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Fernweh

Argentinien oder die Suche nach dem perfekten Steak

Die Woche in Deutschland vergeht ganz schnell  und war super. Mike und Bela haben am Strand von Villa Gesell auch ohne mich eine tolle Zeit mit chillen und Spaß am Meer.                                             Ich fliege am 31.12. um 22 Uhr los, das bedeutet soviel wie: Silvester Party mit der Lufthansa. Der Flughafen in Frankfurt ist gespenstisch leer, ebenso der Flieger.

 

Um 23.30 Uhr teilt der Purser Pommery aus, die Stewardess dazu die Plastikbecher, die aber nur kurze Zeit später der Purser mit hektischem Kopfschütteln gegen Glas austauscht.

So sitze ich um 0:00 Uhr alleine mit dem Champus in Sitzreihe 23, stosse mit mir an, wünsche allen Gesundheit für 2018 und vergieße ein Tränchen. Ich habe Wolkenwlan, verschicke Nachrichten und bekomme auch  ganz viele. So fühle ich mich nicht ganz so alleine. Dann schlafe ich. Da ich Sitzreihe 23 für mich alleine habe, kann ich es mir im Liegen schön gemütlich machen und schlafe bis zum Frühstück. Alles klappt gut. Der Umstieg in Sao Paulo diesmal auch. Ich sitze wieder als erste am Gate, ohne Pipipause. Ich habe ein Trauma. In Buenos Aires geht auch alles fix, ich werde nicht mal gescannt oder muss eine Einreisekarte abgeben. Ob das am Feiertag liegt oder am kleinen Flughafen, weiß ich nicht. Ich verbringe zwei lustige Stunden mit Maria ( Azuls Mama, die mich besuchen kommt). Weil ich verschiedene Flüge gebucht habe, muss ich mein Gepäck holen und neu einchecken. Natürlich bin ich wieder überpünktlich am Gate. Leider hat der Flug aus unbekannten Gründen 3 Stunden Verspätung und da ich schon ziemlich lange unterwegs bin, ist mein Hals entsprechend angeschwollen. Es bleibt mir also nichts anderes übrig, als mich mit Brandon aus Denver an der Theke des Hardrockcafes (wo mein Handy zum Laden liegt) zu betrinken. Es macht ihm Spaß mit einer Deutschen Bier zu trinken…Der Flug vergeht dann schnell, ich bin müde und will endlich ankommen. Einen Aufreger hatte ich selbstverständlich noch, abgesehen davon, dass die Airline das allerletzte war. Ich trinke seit Vietnam keinen Kaffee mehr, also bestellte ich mir im Flieger einen Tee. Ich bekam: Kamillentee! Wer mich kennt, weiß meine Aversion gegen Kamillentee. Ich hätte brechen können. Und dann keine Blume in der Nähe zum Wegschütten. Und keine Kinder zum Verfüttern. Es war ekelhaft. Kamillentee im Flugzeug, wo gibt´s denn sowas? Ich lande in Mar del Plata und muss noch 100 Km weiter. Da wir soviel Verspätung haben, fährt jetzt kein Bus mehr. Also fährt mich Juan mit seinem Taxi.

Als ich endlich da bin, ist die Freude riesig. Kurz duschen und dann geht es los. Mit Azul und ihrem Bruder gehen wir aus. Bela hängt die ganze Zeit an mir. Logisch. Ich schaffe es nicht lange. Es ist bereits 23 Uhr und ich habe den dritten Jetlag innerhalb einer Woche. Mein Facebook Post mit dem Titel „endlich Urlaub“ stösst auf Unverständnis. Wer noch nie so gereist ist, wie wir es gerade machen, kann das auch nicht verstehen. Ich genieße diese vier Tage am Strand mit chillen und Organisation der Weiterreise.

Das Örtchen ist wirklich schön. Die Häuser sind ganz süß und die Straßen aus Sand. Dementsprechend sieht man nach kurzer Zeit auch aus. Die Füße durch die Schuhe dreckig.

Am 5. Januar fahren wir mit dem Bus nach Bahia Blanca, von dort geht am 6. Januar der Flug nach Ushuaia. Die Busse sind komfortabel und die 600 Kilometer vergehen erstaunlich schnell. Bahia Blanca ist eher nicht zu empfehlen, wir sind froh, dass wir hier nur einmal übernachten. Am Abend gehen wir aus, immernoch auf der Suche (wie der Titel schon sagt) nach dem perfekten Steak. Das hatten wir in 2014 in Argentinien auch schon nicht gefunden. Es hieß immer, in Argentinien kriegst du in jeder Eckkneipe besseres Steak, als bei uns im teuersten Steakhaus. Stimmt nicht. Das können wir sagen. Wir haben schließlich überall gesucht und probiert. Hier hat man lieber große Fleischfetzen auf dem Teller. Es wird mit wenig Glut sehr lange gegart und somit ist der Muskelkater im Kiefer ein treuer Begleiter. Auch in Bahia Blanca werden wir nicht fündig. Mike bekommt wieder leckere Extras, weil er Vegetarier ist und Bela und ich knabbern und kauen was das Zeug hält. Auf dem Rückweg zum Hotel stossen wir noch auf eine Laufveranstaltung, bei dem sogar der Weihnachtsbaum mitrennt:

Mit dem Reisetag will ich nicht schon wieder nerven. Nur so viel. Wir sind gut in Ushuaia angekommen:

Wir gönnen uns ein bisschen Luxus, den ersten richtigen auf dieser Reise, bevor wir dann für 4 Wochen im Jeep und Dachzelt unterwegs sein werden.

Wir haben ein sehr schönes Hotel auf dem Berg mit tollem Blick auf die Bucht mit dem Beagle Kanal. Es gibt einen kostenlosen Shuttle in die Stadt, den wir nach einer Ausruhpause in Anspruch nehmen. Wir gucken uns ein bisschen um und verschaffen uns erstmal einen Überblick. Die Stadt ist nicht so hübsch, nimmt uns aber dennoch gefangen. Irgendwas hat sie, wir können es nicht beschreiben. Auf jeden Fall wird es hier nicht dunkel, am offiziellen Ende der Welt. Um 22 Uhr entsteht folgendes Bild:

Wir werden auch hier nicht das perfekte Steak finden und beschließen, die Suche voerst zu beenden. Müde werden wir jedoch auch nicht.

Der Blick auf den Beagle Kanal. Wir sehen sogar Albatrosse, einfach so, hier an der Promenade. In Neuseeland sind wir extra kilometerweit dafür gefahren, um dann nur einen zu sehen.                          Der nächste Morgen beginnt mit Frühsport:

Bogenschießen steht auf dem Programm. Erst auf Zielscheiben, dann auf Pappbiber im Wald. Meine Männer sind sehr erfolgreich. Hätten sie soviel Erfolg nur mal beim Angeln gehabt… Danach folgt ein bisschen Wellness und dann geht es mit dem Shuttle wieder ins Städtchen. Wir wollen in ein Museum, wofür es gestern Abend schon zu spät war. Es heißt Galeria Tematica und zeigt die Geschichte Feuerlands und deren Ureinwohner. Wir bekommen Kopfhörer mit Erklärung und dürfen uns in manchen Bereichen auch fotografieren. Bela hatte übrigens Spaß, er wollte nur authentisch sein und mitleiden. Daher sein Gesichtsausdruck.

Es ist ein tolles Museum, super gut gemacht und sehr informativ. Wir waren begeistert. Im Souveniershop nebenan finden die Jungs auch endlich einen passende Matetasse. Vater und Sohn trinken das Zeug mit Begeisterung. Ich finde es scheußlich. Wenn ich jedoch die hungerstillende Wirkung merken würde, würde ich das Zeug auch saufen…                                                                      Wir schauen nochmal am Beagle Kanal, fahren zum Hotel und lassen den Blick vom Balkon aus schweifen:

Am nächsten Morgen starten wir zu einer kleinen Wanderung vom Hotel aus. Es geht den Berg ein Stück hoch, über eine Skipiste zu einem Hochmoor. Wir sinken ein und kriegen nasse Füße.

Der Blick von hier aus ist fantastisch. Wir laufen im T-Shirt rum und haben trotzdem ein bisschen Skiurlaub Gefühle. Die Luft riecht einfach nach Berg. Für den Nachmittag haben wir eine Katamaranfahrt auf dem Beaglekanal gebucht. Wir wollen Kormorankolonien und Seelöwen sehen, außerdem den Leuchtturm am Ende der Welt. Das Wetter ist lustig. Nix, worauf wir uns irgendwie einrichten oder gar verlassen können. Das bedeutet für die Zeit auf dem Schiff anziehen, ausziehen, im stetigen Wechsel. Entweder brennt die Sonne erbarmunglos oder es fegt ein eisiger Wind mit etwas Regen. Alles in allem haben wir aber viel Glück mit der Witterung.

Die Kormorane stinken ganz schön…

Der Leuchtturm am Ende der Welt. Es hat ein bisschen gedauert, bis alle anderen Boote hinter der Insel verschwunden waren, so dass ich ein schönes Bild machen konnte.



Es ist egal, wo wir auf dieser Welt mit einem Boot unterwegs sind, irgendwann endet Bela immer beim Kapitän und darf steuern:

Dieser Trip hat sich wirklich gelohnt, es war super schön. Danach erfüllen wir gerne Belas Wunsch und gehen in die Icebar. Super Idee um 18 Uhr mit leerem Magen. Mike und ich müssen Eintritt bezahlen, Bela ist kostenlos.

Dafür dürfen wir verkleidet bei minus 17 Grad für 30 Minuten trinken was rein geht. Auf gut deutsch: Druckbetankung 😉 Wir entscheiden uns für Tequila Sunrise und schaffen eine Menge. Außer uns ist niemand hier, wir haben also die ungeteilte Aufmerksamkeit des Barkeepers. Bela trinkt Sprite.

Wir haben echt viel Spaß. Das hätten wir nicht gedacht. Länger als 30 Minuten schafft man aber auch nicht. Es ist schweinekalt, sogar die Gläser sind aus Eis:

Als wir fertig sind, hat Bela zwei Probleme: besoffene Mutter und besoffenen Vater 😉  Also gehen wir ins Restaurant zum Abendessen und machen mit Rotwein weiter. Wenn schon, denn schon!

So geht die Zeit in Ushuaia zu Ende. Wir haben es echt genossen.  Wir freuen uns auf unser nächstes Abenteuer: Mit dem Amarok und Dachzelt 4000 Kilometer durch Feuerland und Patagonien bis nach Buenos Aires!

Weihnachten in Buenos Aires und Ausflug nach Deutschland

Wir verlassen Neuseeland am 23.12. um 20:15 Uhr, nicht jedoch ohne einen weiteren Aufreger am Flughafen in Auckland. Diesmal ist es nicht das Gepäck…Wir werden nach Weiterflugtickets aus Argentinien gefragt. Levi fliegt nach Frankfurt, Azul ist dort zu Hause, ich habe mein Ticket für den 25.12. nach Deutschland, aber Mike und Bela haben keins. Das sage ich dummerweise auch noch. Ohne Ticket, keine Ausreise! So verlangt es das Gesetz. Dann sollen wir halt ein teures Ticket nehmen, was wir dann gleich wieder stornieren können. Diese Logik erschließt sich mir nicht. Naja, Hauptsache, er hat es gesehen. Bela sagt, dann aber für uns drei, weil ich in Frankfurt ja auch wieder eins vorzeigen muss. Clever, da habe ich gar nicht dran gedacht. Wir überlegen, haben nur 45 Minuten Internet auf diesem Flughafen und sind total überfordert, weil wir nicht wissen, ob wir im Anschluss an die Jeepsafari (wir haben ab dem 9.1. ein günstiges Überführungsangebot angenommen, in dem wir innerhalb von 4 Wochen einen Amarok mit Dachzelt von Ushuaia nach Buenos Aires fahren sollen), nach Bolivien (größter ausgetrockneter Salzsee) oder Peru (Machu Pichu) oder doch gleich nach Ecuador und Galapagos reisen wollen. Und ich will mich auch verdammt nochmal da jetzt nicht unter Druck festlegen. Da sagt Azul: “ kauft einfach Tickets nach Uruguay und fertig“ Super! Machen wir. Für einen schmalen Kurs. Dann können wir immernoch überlegen, ob es passt oder wir den Flug einfach sausen lassen. Diese Tickets will jedoch nicht mal der Beamte, der uns dann weiter eincheckt sehen. Ich halte sie ihm aber trotzdem unter die Nase und zwinge ihn dazu, es sich anzuschauen, weil wir es verdammt nochmal gerade EXTRA nur für seinen Kollegen und das Gesetz gekauft haben!!! Diese Tickets müssen wir weder in Buenos Aires bei der Einreise, noch ich in Frankfurt bei der Ausreise jemals wieder vorzeigen! So!

Am 23.12. landen wir am Nachmittag in Argentinien. Wir sind auf übelste Wartezeiten eingestellt, weil es vor drei Jahren über zwei Stunden gedauert hat, bis wir es aus dem Flughafen geschafft hatten. So trödeln wir beim Verabschieden von Levi noch ein bisschen. Er fliegt von hier aus weiter nach Deutschland, weil er nur drei Monate mitkommen wollte. Den Rest der Zeit teilt er sich auf zwischen seinem Papa, seiner Freundin und Opa und Oma, die sich natürlich sehr darüber freuen. Vor allem, da mein Papa auf einem guten Weg der Genesung ist. Natürlich heule ich…

Es geht dieses Mal schneller, weil nicht so viel los ist. Dennoch wird wieder alles kontrolliert und gescannt, was wir einführen. Auf der Einreisekarte wird gefragt, ob wir Sachen dabei haben, die wir außerhalb Argentiniens gekauft haben. Der Richtigkeit halber müssten wir schreiben, ja und zwar alles! Was für ein Zirkus. Ich lasse es lieber, wir wollen ja in die Stadt. Ein Taxi bringt uns ins Hotel und zu Azuls Wohnung. Das Hotel kennen wir schon vom letzten Mal. Auspacken, duschen und los gehts. Erstmal Azuls Familie Hallo sagen. Sie freuen sich sehr uns wieder zu sehen und wir uns natürlich auch. Da morgen Heilig Abend ist und sie dafür noch vorbereiten wollen, gehen wir zu dritt in das Restaurant, in dem wir vor drei Jahren schon mal Hochzeitstag gefeiert haben. Da ist heute Abend Jazz. Es ist mittlerweile auch schon 21:30 Uhr und wir sind schon voll drin im argentinischen Rhythmus, trotz 13 Stunden Flug und 16 Stunden Zeitverschiebung.

Der nächste Tag beginnt mit dem Superjetlag. Ich wache um 4 Uhr auf und kann nicht mehr schlafen. Ich schaffe es bis 6:30 Uhr die Zeit irgendwie rumzukriegen und schnappe mir die Badesachen und flitze aufs Dach. Es ist noch nicht zu heiß, ich möchte ein paar Runden schwimmen. Leider ist der Pool ekelhaft grün, da gehe ich nicht rein. Schade. Den Rest des Tages verbringen wir mit bummeln, shoppen und ausruhen und Eisessen! In Argentinien gibt es die beste Eiscreme auf der ganzen Welt. Das wissen wir schon.Wir sollen so gegen 20:30 Uhr bei Azul sein. Rechtzeitig,um noch Geld aus dem Automaten zu holen, gehen wir los. Wir versuchen es an ein paar Automaten, die alle etwas weiter auseinder liegen. Die Zeit vergeht, wir bekommen kein Geld. Die Automaten sind alle leer. Unglaublich. Argentinische Hauptstadt . Geld alle! Es ist mittlerweile schon 21 Uhr. Wir können am Ende mit Azuls Papa ein paar Dollar gegen Peso tauschen, damit Mike und Bela für die Busfahrt und Ankunft am Feiertag wenigstens ein bisschen Bargeld haben. Ich brauche nichts, bin ja nur an Flughäfen und das Taxi kann ich in Dollar bezahlen.

Zu Besuch sind noch die Oma, Tante und Cousin. Wir essen und schnuddeln, trinken Rotwein und spielen. Um 23:50 Uhr herrscht auf einmal hektische Betriebsamkeit. Es werden Sektgläser befüllt und dann rückwärts gezählt. Punkt 0:00 Uhr wünschen sich alle „feliz navidad“ und dann geht es auf den Balkon, um das Feuerwerk anzuschauen. Wie bei uns Silvester. Bescherung ist dann gegen 0:45 Uhr. Es ist anders als bei uns, aber schön. Es ist eine schöne Party, Weihnachtsgefühle haben wir aber nicht. Dafür ist es auch viel zu warm. Bela kann das alles gar nicht genießen, weil er weiß, dass ich am nächsten Tag wegfliege. Um 2 Uhr liegen wir schließlich in den Betten.

