Kuba 2024 – wifi, electricity, eggs – no have

Eigentlich stand für Ende 2024 NY City auf dem Plan.

Dafür braucht man normalerweise nur ein simples Online Visum. Nicht ich! Ich brauche ein richtiges Visum, mit 29 Seiten Online Antrag, auf dem ich u.a. angeben muss, ob ich außerirdisch mit speziellen Fähigkeiten bin oder aber nur ein einfacher Tourist. Kostet 180 USD, eine Einladung zum Interview nach Berlin oder Frankfurt, wo ich detailliert (und das heißt wirklich detailliert) erklären muss, warum und mit wem und wo überall genau ich nach Januar 2021 in Kuba gewesen bin. Dann entscheiden sie, ob ich ein Anreisevisum bekomme. Damit dürfte ich dann an- aber noch lange nicht einreisen. Und nein: Ein zweiter Reisepass ohne Kuba Stempel nützt nichts, da die USA von all denjenigen alle Daten verlangt, die an ihrem Land auch nur ansatzweise vorbeifliegen. Außerdem reicht ein Blick in mein Socialmedia Profil, um die Lüge eines netten Urlaubs zu widerlegen. Nachdem ich also erst gar nicht versucht habe, vergeblich ein Visum für die USA zu bekommen, bleibt mir ja eigentlich nichts anderes übrig, als auf andere Visabestimmungen zu hoffen und einfach wieder nach Kuba zu reisen. Dort mögen sie wenigstens, dass ich sie besuche. Wie immer muss ich den WhatsApp Status schnell wieder löschen, weil ich schon nach ein paar Stunden viel zu viel zusammen habe. Und wie immer ist es so, dass diejenigen, die sowieso schon nicht so viel haben, die ersten sind, die sich melden. Und auch ist es wie immer so, dass ich einiges entsorgen muss, weil die Spender mir Sachen geben, die ich nicht verteilen möchte. Kubaner haben nicht viel, aber Würde haben sie noch.

Diese Reise mache ich mit Papa. Wir haben etwa 70 Kilo Spenden dabei und auch wieder ein Fahrrad. Ein Kinderfahrrad für eine ganz besondere kleine Dame, eine Herzensangelegenheit für mich. Sie wünscht es sich soooo sehr. Was auch ist wie immer, sind die schlechten Nachrichten aus Kuba und auch bei der letzten Abreise das Gefühl, schlimmer kann es jetzt wirklich nicht mehr werden…Ich lag immer daneben. Es ist von mal zu mal schlimmer geworden. Dann eine Woche vor der Abreise der landesweite 3 tätige Stromausfall. Stromausfälle gibt es seit längerem bereits, allerdings “nur” für etwa 12 bis 16 Stunden pro Tag. Nun war der Strom komplett weg, im ganzen Land. Mich erreichten Bilder von offenen Feuern auf der Strasse, zum Kochen, damit die Lebensmittel aus den Gefriertruhen nicht vergammeln. Kinder von unseren Freunden haben Hunger, die Schulen sind geschlossen, weil es weder Wasser noch Strom gibt. Und, was mich sehr traurig gemacht hat, ist die Kriminalitätsrate. Ich habe mich nie unsicher oder bedroht gefühlt. Egal um welche Uhrzeit ich nachts in Havanna von der Bar ins Hotel zurück wollte. Das ist jetzt nicht mehr möglich. Und: ich kann es verstehen. Die Menschen kämpfen ums blanke Überleben mittlerweile. Dengue Fieber hat sich extrem ausgebreitet, weil die Klimaanlagen nicht ohne Strom laufen. Daher kommen die Mücken in der Nacht in die Häuser und haben leichte Opfer. Ich habe Bilder von den Straßen in Havanna gesehen, wo sich die Müllberge türmen. Ich finde diese Stadt so unglaublich faszinierend, werde aber dieses Mal nicht hinfahren können. Es gibt kein Benzin und so sind die Fahrten extrem teuer zur Zeit. Ich möchte für mein Vergnügen auch niemandem etwas wegnehmen. Außerdem Bilder von einer Kinderklinik, in der es so dreckig ist, dass es dort jede Menge Kakerlaken gibt. Unvorstellbar für ein Land, was einstmals mit die beste medizinische Versorgung in ganz Mittel- und Südamerika hatte. Früher reisten die reichen argentinischen Rinderbarone nach Havanna, um sich dort behandeln zu lassen. Mittlerweile sind die Schubladen in den Krankenhäusern so leer, dass sich die Patienten Spritzen, Kanülen und sogar Material für Operationen mitbringen müssen.

