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Schon wieder Kuba…

Diesmal spontaner und etwas anders. Mit Papa wieder natürlich, zum Glück ist er dazu noch in der Lage. Mit meinem Jüngsten und mit meinem Neffen. Das ist schön für die Jungs und auch für Opa, es war eine Überraschung für ihn. Condor fliegt leider nicht mehr, das war immer super. Frankfurt direkt nach Varadero mit ziemlich viel Gepäck für recht günstige Tickets. Diesmal müssen wir über Madrid nach Havanna fliegen. Die Tickets waren, trotz dass wir nur mit Handgepäck hatten teurer, die Anreise umständlicher und die Airline naja…Ich hatte auf den letzten Drücker noch Spenden für die Ausstattung einer Schulklasse gesammelt und für 250 Euro zwei zusätzliche Gepäckstücke angemeldet. Die hat unser Hausarzt bezahlt. Unfassbar, wieviel Hilfsbereitschaft es doch immer wieder gibt. Ein paar Zahlungen habe ich auch über Paypal bekommen, die wurden allerdings erstmal gesperrt, weil die Leute im Betreff Kuba Spende angegeben haben. Das mögen amerikanische Unternehmen nicht so gerne. Hat sich aber alles geklärt und das Geld konnte für seinen verabredeten Zweck eingesetzt werden. Auch meine Amazon Wunschliste war ziemlich schnell leergekauft. Ich erzähle gerne über meine Kuba Spenden Aktionen, weil sich dadurch immer neue Menschen daran beteiligen. Von der Wunschliste haben Menschen eingekauft, die ich nicht mal kenne, weil meine Kontakte den Link einfach in ihren Status gestellt haben. Mega Sache!

Der Flug war eine Quälerei. Die Ankunft in Havanna war gut, es ging alles flott, bis auf das Gepäck. Es sind in Madrid unglaublich viele Kubaner eingestiegen mit unglaublich vielen und großen Gepäckstücken, alle in Plastik eingewickelt. Es wird einfach alles mitgebracht, was es hier nicht gibt. Das heißt also wirklich alles! Wir mussten dann noch 2,5 Stunden mit einem kleinen Bus ins Hotel fahren. Das Zimmer der Jungs war, sagen wir mal „nicht so schön“ und hat nach Rauch gerochen. Ich hatte drei Betten in meinem Zimmer, also habe ich sie aufgenommen und konnte selber dann drei Nächte später in ein anderes Zimmer umziehen. Das war fast ein bisschen traurig, weil wir zu dritt gut zurecht gekommen sind. Ich habe jetzt ein Zimmer mit Blick auf das Meer, aber keine Zimmerkarte, weil ein richtig krasses Gewitter am zweiten Tag die Maschine zerstört hat, mit der die Zimmerkarten programmiert werden. Also habe ich erstmal nur mein Schlafshirt ins Zimmer gebracht und teile mir tagsüber nach wie vor unser Familienzimmer mit den Jungs. Das Essen ist wieder mal „wir werden satt“, zum Frühstück gibt es dieses Mal Eier. Die Schlange davor ist morgens lang und unfair. Ersteht pro Familie einer an und bestellt dann 23 Omelettes und Spiegeleier. Das dauert dann eben. Wir haben kleines abgepacktes Vollkornbrot dabei und starten gar nicht so ungesund in den Tag. Obst und Gemüse gibt es immer. Und Reis und Bohnen als verlässliche Größe zu jeder Mahlzeit. Dennoch gehen wir auch raus und ins Restaurant.

Es ist hier wie immer sehr herzlich, alle freuen sich über uns. Das Wetter ist prima, entgegen der Vorhersagen. Ab und zu regnet und gewittert es, aber in den ersten drei Tagen sind wir oft im Meer. Das war letztes Jahr nicht einmal möglich, weil es einfach zu gefährlich war. Die Jungs haben großen Spaß mit den Wellen. Sogar Opa ist mit und einmal schon im Wasser gewesen.Die Jungs möchten tauchen, der erste Versuch wurde schon mal wegen Wellengang abgesagt.

SAFARI STAUB RAUS – MEERESBRISE REIN Unser Afrika Abenteuer oder: der erste Meilen Urlaub

Im Sommer 2023 habe ich an einem Webinar teilgenommen und gelernt, wie man Tricks und Umstellungen des eigenen Bezahlsystems recht günstig Urlaub buchen kann. Gehört und sofort umgesetzt…Die entsprechenden Kreditkarten (für mehr Info bitte Nachricht an mich) bestellt, gleich mit Partnerkarten für die restlichen Familienmitglieder. Und die Karten, von denen wir keinerlei Vorteile haben, rasch gekündigt. Witzigerweise interessierte sich eine Sparkassenmitarbeiterin sehr für dieses System. Man muss sich in dieses System etwas reinfuchsen, kann aber dann , auch in der Kombination mit Payback, ziemlich schnell ziemliche viele Meilen sammeln, auch ohne zu fliegen. Bereits ein Jahr später, im Juli 2024, hatten wir genug Meilen zusammen, um diese Februar Auszeit buchen zu können. Ein Urlaub wäre normalerweise, wegen unserer Baustelle gerade, finanziell nicht drin gewesen. Ein Blick in die Prämientabelle, angerufen bei der Hotline und die Flüge sind fix. Von Frankfurt nach Kilimanjaro mit Ethiopien Airlines , weiter auf die Seychellen und zurück über Istanbul mit Turkish Airlines. Alles in Business Class, was normalerweise knapp 8000 Euro gekostet hätte, haben wir für Meilen plus Zuzahlung von etwa 400 Euro für uns beide bekommen.

Über das Miles and More Programm bin ich auf die Booking.com Seite gegangen und habe zusätzliche Meilen für die Hotels gesammelt. Wir übernachten auch gerne mal etwas luxuriöser, aber diesmal stand die Baustellenkasse im Vordergrund, deshalb: lieber günstiger, als gar nicht weg. Hübsch schaffen wir ja trotzdem auch immer.

Warum zuerst Kilimanjaro? Die Strecke was mit Star Alliance Flügen sehr günstig und gut mit den Seychellen kombinierbar. Dort wollten wir schon immer mal hin. Kilimanjaro bot sich an, um endlich unser Patenkind zu besuchen. Feysal ist 9 Jahre alt, wir haben seine Mutter in 2022 auf Sansibar kennengelernt und zahlen seitdem die Kosten für die Privatschule für ihn. Natürlich wollten wir ihn gerne treffen und uns auch die Schule einmal anschauen.

Es ging also los. Frankfurt mit Papa, er hat seinen Kubaflug auf unseren Abflugtag gelegt, damit wir zusammen fahren können. Am Flughafen hatten wir noch ewig Zeit und überlegt, dass 50 Minuten Umsteigen in Zürich vielleicht doch zu knapp sein könnten. Also vertrieben wir uns die restliche Wartezeit damit, den ersten Flug zwei Stunden nach vorne zu buchen. Hat auch nach einigem Hin und Her geklappt. Und war auch eine ziemlich gute Entscheidung. Ethiopian Airlines hat überrascht. Wir hatten dummerweise vorher die Rezensionen gelesen und waren auf das Schlimmste vorbereitet, aber alles unnötig. Die Mitarbeiter sind total nett, der Komfort ist auf jeden Fall mindestens Lufthansa Standart (die haben ziemlich nachgelassen, gerade auch im Business Bereich) und der Service war super.

Umsteigen in Addis Ababa hat gut geklappt, wir hatten Zeit, Frühstück in der Lounge und Fussmassage. Weiter ging’s nach Kilimanjaro Airport. Das ist ein ganz kleiner süßer Flughafen mit Parkett ausgelegt. Einreise, Visum und Gepäck ging schnell. Unser Fahrer stand bereits mit einem Namensschild vorne und dementsprechend waren wir rasch in unserer ersten Unterkunft. Meru View Lodge in Usa River. Sehr süß.

Wir waren ganz schön kaputt von der langen Anreise, deshalb gab es einen kurzen Powernap, poolen, lesen, ausruhen und ein Ankunftskaltesbierchen. Um 18 Uhr kam unser Safariguide für das Briefing unserer kleinen Safari für morgen. Es war ein ganz schöner Kampf bis 19 Uhr durchzuhalten, dann gab es Dinner in der Lodge und das war so lecker…

Nach 12 Stunden Schlaf ging es mit Essen weiter.

Unsere Fahrer und Guide kamen pünktlich und los ging es in den Arusha Nationalpark. Das Gate war keine 5 Minuten entfernt, das hatten wir absichtlich so ausgesucht. Es ist nur ein kleiner NP, wir wollten aber auch keinen klassischen Safariurlaub machen, sondern nur erstmal einen ersten Eindruck bekommen.

Die Jungs, Joshua und Omari von Explore Africa Expedition waren super. Dieses lokale Unternehmen fördert die veranwortungsvolle und wirtschaftliche Entwicklung des Landes und bietet von Kilimanjaro Besteigungen bis Serengeti Safari so ziemlich alles an. Und das zu einem fairen Preis mit einem tollen Service. Los Ging es, entweder mit Mount Meru im Blick oder dem Kilimanjaro

Wir haben tolle Erklärungen bekommen, auch über das Leben der Menschen vor der Kolonialisierung. Das kannten wir bereits von den Cook Inseln, Es ging den Menschen vorher einfach besser, sie waren gesünder, schlanker und fitter. Mit dem Zucker und der Chemie kam das Übel…If nature didn´t make it don´t take it. So haben sie hier gelebt. Wir erfahren viel über Durchfallbäume, Grippesträucher, Blutdruckregulierungskräuter und die positiven Wirkungen des Qualms, der bei der Verbrennung von Elefantenkacke. Er ist extra nochmal zurückgefahren, als ich gefragt habe, ob das Elefantenkacki ist. Das hat mich sehr gefreut. Gleich zu Beginn sehen wir alle Tiere des Parks versammelt auf einer riesengroßen Wiese versammelt.

Der nächste Stop war oberhalb des Ngurdoto Kraters, quasi der kleine Bruder des berühmten Ngorongoro Kraters. Er hat natürlich nicht diese krassen Ausmaße, ist aber dennoch ein toller Anblick. Es ist ein etwa 3,6 KM breiter und 100 bis 400 M tiefer feuchter, teils sumpfiger Krater, umgeben von dichtem Regenwald. Er steht unter sehr strengem Schutz und darf auf keinen Fall betreten werden, außer von Büffeln, Elefanten, Warzenschweinen, Leoparden, Tüpelhyänen, Antilopen, Affen und Pavianen. Am Aussichtspunkt wurden wir von einer Horde Baboon Monkeys begrüßt, die zum Glück schnell verschwanden, ich habe mit Affen Schwierigkeiten und unsere Tollwutimpfung wurde seit Ende der Weltreise auch nicht mehr aufgefrischt.

Auf dem Weg zu den Momella Seen, haben wir Zebras und Giraffen gesehen:

Am großen Momella Lake gab es ein Picknick

Es war ein ereignisreicher Tag für uns, obwohl wir keine Elefanten gesehen haben. Es war von Beginn an klar, dass wir nur das sehen: what nature offers you 🙂 Es war genau das, was wir wollten. Unser Fokus lag auf Nähe. Wir wollten nicht erst 5 Stunden Fahrt haben. Lieber mit mehr Zeit wiederkommen und eine große Safari machen. Wir haben dennoch viel gesehen. Warzenschweine (Pumbas), Zebras, Giraffen, Wasserbüffel, Affen, zahlreiche Vögel, Antilopen, Wasserböcke und Schmetterlinge.

Zurück in der Lodge gibt es wieder eine runde Pool, chillen, Dinner und Bett. Am nächsten Tag geht die Reise weiter nach Moshi, wo wir unser Patenkind Feysal treffen und die Schule besuchen.

Die Fahrt ging fix,, hatten wir ja, wie gesagt, auch alles darauf abgestimmt. Eingecheckt in der Brubru Lodge, sehr nette Mitarbeiter, haben uns vorzeitig einchecken lassen, weil wir den Termin in der Schule schon um 12 Uhr hatten.

Taxi bestellt, geduscht und los. Moshi ist die Hauptstadt der Region Kilimanjaro, Universitätsstadt, hat circa 220.000 Einwohner und wurde bereits 7 Mal als sauberste Stadt Tansanias ausgezeichnet. Ganz schön wuselig dort. Die ersten Fahrten durch unbekannte Gegenden finde ich immer sehr spannend.

Feysal ist wohl ungefähr so aufgeregt wie wir. Ich bin in solchen Situationen immer so ergriffen, dass ich gerne mal anfange zu heulen. Aber was sollte bitte dieses Kind von mir denken. Deshalb immer schön die Zunge gegen den Gaumen drücken. Hat geklappt. Der Empfang war herzlich. Feysals Mama und sein Opa waren auch da und haben sich sehr gefreut. Feysal war neugierig, aber logischerweise sehr schüchtern. Wir haben ihn sofort ins Herz geschlossen, er ist unglaublich. Als wir im April 22 die Zusage gemacht haben, die Kosten zu übernehmen, war die Freude erstmal verhalten. Sie hatten Sorge, dass wir nach ein paar Monaten die Zahlung einstellen und er dann wieder zurück auf die alte Schule gehen muss. Sie kannten uns ja gar nicht und brauchten einen Vertrauensvorschuss. Wir hingegen haben uns total über unsere Entscheidung gefreut und waren etwas überrascht von ihrer reservierten Reaktion. Wobei: waren es nicht eigentlich wir, die einen Vertrauensvorschuss gebraucht hätten? Sie hätte ja sonstwas mit dem Geld machen können… Verständliche Reaktionen von beiden Seiten, wenn man etwas darüber nachdenkt. Wir mussten uns erstmal beweisen, haben Anmeldegebühr, Kosten für Schuluniform und das erste Jahr geschickt und sie Zeugnisse. Feysal ist ein sehr guter Schüler, wir haben uns lange mit dem Rektor und seinen Lehrern unterhalten. Sie sagen, er ist Die Gedanken, die wir hatten, scheinen zu funktionieren. Wir merken nicht, dass uns Geld fehlt, aber für ihn ändert sich der weitere Verlauf seines Lebens. Wir haben natürlich für die Zeit nach der Schule weitergehende Unterstützung zugesagt. Und natürlich freuen wir uns, wenn er uns eines Tages besuchen kommt.