Am 25.12. trennen wir uns für kurze Zeit. Mike und Bela fahren mit dem Bus nach Villa Gesell ans Meer (Azul und ihr Bruder werden am 27.12. folgen) und ich fliege nach Hause, um meine Eltern zu besuchen. Das ist dann der zweite Langstreckenflug innerhalb von 48 Stunden mit krassen Zeitwechseln. Da wir in Buenos Aires wegen Jetlag und Weihnachten kaum geschlafen haben, bin ich entsprechend müde. Ich verschlafe den Flug nach Sao Paulo nahezu komplett.
Dort angekommen, habe ich drei Stunden Zeit. Ich genehmige mir eine Fussmassage und ein Essen im Restaurant, endlich mal keine Sandwiches oder ähnliches. Dann habe ich immer noch Zeit. Ich suche mir ein Plätzchen, kaufe mir einen schlechten Kaffee und schreibe ein bisschen Blog. Mein Handy mit der Uhr liegt neben mir. Boarding ist planmäßig um 18:45 Uhr. Ich telefoniere noch mit Rotenburg. Mir ist langweilig und ich bin müde. Um 18:35 Uhr gehe ich los zum Gate. Ist ja fast nebenan. Dort ist alles leer. Nur ein paar vom Bodenpersonal. Die Anzeige blinkt Final Call…das verstehe ich nicht. Egal, ich gebe ihr mein Ticket. Sie sagt: „Sorry, gate is closed“. Verstehe ich auch nicht. Ich sage, boarding sei doch um 18:45 Uhr und zeige ihr mein Handy mit der Uhrzeit. Daraufhin zeigt sie nach oben auf die Uhr. Dort ist es 19:40 Uhr. Start ist um 19:45 Uhr. Verdammte Scheiße. Eine Stunde Zeit vorwärts sind die. Das habe ich irgendwie nicht mitbekommen und meiner Trägheit. Sie sagt, sie hätten mich ein paar Mal ausgerufen. Ich habe es nicht gehört, in der Cafebar war die Musik so laut…Sie sagt, ich kann nicht fliegen. Mein Gepäck wäre auch schon ausgeladen. Morgen wieder. So, nun stehe ich da. In Brasilien. Müde. Sauer auf mich selbst. Kaputt. Ich weiß nicht warum, aber auf einmal fange ich an zu heulen…Und sage, es ist Weihnachten, ich möchte nach Hause. Sie bekommen wohl Mitleid und suchen. Sie sagen, dass ich in 30 Minuten nach Suricci fliegen könnte. Ich denke nach und will nicht nach Suricci, ich weiß gar nicht, wo das ist. Sie schnappt mich, zerrt mich ans gegenüberliegende Gate, druckt mir meine neue Verbindung und ich schaffe wenigstens noch schnell eine Nachricht nach Deutschland zu schicken, dass ich nicht um 10:20 Uhr lande und mich nochmal melde. Dann sitze ich in der Swiss Air Maschine nach Zürich, auf dieses Flugzeug habe ich die ganze Zeit aus meiner Cafeecke geschaut…Ich bin fix und fertig. So was ist mir noch nie passiert. Habe in letzter Sekunde noch Glück gehabt, weil ich nur drei Stunden später als geplant in Frankfurt landen werde. Ich habe eine Sitzreihe für mich alleine und freue mich auf schlafen im Liegen. Dinner lass ich ausfallen, mir ist schlecht. Nach etwa 2,5 Stunden in der Luft, gibt es auf einmal weiter hinten Tumult. Es wird laut, es wird geschrien, Flugbegleiter flitzen hin. Es geht soweit, dass der Pilot aus dem Cockpit kommen muss. Das war es dann mit meiner Sitzreihe für mich. Ich bekomme ein nettes brasilianisches Paar neben mich. Sie sind auf dem Weg in den Skiurlaub nach Zermatt. Eine durchgeknallte Dame, die wohl schon beim Einchecken Stress gemacht hat, ist total ausgeflippt. Nun hoffen wir, dass sie sich beruhigt. Nach etwa 30 Minuten geht es wieder los. Es kommt eine Durchsage, wir sollen sie nicht beachten, denn wenn sie weiter Stress macht, müssten wir umdrehen und nach Recife fliegen. Zum zweiten Mal laufen mir die Tränen. Blöde Kuh. Ich beschließe mit meiner Nachbarin, das wir unsere Pillen zusammen schmeißen und ihr einen Cocktail mischen. Zum Glück beruhigt sie sich und wir fliegen durch. In Zürich flitze ich durch Passkontrolle und Terminal direkt zum Gate. Obwohl ich mal muss. Ich bin die erste und sehe noch einen anderen Flug von unserem Gate verschwinden. Ich bin die erste in der Schlange, im Bus und auch fast im Flieger. Das passiert mir nicht noch einmal! Neben mir im Bus sitzt eine Frau, die sich verkrampft an der Stange festhält und laut betet. Die ganze Zeit. Sie sitzt im Flieger vor mir und betet weiter. Laut. Die ganze Zeit. Das hatte wohl mit Mister Murphy mit seinem Gesetz zu tun. Unsere Piloten heißt Prisca Eule und fliegt etwas schneller. Ich freue mich auf zu Hause und verwerfe sämtliche Ideen von spektakulären Geschichten, warum ich den Flieger verpasst habe. Ich kann jetzt schon fast drüber schmunzeln.

Auckland die Dritte, weil es so schön war…

Wir landen zum dritten Mal auf dieser Reise in Auckland. Der Flug von Queenstown hat nicht lange gedauert und war sehr schön:

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Wir holen den Mietwagen und suchen unsere Herberge. Es ist ein Apartment, weil es immer günstiger ist, wenn man selber kochen kann. Wir haben noch ein bisschen was auf dem Plan für unseren Neuseelandabschluß hier in Auckland. Wir möchten ins Motat, das ist das Museum of transport and technology. Wir haben Tattootermine, weil wir für andere Souvenirs keinen Platz mehr haben. Heute machen Levi und ich einen Mutter/Sohn Abend, weil wir uns dann lange nicht sehen. Wir schlendern in die Stadt, essen Sushi, bummeln durch den schönen Albert Park und landen schließlich bei Bier in einer Bar.

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Am nächsten Morgen fahren ins Motat und sind begeistert. Es ist sehr interessant gestaltet und wir haben viel Spaß.

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Wir  gehen in einem kleinen Cafe günstig Frühstücken und suchen dann den Tattooshop. Wir sind sehr zufrieden, alles läuft nach Plan. Mike braucht etwas länger, aber Levi und ich sind schnell fertig.

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Wir starten wieder einen Bummel und landen auf dem Weihnachtsmarkt von Auckland. Ja, da war doch noch was…es ist der 22.12. und keiner von uns hat Weihnachtsstimmung. Uns ist es zu warm und Azul ist es zu kalt für Weihnachten. Da passt so ein Meeting mit Santa prima.

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Tja und wie es dann immer so ungeplant passiert, landen wir im Pub. Wir müssen ja schließlich Abschied feiern. Eine wundervolle Etappe Weltreise ist vorbei. Wir müssen uns von Levi trennen und Azuls Abschied folgt dann auch bald. Wir haben Spaß im Pub, Levi bekommt kein Bier, weil er seinen Ausweis nicht dabei hat. Wir treffen auf einen Junggesellenabschied und wissen genau, wie er sich fühlt.

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Die Kinder gehen irgendwann vor, sie haben genug gefeiert. Wir treffen noch andere Traveller, auch welche aus Niebüll. Das finden wir besonders lustig, weil es nicht weit ist von Föhr, wo unsere zweite Heimat ist. Wir haben einen sehr schönen letzten Abend. gegen Mitternacht treten wir den Heimweg an und bekommen von drei Maori Brüdern noch ein schönes Ständchen in einem Kaufhauseingang.

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Der Flug nach Buenos Aires geht erst um 20:15 Uhr. Wir haben late check out, gehen noch ein bisschen an den Strand und in den botanischen Garten.

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Das war es nun mit Neuseeland. Wir sind uns sicher: wir kommen wieder!

 

Fazit:  Ein faszinierendes Land mit netten Menschen

Was nicht gelernt haben:    warum es am Campingplatz Check Out um 10 Uhr gibt

Angeln 😉

 

Coromandel und weiter….

Wir fahren von unserem kostenlosen Schlafplatz (nachdem ich nahezu die ersparte Summe in Kaffee, Chai Latte und Frühstücksteilchen ins Cafe gebracht habe) weiter in Richtung Coromandel Halbinsel. Wir halten in Thames und besuchen eine stillgelegte alte Goldmine. Die Führung ist interessant und wir lernen einiges, zum Beispiel wie hart das Leben und Arbeiten hier gewesen sein muss. Die Jungs haben nach der Schule, so mit 14 Jahren etwa, angefangen in der Mine zu arbeiten und die mir Steinen beladenen Lohren hochzuschieben. Auf diese Weise haben sie Muskeln bekommen und waren als Rugbyspieler gut zu gebrauchen.                                                                      Die Landschaft ist unglaublich schön hier. Wir fahren direkt an der Küste Richtung Norden.

Wir fahren nach Coromandel Town. Das ist ein Städtchen wie aus dem Filmstudio. Man könnte fast denken, dass man die stützenden Balken sieht, wenn man die Hauptstrasse verlässt und hinter die Fassaden guckt. Eigentlich haben wir bisher viele solcher Orte gesehen. Es ist echt süß hier. Wir fahren ein Stück weiter an eine kleine Bucht und haben Picknick. Mike angelt. Kaffeetrinken fällt aus, weil wir feststellen, dass der Herd im Wohnmobil nicht mehr funktioniert. Kümmern wir uns morgen drum. Wir sind fast alleine, leider ist hier overnight Camping verboten. Die Jungs baden. Mike angelt weiter. Zurück in Coromandel City finden wir  einen schönen Platz in Stadtnähe. Wir bummeln noch ein bisschen, machen Sport und kochen.

Am nächsten Tag machen wir einen Abstecher zu einer Touristenattraktion. Normalerweise stehen wir da nichtso drauf,  diese wurde jedoch wärmstens von allen Seiten empfohlen und hat sich wirklich gelohnt. Wir fahren mit einer kleinen Eisenbahn. Mit der Driving Creek Railway.

Diese Schmalspurbahn wurde in den sechziger und siebziger Jahren von dem Töpfer Barry Brickell in mühevoller Arbeit und vielen Hindernissen selbst gebaut. Sie hat eine Steigung von teilweise bis 7%. Sie erklimmt einen Höhenunterschied von 110 Metern. Es gibt sogar eine Doppelstockbrücke. Er baute sie zunächst, um an besseren Lehm zu gelangen und diesen auch abzutransportieren. Später wurde es zur Touristenattraktion umgewandelt und zuletzt ein großer Aussichtsturm gebaut. Als er vor einem Jahr starb, wurde er ein letztes Mal mit der Bahn auf den Berg gebracht und dann auf der Strecke begraben.


Es geht es weiter auf die andere Seite der Halbinsel nach Whitianga. Die Fahrt ist wieder mit spektakulärer Aussicht verbunden.

Die Stadt ist etwas größer, angeln an der Marina leider verboten. Also bummeln wir ein bisschen. Trinken in einem Ökocafe Chai Latte und Flat White (das ist Milchkaffee), die Kinder essen leckeres selfmade Beereneis, die Bedienung hat Haare unter den Achseln, Bela ist entsetzt, er findet das altmodisch…    Wir finden einen ausgefallenen Klamottenladen und schauen uns um. Ich frage, ob es hier einen Campingplatz in der Nähe gibt, weil wir gerne für eine Nacht bleiben würden. Sie schickt uns auf eine Art Farm. Es gibt eine große Wiese direkt am Strand,  wo man sich mit einem selfcontained Campervan für 10 Dollar pro Nacht hinstellen darf. Schwierig, weil doch unser Herd immer noch nicht funktioniert. Wir versuchen es bei einer Tankstelle. Die können uns leider nicht helfen.  Wir fahren erstmal zur Farm. Schließlich haben wir genug Vorräte, dann gibt es eben Sandwich. Der Platz ist super. An einer hübschen Bucht gelegen, hinter uns ein Fluß, der ins Meer fließt. Wir parken direkt vor dem Strand. 

Ich frage unseren Nachbarn, der gerade seinen Bus streicht und so aussieht, als würde er hier wohnen, ob er uns mit dem Herd helfen kann. Er ist sehr nett, gibt alles, kriegt es aber auch nicht hin. Er muss nachher sowieso nochmal weg, wir sollen einfach bei ihm kochen. Außerdem sollen wir doch seine Kayaks ausleihen, dann können wir durch die Bucht paddeln und ein Stück den Fluß hoch. Mike steht übrigens bereits mit der Angel im Wasser. So genießen wir den Tag mit planschen, Kayak fahren, lesen, Sport und angeln. Wir kochen in Nachbars Küchenbus, wieder gibt es keinen Fisch. Er hat zwei Busse. Einen zum Schlafen und chillen mit selbstgebauter Terrasse zum Wasser hin und einen zum Kochen und Fernsehen.  Er lebt seit 7 Monaten permanent hier und zahlt nur 5 Dollar pro Nacht. Er begrüßt jeden Morgen das Meer mit:“ good morning beauty“ Die Jungs malen Bilder als Dankeschön.

 Als er aus der Stadt zurück kommt, laden wir ihn auf ein Glas Rotwein ein und plaudern noch etwas. Leider verstehen wir nicht alles, der Neuseeland Slang ist gewöhnungsbedürftig, vor allem nach Rotwein. Frühstück gibt es natürlich mit Meerblick, Kaffeewasser gibt’s vom netten Nachbarn. Danach geht’s zum Hotwater Beach. Das ist ein Abschnitt am Meer, wo es unterirdische heiße Quellen gibt. Wir leihen einen Spaten und lassen Mike schippen,  weil er hier nicht angeln kann. 

Wir müssen echt aufpassen und testen, bevor wir reinhüpfen. Das Wasser ist teilweise 60 Grad und heißer.  So ein richtiger Fan davon bin ich nicht. Es ist ziemlich heiß und die Sonne brennt auch noch. Wenn man sich in die Löcher legt, ist alles voll mit Sand und abwaschen in den Wellen führt zu noch mehr Sand überall. Die Duschen am Parkplatz sind hingegen so kalt, dass man sich auch nicht so richtig gut vom Sand befreien kann. Bela hatte Spaß,  also wars schön.

Levi surft indessen, die Wellen sind wohl ganz gut.

Weiter geht’s in Richtung Süden, grobes Ziel Roturua mit Stopp am Meer, zwei Nächte bitte, wir haben große Wäsche… und einen Tag nicht geangelt. Wir landen schließlich in Waihi Beach.

Auch hier sind wir wieder fast alleine. Die Kiwis haben noch keine Ferien und die Hauptsaison hat noch nicht begonnen. Der Campingplatz Bowentown ist direkt am Meer, wir buchen uns für zwei Nächte ein und starten gleich zwei Waschmaschinen auf einmal. Mike angelt:

In der Nacht regnet es, ich glaube das erste mal seit wir mit dem Wohnmobil unterwegs sind. Aber richtig. Zum Glück in der Nacht. Mein Albtraum ist es nämlich mit 5 Leuten im Regen im Wohnmobil festzusitzen und sich dann an die Gurgel zu gehen. Die Stimmung ist noch ganz gut, klar ist es ab und zu schwierig, wenn es nicht rund läuft. Wir gehen uns manchmal ein bisschen auf den Keks,  aber im Großen und Ganzen klappt es ganz gut.                                                                                            Am nächsten Morgen scheint die Sonne,  als wäre nichts gewesen. Der Rasen um unseren Platz schwimmt jedoch. Wir baden und surfen (also nicht auf dem Rasen, sondern im Meer), buchen uns das Spa für heute Abend und kaufen Köder zum Angeln. Gefroren. Makrele und Squid. Ich sehe die im Campingplatzshop und wollte sie zum Grillen kaufen, sind allerdings nicht zum Verzehr geeignet. Na gut, wir warten weiter auf den kapitalen Fang. Dafür klettern wir mit Angel und Köder in die Nachbarbucht. Mike angelt, Bela und ich vertreiben die Möwen, die an den Köder wollen. Es ist wirklich schön hier, nur wir, die Möwen, der halb aufgetaute stinkende Köderfisch, stinkende Finger und Fische, die aus dem Wasser zurückwinken, statt anzubeißen. Abends im Spa erholen wir uns vom Nichtstun bei 40 Grad im Blubberbecken, bis der Kreislauf versagt. Langsam wird es zwischendurch anstrengend. Wir merken was wir vorher schon geahnt haben, Reisen ist anders als Urlaub. Es ist übrigens Donnerstag, der 30.11. Das muss ich im Kalender nachschauen. Das Gefühl für Zeit und Wochentage ist komplett verschwunden. Nach zwei Nächten und sauberer Wäsche, fahren wir in Richtung Roturua weiter und machen uns über den Namen lustig. Auf dem Weg besuchen wir eine Kiwifarm,  Ups…Verzeihung…eine Kiwifruchtfarm! 

Wir entscheiden uns gegen die Tour, weil sie zu teuer ist. Stattdessen vergnügen wir uns beim tasting. Was man alles aus Kiwifrüchten machen kann, ist schon nett. Marmelade, Relish, getrocknete Kiwifrüchte gelb und grün, Bonbons, Creme, Seifen und noch vieles mehr. Kiwisaft haben wir zum ersten mal getrunken, der ist super. Wir sehen die Kartons, die bei uns im Edeka auch stehen und wissen nun, wo die Kiwis herkommen.