So viele Informationen, obwohl wir noch nicht einmal losgeflogen sind…

Gesundheitspass und Touristenkarte sind schnell zu Hause ausgefüllt, Koffer schon länger gepackt (ich darf mit meinem Ticket 30 Kilo mitnehmen, also packe ich zwei Koffer mit je 16 Kilo und habe wie immer Glück und 2 Kilo zusätzlich) Karton für 10 Kilo extra Spendengepäck ebenfalls und ich reise mit 8 Kilo Handgepäck, weil ich mehr einfach nicht brauche. Ich hole das Fahrrad von einer lieben Freundin ab und darf es im hiesigen Fahrradladen gratis überholen lassen. Zusätzlich gibt es als Unterstützung noch Ersatzreifen und Flickset gratis. Manchmal bin ich von der Selbstverständlichkeit der Menschen überwältigt.

Auto packen, Fahrt zum Flughafen und einchecken klappt prima. Beim Sicherheitscheck feiert der “Röntgenologe” die Jahrespackung Batterien für das ferngesteuerte Auto in meinem Handgepäck lautstark und findet unsere Aktion super. Nächste Party findet im Dutyfreeshop statt, wo ich mir noch etwas gönne, während Kind 3 anruft, wir die Beratung unterbrechen müssen, weil er mir erzählt, dass er die Führerscheinprüfung geschafft hat. Die Beraterinnen jubeln lautstark und gratulieren ihm. Ich in unfassbar stolz 🙂

Der Flug vergeht schnell, ich schaffe, nicht zu schlafen, weil wir abends ankommen und ich nicht ausgeschlafen in die Nacht gehen möchte. Am Flughafen ist es mittlerweile nicht mehr nur ”Hola Eddy”, sondern auch “Hola Petra” oder Petar oder Petax oder oder oder…Das erste Mal überhaupt werde ich kontrolliert. Ich habe ein Zeichen auf dem Spendenkarton. Wegen Medizin. Ich habe keine Ahnung, in welchem Gepäck ich die krassen Medis verstaut habe und hoffe auf Gnade. Sie finden ungefähr 50 Zahnbürsten für Kinder, Zahnpasta dazu und eine Flasche Ibuprofen für Babies. Dann sind sie zufrieden. Papa unterhält derweil die Oberzollbeamtin, die in Netzstrümpfen und mit ihrer gefährlich prallen Oberweite die Knöpfe ihrer Beamtenbluse fast abschiesst, so dass sie entweder zufrieden ist oder ihre Ruhe haben möchte. Ich hatte echt Dusel, denn unter der harmlosen Ware befanden sich tatsächlich einige der heftigeren Sachen. Also nix wie raus. Ich liebe dieses Gefühl, woanders anzukommen und diese andere Luft zu atmen und den Geruch anderer Länder und Temperaturen zu spüren. Unser Fahrer wartet schon und los gehts. Es ist sehr dunkel auf der Strecke. Der Strom ist ab 19 Uhr etwa weg. Bis morgens. Außer in Krankenhäusern und Hotels. Im Hotel ist natürlich helle Aufregung, alle freuen sich wirklich über Eddy. Zum Glück kaufe ich gleich mehrere Internettickets, ab dem nächsten Morgen sollte es bis zu meiner Abreise kein Hotelinternet geben. Das Wifi funktioniert, es können nur keine neuen Tickets ausgestellt werden. Da muss jemand aus Havanna kommen. Noch zwei Ankunftsbierchen in der Bar und ab ins Bett, es ist spät und wir sind kaputt. Wir haben ein Häuschen am Strand, Papa unten und ich oben. Mit Balkon und Meerblick. Frühstück am nächsten Morgen, welch Überraschung: Bohnen, Reis, Kraut und alles, was vom Abendessen übrig blieb…keine Eier. Eipulver aus dem Omelette gebraten wird. Es reicht, wenn man das einmal probiert und dann einfach an die Katzen verfüttert. Also keine Eier in diesem Urlaub. Bohnen sind auch eine gute Proteinquelle. Sport fällt aus, weil die Geräte im Gym irgendwie selbst zusammengeschweißt und lebensgefährlich aussehen. Dafür gibt es täglich Massage. Zwei Auszubildende müssen üben, da stelle ich mich gerne zur Verfügung.