Die Lehrer beim Korrigieren von Klausuren

Die Wäscherei

Die Schulküche. Hier wird jeden Tag Brot gebacken und gekocht. Es gibt auch Schüler, die hier im Internat übernachten. Feysal gehört nicht dazu. Er fährt jeden Tag.

Wir wurden zum Schluss noch ins Sekretariat gebeten, um uns ins Gästebuch einzutragen und durften Fragen stellen. Es gibt in dieser Schule einige Kinder, die von Europäern oder Amerikanern die Schulkosten bezahlt bekommen, das hat uns sehr gefreut. An Freitagen, so wie heute, gehen die moslemischen Kinder um 11 Uhr und die Moschee. Die anderen Kinder machen in der Zeit Unterricht. Sie haben zu anderen Zeiten Gottesdienst oder ähnliches. Es gibt verschiedene Glaubensrichtungen an dieser Schule und alle werden versorgt.

Im Anschluss an den Schulbesuch sind wir mit Farida noch ein bisschen in die Stadt gefahren. Es ist heiß, staubig und hektisch. Ich bin etwas überfordert und brauche hier nicht so viel zu sehen. Es gibt auch nicht so viel anzugucken. Die Stände mit Kram haben wir überall auf der Welt schon gesehen, es ist so voll, dass wir gar nicht in unserem Tempo gehen können. Wir haben uns für den Abend zu gemeinsamen Dinner verabredet und sind dann zurück in unsere entspannte Oase gefahren. Dort gab es was Leckeres zum Lunch und dann wieder entspannen, wir sind ja zwischendurch auch mal im Urlaub 😉

Wir haben Feysal aus Deutschland einen neuen Spiderman Schulranzen mitgebracht und neue Schuhe für die Schule. So sind wir also beladen zum Restaurant gelaufen.

Die Eltern (Mama und Stiefpapa) von Farida sind unglaublich herzliche Menschen. Sie haben sich so gefreut, weil wir sie unbedingt gerne dabei haben wollten. War auch die letzte Möglichkeit, denn am nächsten Tag beginnt Ramadan. Das Restaurant war prima. Alles war lecker und alle waren nett.

Feysal ist in der Zwischenzeit auch aufgetaut und hat Späßchen mit uns gemacht. Farida arbeitet immer noch auf Sansibar und ist nur 4 Mal im Jahr zu Hause. Sein Vater interessiert sich leider (oder zum Glück) nicht für ihn. Das war nur kurz Thema, ich wollte nicht in Feysals Beisein darüber reden. Es war ein sehr schöner Abend mit ganz viel Austausch, Herzlichkeit und sehr leckerem Essen für wirklich wenig Geld.

Wir verabreden uns für den nächsten Nachmittag, denn bei uns steht am Vormittag ein Ausflug an. Sie möchten uns gerne zeigen, wie sie wohnen. Leider hat der Hotelmitarbeiter vergessen das Taxi für uns zu bestellen. Deshalb fahren wir eine halbe Stunde später mit einem anderen Taxi los und bezahlen nur die Hälfte. Willy, unser Fahrer ist Christ und darf essen und trinken, das hat mich erleichtert, bei der Hitze… Wir fahren zu den Kikuletwa Hotsprings und haben Badesachen mit. Es geht von der Hauptstrasse ab und dann über Stock und Stein.

Die Quellen sind nicht wirklich heiß, sie sind angenehm erfrischend, sie werden vom Kilimanjaro gespeist. Leider ist es nur die erste halbe Stunde schön.

Ab 12 Uhr geht der Rummel los. Sehr viele Menschen mit sehr großen Boxen reisen an und feiern. Das Baden vorher war ein Traum, wir hatten ja alles fast für uns alleine.

Also laden wir Willy zum Essen ins „Restaurant“ ein.

Die Restaurantküche

Die Köchin

Natürlich hat der Hundeflüsterer sofort Gesellschaft

Das Essen, natürlich unfassbar lecker. Zum Glück sind wir da total entspannt und experimentierfreudig. Wo wir schon überall gegessen haben, hätten andere sicher gestreikt oder Herpes bekommen oder Durchfall oder alles zusammen…während wir die leckersten Mahlzeiten hatten.

Weiter geht´s Richtung Feysals Haus. Wir nehmen den Shortcut, der zwar kürzer ist, aber länger dauert, da wir mit einem normalen Taxi Offroad Wege über Stock und Stein fahren müssen. Spannend ist es auf jeden Fall

Feysal wohnt mit seinen Großeltern in einem kleinen Haus etwas außerhalb von Moshi. Es ist ordentlich und sauber, es liegt kein Müll im Garten (das ist ungewöhnlich). Es gibt ein kleines Wohnzimmer, mit einer Gasflasche und einem Aufsatz zum Kochen drauf (das ist die Küche) draußen kochen geht wegen der oft starken Winde nicht. Außerdem ein kleines Schlafzimmer für alle 3 oder manchmal 4, wenn Farida zu Besuch ist. Sie baut gerade nebenan ein Erweiterung für das Haus, das dauert aber, da sie immer nur dann weiterbauen kann, wenn sie etwas Geld zusammen hat. Sie hat bisher für den Rohbau etwa 750 Euro ausgegeben und braucht noch einmal etwa 1000 Euro für Dach und den Innenausbau. Und ja, natürlich: Ich habe kurz überlagt…Wir wollten sie aber auch nicht in Verlegenheit bringen, weil wir schon so viel für sie machen und sie auch so bescheiden sind. Die Straßen sind nicht befestigt und deshalb staubig. Es ist total heiß. Heute ist der erste Tag des Ramadan, deshalb haben wir schon vorher darauf bestanden, dass sie nichts für uns vorbereiten. Wir haben auch keine Bilder gemacht. Feysal ist direkt nach der Verabschiedung verschwunden, Farida sagte, er muss weinen, deshalb wollt er nicht winken. Dass wir wieder kommen, steht fest. Vielleicht habe ich ja in der Zwischenzeit eine Sammelaktion gemacht, so dass das Haus dann auch fertig ist 🙂

Nächste Etappe:

Wir werden um 1.30 Uhr in der Nacht abgeholt und zum Flughafen gebracht. Wir fliegen um 4.45 Uhr nach Addis Ababa und von dort geht es weiter auf die Seychellen.

Der Flug ist etwas langweilig. Leider sitzen Mike und ich nicht zusammen, weil die Passagiere einfach nach Belieben ihre Plätze getauscht haben. Da wir aber für mehr Beinfreiheit extra bezahlt haben, waren nur noch zwei separate Plätze, obwohl es anders auf unseren Bordkarten stand. Es ging eh zu wir bei den Hottentotten. Die Tische waren zum Start nicht hochgeklappt, die Lehnen nicht aufrecht. Der Kerl neben mir über den Gang war nicht mal angeschnallt, er hat tief und fest geschlafen. Der Stewardess war es irgendwann egal, glaube ich. Es war dunkel, ich habe geschlafen, alles gut also. Umsteigen in Addis, diesmal ohne Fussmassage. In die Lounge durften wir wegen unserer Priority Pässe auch ohne Business Tickets. Auf dem Flug nach Mahe saß ich in der Mitte, am Fenster ein Inder. Ich weiß nicht, warum die Inder sich immer die Füße nackig machen, wenn sie fliegen. Wusste auch google nicht. Er war nett und hat mich zum Fotografieren ans Fenster gelassen, als es etwas zu sehen gab.

Die Einreise hat ganz problemlos funktioniert. Wir mussten ja schon von zu Hause eine elektronische Einreisegenehmigung beantragen, mit Foto. So wurden wir mit Gesichtserkennung auch am Flughafen schon mit Namen begrüßt. Auf also zu Flug Nummer 3 an diesem Tag. Mit einer kleinen Maschine geht es nach Praslin. Es fahren auch Fähren. Da ich aber nicht wusste, wie lange dieser Einreiseprozess dauert und wir dann noch vom Flughafen zum Hafen hätten fahren müssen, haben wir uns für die komfortablere Möglichkeit entschieden und sind geflogen. Das Inlandsterminal ist direkt neben dem International Terminal, man muss nicht mal raus gehen.

Das Gepäck kam nicht mit, das ist wohl üblich, wenn die Maschinen voll sind. Es wurde einfach abends in Hotel geliefert. Allerdings hat der Flughafenmitarbeiter noch einen kleinen Spaß gemacht, in dem er sagte, spätestens übermorgen wären die Koffer bei uns 🙂

Unsere Fahrerin Jeanna stand schon strahlend draußen und hat auf uns gewartet. Also einmal auf die andere Seite der Insel. Sie hat uns vieles erklärt, auch wo man günstig essen kann wie die Locals. Obwohl sie ein Taxi hat, hat sie uns erklärt, wie man hier Bus fährt. Man braucht eine Karte, lädt sie im Laden auf und zahlt etwa 1 Euro pro Fahrt, egal wohin man fährt. Haben wir dann auch mal gemacht. Da es aber keinen zuverlässigen Busfahrplan gibt, sitzt man dann auch schon mal länger an der Bushaltestelle…

Übernachtet haben wir im Berjaya Resort. Das war tatsächlich über TUI am günstigsten. Also haben wir das bereits im September bei unserem Jüngsten gebucht, der gerade ein Jahrespraktikum bei TUI macht. Das Hotel war völlig in Ordnung. Zwar schon älter und hier und da renovierungsbedürftig, aber sauber. Die Menschen dort sind unglaublich nett und herzlich. Das ist es, worauf es ankommt. Wir hatten ein Zimmer mit Frühstück gebucht. Am ersten Abend sind wir, weil es am einfachsten war und wir immer noch unsere Jeans tragen musste, weil ja das Gepäck noch nicht angekommen war, in das Hotelrestaurant am Strand gegangen. Die Preise sind schon ordentlich. Das Buffet sollte umgerechnet etwa 45 Euro pro Person kosten, ohne Getränke. Also gab es Pizza und Bier.

Das Frühstück am nächsten Morgen war gut. Wir waren auch endlich entsprechend angezogen, unsere Koffer haben nach dem Abendessen bereits vor dem Zimmer auf uns gewartet. Die erste Amtshandlung war zunächst eine Erkundungstour am Strand. Da es dort so einladend war, haben wir uns dort niedergelassen. Beim Baden sollten wir vorsichtig sein, es sei Stachelrochensaison. Die liegen im seichten Wasser und sonnen sich. Geht man aber etwas lauter und platschend ins Wasser, verschwinden sie schnell.

Mittagessen haben wir ausfallen lassen. Ich wurde natürlich nach 2 Stündchen am Strand schon wieder unternehmungslustig. Also sind wir mit dem Bus ins Valle de Mai gefahren. Die Busfahrt war ein echtes Erlebnis. Valle de Mai ist ein Nationalpark mitten auf der Insel, seit 1983 Weltnaturerbe der Unesco. Dort beheimatet ist eine endemische Palmenart mit der größten Nuss der Welt: die Coco de Mer (die wird aufgrund ihrer Form auch Popo de Mer genannt) Sie kann bis zu 25 Kilo schwer werden. Wir haben uns gegen einen privaten Guide und für den mittleren Rundweg entschieden, 1,7 KM. Natürlich haben wir, entgegen der beleidigten Prognose des Guides, Vieles entdeckt. Pflanzen, Schnecken, Vögel, Insekten, Geckos und sogar ein Dikdik.

Zunächst war es echt heiß, aber unter den hohen Palmen wehte ein angenehmes Lüftchen, so dass es echt auszuhalten war. Der Eintritt war mit umgerechnet 60 Euro recht happig, da man aber damit den Nationalpark unterstützt (es gibt dafür kein Geld von der Regierung), haben wir das natürlich gerne gemacht. Der Guide hätte nochmal das gleiche gekostet.

Die Busfahrt zurück war genauso abenteuerlich und langwierig, wir haben sicher eine gute Stunde in der Hitze an der Bushaltestelle gesessen und wollten zweimal in den Schulbus einsteigen…Zum Abendessen gab es dann local food im local Restaurant, lecker und günstig.

Am nächsten Tag sind wir zu Fuß los, wir wollten ein kleines Inselmuseum besuchen, das Praslin Museum. Der Chef ist ein unterhaltsamer schräger Typ, der schon überall in der Welt gewesen ist und sich mit diesem Museum seinen Traum erfüllt. Wir haben viel erfahren über die lokalen Anbaumethoden, haben einiges davon auch im Garten sehen können, haben Obst gegessen und durften Flughunde füttern. Sie leben dort tagsüber in einer Voliere und fliegen nachts los über die Insel.

Kuba 2024 – wifi, electricity, eggs – no have

Eigentlich stand für Ende 2024 NY City auf dem Plan.