Voll bepackt mit gesundem Kram (die Bonbons sind ja schließlich aus Obst und die Marmelade ebenfalls) fahren wir weiter nach Roturua. Fahren dauert hier ewig. Wenn man in Deutschland für 250 km circa 2 Stunden braucht, sind es hier 4 bis 5 Stunden mit Kotzgarantie. Und es gibt hier so viele Pilonen, wie im Rest der Welt zusammen wahrscheinlich. An jeder Kleinstbaustelle stehen ein paar Tausend davon rum. Wir entscheiden uns in Roturua auf einem Campervan Overnight Parking zu übernachten. Das gibt es in manchen Orten, da darf man dann kostenlos zwischen ein und vier Nächte bleiben, wenn man einen selfcontained Campervan hat. Zum Glück sind wir früh dran,  denn diese Plätze sind natürlich beliebt. Wir erwischen den vorletzten freien Platz. Es ist ein ganz normaler Parkplatz, wir müssen Tisch und Stühle vor dem Auto aufbauen, weil daneben kein Platz ist. Dafür kostet es nichts. Was auch nichts kostet, ist die hervorragende Luft hier in Roturua. Ein heiliger Ort für die Maori wegen der heißen Quellen. Schwefelquellen. In der ganzen Stadt riecht es, nein pardon, stinkt es, nach faulen Eiern. Man gewöhnt sich dran, so sagt es der Reiseführer. Wir haben darauf gewartet….es hat einfach weitergestunken. Wir bummeln durch die Stadt, es gefällt uns gut. Wir gehen in den Park. Es gibt viele Crockettfelder mit akurat gepflegtem englischen Rasen. Überall stehen Betreten verbiten Schilder. Wobei man aufgrund des Zustandes und der klar erkennbaren Bestimmung und Abpserrung sowieso nicht darauf herumtrampeln würde. Bis ein paar Chinesen  (lange haben wir keine gesehen, aber hier gibt es wieder das übliche Programm: heute Roturua,  morgen Sydney Opernhaus, übermorgen München Weihnachtsmarkt) über den Rasen latschen. Rufen der Crockettspieler hilft nicht. Brüllen und pfeifen auch nicht. Sie latschen einfach weiter. Bis ein Ball fliegt.  Dann erschrecken sie sich und raffen es. Etwas weiter gibt es ein Fußbadebecken mit 40 Grad heißem Wasser. Da wir heute nicht duschen können, haben wir danach wenigstens saubere Füße. 

Wir buchen für den nächsten Tag ein paar Events. Levi und Azul fahren nach Hobbiton, Mike und Bela düsen auf Seifenkisten einen Berg runter und ich verschwinde für drei Stunden alleine ins Polynesian Spa, lege mich in das stinkende heiße Wasser und genieße die Ruhe. Kinder sind hier nämlich verboten. Ich fand schon immer Angebote ohne Kinder gut. Auch Hotels, in die man keine Kinder mitbringen darf, finde ich großartig. Für zwischendurch zum Auftanken ist das ein tolles Angebot. Wenn man so lange (wie sagt Levi) 24/7 auf engstem Raum zusammen unterwegs ist, lernt man solche Sachen zu schätzen. Ansonsten bin ich jedoch ein absoluter Kinderfreund. Im übrigen kann man hier nicht angeln. Der See ist heiß und stinkt, Fische gibt es hier keine. Langsam fangen wir an, uns um die Fähre auf die Südinsel zu kümmern. Das großzügige Angebot über die Wohnmobilvermietung günstiger zu buchen, haben wir abgelehnt, weil es komischerweise deutlich teurer gewesen wäre und wir uns weit im voraus auf einen Termin hätten festlegen müssen. Also buchen wir über die Homepage der Fährgesellschaft am 1.12. für den 5.12. (in der Hochsaison ist das wahrscheinlich nicht möglich) und fahren weiter in Richtung Wellington. Heute erstmal so weit wir kommen. Wir brechen gegen 16 Uhr in Roturua auf und haben gute 400 km vor uns.

Wir kommen am Schicksalsberg aus Herr der Ringe vorbei. Das Wetter ist ekelig, es geht runter bis auf 10 Grad und es regnet. Genau richtig um Kilometer zu machen. Wir schaffen es bis Bulls, wieder eine von diesen Filmkulissenstädtchen, wo man nicht tot über dem Lattenzaun hängen möchte. Viele Einwohner haben wahrscheinlich die gleiche Blutgruppe 😉 Es ist circa 150 km vor Wellington. Wir stellen uns auf einen Parkplatz, kochen und versuchen zu schlafen. In der Stadt ist eine Party, es ist laut, leider will keiner mit mir feiern gehen. Am nächsten Morgen, es ist Sonntag, gehen wir ausnahmsweise frühstücken, weil Levi und Azul noch schlafen. Carrotcake zum Frühstück ist keine gute Idee, mir ist den ganzen Tag schlecht. Das hat man dann davon!                                                            In Wellington gibt es auch so einen kostenlosen Platz direkt an der Marina, 15 Minuten mit dem Bus von der Innenstadt entfernt. Wir parken, beschließen,  die Fähre auf morgen vorzuverlegen, falls das geht. Ein Tag Wellington reicht uns. Wir gehen ins Te Papa Museum, das Nationalmuseum von Neuseeland. Te Papa ist Maori und heißt übersetzt „der Ort der Schätze des Landes“. Ausgestellt wird u.a. die Entwicklung und Geschichte Neuseelands. Wir fanden es super interessant gestaltet. Direkt daneben in einem Park findet am Wochenende immer die Extravaganza statt. Eine Art Hippiekirmes.

Wir fanden es ganz lustig und sind ein bisschen dort geschlendert. Danach gings in die Cuba Street. Dort pulsiert das Leben hier in Wellington. Es gibt zahlreiche Geschäfte aller Art und viel Restaurants und Pubs. So sind wir auch erstmal schön hier hängen geblieben. Kein Bier vor 4 ? Kein Problem um 16:10!

Danach haben wir uns einen anderen Pub gesucht und sind ausnahmsweise mal Essen gegangen.

In der Zwischenzeit kam die Zusage von der Fähre, es ist für alle in Ordnung nur einen Tag in Wellington zu bleiben. An der Marina darf man eh nicht angeln, also starten wir am nächsten Morgen früh zu den Weta Cave Studios. Dort wurden zum Beispiel für die „Herr der Ringe“ Verfilmung Prothesen, Waffen, Rüstungen, Kreaturen und größere Miniaturen in größtenteils Handarbeit hergestellt. Weta war auch an King Kong, Avatar, Tim und Struppi, der Hobbit, den Chronisten von Narnia und vielen anderen beteiligt. Einer der Inhaber ist Peter Jackson. Begrüßt wird man direkt am Eingang von drei Bergtrollen aus Herr der Ringe. Es gibt ein kleines interessantes Museum, logischerweise sämtliche Dinge zu kaufen ( u.a. einen lebensgroßen Gollum für 4000 Dollar). Alles dort in Handarbeit gefertigt und nichts billig aus Fernost. Den Kindern sind fast die Augen aus dem Kopf gefallen. Zum Glück haben wir keinen Platz im Gepäck. Wir sehen einen Film über die Entstehung und Entwicklung dieser Studios und einen Blick hinter die Kulissen einiger Filme.

Wir verlassen die Nordinsel mit vielen schönen Eindrücken im Gepäck!                                                           

Auckland 2.0 oder zurück in die Zukunft und erste Etappe der Nordinsel

Wir fliegen nur 4 Stunden und verpassen einen kompletten Dienstag. Für uns hat dieses Jahr der 21.11. nicht existiert. Dafür sparen wir uns auch diese Übernachtung…wobei wir ja am 14.11. zwei Unterkünfte bezahlen mussten…also egal. Wir landen pünktlich um 4:50 Uhr in der Früh und zum Glück ist es leer am Airport. Es geht alles ruckizucki. Wir haben ein Hotel für eine „Nacht“, d.h. wir checken um 6:30 Uhr ein und haben ab 13 Uhr ein Wohnmobil. Das heißt hier Campervan, das gefällt mir besser. Das Hotel, bzw. Motel, ist ganz schön schratig. Sicher wurde dort mal ein Roadmovie gedreht. Es ist mehr oder eher weniger sauber, dafür günstig, hat sogar einen dreckigen Pool im komischen Garten. Late Check out bekommen wir gratis bis 13 Uhr und der kostenlose Airport Shuttle hat auch gut funktioniert. Wir haben eine Familiensuite, es gibt ungenießbaren Kaffee und Tee im Zimmer. Wenn man bedenkt, dass die Hotels in Flughafennähe hier alle bei 300 Euro pro Nacht losgehen, haben wir ein richtiges Schnäppchen erwischt. Wir schlafen drei Stunden, lassen die beiden Großen in Ruhe und machen uns auf den Weg, um den Campervan abzuholen. Das ist aufregend. Die Vermietung ist prima, mit Duschen und allem piepapo. Es gibt sogar ein Regal und einen Kühlschrank, wo Sachen für die nächsten Camper abgegeben werden können, statt sie vor dem Heimflug wegzuschmeißen. Die Idee gefällt mir. Ich nehme Müllbeutel (die sind tatsächlich für die komplette Reise ausreichend), Salz, Alufolie, Küchenrolle und Kiwifruchtmarmelade (ja, das ist hier ein Unterschied, das merke ich, nachdem diese Marmelade alle ist und ich im Geschäft nach Kiwijam frage…Kiwi ist hier entweder der Vogel oder die neuseeländische Bevölkerung, beides möchte ich nicht in der Marmelade haben). Indessen checkt Mike ein. Das geht über Tablet. Wir bekommen unser neues rollendes Zuhause erklärt, ein Mercedes, während Bela kostenlosen Kakao trinkt, bis nix mehr reinpasst. Der kostenlose Kaffee dort hingegen war grottig, genau wie der Tütenkaffee im Motel. Daran müssen wir uns wohl gewöhnen. Bald bin ich auf Tee umgestiegen. Es funktioniert alles ganz simpel. Wir probieren alles eben aus, Betten bauen, Strom, Wasser, Abwasser und Toilette. Alles da, was wir brauchen, sogar eine Bodumkaffeekanne. Richtige Bettwäsche mit Daunendecken und Kissen. Fast wie beim Glamping…Wir bekommen noch 5 Stühle und einen extra Tisch dazu, mit zwei Tischen ist es besser bei 5 Personen, sagt der Vermieter. Meinte er auch so, es kommt aber, wie so oft, anders. Nicht mit den Tischen…

Wir steigen ein und fahren los. Links mit Laster… klappt gut. Restliche Reiseteilnehmer nebst Gepäck abholen und ab auf den State Highway No. 1 Richtung Norden.

Wir sollen für die erste Nacht auf einen Campingplatz fahren und erstmal Strom tanken. Wir finden was nettes, am Strand, hübsch, sauber und ohne viele Menschen. Da habe ich ja ein bisschen Bammel vor: Camper! Das ist schätzungsweise mit Laubenpiepern, FKK Strand Besuchern und Saunagängern über 51 gleichzusetzen. Ein ganz eigenes Völkchen, jedenfalls in Deutschland. Hier scheint das anders zu sein. Selbst die älteren Deutschen, die wir hier treffen, sind nicht die typischen Camper, sie machen das alle wohl nur hier. Wir treffen auch zahlreiche 19 bis 25 Jährige, meist für ein paar Monate mit einem umgebauten Kombi zu zweit unterwegs. Im Kofferraum eine Holzkonstruktion mit Matratze zum Schlafen. Immer mit Lichterkette. Das ist wichtig! Merken! Kaufen! Wir sind in Red Beach, etwa eine Stunde nördlich von Auckland im Pinewoods Motorpark und lernen Camping. Es klappt alles und macht uns sogar Spaß. Wir machen es uns erstmal gemütlich. Packen das „Esszimmer“ aus und stellen fest, dass wir nur vier Stühle haben, dafür aber drei Tische. Da ist wohl etwas schief gelaufen, beim Einladen. Wir improvisieren. Bela hat eh keine Zeit zum Essen. Wir gehen an den Strand, kochen in der Campingplatzküche und benutzen das BBQ. Wir schlafen ganz gut und düsen am Morgen weiter nach Norden. Wir stoppen zum shoppen. Wir brauchen unbedingt einen Stuhl, eine Angel und noch ein paar Kleinigkeiten für den Campervan. Wäscheklammern und natürlich eine Lichterkette. Jemand hatte uns Whangarai empfohlen, wir wissen nicht so genau wieso und verschwinden sofort nach dem Lunch wieder. Wir wollen in die Bay of Islands und haben uns Paihia ausgeguckt. Wir haben jetzt einen Vergleichspreis für einen toll ausgestatteten und sauberen Platz mit Strom und sind extrem schockiert, als wir den Preis für den spartanischen Platz am ausgetrockneten Fluß ohne alles (die Stromplätze sind nochmal teurer) erfahren. Also: weiter. Letztendlich landen wir nachmittags in Haruru Falls. Ein wunderschöner Platz mit netten Vermietern. Wir bekommen den schönsten Stellplatz für unser Heim und sehen die Wasserfälle von unseren drei Campingtischen aus. Mike angelt. Bela auch.

Wir mieten uns Kayaks und fahren zu den Fällen und Fluß abwärts. Es ist wunderschön hier, es ist Ebbe und alles voller Mangroven. Ich mache eine tolle Mutter Sohn Tour mit Levi. Es dämmert schon und das Licht ist unglaublich. Mike angelt. Wir essen unter unserer neuen bunten Lichterkette und hören den Wasserfall rauschen. Ist das schön hier! Blöd ist Camping eigentlich nur dann, wenn man nachts mal muss. Dann heißt es Schuhe an und über den Platz zum Toilettenhäuschen. Komischerweise muss ich in festen Unterkünften nachts nie so oft…

Am nächsten Morgen wandern wir ein bisschen an Wasserfällen und fahren dann nach Waitangi und besuchen ein Maori Zentrum mit Museum.

Auch ich schaffe es, diesen Monstertruck im Linksverkehr sicher von A nach B zu steuern. Es macht sogar richtig Spaß. Das Maori Zentrum ist super interessant. Zunächst sperrt sich Renate aus einer Reisegruppe im Klo ein und ruft nach Rolf. Dieser kommt schnell in einen Gewissenskonflikt. Ob er wohl als Mann die Damentoilette betreten darf? Er muss ja schließlich seine ungeschickte Frau retten. Wir erfahren sehr viel, mal wieder unliebsame Geschichten von europäischen Eroberern, die mich teilweise sprachlos und sauer machen. Wir erfahren über den Vertrag von Waitangi, in dem die Maori eigentlich geschützt werden sollten, aber letztendlich total über den Tisch gezogen worden sind, weil sie der englischen Sprache nicht mächtig waren. Wir sehen eine beeindruckende Vorführung mit Begrüßungsritual, da will man sich lieber nicht mit ihnen anlegen. Renate hat sich übrigens inzwischen wieder gefangen.

Weiterfahrt nach Ahipara an den 90 Mile Beach, der aber nur in echt nur 68 Meilen lang ist. Ganz im Norden der Nordinsel Neuseelands. Es gefällt uns gut, nachdem wir den State Highway No 1 erneut gefahren sind, aber nicht so richtig glauben konnten, dass das so etwas wie eine Autobahn sein sollte. Kurven und Berge, teilweise schräge Fahrbahn, allen war übel, sogar mir, obwohl ich der Fahrer war. Die Landschaft ist wahnsinnig abwechslungsreich. Mal Berge mit Farn und Laubwald, immer mal eine Palme dazwischen, mal weites Grasland mit weichen Hügeln, alles wie mit Weichzeichner aufgenommen. Der Campingplatz (Ahipara Holiday Park) ist voll mit Jungvolk, viele sprechen deutsch. Azul trifft zwei Brüder aus Argentinien und ist enttäuscht, weil sie kein Mate mehr übrig haben. Wir gehen zum Strand. Der ist wirklich breit und beeindruckend.

Es fahren viele 4×4 Pickups, Motorräder und Quads herum. Es ist wie immer Ebbe, wenn wir zum Wasser wollen. Müssen weit laufen. Mike angelt. Leider wussten wir nicht, dass Ahipara so klein ist und nur drei Geschäfte hat. Eins ist eine Tankstelle, eins ein Take Away mit einer bescheidenen Auswahl an überteuerten Lebensmitteln und das dritte ein Tourenveranstalter. Also kaufen wir nur ein bisschen Toast und planen frisch geangelten Fisch ein . Wir leben die nächsten zwei Tage von Resten. Ohne Fisch. Geht auch. Irgendwann wird schon einer anbeißen. Am nächsten Tag wollen wir auf der Ahipara Düne sandboarden und gehen zum Verleih. Raus kommen wir mit zwei Boggieboards und Neoprens, weil die Sanddüne ungefähr 2 Stunden Fußmarsch bedeutet hätte. Der Himmel war schwarz und es war frisch, wir wollten nicht im Regen enden. Also surfen am Strand. Angeln und Yoga. Wieder kein Fisch, aber der Erleuchtung ein wenig näher. Tolle Hintergrundgeräusche für Yoga am Strand. Mopeds und Quads drehen laute Runden auf dem Sand, Bela brüllt rum, weil er mir ständig neue Kunststücke mit dem Board zeigen will und Levi macht sich lustig über das fehlende Yoga Feng Shui. Er malt ein fantastisches Bild auf den Sand. Mike angelt weiter.

Wir chillen die zwei Tage schnell vorbei, entscheiden uns gegen einen Ausflug nach Cape Reinga , weil es mit viel zu viel Unannehmlichkeiten verbunden wäre und düsen am Sonntag durch bis nach Auckland, um Joshi zu treffen. Er ist mit zwei Freunden unterwegs und hat eine Bleibe in Auckland gemietet bis sie ein passendes Auto gefunden haben. Die Freude ist riesig.

Sie sind über Thailand und Kambodscha angereist und haben viel zu berichten. Wir gehen zur Feier des Tages zusammen aus. Aus heißt in dem Fall, Sushi neben dem Shoppingcenter. Wir müssen sparen! Deshalb fahren wir auch weiter und übernachten auf dem Parkplatz einer Autobahn Tankstelle für lau. Zusammen mit den ganzen harten Jungs mit den langen Holzlastern. Mike kann hier nicht angeln.

