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Fernweh

Oh wie schön ist Panama

Der erste Eindruck ist schon mal überraschend modern und sauber. Die Skyline ist der Hammer. Ein richtiger Kulturschock nach der vielen Natur auf Galapagos. Unser Hotel ist mitten in der Häuserschlucht. Wir sind bereits um 11 Uhr dort, check in ist eigentlich erst ab 15 Uhr. Da wir der Dame an der Rezeption aber so leid tun, weil wir eine so lange Anreise hatten, gibt sie Gas und uns ein Zimmer! Nach einer kurzen Siesta, bestellen wir ein Uber und fahren in die Altstadt. Es ist echt schön.

Leider sind die Menschen hier nicht so herzlich und freundlich wie die Südamerikaner. Die Verkäufer in den Geschäften ziehen Gesichter, dass einem die Kauflaune vergeht. Das soll sich auch in der ganzen Zeit in Panama, bis auf wenige Ausnahmen nicht mehr ändern. Im alten Viertel von Panama City (Casco Viejo) wird man überall angesprochen und mit Speisekarten „bewedelt“, außerdem hupen die Taxis hier, halten an und fragen:“Taxi? Taxi?“ Fragt man dann nach dem Preis, muss man die Luft anhalten, so teuer ist es. Nicht wie in Galapagos, 1,50 USD in der Stadt, egal wohin, egal wieviele. Somit fahren wir halt Uber. Das kostet auch unterschiedlich, ist aber lange nicht so teuer, wie Taxifahrten. Wenn uns eine Fahrt zu teuer scheint, gucken wir 5 Minuten später erneut in die App. So geht das ganz gut. Damit fahren wir auch am nächsten Tag zum Panama Kanal. In unserem Hotel gab es die Panamakanaltour übrigens für 68 Dollar pro Person, für Kinder bis 8 halber Preis! Wir haben keine 50 bezahlt, für uns alle zusammen. Es ist unglaublich spannend, wenn Schiffe durchfahren. Darauf müssen wir zwar 2 Stunden warten, aber wir haben ja Zeit und das Museum ist so interessant, dass die Zeit schnell vergeht. Es wird viel über die Entstehung, Planung und Bau erklärt und gezeigt. Einen Film gibt es auf englisch und spanisch. Ein unglaubliches Bauwerk ist das! Er ist 82 Kilometer lang und verbindet den Atlantik mit dem Pazifik. Spart den Reedereien so etwa 14 Tage Zeit und 16000 Kilometer Strecke um das Kap Hoorn herum. Er wurde 1914 eröffnet, nach weniger als der angebenen 10 Jährigen Bauzeit. 6 Monate vor der geplanten Fertigstellung konnte eröffnet werden. Das zu der Zeit! Wow, da kann sich BER mal ein oder zwei Scheiben von abschneiden 😉

Der Panamakanal ist die wichtigste Wasserstrasse der Welt. 2010 durchfuhr ihn das 1 Millionste Schiff. Im Schnitt sind es 14.300 Schiffe jedes Jahr. Die Schiffe werden in der ersten Schleuse (insgesamt gibt es drei) auf den 26 Meter über dem Meeresspiegel gelegenen Gatun Stausee angehoben, den sie durch ausgebaggerte Rinnen durchfahren, passieren einen Bergrücken und werden durch zwei aufeinanderflogende Schleusen ( Pedro-Miguel- und Miraflores-Schleusen) wieder zum Pazifik hinuntergelassen. Die Idee einer Art Kanal zwischen Atlantik und Pazifik an dieser Stelle gab es bereits 1513 durch die Spanier. Erste Ausarbeitungen gab es ab 1523. In den folgenden Jahrhunderten beschäftigten sich immer wieder Politiker und Wissenschaftler mit der Frage des Kanalbaus. U.a. Alexander von Humboldt in den Jahren 1799 bis 1804. Und bereits 1827 prophezeite Goethe, es werde der „jugendliche Staat“ der USA sein, der den Kanal baue. 1876 wurde in Frankreich die Panamakanal-Gesellschaft gegründet, dessen Präsident wurde der Erbauer des Suezkanals, Ferdinand Lesseps. 1881 wurde mit den Arbeiten begonnen. Zunächst war ein schleusenloser Kanal geplant. Wegen Planungsmängeln, falscher geologischer Untersuchungen, schlechter Organisation, Bestechung und unzähliger technischer Schwierigkeiten gaben die Franzosen 1889 auf. Dies führte zu einem der größten Finanzskandale des 19. JH. Durch die Arbeiten immigrierten etwa 100.000 Menschen in diese Region, die niemals zurückkehrten. Täglich starben etwa 7 Arbeiter in den Sümpfen an Gelbfieber oder Malaria. Dies war u.a. auch ein Grund, warum die Bauarbeiten abgebrochen wurden. Als Schutz vor den Malariamücken wurde empfohlen, die Bettpfosten der Arbeiter in Wassereimer zu stellen. Dadurch breitete sich die Krankheit noch schneller aus, die Wassereimer wurden zu Brutstätten für die Mücken.

Für 40 Mio. USD wurde schließlich der gesamte Komplex 1902 an die USA verkauft und ab 1904 weitergebaut. 6 Monate vor Termin, am 3.August 1914, durchfuhr das erste Schiff den Kanal in voller Länge. Durch den Ausbruch des ersten Weltkrieges genau an diesem Tag, wurden die Eröffnungsfeierlichkeiten jedoch erst 1920 nachgeholt. Am 31.12.1999 wurde der Panamakanal von den USA an Panama übergeben. Die Einnahmen daraus sind enorm, darum geht es dem Land auch finaziell gut. Vielleicht ist das ein Grund, warum die Menschen hier so unfreundlich sind.

Die Schiffe werden laut und oft genug angekündigt, so dass es wirklich jeder schafft, pünktlich auf der Besucherterrasse zu erscheinen. Das riesengroße Cotainerschiff haben wir bereits in der vorigen Schleuse stehen sehen, von dort braucht es aber locker noch 1,5 Stunden bis vor unsere Nase. Dafür ist es dann umso spannender. Ich denke, keine Hand passt mehr zwischen Kanalwand und Schiff. Gezogen werden die Schiffe von 6 Elektroloks, drei an jeder Seite, um sie stabil in der Mitte zu halten.

Die Preise für die Passage richten sich nach Art und Größe des Schiffes und, ob es voll oder leer durchfährt. So können schnell mal 340.000 USD zusammenkommen, inklusive aller Nebengebühren für Lotsen, Lokomotiven und Schlepper. Die teuerste Passage betrug 400.000 USD für ein Kreuzfahrtschiff mit 2000 Betten. Die niedrigste Gebühr fiel 1928 an. Ein weltreisender Journalist aus USA wollte als Abschluß seiner Reise den Panamakanal durchschwimmen. Da die Kanalbehöre nur einem Schiff den Durchlass gewähren konnte, wurde der Mann nach dem Schiffsmaß Tonnage vermessen und eingestuft und durfte gegen eine Gebühr von 36 US Cent passieren. 8 Tage brauchte er dafür, inklusive aller Schleusen.

Von 2007 bis 2016 wurde der Kanal ausgebaut und für noch größere Schiffe gangbar gemacht. So kann die Queen Mary 2 jetzt auch den Kanal benutzen, vorher war sie dafür zu groß.

Auf dem Rückweg stoppen wir in der Albrook Mall zum Bummeln und Abendessen. Das heißt, es gab natürlich wieder kleinere Kompliaktionen. DA es einfacher ist, von den Locks mit dem Bus zurück zu fahren als hin, wollten wir das natürlich auch machen. Wir stellen uns an die Bushaltestelle, Bus kommt. Wir haben 75 Cent parat, der kostet hier nämlich 25 pro Person, egal wohin, und können nicht einsteigen, weil sie nur Karten akzeptieren, die wir nicht haben (genau wie in Argentinien). Nach einigem Hin und Her nimmt uns eine sehr freundliche Dame auf ihre Karte mit in den Bus. Merkwürdiges System. Hat mich schon in Argentinien geärgert, weil das dort genauso ist. In Villa Gesell wollten wir fahren, es gibt aber in der Stadt nur eine Möglichkeit die Karte aufzuladen. Und dieser Laden hat total bescheuerte Öffnungszeiten. So mussten wir mit dem Taxi fahren, weil Azuls Karte leer war. Echt dämlich. Auf die Idee mit einem günstigen Uber zu fahren, bin ich damals noch nicht gekommen. Egal, wir fahren mit dem Bus zur Mallund fühlen uns ein bisschen wie in den USA, die Mall ist sehr groß, es gibt Karussells und 1 Mio Geschäfte. Leider gibt es keine Fotos davon.

Zurück in die Häuserschlucht und chillen:

Am darauffolgenden Tag organisieren wir unseren Trip ins San Blas Archipel, danach gehen wir im Dunkeln zum Fischmarkt essen und schlendern über die 5 Kilometer lange Uferpromenade zurück zum Hotel. Der Plan früh ins Bett zu gehen, weil der Jeep uns um 5:15 Uhr früh abholt, scheitert. Dafür ist die Promenade zu lang und der Abend zu schön.

Da San Blas ein eigenes Kapitel hat, geht es in Panama City weiter…

Zurück vom Abenteuer auf der einsamen Insel, stehen wir plötzlich wieder im Hotel inmitten der Hochhauschlucht an der Rezeption beim Checkin. Braungebrannt, mit Salzresten vom letzten Baden im Meer, barfuß und mit Sand an den Füßen. Im 4 Sterne Hotel. Yeah…läuft bei uns. Uns ist nichts mehr peinlich. Die Spießer neben uns mit ihren Lacoste Polohemden belächeln wir nur mitleidig…

Wir chillen und Bela findet Freunde:

Abends bestellen wir ein Uber und fragen, wo er zum Essen hingeht, so als local. Und schwupps sitzen wir an einem schönen Platz mitten in der Altstadt von Panama City im Restaurant Casa Blanca. Zu den Klängen der Gitarre nebst schiefem Gesang, speisen wir sehr lecker, zur Abwechslung mal Fisch 😉

Wir haben late Checkout verhandelt und dürfen bis 17 Uhr im Hotel bleiben. Nach kurzer Überlegung und checken der Preise, haben wir den vernünftigen Entschluß gefasst, mit dem Nachtbus nach Bocas del Toro zu fahren, anstatt zu fliegen. Es ist nicht nur der Preisunterschied ( Flug plus 1 Hotelübernachtung 480 USD für uns alle versus Bus und eine Nacht Hotel gespart 105 USD für uns alle, inkl. 15 USD für den Late Checkout) wir fahren mit dem Bus um 19.30 Uhr und haben so den Tag zur Verfügung. Würden wir um 14:30 Uhr fliegen, ist der ganze Tag irgendwie versaut, weil wir vor Abflug nichts mehr machen könnten. So fahren wir wieder mit Uber zur Mall und kaufen uns die Tickets, auf dem Rückweg nehmen wir den Bus. Bela hat eine Buskarten gefunden, die wir mit einem USD aufladen konnten und so fahren wir für 25 Cent pro Person zurück. Da Bela unbedingt noch einen Pulli aus dem Hardrockcafe haben möchte, bummeln wir durch die nächste Mall. Ich versuche antiseptische Salbe für meine Korallenverletzung zu bekommen. Mittlerweile ist nämlich mein Oberschenkel angeschwollen und rot. Octenisept reicht nicht mehr. Es schmerzt bei jedem Schritt und ich habe keine Lust auf irgendwelche fiesen Infektionen. Schwieriger als gedacht…Wir versuchen es logischerweise in einer Apotheke. Ich zeige meine Wunde und google Übersetzer hilft, weil die dort kein Englisch können. Komisch, selbst in den kleinsten Apotheken in Hinterasien haben immer alle wenigstens die basics in Englisch gewusst. Gelangweilt legt sie mir zwei Salben zur Auswahl vor, eine mit Hormonen und eine Vaseline. Beides nicht das richtige. Nach 20 Minuten wird Mike sauer und bringt es mal auf den Punkt. Ab dann geht es. Ich bekomme eine Salbe mit den richtigen Wirkstoffen, die im Gegensatz zu den beiden ersten nur 1,70 USD kostet und nicht 15 USD. Ich habe zwar einen guten Vorrat an Pflastern und Verbänden dabei, möchte aber noch ein wasserfestes Pflaster haben, damit ich weiter baden gehen kann. Haben sie nicht. In der Apotheke. Krass. Zeigen mir Watte. Mit einem Gesichtsausdruck zum Davonlaufen. Auch hier treffen wir leider wieder auf unmotivierte und unfreundliche Menschen. Das ist wirklich schade und trübt den ganzen Eindruck, den wir von Panama haben. Zieht sich aber irgendwie wie ein roter Faden durch unsere Panama Reise. Das ist schade, denn ein Lächeln kostet nichts und bewirkt soviel. Ich habe es hier mit Dauerlächeln versucht, aber die einzige Reaktion bekam ich, als ich eine Verkäuferin fragte, ob lächeln in Panama verboten ist…da musste sie grinsen. Wir verbringen den Tag entspannt mit Lesen, Blogschreiben und schwimmen im Pool, packen unsere Sachen und verlassen gegen 17.15 Uhr das Hotel in Richtung Busterminal. Wir haben Zeit, so wird Mike verdonnert auf die Sachen aufzupassen. Was ich alles bei meiner Suche nach einer Gepäckaufbewahrung erlebt habe, erspare ich euch an dieser Stelle. Bela und ich schlendern also nochmal durch die Mall und finden einen Mangaladen. Also rein. Wir rennen gegen eine Wand aus Weichmachern, es stinkt wie die Pest. Bela sucht nach Pokemonkarten, die er hier findet. Die Verkäuferin sitzt handyspielend hinter dem Tresen. Ich spreche sie dreimal an, ehe sie überhaupt reagiert. Ich frage nach dem Preis der Karten, auf spanisch. Sie nuschelt die ganze Zeit no,no, solo efektivo. Sie dachte, ich wollte mit Karte bezahlen. Es dauert eine Ewigkeit, bis sie es mal rafft. Bela zieht sie schließlich, nachdem andere Kunden uns schon zu helfen versuchten, quasi an der Hand hinter dem Tresen hervor. Die hatte echt nicht mehr alle Leisten komplett. Zuviel Weichmacher geschnüffelt. Nix wie raus! Wir besorgen noch ein kleines Abendessen, Mike verspeist es dann direkt in der Wartehalle vor dem Essen verboten Schild. Bela und ich heben es auf, was sich im Nachhinein als nicht so clever erweist. Ein total aufgeweichtes Sub von Subway in einem Bus, in dem man nicht essen darf zu verpeisen, ist schon fast dämlich. Entsprechend sahen wir dann aus. Der Busbegleiter hat eine Kamera vorne und war wohl zum Glück abgelenkt, denn er war sehr unentspannt. Aber von vorne: Es ist 19.25 Uhr und ich frage zum xten mal nach unserem Bus. Sie sagen, der eine muss erst abfahren, dann kommt unserer. Ich habe es also immernoch nicht gelernt. Der 19 uhr Bus verlässt also um 19:45 Uhr den Busbahnhof. Unser Bus fährt ein. Wir müssen durch ein Drehkreuz. Das geht nur mit Karte. Die hat Bela aber in seinem Gepäck, als Souvenir gut verstaut. Sie zucken mit den Schultern, so nach dem Motte: Pech halt, wenn ihr keine Karte habt, kommt ihr nicht durch. unsere Gesichtsausdrücke hätten mich interessiert. Hinter uns noch ein deutsches Paar ohne Karte. Das muss man sich mal vorstellen, da zahlst du 100 USD für die Bustickets und darfst wegen 25 Cent nicht durch die Schranke. Schließlich erbarmt sich der Busbegleiter missmutig uns gegen Barzahlung mit seiner Karte durchzulassen. Bela soll drunter durch krabbeln, bleibt aber mit seinem großen Rucksack am Drehkreuz hängen. Das ist dann zuviel für den armen Mann. Wir landen dann irgendwann doch noch im Bus. Naja, es ist eine fahrende Gefriertruhe. Das wussten wir zum Glück vorher und haben uns entsprechend angezogen. Der Busbegleiter kommt durch, verteilt Plastiktüten und motzt erstmal rum. Wir dürfen unser Handgepäck nicht in den oberen Ablagen verstauen. Liebevoll knallt er uns die Rucksäcke auf den Schoß, das heißt auf meine Wunde. Jetzt haben wir fast keinen Platz mehr. Komfortabel ist das nicht. Wir denken mit Sehnsucht an die Busse in Argentinien zurück. Wir haben eine Lady als Busfahrerin. Sie ist sehr nett, fährt aber scheiße. Schnell ist uns klar, warum die Tüten verteilt wurden. Bela und ich kleckern uns -wie bereits erwähnt- mit dem Sub voll und haben Angst erwischt zu werden. Wir spielen und versuchen zu schlafen. Irgendwann geht die Festbeleuchtung an und der Busbegleiter kommt laut rufend durch den Bus:“ Santiago, comer, bano“ Alles klar…Päuschen also. um kurz vor Mitternacht. Ich hätte lieber weitergeschlafen.Wir mussten aber alle aussteigen. In einer Kantine gibt es warmes Essen. Keiner hat Hunger. Für Mike wollen wir ein Käsesandwich kaufen und stehen an, als wir dran sind und sagen, was wir möchten, fragt sie uns nach dem Ticket. Wir hätten also vorher an der anderen Schlange anstehen müssen, um zu bezahlen und das Ticket zu bekommen. Hmmm…also kein Käsesandwich. Auch hier gucken wieder alle sehr böse und mißgelaunt. Ich versuche etwas zu trinken zu kaufen und muss mich zusammenreißen, es denen nicht um die Ohren zu schmeißen. Den Rest der Fahrt verbringen wir schlafend, bis uns der nette Busbegleiter mit Festbeleuchtung und erneutem Gebrüll weckt: 2 Minuten bis Almirante! Gefühlt aus dem Tiefschlaf gerissen, Bela entsprechend gelaunt, packen wir unseren Krempel zusammen und verlassen den Bus. Leider sind unsere Gepäckabschnitte irgendwo, nur nicht da, wo wir sie schnell finden. Das ist zuviel für den Busbegleiter. Er wird nervös, der Bus muss weiter fahren. Unsere Rucksäcke bekommen wir selbstverständlich nicht ohne. Auch irgendwie beruhigend, wie ich finde. Nachdem wir uns gegeseitig eine gefühlte Ewigkeit, mit entsprechendem Blick vom netten Busbegleiter, der nicht zur Entspannung beitrug, versicherten die Abschnitte nicht zu haben, tauchten sie zum Glück auf. Wir sind froh, ihn loszusein. Irgendwie geht jetzt alles ziemlich schnell und um 6:40 Uhr in der Früh sitzen wir im Wassertaxi auf dem Weg zur Isla Colon, Hauptinsel von Bocas de Toro.