Dafür braucht man normalerweise nur ein simples Online Visum. Nicht ich! Ich brauche ein richtiges Visum, mit 29 Seiten Online Antrag, auf dem ich u.a. angeben muss, ob ich außerirdisch mit speziellen Fähigkeiten bin oder aber nur ein einfacher Tourist. Kostet 180 USD, eine Einladung zum Interview nach Berlin oder Frankfurt, wo ich detailliert (und das heißt wirklich detailliert) erklären muss, warum und mit wem und wo überall genau ich nach Januar 2021 in Kuba gewesen bin. Dann entscheiden sie, ob ich ein Anreisevisum bekomme. Damit dürfte ich dann an- aber noch lange nicht einreisen. Und nein: Ein zweiter Reisepass ohne Kuba Stempel nützt nichts, da die USA von all denjenigen alle Daten verlangt, die an ihrem Land auch nur ansatzweise vorbeifliegen. Außerdem reicht ein Blick in mein Socialmedia Profil, um die Lüge eines netten Urlaubs zu widerlegen. Nachdem ich also erst gar nicht versucht habe, vergeblich ein Visum für die USA zu bekommen, bleibt mir ja eigentlich nichts anderes übrig, als auf andere Visabestimmungen zu hoffen und einfach wieder nach Kuba zu reisen. Dort mögen sie wenigstens, dass ich sie besuche. Wie immer muss ich den WhatsApp Status schnell wieder löschen, weil ich schon nach ein paar Stunden viel zu viel zusammen habe. Und wie immer ist es so, dass diejenigen, die sowieso schon nicht so viel haben, die ersten sind, die sich melden. Und auch ist es wie immer so, dass ich einiges entsorgen muss, weil die Spender mir Sachen geben, die ich nicht verteilen möchte. Kubaner haben nicht viel, aber Würde haben sie noch.

Diese Reise mache ich mit Papa. Wir haben etwa 70 Kilo Spenden dabei und auch wieder ein Fahrrad. Ein Kinderfahrrad für eine ganz besondere kleine Dame, eine Herzensangelegenheit für mich. Sie wünscht es sich soooo sehr. Was auch ist wie immer, sind die schlechten Nachrichten aus Kuba und auch bei der letzten Abreise das Gefühl, schlimmer kann es jetzt wirklich nicht mehr werden…Ich lag immer daneben. Es ist von mal zu mal schlimmer geworden. Dann eine Woche vor der Abreise der landesweite 3 tätige Stromausfall. Stromausfälle gibt es seit längerem bereits, allerdings “nur” für etwa 12 bis 16 Stunden pro Tag. Nun war der Strom komplett weg, im ganzen Land. Mich erreichten Bilder von offenen Feuern auf der Strasse, zum Kochen, damit die Lebensmittel aus den Gefriertruhen nicht vergammeln. Kinder von unseren Freunden haben Hunger, die Schulen sind geschlossen, weil es weder Wasser noch Strom gibt. Und, was mich sehr traurig gemacht hat, ist die Kriminalitätsrate. Ich habe mich nie unsicher oder bedroht gefühlt. Egal um welche Uhrzeit ich nachts in Havanna von der Bar ins Hotel zurück wollte. Das ist jetzt nicht mehr möglich. Und: ich kann es verstehen. Die Menschen kämpfen ums blanke Überleben mittlerweile. Dengue Fieber hat sich extrem ausgebreitet, weil die Klimaanlagen nicht ohne Strom laufen. Daher kommen die Mücken in der Nacht in die Häuser und haben leichte Opfer. Ich habe Bilder von den Straßen in Havanna gesehen, wo sich die Müllberge türmen. Ich finde diese Stadt so unglaublich faszinierend, werde aber dieses Mal nicht hinfahren können. Es gibt kein Benzin und so sind die Fahrten extrem teuer zur Zeit. Ich möchte für mein Vergnügen auch niemandem etwas wegnehmen. Außerdem Bilder von einer Kinderklinik, in der es so dreckig ist, dass es dort jede Menge Kakerlaken gibt. Unvorstellbar für ein Land, was einstmals mit die beste medizinische Versorgung in ganz Mittel- und Südamerika hatte. Früher reisten die reichen argentinischen Rinderbarone nach Havanna, um sich dort behandeln zu lassen. Mittlerweile sind die Schubladen in den Krankenhäusern so leer, dass sich die Patienten Spritzen, Kanülen und sogar Material für Operationen mitbringen müssen.

So viele Informationen, obwohl wir noch nicht einmal losgeflogen sind…

Gesundheitspass und Touristenkarte sind schnell zu Hause ausgefüllt, Koffer schon länger gepackt (ich darf mit meinem Ticket 30 Kilo mitnehmen, also packe ich zwei Koffer mit je 16 Kilo und habe wie immer Glück und 2 Kilo zusätzlich) Karton für 10 Kilo extra Spendengepäck ebenfalls und ich reise mit 8 Kilo Handgepäck, weil ich mehr einfach nicht brauche. Ich hole das Fahrrad von einer lieben Freundin ab und darf es im hiesigen Fahrradladen gratis überholen lassen. Zusätzlich gibt es als Unterstützung noch Ersatzreifen und Flickset gratis. Manchmal bin ich von der Selbstverständlichkeit der Menschen überwältigt.

Auto packen, Fahrt zum Flughafen und einchecken klappt prima. Beim Sicherheitscheck feiert der “Röntgenologe” die Jahrespackung Batterien für das ferngesteuerte Auto in meinem Handgepäck lautstark und findet unsere Aktion super. Nächste Party findet im Dutyfreeshop statt, wo ich mir noch etwas gönne, während Kind 3 anruft, wir die Beratung unterbrechen müssen, weil er mir erzählt, dass er die Führerscheinprüfung geschafft hat. Die Beraterinnen jubeln lautstark und gratulieren ihm. Ich in unfassbar stolz 🙂

Der Flug vergeht schnell, ich schaffe, nicht zu schlafen, weil wir abends ankommen und ich nicht ausgeschlafen in die Nacht gehen möchte. Am Flughafen ist es mittlerweile nicht mehr nur ”Hola Eddy”, sondern auch “Hola Petra” oder Petar oder Petax oder oder oder…Das erste Mal überhaupt werde ich kontrolliert. Ich habe ein Zeichen auf dem Spendenkarton. Wegen Medizin. Ich habe keine Ahnung, in welchem Gepäck ich die krassen Medis verstaut habe und hoffe auf Gnade. Sie finden ungefähr 50 Zahnbürsten für Kinder, Zahnpasta dazu und eine Flasche Ibuprofen für Babies. Dann sind sie zufrieden. Papa unterhält derweil die Oberzollbeamtin, die in Netzstrümpfen und mit ihrer gefährlich prallen Oberweite die Knöpfe ihrer Beamtenbluse fast abschiesst, so dass sie entweder zufrieden ist oder ihre Ruhe haben möchte. Ich hatte echt Dusel, denn unter der harmlosen Ware befanden sich tatsächlich einige der heftigeren Sachen. Also nix wie raus. Ich liebe dieses Gefühl, woanders anzukommen und diese andere Luft zu atmen und den Geruch anderer Länder und Temperaturen zu spüren. Unser Fahrer wartet schon und los gehts. Es ist sehr dunkel auf der Strecke. Der Strom ist ab 19 Uhr etwa weg. Bis morgens. Außer in Krankenhäusern und Hotels. Im Hotel ist natürlich helle Aufregung, alle freuen sich wirklich über Eddy. Zum Glück kaufe ich gleich mehrere Internettickets, ab dem nächsten Morgen sollte es bis zu meiner Abreise kein Hotelinternet geben. Das Wifi funktioniert, es können nur keine neuen Tickets ausgestellt werden. Da muss jemand aus Havanna kommen. Noch zwei Ankunftsbierchen in der Bar und ab ins Bett, es ist spät und wir sind kaputt. Wir haben ein Häuschen am Strand, Papa unten und ich oben. Mit Balkon und Meerblick. Frühstück am nächsten Morgen, welch Überraschung: Bohnen, Reis, Kraut und alles, was vom Abendessen übrig blieb…keine Eier. Eipulver aus dem Omelette gebraten wird. Es reicht, wenn man das einmal probiert und dann einfach an die Katzen verfüttert. Also keine Eier in diesem Urlaub. Bohnen sind auch eine gute Proteinquelle. Sport fällt aus, weil die Geräte im Gym irgendwie selbst zusammengeschweißt und lebensgefährlich aussehen. Dafür gibt es täglich Massage. Zwei Auszubildende müssen üben, da stelle ich mich gerne zur Verfügung.

In meinem Zimmer sieht es aus, wie in einem Tante Emma Laden. Ich habe die Sachen sortiert und schon mal nach Bestimmungsort zurecht gelegt. Das Fahrrad steht unten bei Papa. Diesmal ist mir die Fahrt in den Ort, wo ich gerne hinfahre, weil ich einige Menschen dort kenne und versorgen möchte, zu teuer. Ich verhandel mit der Rezeption und buche zwei Nächte für die Familie meines Patenkindes, für die auch das Rad bestimmt ist. Das ist unwesentlich teurer, aber viel sinnvoller. Ich freue mich auf drei Tage mit ihnen. Und sie sich erst. Drei unbeschwerte Tage, mit Strand, Pool, Eiscreme, Schlafen mit Klimaanlage ohne Moskitos und ausreichend Essen für alle. Das Leben ist im Moment extrem. Am Ankunftstag können wir das Fahrrad noch nicht übergeben, ich musste für den Flug die Luft aus den Reifen raus lassen und habe doch tatsächlich die Luftpumpe vergessen. Es gibt natürlich hier weit und breit keine. Nicht mal an der Tankstelle, die ist nämlich geschlossen…Ein alter Freund aus unserem Stammhotel (welches aktuell geschlossen hat) hilft uns schließlich. Für seine Frau habe ich ein Handy und Diabetesdinge dabei. Es gibt zwar Insulin, mal in der Apotheke, mal auf dem Schwarzmarkt, aber keine Teststreifen für die Messgeräte. Das heißt Diabetesbehandlung im Blindflug. Unfassbar. Er selber sieht echt schlecht aus, weil er seine Herztabletten nicht bekommt, da konnte ich leider auch nichts machen. Trotzdem echt herzergreifend, wie alle sich freuen, uns zu sehen. Wir haben den ganzen Tag Spaß, planschen und die Kinder essen sich satt. Trinken Milch (eher Weißes Wasser) mit 3 großen Löffeln Zucker pro Tasse…Sie freuen sich, weil sie Cola bestellen dürfen. Die 4 Jährige ist morgens um 3 Uhr aufgewacht, weil sie heute in “Peletas Haus” fährt, dementsprechend früh sind alle im Bett verschwunden. Am nächsten Tag gibt es dann endlich das Fahrrad, das ferngesteuerte Auto und die Schuhe für den Nachwuchsgewichtheber. Auch eine Spende, zusammen mit ein paar Trikots aus einer Gewichtheberschule aus Kassel. Natürlich wird wieder viel geheult, das machen wir gerne zusammen, Yaneris und ich…für die Kinder bin ich wahrscheinlich die reiche Tante aus Europa, die immer nur heult 🙂 Leider sind die Wellen am Strand seit unserer Ankunft so krass, dass man nicht baden kann. Also bauen wir heute Sandburgen am Strand. Die Kleine schimpft hinterher bei ihren Eltern über mich, weil sie so gerne im Meer geschwommen wäre und ich sie einfach nicht ins Wasser lassen wollte. Sie ist sowas von süß. Am Nachmittag sitzen wir in der Poolbar und schauen uns die Wassershow an. Jedes Hotel hat natürlich Programm am Abend und auch manchmal am Nachmittag. Die Tänzerinnen und Tänzer haben professionelle Ausbildungen und wurden getrietzt bis zum Umfallen, wie beim russischen Staatsballett. Mit Ende 20 sind sie fertig, Knochen und Gelenke kaputt, nicht etwa für Broadway oder vergleichbares, nein: für die Shows in den All inklusive Hotels für die betrunkenen Touristen. Bingo ist hier am Nachmittag ziemlich beliebt. Und Karaoke am Abend, sehr laut, sehr schief, mit viel Bass und Geschepper, bis Punkt 23 Uhr. Bis in mein Zimmer. Die Kinder hatten Spaß und ich fand es so naja, habe mich aber für die Kids gefreut. Normalerweise filmt mein Papa diese Shows gerne. Komplett. Und schickt es per WhatsApp an alle. Und wundert sich dann, wenn sein Speicher voll und das Guthaben leer ist. Während ich so schreibe, frage ich mich, warum der Schwarztee nach Speck schmeckt…Kaffee beim Frühstücksbuffett ist auch keine Option. Es gibt auch leider seit Tag 3 keine Bananen mehr. Die Wassermelone macht ihrem Namen alle Ehre. Blaßrosa und geschmacklos. Ich schaffe das für ein paar Tage, auch die anderen beiden Mahlzeiten des Tages. Irgendwas findet man immer, mit Kohl oder Bohnen. Es gibt morgens Mortadella vom Grill, weil es keine Eier gibt, sie aber dennoch gerne den Grill benutzen möchten. Probiert habe ich das nicht! Wenn ich darüber nachdenke, dass das trotz allem Luxus ist und den Kubanern gar nicht zur Verfügung steht, werde ich sauer. Ich unterhalte mich viel hier. Alle sind frustriert. Die Verdienste für diejenigen, die überhaupt Arbeit haben, sind etwa 2500 bis 3000 Pesos im Monat. Ein Pfund Schweinefleisch kostet 300 Pesos (1 Euro umgerechnet, getauscht auf dem Straßenmarkt, nicht in der Bank), ein Ei kostet 135 Pesos. Reis und Bohnen sind auch sehr teuer geworden. 1 Kilo Reis war früher 10 Pesos und jetzt 450. Da kann man sich ausrechnen, wie weit eine 4 köpfige Familie damit kommt. Es gibt auch gute Nachrichten: Der Strom ist jetzt günstiger 😉 Weil es nicht ausreichend Benzin gibt, fahren die Arbeitsbusse manchmal nicht. Wer aber nicht zur Arbeit kommt, wird entlassen. Nicht wenige trampen. Meine Freundin wohnt etwa 50 Kilometer entfernt. Der Bus fährt nur bis in den nächsten Ort, der etwa 15 KM entfernt ist. Den Rest trampt sie. Wenn sie morgens um 9 Uhr arbeiten muss, verlässt sie das Haus um 5 Uhr. Dann ist sie gegen 23 Uhr wieder zu Hause. 6 Tage in der Woche…Und die Regierung? Die jetten durch die Welt, machen Party in Russland oder Nordkorea und drohen den Bürgern, für den Fall von Unruhen. Unglaublich (fast witzig, wenn es nicht so traurig wäre) sind die Dinge, die hier in der Parteizeitung stehen oder erzählt werden: Der Krieg zwischen Russland und Ukraine ist schon lange vorbei, Russland hat gewonnen und die Ukraine erobert. Außerdem sind alle in Panik, weil Österreich zusammen mit Israel plant, Kuba anzugreifen und zu erobern. Da muss man erstmal ganz tief ein- und ausatmen. Viele Kubaner sind schon nach Russland gegangen, um zu arbeiten. Das dauert sicher nicht so lange, bis sie in Uniformen gepackt und an die Front geschickt werden.