Cook Island: die Reise in die Vergangenheit…

…also nach gestern…

Lustig ist schon der Flug. Also nicht, dass ich aus Versehen lediglich für den Rückflug Gepäck gebucht habe und wir echt viel nachbezahlen und umpacken müssen…nein, lustig weil wir am 15.11.17 um 16:50 Uhr in Auckland losfliegen und um 21:30 Uhr in Rarotonga ankommen. Allerdings am 14.11.17!! Das ist auch der Grund, warum wir in der Nacht vom 14. auf den 15.11. sowohl ein Haus, als auch ein Hotelzimmer an zwei verschiedenen Orten hatten. Gut, dass ich da besser aufgepasst habe als beim Gepäck. Denn sonst wären wir die erste Nacht auf Cook obdachlos gewesen. Das Buchungsportal wollte jedoch bereits am 15.11 eine Bewertung des Check Ins haben, als wir noch in der Küche in Auckland beim Abendessen saßen. Das ist komisch, die Geschichte mit der Datumsgrenze. Zurück fliegen wir am 20.11. und kommen am 22.11. an, obwohl wir auch wieder nur 3,5 Stunden fliegen. Auch komisch. Als wir landen ist es stockfinster. Die Leute hier sind auch alle wieder unglaublich entspannt und nett. Und alle noch dicker und größer als in Neuseeland. Sie stehen mit Blumenkränzen auf dem Kopf am Flughafen und tragen lustige Hawaii- bzw. eher Polynesienhemden.

Das Taxi „ächzt“ uns ins unsere Unterkunft. Wir kaufen noch schnell etwas ein, kochen und schlafen um 1:30 Uhr endlich ein. Wir haben ein sehr schönes Schlafzimmer mit Blick auf Palmen und Wasser. Das Fenster geht über die komplette Front, wir lassen es offen und brauchen weder AC noch Ventilator. Es geht eine frische Brise. Wir hören die Brandung bis ins Bett. Gibt es etwas schöneres? Am Morgen wache ich um 6 Uhr auf und gucke raus. Der Hammer! Die Sonne strahlt vom Himmel, das Wasser ist näher als gedacht, ich freue mich, alles ist noch leise und ich schlafe wieder ein. Als ich aufwache und wieder rausschaue, muss ich an den Film Cast Away mit Tom Hanks denken. Ich sehe gar nichts mehr, nur noch Regen, ach was, wolkenbruchartig kommt alles vom Himmel runter, was drin ist. Es stürmt und tretscht. Es ist ecklig. Im Film tut es das 5 Tage am Stück glaube ich. Mike sagt dann auch noch, wenn es in der Südsee regnet, dann regnet es viele Tage. Schade eigentlich. Ab morgen haben wir ein Auto, dann können wir wenigstens ins Museum, dort ist es trocken. Wir machen heute trotzdem alles. Sport im Regen, spazieren am Strand im Regen, lesen im Regen, schlafen im Regen, in den Pool im Regen und so weiter…Abends wollen Mike und ich alleine ausgehen. Das Angebot unserer kanadischen Nachbarin uns zu fahren lehnt Mike ab. Prima. Wir nehmen ausgelutschte Regenschirme und zischen ab. Mike mit dicken Wanderschuhen, Cargohose und Regenjacke, ich mit Pluderhose und Flipflops. Die quitschen schon bald. Die Nässe zieht sich an meiner weiten Hose nach oben und der Schlamm klebt an meinen Füßen. Das erste Restaurant was wir finden, ist unser. Wir wollen den kinderlosen Abend genießen. Doch wie ist das nochmal mit dem Karma! Wo landen wir klitschnaß? Weil es nicht nur das erste auf der Strecke ist, sondern auch weit und breit das einzige…The Rikshaw…Asiatisch Vietnamesisch…ich freu mich auf Nudelsuppe!

Es stürmt die ganze Nacht, wir lassen das Fenster natürlich wieder offen. Es gießt wie aus Eimern. Ich hoffe auf Besserung. Am Morgen scheint die Sonne. Es stürmt immernoch, aber der Regen ist weg. Bela auch! Er ist in aller Frühe mit seinem neuen kanadischen Kumpel, der mit Eltern und Geschwistern vor drei Monaten nach Neuseeland gezogen ist, losgezogen, um Kokosnüsse zu knacken und zu angeln. Die Kinder werden zu Hause von der Mutter unterrichtet. Bela findet das spannend. Wir treffen ziemlich viele Menschen mit interessanten Geschichten auf unserer Reise. Wie Jürgen aus Vietnam zum Beispiel. Er ist im Jugoslawienkrieg mit dem Motorrad von der Türkei durch den Krieg bis zur österreichischen Grenze gebügelt, weil er sein Moped nicht in der Türkei zurücklassen wollte, danach hat er für Franz Beckenbauer zwei Küchen ins Ferienhaus eingebaut und danach in der ganzen Welt gearbeitet. Auch in Japan. Dort in einem Ort im Winter ohne Heizung im Haus, wo es nur kalte Sachen zu essen gab. Das haben sie sich ein paar Tage gefallen lassen und dann standen die Kollegen kurz vor einer Meuterei. Also zog er los, kaufte Kocher, Gas, Töpfe und Pfannen. Druckte Rezepte, besorgte die Zutaten und ging in ein kleines Cafe, in dem sie vorher schon oft etwas warmes getrunken hatten. Die beiden Besitzerinnen waren einverstanden und kochten nun jeden Tag für die Mitarbeiter. Als Jürgen nach ein paar Jahren wieder in diesen Ort kam, war das Cafe geschlossen. Er fragte ein paar Leute nach den beiden Damen und bekam eine neue Adresse. Da hatten sich die beiden in der Zwischenzeit zu einem BBQ Restaurant vergrößert, weil die Gäste ihnen in dem Cafe die Türen eingerannt haben. Alle waren scharf auf Gekochtes. Tja, damit haben sie sich eine goldene Nase verdient 😉 Der kanadische Papa ist Chirurg, hat sehr unregelmäßige Arbeitszeiten und deshalb macht die Mutter mit den Kindern homeschooling, damit sie jederzeit, wenn der Vater ein paar Tage frei hat, wegfahren können, ohne auf Ferien angewiesen zu sein. So haben sie schon in Kanada, Südafrika und Australien gelebt. Und jetzt eben in Neuseeland. Natürlich sollen wir vorbeikommen, auf dem Weg in den Süden.

Wir fahren ab heute Auto. Erkunden die Insel ein bisschen. Es gibt zwei Buslinien. Clockwise und Anti Clockwise 😉 Es gibt auch nur zwei Straßen, die innere und die äußere Inselrundstraße. Wir suchen vergeblich nach Angeln, schönen Picknickplätzen und schönen Stränden. Wir beschließen uns erstmal vernünftige Informationen einzuholen. Abends gehen wir auf den Nachtmarkt im Nachbarort, haben local Abendessen und genießen die Atmosphäre dort. Es gibt Musik und ganz viele verschiedene Gerüche. Wir treffen auf Stefan und Gabriele aus Deutschland. Sie verkaufen irre leckere Kokosnusschips und reisen seit 4 Jahren um die Welt. Gestartet haben sie auf den Bahamas, sind dann viel Schiff gefahren, nach Panama und schießlich Tahiti. Dann waren sie lange in französisch Polynesien und sind vor drei Monaten mit dem Schiff hier angekommen. Sie vertreten den Kokosnusschipsmann, der nach Neuseeland musste. So müssen sie jeden Tag etwa 18 Kokosnüsse sammeln, aufhacken, raspeln, im alten Ofen rösten, verschieden würzen und auf den Märkten verkaufen. So schlagen sie sich durch und sehen keine Veranlassung momentan nach Deutschland zurück zu kehren. Unsere Reise finden sie auch sehr spannend, vor allem, weil wir die Kinder aus der Schule genommen haben, um ihren Horizont zu erweitern. Wir wollten so etwas ähnliches machen wie Stefan und Gabriele, als Hunde- bzw Haussitter, das hat aber leider nicht geklappt. Wir haben das Angebot, uns zwei Monate in einem 300 Einwohner Dorf auf der Südinsel um ein Kaninchen zu kümmern lieber abgelehnt.

Das Wetter wird besser und wir erkunden die Insel mit unserem quietschenden Mietwagen. Was wir sehen gefällt uns gut, wenn sich doch bloß die Sonne mal blicken ließe… Die Hauptstadt heißt Avarua und ist nicht sehr groß. Wir kaufen ein, zum Glück haben wir eine Küche. Lebensmittel sind hier wirklich teuer und ausgehen sowieso. Selbst das Internet kostet Geld. Deshalb gehen wir sparsam damit um. Was uns gut tut, gefällt den Kindern gar nicht. Sie haben Internet Detox vor sich, das wird schon. Stattdessen machen sie was ganz neues und üben sich im Kokosnussbusiness:

Mühsam, aber dann lecker. Als die Sonne dann doch endlich mal rauskommt, ist es richtig heiß. Auch das Meer hat auf einmal eine ganz andere Farbe.

Wir fangen an, es zu genießen. Fahren Kayak, schnorcheln, schwimmen, angeln, grillen abends und machen Lagerfeuer am Strand. Zwischendurch gibt es immer mal wieder Kokosnüsse.

Wir besuchen den Samstagsmarkt in Avarua. Die Stimmung ist toll. Es gibt leckeres Essen, viel Obst und eine Tanz- und Musikvorführung von „Eingeborenen“, wie Bela sagt.

So langsam wie man hier fahren darf (auf der ganzen Insel höchstens 50 km/h), so plätschern die Tage gechillt vorüber. Wir sehen einiges, auf einiges verzichten wir auch, weil wir uns und unsere Reisekasse nicht überfordern wollen.

Wir baden am Wasserfall, das macht mega viel Spaß. Das Wasser ist schön frisch und wenn man nicht reinspringt, wird man von Moskitos aufgefressen. Wir finden ihn dann doch noch, den ultimativ schönen Strand und treffen auch dort Menschen, die deutsch sprechen. Zwei Schweizer mit -natürlich auch wieder- interessanten Lebensgeschichten. Einer von ihnen lebt seit über einem Jahr hier auf der Insel und hat ein großes Cafe eröffnet. Er ist mit der Inselgeschichte vertraut und erzählt uns, dass die Einheimischen vor der Missionierung durch die Europäer alle schlank und gesund waren. Sie ernährten sich von Fisch, Gemüse und natürlich Kokosnüssen. Mit den Missionaren kam auch das für sie schlechte Essen und sie wurden dick und auch krank. Heute wissen sie nicht so genau, wo sie hingehören. Sie haben ihre Kultur und ihre Bräuche, gehen sonntags in die Kirche und stehen irgendwie dazwischen. So etwas ähnliches haben wir uns schon gedacht. Wir treffen uns nach dem Sonntagsnachtmarkt mit Stefan und Gabi. Sie haben viel zu erzählen. Das braucht schon ein paar Bierchen. Das wiederum gibt es sonntags hier nicht. Wir waren aber vorbereitet. Es ist ein schöner Abend, Mike wird von Adam aus Auckland für David Beckham gehalten, ich aber nicht für Victoria 😉 Gespannt lauschen wir den interessanten Geschichten der beiden, die seit vier Jahren unterwegs sind. Was eigentlich nicht geplant war, sich dann aber anders ergeben hat. Sie wollten ein Business auf den Bahamas starten, was in letzter Minute quasi geplatzt ist. Wir holen uns ein paar Tipps, wo es uns eventuell noch hin verschlagen könnte auf der Reise, da wir für Südamerika keinen Plan machen wollen. Treiben lassen ist der Plan. Aber ein paar Infos vorab können nicht schaden. Sie erzählen über die Bahamas, Panama, Costa Rica und Tahiti, wo sie lange gewesen sind. Wir besuchen Sie am nächsten Tag in ihrem Haus und lassen uns die Produktion der Chips zeigen. Bela ist zwischenzeitlich im Hotel auch schon in Produktion gegangen und hat leckere karamelisierte Kokoschips hergestellt. Natürlich lässt er die Experten probieren, die sind sofort überzeugt. Nun werden Pläne geschmiedet für das nächste Stadtfest in Gudensberg. Die Standorte wird geplant und die Verpackung besprochen. Ich bin gespannt.
Wir genießen die Zeit und sind fast schon ein bisschen melancholisch, als wir zum Flughafen fahren. Es hat uns wirklich ziemlich gut gefallen, obwohl wir auf schon schöneren Inseln gewesen sind. Unser Hotel war top. Mit den Kayaks und den Kokosnüssen hatten wir einen riesen Spaß. Geangelt haben wir bis zum Schluß nichts, obwohl bei Bela einmal ein so großer Fisch dran war, der ihn fast vom Steg gezogen hätte. Am Flughafen gibt es dann noch ein letztes Highlight. Levis Handgepäck ist 3 Kilo zu schwer. Unsere Rücksäcke stehen noch vorne hinter der Waage am Check in. Wir könnten also noch umpacken. Es geht aber auch so: Wir nehmen das Handgepäck, holen so lange Dinge heraus, bis es nur noch 7 Kilo wiegt und behalten sie kurz. Nachdem er den „Okay-Aufkleber“ bekommen hat, räumt er alles wieder rein. Parallel zu dieser Aktion, steigt eine dicke Maori Frau aus Spaß selber auf die Waage und freut sich total über ihre 140 Kilo…Noch Fragen?

Was wir von den Cook Inseln gelernt haben:
Paradies funktioniert!
Verwandtschaft darf durchaus im Garten begraben werden.
Was wir nicht gelernt haben:
Angeln
Wie wir die Menschen erlebt haben:

Sehr gelassen und total nett, jeder kümmert sich auch ein bisschen um das Gemeinwohl. Überall ist es pickobello sauber

AUCKLAND  die erste…

Neuseeland…ein Traum! Ja, beginnt schon im Flieger. Wir steigen in Kuala Lumpur um, das kennen wir schon von 2011. Das ist cool, der Flughafen schön und sauber. Alles easy für 4 Stunden Aufenthalt. Dann weiter nach Gold Coast/Australien. Nur kurz raus aus dem Flieger und wieder rein. Gleiche Sitze, alles gut…eigentlich. Wir müssen raus, müssen unser Gepäck durchleuchten lassen, unser Wasser ausschütten – welches wir im Flieger gekauft haben – und alles stoppt, als um 11 Uhr die australische Nationalhymne läuft! Naja, wenigstens war uns nicht langweilig, diese eine Stunde in Australien. Weiterflug nach Auckland. Wir füllen die strengste Einreisekarte aus, die ich jemals gesehen habe. Sogar unsere Sitzplätze im Flieger müssen wir eintragen. Ob wir Trekkingschuhe dabei haben und wo wir in den letzten 30 Tagen gewesen sind. Da müssen wir erstmal überlegen. Viel…war das. Wir füllen alles ordnungsgemäß aus. Bei den Schuhen schummeln wir ein bisschen. Wir sind zwar damit draußen herumgelaufen, haben aber die Idee, dass sich alles verzögert, wenn wir das als Trekking bezeichnen. Also nein, wir haben keine Schuhe dabei, mit denen wir Trekking gemacht haben. Belas Kekse verschweigen wir auch. Aber Milch, Käse, Vögel, Gehacktesbrötchen und Kühe haben wir wirklich nicht mit. Bei der Passkontrolle wird auch sehr viel gefragt, aber nett und lustig. Wo wir hingehen, wie lange wir bleiben. „Oh really? Mobile Home? Where did you book?“ Ich so: “ Oh, actually we didnˋt. Could you recommend some?“ Hihi…Konnte sie nicht. Aber egal. Ausgehorcht wirst du, aber eben sehr nett. Nicht so versteinerte Gesichter wie auf den Malediven oder Sri Lanka. Außerdem dürfen wir alle fünf gleichzeitig zur Passkontrolle, was selbst in Deutschland undenkbar ist. Dann Gepäck, das ging fix. Dann Zoll. Das dauerte wieder. Alles wird nochmal abgefragt. Bela bekommt Schiß und erwähnt seine Kekse, die aber dann doch kein Problem darstellen. Nett sind sie, die Kiwis. Alles nochmal xray und mit uns 2 Mio. andere Leute. Viele Menschen hier sind beeindruckend groß und dick, im Gegensatz zu den kleinen Vietnamesen, die halb so groß und schwer waren wie wir, fühle ich mich neben so einem Maori klein und dünn!  To make a long story short: Wir kommen mit dem Mietwagen wohlbehalten in unserem gemieteten Haus an. Copilot Mike und Navi sei Dank.  Das Haus ist ein kleiner Traum, mit Hundeanschluß.

Der Vermieter ist auch ziemlich lange bei uns geblieben, ist nur mal kurz weg, um „nachzutanken“. Irgendwann musste er sich dann sogar festhalten und wir lüften. Wir kochen (Steak statt Nudelsuppe!) und fallen in die Betten. Schlafen lange. Sehr lange. Wir lümmeln den ganzen Tag und erholen uns einfach. Tut gut. Abends fahren wir in die Stadt. Mit dem Auto. Das klappt besser als ich dachte. Linksverkehr. Ich verwechsel Blinker mit Scheibenwischer. Aber das kennen sie wohl, die Neuseeländer, denn ich werde immer reingelassen, wenn ich die Scheibenwischer anstelle, obwohl es gar nicht regnet. Als es dann regnet, blinke ich sicherheitshalber. Zum Glück muss ich nicht schalten. Automatik. Das wäre zuviel für den Anfang. Aufs Navi brauche ich auch nicht achten, das und Copilot Mike reden mit mir. Irgendwann fahre ich aber auch wie ein Einheimischer und kann gleichzeitig fahren und aufs Navi achten. Es ist auch nicht so viel los auf den Straßen. Wir fahren sogar mittenrein, nach downtown Auckland. Mit parken und so…das ist schon komisch mit dem Lenkrad auf der anderen Seite. Machen wir aber nicht mehr. Das Parken ist extrem teuer hier. Auckland ist ganz schön, so auf den ersten Blick. Soviel haben wir noch nicht gesehen. Wir haben hier so ein bisschen was wie Alltag, wir gehen schwimmen, müssen einkaufen und kochen, Wäsche waschen, gehen in den Zoo und kommen langsam an.




