerade nach 5 Jahren aus dem Gefängnis entlassen wurde. Er hatte einige krasse Geschichten auf Lager. Unvorstellbare Zustände dort und die Behandlung der Häftlinge ist auch entsprechend. Ich weiß nicht sicher, ob er ein Huhn gestohlen oder eine Tüte geraucht hat, dafür geht man hier schon mal 5 Jahre in den Knast.

Auf dem Rückweg nach Varadero besuchen wir die Familie unseres Fahrers Rodolfo. Er hat ein schönes Grundstück mit einem kleinen Pool, zwei Schweinchen und einem unglaublich häßlichem Nackthund. Auch hier gibt es wieder Rum, diesmal in Gestalt von Mojito, mit Limetten aus dem Garten. Unfassbar lecker, aber auch unfassbar blöd, so auf mittlerweile nüchternen Magen. Wir genießen die Atmosphäre, bevor wir uns auf den Rückweg machen. Wir verlassen wieder die offziellen Wege und fahren durch das wahre Kuba. Ein Ortsteil von Santa Marta ist extrem schlimm, viele Wellblechhütten und Staubstraßen. Papa kennt hier zwei Lehrerinnen. Das muss man sich vorstellen, wir hier selbst Lehrer wohnen müssen. Schweineheiß, natürlich ohne Klimaanlage und die Bleche knallen, wenn sie sich erhitzen oder abkühlen. In den nächsten Tagen chillen wir nur noch und bekommen nochmal Besuch von meinem Patenkind.
Der Rückflug ist nicht so schön, wir wurden downgegraded, weil sich die Maschine kurzfristig geändert hat. Es gab so rein gar nichts. Kein Entertainment, keine Lademöglichkeit und auch keinen Platz. Wenn man etwas anderes gebucht, bezahlt und sich darauf eingestellt hat, ist das eine unschöne Überraschung. Am Flughafen in Frankfurt hat es dann auch noch unglaubliche 2 Stunden gedauert, bis das Gepäck kam. Wir hatten keine Lust mehr, mit dem Zug zu fahren und haben uns ein Auto gemietet. Einen Polstar. Auf dem Weg aus dem Parkhaus ertönte das Signal “Müdigkeit erkannt” da war etwas dran 😉