Die Sonne geht auf, es ist wunderschön und vor uns liegt eine Woche „Urlaub“ ohne Reisen, ohne packen und ohne großes Sightseeingprogramm. Wir freuen uns. Obwohl uns auch ein bisschen graut, weil wir vorher Dinge gehört habe wie „Ballermann Panamas“ und total touristisch, nur laut und Party. Um 7:30 Uhr sind wir in unserer Unterkunft. Check in ist erst um 15 Uhr, wir möchten aber unser Gepäck gerne loswerden. Nachdem wir die Panamaer als unfreundliche und nicht besonders hilfsbereite Menschen kennengelernt haben, wollen wir vorsichtig fragen, ob es eine Möglichkeit gibt, die Rucksäcke unterzustellen und dann passiert das:

Die Küchentür geht auf und innerhalb von Sekunden macht er das wett, was alle anderen vor ihm nicht geschafft haben. Orlando! Der gute Geist unseres Hotels. Alles „No problem“, schickt uns in eine panaderia aleman zum Frühstück und an den Boca de Drago Beach zum Relaxen. Wir sind baff! Es gibt sie doch. Nette Menschen in Panama. Orlando und auch Hercilia, die Hotelbesitzerin, kümmern sich die nächste Woche super um uns und Belas spezielle Wünsche. Mal Speck zum Angeln aus der Küche, mal ein Shake, Schnorchelutensilien, alles „No problem“, auch, als er mit der Angel die Lampe zerstört, dazu bekommt er regelmäßig heiße Schokolade. Die Unterkunft ist gemütlich und wir fühlen uns auf Anhieb wohl.

Es gibt eine Terrasse über dem Wasser, von dort aus können wir schwimmen gehen. Das macht Spaß, weil das Wasser bei Flut hoch genug ist zum Springen und bei Ebbe klar genug zum Schnorcheln. Außerdem können die Jungs hier endlich wieder angeln. Bela bekommt ein grünes Aufblaskrokodil von Orlando und ist ab jetzt Captain Crocodile.

Wir fahren mit dem Bus zum Dragonbeach. Man glaubt gar nicht, wie viele Leute in einen Minibus reinpassen. Alle einsortiert, damit alle mitfahren können. Menschentetris. Bela sitzt auf meinem Schoß, mitten auf der Wunde. Bewegen geht aber nicht.

Ein paar Impressionen vom ersten Tag am Boca del Drago Beach, von dem wir nicht mehr viel wissen, weil wir sooo müde waren:

Wir machen eine kleine Wanderung zum Playa Estrella, es geht über einen Trampelpfad am Strand entlang. An einem schönen Abschnitt flötzen wir uns in den Sand. Ich schlafe ein. 83 Mücken gefällt das! Mike und Bela kümmern sich um Kokosnüsse. Ich werde widerlich zerstochen. Am Playa Estrella, Seesternstrand, gibt es leider keine Seesterne. Ich vermute, weil viele Touristen sie zum Fotografieren aus dem Wasser holen. Davon sterben sie dann leider. Zurück Boca del Drago fahren wir mit dem Boot, essen dort Mittag und fahren mit dem Bus über die Insel zurück nach Bocas Town ins Bocas Inn. Alt werden wir heute nicht! Wir lernen noch Hercilia kennen, die Chefin und mögen sie auf Anhieb. Die nächsten Tage verbringen wir mit angeln, schwimmen, lesen und faul sein. Zweimal am Tag fliegt die Maschine aus Panama City über unser Haus. Morgens wissen wir immer, es ist Zeit für das Frühstück, wenn der Flieger kommt. Manchmal vormittags und oft abends kommen zwei Delfine vorbei. Ich schaffe es nicht, sie zu fotografieren, weil ich jedesmal wie hypnotisiert aufs Wasser gucke und zu langsam bin. Wir kommen richtig runter und genießen es sehr.

Mein Schreibplatz für eine Woche. Vom Pub nebenan gibts oft die passende Musik zu meiner Stimmung recht laut dazu. Momentan singen Simon und sein Kumpel vom Boxer…mit sehr schönen Erinnerungen behaftet…

Leider können wir die Zeit nicht anhalten!

Ein Fischer kommt vorbei, obwohl er weiß, dass wir hier keine Küche haben. Er möchte Bela seinen Fang zeigen

Delfine:

Wir möchten einen Ausflug machen und nehmen ein Taxiboot zur Isla Carenero. Dieser Trip muss Uhrzeitgenau geplant werden, wegen der Sandflöhe. Dort gibt es einen hübschen Strand und eine coole Location zum Essen. Also hin:

Bela darf Boot fahren

Beim Angeln wird er auch immer erfolgreicher.

Einen längeren Ausflug machen wir aber dann doch noch. Wir besuchen eine Kakaofarm und schnorcheln. Das Wetter ist super, die Sonne scheint und das Meer ist spiegelglatt. Leider haben wir den Namen unseres Kapitäns vergessen. Hercilia packt uns Handtücher, Schnorchelequipment und Saft ein und los gehtˋs.

Zuerst zur Schokoladenfarm. Dort haben wir eine Führung. Robert und Julie aus Florida sind seit 6 Jahren Besitzer dieser Farm und haben ein wunderschönes Anwesen mitten im Dschungel. Die nächste Strasse ist 10 Kilometer weit entfernt, durch den dichten undurchdringlichen Dschungel. Wir merken sofort, wieviel Zeit und Liebe sie investiert haben.

Robert empfängt uns am Steg. Mit von der Partie eine Gruppe überzüchteter Amerikaner, wie Mike sagt. Nicht alle dick, aber alle unheimlich krank aussehend. Robert ist in den Staaten 30 Jahre lang Zahnarzt gewesen und verkauft jetzt Schokolade. Komisch? Findet er auch. Der größte Unterschied zu seinem früheren Beruf besteht darin, dass die Leute sich jetzt freuen, wenn sie ihn besuchen. Da gackert auch die dicke Dame aus Wisconsin lauthals. Sie wird es die ganze Führung über nicht müde zu erklären, dass sie aus Wisconsin kommt. Ich muss das mal googeln. Mal schauen, was da so besonders dran ist, an Wisconsin, außer lautes Organ und zu kurzer Rock. Wir bekommen zunächst eine kurze Erklärung über seinen Werdegang und, dass er nichts über Kakao und Gärtnern wusste, als er hierher kam. Der Garten ist total klasse. wir halten an einer Banane. Er hat vier verschiedene Arten Bananen auf seinem Grundstück. Die, die wir in Europa kaufen können (und gerade wir in Deutschland sind Bananenesser Nummer eins in der Welt) heißen Cavendish Bananen – für alle Klugscheißer unter uns, ich vorneweg 😉

Wir gehen zum Haus und sehen ein paar seiner „Mitbewohner“. Da ist ein Glas voller Babyskorpione. Die Mutter dazu hat er in seinem Schlafzimmer gefunden und ins Glas getan. Zwei Tage später waren die Kleinen da. Er ist natürlich ziemlich froh, dass er sie vorher gefunden hat. Sie liegt vertrocknet daneben auf dem Tisch. Die erste Mahlzeit eines Babyskorpions ist das Blut der eigenen Mutter. Die lässt es geschehen. Wussten wir nicht, finden wir interessant. Die Dame aus Wisconsin quietscht. Als nächstes dürfen wir mit einer Baby Boa constrictor kuscheln. Die ist auch wirklich fast ein bisschen süß, finde ich.

Plötzlich hüpft er über die Steine in den Garten und kommt mit einem bunten Frosch in der Hand zurück. Ich dachte immer, schon der bloße Anblick eines giftigen Frosches bringt einen um. Nee, nur wenn das Gift in die Blutbahn kommt. Hände wäscht er sich hinterher dennoch.

Nun kommt der Kakao. Es gibt acht verschiedene Sorten Kakaobäume. Auf dieser Farm wachsen vier. Robert öffnet eine Frucht und wir dürfen probieren. Jede Bohne ist von einer weißen süßen Schutzhülle umgeben. Die ist lecker. Die Bohnen selber schmecken bitter. Nach der Ernte werden die Bohnen fermentiert, in der Sonne getrocknet, geröstet und geschält. Da es hier keinen Strom gibt, nur ein bisschen Solarenergie, musste er kreativ sein und sich Geräte erfinden, die nur wenig Energie verbrauchen. Dabei sei er McGyver mäßig zu Werke gegangen. Bei einer Maschine hat er sogar das berühmte Kaugummi gebraucht. Bela findet das nicht so spannend, weil er McGyver nicht kennt, aber die Amis sind nicht mehr zu halten. Die Dame aus Wisconsin gackert so laut los, dass sich Bela erschreckt. Noch mehr dann aber, weil beim Lachen ihr Dekoltee fröhlich wippt…wobei wippt nicht der richtige Ausdruck ist. Eigentlich könnte man fast sagen, die Möpse schlagen ihr unters Doppelkinn. Liegt wahrscheinlich auch daran, dass sie aus Wisconsin kommt. Nur eine Vermutung.

Wir dürfen getrocknete Kakaobohnen probieren und Bela macht sich die Taschen voll. Natürlich will er nachher im Hotel in die Schokoladenproduktion einsteigen. Wir gehen weiter über das Anwesen und bekommen verschiedene Orchideen erklärt. Robert sagt, es sind wunderschöne Pflanzen, aber meistens sind sie langweilig. Ich denke an meine heimische Fensterbank und muss ihm ein Stück weit recht geben. Momentan finden wir jedoch fast ausschließlich interessante:

Wir stoppen an einem Termitenbau und bekommen die positiven Eigenschaften von Insektennahrung erklärt. Termiten enthalten das vierfache an Eiweiß im Vergleich zu einem Rindersteak. Wir dürfen probieren. Die Dame aus Wisconsin schüttelt sich und ihre Teile. Outet sich dann jedoch, schon einmal Schildkröte gegessen zu haben und hat somit ausgeschissen. Termiten schmecken übrigens ein bisschen wie Petersilie. Bela konnte gar nicht genug davon bekommen. Zurück am Haus hat Julie bereits einige Dinge zum Probieren aufgebaut. Da hier alles, tatsächlich auch für die Zähne gesund, ohne Zucker verwendet wird, halten sich die Amis an den Rum. Ich kaufe nur ein bisschen Peeling, wir haben ja das Gepäck Problem, und für Bela einen kleinen Block pure Schokolade. Ich soll ihm Brownies backen, wie Julie sie gebacken hat. Dann geht er zu ihr und fragt sie in höflichstem Englisch, ob er noch mehr Brownie bekommen kann. Mit ‚please‘ am Ende. Die Amis sind völlig aus dem Häuschen, da sie selber keine Fremdsprachen sprechen. Ich fürchte für einen kurzen Moment, dass er gleich mit der Nase voran im Wisconsin-Ausschnitt verschwindet. Es geht aber gerade noch gut. Sie streicht ihm nur über den Kopf. Okay, ich kaufe also den Block Schoki und muss dann in Costa Rica wohl eine Unterkunft mit Küche suchen.

Die Tour ist vorbei, die Amis verabschieden sich und verschwinden zu ihrem Boot. Wir bleiben noch ein bisschen. Robert und Julie finden unsere Reise interessant und stellen ein paar Fragen. Sie selber wollten eigentlich nur für zwei Jahre hier bleiben, mittlerweile sind es sechs und auch sie wollen weiterziehen. Der Katamaran steht einsatzbereit in der Bucht. Durch den Kanal bis nach Hongkong soll es gehen, sobald sie einen Käufer gefunden haben. Das ist der Moment, an dem es mein Mann plötzlich sehr eilig hat. Eine Kakaofarm haben wir nämlich noch nicht. Wahrscheinlich interpretiert er meinen Gesichtsausdruck fehl. Wir fahren weiter durch die Dolphin Bay und durch die Mangroven zum wahrscheinlich schönsten Restaurant auf der ganzen Welt.

Erwartungsgemäß schmeckt es irre frisch und lecker. Die Auswahl ist auch nicht so schwer, das ist speziell für mich von Vorteil, weil ich mich selten schnell entscheiden kann und selbst wenn ich die Bestellung schon aufgegeben habe, noch hinter dem Kellner herflitze, um etwas zu ändern. Hier gibt es Fisch und Meeresfrüchte mit Reis, Salat und Kochbananen. Bela darf angeln. Leider wird das ein kurzes Vergnügen. Einen Fisch fängt er und dann reißt ein dicker Fisch den Blinker von der Schnur und schwimmt damit weg.

Weil es so gut tut, gehen wir direkt nach dem Essen schnorcheln. Wir sind am Coral Cay, das ist eine Art Korallengarten. Wir haben noch nie so bunte und soviele intakte Korallen gesehen, wie hier. Und wir waren schon ein oder zweimal tauchen und schnorcheln 😉

Klar, dass Bela uns nach Hause fährt. Einparken kann er inzwischen auch in unseren Hotelanleger, das durfte er mit einem Taxibootfahrer üben.

Eigentlich wollten wir zum Dinner in der Blue Coconut bleiben und später mit einem Taxiboot heimfahren. Das ist eine tolle Bar mit Hängematten im Wasser, Sprungtürmen und tollen Cocktails. Allerdings ist da heute eine filthy friday Veranstaltung und das Ding ist brechend voll mit brechenden Happy Hour Besuchern. Die Mädels wackeln im Tanga auf den Stegen herum, dass Bela rote Ohren bekommt.

Wir finden eine andere coole Bar und lassen uns dort noch nieder.

Nebenan ist eine schwimmende Baustelle und ich staune nur noch, dass der Kahn, bzw. der Krahn nicht absäuft. Erstaunlich, was alles so möglich ist, wenn es keinen TÜV gibt oder der wegschaut. Berufstaucher habe ich auch schon anders ausgerüstet gesehen.

Im Hotel sitzen wir noch ein bisschen auf der Terrasse und genießen die Dunkelheit und den Mond

Doch wie überall finden wir auch die weniger hübschen Plätze, beim Bummel abseits der Touristenmeile. Wobei die hier auch recht dreckig ist. So ist Panama auch und zwar an vielen Ecken. Wir sind immer wieder entsetzt, in welchen Dreck die Menschen leben. Sie sitzen mittendrin und sehen das offenbar gar nicht. Das tut uns echt weh.

Das ist zu verkaufen:

Und das sogar zu vermieten, für 800 Dollar! Pro Monat! Sofort bezugsfertig 😉

Wir hören die Abendmaschine aus Panama City und sehen sie schon über unseren Köpfen

Eine Dame erklärt uns, dass jetzt die Kinder auf dem Flugplatz rennen. Sie spielen Fussball oder Baseball auf dem Rollfeld. Ich bekomme Gänsehaut. Am Abend treffen wir noch einen Harpunenfischer bei ums am Steg, der uns sein Abendessen präsentiert. Bela bemerkt, dass sein Schnorchel kaputt ist und schwimmt schnell hinter ihm her, um ihn seinen zu schenken. Er hat beim Schnorcheln in den Korallen einen guten gefunden und ihn hochgeholt.

Die Zeit vergeht leider viel zu schnell und schon wieder müssen wir uns von einem Ort verabschieden, an dem wir gerne noch geblieben wären.

Wir haben einen Shuttle gebucht, der nur unwesentlich teurer ist, als wenn wir auf eigene Faust nach Costa Rica reisen. Dafür geht dieser von Haustür zu Haustür. In diesem Fall heißt das, ein junger Mann holt uns zu Fuß ab und bringt uns zum Hafen der Taxiboote. Bevor wir losgehen bekommt er von Hercilia ordentlich den Kümmel gerieben, weil er uns kein einziges Gepäckstück abnimmt. Ich verstehe nicht alles, nur soviel wie, was das für ein Service sei. Ganz nach Panama Manier, stört ihn das überhaupt nicht und er geht los. Schnell. Bela hat Mühe mit zu halten.

Wir fahren aufs Festland.

Dort angekommen, überfordern wir den Minibusfahrer rein durch unsere Anwesenheit. Der Bus ist nämlich schon voll besetzt. Er zählt und überlegt. Ich sehe es leicht qualmen über seinem Kopf. Er zählt und kleine Fragezeichen verlassen sein Haupt in Richtung Himmel. Er zählt die Leute und die Plätze im Bus. Dann kommen weitere drei Personen mit einem gelben Bändchen am Handgelenk. Es werden einfach nicht mehr Plätze, so oft er auch nachzählt… Das überfordert ihn. Wozu haben wir überhaupt virgebucht? Die sind nicht mal in der Lage bei Anmeldung die Leute zu zählen und wenn der Bus voll ist, entweder zu sagen, es ist ausgebucht oder einen zweiten Bus zu organisieren. Naja…Wir sind gespannt. Die Überbuchungsproblematik kenne ich vom Fliegen. Da kannst du dann auch nicht mit. Bekommst aber zuzüglich zum nächstmöglichen Flug in First- oder mindestens Businessclass eine Nacht im Hilton, Bulgari Parfum, ein paar Manolo Blanik, 780 Euro und wahlweise einen Ferrari oder Maserati dazu. Aber beim Minibus? Sicherheitshalber geht der Busfahrer erstmal weg. Wir trinken eine Kokosnuss, es ist ziemlich heiß. Nach 45 Minuten kommt ein Taxi. Ein Hilux, Doppelkabiner mit 5 offiziellen Sitzplätzen und Ladefläche. Mit dem Gepäck haben wir schon mal keine Probleme. So gibt es wieder Menschentetris. Man muss ja flexible bleben. Das tun wir. Die nächsten 50 Kilometer. Bela sitzt wieder auf meinem offenen Bein, daneben Mike, ein Holländer und ein Israeli. Vorne ein Mann ohne Stimme, Herkunft und Spaß, sowie der Taxifahrer. Er nimmt erstmal schön alle auf die Schippe, lacht selber am meisten und singt mit dem Radio um die Wette. Despacito. Laut und falsch.

Wenn einer eine Reise macht, dann kann er was erleben. Der Weg ist das Ziel.

SAN BLAS: Wir haben das Paradies gefunden

Und deshalb bekommt es auch ein eigenes Kapitel. San Blas oder auch Kuna Yala genannt, ist ein autonomes Gebiet an der Nordküste Panamas am Atlantik. Den San Blas Archipel bilden etwa 365 Inseln im karibischen Meer, von denen nur 50 bewohnt sind. Sie erstrecken sich über eine Länge von 180 Kilometern bis zur Küste Kolumbiens. Bewohnt wird Kuna Yala von rund 33.000 Angehörigen des Kuna Volkes, die der Unterwerfung trotzten und lange um ihr Gebiet kämpfen mussten. Sie haben eine eigene Sprache, einige von ihnen sprechen aber mittlerweile auch spanisch oder englisch. Es ist nur möglich mit dem Einverständnis, sprich einer Buchung über eine Agentur, auf die San Blas Inseln zu reisen. Es ist nicht möglich, mit dem eigenen Auto zum Hafen zu fahren. Man wird mit einem 4×4 Jeep im Hotel abgeholt und durch einen dichten Regenwald auf mörderischer Straße zum Hafen gebracht. Man passiert sogar eine Art Grenze, an der man den Pass zeigen muss. Wir sehen einige Jeeps am Straßenrand stehen, weil sich die Passagiere erleichtern müssen, nach oben raus…So versuchen die Guna ihre Gebiete vor dem Massentourismus zu schützen, der jedoch schon ein bisschen eingesetzt hat, schließlich geht es um Geld. Auch wenn es nicht überall danach aussieht, versuchen die Guna dennoch ihre Inseln sauber und schön zu halten. Auf unserer Insel kehrt jeden Tag der Opi das Laub und den Dreck weg. Wir sehen aber auch total vermüllte Inseln, auf denen es nicht so schön ist. Auch im Hafen von Carti ist es sehr dreckig. Auf den meisten Inseln gibt es keinen Strom oder nur aus einem Generator für ein bisschen Licht am Abend.