Der Jetlag ist uns allerdings immernoch auf den Fersen. Hund und Vermieter verlieren  das Interesse an uns und wir haben unsere Ruhe. 

Nach vier Nächten geht es schon wieder weiter. Wir wollen auf die Cookinseln. Da geht man wegen des Wetters am besten vor Dezember hin, deshalb diese Route. Wenn wir zurück nach Auckland kommen, haben wir für 4 Wochen ein Wohnmobil, mittlerweile gemietet, auch ohne die Hilfe der Zollbeamtin 😉  


 

Good Morning Vietnam

Vom leisen Tokyo geht es ins laute Hanoi. Die Einreise nach Vietnam klappt problemlos. Wir waren vor 7 Jahren schon mal hier, da brauchten wir noch ein Visum. Das war diesmal nicht mehr nötig. Es hat sich viel getan in dieser Zeit, wobei wir nicht wissen, ob es an der Zeit liegt oder daran, dass wir damals im Süden waren. Der Verkehr hat sich extrem verändert. Es gab damals viel mehr Fahrräder und auf keinen Fall soviele Autos. Auch die Anzahl der Mopeds hat enorm zugenommen, was der Luft nicht unbedingt gut tut. Katastrophal ist es aber immernoch. Die fahren hier wie die Henker. Wenn zwei Spuren nicht reichen, wird eine dritte oder auch eine vierte Spur auf der Gegenfahrbahn eröffnet und dann passt aber immer noch das Moped aus dem Gegenverkehr durch. Hupen lernt man wahrscheinlich in der Fahrschule als erstes. Ich lese lieber, statt meinem Unglück in die Augen zu schauen. Wohlbehalten kommen wir dennoch in Halong an, aber dazu später mehr. Jetzt werden wir erstmal ins Hotel gebracht. Das Hotel schickt einen PKW und der Fahrer wundert sich über 5 Personen mit Gepäck. Wir fahren ein paar KM, als Mike ein Geräusch hört. Wir sind wohl zu schwer für den kleinen Wagen. Der Fahrer reduziert das Tempo auf 2 Km/h und telefoniert. Wir halten an. Irgendwas scheuert. Wir warten. Ein Kleinbus hält, das Pärchen, welches samt Gepäck umgeladen wird, guckt ein bisschen komisch und wir bekommen den Bus. Ab gehtˋs.

Wir übernachten eine Nacht im Hotel Diamond King, sehr nett und mit Begrüßungscocktail. Zur Info: Wir bezahlen 46 Euro für zwei Zimmer inklusive richtig gutem Frühstück. Wir sind mittendrin. In der Altstadt. Im chaotischen Hanoi. Kein Vergleich zu Tokyo. Es ist dreckig, laut und stinkt. Aber es ist cool. Die Empfangsdame fragt, ob wir schon mal in Hanoi waren. Wir sagen nein. Sie fragt ja nicht, ob wir schon mal in Vietnam waren. Wir bekommen ein Merkblatt. DinA4 beidseits beschrieben. Sie macht uns total Angst. Wir sollen alles im Hotel lassen. Bloß keine Wertsachen, keinen Schmuck, kein Handy, keine Kamera, auf keinen Fall unsere Pässe (die behält sie vorsichtshalber in der Rezeption), keine Kinder,….wird alles geklaut. Organhandel usw…Der Verkehr sei sehr gefährlich, am besten sollen wir nicht über die Straße gehen. Sie empfiehlt uns den Besuch einer christlichen Kirche für morgen, es sei ja ein besonderer Tag. Angepisst ist sie, als wir daraufhin sagen, ja, wir machen eine Tour durch die Halongbucht auf einem tollen Schiff. Sie meinte natürlich Allerheiligen, trägt ein fettes Kreuz um den Hals und versteht uns nicht, als wir ihr erklären, dass wir gar nicht so sind. Spirituell unabhängig sozusagen. Gibtˋs hier nicht (kein entsprechendes Modul im Hirn vorhanden), jeder muss glauben, notfalls an Drachen oder Geister. Wir trauen uns raus, aber nur nach nebenan in ein hübsches, teures Touristenrestaurant voller bunter Laternen. Leider konnten wir keine Fotos machen, weil wir ja nichts dabei hatten. Die Kinder können hier auf keinen Fall alleine los. Viel zu gefährlich. In Tokyo (9,6 Mio Einwohner) ging das, sogar alleine Ubahn fahren. Hier in Hanoi (4 Mio Einwohner) geht das nicht. Mike und Bela gehen ins Bett. Dort ist es sicher. Fußmassage nach dem Essen gibt es gegenüber vom Hotel (wir schaffen es zum Glück dann doch lebend über die Straße) in einem Laden mit wenig bis gar keinem Feng Shui. Vier Kleinkinder zanken sich im Massageraum, meine Masseurin wechselt zwischendurch, die Sessel sind nicht sonderlich bequem und ein Schnäppchen ist es auch nicht unbedingt. Aber immerhin im Dunstkreis des Hoteleingangs…Wir trauen uns nach der Massage in einen Supermarkt, um Wasser zu kaufen. Dafür müssen wir wieder die Straße überqueren. Sind also glücklicherweise jetzt auf unserer Seite. Dummerweise findet Levi einen Pulli in einem Laden neben der Massage ( den er für den Rest der Reise nicht mehr auszieht). Also wieder über die Straße. Diese Straße ist übrigens ungefähr so breit wie die Zufahrt zu unserem Grundstück… Den Pulli möchte ich mit Kreditkarte bezahlen. Levi holt mein Portemonnaie aus dem Hotel und schafft es ohne meine Hilfe erneut über die Straße. Sogar zweimal, denn zurück ins Geschäft muss er ja mit meinen Sachen auch noch. Auf einmal steht Bela auch im Geschäft. Er hat gewartet, bis Mike eingeschlafen ist, hat sich rausgeschlichen und ist Levi gefolgt. Mir bleibt fast das Herz stehen. Wie konnte er unbeschadet das Hotel verlassen und es über die Straße schaffen? Alleine? Die Empfangsdame hätte das verhindern müssen. Okay zurück zur Kreditkartenzahlung. Die Dame aus dem Pulloverladen sagt, „follow me“ und geht mit meiner Kreditkarte los. Aus dem Geschäft hinaus auf die Straße. Feindgebiet. Unsicheres Terrain. Scheiße…ich flitze hinterher. Sie hat meine Kreditkarte. Sie geht über die Straße, um die Ecke, ich sehe das Hotel nicht mehr. Kalter Schweiß. Sie geht weiter. Mein Puls steigt. Gefühlte 3 KM weiter, 2 Entführungen und 4 Überfällen später, mein Blutdruck ist jetzt auch auf einem ordentlichen Level, lande ich nach etwa 150 Metern wohlbehalten in einer Filiale des Pulloverladens. Alles klappt prima. Ich finde sogar unbeschadet wieder zurück. Ich gucke sogar ein bisschen nach rechts und links. Dabei finde ich heraus, dass wir hier viel günstiger hätten essen können. Gut, wir kommen ja nach der Bootsfahrt wieder, Wir bummeln jetzt alle in unterschiedliche Richtungen. Es geht gut. Es macht Spaß. Wir entdecken einiges.

Da wir sehr früh aufgestanden und an Reisetagen immer kaputt sind, werden wir müde. Wir schaffen wir es bis 22 Uhr noch ein paar Mal heil über die Straße. Irgendwann sind wir nur aus Protest vor dem Hotel und den strengen Augen der Empfangsdame einfach ein paar Mal rüber und nüber geflitzt. Wir gehen schlafen. Schließlich werden wir morgen früh abgeholt, um in die Halongbucht zu fahren.

Frühstück ist lecker, zu meiner Freude gibt es Nudelsuppe! Aber immerhin ab jetzt vietnamesische und keine japanische mehr. Abholen klappt auch mit einem netten Schild:

Über die Fahrt habe ich ja bereits oben geschrieben. Unser Guide (Jackie, wie Jackie Chan) erklärt auf der Fahrt unheimlich viel. Auch viel Stuß, den wir gar nicht hören wollen. Immer komische Witze mittendrin, die auf keinen Fall einstudiert wirken;) Er ist ein typischer vietnamesischer Reiseleiter, wir kennen das noch vom letzten Mal. Sie erzählen sehr viel, ohne dabei etwas zu sagen. Sie haben 12 Monate Ausbildung, davon 9 Monate Training, wie sie auf unbequeme Fragen nicht antworten. Sie sind den Amerikanern so dankbar, dass sie da waren…Hab ich mich verhört? Ich bin in Nordvietnam! Wo die dritte und vierte Generation sogar bereits im Kindergarten fertig gemacht wird, wenn der Opa mit dem Süden mit den Amerikanern gegen den Norden gekämpft hat. Wo man als Südvietnamese keinen Fuß auf den Boden bekommt, keine Ämter im Öffentlichen Dienst beispielsweise…. Wir landen am Hafen, checken auf dem Schiff ein und freuen uns auf drei Tage und zwei Nächte auf der Oriental Sails durch die Halongbucht. Sie gehört zum Unesco Weltnaturerbe. Zu Recht, wie wir finden. Hoffentlich wird das auch den Vietnamesen bald klar, denn so verdreckt wie die Bucht teilweise ist, wird es nicht mehr lange dauern und dieser Status wird aberkannt. Es gibt hier sehr viele Schiffe und wir schippern nur durch den rihgen Teil der Bucht. Der Hauptverkehr ist in der großen Bucht, dort sind täglich 500 Schiffe unterwegs. Mit entsprechend Abfall. Unser Boot hat Abwassertanks und ausreichend Platz für Abfall. Diese Tanks werden gewogen und wenn die geschätzen Mengen nicht stimmen, gibt es eine Geldstrafe. So könnte es funktionieren, wenn alle mitmachen würden. Die asiatische Sichtweise ist leider eine andere. So mussten auch auf „Befehl“ irgendeines Ministers alle Boote innerhlab von 6 Wochen weiß gestrichen werden, weil besagter Mann in Frankreich an einem See lauter weiße Schiffe gesehen hat und begeistert war. Das bedeutete, die schönen braungoldenen Schiffe mit aufwendigen Schnitzereien gibt es nicht mehr. Alles weiß, Schnitzereien sieht man nicht mehr…

Die Kabinen und das Schiff sind sehr schön, die anderen Passagiere eher wie Altersheim. Aber wird schon… Wir haben Lunch und machen im Anschluß eine Tour zum Fishing Village. Mit Kayaks und Bambusbooten. Es ist interessant. Die Menschen wohnen in Hütten auf dem Wasser und fischen. Leider plant die Regierung sie aufs Festland umzusiedeln. Das würde bedeuten, sie würden arbeitslos auf dem Festland rumhängen. Sie können nichts anderes als fischen, das machen sie seit Generationen so. Ihre Kinder lernen schwimmen, bevor sie laufen können. Nach dem fishing village besuchen wir eine Austernperlenfarm. Ich verliebe mich in eine Kette, möchte die Weltreisekasse dafür opfern und werde beinahe selbst geopfert…Zurück auf dem Schiff chillen wir auf unterschiedliche Art und Weise:

Happy hour ist von 17 bis 19 Uhr, es gibt 3 für 2. Also rein damit. Mike erntet bewundernde Blicke. Bela natürlich auch. Am Abend gibt es Kochkurs. Frühlingsrolle, frittiert. Azul macht mit und wir dürfen probieren. Es gibt einen deutschsprechenden vietnamesischen Guide, der den Kochkurs wie folgt ankündigt:“ Zuerst kocken wir, dann kotzen wir später davon“ Wir müssen lachen.

Es gibt Dinner. Das ist großartig:

Danach haben wir die Wahl zwischen Angeln und Karaoke. Da allerdings für Karaoke nicht genug Alkohol an Bord ist, versuchen wir es lieber mit angeln:

Das klappt aber auch nicht so richtig.

Wir verschwinden in den Betten. Der nächste Tag beginnt um 6:30 Uhr mit Tai Chi.

Ich werde um 6 Uhr von alleine wach und mache ein paar Sonnenaufgangfotos, weil ich mich in der Regel bei Tai Chi langweile.

Bei Bela machen sich winzige Anzeichen von Reise-Burnout bemerkbar. Wir müssen das beobachten. Er möchte nicht mit an den Strand, lieber auf dem Boot bleiben. Das geht natürlich nicht, denn das Boot fährt in den Hafen zurück, bringt die Eine-Nacht-Passagiere zurück und neue Gäste mit. Eine gute Lösung (wie wir finden), wir haben uns schon gefragt, wie das funktionieren soll, wenn wir zwei Nächte bleiben. Wir wollten ja nicht mit zum Hafen, um diese Transporte zu erledigen. So werden wir nach dem Frühstück einfach in ein Dayboat verladen. Das hat auch alles, wie das große, nur keine Schlafkabinen. Es ist schön. Wir sind 11 lustige Leute, alles passt gut. Wir fahren heute an einen kleinen Strand zum Schwimmen und Kayaken. Das Wasser ist super. Herrlich erfrischend. Weil wir schon so früh aufgestanden sind, haben wir um 10 Uhr schon total viel erlebt. Wir paddeln mit den Kayaks an einen Strand und baden dort. Bela ist wieder fit!

Später können wir vom Boot aus Arschbomben ins Wasser machen. Wir lotsen uns gegenseitig durch die Quallen, so dass niemand zu schaden kommt. Außer den Quallen, weil Bela sie zu angeln versucht.

Wir fahren durch die wunderschöne Wasserlandschaft zurück zu unserem Hauptboot. Es war ein wirklich schöner Tag. Bei Bela kam auch ziemlich bald die gute Laune zurück. Wir haben noch ein paar erlebnisreiche Tage in Vietnam vor uns, aber danach haben wir erstmal ein Haus in Auckland gemietet, um ein bisschen zur Ruhe kommen zu können und die Eindrücke zu verarbeiten. Das geht uns Erwachsenen ja auch nicht anders. Und dort in Auckland im Haus gibt es, und das schwöre ich, keine Nudelsuppe!!

Zurück auf dem Boot, sind wir erstmal fast alleine. Die neuen Passagiere, die nur eine Nacht gebucht haben, machen gerade den Fishing Village Ausflug. Allerdings sitzen zwei Damen auf dem Oberdeck, auf dem wir uns jetzt auch niederlassen. Es gibt Menschen, die gucke ich an und weiß, das ich sie nicht mag. So nimmt das Schicksal seinen Lauf. Es dauert nicht lang, da kommt die eine zu Mike und fragt, ob er Deutsch kann. Und ob er aufhören kann, mit den Beinen zu wackeln. Kann er nicht und er erklärt warum. Sie sagt was von Egoismus und so weiter…Mike wird ungeduldig, schließlich macht er das nicht mit Absicht. Sie sagt, das ganze Schiff wackelt. Das ist echt Quatsch. Sie raucht währenddessen. Das macht sie mit Absicht. Auch das thematisiert Mike. Naja, egal. Frei nach dem Motto: Auf jedem Schiff, das schwimmt und schwabbelt, ist einer drauf der dämlich sabbelt! 😉

Das Abendessen ist das gleiche wie gestern, wie mit der brennenden Ananas und so weiter. Aber dennoch lecker. Die Jungs verlassen den Tisch früher, haben keinen Hunger und keine Lust auf zweimal das gleiche und gehen Squid Fishing. Wie gestern. Allerdings kommt Bela nach 10 Minuten aufgeregt ins Restaurant und sagt, Levi hat einen geangelt. Tatsächlich baumelt an seiner Angel ein kleiner Tintenfisch. Er wird fotografiert, gekocht und verspeist. Die Jungs sind stolz!

Am Abend ist Karaoke bis die Heide wackelt. Azul und unser neuer Kumpel aus Holland singen, was das Zeug hält. Macarena und Barbie Girl und so weiter. Bela lacht sich schlapp und kommt alle 10 Minuten kichernd in unsere Kabine. Irgendwann können wir einschlafen. Am nächsten Morgen wird noch eine Höhle angeschaut und um 10.30 Uhr Mittag gegessen. Damit toppen wir meine Schwiegereltern um mindestens 45 Minuten 😉 Auschecken und ab gehtˋs zurück nach Hanoi. Der Rückweg ist genau wie der Hinweg, der Fahrer hat es eilig, ich überlege, ob ich etwas sage…da er es im Griff zu haben scheint, halt ich die Klappe. Wir stoppen auf der Hälfte, sollen Kunsthandwerk kaufen, für das wir keinen Platz haben und essen Ananas mit Chili und Salz. Auf der Weiterfahrt nach Hanoi kommen wir an einem wirklich (für uns) dramatischen Unfall vorbei. Levi kann Bela gerade noch rechtzeitig die Augen zuhalten. Uns wird richtig schlecht und wir schweigen erstmal für eine lange Weile. Der Fahrer reduziert sein Tempo, obwohl er und auch der Guide recht unbeteiligt wirken. Das gehört hier offenbar zum Alltag. Wir kommen heil an und checken schnell ein, kennen ja noch alles, auch unsere Daten haben sie noch. Netterweise konnten wir unser Gepäck im Hotel lassen, so dass wir nur Handgepäck mit auf das Schiff nehmen brauchten. Mike und ich haben ein Zimmerupgrade bekommen in die Suite! Mit Balkon zur Strasse. Toll! Heute ist Freitag! Wochenende! Seit Oktober wird die Altstadt am Wochenende für Autos gesperrt und zur Partymeile. Überall Bands und feiernde Menschen. Das ist nur solange schön, wie man mitmacht. Aber wenn man dann müde ins Bett fällt, ist es schon nicht mehr so schön, wenn direkt unter dem Upgradebalkon eine Gruppe Tempelvorführungen veranstaltet. Natürlich in asiatischer Lautstärke….Aber wir wissen ja schon vom Karaokeabend, dass man trotzdem einschlafen kann, wenn man nur müde genug ist. Müde sind wir abends immer. Obwohl wir heute noch bis 23 Uhr und ein paar Bier durchgehalten haben. Wir waren erst „local“ essen und noch ein bisschen bummeln, inkl. Fussmassage.