Am Abend in der Bar saß eine kubanische Familie (die, die Verwandtschaft außerhalb haben, werden manchmal eingeladen oder Familien, in denen ein besonderer Geburtstag gefeiert werden soll, verschulden sich, um im Hotel zu feiern und das Wochenende zu verbringen) mit einem etwa 2 Jahre alten Jungen. Er spielte mit einem Handy. Als die Mutter nur etwas nachgucken wollte, verwandelte er sich in den Teufel. Er schrie, warf Gläser um und flippte total aus. Dann knallte er mit dem Mund gegen die Tischplatte und hat sich wirklich wehgetan. Nun schrie er anders. Die Mutter schimpfte, man kennt es, “hab ich dir doch gleich gesagt usw…” Er blutete etwas und sofort rannte die Tante an die Bar, um eine Dose Zucker zu holen. Zack, Teelöffel voll Zucker in die Schnutte und den Löffel wieder zurück in die Dose (uarghhh) Kind ruhig. Dann noch Brust und wieder Handy. Ich konnte nicht weggucken. Ich glaube, mein Papa hat mir noch die Kinnlade wieder hochgedrückt.

Leider ist der Wind noch immer nicht weniger geworden. Statt der roten, weht jetzt zwar nur noch die gelbe Flagge, die Wellen sind aber für die Kinder noch zu krass. Nun hat sich auch noch ein Hurrikane angekündigt für Dienstag, der wohl zwischen Matanzas und Varadero durchkommen soll. Dort ist der Flughafen, von dort fliege ich am Dienstag…Schauen wir mal…

Am Sonntag machen wir einen Ausflug mit dem Hopp on hopp off Bus. So wie richtige Touristen. Kleine Randinfo: Wenn man oben sitzt, hat man nach der Fahrt die gleiche Frisur wie nach der Massage 😉 Wir fahren bis an die Spitze der Halbinsel zur Marina. Die meisten Hotels sind leer. Die Marina auch. Nur ein paar Geschäfte und ein Café hat geöffnet. Es gab bereits zwei Marinas, aber der 20 Jahres-Bauplan stand und so wurden nicht nur etliche große Hotels neu gebaut, sondern auch eine neue Marina. Was hätte man mit dem Geld alles machen können…Nie wieder wurde dort irgendetwas repariert oder ausgebessert und dementsprechend sieht es nur wenige Jahre nach der Eröffnung schon ganz schön runtergekommen aus. Ich bestelle eine Pina Colada, die Barkeeperin entscheidet sich gegen Rum für mich, ohne es mir zu sagen. Der Preis ändert sich natürlich nicht. Papa soll für seinen Espresso 6 Euro in cash bezahlen, er entscheidet sich für Kartenzahlung und somit waren es dann nur 1,67 Euro. Ein Schelm, wer Böses dabei denkt. Am Abend sitzen wir wieder mit unserem Kumpel zusammen und bekommen die neusten Infos aus der Parteizentrale. Abstimmung der UN Vollversammlung für das sofortige Ende des US Embargos gegen Kuba. 187 Länder dafür, 2 dagegen, 1 Enthaltung. So stand es gestern in der Granma. Die Abstimmung war aber bereits im September. Das wollte unser Parteifreund aber nicht glauben und wollte mit mir wetten. Er hat halt gerne Recht und ich hätte gewonnen. Das Embargo könnte sicher schnell beendet werden, wenn die Regierung einige Zugeständnisse machen würde, wie z.B. politisch Gefangene entlassen oder ihnen einen fairen Prozess zugestehen. Einsperren geht hier schnell, geht man auf die Strasse, um zu protestieren, wird man ohne Verhandlung und Anwalt einfach für 10 Jahre weggesperrt. Genauso lange bekommt man übrigens, wenn man ein Rind schlachtet, selbst wenn es das eigene ist. Das schüchtert ein. Sowieso wird hier viel mit Angst gearbeitet.

Hurrikan Tag: Morgen soll Hurrikan Rafael um die Ecke kommen. Sicherheitshalber werden wir in ein anderes Hotel „evakuiert“. Ich habe bereits ausgecheckt, weil ich am Abend wieder zurück fliege. Die Vorbereitungen laufen auf Hochtouren. Die Tür zum Speisesaal wird mit einem Brett verriegelt. Diese Tür ist vorher schon kaputt gegangen und statt die Scheibe erstmal drin zu lassen und ein Brett davor zu machen, hatten wir für drei Tage ein Tür ohne Scheibe, Klimaanlage volle Pulle für draußen und ziemlich viele Katzen. Die Scheiben werden mit Klebeband verklebt, es gibt keine weiteren Bretter. Die Liegen am Strand wurden gestern schon weggeräumt, die Liegen am Pool werden ins Wasser geschmissen. Wir warten mit Sack und Pack und zig weiteren Gästen in der Halle. Da das mein letzter Urlaubstag hier ist und ich lieber am Pool chillen möchte, bestellen Papa und ich ein Taxi. Evakuierung für Fortgeschrittene. Im neuen Hotel checken wir ein, ich werde als Gast geduldet, weil ich ja eigentlich gar nicht mehr da bin. Den Rest des Tages verbringe ich am Pool. Der Strand ist auch schön, aber ziemlich stürmisch. Zum Abschied gibt es noch einen Espresso, der Fahrer ist überpünktlich und ich verabschiede mich ganz schnell von Papa, bevor ich anfange zu heulen…

Cuba -doch nicht so- Libre?

Im Dezember haben wir angefangen, die nächste Reise nach Kuba zu planen. Mit Levi dieses Mal. Darüber habe ich mich sehr gefreut, wir werden mit Papa dort sein. Also stellte ich direkt einen Spendenaufruf in meinen WhatsApp Status. Allgemein und auch gezielt nach bestimmten Dingen, die ich im Februar erfragt hatte. Dazu bekam ich zusätzlich Informationen aus Kuba, dass die Krankenhäuser mittlerweile noch leerer sind, als zuvor schon. Nach nur unglaublichen 4 Stunden musste ich den Status löschen, weil ich sonst ein komplettes Flugzeug hätte chartern müssen. Ich bin immer wieder total überwältigt von der Hilfsbereitschaft und Großzügigkeit meiner Mitmenschen. Es kam sehr viel zusammen, es wurden gebrauchte Dinge, wie Kleidung und Schuhe für Kinder und Erwachsene gebracht, genauso wie neu gekaufte Sachen, wie Spritzen, Kanülen, Zahnpasta und Zahnbürsten, Geld und Brillengläser von meinem Optikerfreund, unser hiesiger Optiker gab die Brille und den Einbau dazu. Aus unserer Apotheke bekam ich ein riesengroßes Paket, ebenso von meiner Hausarztpraxis. Nachdem ich mir letztes Jahr geschworen habe, kein Fahrrad mehr mitzunehmen, weil das schon einigermaßen umständlich gewesen ist, ziehen Levi und ich diesmal mit zwei Fahrrädern los…Auch eine Spende, die mithilfe unseres Radladens gut verpackt auf die Reise geht. Ich musste sämtliche Kubaner aus meinem WhatsApp Status rausnehmen, weil das im letzten Jahr für Papa eine Katastrophe war. Sie haben ihm regelrecht aufgelauert, um zu erfahren, wann ich hier ankomme. Daraus habe ich gelernt.

Wir mieten einen Transporter für die ganzen Sachen und fahren los. Alles klappt gut, bis auf einen dicken Anschiss vom Check In Mann, der sofort geschnallt hat, dass in den Fahrrad Kartons nicht nur Fahrräder drin sind. Wer mich kennt, weiß, dass ich damit durchgekommen bin;) Insgesamt haben wir 135 Kilo zum Verteilen dabei: pro Person 30 Kilo Gepäck zum Aufgeben und jeweils 10 Kilo Spendengepäck von der Fluggesellschaft. Plus die „Schmuggelkilos“ in den Fahrradkartons. Levi und ich haben für uns nur Handgepäck. Ach ja, den Kinderwagen hat er auch angemahnt. Der sei nur erlaubt, wenn man mit seinem Kind verreist. Ein kurzer Blick zu Levi und die Sache war geklärt 😉

Nach einem vorzüglichem Frühstück in der Lufthansa Lounge geht es los. Frankfurt – Varadero ohne umsteigen. So praktisch…Einige Filme und Mahlzeiten später, landen wir 30 Minuten früher als geplant in Kuba. Wir sind die ersten, die aussteigen dürfen, daher geht alles fix. Zoll und Röntgen des Handgepäcks. Das restliche Gepäck geht auch fix, unser Fahrer, Rodolfo, wartet schon auf uns. Zum Glück ist das Auto groß genug. Trotzdem müssen wir uns quetschen.

Fast hätten wir den Buggy für die kleine Lorena vergessen, Levi flitzt nochmal rein. Im Hotel ist die Freude groß, alle heißen uns herzlich Willkommen. Ich hätte letztes Jahr nicht gedacht, dass die Situation dort noch schlimmer werden könnte. Aber der Ukraine Krieg hat Auswirkungen bis nach Kuba. Während meines Rückfluges im letzten Jahr hat diese “Spezialoperation” begonnen. Es gab vor Covid schon wenig, danach noch viel weniger und jetzt eigentlich gar nichts mehr. Kuba wurde stets von Russland finanziell unterstützt, da aber die Hilfe nicht zurückgezahlt werden kann und Russland das Geld anderweitig braucht, wurde die Reißleine gezogen. Sämtliche Hilfe wurde eingestellt. Auch kommen kaum noch russische Touristen mehr hierher, weil sie über Dubai fliegen müssen. Die richtig reichen Russen kommen auch nicht nach Kuba, sondern bleiben in Dubai oder reisen nach Asien. Somit ist China das einzige Land, welches Kuba offiziell noch unterstützt. 100.000 Fahrräder kamen im letzten Jahr aus China, da bin ich mit meinen dreien ganz nah dran…Reis und Hühnchen kommen tatsächlich aus USA, auch wenn man das hier weder wahrhaben möchte, noch zugeben würde, jedenfalls nicht als Parteimitglied. Kanada hilft auch noch. Das Essen im Hotel ist ähnlich wie im letzten Jahr. Aber zuviel Auswahl ist ja auch gar nicht gut, man erlebt schon genug auf der Reise. Reis und Bohnen sind verlässliche Partner, totgekochte “Spagetti” mit irgendwas gibt es auch immer, meistens Kraut und Speck. Auch immer schon zum Frühstück. Mittags und abends gibt es BBQ, meisten Pork, das heißt: Knochen und Fett, manchmal auch Fett und Knochen. In 10 Tagen einmal Fisch und zweimal Hühnchen. Obst und Salat gibt es dafür immer, manchmal sogar reif. An meinem ersten Morgen bin ich Jetlag bedingt bereits um 6 Uhr wach und gehe zum Strand. Den habe ich für mich alleine.

Der erste Kaffee mit Milch, die grieselt. Ich weiß nicht, wann der Durchfall losgehen wird. Gleich oder erst später? Ich warte…

Wir lassen es gemütlich angehen, also bis mittags, dann kommen die Hummeln im Hintern, leider nur bei mir. Wir fahren mit dem Taxi zu einer Freundin in Santa Marta und versorgen sie und ihre Nachbarn mit Medikamenten, Monatshygiene und Zahnpflege. Es ist heiß, es ist staubig und die “Einzimmerküche/Bad-draußen-Häuser” haben nur gestampften Fußboden.

Wir wurden herzlich empfangen und jeder wollte uns etwas anbieten. Das nehmen wir nie, weil es ihnen dann fehlt. Da wir aber nicht unhöflich sein wollen, begründen wir das stets mit unserem eng gesteckten Zeitplan. Wir haben die ganzen Sachen in unserem Hotelzimmer stehen, so auch die beiden großen Fahrradkartons. Die müssen weg. Eine befreundete Familie kommt ins Hotel, sie haben sich den Skoda des Cousins dafür geliehen, Baujahr 1962. Luis ist seit 20 Jahren nicht mehr Auto gefahren.