In meinem Zimmer sieht es aus, wie in einem Tante Emma Laden. Ich habe die Sachen sortiert und schon mal nach Bestimmungsort zurecht gelegt. Das Fahrrad steht unten bei Papa. Diesmal ist mir die Fahrt in den Ort, wo ich gerne hinfahre, weil ich einige Menschen dort kenne und versorgen möchte, zu teuer. Ich verhandel mit der Rezeption und buche zwei Nächte für die Familie meines Patenkindes, für die auch das Rad bestimmt ist. Das ist unwesentlich teurer, aber viel sinnvoller. Ich freue mich auf drei Tage mit ihnen. Und sie sich erst. Drei unbeschwerte Tage, mit Strand, Pool, Eiscreme, Schlafen mit Klimaanlage ohne Moskitos und ausreichend Essen für alle. Das Leben ist im Moment extrem. Am Ankunftstag können wir das Fahrrad noch nicht übergeben, ich musste für den Flug die Luft aus den Reifen raus lassen und habe doch tatsächlich die Luftpumpe vergessen. Es gibt natürlich hier weit und breit keine. Nicht mal an der Tankstelle, die ist nämlich geschlossen…Ein alter Freund aus unserem Stammhotel (welches aktuell geschlossen hat) hilft uns schließlich. Für seine Frau habe ich ein Handy und Diabetesdinge dabei. Es gibt zwar Insulin, mal in der Apotheke, mal auf dem Schwarzmarkt, aber keine Teststreifen für die Messgeräte. Das heißt Diabetesbehandlung im Blindflug. Unfassbar. Er selber sieht echt schlecht aus, weil er seine Herztabletten nicht bekommt, da konnte ich leider auch nichts machen. Trotzdem echt herzergreifend, wie alle sich freuen, uns zu sehen. Wir haben den ganzen Tag Spaß, planschen und die Kinder essen sich satt. Trinken Milch (eher Weißes Wasser) mit 3 großen Löffeln Zucker pro Tasse…Sie freuen sich, weil sie Cola bestellen dürfen. Die 4 Jährige ist morgens um 3 Uhr aufgewacht, weil sie heute in “Peletas Haus” fährt, dementsprechend früh sind alle im Bett verschwunden. Am nächsten Tag gibt es dann endlich das Fahrrad, das ferngesteuerte Auto und die Schuhe für den Nachwuchsgewichtheber. Auch eine Spende, zusammen mit ein paar Trikots aus einer Gewichtheberschule aus Kassel. Natürlich wird wieder viel geheult, das machen wir gerne zusammen, Yaneris und ich…für die Kinder bin ich wahrscheinlich die reiche Tante aus Europa, die immer nur heult 🙂 Leider sind die Wellen am Strand seit unserer Ankunft so krass, dass man nicht baden kann. Also bauen wir heute Sandburgen am Strand. Die Kleine schimpft hinterher bei ihren Eltern über mich, weil sie so gerne im Meer geschwommen wäre und ich sie einfach nicht ins Wasser lassen wollte. Sie ist sowas von süß. Am Nachmittag sitzen wir in der Poolbar und schauen uns die Wassershow an. Jedes Hotel hat natürlich Programm am Abend und auch manchmal am Nachmittag. Die Tänzerinnen und Tänzer haben professionelle Ausbildungen und wurden getrietzt bis zum Umfallen, wie beim russischen Staatsballett. Mit Ende 20 sind sie fertig, Knochen und Gelenke kaputt, nicht