Am nächsten Morgen gibt es endlich wieder Nudelsuppe, danach gehen Azul und ich zum Friseur

Da nimmste zweimal waschen, schneiden, föhnen, einmal färben, Maniküre und Pediküre und zack, biste 40 Euro los 😉
Danach schlendern wir durch Hanoi, am See entlang, alles ist für Autos gesperrt. Es ist echt richtig schön. Die Kinder mieten sich Io Hawks und pesen damit rum.

Für abends haben wir Tickets für das Wasserpuppentheater besorgt. Das war auch ein schönes Erlebnis, was wir so von zu Hause nicht kennen. Obwohl alles auf vietnamesisch gesprochen wurde, haben wir fast alles verstanden.

Da es immernoch angenehm warm draußen ist und auch noch immer Volksfeststimmung herrscht, bleiben wir hier und genießen den Abend. Wir haben ja gelernt, dass unsere Empfangsdame Hanoi etwas überdramatisiert hat und wir tatsächlich heil und komplett zurück finden.

Am nächsten Morgen werden wir von Jürgen Eichhorn abgeholt. Mit ihm machen wir einige Touren hier im Norden. Er lebt seit einigen Jahren hier und bietet Touren abseits der Touristenrouten an. Darauf freuen wir uns gerade sehr, weil wir schon ziemlich viel Touristenkram hier gemacht haben. War alles sehr schön, aber jetzt mal etwas weniger trubelig! Er hat seine Tochter dabei, sie hat heute schulfrei. Ich weiß nicht warum, bis mir nach ein paar Stunden klar wird, es ist Sonntag. Hier hab ich keine Idee, welcher Wochentag ist. Datum weiß ich immer, bin aber ansonsten auf dem besten Weg zur Entschleunigung. Wir fahren in einen Nationalpark südlich von Hanoi – Ninh Binh – Bela und Maya verstehen sich super und rocken die Fahrt. Wir lassen uns mit Bambusbooten durch einen Teil des Nationalparks fahren, sehen aber leider keine Tiere. Vor allem keine Affen, es ist -wie bereits erwähnt- Sonntag und ganz Vietnam ist auf den Beinen. Da nehmen die Affen reißaus. Dennoch ist es hier sehr schön und ruhig, wenn uns nicht gerade eine Horde chinesischer Touristen auf Booten entgegen kommt oder die eine Ruderdame mit Lautsprecher auf dem Handy telefoniert…

Heiraten kann man hier auch:

Als wir zum Essen gefahren sind, waren die Chinesen schon da:

Danach sind wir nach Cuc Phuong gefahren, um ein Affenrettungszentrum zu besuchen. Dort arbeitet Elke Schwiertz aus dem Zoo in Leipzig seit vielen Jahren. Sie hat schon ein paar Affenarten vor dem Aussterben gerettet. Es werden dort Affen gemeldet, die illegal im Cafe oder sonstwo gehalten werden. Jegliche Art von Besitz von Wildtieren ist in Vietnam untersagt und wird geahndet. Sie düst dann los und sammelt sie ein. Sie lebt dafür. Die Führung von Elke durch das Zentrum war dementsprechend interessant. Wir haben Affen gesehen, von deren Existenz wir gar nicht wussten. Es leben dort 180 Affen und Elke kennt sie alle…mit Namen! Es ist eine wichtige Arbeit, die dort gemacht wird. Wir waren begeistert.

Auf dem Weg nach Hai Duong haben wir noch auf einem Kuhkopfmarkt angehalten. Allerdings haben wir uns für Popcorn entschieden….

Am Abend essen wir lecker in Jürgens Pizzeria -keinen Reis und keine Nudelsuppe- das ist auch mal wieder schön. Endlich Salat! Wir lernen Jürgens Frau Ha kennen.

Wir schlafen gut und düsen morgens um 8 Uhr schon wieder los, schließlich haben wir viel vor. Heutiges Ziel ist Lang Son, dort besuchen wir eine sehr schöne Höhle und dürfen im Markt Kekse und Tee probieren. Für jede Kekspackung, die wir kaufen, bekommen wir eine Packung Tee dazu oder auch zwei oder drei. Auf jeden Fall haben wir jetzt genug Tee. Wir kaufen noch ein paar Souvenirs für wirklich wenig Geld und fahren weiter.

Heute geht es weiter bis nach Cao Bang an der chinesischen Grenze, wo wir morgen zu den Wasserfällen fahren werden. Heute sitzen wir viel im Auto. So viele Kilometer sind es nicht, aber der Verkehr in Vietnam und die Strassenverhältnisse lassen es nicht anders zu. Wir machen für Bela eine Pipi Pause und schwupps, muss Mike Schnaps trinken, weil die Leute dort so selten Touristen sehen…Bela wird auch in 1000 Posen mit den Leuten fotografiert, denn blonde Kinder haben sie noch nie gesehen.

Am Abend gehen wir in einer Garage lecker essen. Jürgen kennt hier viele Leute. Deshalb gibt es den Hausbrand zum Essen gratis dazu, aus einer Plastikwasserflasche.

Ich treffe Don Bui, er hat eine ähnliche Tätowierung wie ich auf dem Arm, das gibt ein großes Theater mit vielen Bildern und so weiter…

Azul und ich gehen nach dem Essen zum Friseur und lassen Haare waschen. Jürgen schwärmt in den höchsten Tönen. Ich habe eigentlich keine Lust darauf, hatte schon ein paar Bier zuviel, mache aber Azul zuliebe mit. Sie hat Glück und ich jetzt Löcher in der Kopfhaut. Sie wird liebevoll massiert und ich skalpiert. Nach dem Föhnen sehe ich aus wie ein Löwe um die Eier, dafür hat es für uns beide nur 6 Euro gekostet. Vor unserer Eßgarage treffen wir auf ein paar lustige Backpacker aus Bristol. Sie spielen Gitarre und singen und wir machen erstmal alle mit. Das ist klasse. Wir gehen weiter auf einen großen Platz vor der Ho Chi Minh Statue. Dort gibt es leuchtende Karts und andere Fahrzeuge für Kinder. Für die Erwachsenen mehr Bier. Das ist lustig. Levi muss ein paar Mal sein Gefährt tauschen, weil entweder der Akku leer ist oder ein paar Räder abgefallen sind. Wir haben einen wunderschönen Abend. Es ist warm und die Stimmung ist toll.

Wasserfall – nächster Morgen. Wir fahren durch die Berge, die Landschaft ist wirklich richtig schön. Wir halten in einem Dorf, in dem Messer hergestellt werden. Das ist schwere Handarbeit. Wir besuchen eine Familie der dortigen Minderheiten. Sie leben in einem relativ großen Haus mit relativ wenig drin. Außer Wind…Sie haben kaum Möbel, die Kleidung hängt auf einer Leine an der Wand und die Wände haben Löcher. Das Dach ist hundert Jahre alt, hält aber noch. Das Baby ist erst vier Wochen alt und trägt keine Windeln. Mit erstaunlich viel Geduld wird es in der Zeit, in der wir dort sind zweimal umgezogen, weil die Hose naß ist. Ich bin natürlich berufsbedingt sehr interessiert am Babygeschehen. Wir können leider meinen Beruf nicht so erklären, dass sie es verstehen, also bin ich Doktor. Jürgen hat in einer tollen Aktion Geld gesammelt, damit sie zur Entbindung ins Krankenhaus gehen kann. Das muss sehr aufregend gewesen sein. Sie ist zum ersten Mal in ihrem Leben mit einem Fahrstuhl gefahren und hatte wohl große Angst. Die größere Tochter ist im Kindergarten, sie haben wir nicht kennengelernt. Die Familie lebt hier mit Oma und Opa, die auch noch Messer zusammen schmieden. Ein Wasserbüffel wohnt im Garten, zum Markt geht es einmal im Monat. Für unsere Kinder ist das alles schwer vorstellbar. Wir kaufen Messer und verabschieden uns.

Eigentlich brauchen wir für die Grenzregion ein Visum, das kostet für uns alle zusammen etwa 70 Dollar. Die Zöllner werden mit einer Art Knäckebrot mit Erdnüssen und schwarzem Sesam geschmiert und schwupps…70 Dollar gespart. Die Wasserfälle sind sehr schön, sie gehören zu den 5 größten Wasserfällen, die eine Landesgrenze bilden. Zusammen mit den Niagarafällen, den Victoriafällen, Iguazu (da waren wir schon einmal) und noch einer, den wir nicht herausgefunden haben.

Wir stehen auf der vietnamesischen Seite, die Fälle sind etwas kleiner. Wir brauchen etwas Zeit, um die Fälle auf der chinesischen Seite schön fotografieren zu können, weil zahlreiche chinesische Flösse unterwegs sind, die das Motiv verschandeln. Die Chinesen juckt das gar nicht, sie knipsen drauf los. Auch hier gibt es natürlich wieder einen Markt, sie wollen uns unbedingt etwas verkaufen und laufen hinter uns her, also ab nach Hause. Etwa 17 KM vor dem Ziel kommen wir in einen Stau. Es ist ungefähr 16:30 Uhr. Es hat wohl gegen 12 Uhr einen LKW Unfall gegeben. Nix geht hier mehr. Wir stehen und alle anderen auch. In mehreren Reihen nebeneinander, so dass nur noch die Mopeds durchkommen. Ich denke, dass die auf der anderen Seite des Unfalls auch auf diese Art rumstehen. Das würde bedeuten, wenn frei ist und alle wieder fahren könnten, müsste jemand erstmal die Wartenden entknoten. Ich habe das im Süden schon mal gesehen, als eine Fähre angelegt hat. Auf der Fähre standen alle an der Reling entlang und am Fähranleger standen auch alle in einer langen Reihe. Die Fähre legt an und alle rammeln aneinander. Es werden nicht erst alle runtergelassen, nein, alle versuchen gleichzeitig runter und rauf zu kommen. Ebenso funktioniert das bei Schranken. Sieht lustig aus, oft passiert auch etwas, aber niemand lernt draus. Naja, wir haben genug Wasser dabei und können notfalls ins Gebüsch gehen. Irgendwann ist der Spaß vorbei und wir fahren weiter. Machen uns im Hotel ein bisschen frisch und wollen essen gehen. Khoai, unser Fahrer, hat sich mächtig in Schale geschmissen. Neben ihm steht eine ebenso zurecht geschmückte Dame im Rüschenkleid. Da er ein bisschen Deutsch kann, stellt er sie uns als seine Freundin in Cao Bang vor. Er geht mit ihr Essen 😉 Seine Frau wohnt in Hai Duong. Ich liege mit meiner Vermutung, dass die beiden sich nicht kennen wahrscheinlich nicht ganz daneben. Hier hat wohl jeder Fahrer in jedem Ort eine Freundin, sie sind ja viel unterwegs und wollen wahrscheinlich nicht frieren unterwegs….Wir wünschen ihm auf jeden Fall viel Spaß und Jürgen sagt, er bräuchte dann wohl vor 22 Uhr nicht im Hotel aufkreuzen. Sie teilen sich das Zimmer. Wir haben wieder einen schönen Abend, heute in einer anderen Garage, in der es auch wieder für wenig Geld leckeres einheimisches Essen gibt. Dazu gibt es interessante Geschichten aus Jürgens Erlebnispotpouri. Er hat schon auf der ganzen Welt gearbeitet und viel erlebt, das teilt er gerne mit uns und wir finden es spannend. Er kann natürlich auch sehr viel über Vietnam berichten. Wir kommen aus dem Staunen nicht mehr raus.

Der Blick von unserem Hotelbalkon aus dem 7.Stock:

Am nächsten Morgen treffen wir uns um 7 Uhr zum Geburtstagsfrühstück. Mike wird 50, obwohl er das gar nicht möchte! Es gibt eine Geburtstagstorte von Jürgen mit Kerzen und allem Pipapo. Wir singen.

Abfahrt ist wie gewohnt um 8 Uhr, wir fahren heute an den Ba Be See zu einer Fahrt mit einem Boot und einer Übernachtung in einem Homestay. Die Fahrt geht über Land, wir halten zuerst bei einem örtlichen Imker, der 52 Bienenvölker in den Wäldern hat.
Diese Völker setzt er alle 14 Tage nach einem bestimmten Prinzip um, welches er keinem verrät. Dafür fährt er etwa 35000KMpro Jahr mit dem Moped auf teilweise halsbrecherischen Strecken. Jürgen ist schon einmla mitgefahren und hat uns davon erzählt. Entsprechend lecker schmeckt der Honig.

Wir besuchen eine Familie mit drei behinderten Kindern, alle Opfer von Agent Orange. Die Anzahl an Kindern, die mit Behinderungen zur Welt kommen nimmt nicht ab. Im Gegenteil. Alles noch Folgen vom Besprühen der Wälder mit diesem Entlaubungsmittel im Vietnamkrieg. Es kann auch erst die übernächste Generation treffen. Das ist wirklich grausam. Jürgen betreut diese Familie schon lange. Ein Sohn sitzt im Rollstuhl, eine Tochter braucht Gehhilfen. Die älteste Tochter ist noch am gesündesten, obwohl auch sie nicht mehr kann, als trockene Maiskolben sortieren. Die Gesundheitszustände verschlechtern sich zusehends. Sie haben auch leider nur eine Lebenserwartung von 24 Jahren. Wir sind sehr betroffen. Er erzählt von seinem Heim für blinde Kinder in Hai Duong. Auch eine Folge des Giftes. Die Kinder erblinden im Alter von etwa 6 Jahren. Uns wird ziemlich schlecht, als wir diese Geschichte hören.

Wir erreichen den Hafen und steigen ins Boot. Es ist eine wunderschöne Fahrt auf dem Fluß. Am Ufer kann man noch erkennen, wie sehr das Hochwasser vor drei Wochen hier gewütet hat. Das Ufer ist teilweise komplett abgerissen. Wir steigen in einer Höhle aus und laufen durch.

Später legen wir an. Wir sehen eine Schlange fliehen und werden erneut in unserem Wissen bestätigt, dass Schlangen keine Lust haben auf Begegnungen mit uns. Wir gehen ein bisschen spazieren und sehen Wasserfälle.

Es ist total heiß. Auf dem Rückweg biegen wir vom Fluß in den Ba Be See ab, die Kinder können schwimmen und sich etas abkühlen. Wieder ein sehr Tag. Traumhafte Landschaften. Wir landen im kleinen Dorf, in dem wir übernachten und noch ein wenig Geburtstag feiern.

Das Homestay ist einfach, aber sauber und gemütlich. Die Familie ist sehr nett. Auch sie kennt Jürgen schon lange. Wir essen vorzüglich einfach und lecker. Danach kommt das Highlight des Tages: Eine Tanzgruppe der dortigen Minderheiten singt und tanzt für Mike….und mit Mike…und daher muss ich auch mit ran…es ist lustig, wir haben echt Spaß.

So schnell ist die schöne Tour mit Jürgen zu Ende. Auf dem Weg zurück nach Hanoi besuchen wir noch eine Teefarm. Die Arbeit ist sehr mühsam, weil diese Familie die Teeblätter von Hand pflückt. Sie finden immer schwieriger Mitarbeiter, weil niemand diese Arbeit machen möchte. Die Teepflanzen sind durch Milben und Würmer gefährdet, da diese Familie Tee in Bioqualität anbietet, dürfen sie auch nichts spritzen und müssen alles in Handarbeit entfernen. So kann eine kleine Milbe eine ganze Familie in den Ruin treiben.

Auf der Fahrt essen wir so einfach wie nie zuvor, es ist wirklich lecker, aber zum ersten Mal denke ich an Durchfall…der dann nicht kommt!

Die Weiterfahrt geht schnell, wir kommen in Hanoi im Hotel an und müssen uns leider von Jürgen und unserem Fahrer verabschieden.