Ich habe Lego für den 7 Jährigen und eine Puppe für die kleine Lorena besorgt, für sie ist auch der Buggy. Das Fahrrad geht ebenfalls zu ihnen. Es kullern die ersten Tränen, das war ja klar. Ich bin da immer fix mit. Wiedersehensfreude und zu sehen, wie sich alle über die Sachen freuen, rührt mich sehr. Wir klönen ein Stündchen und gehen dann schwimmen. Der Strand ist abends am schönsten, genauso wie das Meer.

Leider habe ich mich schon am ersten Morgen ordentlich verbrannt, obwohl ich nur zwischen 7.30 Uhr und 9 Uhr im Schatten gelegen habe. Da ich keinerlei Creme mit Lichtschutzfaktor vertrage, muss ich es stets langsam angehen lassen. Diesmal ist die Sonne krasser. Am Freitag gibt es dann auch endlich Strandhandtücher. Und frische Duschtücher. Kleine. Aber egal. Die von Dienstag haben einiges mitgemacht. 3 Tage duschen und Strand. Geht alles, man muss halt flexibel sein. Milch gibt es auch nicht, also Kaffee weiterhin mit Pulver und Flöckchen. Oder Wasser. Oder Rum. Auch das geht.

Nachmittags steht oft Bingo auf dem Programm, das wird auch immer tapfer durchgezogen. Egal, ob jemand mitmacht oder nicht 😉

Am Samstag fahren Levi und ich morgens schon nach Havanna. Das steht immer auf der Liste. Ich habe einen totalen Narren an Havanna gefressen. Ein riesengroßes Freilichtmuseum. Wie ganz Kuba eigentlich. Wir gönnen uns ein sehr geiles Hotel, an dem ich immer vorbeigelaufen bin und gedacht habe, wenn ich groß bin, möchte ich dort einmal übernachten und da ich mittlerweile schon angefangen habe, wieder kleiner zu werden, wurde das jetzt Zeit.

Gesagt, gebucht. Durften um 11 Uhr schon einchecken, haben 30 Minuten Wartezeit mit Milchkaffee (!!!!!!!!!!!) trinken verbracht und bekamen kostenloses Internet für die ganze Zeit. Aus einem kleinen Drucker. In Varadero müssen wir das Internet stundenweise kaufen und bekommen dafür einen kleinen abgeschnittenen Zettel, vorne der Zugangscode mit Hand geschrieben, hinten drauf Gästedaten. Mit Namen und Zimmernummern, teilweise sogar mit Unterschriften. Als ich das anspreche, versteht mich natürlich niemand und ich bekomme einen neuen handgeschriebenen Zettel, frisch, ohne Gästedaten. Mir ging es hauptsächlich darum, dass fremde Menschen meine Daten nicht zu sehen bekommen. Ist aber nicht schlimm, so heißt es, ist ja von 2018…da waren wir auch hier!

Zurück nach Havanna: Das Zimmer ist klasse, wir halten uns aber nicht lange auf und erkunden die beiden Dachterrassen mit den beiden Pools und entscheiden uns später für den schöneren. Der Blick von hier oben über die Stadt ist der Wahnsinn.

Um 13 Uhr treffen wir unseren alten Freund Abel mit deiner Frau zum Mittagessen. Abel hatte eine Zahnoperation, hat eine dicke Wange und sieht furchtbar komisch aus. Er leidet die ganze Zeit, weil wir immer soviel Spaß zusammen haben und lachen schmerzt.

Ich habe ihm ein neues Handy mitgebracht. Das muss ich ihm einfach hinlegen, dann haben wieder alle geheult. Er ist so bescheiden, dass er von uns niemals etwas haben möchte. Seine Tochter ist mittlerweile in Miami (wie so viele Menschen, die ich hier kannte), sie hat sich immer über Coca Cola und Milka gefreut. Normalerweise ist er stets unser Taxifahrer, jetzt ist jedoch sein Auto kaputt und er untröstlich darüber. Dafür hat er uns seinen Kumpel für den Ausflug am Sonntag vermittelt. Dazu später mehr. Nach zwei sehr schönen gemeinsamen Stunden verabschieden wir uns einmal im Restaurant, “hätten wir das auch geschafft” hab ich gedacht, wegen heulen und wann und ob wir uns jemals wiedersehen und so weiter, da fällt Levi ein, dass wir im Hotel noch einen großen Koffer für ihn haben. Mist…das ganze Geflenne noch einmal…. Für Zerstreuung sorgt eine ausgedehnte Tour mit dem Coco Taxi, es ist heiß, das Coco Taxi ist luftig und laufen werden wir noch genug. Also einmal Havanna die große Runde.

Das Hotel Nacional de Cuba, erbaut in 1930. Im Dezember 1946 hielt die Amerikanische Cosa Nostra einen Kongress im Nacional ab, der als Havanna Konferenz bekannt wurde. In den 1950er Jahren richtete der Obergangster Meyer Lansky mit Genehmigung und Unterstützung des Staatspräsidenten und Obergangsterkollegen Fulgencio Batista eines der erfolgreichsten Kasinos Amerikas im Hotel ein. In Folge der Revolution wurde das Kasino in den 1960er Jahren geschlossen. Seit 1988 ist es Kulturdenkmal und im Jahr 1992 wurde es grundlegend saniert. Wir haben es auf unserer ersten Kubareise noch unrenoviert gesehen. Hier wohnten schon so einige:  Buster Keaton, Johnny Weissmüller, Marlene Dietrich, Juri Gagarin, Rocky Marciano und natürlich Ernest Hemingway. Mein Bruder und ich haben hier nur Unmengen schlechtes Dosenbier getrunken, er ist anschließend spektakulär aus der Hängematte gefallen.

Wunderbar. Danach zu Fuß durchs Getümmel und die Hitze. Alle sind unterwegs. Ich liebe das. Wir bekommen das Übliche angeboten, wie z.B.“Tschäjnmonii”, brauchen wir nicht. Hatte diesmal keine Pesos getauscht, alles in baren Euros und Dollares. Ansonsten wäre ich tatsächlich auf dieses Angebot eingegangen. Der Wechselkurs hier auf der Bank ist 1:25 und auf der Strasse 1:170 Dafür kann man schon mal etwas riskieren 😉

Zurück im Hotel ist Poolen angesagt. Zu schön hier, um das nicht zu genießen. Pina Colada ist hier auch keine All Inklusive Mischung aus der Flasche, sondern echt lecker. Ich bleibe, bis sie die rote Flagge hissen.

Das habe ich auch noch nicht gesehen. Der Sonnenuntergang hier oben ist der Wahnsinn und so schön, dass wir einfach unseren Tisch behalten und hier oben Abend essen.

Es ist unglaublich lecker, wirklich lecker, nicht nur, weil wir die letzten 4 Tage immer nur das gleiche gegessen haben. Es. gibt Languste für Levi, die zarteste und eine der besten, die wir je gegessen haben und für mich einen Burger. Dazu einige Biere aus Glasgläsern, nicht aus Plastik. Manchmal liegt es an den ganz einfachen Dingen. Wir schlafen wie in Abrahams Schoß und sind am nächsten Morgen total überfordert mit dem Frühstücksbüfett. Unser Fahrer heißt Choi, ist sehr pünktlich und ungefähr 96 Jahre alt. Er trägt ausgelatschte Laufschuhe und humpelt ein bisschen. Aber topfit.

Es geht heute nach Vinales, ins Tal des Tabaks. Ungefähr 150 Kilometer von Havanna entfernt. Da er uns am Abend nach Varadero zurückbringen wird, verliert er keine Zeit und düst los. Mich beruhigt die Tatsache, dass er schon so alt geworden ist und sein Auto auch noch relativ okay aussieht. Er spricht sogar deutsch. Oder so was ähnliches. Wir fahren durch Miramar, ein Nobelviertel in Havanna, das beginnt dort, wo der Malecon aufhört. Krasse Villen stehen hier und Botschaften. Choi sagt, hier wohnen die Millionäre, aber nicht die Pesomillionäre. Wir fahren am hermetisch abgeriegelten Haus des Präsidenten vorbei, das heißt, am Zaun und am Tor vor dem Tor. Der aktuelle Präsident heißt Miguel Diaz-Canel und ich würde gerne mal ein Käffchen mit ihm trinken. Nur mal so 😉 Wir hätten uns sicher einiges zu erzählen, also ich mehr als er….

Choi erzählt und erzählt und erzählt und es ist unglaublich anstrengend ihn zu verstehen, weil ihm zusätzlich zu seinem Kauderwelschdeutsch auch noch ein paar Zähne fehlen. Er ist hier Marathon gelaufen, in den Boulevards von Miramar. Wow…deshalb die Schuhe. Und die Hüfte. Er ist eigentlich Master der Physiotherapie. Das merken wir an jeder Ecke, er dehnt sich und gymnastiziert, wo er kann. Und wie er fährt…120 Einheitsgeschwindigkeit und so hektisch. Ich vergesse ein paar Mal zu atmen. So habe ich noch keinen Kubaner fahren sehen und habe gerade Sehnsucht nach Abel. Auf der Autobahn sind wir schnell in Pinar del Rio, das war schon heftig, aber jetzt geht es über Stock und Stein auf einer ziemlich kaputten Straße. Und vor allem: wo man in ein Tal möchte, muss man vorher über einen Berg. Tatsächlich schimpfe ich sogar und verbiete ihm das Handy. Er bekam zwischendurch einen Anruf und sollte eine Nummer weitergeben. Da musste ich assistieren, war aber zu blöd und er wurde garstig. Hab nicht gerafft, dass ich aus dem Handschuhfach einen Kuli und ein Papier nehmen sollte, um was aufzuschreiben. Er hat dann die Nummer ins Telefon gebrüllt, scheinbar war die Person am Telefon genauso blöd wie ich. Er überholt im Überholverbot, vor der Kurve, vor dem Hügel, er gehört eigentlich eher nach Asien. Wir kommen an einen Aussichtspunkt, der im September durch den Hurricane zerstört wurde. Der Ausblick ist trotzdem der Hammer.

Der Blick über das ganze Tal ist wunderschön, hier hat wohl früher der Chef gestanden und die Sklaven beim Arbeiten beobachtet. Nun schaudert es mich. Weiter geht´s runter ins Tal, alles gehört zum Nationalpark Vinales, seit 1999 Unesco Weltkulturerbe, mit dem gleichnamigen kleinen Örtchen und seinen bunten Häusern. Das ist wirklich süß und beschaulich. Wir besuchen eine Tabakfarm, dort lernen wir, dass es nur 5 Orte gibt zum Zigarren kaufen: Hotels, Duty Free an Flughäfen, Zigarrenfabriken, Tabakgeschäfte und Farmen. Nur auf den Farmen ist die Regierung nicht beteiligt. Der Tabak wird zwar von dort zu 90 % an die Regierung verkauft, aber die machen daraus qualitativ mehr oder weniger schlechte Zigarren.

Die Farmer drehen die Zigarren von Hand und sortieren vorher den Tabak, damit nur wirklich guter Tabak in die Zigarren kommt.

Es gibt drei verschieden Sorten von Zigarren: Cohiba ähnlich, das heißt, es wird so gemischt, dass ein Großteil der oberen Blätter der Pflanze genommen wird, die sind am stärksten, weil sie die ganze Zeit in der Sonne sind. Für die mittlere Stärke, so wie Monte Cristo, wird ein großer Anteil von den Blättern des mittleren Pflanzenteils benutzt. Die sind milder. Und nur wenig von oben und unten. Für milde Zigarren, wie zum Beispiel Romeo y Juliette, wird überwiegend der untere Pflanzenteil genommen.

Die Pflanzen im Vinales Tal wurden alle durch den letzten Hurricane zerstört, deshalb sind die aktuellen Pflanzen noch klein und die Ernte hängt 3 Monate hinterher. Aber sie lassen sich nicht unterkriegen. Wir lernen Zigarren zu drehen und trinken dabei Canchanchara, einen Cocktail aus Rum, Honig und Limette. Die Zigarren schmecken mir davon nicht besser, aber wat mut, dat mut!

Unser Guide heißt Miguel und spricht ein ganz tolles Englisch. Wir fragen nach, er ist Englischlehrer.

Weiter geht`s in eine Tropfsteinhöhle, wo wir mit einem Boot durchgefahren werden. Leider Motorboot. Mit Abgas, Lärm und Gestank. Ich finde solche Höhlen immer etwas meditativ, allerdings nicht diese. Danach gibt es kubanisches Mittagessen, authentisch, klein und ohne Touristen. Das hat unser Fahrer gut ausgesucht. Danach haben wir noch einen letzten Stop hier im Tal, bei den riesigen Wandgemälden, 1961 wurde begonnen, vier Jahre Malzeit, 20 Bauern, 120 Meter Länge und damit eines der größten Freiluftgemälde der Welt: El Mural. Es stellt die Evolution des Menschen dar und ist kunterbunt. Und nun sitzen wir schon wieder im Auto und rasen zurück. Das war total anstrengend, aber sehr schön. Das nächste Mal mit Übernachtung im Tal, dann braucht der Fahrer nicht so schnell zu fahren…

Am nächsten Tag ist chillen angesagt, bis ich wieder Hummeln im Hintern bekomme. Also gehen wir in den kleinen Nationalpark in Varadero und fotografieren.