Wir sitzen also um 5:15 Uhr abfahrbereit auf der Bank vor dem Hotel. Pünktlich wie die Maurer (haha) mit dem Ticket in der Hand. Wie sich das gehört. Das große Gepäck können wir im Hotel lassen und eine Lunchbox gab es für die Fahrt. So sitzen wir und überlegen ziemlich oft, wann wir anrufen lassen, weil der Fahrer nicht kommt. Deutsche Pünktlichkeit trifft mittelamerikanische…Um 6:15 Uhr geht es dann mal los. Es kommt ein Jeep und wir werden verladen. Mit uns eine dürre amerikanische Touristin auf dem Beifahrersitz. Ein dickes Paar aus Brasilien teilt sich mit Mike die Mitte und Bela und ich haben im Kofferraum schön viel Platz. Nach etwa 15 Minuten Fahrt halten wir an einem Supermarkt. Die brasilianische Frau versorgt sich selber und ihren Mann erstmal mit je 1,5 Litern Cola. Die Amerikanerin kauft Tee. Wir bleiben im Auto. Wir haben gestern schon eingekauft und sind gut ausgestattet mit Snacks und ein bisschen Wasser. Wir bekommen drei Mahlzeiten pro Tag auf der Insel und dazu jeweils ein Dosengetränk. Wasser gibt es immer zum Nachfüllen. Dafür haben wir Flaschen dabei. Und wir können jederzeit für 2 Dollar Cola, Ginger Ale oder auch Bier kaufen. Bela und ich verschlafen die Fahrt. Es geht wohl über Stock und Stein, sagt Mike. Er versucht auch zu schlafen, ist aber leider beschäftigt. Das Dickerchen fällt nämlich ständig mit dem Kopf gegen seine Schulter. Das erinnert mich ein bisschen an unseren Flug in 2013 nach Bangkok, als Levi neben dem dicksten Mann der Welt im Flieger sitzen musste. 10 Stunden. Der Speck, so sagte er damals, kam über die Armlehne zu ihm gekrochen. Dafür hat er aber auch den Tapferkeitspreis bekommen. Wir sind dann doch ziemlich schnell am Hafen und werden nach einem System, was nur die Leute dort verstehen, in die Boote verteilt.

Während wir warten, kommen sechs Männer einen Sarg tragend an uns vorbei und laden ihn in ein Boot. Tuch drüber. Gepäck drauf und Passagiere daneben (wir nicht) Hmmm….kann man so machen…

Das Wasser ist trüb, der Hafen dreckig und ich fange an zu zweifeln, ob das alles so richtig war. Für die völlig verdreckte Toilette muss ich einer mürrisch dreinblickenden Guna Frau 25 Cent geben. Das mag ja was werden auf der Insel. Alles basic. Ich denke an unsere Hütte aus Bambus. Die hat keinen Ventilator und natürlich keine Klimaanlage, aber dafür einen Boden aus Sand. Mit Sicherheit werde ich nachts kein Auge zu machen. Na gut, dann ist das halt so. Die Uhrzeit ist schuld, denke ich. Es ist gerade mal 8:30 Uhr, wir haben schon einen Ritt hinter uns und sind müde. Los gehts. Wir halten an einer aus Häusern bestehenden Insel, mit viel Dreck überall und mir rutscht das Herz in die Hose, ich denke:“bitte nicht!!!!“

Entwarnung, wir müssen alle sitzen bleiben, nur unser local Guide holt etwas von dort. Wir fahren weiter. Die Wellen werden höher, das Wasser klarer und die Sonne kommt raus.

Die Laune steigt und mit ihr die Zuversicht auf ein paar schöne Tage. Dass sie unvergesslich werden, wissen wir noch nicht. Unsere Insel heißt Niadub, Isla Diavolo, Teufelsinsel. Unsere Bambushütte ( Cabana 5) heißt uns herzlich willkommen.

Immerhin gibt es Blümchen vor der Haustür und eine „Terrasse“ mit Meerblick

Es gibt ein Toiletten/Duschhaus. Dusche heißt hier: Rohr aus der Wand, kaltes Wasser kommt raus. Ich inspiziere sie gespannt und bin überrascht. Toiletten und auch Duschen sind sauber. Es gibt ausreichend Papier. Die Mülleimer quillen nicht über. Hier sieht es viel besser aus, als auf so manchen Campingplätzen, die wir in der letzten Zeit besucht haben. Es gibt auch eine „Lounge“, dort ist es lustig.

Die Musik ist laut, die Leute sind total unterschiedlich und meist nett, der Liter Rum kostet 25 Dollar. Wir werden gefragt, was wir zum Mittag essen möchten. Die Auswahl ist besser, als ich vorher bei den Negativkritiken auf Tripadvisor gelesen habe. Es gibt Fischfilet, ganzen Fisch, Chicken oder Meeresfrüchte. Dazu Kokosreis, gekochte Kartoffeln, Pommes oder Kochbanane und Salat. Tip top. Wir nehmen alle Fischfilet mit Reis und Salat. Auf den heutigen Ausflug verzichten wir, wir sind müde und haben noch drei Tage dafür Zeit. Punkt 12 sitzen wir am Tisch und bekommen ziemlich leckeres Mittagessen. Die Guna Yala Familie, die unser Homestay leitet, ist meistens nett. Wir lernen Yuani kennen, die ist ein echter Sonnenschein und wir schließen sie sofort ins Herz.

Nach dem Essen machen wir ein unglaublich langes Mittagsschläfchen. Bela, der im Vorfeld meckert, er sei gar nicht müde, ist als erster eingeschlafen. Um 16 Uhr werden wir geweckt, weil die Köchin unsere Abendessenbestellung braucht. Die Auswahl ist immer die gleiche. Bela nimmt diesmal Chicken und ich den ganzen Fisch. Mike bleibt bei Filet. Wir erkunden die Insel. Dafür brauchen wir keine 10 Minuten. Also hängen wir ein bisschen auf unserer Terrasse ab und kümmern uns um den Sonnenuntergang. Gebadet haben wir auch, das Wasser ist superschön.

Es wird früh dunkel, die Solarbeleuchtung ist auch nicht so hell, also werden wir früh müde und sind nach ein paar Runden UNO gegen 21 Uhr verschwunden. Entgegen meiner Vorahnung, schlafe ich gut. Habe zwar etwas Probleme beim Einschlafen, aber Bela auch und deshalb drehen wir zusammen noch eine kleine Taschenlampenrunde. Der Sternenhimmel ist der Hammer. Bela macht ein paar irre Fotos vom Mond. Zum Glück hat es sich abgekühlt und da wir unsere Hütte am Meer haben, weht es immer ein bisschen. Gibt ja auch genug Ritzen, damit die kühle Luft herein kann und die Ameisen und die Krabben und was noch mehr…

Frühstück ist von 7 bis 8! Upsi…Geht aber. Wir wachen von alleine auf, als es hell wird. Um 6 Uhr. Alles wie früher, also ganz früher. Immer dem Rhythmus der Sonne hinterher… Zum Frühstück gibt es Guna Yala Brot und Omelette mit Käse, sowie gruseligen Kaffee, der auch durch den Kaffeeweißer nicht besser wird. Für Bela bringen sie uns ganz stolz Trinkschokolade. Die wird mit heißem Wasser zubereitet. Ich muss an dieser Stelle glaube ich nicht erklären, warum er ab jetzt Wasser aus dem Nachfüllkanister oder Ginger Ale zum Frühstück gewählt hat…

Wir starten zum ersten Ausflug. Es geht auf die Nachbarinsel zum Schnorcheln und schwimmen. Dort liegt ein versunkenes Boot. Das ist zugewachsen mit bunten Korallen und voll mit bunten Fischen. Es ist wunderschön.

Bela findet eine Kokosnuss und kann sie ohne Hilfe öffnen. Das hat er auf Cook gelernt.

Die ist richtig lecker… Dazu gibt es Cola mit Eis und Nachos mit Dip von der Ausflugscrew. Und dann geht es weiter zumnächsten Stopp. Piscina naturales, swimming pool…naja. Mitten im Meer ist eine Sandbank und darüber ein bisschen Wasser. Ganz nett hier, aber beim Schnorcheln sieht man nichts.

Zurück auf unserer Insel gibt es wieder einfach leckeres Mittagessen und danach ein Schläfchen. Zum einen hat es sich bewährt und zum anderen haben wir nichts zu verpassen. Danach baden wir, trinken Kokosnüsse und freunden uns mit Yuani an. Sie scheint nur darauf gewartet zu haben. Wir bauen erstmal eine Kleckermatschburg und verbuddeln dann Bela im Sand. Zum Abwaschen müssen wir natürlich ins Wasser und während Yuani über den Korallenschrott flitzt, als wäre es nichts, mit einem Kopfsprung im Meer verschwindet, taste ich mich langsam und jammernd über die Steine zum Wasser hin.

Wir hängen noch ein bisschen ab

Bela und Yuani malen solange, bis ich mit UNO Karten erscheine. Dann leuchten ihre Augen und sie schmeißt die Stifte weg.

Wir spielen, machen Blödsinn und haben Spaß

Zum Abendessen haben wir Lobster vorbestellt. Während der bei uns zu Hause unbezahlbar ist (wir wollten auf Föhr schon mal einen essen, haben aber das Geld dann lieber in ein Ferienhaus investiert), kostet er hier nur 15 Dollar und schmeckt fantastisch

Gleicher Rhythmus wie gestern. Bett um 21.30 Uhr, schnell eingeschlafen, alles top. Heute ist Donnerstag, Rumnacht steht auf dem Programm, wir freuen uns auf ein Gläschen am Abend. Zum Frühstück gibt es Pfannkuchen. Danach gehts zum Ausflug, wieder otra island. Super schön dort.

Die Crew packt aus. Inzwischen kennen wir den harten Kern der Gäste. Es gibt auch viele Tagestouristen, die sind dann abends wieder verschwunden. Das heißt, mit ihnen haben wir wenig Kontakt. Aber mit Irina und Franck – eine russich-french-connection, Julia und Svenja aus dem Sauerland, Suzann und Eva aus Amsterdam und Michael aus Toronto (an ihn kann sich Mike morgen nicht mehr erinnern, das hatte etwas mit Rum zu tun und ist ein anderes Thema) können wir es gut aushalten. Von ihnen erfahren wir auch, dass die Rumnacht jetzt und hier startet. Die Crew hat bereits drei 2 Liter Flaschen Rum auf dem Tisch, sowie Eis und Cola. Los gehts. Bis die Flaschen leer sind. Wenn es schon mal angeboten wird…üben für Cuba!

Zwischendurch bekommen wir noch eine Kokosnuss gebracht, auch die ist sehr lecker und passt zum tropischen Gefühl.

Die Stimmung wird immer besser, nur Molly aus Californien hört sich lieber selber reden, das ist etwas anstrengend.

Wir fahren noch zu einem weiteren Schnorchelspot und dann zurück zum Lunch.

Weil es so lecker ist und die Stimmung so gut und Franck und Irina bald abreisen müssen und und und…Gründe gibt es genug für den Gang an die Theke…eine Flasche Rum, Cola und Eis, wir sind nur einmal jung! Zwischendurch bittet uns Bela mit dem Trinken aufzuhören, weil Cola nicht gesund ist 😉 Er hüpft mit Yuani im Wasser herum und hat Spaß. Irina verabschiedet sich, mit einer Einladung für uns nach Moskau. Da Mike einen Stempel von der Ukraine im Pass hat und nicht nach Russland einreisen darf, muss ich dann wohl alleine…Die Stimmung wird besser, Michael aus Toronto kommt an den trouble table und fühlt sich wohl.

Wir feiern noch ein bisschen und weil die Stimmng so gut ist und es so lecker ist und Franck und Irina jetzt weg sind und und und….die Mädels aus Amsterdam holen sie: die nächste Flasche!

Mike verschwindet einfach irgendwann heimlich im Bett. Leider wird ihm nicht mehr einfallen, wie er dort hin gekommen ist. Ich springe noch zu den Kindern ins Wasser und bin sofort wieder nüchtern. Das ist auch gut so!! Plötzlich schreit Yuani und ich sehe ihren Sparkassen Wasserball auf dem Wasser wegtreiben. Ich schwimme hinterher und versuche ihn zu retten. Dabei bekomme ich eine fürchterliche Wunde am Oberschenkel. ich reiße mir die Haut an Korallen auf, die ich nicht gesehen habe. Es blutet recht ordentlich und ich bekomme Kuna Yala Desinfektionsmittel. Das brennt wie Hölle. Von dieser Wunde werde ich noch lange etwas haben…Der Ball wurde schließlich von Yuanis Bruder gerettet. Dinner habe ich mit Bela alleine. Noch eine lange Kartenrunde mit Yuani und den Holländerinnen und ab auf die neue Matratze (wir haben heute neue Matratzen bekommen). Mike schläft zum Glück leise und schnarcht nicht. Als er am nächsten Morgen mein Bein sieht, fragt er ganz entsetzt, ob er das war…Ja ja, das war es dann wohl mit dem Rum!

Bekannter Rhythmus: Frühstück, Ausflug, Lunch und dann leider schon Abreise nach Panama City. Auf dem Ausflug hebt ein ziemlich durchtrainierter Kerl Bela routiniert ins Boot. Wir rätselten vorher schon und tippten auf Schwimmer. Er spricht Deutsch. Ich frage ihn, ob er Schwimmer ist. Er sagt:“ Nein. Tänzer“ ich staune, weil ich nicht davon ausgehe, dass man als Tänzer solche Oberschenkel bekommt. „Balletttänzer, hüpfen, springen und Frauen heben“, erklärt er mir. Damit war es geklärt. Viel zu schnell ging die Zeit hier vorbei. So skeptisch ich anfangs war, jetzt könnte ich noch eine Woche bleiben. Ich überlege, ob San Blas es schafft, den Perito Moreno Gletscher vom Thron zu schubsen…

Als wir uns verabschieden, gibt mir Yuani ein Küsschen. Da muss ich aufpassen, dass ich nicht anfange zu heulen…Die ist aber auch ein süßer Sonnenschein…

Once in a lifetime: GALAPAGOS

Wow…

So und noch viel besser landen wir in diesem Tierparadies. Wir sind zuerst auf der Insel Santa Cruz. Mit Shuttle Bus, Boot und Taxi gelangen wir nach Puerto Ayora, der Haupstadt der Insel. Es fängt damit an, dass mich der Taxifahrer im Beisein von Mann und Kind fragt, ob ich verheiratet bin. Bauch rein – Brust raus und schmunzelnd Mikes entsetzten Gesichtsausdruck genießen.Wir haben eine nette Unterkunft, sogar mit einem Pool. Es ist heiß, also erstmal rein da. Unser Vermieter ist sehr hilfsbereit und organisiert uns einen Ausflug. Wir haben vorher schon gehört, dass es hier sehr teuer sein soll. Die Tagesausflüge kosten tatsächlich 110 Dollar pro Person und für Kinder 90. Wir buchen nur den halben Tag mit einem Boot, diverse Schnorchelspots, eine kleine Wanderung zu einem Haitunnel, einem Strand, an dem Leguane ihre Eier ablegen und zum Baden in einer Schlucht. Für 35 Dollar pro Person und Bela 25 ist das in Ordnung. Abends gehen wir zum „Malecon“, das ist der Steg, an dem die Wassertaxis abfahren. Dieser Steg beleuchtet das Wasser, so dass wir kleine Haie beim Fressen beobachten können und allerlei andere Tiere. Auch einen Rochen sehen wir.

Pelikane sehen ein bisschen aus wie prähistorische Pteranodons, ich finde sie ungeschickt. Sie spritzen soviel, wenn sie auf dem Wasser landen. Wir sehen Seelöwen, die faul auf Bänken oder in Booten schlafen. Wir sind begeistert. Zum Essen landen wir in einer Art „Freßgass“, es ist immer noch sehr warm, die Straße ist abends gesperrt und Tische und Stühle stehen draußen. Ein Restaurant folgt auf das andere. Und es ist hier nicht besonders teuer. Mittagessen gibt es für 5 Dollar, inkl. Suppe, Saft und Desert.

Die Stimmung ist gut, die Menschen sind nett und das Essen ist lecker.

Unser Ausflug startet um 9 Uhr.

Wir sehen sehr viel und sind begeistert. Schnorcheln ist ganz okay, das hatten wir in Asien jedoch schon besser. Das Wasser ist stellenweise ganz schön trüb und die Fische sind woanders, wahrscheinlich bei den Schildkröten und Rochen…Nach dem Baden in der Schlucht, sowie Sonne und Hitze satt, sind wir nach dem Halbtagesausflug so kaputt wie nach einem Tagesausflug. Also ab ins Hotel und Siesta. Am Abend gehen wir erst zur Pelican Bay, dort gibt es ein bisschen Folklore:

Und danach wieder zum Steg, Haie gucken und in die Freßgass.

Stimmung und Haare sind außer Kontrolle.

Die Fähre nach Isla Isabela geht um 7:30 Uhr, das große Gepäck dürfen wir bei Patty und Marcos lassen. Bela hat sich inzwischen mit dem 10 Jährigen Sohn Mariano angefreundet und freut sich schon auf die Rückkehr und weitere 4 Nächte. Wir haben unseren Aufenthalt verlägert, weil wir mal wieder Urlaub brauchen. Um 6:45 Uhr sind wir am Steg, es herrscht großes Gewusel. Wir treffen Javier und seine Söhne wieder. Sie hatten uns freundlicherweise mit ihrem Taxi vom Flughafen mitgenommen. Sie machen nur einen Tagesausflug und fahren um 15 Uhr wieder zurück. Zu schade für so eine schöne Insel, finde ich. Aber sie haben nicht viel Zeit. Die Fährfahrt (für mich ist es ein kleines Boot, was uns darüber bringt) dauert 2,5 Stunden und ich habe vorher viel schlimmes darüber gehört und auch gelesen. Und tatsächlich ist die Fahrt entlang Santa Cruz wellig und stürmisch, weil das Wasser noch recht flach ist. Mir ist schlecht. Bela schläft. Mir ist schlecht. Mike schläft, weil er hier nicht angeln darf. Mir ist schlecht. Jemand hatte in einem Forum geschrieben, er sei ums Kap Hoorn gefahren, das sei Kindergeburtstag gewesen im Vergleich zu der Überfahrt von Santa Cruz nach Isabela. Waren wir doch gefühlt auch gerade in der Nähe von Kap Hoorn und haben die Schauergeschichten der Seefahrt dort im Museum gesehen, ahne ich nichts Gutes. Die Wellen sind hoch, aber nicht lebensgefährlich. Das beruhigt mich, aber schlecht ist mir immer noch. Zum Glück ist es kein Segelboot, dann wäre mir noch schlechter. Bela und ich haben letztes Jahr auf Formentera einen Segelausflug gemacht, so lange, bis der Kapitän meinetwegen das Segel einholen und den Motor starten musste, so grün war ich im Gesicht. Bela war sauer! Als wir endlich ankommen, sagt Bela fröhlich:“so schlimm war es jetzt auch nicht“, nee, er hat die ganze Fahrt verschlafen, ebenso Mike. Im Hotel mache ich Yoga-Wechselatmung über der Kloschüssel. Ich brauche ein Weilchen bis ich wieder hergestellt bin, begleitet werde ich dabei von blöden Sprüchen. Wir leihen uns Fahrräder für die zwei Tage und düsen los. Es ist total heiß, aber die Wege sind nicht allzu lang hier. Die Insel ist zwar viel größer als Santa Cruz, aber die sehenswerten Orte liegen nah an dem Hauptörtchen Puerto Villamil. Der Vulkn ist wegen Aktivität gesperrt, also sparen wir uns auch hier teure Ausflüge und erkundschaften alles mit unseren tollen Cubes. Zunächst geht es zu einer Schildkrötenaufzucht Station. Hier sehen wir die großen Galapagos Schildkröten (Tortugas gigantes) und erfahren allerhand wissenswertes über die Aufzucht. Es gibt 4 ausgwachsene Männer und 4 ausgewachsene Damen, alle so etwa 70-80 Jahre alt. Sie werden für die Zucht gehalten. Eier werden zusätzlich in der freien Wildbahn gesammelt und in der Station im Inkubator gebrühtet, weil sie in der Natur keine Chance hätten. Nach etwa 5 Jahren werden sie dann auf verschiedenen Inseln, je nachdem wo die Eier herkommen, ausgewildert.