Natürlich geben wir ihm noch Geld für seine tollen Projekte mit behinderten Kindern. Wer das von euch auch machen möchte, sagt mir Bescheid. Wir haben dort alles gesehen, Jürgen kennengelernt und wissen, dass komplett jede Spende dahin geht, wo man sie hinhaben möchte. Auch an das Affenzentrum. Er behält -im Gegensatz zu den meisten Organisationen- nichts für die Verwaltung ein, sondern gibt es zu 100% weiter. Wir haben gesehen, wie z.B. die Familie aus dem Messerdorf Schulgeld für die große Tochter bekommen hat und die Familie mit den drei behinderten Kindern Geld von ihm für Medikamente bekam. Im Gegenzug gaben sie ihm Belege von der Apotheke. Es geht also alles mit rechten Dingen zu. Wir genießen die letzten Stunden in Vietnam mit chillen

Und so schnell wir hier angekommen sind, sind wir schon wieder auf dem Weg, diesmal nach Neuseeland:

Was wir in Vietnam gelernt haben:

zu schätzen, wo wir herkommen und leben dürfen

Lost in Translation: Willkommen in Japan

Es ist großartig…Wir sind alle überrascht…

TOKYO

…und begeistert. Tokyo ist eine sehr angenehme Stadt. Leise ist es hier und sauber. Obwohl wir Schwierigkeiten haben, Mülleimer zu finden, liegt hier nichts rum. Die Autos fahren langsam und niemand hupt, auch dann nicht, wenn man mitten auf der Straße gedankenverloren schlendert. Wahrscheinlich haben die Autos hier gar keine Hupen. Ab und zu hören wir eine Ambulance. Die Taxis sehen alle gleich aus. Schwarz, alt, mit gehäkelten Sitzbezügen und von Nissan. Die Taxifahrer tragen Anzug und Krawatte. Man kann sich hier bedenkenlos aufhalten. Wir lassen sogar die drei „Kleinen“ abends noch alleine bummeln. Alles ist hier klar geregelt, ohne dabei zu bevormunden (im Gegensatz zu China), auch im Rest des Landes ist das so, nicht nur in Tokyo. Deshalb ist das Miteinander hier sehr angenehm. Jeder versucht Rücksicht zu nehmen. Man merkt aber auch, wie getrieben und gehetzt alle sind. Es zählt nur die Leistung, in den Büros brennen auch nachts die Lichter. Diejenigen, mit denen wir hier über unsere Reise gesprochen haben, waren erstaunt und sagten unisono, dass das hier nicht möglich sei. Sie hatten auch niemals von Sabbatical o.ä. gehört. Glaube ich gerne, sie nehmen sich auch nur selten frei, um nicht als faul zu gelten. Neulich ist wohl ein Japaner nach 130 Überstunden in einer Woche gestorben. Aber der Reihe nach:

Wir finden ein nettes Plätzchen zwischen den Hochhäusern zum Frühstück. Es kommt klassische Musik aus den Lautsprechern, das ist hier ürigens oft der Fall. Metrofahren ist gar kein Problem, meine Bedenken im Vorfeld waren unbegründet. Die Stationen werden alle auch auf englisch angekündigt und haben zusätzlich noch Buchstaben- und Zahlenkombinationen. Nach zweimal Tickets am Automaten kaufen, werden wir auch darin fit. Wenn die Musik ertönt, darf man nicht mehr einsteigen. Ertönt die Musik auf der Fahrt, wird die nächste Station angekündigt. Es gibt kein lästiges Tröten, nur seichte Klänge. Es geht gesittet zu. Außer man fährt zur Rushhour, das habe ich aber nur morgens um 8 Uhr alleine gemacht, weil ich Zugtickets brauchte. Da hängst du schon mal mit der Wange an der Scheibe, nachdem du von U-bahnschiebern reingedrückt wurdest, damit sich die Türen schließen können. Da ist dann auch die Musik egal. Wir wollen mit dem Wasserbus fahren und starten in Shinjuku Station. Sollen in Kanda umsteigen. Da fällt Levi jedoch auf, dass Kanda die Haltestelle ist, wo es nach Akihabara geht. Einem Viertel, wo man gut einkaufen kann. Hauptsächlich Manga und Animekrempel. Also hin. Es reihen sich Spielhallen und Elektronikgeschäfte aneinander, die Kinder sind begeistert und finden das ein oder andere Schnäppchen. Wir essen Sushi. Gut und erstaunlich günstig.

Auch das ist ein Erlebnis. Wir sitzen alle an einem Band, es gibt Grünteepulver, Becher und einen Heißwasserhahn an jedem Platz. Es ist richtig lecker. Wir essen Sachen, die wir kennen und trauen uns auch Sachen zu probieren, die wir nicht kennen und vor allem nicht erkennen. Manchmal fühlen wir uns so, wie sich die Leute im Dschungelcamp fühlen müssen. Da hilft dann nur konzentriert kauen und runter damit, auch, wenn es wieder hoch will. Das meiste ist jedoch richtig lecker. Mario, Luigi und Freunde kommen in Karts vorbei, es gibt solche Stadtrundfahrten. Lustig…

Die Toiletten sind genauso, wie man es von den Gerüchten her schon weiß: Manche begrüßen einen sogar oder öffnen automatisch den Deckel, wenn man den Raum betritt, spülen automatisch nach dem Geschäft und der obligatorischen Dusche und schließen sich wieder.

Die Klobrillen sind alle beheizt und es gibt Regeln, an die hat man sich zu halten:

Die Japanerinnen sind sehr empfindlich und möchten auf keinen Fall irgendwelche Geräusche auf der Toilette machen. Deshalb ertönt häufig, auch wieder automatisch, ein Spülgeräusch, So lässt es sich besser machen. Denken sie. Die echte Toilettenspülung hört man jedoch kaum. Ich habe allerdings bisher noch keine Toilette gesehen (davon hatte ich gehört), die den Zuckergehalt im Urin misst, kann aber eventuell an meinen unvollkommenen Japanischkenntnissen liegen. Wahrscheinlich geht das automatisch und bei mir war immer alles in Ordnung 😉

Zurück nach Akihabara. Wir ändern unseren Plan und bummeln ekstatisch. Die Mangaläden sind der Hammer, auch wenn ich gar kein Mangafan bin. Die Erdgeschoßetage ist immer für alle. Das Kellergeschoß, sowie die restlichen 5 bis 10 oberen Stockwerke sind für Manga- und richtige Hardcorep… und erst ab 18 zugänglich. Echt krass. Dort findet man nur über 60 Jährige, die offensichtlich auf animiert und gezeichnet stehen. Auf der Straße sieht man auch wirklich viele Verkleidete, oft sind es Mitarbeiter von Restaurants oder Cafes, die einen dorthinein locken möchten. Mit Englisch kommt man oft nicht weit. Fragt man jemanden, ob er englisch spricht, heißt es meist ja, aber das war es dann schon. Zurecht kommen wir dennoch. Und schon wieder kommen Mario und Freunde vorbeigefahren…Wir nehmen die Ubahn und fahren bis Asakusa, weil wir ja dort in den Wasserbus steigen wollen. Dieser fährt aber nicht mehr, es wird bereits langsam dunkel. Erste Ermüdungserscheinungen machen sich bemerkbar, wir haben irgendwie unseren Jetlag vergessen, der jetzt auf sich aufmerksam macht. Wir finden ein nettes Einkaufszentrum mit kleinen Geschäften für Souvernirs und japanische Dinge. Wir suchen uns ein schönes Plätzchen, trinken royal milk tea und lassen die Kinder zum Bummeln ausschwärmen. Die kurbeln die japanische Wirtschaft kräftig an und versorgen sich mit Eßstäbchen und Co. Lange bleiben wir noch, bis wir die Bahn Richtung unseres Apartments nehmen. Wir finden ein Lokal, von dem wir glauben, dass bisher wenige Touristen zum Essen hier waren. Wir müssen vorab unser Essen im Automaten bestellen und bezahlen. Ähnlich wie am Fahrkartenschalter. Naja, eigentlich genauso wie am Fahrkartenschalter. Wir bekommen Tickets, die geben wir dem Koch. Es ist sehr lecker, es gibt wieder mal Nudelsuppe, ich habe eine mit rohem Ei darin. Wasser und grüner Tee wird meistens kostenlos bereitgestellt. So sind wir auch in der Lage zu fünft für etwa 30 Euro in einer der teuersten Städte der Welt Essen zu gehen.

Dank der Waschmaschine (die gleichzeitig auch ein Trockner ist) in unserem Apartment, können wir morgens frische Wäsche in die Rucksäcke packen. Weiter geht’s Richtung badende Affen. Wir fahren mit dem schnellsten Zug der Welt, dem Shinkansen. Wir haben den Japanese Railpass und können 7 Tage nach Herzenslust Zugfahren. Denken wir…es gibt auf unserer Route tatsächlich einen Zug, der von einer anderen Gesellschaft betrieben wird und extra bezahlt werden muss. Für den Shinkansen haben wir Sitzplätze reserviert, deshalb musste ich auch zur Rushhour früh morgens zum Bahnhof, um diese zu bestellen. Ein Erlebnis, was ich nicht noch einmal brauche. Ansonsten ist, wie gesagt, alles extrem entspannt hier.

Die Zugfahrt haben wir uns spektakulärer vorgestellt. Der Zug von Madrid nach Malaga letztes Jahr war moderner. Aber es geht schnell. Sehr schnell sogar. An den Bahnhöfen kommt wieder die obligatorische Melodie, die mit „sänk ju foor treffeling wis deutsche Bahn“ nichts gemein hat. Überhaupt funktioniert das System hier …ich kann nicht mal besser als in Deutschland. Denn es funktioniert einfach. Es gibt Wagen mit und ohne Reservierungen. Diese haben bestimmte Haltepunkte am Bahnsteig, so dass man hier schon mal nicht wie bekloppt durch den Zug hetzen muss, um einen freien Platz zu finden, der dann doch ab der übernächsten Haltestelle reserviert ist.

Im Bahnhof haben wir uns noch mit sogenannten Bentoboxen ausgestattet. Da ist Essen drin, was man entweder erwärmen könnte oder auch kalt essen kann. Zum Beispiel Reis mit gebratenem Fisch oder Fleisch mit Gemüse in kleinen Häppchen oder auch mal Sushi. Die Bentoboxkultur wird hier groß geschrieben. Ich gehe davon aus, welche kaufen zu müssen. Das obligatorische Schulbrot, welches am nächsten Morgen eh weggeschmissen wird, wird bei uns wohl ab dem nächsten Jahr ersetzt werden müssen. Wir fahren nach Nagano, kennt man von den olympischen Winterspielen 1998, und steigen dort um in den Snow Monkey Express nach Yudanake Station. Wir müssen neue Tickets kaufen und sehen am Schalter den Hinweis, dass der Monkey Park geschlossen ist. Die wilden Affen, die dort leben, seien noch im Wald und noch nicht wieder aufgetaucht. Wir sind enttäuscht, Das war ja schließlich der Grund, warum wir hierher wollten. Wir fahren natürlich trotzdem. Machen wir halt heute Abend einen Affentanz.

Yamanouchi/Shiba Onsen

Von Yudanake Station geht es ausnahmsweise mit dem Taxi weiter bis in unser Hostel. Es ist ein kleiner und gemütlicher Ort in den Bergen, mit einem Fluß in der Mitte. Wir können uns den Schnee im Winter hier ein paar Meter hoch vorstellen. Im ganzen Ort dampft es von den heißen Quellen, die hier unterirdisch langlaufen. Es gibt zahlreiche sogenannte Onsen, in denen man baden kann. Auf der Straße auch welche nur für die Füße:

Onsen ist vergleichbar mit unserer Saunakultur. Es gibt Regeln, die zu brechen, wäre ein Frevel. Wir informieren uns. Wir haben ein Onsen bei uns im Hostel. Wir checken ein. Unsere Zimmer sind typisch japanisch. Mit Reismatten auf dem Boden und einem Kotatsu in der Mitte. Kotatsu ist ein Tisch mit einer Heizung darunter.

Zum Schlafen rollen wir uns Matten aus. Es ist so hart, dass mir am nächsten morgen Stellen schmerzen, von deren Existenz ich bis dato gar nichts wusste.

Die Kinder sind begeistert, alles wie im Anime Film:

Wir erkunden das Örtchen. Es gefällt uns gut. Alt und viel Holz, so, wie wir uns das alte Japan vorstellen. Wir fühlen uns ausgesprochen wohl hier.

Wir frieren alle, also ab ins Onsen. Das bedeutet: Männlein und Weiblein trennen sich und duschen sich gründlich im Sitzen auf kleinen (also sehr kleinen Höckerchen). Shampoo, Duschgel und Spülung stehen in großen Flaschen bereit. Ich freue mich, weil ich bis dato auf den Luxus einer Haarspülung im Gepäck verzichtet habe. Danach legt man sich nackig zum Entspannen in das heiße Becken, das Wasser läuft über ein Rohr direkt aus der Quelle dorthinein. Wenn es viel zu heiß ist, darf man ein bisschen kaltes Wasser nachlaufen lassen. Das ist herrlich. So sauber haben wir uns schon lange nicht mehr gefühlt 😉 Nach 20 Minuten bekomme ich Kreislauf, muss kalt duschen und raus. Das war schön. Ich treffe Mike im Zimmer, auch er ist begeistert. Vor allem, so sagt er, fühlt sich seine Haut so schön weich an, nachdem er die Bodylotion benutzt hat. Ich bin irritiert. Im Männeronsen gibts Creme und bei den Frauen nicht? Kann nicht sein. War auch nicht…mein Gatte hat sich mit der Haarspülung eingecremt 😉 Das wird ein running Gag !! Das Onsen in unserem Hostel ist von 9 bis 16 Uhr wegen Reinigung geschlossen. Das bedeutet, dass man es die ganze Nacht über besuchen darf (und sich auch gerne wieder mit Conditioner eincremen kann). Das wiederum bedeutet, dass die Kinder das auch machen und bis 0:30 Uhr im Onsen sitzen, während wir schon versuchen zu schlafen.

Am nächsten Morgen landen wir zum Frühstück in einem Nudelrestaurant, es gibt natürlich Nudelsuppe. Langsam kann ich sie nicht mehr sehen. Gestärkt mit ziemlich teurem Kaffee (der ist hier echt richtig teuer), geht es los zum Monkey Park. Wir wandern durch den Wald, stets bergauf. Die Luft ist klar, der Wald sehr schön, die Sonne scheint und es ist auch ein bisschen warm. Wir werden belohnt und sehen viele Affen, der Park hat nämlich seit heute wieder geöffnet. Und dass, obwohl wir am Abend vergessen haben, den Affentanz zu machen.

Zum Baden ist es den Affen wahrscheinlich noch zu warm, sie trinken alle nur aus dem Wasser. Es sind echt viele. Manche zanken sich und keifen rum, manche spielen, es gibt viele Babies.

Es ist ein tolles Erlebnis. Wir wandern zurück und gehen ins Onsen – natürlich. Direkt danach, ich sitze mit noch nassen Haaren und ungestylt am Kotatsu und suche eine Zugverbindung für den nächsten Tag nach Kyoto, kommt Mike mit einem Fernsehteam im Schlepptau ins Zimmer. Ich kann gerade noch einmal durch die Haare strubbeln und die Dreckwäsche unter den Tisch schmeißen (und hoffen, dass sie kein Feuer fängt so dicht unter der Heizung). Er filmt und interviewt uns, warum wir hier sind, was uns gefällt, an diesem Ort und an diesem Hostel. Wie es bei den Affen war und so weiter und so weiter. Dann gibt es noch ein Bild und weg ist er wieder.

Abends gibt es Sushi vom Allerfeinsten. So frisch und lecker haben wir noch nie Sushi gegessen. Wieder mal nicht sehr teuer und Weltreisekassenkonform.

Als wir ins Hostel zurück kommen, gibt es Sake aufs Haus, weil wir uns haben interviewen lassen. Der Produktionsleiter spielt mit Bela Tischtennis (das heißt hier wirklich Pingpong) und mit Azul japanisches Schach. Als Levi sein Kendama auspackt, lässt er den Schläger fallen, packt seine Kamera aus und fängt an zu Filmen und stellt Fragen.
Wir lernen Jingo aus Tokyo kennen, einen Koch, der aber auch mit Pumpen handelt, die in der Lage sind mit Luftblasen oder auch Bakterien, nukleare Verseuchung zu neutralisieren. Nix Halbwertzeit und so…Wir sind sowas von beeindruckt. Das brauchen die hier. Mike nimmt ihn noch ein bisschen auf die Schippe, er lädt uns in sein Sommerhaus ein und alle freuen sich.

Am nächsten Morgen gibt es ein weiteres Interview, diesmal macht er auch vor Azul nicht halt und quetscht sie aus. Ein letztes Foto und tausend Mal Dankeschön, dann kommt unser Taxi.

Nun sitzen wir im Thunderbird und fahren mit Warpgeschwindigkeit nach Kyoto!

In Kyoto haben wir ein kleines Haus gemietet, welches wir super mit der Ubahn erreichen können.

Für die Kinder gibt es wieder ein Animezimmer. Es ist wirklich winzig, wie alle Wohnungen und Häuser hier in Japan. Nur ein sechstel des Landes ist bewohnbar, das teilen sich 128 Mio. Menschen. Da hat der einzelne einfach nicht viel Platz. Wir merken, dass das auch gar nicht nötig ist. Kyoto gefällt uns auch total gut. Wir schlendern abends noch ein bisschen und finden erstaunlich schöne Ecken.

Wir gehen ins Gionviertel, da wo die alten japanischen Häuser stehen und landen in einem wunderschönen Tempel names Yasaka.

Die Jungs bauen Steintürmchen, wie sie es gerne machen. Hier passen sie auch noch toll hin.