Wir sind die einzigen. Mein Papa kannte es nicht, das ist schon komisch, er kennt hier nämlich alle und alles. Genauso wie der Coco Taxifahrer, er wollte die ganze Zeit wieder wenden und zurück fahren, um uns ins Delfinario zu bringen. Da kriegen mich keine 10 Pferde rein. Er war sehr überrascht, weil wir das nicht wollten. Ich hatte vorher schon über die Art, wie Kubaner mit Tieren umgehen geschrieben, das wird sich auch so schnell nicht ändern. Man stößt überall auf Unverständnis, Bela hatte damals schon diskutiert und geschimpft bis zum Umfallen. Solang man jedoch nur einen Cent damit verdienen kann, werden Tiere weiterhin so behandelt…und ein bisschen kann ich es sogar verstehen. Die haben hier echt nichts!

Wir finden den Eingang zum „Nationalpark“, kaufen Tickets und bekommen eine abgewetzte Landkarte, in der alle Spots eingezeichnet und erklärt sind. Auch auf Deutsch oder einer ähnlichen Sprache. Wir mussten einige Male lachen. Es ist heiß, das finden die Mücken zum Glück auch und wir schlendern den Rundweg entlang. Zum Fotografieren gibt es nicht so viel, aber wir haben das Gefühl, wenigstens den Park unterstützt zu haben.

Der nächste Ausflug ging nach Jovellanos, etwa 60 KM von Varadero entfernt. Dahin, wo sich niemals ein Tourist hin verirrt, die Straßen unbefestigt, bei Regen eine Schlammhölle. Das Krankenhaus überfüllt, aber auch dort sind alle Schubladen leer. Etwa 58.000 Einwohner, Tendenz fallend, viele verlassen das Land. Die Arbeitslosigkeit ist hier extrem hoch, das Pflaster ist nicht ungefährlich. Mir fällt das nicht so auf, ich habe schließlich eine Mission.

Wir besuchen Roberto. Er ist alt, krank und sehr dünn, aber ein Herzensmensch. Ich hatte sicher schon über ihn berichtet. Er hat im Schlafzimmer einen gedeckten Kaffeetisch. Dort saß seine Frau und bat ihn um einen Kaffee. Als er ein paar Minuten später mit dem Kaffee zu ihr kam, war sie tot. Wir waren letztes Jahr gerade ein paar Wochen später dort. Jetzt wieder vor diesem Tisch zu stehen, war genauso traurig. Jetzt ist er alleine und wird von seiner Schwester versorgt, die zwar etwas jünger, aber genauso krank ist, wie er. Sie hat eine Fußfehlstellung und vom Arzt für unglaubliche 800 Pesos Tabletten (bisschen Vitamin A und C und Füllstoffe) bekommen. Total entsetzt über soviel Abzocke durch den Mediziner, habe ich ihr ein paar Gymnastikübungen gezeigt, die ihr gut helfen. Sie knetet jetzt mehrfach täglich eine Plastikorange aus der Deko-Obstschale mit der Sohle und ist happy. Raul sagt, ich soll nach Kuba ziehen und den Leuten helfen. Ich würde auch noch Bürgermeisterin werden…und sicher schneller im Knast landen, als er sich das denkt 😉

Wir bekommen leckeren Kaffee und ich drehe mit Roberto eine Runde durch seinen Garten und lasse mir seine Anbaumethoden erklären. Wir packen unsere Mitbringsel aus. Nur ein paar Rollen Vitamin C, Pflaster, Ibu und Paracetamol, Milchpulver, Zahnbürsten und Zahnpasta, Creme und Salbe. Für uns nicht viel, für Roberto und seine Schwester die Welt! Es geht mir nicht gut. Wer weiß, ob ich die beiden bei meinem nächsten Besuch noch sehen werde…Vergessen von der Regierung, abgeschnitten von der Versorgung. Müssen sich selber so durchkämpfen. Zum Glück haben sie den Garten.

Der Wasserlaster versorgt die Menschen mit Trinkwasser, es kommt oft nicht aus der Leitung. Stromausfälle von bis zu 12 Stunden in der Nacht sind hier üblich. Klimaanlagen laufen dann logischerweise nicht und die Mücken dadurch eine echte Plage. Denguefieber und Zicka ist sehr krass gerade.

Als nächstes besuchen wir mein kleines Patenkind Ahinoa und ihren Bruder Alexander. Für ihn habe ich ein Tablet dabei, das habe ich gespendet bekommen. Ahinoa bekommt eine Puppe von Haba, die so aussieht wie sie selber. Die Freude ist riesig, Alex kommt sofort zu mir und drückt mich ganz fest. Ahinoa ist drei, sie kenne ich noch aus dem Bauch. Wir werden im Haus der Schwester empfangen, weil sie sich für ihr Haus schämen. Nur ich darf kurz mit:

Ich verstehe ehrlich gesagt nicht, warum es dort so aussehen muss. Aufräumen geht ja auch ohne Geld und Gartenmöbel…

Aber ich stecke dort auch nicht im Alltag. Vielleicht sind sie einfach nur zu kaputt, weil sie 12 bis 14 Stunden Arbeitstage haben, 6 pro Woche und es ist echt verdammt heiß.

Der Kühlschrank ist kaputt, die Tür wird durch ein Kabel verschlossen. Was nicht gut ist, wenn 12 Stunden der Strom ausfällt und es keine Lebensmittel einfach so zu kaufen gibt. Papa und ich legen zusammen und es hat keine 14 Tage gedauert, da stand dort ein neuer 😉 Sie habe angefangen für uns zu kochen, das wollten wir auf keinen Fall, denn wir werden im Hotel versorgt und sie sollen das bisschen, was sie haben lieber selber essen. Also noch einen Kaffee, diesmal mit Rum. Und dann noch einen Rum. Den brauche ich, weil ich mich etwas länger mit einem Freund der Familie unterhalten habe, der gerade nach 5 Jahren aus dem Gefängnis entlassen wurde. Er hatte einige krasse Geschichten auf Lager. Unvorstellbare Zustände dort und die Behandlung der Häftlinge ist auch entsprechend. Ich weiß nicht sicher, ob er ein Huhn gestohlen oder eine Tüte geraucht hat, dafür geht man hier schon mal 5 Jahre in den Knast.

Auf dem Rückweg nach Varadero besuchen wir die Familie unseres Fahrers Rodolfo. Er hat ein schönes Grundstück mit einem kleinen Pool, zwei Schweinchen und einem unglaublich häßlichem Nackthund. Auch hier gibt es wieder Rum, diesmal in Gestalt von Mojito, mit Limetten aus dem Garten. Unfassbar lecker, aber auch unfassbar blöd, so auf mittlerweile nüchternen Magen. Wir genießen die Atmosphäre, bevor wir uns auf den Rückweg machen. Wir verlassen wieder die offziellen Wege und fahren durch das wahre Kuba. Ein Ortsteil von Santa Marta ist extrem schlimm, viele Wellblechhütten und Staubstraßen. Papa kennt hier zwei Lehrerinnen. Das muss man sich vorstellen, wir hier selbst Lehrer wohnen müssen. Schweineheiß, natürlich ohne Klimaanlage und die Bleche knallen, wenn sie sich erhitzen oder abkühlen. In den nächsten Tagen chillen wir nur noch und bekommen nochmal Besuch von meinem Patenkind.

Der Rückflug ist nicht so schön, wir wurden downgegraded, weil sich die Maschine kurzfristig geändert hat. Es gab so rein gar nichts. Kein Entertainment, keine Lademöglichkeit und auch keinen Platz. Wenn man etwas anderes gebucht, bezahlt und sich darauf eingestellt hat, ist das eine unschöne Überraschung. Am Flughafen in Frankfurt hat es dann auch noch unglaubliche 2 Stunden gedauert, bis das Gepäck kam. Wir hatten keine Lust mehr, mit dem Zug zu fahren und haben uns ein Auto gemietet. Einen Polstar. Auf dem Weg aus dem Parkhaus ertönte das Signal “Müdigkeit erkannt” da war etwas dran 😉

Kuba 5.0 und ein bisschen was dazwischen

Warum Kuba 5.0 ? Es ist nicht so, dass wir nach der Rückkehr von unserer Weltreise vor 5 Jahren nicht mehr gereist sind, ich bin nur einfach nicht zum Schreiben gekommen. Obwohl mir das wirklich Spaß macht, wie ich gerade merke. Die erste Langstreckenreise nach der Weltreise ging im Mai 2019 wieder nach Kuba. Genau 30 Jahre nachdem wir mit meiner Familie das erste Mal in Kuba gewesen sind, sind wir wieder alle zusammen dort. Meine Eltern, mein Bruder und ich. Mit von der Partie sind auch meine Nichte und mein Ältester. Das war ein sehr schönes Erlebnis mit allen zusammen. Wir haben ja schon mehrfach die Erfahrung machen müssen, dass das bisherige Leben von jetzt auf gleich ganz anders weitergehen kann, als man es geplant hat. Deswegen ist es umso schöner. Wir sind alle unterschiedlich angereist, Levi und ich haben uns Business Tickets geleistet, ich habe ihn damit überrascht. Der Hauptgrund war aber, abgesehen vom Champagner vor dem Start und der Thromboseprophylaxe durch das Platzangebot, das viele Gepäck, welches wir mitnehmen durften. Schon damals haben wir für uns nur Handgepäck mitgenommen und die kompletten 130 Kilo Aufgabegepäck mit gesammelten und gekauften Dingen zum Verteilen, genutzt.Wir hatten, glaube ich, 150 Tuben Zahnpasta dabei… Ich wusste ja schon immer, wieviel Papa so zum Verteilen mitnimmt und habe dann in 2018 festgestellt, dass es den Menschen hier wirklich am allernötigsten fehlt. Im Oktober 2019 bin ich mit meinen Jungs und mit meinen Eltern nach Buenos Aires gereist, um Azul und ihre Familie zu treffen. Das war auch ein schönes Abenteuer. Ich hätte nicht gedacht, dass das meine Eltern so gut mitmachen und doch noch so fit zu Fuß sind. Ich will da gar nicht soviel drüber erzählen, vielleicht wird es noch ein extra Kapitel. Nur soviel: Wir haben in zwei Apartments gewohnt (die wir immer buchen, wenn wir hier sind, weil sie so nah an Azuls Wohnung liegen) Ich wollte eines Morgens zum Frühstücken einladen und bin zu meinen Eltern runter gegangen. Papa machte die Tür auf und sagte, Mama sei seit 1,5 Stunden einkaufen. Ach du Sch….Sofort Panik bei mir…Meine Mutter, aufgewachsen in Rotenburg, auf dem Dickenrück, mit drei Häusern und 11 Einwohnern…alleine in Buenos Aires, Hauptstadt von Argentinien, 20 Mio Einwohner…Also runter und suchen. Meine Mama war mit ihren Nordic Walking Stöcken und der Einkaufstasche losgeschossen und hatte sich einfach nur um die Ecke im Carrefour und im Obstladen verbummelt. Sie brauchte Heidelbeeren fürs morgendliche Müsli…

Dann kam Corona und Reisen waren nur noch sehr eingeschränkt möglich. Im ersten Corona Sommer ging es für uns nach Windeck an der Siegschleife, darüber gibt es sicher kein eigenes Kapitel 😉

Mike und ich haben uns in 2021 eine Auszeit auf Curacao genommen, das war wieder möglich und sehr schön.

Im Februar 2022 ging es wieder nach Kuba, mit Papa, meinem Bruder und seinen 3 Kindern. Diesmal hatte ich sogar ein Fahrrad dabei. Mein Bruder hatte mit den Kindern Sachen für die Schule besorgt und einen Termin in der Grundschule in Santa Marta gemacht. Das war sehr ergreifend. Ich habe weiter Kontakte geknüpft und gefragt, was alles benötigt wird. Im Geiste plante ich schon die nächste Reise. Im April ging es für Mike und mich mit unseren 3 Jungs nach Sansibar. Das wird sicher noch in einem extra Artikel aufgearbeitet. Auch das war wieder ein sehr schönes Erlebnis mit der Familie. Sansibar ist traumhaft schön mit unglaublich netten und gastfreundlichen Menschen. Aber auch dieser Urlaub ging nicht ohne…Mein Mann sagt immer, er ist mit der Opferhilfe verheiratet…So sind wir nach zwei sehr schönen Wochen mit wundervollen Eindrücken und einem Patenkind mehr, wieder nach Hause gereist. Wir haben die Schulpatenschaft für den 6 Jahre alten Feysal aus Kilimanjaro/Tansania übernommen und werden die nächsten 10 Jahre die Kosten für seine Privatschule übernehmen. Für uns sind es Kosten, die wir im Budget nicht merken, für ihn ändert sich dadurch sein ganzen Leben. Er hat jetzt 24 Mitschüler in der Klasse und nicht mehr 60!

Weltreise und dann? Ein Fazit…

Tja, Weltreise und was dann?

Wer noch überlegt: Sofort anfangen mit Planen und MACHEN!!!!!

Diese Reise war so ziemlich das beste, was wir je gemacht haben, gleich nach Kinder kriegen.

Wir planen schon die nächste 😉 Also nicht Weltreise, aber Ideen für unsere nächsten Reisen haben wir viele.

Das ist eine Suchterkrankung, da können wir nichts für.

Jetzt haben wir erstmal den After-Weltreise Plan: Wir bekommen einen Hund. Dementsprechend müssen wir unsere Reisen ab jetzt kötergerecht gestalten oder wir urlauben getrennt. Der Hund in einem Hotel oder bei Freunden und wir woanders.