Sie sind recht agil und es macht Spaß ihnen zuzuschauen. Es gibt einen Ausstellungsraum mit Film und weiteren Informationen. Es wird ein Teil des Brutkastens gezeigt, in dem wir die Eier sehen können und daneben bereits geschlüpfte kleine Schildkröten, die die ersten 4 Wochen ohne Nahrung und Wasser im Dunkeln gehalten werden, um das Schlüpfen in der Natur zu simulieren. Solange brauchen sie nämlich, um sich aus dem Nest in der Erde nach dem Schlüpfen rauszu arbeiten. Ich finde sie ziemlich klein und kann nicht glauben, dass sie mal so groß werden, wie das Modell der ausgewachsenen Galapagos Riesenschildkröte daneben, die mit etwa 90 bis 100 Jahren ihre endgültige Größe erreicht hat. Wir erfahren außerdem, dass ihre Kackhaufen, je nachdem ob sie Gras, Blätter oder was weiß ich gegessen haben, unterschiedlich aussehen. Wir dürfen 5 verschiedene Arten Schildkrötenkacke bewundern. Echt und nicht aus Plastik! Nice… In der Flamingo Lagune herrscht leider gähnende Leere, also fahren wir nach Concha la Perla zum Schnorcheln.

Auf dem Weg dorthin treffen wir wieder mal einen Pulk Iguanas.

Schnorcheln dort macht viel Spaß, das Wasser ist schön kalt und klar. Wir sehen einiges. Wir sind ab jetzt zweimal am Tag hier, gleich schon morgens um 9 Uhr, wenn nur wenige andere Menschen hier sind und das Wasser nicht so aufgewühlt ist. Einmal kommt ein Seelöwenpärchen zum Spielen vorbei. Das ist erstmal etwas befremdlich, aber da sie niemandem im Wasser etwas tun, sondern nur umher schwimmen und springen, traut sich dann auch Bela dazu.

und dann…Freunde:

Am Abend gehen Bela und ich bummeln und finden eine Karnevalsparty am Strand. Die Kinder besprühen sich mit Seifenschaum. Natürlich darf Bela mitmachen.

Die Chillecke in unserem Hotel wurde von uns fast gar nicht genutzt, weil es hier soviel zu entdecken und unternehmen gab.

Noch einmal am Concha da Perla

Zurück nach Santa Cruz geht es um 15 Uhr, es gibt ein bisschen Theater, weil die Liste von unserem Boot voll ist, unsere Namen aber nicht draufstehen. Ich zeige dem Mann das Ticket, auf dem mein Name steht und 3 Personen. Er rafft es nicht und zeigt auf die Spalte von Robin Kohlmeier, nur weil sein Ticket von der gleichen Agentur ist und die gleiche Farbe hat, wie unsers. Naja, ich schimpfe ein bisschen und schon streicht er mit seinen fetten behaarten Fingern und Tipex drei Passagiere von der Liste, die noch nicht am Hafen sind. Die Fahrt ist wieder der Horror für mich, Bela und Mike schlafen und finden es nicht so schlimm… Es ist Rosenmontag! Das bedeutet noch mehr Seifenschaumspraydosen kaufen und sprühen. Wir nehmen Belas neuen Freund Mariano mit in die Stadt.

Erst essen wir in der Freßgass…

…und dann geht es zur Pelikan Bay, dort ist die Faschingsparty. Mit Seifenschaum, Farbpulver, Misswahlen und EIERN!!!! Igitt…

Naja, nach dem dritten Bier kommt die Einsicht, Hauptsache das Kind hat Spaß und schwupps, habe ich ein Ei in den Haaren. Soll ja gesund sein. Der Seifenschaum im Bier ist jetzt auch kein Problem mehr. Wir treffen Marco aus Österreich, er lebt hier seit einigen Jahren und feiert mit uns.

Nach einer lustigen Feier mit einer langweiligen Misswahl, sehen wir so aus:

Es war ein wirklich lustiger Abend. Allerdings müssen wir auf der Heimfahrt mit dem Taxi auf der Ladefläche sitzen. Alle Taxis sind hier weiß und Pickups. Das ist total praktisch, wenn man Kinderwagen oder Fahrrad mitnehmen muss. Oder nass ist oder dreckig. Alle Fahrten innerhalb des Ortes kosten 1,50

Der nächste Ausflug geht zu zwei Kratern. Los Gemelos, zu den Riesenschildkröten und zu einem Lavatunnel.

Wir laufen durch den Lavatunnel. Er ist beleuchtet und natürlich kommen uns als erstes Deutsche entgegen.

Ein bisschen müssen wir zwischendrin klettern und auch krabbeln.

Am Abend gehen wir zum Fischmarkt. Es gibt jedoch mehr Pelikane als Fisch. Eine Verkäuferin ist nur mit Fliegenabwehr beschäftigt. Kühlkette ist auch hier kein Problem. Es gibt keine!

Weiter gehts mit Mariano im Schlepptau, an den Playa Aleman. Den deutschen Strand, warum der so heißt, konnten wir nicht herausfinden. Der Strand ist breit, das Wasser sehr flach und auf dem Grund soviele Steine, dass wir eigentlich Schuhe gebraucht hätten.

Also geht es weiter zu Las Grietas. Da waren wir letzte Woche schon zum baden und fanden es sehr schön

Baden in der Schlucht ist super. Das Wasser ist schön kalt, wir sehen viele große Fische und es sind heute nicht soviel Leute hier.

Auf dem Rückweg am Playa Aleman vorbei, ist dieser dann fast verschwunden, dafür ist das Wasser da und super zum Schwimmen.

Am Abend wollen wir ein letztes Mal in die Freßgass und noch ein bisschen Souvenirs besorgen. Ich freue mich auf einen Bummel am letzten Abend. Es fängt jedoch um 18 Uhr dermaßen an zu regnen, dass in kürzester Zeit die Straßen unter Wasser stehen. Bela und ich schaffen es mit lustigen Regenumhängen gerade so noch in den Supermarkt. Gebummelt wird dann am nächsten Vormittag, unser Flug geht erst um 16 Uhr. Der Abschied fällt mal wieder schwer, es ist wieder ein Abschnitt vorbei. Für Bela ist es auch nicht einfach, da er sich mit Mariano so gut verstanden und jede freie Minute verbracht hat.

Quito und die Schnappatmung

Wir kommen pünktlich, aber müde in Quito an. Die Hosteria hat ein Taxi geschickt.

Wir fahren etwa eine Stunde bis ins Zentrum. Unsere Hosteria ist im historischen Viertel und sehr süß. Der Blick ist fantastisch. Quito ist etwa 5 Kilometer breit und 35 Kilometer lang. Ein bisschen was davon sieht man von unserem Balkon aus.

Wir relaxen ein bisschen. Die Reise war lang, bis auf Bela hat keiner geschlafen, und wir sind müde. Zum Glück fängt es an zu regnen wie aus Kübeln, so dass wir sowieso nicht raus könnten. Jetzt kommen Kopfschmerzen dazu. Stechende. Wir schnaufen beim Treppensteigen. Komisch. Sogar unser Supersportler Mike hat Probleme beim Atmen. Als der Regen nachlässt, gehen wir die Stadt erkundschaften. Bergauf ist ein großes Problem. Am meisten für Mike. Dann fällt uns die Höhe wieder ein. Quito liegt auf 2850 Metern. Das vergisst man schnell. Wir brauchen wohl ein bisschen Zeit zum Akklimatisieren. Wir schlendern durch das historische Viertel und finden es hübsch. So ganz anders als Buenos Aires. Nicht so europäisch, eher so, wie man sich eine südamerikanische Stadt vorstellt.

Ab und zu regnet es noch ein wenig. Insgesamt tut die Abkühlung nach den heißen Tagen in Argentinien aber gut. Wenn wir nur mehr Luft bekämen…in der Stadt ist viel los. Wir sehen Leute, die komsiche Sachen verkaufen:

Wir gehen auf die Dachterrasse eines Restaurants und haben einen tollen Blick:

Hungrig landen wir schließlich in einem Pub. Es ist immer noch recht früh, dennoch sehen wir aus wie Zombis:

Und fühlen uns auch so. Das ging uns oft so, wenn wir Reisetage hatten. Hier kommt dann auch noch das Luftproblem dazu… Wir landen entsprechend früh wieder in der Hosteria, da es hier früher dunkel wird, sehen wir nun ein Lichtermeer vom Balkon aus:

Für den nächsten Tag sind wir mit Carla verabredet. Sie war zur gleichen Zeit wie Azul in Gudensberg zum Austauschjahr. Da sie sich damals angefreundet haben, hatten wir sie auch oft und gerne bei uns zu Hause. Deshalb ist die Freude jetzt riesig. Sie hat sich gar kein bißchen verändert, trotz der sechs Jahre, die inzwischen vergangen sind (viele Menschen auf der Welt brauchen für solche Rechnungen einen Taschenrechner. Sie sagt, es waren 4 Jahre, sie war 18 und jetzt ist sie 24. 4 Jahre. Logisch!) Wir treffen uns an der Talstation des Teleferico. Wir wollen auf den Berg. Das volle Programm mit noch weniger Luft;) Mike und Bela erholen sich vorher noch etwas, die südamerikanische Pünktlichkeit lässt das zu!

Auch Souvenir shoppen und dem Maler über die Schulter gucken ist noch drin.

Schließlich kommt sie mit ihrem Kumpel Alvaro den Berg hochgeschlappt und freut sich. Alvaro hat Angst in der Seilbahn. Deshalb läuft er normalerweise auf den Berg. Heute muss er da durch und Carla macht sich lustig. Ich versuche ihn mit Fotos von unserer Reise abzulenken.

Wir haben einen fantastischen Blick von oben. Carla wohnt -mit Ausnahme der 10 Monate Deutschland- seit 24 Jahren in Quito und hat es noch nie hier hoch geschafft. Sie ist geflasht. Natürlich ist es kälter als unten, trotzdem holen wir uns einen leichten Sonnenbrand. Und blaue Lippen natürlich. Unseren Gipfelspaziergang müssen wir aufgrund von Atemnot auch abbrechen. In der Cafeteria neben der Seilahnstation gibt es Sauerstoff in verschiedenen Duftrichtungen. 7 Minuten kosten 3 Dollar. Genau, Dollar. Das ist hier die Währung. Eine eigene Währung hatte Ecuador schon mal, das hat aber nicht so gut geklappt.

Wir trinken Mate und gucken runter.

Als es zu kalt wird und dunkle Wolken in rasender Geschwingkeit aufziehen, fahren wir wieder runter. In Quito gibt es fast alle Sorten Wetter jeden Tag, bis auf Schnee. So haben wir es auch erlebt. Morgens heiß und sonnig, mittags regenet es und ab dann ist es auch kalt und/oder windig. Unterhalb der Seilbahnstation gibt es einen kleinen Freizeitpark mit ein paar Fahrgeschäften und einer Kartbahn. Bela und Mike drehen eine Runde. Bei Mikes Kart funktionieren die Bremsen nicht und bei Belas klemmt das Gaspedal. Es wird also ein nicht so ganz großes Vergnügen.

Danach fahren wir alle noch eine runde Achterbahn, für 25 Cent pro Person. Schlecht wird mir trotzdem. Es ist eine ruckelige Angelegenheit, hinterher tut uns alles weh. Der TÜV hätte auch hier viel zu tun! Wir nehmen uns ein Uber und fahren zur „Halbwelt“ wie Carlita in ihrem lustigen Deutsch sagt. Sie meint, die Mitte der Welt. Sprich den Äquator. Dort gibt es ein Monument, in dem man hoch gehen kann. Auf jeder Etage ist eine kleine Ausstellung im Sinne eines Technikmuseums. Das macht großen Spaß, weil wir viele Experimente machen können.

Von oben haben wir einen schönen Ausblick

Mike macht ein paar Pistols auf der Äquatorlinie und wir tanzen von der Nordhalbkugel auf die Südhalbkugel und wieder zurück. Nachdem wir in Ushuaia schon am Ende der Welt gewesen sind, sind wir hier in der Mitte. Was wir zu diesem Zeitpunkt noch nicht wissen, wir werden auch noch an den Anfang der Welt reisen: die Galapagos Inseln werden als der Anfang der Welt bezeichnet. Der Flug ist morgen.

Wir bringen Carlita in die Uni und fahren zurück in die Hosteria. Die Zeit in Quito war schön, aber ausreichend. So geht es nach zwei Nächten weiter in Richtung Galapagos, worauf wir uns schon riesig freuen.

Buenos Aires oder die wahrscheinlich geilste Stadt der Welt

Wir checken ein. Haben uns diesmal gegen unser Stammhotel entschieden. Ausländische Touristen müssen in Argentinien keine Hotelsteuer bezahlen. Das verstehe wer will, aber es ist so. Also möchten wir das auch nicht. Unser hübsches super gelegenes Stammhotel will das nicht einsehen und nicht drauf verzichten. Also gehen wir woanders hin! Ist auch noch schöner dort 😉 Wir haben Internet, endlich mal wieder gutes und ich suchen nach ein paar Bausteinen für unserer Reise. Bela möchte gerne eine Kreuzfahrt machen und Mike ist inzwischen so gechillt und kann sich runterfahren, dass er nichts dagegen hat. Ich bin sowieso Kreuzfahrtfan, finde es toll, die Orte zu wechseln ohne zu packen und mag es oben auf dem Deck zu sein und auf das Meer zu schauen. Die anderen Passagiere nehme ich gar nicht wahr. Die sind schon teilweise merkwürdig, dürfen das aber gerne von mir auch denken. Ich nehme halt nicht für jeden Abend ein anderes Kleid mit und für die Kinder Anzüge…Ich finde ein Schnäppchen mit Balkonkabine für unglaublich wenig Geld, dafür bekämen wir kein Hotel nur zum Übernachten für eine Woche und so haben wir sogar Vollpension und den Transport noch dabei. Es geht von Havanna über Jamaika und Grand Cayman nach Cozumel in Mexiko. Das ist nicht weit von Cancun, von dort gibt es günstige Flüge nach Frankfurt. Eingetütet -nachdem ich die Einreisebestimmungen aller Länder studiert habe und wir mit Belas Pass keine Problem haben werden- gebucht und bezahlt. Eine Woche Strand in Varadero ist auch noch drin! Darauf freue ich mich besonders, weil ich Papas und unseren guten Freund Raul wiedersehe, der vor vielen Jahren in Deutschland gearbeitet hat. Seit 15 Jahren haben wir uns nicht mehr gesehen, nur telefoniert. Da Papa so schlimm krank war, kann er auch erstmal nicht nach Kuba, so könne wir allen liebe Grüße ausrichten. Und nun wissen wir auch, dass es am 30.3. nach Hause geht. Dann kommt uns Azul abholen, wollen ein bisschen schlendern und einkaufen. Mike möchte gerne die Sonne von der argentinischen Flagge auf den Nacken tätowiert haben, also suchen wir unser gegoogeltes Tattoostudio, was gut bewertet wurde, um einen Termin zu vereinbaren. Praktischerweise hat wohl gerade jemand abgesagt und er kann gleich bleiben. Hätten wir das schon mal erledigt. Wieder ein Souvenir, was keinen Platz im Gepäck braucht. Santiago, der Tätowierer freut sich auch.

Am Abend essen wir bei Azul. Ihre Eltern sind mit Abril und Luciano noch in Villa Gesell. So sind wir mit Morena und ihrem Freund Benhamin und Azul in der Wohnung und werden bekocht. Wir verabreden uns für den nächsten Tag mit Azuls Freundin Fleur und unserem Ritter Sport Kumpel Lisandro (ihn hatten wir 2014 in der Eisdiele kennengelernt, weil er mit uns deutsch sprechen konnte. Er war im Schwarzwald zum Austauschjahr und liebt Ritter Sport. Deshalb habe ich Azul immer ein paar Tafeln mitgegeben, wenn sie bei uns gewesen ist). Wir wollen nach Recoleta, auf den Friedhof. Evita besuchen. Es ist schön dort. Es ist wie wir es kennen. Danach gehen wir ins Havanna und trinken Kaffee.

Wieder einen tollen Tag verbracht. Morgen gehts nach La Boca, das lieb ich besonders. Dort haben wir vor vier Jahren einen Mann getroffen, der seit 25 Jahren als Ameise verkleidet abhängt und Souvenirs verkauft. Ihn wollen wir suchen.

In La Boca herrscht immer ausgelassenes Treiben und eine besondere Stimmung. Ich könnte hier ewig rumhängen. Es ist wunderschön, obwohl es nur für Touristen ist. Es laufen dicke Maradonas herum, mit denen man sich fotografieren lassen kann oder -für die Männer- schicke Tangotänzerinnen, in knappen Fummeln, die den Herren das Bein auf die Schulter legen und den „Nimm-mich“- Blick aufsetzen.

Es dauert nicht so lange, bis ich den Antman entdecke. Also hin. Azul übersetzt, dass wir extra hergekommen sind, um ihn zu suchen. Er ist so gerührt, dass wir ihm zwei nicht sehr hübsche selbergebastelte Ameisen abkaufen. Wir unterhalten uns ein bisschen und als er uns allzu philosophisch wird, hauen wir ab. Das Leben als Ameise geht nicht spurlos an einem vorrüber. Und das seit nunmehr 29 Jahren…

Wir gehen etwas trinken und Atmosphäre schnuppern. Neben uns wird Tango getanzt und gesungen.

Wir reden über das heutige Bocas Spiel, was zum Glück auswärts stattfindet, sonst hätten wir gar nicht herkommen können.