Wir kaufen noch ein paar tolle japanische Stellhinchen und Stäbchen und noch mehr, wo wir einfach nicht dran vorbei gehen können. Wir werden wohl aus Japan das erste Paket nach Hause schicken müssen. Mal schauen, was das kosten wird. Ein Brief von den Malediven nach Deutschland sollte 11$ kosten. Wir haben ihn nicht abgeschickt, nicht ohne aber zu erwähnen, dass wir ihn für diesen Preis selber nach Deutschland bringen könnten. Wir haben einen Bus gefunden, der ganz in der Nähe unseres Häuschens anhält. Alle setzen sich und ich gehe mit dem Geld zum Busfahrer. Dort stehe ich wie bestellt und nicht abgeholt. Er will meine Kohle nicht, gibt mir keine Tickets und sagt die ganze Zeit etwas auf japanisch, was ich nicht verstehe. Ich stehe dort etwa 4 Haltestellen lang. Als es mir dann zu blöd wird, setze ich mich zu den anderen und sage ihnen: „Dann knalle ich ihm das Geld halt beim Rausgehen auf den Tresen, will ja nicht wegen 7 Euro angezeigt werden…“ Komischerweise zeigen alle beim Verlassen des Busses ihre Tickets oder geben das Geld. Nun gut. In Japan steigt man hinten ein und geht vorne raus, damit man dabei ein Ticket kaufen kann. Steht auch so im Reiseführer. Lese ich dann am Tag drauf…

Am nächsten Morgen zaubern wir uns ein Frühstück. Wir hatten nur 4 Stühle, obwohl wir zu fünft angemeldet waren. Deshalb haben wir auch unseren Vermieter kennengelernt, der am Abend schnell noch vorbei kam, um uns einen weiteren Stuhl zu bringen. Ich weiß gar nicht, wieviel Mal er sich bedankt hat, dafür, dass wir sein Haus mieten. Leider regnet es. Eigentlich wollten wir den Imperial Palace, also den Kaiserpalast angucken. Wir fahren stattdessen raus, um den Bambuswald zu besichtigen. Wir sind nicht die einzigen. Es ist alles voller Touristen. Busfahren klappt heute übringens super. Routiniert steigen wir hinten ein und zeigen unsere Tickets beim Aussteigen. Heute haben wir Tagestickets gekauft. Das Kinderticket für Bela ist am schönsten:

Im Bambuswald ist es ganz nett, aber auch nur ganz nett.

Einige Touristen lassen sich in einer Rikscha da durch fahren.

Am Bahnübergang gibt es außer einer Hochsicherheitsschranke auch noch zwei Wärter. Sicher ist sicher!

Manche Damen mieten sich Kimonos und gehen verkleidet dadurch. Auch schön!

Zum Glück hat der Regen nachgelassen, wir schauen uns ein bisschen um. Es ist schön hier. In ganz Japan gibt es überall Automaten mit gekühlten oder auch warmen Getränken. Wir haben schon ein paar leckere Getränke probiert. Milk Tea mochten wir alle. Heute trauen wir uns was! Warmer Mais mit Käseflüssigkeit. Schmeckt wie es riecht. Mike und Azul mögen ist. Ich kriege Brechreiz.

Wir finden den Bus zurück und gehen zum Nikishi Market. Die Küche Kyotos. Alle sind hungrig, warmer Mais mit Analogkäse aus der Dose macht auch nicht satt. Der Markt ist überdacht und deshalb ist das Wetter egal. Mittlerweile ist es nämlich auch noch kalt und windig geworden. Wir dürfen an zahlreichen Ständen probieren. Immer wieder werden wir gewarnt, wenn Bela etwas scharfes nimmt. „Very spicy“, sagen sie erschrocken. Noch erschrockener gucken sie, wenn Bela ihnen zeigt, was er drauf hat und nochmal nach verlangt. Wir essen in einem Lokal, in dem leider geraucht werden darf. Wir hatten schon vergessen, wie ekelhaft das ist. Die Kinder kennen das gar nicht und sind entsetzt. Wir kaufen Stäbchen und Täschchen dazu, lassen unsere Namen eingravieren. Die Wahrscheinlichkeit eines Paketes nach Deutschland steigt. Levi und Azul möchten ins Museum. Bela braucht unbedingt noch einen Kreisel. Also trennen wir uns. Wir finden den Kreisel und schleppen uns, erschöpft vom Rumlaufen und den Eindrücken, zurück zum Haus und fallen auf das Sofa. Es ist 18 Uhr. Stockdunkel und wir fühlen uns, als wäre es 23 Uhr. Zum Dinner machen wir uns Nudelsuppe. Die Wahrscheinlichkeit, dass ich bis zum Ende meines Lebens keine Nudelsuppe mehr brauche, steigt ebenso!

Am nächsten Morgen muss es der Kaiserpalast sein, komme, was wolle. Tut es…vom Himmel herunter. Wir lassen die Schirme im Haus und flitzen los. Auf der Karte sieht es näher aus, als die Hosen Wasser aufnehmen können. Wir sind durch, als wir ankommen. Und es regnet weiter. Wir nehmen also die nächste Ubahn zurück, schließlich haben wir Mimimis dabei….Azul und mir war es egal. War ja nur Wasser. Okay, dann gehen wir zum Kaiserpalast in Tokyo.

Shinkansen nach Tokyo genommen und im Hotel in Asakusa eingecheckt. Ist ein Business Hotel. Im Foyer sehr schick mit vielen Gedöns und Glitzer. Auf dem Dach gibt es einen Onsen, sehr schön, sehr heiß und immer leer. Allerdings ist dieses Hotel extrem günstig. Gespart wurde in dem Fall an der Zimmergröße. Wir haben zu dritt ungefähr 9,5 qm, inkl Badezimmer 😉 Rucksäcke auspacken geht nicht. Wir improvisieren, weil wir noch ein paar feuchte Sachen dabei haben, die in Kyoto nach der Waschmaschine nicht richtig trocken geworden sind. Irgendwie geht es dann auch. Wir klettern und stapeln und fluchen und stoßen uns und denken, es ist ja nur für 2 Nächte. Am Nachmittag bummeln, Onsen, Essen im Automatenrestaurant wieder lecker und günstig, wir können uns sogar Bier leisten. Es regnet immer noch. Ich lese Reiseführer, der sagt, der Kaiserpalast in Tokyo sei eine Enttäuschung. Also streichen wir ihn zugunsten des Tempelkomplexes in Asakusa, wo wir am nächsten Vormittag hingehen.

Es gibt einiges zu sehen. Natürlich auch Geschäfte. Da wir beschlossen haben, ein Paket nach Deutschland zu schicken, können wir jetzt bei Souvernirs und Spielsachen nochmal zuschlagen. Wir gehen in den Tempel und zünden Kerzen an, für alle, an die wir gerne denken!

Wir sehen eine süße Kleine, die zu ihrem dritten Geburtstag schick gemacht wurde. Wir dürfen sie fotografieren.

Levi und Azul gehen wieder nach Akihabara, sie haben noch nicht genug von den Anime. Außerdem wollen sie für Bela eine Wundertüte besorgen, die kostet 1000 Yen (das sind etwa 8 Euro) und ist bestückt mit allem möglichem Krempel. Wir gehen mit Bela Sushi essen und trauen uns wieder was. Wir essen Krebs mit sowas wie Mayonaise, Muscheln und alles mögliche mehr. Die Nigiri sind hier echt super. Das Reisbällchen ist total klein und der Fisch riesengroß. Low Carb also auch noch. Dazu wieder grünen Tee ohne Limit und fertig ist für 20 Euro Mittagessen für 3! Wir kommen also gut zurecht in mit unserem Budget. Das Paket nach Deutschland kostet weniger als gedacht, wir haben „no track and no fast“ bestellt, zahlen 39 Euro und meine Mama darf das Paket schätzungsweise Anfang Januar in Empfang nehmen. Geht oder?

Wir bummeln noch ein bisschen und treffen Zen, er war schon bei Stefan Raab und Florian Silbereisen. Wir haben Spaß mit ihm, er singt für uns die deutsche Hymne.

Das Essen wird hier überall in Gummi- bzw Plastikform ausgestellt, für uns dumme Europäer 😉 Sehr praktisch übrigens…

Am Abend erfüllt Levi Bela einen langgehegten Wunsch, er geht mit ihm alleine nach Akihabara bummeln. Lädt ihn in eine Arkade zum zocken ein und hat mit ihm einen schönen Abend. Bela ist begeistert von dem Ausflug mit seinem großen Bruder: “ Wow, er war sooo großzügig, er hat mich überall eingeladen“ Sie hatten viel Spaß. Wir auch übrigens:

Sake satt, mal heiß und mal kalt. Wir sitzen uns fest. Es ist schön. Letzter Abend in Japan voll ausgenutzt.

Wir verabschieden uns nach einer Runde Abschiedsonsen und gehen schlafen. Das Taxi kommt un 4:15 Uhr, um uns an den Flughafen zu bringen.

Was wir in Japan gelernt haben:

Mit Musik geht alles besser ( auch in Ubahn und am Flughafen)

Großstädte können sehr leise sein

Großstädte können sehr sauber sein, auch wenn sie in Asien liegen

Es gibt in Tokyo weniger Freaks als wir dachten

Wie wir die Menschen erlebt haben:

Sehr höflich, hilfsbereit (obwohl sie uns eigentlich nie helfen konnten) und interessiert

Die Reise nach Tokyo

Los gehtˋs. Mit dem Speedboat an den Flughafen. Das Wetter ist stürmisch, es regnet, das Boot schaukelt. Wir haben Spaß.

Ich schreibe mal wieder im Flieger. Bei Rotwein und Leonard Cohen. Da schreibt es sich besonders gut. Der erste Alkohol seit einiger Zeit. Auf den Malediven gibt es ja keinen. Außer am Flughafen im Dutyfree nur bei Ausreise, nicht besonders konsequent, wie ich finde. Wir fliegen mit China Eastern. Nicht des Erlebnisses wegen, sondern des Preises (ein Erlebnis wird es dennoch werden). Das sage ich mir immer wieder und entschuldige mich bei meinen Mitreisenden auch deswegen. Beim Check in gehtˋs schon los. Ein Zusammentreffen mit Chinesen ist unabwendbar. Sie treffen uns mit der Gepäckkarre in die Hacken, während wir die Rucksäcke auf das Band legen und gucken komisch, als wir sie auf die gelbe Wartelinie aufmerksam machen. Entschuldigung? Fehlanzeige. Die Mode? Der Knaller. Ich ziehe mir schon mal meine Reisethrombosekniestrümpfe zur kurzen Hose an, bin total up to date, sehe aber auch total bescheuert aus, mit den Trekkingschuhen noch dazu  😉          Während wir am Gate noch ruhig sitzen bleiben, als die Mitarbeiter zum Boarding aufrufen, stellen sich die Chinesen hektisch in Reih und Glied an,  als ob sie sonst keine Plätze mehr kriegen würden und gucken komisch, weil wir entspannt sitzen bleiben. Im Flugzeug herrscht hektisches Treiben. Die Stewardessen verbreiten Panik. Ich will gar nicht wissen, was die machen, wenn es wirklich mal ernst wird. Die Kopfhörer dürfen UNTER GAR KEINEN UMSTÄNDEN beim Start schon benutzt werden. Ebenso keine elektronischen Geräte, auch nicht im Flugmodus. Handy AUF GAR KEINEN FALL während des ganzen Fluges über, auch nicht im Flugmodus. Warum? So ist die Regel. Meine Familie kennt das bereits vom Flug auf die Malediven, wo ich nicht dabei war. Dieser Flieger würde bei uns lediglich für eine Kurzstrecke eingesetzt werden, Platz haben wir nicht, dafür aber 8 Stunden Flug vor uns. Es gibt ziemlich gleich nach dem Start das Dinner. Um uns herum wird geschmatzt, was das Zeug hält. Abgeräumt wird gleich nach dem Austeilen. Ansonsten gestaltet sich dann aber alles doch recht harmlos. Als wir endlich mal eingeschlafen sind, werden wir drei Stunden vor der Landung zum Frühstück geweckt…30 Minuten vor der Landung müssen wir uns wieder von den Kopfhörern verabschieden. Mike fragt diesmal warum: Strangulierungsgefahr, falls bei der Landung etwas passiert. Ich hab ja schon viel gehört, aber das???  Selten habe ich so viele Durchsagen gehört, wie in diesem Flugzeug. Es wurden Turbulenzen angekündigt, die keiner von uns gemerkt hat, mussten wir in dieser Zeit auf die Toilette, wurden wir dorthin begleitet. Der Service war so lala, wir wurden befördert und es wurde gut auf uns aufgepasst. Zu guter Letzt wurden wir aufgefordert, uns warm genug anzuziehen, weil es in Shanghai nur 15 Grad sind! Vielen Dank.

Da wir auf den Malediven keine Boardingkarten für den Flug von Shanghai nach Tokyo bekommen konnten, müssen wir jetzt anstehen, um welche zu bekommen. Die Schlange ist nicht so lang, es arbeiten teilweise 5 chinesische Bodenpersonalmitarbeiter an einem Vorgang. Dementsprechend lang dauert es. Nämlich: Es dauert solange, wie es dauert. Seeehr lange. Ich checke die Lage…als ich einen Mitarbeiter ohne Arbeit hinter dem Tresen finde, lege ich ihm siegessicher unsere Pässe vor. Er sagt muffelig, wir sollen einen Moment warten, er sei nicht zuständig. Ich sage, wir warten schon seit 45 Minuten. Er sagt, das ist das System, ich gucke böse und werde von Mike zurückgepfiffen. Okay, dann halt mit Humor. Kennt ihr die Szene aus Zoomania mit den Faultieren in der Zulassungsstelle? So ungefähr war das. Azul spricht es aus und wir biegen uns vor Lachen. Ich sage, wenn das so weitergeht, verpassen wir unseren Flug…nach Vietnam am 31.10. 😉  Irgendwann haben wir die Karten und dürfen weiter. Das Gepäck wird schon zum xten Mal durchleuchtet und unsere Pässe zum xten Mal kontrolliert. Sicher ist sicher! Wir suchen uns einen Platz am Gate und warten. Als es Zeit wird für Boarding, stellt sich keiner an. Ich frage nach. Verspätung. Taifun in Japan. Wie lang? 4 ( in Worten vier) Stunden! Keine Info über Lautsprecher, keine über den Bildschirm. Notfallgetränke gibt es um 11 Uhr, nun ist es gerade 8:50 Uhr. Wenn wir Hunger haben, sollen wir am Gate 22 ins Restaurant gehen. Auf unsere Kosten! Gate 22 ist etwa 2 KM entfernt. Wir erleben viel in diesen vier Stunden. 

Durchsagen ohne Ende in einer Lautstärke und einer Panik, die seinesgleichen sucht. Für einen Flieger nach Detroit wird gefühlt 15 Mal der Final Call über den Lautsprecher ausgerufen und als der Flieger bereits 15 Minuten zu spät war, kam ein Mitarbeiter mit einem Megaphon durch das Gebäude gejagt und hat ihn nochmal ausgerufen. Was war der Flughafen in Dubai angenehm. Das ist „leiser Flughafen“, ohne irgendwelche Durchsagen. Dort bin ich bei meinem Flug auf die Malediven  von Deutschland aus mit Emirates umgestiegen (das war ein Erlebnis, mit dem A380. Es gab sogar eine Bar. Das war super)

Lange Rede, kurzer Sinn, irgendwann sitzen wir im Flieger und landen danach wohlbehalten in Tokyo. Wahrscheinlich auch deswegen, weil sich keiner von uns mit den Kopfhörerkabeln strangulieren konnte und wir alle warm genug angezogen waren 😉                                                         Als wir zu den Gepäckbändern gehen, stehen unserer Rucksäcke schon komplett und zusammen neben dem Band und warten auf uns. Alles sehr gechillt hier. Wir gehen problemlos durch den Zoll, werden gelobt, weil wir alle Karten schon so schön ausgefüllt haben. Alle sind sehr nett und fix. Wir fahren mit dem Bus nach Shinjuku Station. Die Straße geht über mehrere Etagen, als wir Tokyo erreichen. Wir fahren mal am 10. Stock eines Hauses vorbei, mal im Kellergeschoß. Viele Straßen sind übereinander. Wir suchen uns ein Nudelsuppenlokal, essen gut ung günstig und marschieren zu unserer gemieteten Ferienwohnung. Wir verlaufen uns ein bisschen und fragen Passanten nach dem Weg. Englisch können sie nicht, holen als erstes mal ihr Telefon aus der Tasche und wissen dann auch nicht weiter. Andere kommen dazu und die Geräte, mit denen sie suchen, werden immer größer. Ich habe noch nie erlebt, dass jemand so lange gebraucht hat, um dann doch nicht weiterhelfen zu können. Aber sehr nett und immer am Lächeln…Mittlerweile ist es 22:30 Uhr. Eigentlich stand Sightseeing auf dem Programm, weil wir ja um 14:30 Uhr landen sollten. Die Wohnung ist klein und ruhig. Die ganze Stadt ist ruhig. Und so sauber. Alle gehen schlafen. Levi und ich drehen noch ein Ründchen. Hier kann man auch spät noch bedenkenlos raus. Der Autoverkehr ist gemäßigt bis langsam. Niemand hupt. Am Zebrastreifen wird angehalten. So hatte ich mir das nicht vorgestellt. Selbst die Baustellen sind pikkobello. Arbeitssicherheit wird hier ganz groß geschrieben. Die Bauarbeiter waren mit Klettergeschirr, OP Besteck und Helmen ausgestattet, um ein bisschen an der Grube zu schippen. Die Schuttlaster werden zwischendurch blitzeblank gewienert und sehen so aus, wie bei uns die LKW, wenn sie an einem Festumzug teilnehmen.                                                                                                                                                                                                   Es ist ganz schön frisch. Wir schlendern ein bisschen und gehen um 1 Uhr wieder zurück. Bett. Schlaf. Fazit: Japan ist angenehmer als wir dachten und deutlich angenehmer als China.