Wir haben einiges von dem geschafft, was wir uns vorgenommen hatten und einiges nicht. Wir wären bereit gewesen Opfer für diese Reise zu bringen, falls es nötig gewesen wäre. Denn wenn eine Tür sich schließt, öffnen sich nach der Rückkehr zwei neue, so war unser Gedanke. Glücklicherweise stießen wir auf kein unüberwindbares Hindernis. Die gibt es meiner Meinung nach auch nicht. Wer eine solche Reise machen möchte, also wirklich machen möchte, kann das in allen möglichen Konstellationen auch verwirklichen. Mit oder ohne Kinder, vor, nach oder während des Studiums/Ausbildung, vor oder nach der Rente (besser eigentlich vorher, denn wie oft ist man mit Beginn der Rente entweder krank oder tot), mit oder ohne Wohneigentum, ja notfalls sogar mit Köter. Manche müssen sicher länger sparen, andere wieder nicht. Wer jung genug ist, kann Work and Travel machen, da arbeitet man auf der Reise gegen Bezahlung. Wer zu alt dafür ist, kann wwoofen, das bedeutet arbeiten gegen Kost und Logis. Es gibt viele Reisevarianten. Man muss ja nicht einmal rund um die Welt reisen. Drei oder sechs Monate mit dem Bulli oder der Eisenbahn durch Europa ist genauso klasse. Zelt, Hostel, Couchsurfing, es muss nicht immer ein Hotel sein. Optionen gibt es viele. Der erste Schritt zur Auszeit ist die Idee. Wer zögert, braucht noch ein bisschen (nicht zu lange zögern, das Leben kann sich ziemlich plötzlich radikal ändern) oder ist generell dafür nicht geeignet. Ich habe immer wieder gehört, wie mutig wir wären. Möglicherweise ist es mutig, für uns hat sich das nicht so angefühlt. Wir haben aber auch zum Glück keine einzige gefährliche oder brenzlige Situation erleben müssen und sind ja auch vorher nicht nur am Edersee gewesen. Das gefährlichste, was wir erlebt haben, war vielleicht das Durchstarten bei der Landung in Frankfurt, nachdem wir 6 Monate unbeschadet unterwegs waren. Und auch das ging glimpflich aus. Oder vielleicht die Schlange in Sri Lanka, wobei die ja mehr Angst vor uns hatte, als wir vor ihr. Oder vielleicht mein Kayakunfall in Neuseeland, wo ich fast ertrunken wäre. Okay, wirklich nur fast. Aber sonst? Nix wildes. Manchmal war es auch anstrengend, nicht so wie Urlaub. Den mussten wir zwischendurch einplanen. Ein paar Tage Strand mit Nichtstun. Die vielen Eindrücke wollten verarbeitet werden. Reisetage fanden wir anstrengend. Einmal mussten wir 8 Stunden in der Nacht in Bolivien auf einem klitzekleinen Flughafen auf den Anschlußflug warten, weil das die güstigste Verbindung war. Schließlich mussten wir sparsam unterwegs sein. Aber auch dort trafen wir mitten in der Nacht unglaublich nette Menschen:

Wir haben sehr viele Weltreisende unterwegs getroffen, viele auch mit Kindern. Das Jüngste war 7 Monate alt und reiste mit Eltern und Geschwistern (3 und 5 Jahre alt) ein Jahr durch die Welt. Dabei machte es einen sehr entspannten und zufriedenen Eindruck, wahrscheinlich deshalb, weil die Eltern so entspannt waren. Wir waren das auch und haben die Zeit, die wir zusammen verbringen konnten sehr genossen. Ohne Arbeit und Schule 24 Stunden 7 Tage die Woche zusammen sein zu können, ist ein Luxus, den wir uns zu Hause nicht leisten können. Das war toll.

Drei Geburtstage haben wir unterwegs gefeiert, in Sri Lanka, in Vietnam und in Argentinien. Einige verpasst. Aber mit Amazon und einem Anruf im Blumenladen zu Hause, war auch das problemlos zu regeln.

Wir haben sehr viele tolle Menschen und abgefahrene Freaks mit den unterschiedlichsten Geschichten kennengelernt, zu den meisten versuchen wir den Kontakt zu halten, in der Hoffnung, sie eines Tages wiederzusehen.

Auf die vielen Abschiede, die wir immer wieder hatten, waren wir nicht richtig vorbereitet. Wir haben da einfach überhaupt nicht dran gedacht. In Sri Lanka mussten wir uns von Joshua und der Familie meines Bruders verabschieden. Ich musste mich dort auch von meiner Familie verabschieden. Es ist mir unheimlich schwer gefallen, auch wenn es nur für eine Woche war. Was ich jedoch in dieser einen Woche zu Hause mit meinen Eltern erleben durfte, ist durch kein Reiseerlebnis zu toppen. Natürlich läuft in einer solchen Planung nicht alles glatt. Wir hatten zwischendurch Schwierigkeiten, die sich aber schnell behoben ließen. Alle, bis auf eine. Fünf Wochen vor unserem Abflug hatte mein Papa einen schweren Herzinfarkt und verabschiedete sich nach der Notoperation erstmal ins Koma. Naja, verabschiedet hat er sich eigentlich nicht…Der Flug für ihn war gebucht, er wollte uns nach Sri Lanka begleiten. Als Überraschung für die Enkel. So stand ich bis einen Tag vor Abflug vor der so ziemlich schwersten Entscheidung meines Lebens. Papa war inzwischen nach Gießen verlegt worden, was es für alle nicht einfacher machte. Für meinen Bruder und Familie ist es der Jahresurlaub und die lang ersehnte Asienreise für die Kinder. Er darf unter keinen Umständen auf die Idee kommen, zu Hause zu bleiben. Für uns ist es der Start in das wahrscheinlich größte Abenteuer unseres Lebens, worauf wir über 4 Jahre hingearbeitet haben und nicht einfach ein 14 Tage Urlaub in den Herbstferien. Und Mama? Zu Hause? Alleine? Ohne uns? Mit Papa 100 Kilometer weit in einer riesigen Uniklinik im Koma? Außerdem völlig unklar zu diesem Zeitpunkt wie das ausgeht…Einer der netteren Pfleger half mir bei der Entscheidung, indem er fragte, was Papa dazu sagen würde. Ganz klar: Er würde mich in den Hintern treten, sollte ich die Reise absagen, mit Anlauf. Die meisten anderen sagten das auch. Auch Mama. Zeit also für Plan B: Wir starten wie geplant, ich fliege für eine Woche mit nach Sri Lanka, mache die Rundreise und kehre danach wieder zurück. Strand werde ich auf der Reise noch genug haben. Für die Woche ohne meinen Burder und mich organisieren wir zusammen Fahrdienste für Mama, wir mochten sie nicht alleine fahren lassen. Es war überwältigend, wer sich alles angeboten hat. Pünktlich an meinem Geburtstag ist Papa aufgewacht und hat jeden Tag minikleine Fortschritte gemacht. Das war das schönste Geschenk. So verbrachten Mama und ich meine Zeit in Deutschland in Gießen im Hotel. Papa hat sich so dermaßen gefreut, weil nach und nach seine Erinnerungen wieder kamen und er auch die Weltreise nun auch auf dem Schirm hatte. Als mein Bruder wieder zurück kam, waren wir zu dritt nochmal bei ihm und danach ging es für mich mit einem guten Gefühl zum Flughafen. Nicht ohne das Versprechen, um Weihnachten herum ein weiteres Mal nach Hause zu kommen. So flog ich dann also zu meiner Sippe auf die Malediven und merkte dort erst so richtig, wie kaputt und fertig ich eigentlich war (neben den Fahrten in die Klinik habe ich selber noch 3 Schichten Dienste in der Klinik geschruppt, um Überstunden für die Reise zu sammeln. Das hieß vor dem Nachtdienst nach Gießen, nach dem Schlafen vor dem Spätdienst oder nach dem Frühdienst). Ich glaube, in so einem Fall ist es für die Angehörigen anstrengender, als für den Patienten. Ich weiß gar nicht mehr, wie lange ich nach der Ankunft auf Maafushi geschlafen habe.

Es folgten weitere Abschiede, teilweise fiel es uns auch einfach nur schwer schöne Orte zu verlassen. Auf den Malediven war das nicht so schlimm. Aus Japan sind wir ungern abgereist, bei Vietnam ist es uns wieder leichter gefallen, allerdings hat es uns mit Jürgen sehr gut gefallen und wir hoffen, einige seiner Projekte nach unserer Rückkehr unterstützen zu können. Die Cookinseln waren so schön gechillt, dass wir mit einem lachenden und einem weinenden Auge weggeflogen sind. Neuseeland war super. Die Zeit in dem Wohnmobil war eine völlig neue Erfahrung, wir sind zu Campingfans geworden. Außerdem haben wir Joshi wieder getroffen. Und Tention aus Wildungen, die wahrscheinlich durchgeknallteste Auswanderin in ganz Neuseeland. Weihnachten sind wir nach Argentinien geflogen, da mussten wir Levi Tschüß sagen, für ihn ging die Reise weiter nach Deutschland. Ja und dann war ich mal wieder dran. Auch das ist mir nicht leicht gefallen. Mike und Bela fuhren am ersten Weihnachtsfeiertag nach Villa Gesell ans Meer und ich zum Flughafen. Eine Woche Deutschland. War auch überraschend anstrengend. Drei Langstreckenflüge mit erheblichen Zeitunterschieden innerhalb von 7 Tagen, hat mich in Villa Gesell auch erstmal wieder lange schlafen lassen. Gut, dass ich beruflich nicht so krass reisen muss. Dann Patagonien: Wir haben zwar viel mitgemacht mit unserem Hilux, aber als wir ihn abgeben mussten, hieß das, unser Patagonien Abenteuer ist zu Ende. Wieder ein Abschnitt vorbei. Dann wurde es extrem tränenreich, als wir uns in Buenos Aires von Azul und ihrer Familie verabschiedet haben, um nach Ecuador zu fliegen. Wir hoffen, dass wir sie schnell wiedersehen. Von Galapagos sind wir auch nur ungern weg, Bela hatte einen neuen Freund und wir haben uns pudelwohl dort gefühlt. Dann folgten Orte wie San Blas, da mussten wir uns zum Abschied richtig betrinken und Bocas del Toro in Panama, wo wir auch gerne geblieben wären. Costa Rica war wieder einfach, das Wetter hat es uns erleichtert. Kuba war natürlich auch schwer, weil wir uns auch dort von lieben alten Freunden verabschieden mussten und auch noch nicht wissen, wann wir uns wiedersehen. So könnte ich das fortsetzen, will ich aber nicht! Je näher das Ende der Reise kam, umso schwerer wurden die Abschiede. Ich hatte sogar beim Auschecken vom Kreuzfahrtschiff einen Kloß im Hals. Denn wir näherten uns unaufhaltsam der Rückkehr und damit dem Ende. Naja…und, weil wir keinen Einreisestempel bekommen haben. Die Tinte war leer. Ich hatte Schiß vor Schwierigkeiten bei der Ausreise…

Ankommen hingegen hat uns immer gut gefallen. Erkundschaften, wo wir gelandet sind. Begrüßungsbier am Pool in Sri Lanka. Um 12 Uhr mittags… Auf den Malediven, als Mike und Bela extra ein Speedboat gemietet haben, um mich am Flughafen abzuholen und ich Geschenke aus Deutschland für alle dabei hatte. Stollen und Lebkuchen. Am Strand. Bei 35 Grad. Ging nicht. Der erste Abend in Tokyo und die Atmosphäre in dieser tollen Stadt. Diese Ruhe. Im Gegensatz zu Hanoi. Da war das Ankommen auch aufregend, als das Taxi mitten auf der Strecke die Grätsche gemacht hat und die Empfangsdame aus dem Hotel uns quasi prophezeite, dass wir den Aufenthalt hier nicht überleben werden. Cook Island, unsere Zeitreise. Als wir im Dunkeln gelandet sind, einen Tag VOR Abflug und von den wahrscheinlich dicksten Menschen der Welt mit Blumenkränzchen begrüßt worden sind. Die ersten Kilometer mit dem Wohnmobil waren auch sehr aufregend. Der erste Einkauf im Supermarkt, mit dem riesengroßen Gefährt auf den Parkplatz und parken ohne zu zerstören. Das erste, was im Einkaufswagen gelandet ist, war eine bunte Lichterkette. Mit der haben wir nicht nur das Wohnmobil, sondern auch noch den Hilux in Patagonien abends geschmückt. Das Haus in Auckland, mit dem gestörten Hund und dem besoffenen Vermieter, der es bei uns so schön fand und nur schnell zum Nachkippen bei sich verschwand. Buenos Aires natürlich, nach vier Jahren haben wir Azuls Familie wiedergesehen. Ushuaia, wo es abends um 23 Uhr immer noch hell war und wir einfach nicht müde wurden. Die erste Nacht im Dachzelt im Tierra del Fuego Nationalpark bei Windgeschwindigkeiten von 120 Km/h war auch sehr spannend. Der erste Abend auf Galapagos, als wir den beleuchteten Malecon gefunden haben und darunter Haie geschwommen sind. Oder wir keine Bank ohne Seelöwenbefall sehen konnten. Panama City…okay, da mussten wir dann trinken beim Ankommen. War im nachhinein nicht so unser Fall. Und so ging es weiter. Oft wussten wir beim Aufwachen gar nicht, wo wir sind. Bis wir auf einmal an Ostern bei meinen Eltern in Rotenburg auf der Terrasse saßen.