Es gibt dann wohl noch mehr Randale als in Deutschland bei Dortmund gegen Schalke. So kommen wir von den Boca Juniors über gegen wen spielen die heute? Was ist heute für ein Datum? Der 5. sagt Azul und Mike schließt sich an. Ich sage, es ist der 4. und sie bestehen auf den 5.! Okay, mir rutscht das Herz sowas von in die Hose. Ich denke, wir fliegen am 5. nach Galapagos und zweifel an mir und meinen Planungskünsten. Das Trauma von Sao Paulo steckt mir immer noch in den Knochen (nachzulesen in: Weihnachten in Buenos Aires und Ausflug nach Deutschland). Ich hole mein Handy, öffne meine Mails und finde die Tickets. 5.2. von Buenos Aires nach Santa Cruz/Bolivien um 23 Uhr von Ezeiza. Ich schlucke. Ich wusste, wir fliegen am 5.2., ich habe das Hotel für drei Nächte gebucht, alles ist aufeinander abgestimmt gewesen. Wie kann das sein? Alles klar. Taxi und los, wir schaffen das. Es ist ja erst 18 Uhr. Zum Glück gucke ich vor einem überstürzten Aufbruch in den Kalender: SONNTAG,4.2.!!!! Ich bin fix und fertig. So fertig, das kriegt man nur mit Bier wieder hin! Das kann auch keiner nachempfinden. Ich hatte das Sao Paulo Gefühl! Mit Azul und Mike bin ich die nächsten 15 Minuten Feind! Sie haben das wirklich geglaubt und mich nicht veräppeln wollen, deshalb haben sie es so glaubhaft rüber gebracht. Bela war mir da auch keine Hilfe, da es ihm stets reichlich egal ist, was für ein Datum wir haben, außer am 24.12. und am 26.1. Nach ein paar Bierchen geht es besser. Quilmes vom Fass in La Boca, was willst du mehr? Alles wird gut! Ich bin halt nicht mehr die Jüngste 😉

Am Ende der bunten Häuserzeile finden wir ein Fahrradkunstwerk von Aiweiwei. Das ist ein chinesischer Künstler und Menschenrechtsaktivist, wir kennen ihn seit der Documenta 2007, als sein Holzturm Kunstwerk vor der Orangerie in Kassel im Sturm zusammengekracht ist und nicht wieder aufgebaut wurde. Nun laufen wir ihm hier ungeplant wieder über den Weg, vielmehr einem seiner Kunstwerke. Es ist beeindruckend und gefällt uns gut.

Es sind, glaube ich gelesen zu haben, 1254 Fahrräder. Hatten wir für einen kurzen Moment die Befürchtung, wir würden Mister Ant nicht finden, sitz er sogar auf dem Hemweg bei uns im Bus!

Am nächsten Tag packen wir die Sachen, ganz in Ruhe, wir fliegen ja erst um 23 Uhr am 5.2.!!!! Lagern sie bei Azul zwischen und packen Mike ins Bett, da er sich krank fühlt. Zum Glück sind wir mit ernsten Krankheiten oder Zwischenfällen auf der Reise bisher verschont geblieben. Bela, Azul und ich gehen ins El Ateneo Grand Splendid, der wahrscheinlich schönste Buchladen der Welt:

Er ist in einem ehemaligen Theater untergebracht und der bekannteste Buchladen in Buenos Aires. Das Theater wurde 1919 eröffnet, die Figuren und Wandmalereien nehmen Bezug auf den Waffenstillstand im ersten Weltkrieg. In den späten 1920ern wurde es in ein Kino umgewandelt und seit dem Jahr 2000 ist es ein Buchladen der Kette Ateneo. In den ehemaligen Logen befinden sich Lesesessel, in denen man die Bücher lesen kann, ohne sie zu kaufen. Auf der Bühne gibt es ein Cafe. 2008 wurde es vom Guardian zur zweitschönsten Buchhandlung der Welt ernannt. Der erste Platz ging an die Buchhandlung Dominicanenkerk in Maastricht. Seit 2000 ist es ein Kulturdenkmal der Stadt Buenos Aires. Natürlich findet Bela hier Stifte, die er für sein neues Malhobby braucht. Im Anschluß besuchen wir Azuls Uni, das ist auch ein schönes, altes Gebäude, aber leider extrem renovierungsbedürftig. Ich erlebe, wir es hier im Copyshop möglich ist, einzelne Kapitel oder auch komplette Bücher als Kopie vorzubestellen. Da die Bücher hier sehr teuer sind, empfehlen die Professoren sie als Kopie zu kaufen, das kostet etwa nur ein Zehntel. Noch günstiger, wenn man nur das Kapitel kauft, was man braucht. Bei uns undenkbar. Zurück in Palermo scheint Mike wieder hergestellt zu sein. Es gibt Marias Empanadas zum vorgezogenen Dinner um 19 Uhr, weil um 20 Uhr das Taxi kommt, um uns nach Ezeiza zu bringen.

Es wird ein tränenreicher Abschied, weil wir nicht wissen, wann wir Azul und schon gar nicht ihre Familie wiedersehen werden. Außerdem ist das Argentinien Kapitel jetzt vorbei und wir wissen nicht, was uns erwartet.

Am Flughafen klappt alles reibungslos, keine Probleme mit irgendwelchem Gepäck oder Tickets oder sonstigen nicht vorhersehbaren Schwierigkeiten. Der Zollbeamte ist zwar nicht begeistert von dem Schreiben der Botschaft, schimpft und knallte den Stempel in eine Lücke. Klappt! Wir starten pünktlich. Es ist dunkel, dann ist Buenos Aires von oben immer ein besonderes Spektakel.

Umsteigen in Bolivien klappt auch. Ist halt langweilig, so von 1 Uhr in der Nacht bis es um 7 Uhr weitergeht. Bela stört das nicht:

Und wir bekommen Kaffee geschenkt:

Es geht weiter über Lima, da haben wir nur 1 Stunde Aufenthalt, nach Quito, der höchstgelegenen Hauptstadt der Welt. Bela juckt auch das nicht besonders:

Quer durch Argentinien

Wir starten in Bariloche (der Abschied von Obama und den Jungs fiel uns schwer) in Richtung San Martin de los Andes, durch das Gebiet der sieben Seen. Da hatten schon so viele Leute von geschwärmt und wir müssen zugeben, es ist dort landschaftlich wirklich sehr schön.

San Martin gefällt uns nicht so gut, das heißt, es ist zwar ganz hübsch, uns aber zu touristisch. Wir checken auf dem einzigen Campingplatz in der Stadt ein, bekommen noch Rabatt mit unserer ADAC Karte und versuchen uns ein schönes Plätzchen zu suchen. Der Platz liegt direkt an der Ruta 40, das wurde auch so beschrieben und ich dachte noch, es kann ja nicht schlimm sein. Dann allerdings machen wir kein Auge zu, weil es wirklich arg laut ist. Die Motorräder fahren noch mitten in der Nacht schnell und laut vorbei, so dass ich denke, sie fahren durchs Zelt. Eine kurze Nacht also. Am nächsten Vormittag bummeln wir durch die Stadt, bleiben ein bisschen am Strand und hätten fast einen Ausflug zum Fliegenfischen für Mike und Bela gebucht, leider voll bis Mitte Februar.

Also fahren wir weiter. Wir wollen nach Junin de los Andes, bevor wir uns dann auf den Weg quer durch Argentinien machen, um nach 1596 Kilometern in Buenos Aires anzukommen. Junin gefällt uns viel besser. Wir entscheiden uns für den Campingplatz auf einer kleinen Insel, finden eine schöne Stelle direkt am Ufer eines kleinen Flüßchens und richten es uns gemütlich ein.

Der Platz am Flussufer ist richtig schön, Mike und Bela gehen gleich erstmal baden.

Danach gehen wir einkaufen. Im Örtchen ist alles geschlossen, es ist Sonntag. Aber der Supermarkt hat offen. Wir kaufen für ein kleines Grillen Gemüse, Salat und an der Fleischtheke einen Hähnchenschenkel und eine Bratwurst. Der Metzger guckt mich ganz komisch an. Ich denke, solch geringe Mengen hat er noch nie verkauft. Auch die anderen Kunden gucken merkwürdig. Wir legen alles zum Kühlen in den Fluß. Inzwischen sind auch unsere Nachbarn eingetroffen. Ein Herr wollte Mike wohl nach Mate fragen (sie hatten ihre vergessen) und seine Frau schüttelt nur den Kopf und sagt : „Aleman“, da holt Mike unsere Mate raus und bringt sie damit zum Staunen. Sie sind aus Peru und sehr nett. Sie machen sehr großes Asado.

Unser Asado dagegen:

Als es fertig ist, bringen sie uns ein Probierstückchen, von dem wir so satt werden, dass wir unser Grillen auf später verschieben müssen. Wir gehen also nochmal spazieren. Hinter dem Campingplatz ist ein größerer, aber flacher Fluß. Dort kann man auch baden.

Wir spazieren am Ufer entlang und treffen einen Herrn, der sich zum Fliegenfischen bereit macht. Mit so einer speziellen Hose mit Gummistiefeln gleich unten dran. Bela guckt interessiert und schon bekommt er einen Fliegenfischenvortrag und einen selbergemachten Haken geschenkt.

Leider ist das Fischen dann nicht von Erfolg gekrönt, weil einfach noch zuviele Menschen am und im Wasser unterwegs sind und Krach machen. Wir warten, bis er schließlich frustriert wieder aus dem Wasser steigt.

Unser BBQ am Abend wird schön, wir sitzen noch lange und versuchen uns mit den Peruanern zu unterhalten. Sie kein englisch, wir nicht ausreichend spanisch. Es wird ein lustiges Geplauder.

Gegen 22 Uhr brechen sie dann auf, sie wohnen in Neuquen und müssen noch 5 Stunden fahren. Morgen ist Montag und sie müssen wieder arbeiten. Krass, da wird gefeiert bis zum Schluß, gefahren bis um 3 Uhr und dann arbeiten gegangen. Die wissen, wie man das Leben zu nehmen hat. Das haben wir in Argentinien aber schon oft erlebt. Auch sehr spätes Abendessen, wo unsereins sich stundenlang mit voller Plautze im Bett wälzt und nicht schlafen kann. Die feiern einfach weiter, gehen um 4 Uhr schlafen, stehen um 6:30 uhr auf, essen einen Cracker mit Dulce de Leche und gehen arbeiten. Na gut, dann haben viele von ihnen von 13 Uhr bis 17 Uhr Siesta und schlafen meistens… Wir brechen am nächsten Morgen nach dem Frühstück dann auch Richtung Neuquen auf mit dem Ziel, soweit wie möglich, gerne auch bis hinter Neuquen.

Wir kommen gut voran. Die Landschaft ist wieder anders. Anderes Nichts mittendrin. Pampa. Aber immer noch Patagonien. Unvorstellbar, wie groß Patagonien ist.

Leider versagt 200 Kilometer vor Neuquen der Servomotor der Lenkung, was das Fahren ziemlich anstrengend macht. Nun kann ich Mike nicht mehr ablösen. Kurz danach quittiert die Klimaanlage ihren Dienst. Das ist genauso blöd. Wir sind nicht mehr in Feuerland, das bedeutet, es ist ziemlich heiß draußen. Also erstmal Pause und raus aus der Hitze. Wir kommen in einen „Ort“, dort gibt es eine Tankstelle, einen Kiosk und ein Restaurant. So ein typischer Ort im Nichts eben. In Deutschland würden wir sagen, die haben alle die gleiche Blutgruppe da. Wir gehen in das Restaurant. Da wir jedoch nicht mehr genug Bargeld haben, fagen wir, ob sie Karten nehmen oder Dollar. Beides nicht. Gut, dann versuchen wir es im Kiosk, wir brauchen ja eigentlich nur ein kaltes Getränk. Unsere Kühlbox kühlt nämich auch nur noch dann, wenn sie es für nötig hält. Dementsprechend haben wir warmes Wasser und geschmolzene Butter im Angebot. Auch im Kiosk ist es nicht möglich mit Karte oder Dollar zu zahlen. Sie schickt uns um die Ecke, da sei noch ein anderer Laden, die würden eventuell wechseln. Wir versuchen es, das Schild sagt „Abierto“, was soviel heißt wie: Offen! Wir gucken uns um. Finden kalte Getränke und sogar Empanadas und Salat auf der Karte. Wir freuen uns solange, bis die Verkäuferin endlich mal vom Handy aufschaut und uns zu erklären versucht, dass wohl doch geschlossen ist. Wir zeigen ihr das Schild, sie zuckt nur mit den Schultern und widmet sich wieder ihrem Handy. Auf dem Weg zurück zum Parkplatz stolpern wir über einen Geldautomaten. Den hat bisher niemand erwähnt. Naja, die nächste Schule ist wahrscheinlich zu weit weg…Wir glauben nicht dran, versuchen aber dennoch Geld zu holen. Immerhin haben wir in der Hauptstadt bisher mehr leere als volle Geldautomaten gefunden. Es klappt tatsächlich, wir bekommen Geld und somit auch kalte Getränke und Empanadas im Restaurant. Wir versuchen erst gar nicht, sie darauf hinzuweisen, dass sich 15 Meter weiter ein Geldautomat befindet. Die haben hier ja wirklich gar nichts. Kaum vorstellbar. Ist aber so! Weiter gehts zunächst 35 Kilometer mit Klimaanlage, dann wieder ohne. Lenken wird schwieriger. Wir schaffen es bis in eine Toyota Werkstatt, zum Glück ist Neuquen recht groß und es ist kein Problem eine Werkstatt zu finden. Da wir in Bariloche zu Nipponcar gehen sollen, machen wir das hier jetzt auch. Sie checken es kurz und telefonieren netterweise mit dem Autovermieter. Die Hoppetosse ist total kaputt, sie werden bis morgen brauchen, um es wieder hinzukriegen. Der Vermieter will es jedoch dort nicht machen lassen, der Kostenvoranschlag ist zugegeben ziemlich teuer. Er nennt uns eine andere Werkstatt und sagt, wir sollen dorthin fahren. Wollen wir aber nicht. Soll er sich kümmern. Soll es von der anderen Werkstatt holen lassen. Verspricht er uns. Wir suchen ein Hotel und werden mit dem Taxi hingefahren. Das Hotel ist super.

Wir checken für eine Nacht ein und fragen aber vorsichtshalber schon mal nach einem late check out. Morgen Nachmittag soll es fertig sein. Wir erfrischen uns im Pool und gehen zum Dinner ins Hotelrestaurant. Es hat ein Casino, da darf Bela aber leider nicht rein. Er freut sich auf Las Vegas! Das Zimmer ist riesig und hat ein sehr schönes Bad mit Wanne und Dusche. Wir haben direkten Poolzugang. Es ist so anders als Camping. Ich versuche am nächsten Tag die Flüge nach Vegas und die Esta Formalitäten für die USA Einreise zu erledigen, weil es hier ganz gutes Internet gibt. Die Werkstatt meldet sich, um 18 Uhr können wir das Auto holen. Also bleiben wir erstmal im Zimmer. Die Hotelmitarbeiter sind super nett und arrangieren es so, dass wir das Zimmer behalten können. Die Flüge finde ich schnell, sie sind ganz gut mit vernünftigen Umsteigezeiten und so habe ich die schon mal sicher. Am 14.2. gehts nach Vegas! Ich freu mich. Mit dem Camper durch USA, Grand Canyon ein zweites Mal für mich, für Mike und Bela das erste Mal. Bela hat es sich gewünscht, ebenso in Vegas das Hotel mit der Achterbahn im Erdgeschoss. Die Esta Formalure für Mike und mich sind rasch erledigt, ich buche für eine Gruppe, das heißt, bezahlt wird zum Schluß für alle. Bei Bela gerät die Sache ins Stocken. Das Formular will seine Passnummer nicht akzeptieren. Es dauert ein bisschen, bis ich herausfinde, dass er mit seinem Reisekinderausweis nur mit Visum reinkommt. Okay, Visum…kein Problem. Wir sind noch vier Tage in Buenos Aires, da gibt es eine Botschaft. Ich rufe also bei der Botschaft in Buenos Aires an und bekomme die Vorgehensweise erklärt. Ich registriere mich auf einer Internetseite, das Netz bricht immer wieder zusammen und es dauert. Schließlich zahle 160 Dollar für die Terminvergabe zum Bewerbungsinterview. Das alles zieht sich und meine Laune ist nicht mehr die beste. Der nächste freie Interviewtermin ist dann am 18.3.2018! Am 18.3. wollten wir bereits in Panama sein. Jetzt will ich gerade selber nicht in meiner Nähe sein! Ich will meine Gesichtsfarbe gar nicht wissen. Ich bin so sauer. Und geschockt. Es geht um ein Kind, mit einem Ausweis, mit dem wir in keinem Land der Welt bisher Probleme hatten, höchstens, dass die Leute gestaunt haben, wieviele Stempel aus wievielen Ländern da schon drin sind. Ich habe denen also 160 Dollar in den Hals geschmissen für nix. Dass dies eine Gültigkeit von 12 Monaten besitzt, nützt mir nichts, weil wir für ein Visum auch nur in dem Land vorsprechen dürfen, in dem wir das Geld bezahlt haben. Außerdem wird Bela nächstes Jahr 12 und bekommt einen „richtigen“ Reisepass! Als nächstes fallen mir die Flüge ein, die gebucht und bezahlt sind. Nun wird mir noch schlechter. Bela tröstet mich immer ganz kurz und verschwindet lieber schnell wieder im sicheren Pool. Mike hat sich ins Fitnessstudio verpisst, guckt wie ein Dackel und stellt keine Fragen. Zum Glück habe ich den Camper noch nicht gebucht. Da es in Deutschland bereits Abend ist und die Opodohotline schon Feierabend hat, rufe ich in England an. Die arbeiten da länger. Ranjid kommt ans Telefon und obwohl ich eigentlich nicht in der Stimmung bin, muss ich schmunzeln und an Kaya Yanar denken. Ich schildere mein Problem, soll ein paar Minuten warten und bekomme endlich mal gute Nachrichten („Be häb good news, Mäm“) Zum Glück bekommen wir das komplette Geld zurück, da ich gerade erst gebucht habe. Es handelt sich hierbei um nicht weniger als 2045 Euro und 35 Cent! Ich bin erleichtert. Der Mann an der Hotline war großartig, hat mir sehr geholfen und ich verspreche ihm, eine gute Bewertung über Opodo zu schreiben, was ich auch promt tat. Ich hatte gegen 17:30 Uhr bereits beschlossen, heute nicht weiter zu fahren. Dieser Tag war für mich der anstrengenste auf der ganzen Reise bisher, warum also jetzt weiter Stress machen und losfahren? Die Autovermietung zahlt ja sowieso das Hotel. Schicke also Bela mit einem Zettel an die Rezeption, Mike ist schon mit dem Taxi los, um das Auto zu holen. Kaum ist Bela zurück, ruft die Rezeption an und fragt, ob wir noch Zimmerservice brauchen, weil wir ja noch bleiben und noch keinen hatten. Wie nett. Wir entscheiden uns nur für frische Handtücher und neues Shampoo. Ich kann jetzt niemanden zum Saubermachen um mich haben. Will meine Ruhe! Und ein paar Runden schwimmen, dafür ist der Pool ja da und es ist immer noch heiß draußen. So stehe ich also gerade bis zu den Knöcheln im Pool, als Mike aufgeregt zur Tür raus ruft. Es ist kein Auto da! Die Dame von der Wunschwerkstatt des Vermieters war so nett und hat Mike zurückgebracht. Helle Aufregung mal wieder. Leider ist es jetzt bereits 18:30 Uhr und weder der Autovermieter, noch die Werkstatt von gestern sind zu erreichen. Um kurz vor sieben kam dann ein Whatsapp vom Vermieter, wir können das Auto erst morgen früh abholen. Irgendwas hat mit der Rechnung nicht gestimmt. Er hat das Auto doch in der anderen Werkstatt gelassen. Ich bin kurz vorm Platzen…und gehe schwimmen. Danach fahren wir mit dem Taxi in ein Brauhaus und trinken Bier. Und je mehr Bier, umso mehr kann uns USA mal!! Und das Auto kriegen wir auch nach Buenos Aires, am besten auf dem direkten Weg.