etwa für Broadway oder vergleichbares, nein: für die Shows in den All inklusive Hotels für die betrunkenen Touristen. Bingo ist hier am Nachmittag ziemlich beliebt. Und Karaoke am Abend, sehr laut, sehr schief, mit viel Bass und Geschepper, bis Punkt 23 Uhr. Bis in mein Zimmer. Die Kinder hatten Spaß und ich fand es so naja, habe mich aber für die Kids gefreut. Normalerweise filmt mein Papa diese Shows gerne. Komplett. Und schickt es per WhatsApp an alle. Und wundert sich dann, wenn sein Speicher voll und das Guthaben leer ist. Während ich so schreibe, frage ich mich, warum der Schwarztee nach Speck schmeckt…Kaffee beim Frühstücksbuffett ist auch keine Option. Es gibt auch leider seit Tag 3 keine Bananen mehr. Die Wassermelone macht ihrem Namen alle Ehre. Blaßrosa und geschmacklos. Ich schaffe das für ein paar Tage, auch die anderen beiden Mahlzeiten des Tages. Irgendwas findet man immer, mit Kohl oder Bohnen. Es gibt morgens Mortadella vom Grill, weil es keine Eier gibt, sie aber dennoch gerne den Grill benutzen möchten. Probiert habe ich das nicht! Wenn ich darüber nachdenke, dass das trotz allem Luxus ist und den Kubanern gar nicht zur Verfügung steht, werde ich sauer. Ich unterhalte mich viel hier. Alle sind frustriert. Die Verdienste für diejenigen, die überhaupt Arbeit haben, sind etwa 2500 bis 3000 Pesos im Monat. Ein Pfund Schweinefleisch kostet 300 Pesos (1 Euro umgerechnet, getauscht auf dem Straßenmarkt, nicht in der Bank), ein Ei kostet 135 Pesos. Reis und Bohnen sind auch sehr teuer geworden. 1 Kilo Reis war früher 10 Pesos und jetzt 450. Da kann man sich ausrechnen, wie weit eine 4 köpfige Familie damit kommt. Es gibt auch gute Nachrichten: Der Strom ist jetzt günstiger 😉 Weil es nicht ausreichend Benzin gibt, fahren die Arbeitsbusse manchmal nicht. Wer aber nicht zur Arbeit kommt, wird entlassen. Nicht wenige trampen. Meine Freundin wohnt etwa 50 Kilometer entfernt. Der Bus fährt nur bis in den nächsten Ort, der etwa 15 KM entfernt ist. Den Rest trampt sie. Wenn sie morgens um 9 Uhr arbeiten muss, verlässt sie das Haus um 5 Uhr. Dann ist sie gegen 23 Uhr wieder zu Hause. 6 Tage in der Woche…Und die Regierung? Die jetten durch die Welt, machen Party in Russland oder Nordkorea und drohen den Bürgern, für den Fall von Unruhen. Unglaublich (fast witzig, wenn es nicht so traurig wäre) sind die Dinge, die hier in der Parteizeitung stehen oder erzählt werden: Der Krieg zwischen Russland und Ukraine ist schon lange vorbei, Russland hat gewonnen und die Ukraine erobert. Außerdem sind alle in Panik, weil Österreich zusammen mit Israel plant, Kuba anzugreifen und zu erobern. Da muss man erstmal ganz tief ein- und ausatmen. Viele Kubaner sind schon nach Russland gegangen, um zu arbeiten. Das dauert sicher nicht so lange, bis sie in Uniformen gepackt und an die Front geschickt werden.