Das ist jedoch ein zu sportliches Ziel. Wir fahren mit der Lenkung 2.0 und einer frischen Klimaanlage erstmals die Wahnsinnsstrecke von 730 KM. Das ist unwahrscheinlich viel auf südamerikanischen Straßen. Zumal auch heute wieder nach etwa 250 KM die Klimaanlage aufgehört hat, für uns tätig zu sein. Wir suchen uns einen günstigen Platz für die Nacht, spielen Uno, essen und gehen schlafen. Mike hat neben seinem Zelt einen Hund, der ihn wohl mag. Aber auch Flöhe hat. Deshalb macht er die ganze Nacht schlabbernde Geräusche. Mike schläft nicht. Bela und ich dagegen schon. Und das, obwohl wir heute erst feststellen, dasss das Mückennetz im Zelt kaputt ist und wir es geschlossen lassen müssen. Es ist sehr warm. Der nächste Tag vergeht auch mit Fahren. Wir rutschen durch bis etwa 100 Kilometer vor Buenos Aires, wollen es jetzt doch noch ein bisschen langsamer angehen lassen zum Schluß, und halten an einer hübschen Lagune. Hübsch sicher, wäre Wasser drin. So stinkt es. Und es zuckt, mindestens 3,5 Mio Zuckmückenlarven sind hier zu Hause.

Wir mieten ein Cabana, das ist total praktisch, weil wir gleich das Auto entsprechend umpacken und saubermachen können.

Leider müssen wir abends mit Raid sprühen, weil die Mückenlarven ausgeschlüpft und in unsere Hütte eingezogen sind. Natürlich grillen wir, ein letztes Mal.

Auch hier werden wir wieder von unseren Nachbarn zum Probieren eingeladen. Nachdem wir so begeistert von dem peruanischen Asado waren, haben wir es hier mit fettigen Schweinerippchen und gegrillter Blutwurst zu tun. Ich versuche wenigstens noch den Schein zu wahren, was mir schwerfällt, und tu so, als ob. Es ist noch weit entfernt von gewöhnungsbedürftig. Bela spuckt es gnadenlos zurück auf den Teller. Mike ist fein raus und grinst schadenfroh. Zum Glück gibt hinterher einen Schnaps! Auch für Vegetarier.

In Buenos Aires klappt alles überraschend gut. Eigentlich wollten wir den Vermieter zur Strecke bringen, aber als er dann um die Ecke kommt, uns mit Küsschen begrüßt und so ehrlich nett und sympatisch ist, heben wir uns das für einen richtigen Schurken auf. Wir einigen uns richtig gut, d.h. wir bekommen einen ordentlichen Batzen Geld zurück und er entschuldigt sich unzählige Male. Für manches kann er ja auch nichts, er hätte das Auot einfach regelmäßig warten lassen müssen, dann wäre ihm und uns einiges an Ärger erspart geblieben. Dabei hatten wir ja richtig Glück, dass wir nicht irgendwo in der südargentinischen Steppe liegen geblieben sind oder durch Ausfall von Funktionen wie den Bremsen oder der Lenkung nicht noch etwas schlimmeres passiert ist. Letztenendes war es ein super tolles Abenteuer mit unserer Hoppetosse und wir hatten einmalige Erlebnisse. Der Vermieter hat es zum Abschluß verstanden, uns mit einem guten Gefühl weiter zu schicken. So sitzen wir im Taxi und fahren geradewegs in den Smog von Buenos Aires. Mit ein bisschen Wehmut….mal wieder. Es ist ein weiterer Abschnitt zu Ende.

In unserer Lieblingsstadt Südamerikas verbringen wir noch drei aufregende Tage!

Belas Geburtstag in Bariloche

Der Geburtstagsmorgen verläuft für Bela sehr spannend. Bereits am Abend vorher hat mir Paolo eine Torte im Kühlschrank gezeigt. Ich habe mich sehr gefreut, dass unsere Bestellung mit Zahl und Name drauf schon am Vorabend geliefert wurde. Allerdings fehlte auf dieser sowohl der Name, als auch die Zahl und es war keine Schokoladentorte, wie ich es bestellt hatte. Wollte gerade schon sauer werden, als ich schließlich gerafft habe, dass die Geburtstagstorte von Paulo für Bela ist. Wie nett. Jetzt haben wir zwei!

Als wir kurz nach Mitternacht ins Bett gegangen sind, hat er schon seit erstes kleines Geschenk bekommen. Da er auf dieser Reise zu malen begonnen hat, bekommt eine Packung Faber Castell Neon Stifte. In Calafate hat er sich schon ein schönes Skizzenbuch gekauft und malt seitdem Vorlagen für ein Tattoo für Mikes untätowierte Wade. Und, was er so sieht.

Wir stehen auf und schmücken unseren Frühstücksplatz. Paolo ist aufgeregter als wir, es macht Spaß. Wir haben Luftschlangen und Luftballons gefunden und eine 11 Kerze. Das Mädel aus der Bäckerei klopft um 8:30 Uhr an unsere Zimmertür.

Der Jubilar betritt den Saal und bekommt die Augen zugehalten. Er freut sich sehr über seinen Geburtstagstisch. Es gibt ein kleines Feuerwerk auf dem Kuchen.

Da wir ein bisschen Zeit zum Shoppen ohne ihn hatten, bekommt er von Onkel und Tante aus Weimar ein tolles Taschenmesser, vom Patenonkel ein Fernglas und aus Bad Wildungen Lego, was er sich sooo dringend gewünscht hat. Alles weltreisekonform.

Natürlich bekommt er nach dem Kerzenauspusten ein Ständchen auf spanisch von den anderen Gästen. Alle gratulieren, die meisten mit Küsschen. Dafür stellen wir die Torten auf den Kaffeetisch, alleine schaffen wir das nicht! Tommy kommt zu uns an den Tisch, er ist 6 und Belas neuer Freund.

Er futtert in affenartiger Geschwindigkeit ein ziemlich großes Stück Torte und bekommt von seiner Mutter dazu Cafe con leche (Milchkaffee), den trinken die Kinder in Argentinien, weil er stark macht. Leichte Zweifel kommen in mir hoch…Nach dem Kuchen isst er noch 10 Schokoladentaler, die ich als Deko besorgt habe und Bela nicht schmecken. Er steckt sie sich alle auf einmal in den Mund. Von der Mutter bekommt er noch ein großes Glas Cola, er soll noch etwas trinken nach dem Frühstück. Ich staune nicht mal mehr. Wir haben das Hosteria Frühstück um Käse und Wurst ergänzt, weil wir mit diesem Süßkram nicht klar kommen. Auch hier gibt es Cracker, geröstetes Weißbrot und Marmelade. So hat der 6 Jährige um 9 Uhr bereits seine (für meine Begriffe) Wochenration Zucker intus plus eine große Tasse Kaffee. Ich sag noch so: „das kommt nachher alles wieder raus“.

Nicht unser Problem. Wir fahren Richtung Berg. Es geht 4 Kilometer Schotter- und Feldweg bergauf. Der Blick über Bariloche und den See ist toll. Oben angekommen finden wir Halligalli der feinsten Sorte. Ein erstklassig ausgestatteter Hochseilgarten mit schweizer Knowhow. Der Hochseilgartenmeister hat 4 Jahre in der Schweiz gelebt und den Krempel mitgebracht.

Es gibt eine Reifenrutsche den ganzen Berg runter und eine Zipride Anlage, mehrere Lifte auf den Berg rauf und für den Winter verschiedene Skipisten. Bela und Mike checken ein, ich nicht. Mein Hochseilgartenhunger ist gestillt, seitdem ich mich in Österreich auf der ersten Plattform -kaum war ich oben- 45 Minuten am Baumstamm wie ein Äffchen festgeklammert habe und nur durch gutes Zureden und Begleitung eines zweiten Trainers in der Lage war, den Parcours zu machen. Ich bummel also ein bisschen rum, mache Bilder, trinke schlechten Kaffee und beobachte die beiden Kletterer. Die Parcoure sind toll. Es macht Spaß zuzuschauen.

Danach möchte Bela eine Runde Zipride machen, da die Reifenrutsche gesperrt ist. Also fahren wir alle mit dem Lift nach oben.

Dort ist der Ausblick noch besser. Mir rutscht allerdings das Herz in die Hose, als es für Bela losgeht. Erst 500 Meter bergab und dann umsteigen und nochmal 1000 Meter.

Als wir mit dem Lift wieder unten ankommen, wartet er bereits strahlend auf uns.

Wir besuchen ein Havanna zum Geburtstagskaffee. Da wir dort Internet haben, kommen zahlreiche Geburtstagsanrufe für Bela.

Neben dem Havanna gibt es eine Sommerrodelbahn, die wird auch gleich noch mitgenommen. Zurück in der Hosteria für eine kurze Siesta, spielt Bela mit Tommy und seinem Bruder Fussball. Dann passiert, was ich schon morgens für nicht ganz unwahrscheinlich gehalten habe: Tommy kotzt auf den Rasen. Einer der Hunde freut sich drüber 😉

Am Abend gehen wir wieder ins Alto de Fuego, wo wir reserviert haben. Ich schmücke den Tisch, wir essen das beste Beef ever und Bela erlaubt uns sogar eine Flasche vorzüglichen patagonischen Malbec. Er bekommt ein Desert mit Kerze, das Licht wird ausgemacht und ein Geburtstagslied gesungen.

Es war ein toller Tag! Bela hat es Spaß gemacht, das war die Idee dabei.

Perito Moreno: ein großes Spektakel

Die Fahrt von Torres del Paine nach El Calafate vergeht dank der netten Gesellschaft der beiden Franzosen recht schnell.

Wir finden mit unserer neuen App eine günstige Bleibe und buchen uns für drei Nächte dort ein. Wir müssen mal wieder Wäsche waschen und möchten kochen. Gleich am ersten Abend gibt es Klöße mit Soße, die hatte ich an Weihnachten aus Deutschland mitgebracht. Die Herberge ist recht schratig, aber die Leute dort sind sehr nett und weit bis zur Innenstadt ist es auch nicht. Wir bekommen ohne Aufpreis zwei Zimmer, weil diese so klein sind. Am Ende haben wir die ganze Etage für uns, weil kein anderer dazukommt und müssen auch das Bad nicht teilen. In der Küche brennt permanent ein alter Ofen, so dass es immer heißes Kaffeewasser gibt. Kochen ist ein Abenteuer, die Leute dort haben andere Prioritäten, als sich um die Sauberkeit der Küche zu kümmern.

Wenigstens gibt es eine, das spart uns viel Geld. Einen Restaurantbesuch leisten wir uns dennoch, wir sind ja immernoch auf der Suche nach dem perfekten Steak. Das finden wir ansatzweise hier in El Calafate. Besser als bisher, aber noch nicht ganz perfekt.

Wir bummeln durch das schöne Städtchen, waschen Wäsche und planen unseren Ausflug zum Gletscher. Deshalb sind wir ja schließlich hier. Es ist hier so, wie im Rest Argentiniens (außer in Buenos Aires, denn da bleibt die ganze Kohle). Es wurden Prachtboulevards zu bauen angefangen, nach ehemaligen Präsidenten benannt, dann ging die Kohle aus, und so stehen sie bis heute und warten mittlerweile nicht mal mehr darauf, zu Ende gebaut zu werden. Vieles ist überwuchert, verrostet oder abgegammelt. Aber immer weht die argentinische Flagge darüber. In einer Eisdiele wollte die Verkäuferin auf keinen Fall einen 50 Peso Schein annehmen, dem eine kleine Ecke gefehlt hat. Sie bekäme dann Ärger mit der Bank. Ich habe mich nur kurz geärgert, denn ich habe noch nicht in einem Land gelebt, das bereits pleite war und wieder kurz davor steht, deshalb kann ich mich da nicht reindenken. Die Menschen, die wir treffen, sind alle super nett, trauen aber keinem über den Weg. Beim Bezahlen mit der Kreditkarte muss man den Ausweis vorzeigen, die Ausweisnummer wird in die Kasse eingetragen. Du brauchst die PIN und musst unterschreiben und deine Ausweisnummer nochmals auf den Bon eintragen. Das wird alles noch dreimal kontrolliert und wenn du deine Kopie vom Kassenbon nicht mitnimmst, rennen sie dir hinterher. Dann gucken sie komisch, wenn man sagt, man braucht es nicht. Es ist wirklich schade um die Menschen und um dieses wundervolle Land. Es könnte denen so gut gehen, wie den Norwegern. Die haben hier Bodenschätze ohne Ende, doch die Kohle fließt wie in allen südamerikanischen Staaten in die falschen Taschen.

Die Fahrt zum Nationalpark dauert etwa eine Stunde und nicht wie in der Touristeninformation angekündigt zwei Stunden. Aber die Autofahrkünste der Argentinier werde ich an anderer Stelle nochmal erwähnen.

Wir müssen wieder Eintritt bezahlen, um in den Nationalpark zu gelangen. Dort werden wir darauf hingewiesen, vorsichtig zu fahren, weil es von jetzt an bis zum Gletscherparkplatz auf 30 KM Länge über 200 Kurven gibt. Vielleicht passt jetzt doch das Thema Autofahren in Argentinien: Die Argentinier sind schlechte und unsichere Autofahrer. Das fängt schon beim Erwerb des Führerscheins an. Er kostet umgerechnet etwa soviel wie eine Übernachtung in einem 3 Sterne Hotel, inklusive Frühstück. Geprüft wird auf einer Art Verkehrsübungsplatz ohne andere Autos. Die Prüfung schafft, wer beim Pilonenhindernisparcours keine umfährt. Autobahn ist kein Thema in der Fahrschule, zu gefährlich. Auch das erste Jahr mit Führerschein darf man auf der Autobahn nicht fahren. In Buenos Aires ist es beispielsweise sowieso ohne Auto praktischer, also sammelt man auch keine Fahrpraxis. Fahren die dann über Land, sind sie auf den Geraden schnell und kommen mit Kurven nicht gut klar. Hier gilt eine Kurve ab 15 Grad als gefährliche Kurve, die entsprechend 2 KM vorher auch als solche angekündigt wird. Zu Hause schafft man die locker noch mit 150 KM/h und hier sollst du auf teilweise auf 40 KM/h runterbremsen. Wir haben uns teilweise angeguckt und uns gefragt, wo die gefährliche (oder überhaupt eine) Kurve jetzt gewesen sein soll. Vorfahrt ist auch so ein Thema, was wir bis zuletzt nicht durchschaut haben. Wer, wann, wie, warum Vorfahrt hat, bleibt ein Geheimnis. Auch für die Argentinier. Mal haben die im Kreisel Vorfahrt, mal die, die reinfahren. Mal gibt es rechts vor links, mal bügeln die ohne zu gucken einfach drüber. Einparken fällt auch den meisten nicht so leicht. Oft brauchen sie zwei Parkplätze, übrigens meist die Herren. Bei einer Laufveranstaltung wird auch gerne mal vor der abgesperrten Kreuzung wild gehupt und gestikuliert, sowie auch einfach mal am Polizisten vorbei doch noch über die Kreuzung gefahren, weil man nicht warten wollte und dadurch dann die Läufer gefährdet hat. Und was man hier noch so als Auto bezeichnet, spottet ebenfalls jeder Beschreibung. Da wundert man sich, was hier der TÜV so durchwinkt. Bodenwellen gibt es, damit man ja langsam fährt auf der Hauptstrasse. Wir hatten mit dem Hilux da auch Probleme. Bei uns zu Hause mussten mal welche vor der Schule wieder abgebaut werden, weil sich ein Schulbus die Achse kaputt gemacht hatte. Hier legen die nochmal eine Schippe drauf. Es sind fast Rampen oder Sprungschanzen. Tja und dann noch die Schlaglöcher…da muss man zusätzlich noch aufpassen, dass da keine Kinder drin spielen. Auch teilweise mit dem Hilux problemtisch. Auf kaputte Reifen hatten wir keine Lust. Aber wie das Mister Murphy immer so liebt, hast du bei Gegenverkehr die größten Schaglöcher.

Nun aber zurück zum Gletscher. Die 200 Kurven waren übrigens kein Thema und die Geschwindigkeitsbeschränkung von 40 KM/h völlig übertrieben 😉

Wir waren zum kleinen Hafen, um uns Tickets für die 1 stündige Bootstour zu besorgen. Ziemlich teuer für unser Budget. Wenn wir vorher gewusst hätten, wie viel näher wir zu Fuß noch an den Gletscher kostenlos herankommen, hätten wir das nicht gemacht. Aber schön war es trotzdem. Sehr beeindruckend. Der Gletscher, den wir in Neuseeland gesehen haben ist wirklich mickrig dagegen. Seht selbst:

Hier bläst ein eisiger Wind, innerhalb kurzer Zeit sind uns die Hände an den Fotoapparaten eingefroren.

Es ist ein beeindruckender Anblick. Wir sehen sogar Stücke abbrechen, das kündigt sich vorher mit lauten krachenden Geräuschen an und ist spektakulär. Als wir nah am Gletscher sind, macht der Kapitän den Motor aus. Die Stille ist herrlich.

Nach einer Stunde ist der Trip vorbei, wir sind geflasht, wir wissen ja noch nicht, was noch kommt, und fahren weiter zum Parkplatz. Es gibt auf der gegenüberliegenden Seite des Gletschers ein gut ausgebautes Stegsystem mit mehreren Rundkursen in verschiedenen Schwierigkeitsgeraden. U.a. auch einen barrierfreien Weg für Kinderwagen und Rollstühle. Am Ende des Weges warten kostenlose Shuttlebusse, die zurück zum Parkplatz fahren (oder auch anders herum). Wir ziehen los. Je näher wir kommen, umso mehr müssen wir ausziehen. Hier knallt die Sonne und es ist schön warm.

Wir kommen viel näher dran, als mit dem Schiff und können hier solange bleiben wie wir möchten, weil wir selber gefahren sind und auf keine Busabfahrt angewiesen sind. Das ist super. Wir bleiben 3 Stunden an verschiedenen Stellen und können uns gar nicht satt sehen. Der Anblick hat wieder etwas hypnotisierendes. Ähnlich wie die Quelle in Neuseeland. Da hätten wir auch stundenlang reinschauen können.

Wir sehen viele Stücke abbrechen und hören noch öfter dieses knarzende Geräusch. Wir sind fasziniert. Ziemlich lange stehen wir auf einer Art Balkon und versuchen zu filmen, wenn etwas abbricht. Der eigentliche Plan war, zum Gletscher, gucken und weiter Richtung Chile Chico fahren, bis wir nicht mehr können. Zum Glück haben wir uns schon vorher umentschieden und unsere Unterkunft verlängert. Wir wussten ja vorher nicht, wie beeindruckend es hier für uns ist und wie lange wir hier bleiben. Dieser Ort ist definitiv in der Top 3 unserer Highlightliste dieser Reise, wahrscheinlich sogar Platz 1. Wir wissen noch nicht, was noch kommt, aber es wird schwer bis unmöglich für alle anderen Orte dagegen zu halten.

So fahren wir am Abend wieder zurück, brauchen wieder nur 1 Stunde und nicht 2 wie angekündigt. Wir bummeln noch ein bisschen durch El Calafate und kochen in der Hospedaje. Am Morgen geht es entspannt weiter. Wir haben uns in der iOverlander App eine Estancia auf halber Strecke ausgesucht, in der es sehr schön sein soll und Camping für wenig Geld angeboten wird. Kurz nachdem wir El Calafate verlassen haben und anfangen durchs Nichts zu fahren, stehen zwei Tramper im Wind. Wir überlegen nicht lange und halten an. Es sind Carlos und Ana aus Kolumbien. Carlos verkauft 5 Finger Schuhe, wie Mike sie trägt und freut sich sehr. Also nicht nur über die Schuhe, sondern auch darüber, dass wir angehalten haben. Sie trampen durch Südamerika innerhalb von 4 Wochen wollen sie von Kolumbien einmal durch. Sportliches Ziel. Haben wir doch gerade die Strecke von Ushuaia bis hier geschafft und sind dabei aber noch ganz runter geflogen. Sie haben noch 1,5 Wochen Zeit und schon den Rückflug nach Bogota von Lima aus gebucht. Sie sind total lustig und wir haben Spaß mit ihnen.

Die Ruta 40 ist ansich gut zu fahren, der Belag ist okay und die Schlaglöcher halten sich in Grenzen. Bis wir auf einmal auf eine Baustelle stoßen und ab da 70 KM über Schotter fahren müssen. Schlechten Schotter teilweise. Wir haben mit dem Hilux nicht so viele Probleme, aber für normale Autos oder gar Motorräder ist es eine Katastrophe.

Leider müssen wir uns an dem Abzweig zur Estancia von den beiden lustigen Kolumbianern verabschieden und lassen sie mit Zelt und Rucksack am windigen Straßenrand zurück. Wir haben jetzt 35 weitere Schotterpistenkilometer bis zur Estancia vor uns. Der Zustand ist gut und der weite Weg nur zum Übernachten lohnt sich. Wir werden von Kühen und Schafen begrüßt.

Vor der Haustür grasen Pferde und abends kommen ein paar Flamingos zum Fotoshooting vorbei.

Die Gastgeber sind sehr nett und stellen uns veschiedene Übernachtungsmöglichkeiten vor. Wir entscheiden uns für unser Zelt und suchen ein windgeschützes nettes Plätzchen. Für ein bisschen Luxus buchen wir jedoch für nicht allzuviel Geld ein Abendessen und Frühstück dazu und werden nicht enttäuscht.

Wir sitzen mit einem Paar aus der Schweiz zusammen, das ist schon alleine der Sprache wegen sehr lustig. Wir enden bei Wein und spielen Uno zusammen. Damit hat der Schweizer ob der Geschwindigkeit ein paar Probleme und wird schmunzelnd von seiner Frau unterstützt. Die Estancia gefällt uns sehr gut, wir hören noch Geschichten von früher und verschwinden auf dem Auto. Nachts hören wir Schafe und Pferde um uns herum schnüffeln.

Das Frühstück ist endlich mal wieder richtig gut, es gibt nicht nur Cracker mit Dulce de Leche oder Marmelade. Und mit den Schweizern ist es auch wieder sehr lustig. Wir sind früh dran und schaffen heute den ganzen Weg bis Chile Chico.

Mit uns … die Trumpwolke…

Dort checken wir im wahrscheinlich coolsten Hostel in ganz Südamerika ein.

Die Hosts heißen Katy und Juan und versorgen Bela gleich erstmal mit Schokolade und Saft. Dann darf er mit Juan und dem Hund Otomo eine Runde radeln.

Es gibt hier einen Gemeinschaftsraum mit Kamin, der aus einem Flügel einer DC10 gebaut wurde.

Bela und ich gehen einkaufen, die Küche sieht einigermaßen komplett aus. Wir suchen uns im Supermarkt Hähnchenschenkel und ein bisschen Frühstückskram zusammen. Als wir am Gemüse angekommen sind, geht das Licht aus. Wir suchen weiter, was wir brauchen. Karotten und Salat, ein paar Bananen und Äpfel, eine Zwiebel und Knoblauch, alles für ein leckeres Abendessen. Als wir an der Kasse ankommen, werde ich auf spanisch über die Situation aufgeklärt. „No Luz“ – kein Licht, das haben wir bereits bemerkt. Was das aber für Konsequenzen hat, merken wir jetzt. Alles Obst und Gemüse wird einkassiert, weil die Waage nicht funktioniert, wegen „No Luz“. Übrig bleibt das tote Huhn, Bier, Brötchen und Zahnpasta. Ich frage, ob ich mit Kredtikarte bezahlen kann. Sie sagt nein und zieht die ganzen Sachen wieder zurück durch den Scanner. Ich kann ja cash zahlen, das heißt hier efectivo, damit hat sie nicht gerechnet und guckt blöd. Nach 25 Minuten Palaver an der Kasse, kann ich bezahlen und wir gehen. Sicherheitshalber schließen sie jetzt den Supermarkt, es ist ja schließlich :“No Luz“. Wir versuchen es bei einem anderen, denn Huhn und Bier ist weder für einen Vegetarier, noch für einen Bela eine geeignete Mahlzeit. Der andere Supermarkt wird gerade geschlossen. Keine Überraschung: „No Luz“… In der Hostelküche finden wir noch eine Packung Linsen und weil keiner außer uns momentan im Hostel wohnt, nehmen wir sie einfach. Von Katy bekommen wir eine Zwiebel und fertig ist ein improvisiertes Abendessen. Wir gammeln noch ein bisschen mit Kartenspielen und gucken im Bett noch einen Film. Während Mike schon schläft, fallen Bela und ich bei „Fack ju Göhte 2“ vor lachen fast aus dem Bett. Der nächste Tag ist für Blogschreiben und abhängen da. Mike und Bela radeln durchs Örtchen und finden ein Motocross Rennen, bei dem auch Kinder mitmachen. Es ist laut und staubig, aber spannend. Ich schreibe und versuche mit Hilfe von Juan die weitere Route zu planen. Er weiß, dass es auf der Carretera Austral Richtung Norden Sperrungen wegen einer Überschwemmung gibt und wir eine Fähre nehmen müssen. Diese sollten wir aber vier bis fünf Tage im Voraus bestellen. Das finde ich blöd. Keiner von uns mag sich soweit im Voraus festlegen. Schauen wir morgen früh weiter. Ich komme mit dem Blog gut voran und bekomme auch endlich die Bilder rein. So bin ich einen Monat nach unserer Abreise aus Neuseeland endlich fertig mit dem Neuseelandartikel. Das muss gefeiert werden. Also gehen wir bummeln und anschließend auf einen Tipp aus der iOverlander App in ein gut bewertetes Restaurant.

Es ist total schratig und kitschig eingerichtet, die Wirtin hat wahrscheinlich Verstopfung, aber weil wir alle so hungrig sind, geben wir ihr eine Chance. Die vermasselt sie gründlich. Das Essen ist so lala und als ich ihr das Trinkgeld kürze, schickt sie mir mit ihren Blicken die Maul- und Klauenseuche an den Hals. In Chile werden automatisch 10 Prozent Trinkgeld in die Rechnung integriert, welches als propina opcional ausgezeichnet wird. Das haben wir am Anfang gar nicht geschnallt, ich dachte, es sei eine Steuer. Das ist ziemlich clever, finde ich, denn viele werden das – so wie wir – gar nicht merken und es bezahlen, selbst wenn sie nicht zufrieden waren. Am nächten Morgen frühstücken wir mit einer französischen Familie, die in der Zwischenzeit eingezogen ist. Sie sind für ein Jahr mit zwei entzückenden kleinen Töchtern unterwegs, die Mike ständig selbst gepflückte Pflaumen vom Baum bringen. Mike ist allergisch gegen Steinobst, isst aber dennoch tapfer ein bisschen Pflaume, dem Charme von zwei reizenden 3 und 5 Jahre alten französischen Madames kann er sich nicht entziehen. Es endet wie immer, mit einer dicken Zunge und Schluckbeschwerden…Otomo ist auch dabei:

Juan und ich diskutieren unsere Route aus. Katy ruft bei der Fährgesellschaft an und findet heraus, dass der nächste freie Platz auf der Fähre für uns zu spät ist. Juan bestätigt meine Ahnung, dass es besser sein wird, auf der argentinischen Seite die Ruta 40 weiter in den Norden zu fahren. Er liebt diese Strecke, sagt er, und fährt sehr gerne beispielsweise nach Esquel, weil dort seine Lieblingseisdiele ist. Esquel ist 630 Kilometer weit weg…soviel dazu. Im allgemeinen äußern sich Chilenen immer nett und wohlwollend über Argentinien und die Argentinier, was wir umgekehrt nicht immer so erlebt haben. Es wurde schon viel gewettert auf der anderen Seite über Chile, die Straßen und die Menschen. Im Süden mehr als im Norden. Es ist wohl ein uralter Konflikt zwischen beiden Ländern. So habe ich gelesen, dass Überflüge über den Beagle Kanal von Ushuaia aus nach Chile, zum Beispiel nach Puerto Williams, nicht gestattet sind. Auch nicht im Notfall. Dabei sind es 10 Flugminuten mit dem Heli. Dafür müssen die Leute aus Puerto Williams dann 36 Stunden mit der Fähre nach Punta Arenas fahren, um dort ins Krankenhaus zu gehen. Verrückt! Mehr fällt mir dazu nicht ein. Wie dem auch auch sei und wie bescheuert wir das finden, ändern können wir das an dieser Stelle nicht. Also fahren wir los. Zurück nach Argentinien. Belas Pass wird immer voller, unsere Pässe auch, aber wir haben noch mehr freie Seiten. Ich versuche die Stempel zu deligieren, was nicht immer klappt. Grenzbeamte sind auch ein Volk für sich. Ebenso Polizisten: Im ganzen Land finden häufig Polizeikontrollen statt. Es gibt fest installierte Häuschen, davor werden die Autos gestoppt und meist nur gefragt, wo man hinfährt und woher man kommt. Das wird zusammen mit dem Kennzeichen in eine Liste eingetragen. Ich glaube, wir mussten nur ein oder zweimal die Autopapiere vorzeigen und einmal nur den Führerschein. Da wir für die Reise extra internationale haben machen lassen und die bisher noch niemand sehen wollte, zeigten wir also den mal vor. Hat ja schließlich Geld gekostet. Der Polizist schien etwas überfordert mit diesem grauen Lappen und den vielen Stempeln. Das fanden wir so lustig und da wir sowieso nicht verstehen, was die mit der Info machen, wohin wir fahren, haben wir angefangen Quatschantworten zu geben, wie z.B. Galapagos oder Gudensberg. Passiert ist uns nichts und somit haben wir uns ab jetzt auf „Polizisten in Verlegenheit bringen“ spezialisiert. Wir geben ab jetzt vor, die spanischen Fragen nicht zu verstehen. Da 85 % der argentinischen Polizisten kein englisch koennen, reagieren sie oft sehr hilflos. Die meisten winken uns dann einfach so durch.

Wir fahren Richtung Esquel. Bei jedem Fahrradfahrer, der uns entgegen kommt, müssen wir an den Spruch des Schweizers denken:“d_a_s…s_i_n_d…d_o_c_h…a_l_l_e_s…M_a_s_o_c_h_i_s_t_e_n…“ und müssen schmunzeln. Mike war den ganzen Vormittag schon ein bisschen übel und nun erwischt es mich. Montezumas Rache…das volle Programm. Auf freier Strecke im Nirgenwo mit leider – vielen Dank Mister Murphy, du Ratte – mit viel Verkehr. Ich spare mir an dieser Stelle die Einzelheiten. Es geht mir echt schlecht. Mike macht sich lustig, hupt und ich hüpfe vor Schreck. Das war der Fluch der schrägen Alten aus dem Restaurant von gestern Abend oder einfach nur das Essen. Wir halten nach 150 Kilometern Nichts begleitet von Muse und Placebo, diesmal keine Schlager. In Rio Mayo gehen wir in ein Cafe, trinken Cola und Tee und checken emails. Wieder so ein Ort, wo man nicht länger als nötig bleiben möchte. Wir schaffen es bis Gobernador Costa. Es ist 20 Uhr, Mike könnte noch weiterfahren, sagt er, aber wir haben keine Lust mehr. Es ist noch immer taghell und wir wollen uns ein bisschen bewegen. Wir finden den günstigsten Übernachtungsplatz auf dieser Reise. 100 Peso (5 Euro) für drei Personen und ein Auto. Und das mit Toiletten, warmen Duschen und Strom am Platz, so dass wir unsere Handys laden können.

Heute schläft Mike zum ersten Mal im Extrazelt, damit wir mehr Platz haben. Das Dachzelt ist für drei Personen, wovon einer sich stetig mal im und mal gegen den Uhrzeigersinn dreht, ein bisschen eng. Wir gehen in das einzige offene Restaurant, wo wir nicht, genau wie schon in der Tankstelle vorhin, mit Kreditkarte bezahlen können. Unser Bargeldvorrat ist erheblich geschrumpft und so müssen wir beim Aussuchen rechnen. Es gibt Salat und Suppe, ein Bier geht auch immer noch und ein Eis für Bela klappt auch noch. Die Nacht ist super. Es ist nicht windig, wir haben Platz und Mike schläft auch gut. Allerdings gibt es nach diversen Tshirts, Socken und Unterhosen weitere Verluste zu beklagen. Wer so eine Reise plant, sollte wissen, dass man die meisten Klamotten danach (oder schon zwischendurch) wegwerfen muss. Entweder sind sie kaputt oder schmutzig. So schmutzig, dass man sie auch nicht mehr sauber bekommt.

Zum Frühstück gibt es Kaffee, Tee und Müsli. Es ist warm, die Sonne scheint und alle sind ausgeschlafen. So macht Camping Spaß. Wir fahren weiter nach Esquel, das dauert nicht so lange. Wir suchen einen Campigplatz, der laut der iOverlander App gut bewertet wurde. Es ist oben auf einem Berg mit schönem Blick über die Stadt.

Leider ist es aber auch teuer. Wir überlegen und gucken erstmal. Finden einen tollen und gemütlichen Platz unter einem großen Baum und checken ein. „Are you happy?“, fragt die Madame auch noch…Hätte ich mal einen Blick ins Bad geworfen…Wir stellen Mikes Zelt auf, um den Platz zu markieren und fahren in die Stadt. Wir brauchen noch Sachen zum Grillen und vor allem wollen wir die Eisdiele suchen, von der Juan so geschwärmt hat. Obwohl es eigentlich egal ist, in welche Eisdiele man in Argentinien geht. Das Eis hier ist einfach das beste Eis auf der ganzen Welt und das rechtfertigt auch übermäßigen Genuß. Da man das hier in Gramm, bzw Kilogramm Einheiten kauft, geht das ganz schnell. Blöd nur: Iste mal 6 Wochen täglich ein Kilo und zack, biste fett! Wir grillen am Abend und werden interessiert von den Argentiniern beobachtet. Sie kennen kein Gemüse auf dem Grill, nur Massen an riesigen Fleischbrocken.

Wir trinken ausnahmsweise mal Bier und haben Spaß.

Allerdings pustet der Wind dermaßen, dass alles und ich meine wirklich alles, auch der Salat, richtig staubig wird. Die Nacht ist dann überraschend windstill. Am nächsten Morgen ist es nebelig, so, dass man die Hand vor den Augen nicht sieht, im Bad!! Argentinier duschen oft, lang und heiß. Egal, wie es im Bad aussieht. Ich reiße erstmal das Fenster auf. Da das nicht reicht, lasse ich die Tür offen und werde sofort angebrüllt. Gelüftet wird in Argentinien offensichtlich auch nicht. Ich beschränke mich auf Katzenwäsche, es ist so dreckig überall, ich habe schon mit dem Toilettengang Schwierigkeiten. Ich will ja nach dem Duschen nicht schmutziger sein, als vorher. Da es ringsherum auch aussieht wie bei den Hottentotten, verlassen den Platz, nicht ohne eine schlechte Bewertung in der App zu hinterlassen. Weiter geht es nach Lago Puelo. Die Strecke ist sehr schön. Es wird bewaldeter und grüner. Der See ist ganz nett, aber bleiben wollen wir hier nicht, auch wenn es im Gespräch war. Also geht es weiter zu einem Platz, der wieder sehr gut abgeschnitten hat und so werden wir diesmal nicht enttäuscht. Wir landen mitten in der Natur und suchen unserem „Heim“ einen Platz zwischen Bach und Fluß.

Die Männer versuchen es wieder mal mit Angeln. Im Fluß. Das einzige, was sie mitbringen sind kalte Füße.

Zum Glück. Ich habe keine Lust auf Schuppen abkratzen. Die tun immer so weh, wenn man sie unter die Fingernägel bekommt. Wobei ich mich mit Fisch säubern ja wirklich nicht überanstrengen musste 😉 Wir schmeißen die Reste von allem auf den Grill und vor uns liegt die kälteste Nacht überhaupt. Wir nehmen alles zum Zudecken, was wir finden und frieren dennoch. Zum Frühstück haben wir wieder mal Gäste:

Nun ist es nicht mehr weit bis nach Bariloche, unserem nächsten Ziel, um Belas Geburtstag zu feiern. Auf dem Weg dorthin folgen wir einem Wegweiser von der Ruta 40 weg zu einer Cafe/Bar namens el Buho blanco. Mega cool dort. Ein lustiger Vogel hat sich dort seinen Traum erfüllt und in liebevoller und mühsamer Arbeit von Straße über Elektrik und Wasser eine Hütte gebaut, um dort Kaffee und Bier zu verkaufen.

Es ist ein traumhafter Ort, wir plaudern mit ihm und haben Spaß. Da der Strom ausgefallen ist, hat er nur Kaffee und Tee im Angebot. Oft lohnt es sich von der normalen Route ein bisschen abzuweichen. Er weiß nette Geschichten vom Bau dieses Hauses zu berichten und drin sieht es aus, wie in einem kleinen Museum. Er gibt uns noch ein paar Tipps für Bariloche und wir fahren weiter. Da wir lange kein Internet hatten, suchen wir uns ein Restaurant mit Internet zu Mittag, dort gefällt es Bela so gut, dass er sich Abendessen zum Geburtstag hier wünscht. Also reservieren wir gleich für zwei Tage später. Wir finden über das Internet eine schöne Hosteria, buchen und düsen los. Da unser Auto blöd macht und wir endlich mal dem Vermieter unseren Unmut über den Zustand und die Übergabe geschrieben haben, sollen wir in Barloche eine Werkstatt aufsuchen. Das haben wir für den nächsten Tag geplant. Ebenso einen Besuch im deutschen Konsulat, um wegen Belas vollen Pass zu fragen. Und Wäsche müssen wir wegbringen. Wir checken in der Hosteria ein, die beiden Hunde heißen 10,5 und 14 und freuen sich über unseren Besuch. Bela bleibt alleine dort, damit wir etwas für seinen Geburtstag organisieren können. Es klappt alles super. Torte bestellen, Geschenke und Deko besorgen. Am Abend bleiben wir in der Hosteria, trinken eine Flasche Malbec und gucken wieder „Fack ju Göhte“, diesmal schafft es auch Mike und wir haben Spaß. Unser Wirt hat erstaunlich viel Ähnlichkeit mit Barrack Obama, ist sehr nett und versorgt uns mit einer Platte Knabbereien. Ihn habe ich wegen Belas Geburtstag eingeweiht und er scheint aufgeregter zu sein als wir. Am nächsten Tag bringen wir die Wäsche weg und besuchen Frau Schiffmacher im deutschen Konsulat. Sie ist sehr nett und freut sich, wieder mal deutsch sprechen zu können. Da wir mit einem vorläufigen Pass mehr Umstände als Nutzen haben, weil wir nach Buenos Aires in die Botschaft müssten, lassen wir das. Außerdem haben wir unsere Reisepläne geändert. Wir wollen nach USA, weil wir so viel Spaß am Campen gefunden haben und uns eine Reise von Las Vegas nach Florida gut vorstellen können. 4 Wochen können wir uns dafür Zeit nehmen, ohne in Streß zu geraten. Mit einem vorläufigen Kinderausweis kommen wir aber nicht rein, da brauchen wir noch ein Visum. Das ist alles zu umständlich. Dass das noch an anderer Stelle ein Thema wird, konnte ich zu diesem Zeitpunkt noch nicht wissen. Also verfasst sie uns ein sehr offizielles Schreiben auf Spanisch, in dem sie bittet, die Stempel bitte in die Lücken zu setzen, damit der Pass länger hält. Super Idee. Zum Schluß werden wir geknutscht, wie das hier so üblich ist, und verschwinden, nicht ohne unsere Blogadresse dazulassen (liebe Grüße an dieser Stelle, liebe Frau Schiffmacher), weil sie sich sehr für unsere Reise interessiert. My Vale möchte sie sich auch in Homberg bestellen, wenn sie das nächste Mal in Deutschland ist. Danach fahren wir in die Werkstatt. Der Meister weiß sofort, was dem Auto fehlt und bestellt uns für den Nachmittag. Die Teile hat er vorrätig und wird es bis 18 Uhr schaffen. Wir fahren indessen mit dem Taxi in die Stadt und bummeln. Ich lande beim Friseur und werde dort auch mit Küsschen begrüßt. Mike und Bela holen das Auto ab. Es hat neue Bremsen bekommen. Eine war komplett kaputt. Wohl in der Werkstatt in Ushuaia falsch eingebaut…Glück gehabt…Aber nun ist alles wieder in Ordnung und wir haben das Auto für einen Geburtstagsausflug wieder zur Verfügung. Bela möchte in den Hochseilgarten.