Am Abend in der Bar saß eine kubanische Familie (die, die Verwandtschaft außerhalb haben, werden manchmal eingeladen oder Familien, in denen ein besonderer Geburtstag gefeiert werden soll, verschulden sich, um im Hotel zu feiern und das Wochenende zu verbringen) mit einem etwa 2 Jahre alten Jungen. Er spielte mit einem Handy. Als die Mutter nur etwas nachgucken wollte, verwandelte er sich in den Teufel. Er schrie, warf Gläser um und flippte total aus. Dann knallte er mit dem Mund gegen die Tischplatte und hat sich wirklich wehgetan. Nun schrie er anders. Die Mutter schimpfte, man kennt es, “hab ich dir doch gleich gesagt usw…” Er blutete etwas und sofort rannte die Tante an die Bar, um eine Dose Zucker zu holen. Zack, Teelöffel voll Zucker in die Schnutte und den Löffel wieder zurück in die Dose (uarghhh) Kind ruhig. Dann noch Brust und wieder Handy. Ich konnte nicht weggucken. Ich glaube, mein Papa hat mir noch die Kinnlade wieder hochgedrückt.

Leider ist der Wind noch immer nicht weniger geworden. Statt der roten, weht jetzt zwar nur noch die gelbe Flagge, die Wellen sind aber für die Kinder noch zu krass. Nun hat sich auch noch ein Hurrikane angekündigt für Dienstag, der wohl zwischen Matanzas und Varadero durchkommen soll. Dort ist der Flughafen, von dort fliege ich am Dienstag…Schauen wir mal…

Am Sonntag machen wir einen Ausflug mit dem Hopp on hopp off Bus. So wie richtige Touristen. Kleine Randinfo: Wenn man oben sitzt, hat man nach der Fahrt die gleiche Frisur wie nach der Massage 😉 Wir fahren bis an die Spitze der Halbinsel zur Marina. Die meisten Hotels sind leer. Die Marina auch. Nur ein paar Geschäfte und ein Café hat geöffnet. Es gab bereits zwei Marinas, aber der 20 Jahres-Bauplan stand und so wurden nicht nur etliche große Hotels neu gebaut, sondern auch eine neue Marina. Was hätte man mit dem Geld alles machen können…Nie wieder wurde dort irgendetwas repariert oder ausgebessert und dementsprechend sieht es nur wenige Jahre nach der Eröffnung schon ganz schön runtergekommen aus. Ich bestelle eine Pina Colada, die Barkeeperin entscheidet sich gegen Rum für mich, ohne es mir zu sagen. Der Preis ändert sich natürlich nicht. Papa soll für seinen Espresso 6 Euro in cash bezahlen, er entscheidet sich für Kartenzahlung und somit waren es dann nur 1,67 Euro. Ein Schelm, wer Böses dabei denkt. Am Abend sitzen wir wieder mit unserem Kumpel zusammen und bekommen die neusten Infos aus der Parteizentrale. Abstimmung der UN Vollversammlung für das sofortige Ende des US Embargos gegen Kuba. 187 Länder dafür, 2 dagegen, 1 Enthaltung. So stand es gestern in der Granma. Die Abstimmung war aber bereits im September. Das wollte unser Parteifreund aber nicht glauben und wollte mit mir wetten. Er hat halt gerne Recht und ich hätte gewonnen. Das Embargo könnte sicher schnell beendet werden, wenn die Regierung einige Zugeständnisse machen würde, wie z.B. politisch Gefangene entlassen oder ihnen einen fairen Prozess zugestehen. Einsperren geht hier schnell, geht man auf die Strasse, um zu protestieren, wird man ohne Verhandlung und Anwalt einfach für 10 Jahre weggesperrt. Genauso lange bekommt man übrigens, wenn man ein Rind schlachtet, selbst wenn es das eigene ist. Das schüchtert ein. Sowieso wird hier viel mit Angst gearbeitet.

Hurrikan Tag: Morgen soll Hurrikan Rafael um die Ecke kommen. Sicherheitshalber werden wir in ein anderes Hotel „evakuiert“. Ich habe bereits ausgecheckt, weil ich am Abend wieder zurück fliege. Die Vorbereitungen laufen auf Hochtouren. Die Tür zum Speisesaal wird mit einem Brett verriegelt. Diese Tür ist vorher schon kaputt gegangen und statt die Scheibe erstmal drin zu lassen und ein Brett davor zu machen, hatten wir für drei Tage ein Tür ohne Scheibe, Klimaanlage volle Pulle für draußen und ziemlich viele Katzen. Die Scheiben werden mit Klebeband verklebt, es gibt keine weiteren Bretter. Die Liegen am Strand wurden gestern schon weggeräumt, die Liegen am Pool werden ins Wasser geschmissen. Wir warten mit Sack und Pack und zig weiteren Gästen in der Halle. Da das mein letzter Urlaubstag hier ist und ich lieber am Pool chillen möchte, bestellen Papa und ich ein Taxi. Evakuierung für Fortgeschrittene. Im neuen Hotel checken wir ein, ich werde als Gast geduldet, weil ich ja eigentlich gar nicht mehr da bin. Den Rest des Tages verbringe ich am Pool. Der Strand ist auch schön, aber ziemlich stürmisch. Zum Abschied gibt es noch einen Espresso, der Fahrer ist überpünktlich und ich verabschiede mich ganz schnell von Papa, bevor ich anfange zu heulen…