Torres del Paine oder noch mehr Wind

Wir verlassen Puerto Natales bei Schmuddelwetter in Richtung Torres del Paine. Vor uns liegen 130 Kilometer, teils mit, teils aber auch ohne Asphalt.

Wir freuen uns schon wieder auf ein bisschen Natur. Zum Glück klart es auf und die Sonne kommt heraus. Wir haben wirklich extremes Glückmit dem Wetter auf unserer Reise. In Puerto Natales hat es nachts aus allen Eimern geschüttet, zum Glück dort, weil wir nicht im Zelt geschlafen haben.

Und dann ist es so, wie fast überall, biegst du um die Ecke, siehst du ein Wow! Die berühmte Bergformation taucht am Horizont auf und ist wunderschön.

Zwischendurch müssen wir stoppen, weil ein paar vorwitzige Guanakos die Strasse blockieren. Ich finde sie mittlerweile nicht mehr sooo schlimm, dass ich sogar aussteige und ein paar Bilder mache.

Natürlich kostet dieser Nationalpark auch wieder Eintritt, es muss ja alles erhalten werden. Die Infrastruktur ist auch echt in Ordnung, es gibt saubere Toiletten und gut ausgeschilderte Wanderwege. Anbei noch die Info, dass man im Dunkeln auf keinen Fall wandern darf, da man sonst höchstwahrscheinlich vom Puma gefressen wird. Daraufhin traut sich Bela nachts nicht auf die Toilette auf dem Campingplatz und macht einfach von der Leiter runter…

Wir machen den ersten Stopp, um die Luft zu schnuppern und den Ausblick zu genießen:

Die Frisur sitzt nicht, der Wind macht, was er will, speziell mit Haaren. Mike hatte da weniger Probleme. Dennoch ist es schön warm und der Blick atemberaubend. Der nächste Stopp soll eine kleine Wanderung werden. Zu einem Wasserfall und einem schönen Aussichtspunkt. Es ist bereits auf dem Parkplatz dermaßen windig, dass wir kaum die Autotüren aufbekommen. Wir verschnüren uns gut und sind los. Nach der ersten Kurve kommen uns Leute entgegen, die uns sagen, wir sollen Bela bitte gut festhalten. Dazu ein paar Schilder, die vor dem Wind warnen. So etwas hatten wir vorher noch nie erlebt. Dagegen war der Wind im Feuerland Nationalpark Kindergeburtstag.

Es fliegen Steinchen in unsere Gesichter, wir müssen uns schließlich die Hände vor die Augen halten. Wir kommen uns vor, wie auf einer Everest Expedition. Zum Glück ist es etwas wärmer. Wir schaffen es bis zur Plattform für den Wasserfall:

Der Wind wird tatsächlich noch stärker. Mike geht alleine weiter zum anderen Aussichtspunkt. Bela und ich kämpfen uns bis zum Auto. Gut gelaunte Menschen mit kleinen Kindern, teilweise im Kleidchen, kommen uns entgegen und Bela sagt :“die werden sich noch wundern“ und: „bei dem Dickerchen brauchen sie keine Angst haben, das fliegt so schnell nicht weg“ Da kam uns eine kleine chilenische Kindercindy aus Marzahn entgegen. Bela und ich verknoten uns und kommen nur langsam vorwärts. Dann sitzen wir im wackelnden Auto und trinken Mate. Ich versuche das immer wieder, es wird nur langsam leckerer. Mike hatte ähnlich Schwierigkeiten wie wir, nur dass der Wind hinter dem Wasserfall noch einmal einen Zahn zugelegt hatte. Er musste sich wohl richtig nach vorne beugen, sonst wäre er nicht vorwärts gekommen. Mittagpause machen wir in einer kleinen Cafeteria unterhalb der Wanderstrecke. Auch dort zieht es wie Hechtsuppe. Das ganze Häuschen wackelt und ächzt in dem Wind. Mir graut schon vor der Nacht in unserem Dachzelt.

Wir finden den Campingplatz, checken ein und finden ein hübsches Plätzchen. Alle Stellplätze sind mit halben Hütten geschützt. Also kein Problem für die Nacht. Wir richten uns ein und versuchen erneut ein bisschen zu laufen. Den Berg hoch, dort gibt es nämlich einen Condor Ausguck. Condore finden wir alle drei ganz wunderschön und wollen sie sehen. Es wird eine ähnlich Erfahrung wie am Wasserfall, nur dass wir jetzt zusätzlich auspassen müssen, nicht abzustürzen. Die Condore sind selbstverständlich woanders. Wahrscheinlich treffen sie sich mit den Albatrossen in Neuseeland 😉

Der Spaziergang ist trotzdem super. Es ist warm, wir bekommen ein bisschen farbe und haben spektakuläre Ausblicke in die Berge. Zum Abendessen bekommen wir Besuch von einem hungrigen Gürteltier. Das macht Essgeräusche und benimmt sich ziemlich daneben. Es hat in Windeseile ein tiefes Loch in unsere Hütte gebuddelt und alles eingestaubt. Also noch mehr eingestaubt. In Patagonien ist es überall staubig. Das nervt manchmal. Oft. Immer. Eigentlich. Am Abend sehen wir noch ein paar Raubvögel auf der Suche nach Resten vom Grillen und sogar einen Fuchs, der sich an den Campingplatz schleicht. Die Nacht ist windstill, man glaubt es kaum. Frühstück wieder in der Sonne, das hungrige Gürteltier ist auch schon wach. Wir packen und machen uns auf den Weg Richtung El Calafate. Dort wartet dasnächste Highlight auf uns, diesmal wieder in Argentinien. Hinter der chilenischen Grenze stehen zwei Backpacker und gucken uns mitleiderregend an, so dass wir schnell alles umpacken und sie mitnehmen. Es sind zwei Franzosen, die solange unterwegs bleiben wollen, wie das Geld reicht. Deshalb versuchen sie so günstig wie möglich zu reisen. Das geht mit Trampen am besten. Es sind zwei Geologen. Loris und Sarah. Sie können uns interessante Sachen über die Gegend erzählen und was man aus den Steinformationen so alles herauslesen kann. Außerdem bekommen wir eine neue App gezeigt. Die iOverlander App. Dort findet man weltweit Campingplätze, wilde Campingplätze, Hostels, Hotels, Tankstellen, Supermärkte und so weiter. Man kann selber Orte hinzufügen und die bewerten, wo man war. Das beste ist, dass man sie auch offline verwenden kann. Da wir keine mobilen Daten haben, ist das die perfekt App für uns. Wir nutzen sie ab jetzt sehr oft und finden darüber zum Teil sehr schöne Übernachtungsplätze.

Patagonien: viel Wind im Nichts

Wir holen unseren Amarok. Der ist jedoch ein Hilux. Das finden wir gar nicht schlecht, wir denken, er ist für die Gegend hier besser geeignet. Die Vermietstation in Ushuaia ist ein Privathaus. Es laufen drei Hunde rum, es sieht aus wie bei den Hottentotten, aber die Leute sind sehr nett. Das Auto nebst Dachzelt ist eher eine Katastrophe. Abgenudelt und dreckig. Im Heck steht das Wasser, alles ist nass und voller Hundehaare. Der Aufbau ist undicht. Ich schüttel mich. Es nützt nichts, wir haben keine andere Wahl und nehmen es mit. Es fährt. Das konnte es auch schon 255000 km üben…Wir kaufen ein, da auch nicht genug Equipment an Board war. Sie wussten nicht, dass wir zu dritt reisen. Außerdem wollte ich das Geschirr nicht so gerne benutzen. Also Carrefour und shopping. Es gibt alles. Sogar tupperähnliche Dosen, deren Deckel nicht schließen. Naja, ist ja auch nur tupperähnliche argentinische Qualitätsarbeit. Wir decken uns ein, weil wir heute in den Nationalpark Feuerland wollen. Dort gibt es nichts, nur Natur. Wir essen noch in der Cafeteria, haben dort Internet und bekommen schon eine Nachricht vom Autovermieter. Wir sollen nochmal zurück, sie haben uns die falschen Papiere mitgegeben und den zweiten Schlüssel vergessen. Okay, also kehrt Marsch. Dann geht es aber endlich los. Wir fahren erst auf Teer, dann auf Schotter, das Auto läuft, alles gut. Wir können schon von weitem erkennen, wo die Strasse langführt, da eine große Staubfahne hochweht. Wir müssen Eintritt bezahlen und sind schon bald im südlichsten Nationalpark Argentiniens.

Wir fahren die berühmte Routa 3 bis zum Ende. Da treffen wir viele Motorradfahrer, die von Kanada oder USA aus gestartet sind und sich nun entsprechend feiern.

Es ist wie so oft auf unserer Reise wunderschön hier.

Zwischendurch ist es schon ganz schön windig. Ich denke an unser Vorhaben auf dem Autodach zu zelten und an die warnenden Worte der Vermieterin, wir sollen auf keinen Fall im Tierra del fuego Nationalpark im Dachzelt schlafen, weil der Wind viel zu heftig ist. Da sie uns aber nur ein unvollständiges anderes Zelt mitgegeben haben, ist das auch keine Option.

Wir finden einen sehr schönen Platz, an dem freies Campen erlaubt ist und richten uns ein. Wir reinigen ersmal das Auto. Es ist ganz anders als im Camper, da wir weniger Platz haben und drin nicht sitzen können. Alles ist staubig, weil diese Karre nicht dicht ist. Wir machen das beste draus. Den Tetrapak Wein kippen wir dennoch ins Gebüsch, den kann man, im Gegensatz zu Neuseeland, hier wirklich nicht trinken. Der Platz füllt sich, die Stimmung steigt und alle haben gute Laune. Es wird nicht dunkler, aber der Wind wird stärker. Die Argentinier feiern und singen. Wir versuchen ab 23 Uhr zu schlafen. Der Wind wird stärker. Bela hat Schiß, ich auch! Mike sagt, kein Problem, das Zelt sollte halten. Um 23:45 Uhr machen Bela und ich einen Spaziergang. Es ist wunderschön draußen, das Licht ist faszinierend. Irgendwann verschwinden wir wieder im Zelt. Der Wind wird stärker. Ab und zu krachen Böen ans Zelt, so dass Bela wach wird und jammert. Wir wachen nach einer gefühlt schlaflosen Nacht dennoch erfrischt auf und gucken raus.

Wir frühstücken mit Tee vom Gaskocher, der den Wind auch nicht mag. Dann erkunden wir das Terrain zu Fuß:

Wir machen kleine Wanderungen und finden es wirklich super. Bela hat Durst und meckert. Er hat Hunger und meckert, ihm tut der Fuß weh, er meckert, man kennt das ja 😉 Wir fahren weiter zum Lago Roca oder Lake Acigami. Auch dort ist es herrlich:

Aber auch hier, wie soll es anders sein, treffen wir auf Horden von Chinesen, die 15 Minuten Zeit haben am Seeufer lang zu flitzen, bevor der Bus weiter fährt. Am Nachmittag fahren auch wir weiter, heute so weit wir kommen.

Wir wollen nach Chile, 50 km hinter der Grenze gibt es eine Pinguinbucht mit Königspinguinen, die einzige Kolonie, die man von Land aus betreten kann. Wir fahren durch kilometerlanges Nichts mit Tieren, die wir als Wölfe oder Silberfüchse falsch einordnen, es sind einfach nur Hunde.

Wir fahren zunächst bis Tolhuin, das ist 120 km von Ushuaia entfernt uns war ursprünglich als Übernachtungsort geplant. Es ist 16 Uhr und da wir nicht müde sind, gehen wir ein Eis essen und fahren weiter. In Tolhuin gibt es noch nicht einmal einen Lattenzaun, wo man tot drüber hängen könnte, sollte man es wollen. Also fahren wir weiter bis Rio Grande, das ist eine Stadt mit 70.000 Einwohnern. Es führt wieder durch Nichts, soweit das Auge reicht. Wir fangen an Udo Jürgens zu hören und mitzusingen. In Rio Grande ist es anders als in Tolhuin, dort ist was los, aber es ist so häßlich, dass wir auf keinen Fall bleiben wollen. Wir fahren weiter durch ausdrucksloses Nichts mit häßlichen Ölförderpumpen. „Ich war noch niemals in New York“ usw… Es sind noch 80 km bis in einen weiteren Ort: San Sebastian.

Der letzte Ort vor der Grenze. Wir tanken am Ortseingang von San Sebastian und fragen nach der Stadt. Der Tankwart versteht die Frage nicht…Die „Stadt“ besteht aus Tankstelle und zwei weiteren Gebäuden und hat 34 Einwohner. Ich frage nach einem Campingplatz. Gibt es nicht. Hotel? Ja, neben der Tankstelle. Schwein gehabt. Für erstaunlich günstig mieten wir ein sauberes Zimmer mit Frühstück. Wir dürfen im Restaurant unsere eigenen Sachen essen, weil wir vieles nicht mit nach Chile nehmen dürfen. Das ist wirklich nett. Dafür kaufen wir Bier und Salat von der Wirtin dazu. Der Grenzübertritt am nächsten Vormittag klappt gut. Die argentinischen Beamten sind brummelig und gucken böse, die Chilenen machen Späßchen mit Bela und nehmen uns die Eier weg, die wir total vergessen hatten. Da der Beamte wusste, wo er gucken muss, hat er sie natürlich auch sofort gefunden. Der Verlust der 12 Eier beschäfigt mich noch lange, obwohl ich froh bin, dass wir keine Anzeige und Strafe bekommen haben. Mike sagt, wir sollen ihm das Mittagsomelette gönnen, weil er so nett war. Wir sind in Chile. Dort sind die Straßen schlecht und die Leute fahren wie die Henker, so wurde es uns beim Abholen des Autos prophezeit. In echt? Die Straßen sind viel besser, als in Argentinien, die Leute empfinden wir als wesentlich netter und fahren tun sie auch ganz gut.

So kommen wir schnell zur Pinguinkolonie. Es dürfen pro Tag nur 200 Personen hinein, deshalb haben wir uns vorher per email angekündigt. Wir sind begeistert. Die sind ja so drollig und total hübsch. Es sind insgesamt etwa 120 Tiere, die hier leben. Momentan gibt es auch ein paar Kleine, die die ersten Versuche im Meer machen:

Sehr nah dürfen wir nicht ran, aber es gibt Ferngläser, durch die wir sie ganz gut beobachten können. Wir verbringen hier zwei informative Stunden und fahren weiter. Im Hotel in San Sebastian hat man uns schon gesagt, wo wir übernachten können, weil es hier auch wieder kilometerweit nichts gibt. Also ab nach Cerro Sombrero. Das liegt auf der Strecke zur Fähre, mit der wir Feuerland verlassen werden. Der Ort ist geprägt von Gasförderung. Es riecht auch ein bisschen. Wir verfahren uns erstmal in dem Ort, der recht verlassen erscheint, und landen vor einer Touristeninformation. Komisch, was? Ja. Der nette Mitarbeiter spricht deutsch und hat uns einiges zu sagen. Er gibt uns Tipps für Hostels (dieser Ort hat tatsächlich 7 oder 8 davon) und für die Weiterreise nach Norden bekommen wir Karten und viele Hinweise. Wir klappern die Hostels ab, die allesamt entweder dreckig sind oder nach Küche stinken und alle viel zu teuer sind. So landen wir für günstiger im ersten und einzigen Hotel am Platz.

Dort können wir auch Abendessen und haben Spaß mit dem lustigen Koch. Es gibt ein günstiges Menü des Tages und der Tag ist gerettet. Am nächsten Tag fahren wir weiter nach Bahia Azul zur Fähre:

Wir verlassen Feuerland mit der schratigsten Fähre, die wir jemals gesehen haben. Ushuaia war toll, die Pinguinkolonie in Chile auch, aber der Teil dazwischen war recht langweilig. Wer also keine Zeit und kein Auto aus Ushuaia zu überführen hat, sollte da besser drüber fliegen oder in El Calafate mit der Patagonienreise starten.

Wir haben es an diesem Tag tatsächlich geschafft die 360 Kilometer bis Puerto Natales zu fahren. Die Strecke war wieder voll mit „Ich war noch niemal in New York“ und anderen Hits, sowie endlos erscheinendem Nichts.

Tanken müssen wir bei jeder Tankstelle, egal, wie voll der Tank noch ist. Im großen Nichts kommen wir durch San Gregorio, das ist ein ziemlich abgefahrener Lost Place. Ich hab an noch keinem Ort, an dem es nichts mehr gab, mehr Autos anhalten sehen, als hier:

Auf der weiteren Strecke finden wir bunte Lupinenfelder im Nichts, das sieht wunderschön aus.

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In Puerto Natales haben wir ein Hostel vorgebucht, wir möchten zwei Nächte bleiben, Wäsche waschen und den Trip in den Torres del Paine Nationalpark planen. Puerto Natales hat ein bisschen so etwas wie Infrastruktur. Wir empfinden es jedoch als einen Ort, den die Welt vergessen hat.

Das Hostel entpuppt sich als Glücksgriff. Wir bekommen die Wäsche gewaschen und kommen super sauber und recht preiswert unter. Wir sind umgeben von ausschließlich anderen Weltreisenden, ein Paar mit Kind aus Holland, die ein Jahr unterwegs sind und ihr Kind unterrichten müssen (da sie Lehrer sind, ist das wohl kein Problem) Bela ist völlig erleichtert und lehnt das Angebot mit unterrichtet zu werden sofort ab!

Wir erkundigen uns in der Touristeninformation nach den Gepflogenheiten im Torres del Paine Nationalpark. Wir hatten gelesen, dass man nur mit Übernachtungsvorbuchung reingelassen wird. Dummerweise antwortet der Campingplatz nicht. Wir sollen uns nicht stressen, sagen sie, die Vorbuchungen sind nur für die Plätze nötig, die man nicht per Auto erreichen kann. Wir kehren gegen 18 Uhr auf ein Bier in einem ziemlich coolen Hostel ein und schleppen uns gegen 23:30 Uhr satt und betrunken nach Hause 😉