Ja und nun? Wieder zu Hause, ist es so, als wären wir gar nicht weggewesen. Die Erde hat sich weitergedreht. Der Alltag hat uns wieder, die nächste Reise ist in Planung. Aber wir haben einen riesengroßen Koffer voller schöner Erlebnisse und Erinnerungen. Speicherkarten mit 10.000 Bildern, die sortiert werden wollen und die Sommerferien vor der Tür 🙂

Das haben wir jetzt auch!

Zu guter Letzt: Mexiko

Zum Abschluß der Reise sind wir vier Tage in Mexiko. Keiner hatte das je auf der Liste, doch da wir in Cozumel das Schiff verlassen und günstige Flüge von Cancun nach Frankfurt gefunden haben, nehmen wir das eben noch mit. Schwierig war die Auswahl des Aufenthaltsortes hier. Nicht zu touristisch, eher klein und gemütlich soll es sein. Wir haben es fast auf der kompletten Reise geschafft, den Massentourismus zu umgehen (ja, auch auf der Kreuzfahrt ging das), da brauchen wir das zum Schluß nicht. Deshalb schied Cancun schon mal aus. Unerwartete Hilfe bekamen wir auf San Blas beim Schnorcheln im glasklaren Wasser von einem mexikanisch-griechischen Paar aus Hamburg. Wir sollten am besten nach Tulum gehen. Das ist nicht so groß, es gibt Maya Ruinen direkt am Meer und Strand und Wasser seien so wie hier in diesem Archipel. Prima. Danke. Wir haben uns für ein kleines Hotel mit ein bisschen bezahlbarem Luxus in der Nähe des Zentrums entschieden, etwas weiter weg vom Strand zwar, aber mit kostenlosen Hotelfahrrädern sollte das kein Problem sein. Die Strandhotels waren uns allesamt zu teuer, so dass wir uns dagegen entschieden haben. Das war, gerade im Nachhinein betrachtet, nicht nur aus finanziellen Gründen eine sehr gute Entscheidung. Da wir mittlerweile Handelprofis sind, bekommen wir das Taxi vom Hafen nach Tulum günstiger als den Bus. Das Hotel ist super, wir fühlen uns vom ersten Augenblick an pudelwohl. Es gibt eine Bar, ein Restaurant und einen schönen Garten mit viel Feng Shui und Pool.

Die Mitarbeiter sind alle locker und gechillt. Den ganzen Tag läuft tolle Musik, ich komme mit Shazamen gar nicht mehr hinterher und nehme zahlreiche neue Playlisten mit nach Hause. Vor unserem Zimmer haben wir eine riesengroße mexikanische Hängematte.

Wir packen aus, bekommen ein paar Tipps, was wir nicht verpassen dürfen und verschwinden den Rest des Tages mit Cocktails an den Pool. Es ist ein wunderbarer Ort, um zu relaxen und die Reise mit den vielen tollen Erlebnissen sacken zu lassen. Abends essen wir hier, keiner will raus aus dieser Oase.

Am nächsten Morgen, nach dem leckeren Frühstück,

suchen wir uns die passenden Fahrräder und wollen an den Strand. Heute ist eine etwas unentspanntere Dame an der Rezeption, die uns maßregelt, die Räder seien nur für Erwachsene. Na super…wie sollen wir Bela zum drei Kilometer entfernten Strand bekommen? Im Körbchen vielleicht? Wir diskutieren ein bisschen mit ihr und sie erlaubt es uns, aber ausdrücklich nur auf unsere eigene Verantwortung. Damit haben wir kein Problem, schließlich machen wir alles im Leben auf unsere eigene Verantwortung. Wir erklären ihr, dass Bela radeln kann, seit er drei Jahre alt ist. Sie ist erstaunt, denn mexikanische Kinder können das nicht, sagt sie. Ich erfahre, als sie wieder etwas entspannter ist und wir ins Plaudern kommen, noch einiges über das System hier in Mexiko. Davon aber später mehr… Im nächsten Supermarkt decken wir uns für ein Picknick ein und radeln los. Erstaunlicherweise gibt es einen Radweg. Das Wetter ist bombastisch, nichts steht einem entspannten Tag am Strand im Weg. Leider doch. Wir kommen an, schließen die Räder ab und stürzen los. Blöderweise gibt es El Nino bedingt seit drei Wochen raue See mit hohen Wellen und eine extreme Seegrasplage am Strand. Das bedeutet: rote Flagge, baden verboten, Strand nicht traumhaft weiß, sondern voller Dreck und Wasser nicht glasklar, sondern braun und brackig. Entsprechend riecht es auch. So eine Scheiße! Das haben wir uns für den Abschluß irgendwie ganz anders vorgestellt. Zum Glück haben wir kein Strandhotel. Denn dort wären wir weit weg vom Zentrum und müssten uns dieses Drama den ganzen Tag ansehen. Wir picknicken dann doch am Strand, der Sand weht über den Käse und verschafft uns ein Zahnpeeling. Wir können einen Tisch organisieren, damit wir unser Picknick nicht im Seegras aufbauen müssen. Wir radeln zurück und gehen im Zentrum ein bisschen bummeln.

Für den nächsten Tag stehen die Maya Ruinen auf dem Programm. Das Wetter wäre wieder sehr perfekt für den Strand, aber lassen wir das. Ich habe vorher ein bisschen recherchiert und herausgefunden, dass wir am besten gleich um 8 Uhr dort sein sollen. Zum einen ist es dann noch nicht so heiß und zum anderen noch recht leer, weil die Busse erst später anreisen. Das klappt so super. Pünktlich kurz nach den Reisebussen kommen wir an und stellen uns um 10:30 Uhr in die lange Schlange vor dem Ticketschalter. Weil die meisten anderen Touristen eine Tour machen und im Pulk dem Guide hinterherlaufen, gibt es zum Fotografieren tatsächlich menschenfreie Momente. Übrigens haben wir hier noch gar keine Chinesen gesehen…der musste jetzt zum Schluß nochmal sein;) Es ist recht schön hier:

Tulum ist die einzige Maya Fundstätte direkt am Meer. An der Riviera Maya, der karibischen Küste. Die Stadt wurde von einer Mauer umschlossen, von den zahlreichen Häusern sieht man nur noch die Grundmauern. Außerhalb der Stadtmauer standen viele Hütten der einfachen Bevölkerung. Es ist anzunehmen, dass es eine größere Stadt war und auch, vermutlich wegen der günstigen Lage am Meer, ein Handelsknotenpunkt gewesen ist. Sie verfügte über ein gut entwickeltes Verteidigungssystem und wurde als religiöses Zentrum auch noch bei Ankunft der Spanier in 1517 genutzt. Sie wurde wohl auch zur Sternenbeobachtung errichtet (darauf deuteten Fensterluken hin), da der Maya Kalender an solchen Orten erstellt und ständig überprüft wurde.

Das Schloss (Castillo) ist das höchste Gebäude hier:

Der Tempel des herabsteigenden Gottes war der Gottheit gewidmet, die für Sonnenuntergang, Regen, Blitz und die Bienenzucht zuständig war und war zugleich Wohnsitz des Herrschers. Man fand eine Figur dieses Gottes im Dachfirst.

Der Tempel des Windgottes steht auf einem Hügel, hier mit Kitesurfergott:

Und noch ein paar mehr, für die ich keine Erklärung gefunden habe:

Unterhalb des Windgotttempels ist der Strand, normalweise karibisch und wie aus dem Bilderbuch. Aber heute leider wegen der Seegrasplage gesperrt. Schade.

Zum Abschluss läuft uns noch eine süße Echse vor die Linse, dann schlendern wir ins Touristengetümmel am Ausgang.

Die verbleibende Zeit nutzen wir fürs Nichtstun. Wir haben kurz überlegt, ob wir noch etwas anschauen oder unternehmen, sind aber einstimmig der Meinung, dass wir mit Erleben und Entdecken fertig sind. Ich habe die Gelegenheit mit der Dame von der Rezeption zu plaudern. Mich interessiert, wie überall auf der Welt, die Frage nach dem Führerschein. Bela hatte schon mal in einem Bericht gehört, dass man in Mexiko den Führerschein für fast lau am Automaten bekommt. So wie die Mexikaner Auto fahren, könnte man das fast glauben. Fußgänger oder Radfahrer gelten als störende Elemente auf die man keinerlei Rücksicht nehmen muss. Ampeln sind lediglich bunte Dekorationen und der Beruf des Parkplatzeinwinkers auf dem aufsteigenden Ast, weil keiner das Einparken beherrscht. Die Fahrprüfung wurde vor ein paar Jahren abgeschafft, um die Korruption zu bekämpfen. Denn wo es keine Prüfung gibt, kann auch kein Bestechungsgeld fließen. Kurz darauf wurde Mexiko City zur Stadt mit dem größten Verkehrschaos gewählt und nun die Prüfung wieder eingeführt. Leider gibt es keine Fahrlehrer mehr…Man geht auf das zuständige Amt und je nachdem wie der Beamte drauf ist, muss man eine Prüfung nachweisen oder auch nicht. Meistens nicht! Dann kann man wählen zwischen einem Führerschein für ein Jahr (für umgerechnet etwa 13 Euro) oder für drei Jahre (was circa 30 Euro kostet). Das Schulsystem ist nur basic, Sport- oder Kunstunterricht gibt es gar nicht. Außer an Privatschulen. Es ist nicht gewünscht, dass die Menschen sich bilden. Bücher kosten ein Vermögen. Ein Band von Harry Potter soll etwa 50 Euro kosten, das ist mit einem Monatslohn von 500 Dollar nicht machbar. Ähnlich wie in Kuba müssen die Menschen hier dafür auch 6 Tage die Woche arbeiten, bekommen allerdings keine Lebensmittelunterstützung. Witzigerweise hat Mexiko ein ähnlich großes Problem mit illegalen Einwanderern aus den USA, wie umgekehrt auch. Viele Rentner wollen ihren Lebensabend im Warmen verbringen und wandern aus, ohne eine Aufenthaltserlaubnis zu besitzen. Da Mexiko jedoch von diesen profitiert, wird dieses Problem eher lax angegangen.

Mein Schreibplatz in Mexiko:

Bela trinkt sich die Cocktailkarte hoch und runter, was nicht so lange dauert, weil es nicht so viele Cocktails ohne Alkohol gibt…

Mike und ich folgen unserem Motto: „was der Bauer nicht kennt, muss er probieren“ und bestellen Heuschrecken Cocktail. Die Heuschrecken sind gut, der Mezcal schmeckt fürchterlich!

Ein abendliches Bad im hübsch erleuchteten Pool:

Ein letztes Frühstück. Das Lied, welches dazu läuft, ist passenderweise „I don´t want to go home“ von Nick Mulvey…Ich habe einen Kloß im Hals. Nicht, weil ich Mexico so hammermäßig schön fand, sondern, weil diese Reise, auf die wir uns so lange gefreut haben, auf die wir so lange hingearbeitet und gespart haben, die von solch einem dramatischen Start, tiefer Sorge und zig tausend Extraflugkilometern (und Meilen, die uns später einen kostenlosen Flug nach England beschert haben) begleitet war, nun auf einmal zu Ende ist.

Und das obligatorische Abschiedsfoto:

Nun ist es wirklich Zeit, die Heimreise anzutreten:

So hat jeder auf dem Rückflug sein Programm und die Zeit vergeht rasch:

Witzigerweise müssen wir in Manchester umsteigen. Dort werde ich in 6 Tagen wieder landen, um weitere 8 Wochen mit den Jungs unterwegs zu sein. Sie gehen dort in die Sprachenschule.

In Frankfurt müssen wir durchstarten, weil der Wind ungünstig kommt. Bela hat geschlafen und war so sauer danach. Da sind wir schon zig Mal geflogen und immer hat er sich das gewünscht. Und jetzt, wo es passiert, verpennt er es. Natürlich habe ich versucht ihn zu wecken, hatte aber leider keine Chance. Die Ankunft in Deutschland ist super. Auf Wildungen ist eben Verlass. So werden wir am Flughafen empfangen, nach Hause gebracht und auch noch ordnungsgemäß bespasst. Wir werden mit einer Party überrascht, sind ab 18.30 Uhr unglaublich müde, dann kommt der Jetlaghammer und wir feiern bis morgens um 7!! Großartig. Beste Freunde bleiben, egal wie lang und weit man weg ist…

Kreuzfahrt oder Fluch der Karibik ?

Belas Wunsch war uns Befehl: am 20.3.2018 um 20:59 Uhr ist Check In auf der MSC Armonia im Hafen von Havanna. Da unser Taxifreund Abel so pünktlich im Hotel war und wir so gut durchgekommen sind, checken wir bereits um 19:30 Uhr ein und keiner merkt es. Wir haben eine Balkonkabine, die gab es zum Sonderpreis. Es geht von Havanna nach Jamaika, Grand Cayman und Mexiko, wo wir unsere Weltreise beenden werden. Karibik-Kreuzfahrt hört sich teuer an, allerdings sind wir ja schon vor Ort, brauchen daher keinen Flug und haben wieder mal Glück, indem wir dieses Megaschnäppchen für 447 Euro (für uns drei!) gefunden haben, das es uns möglich machte, uns nach einer so langen Reise noch eine Karibik Kreuzfahrt leisten können. Das war wirklich ein Glücksschnäppchen. Allerdings ohne Getränkepaket und die Ausflüge organisieren wir selber. Dass wir der Kleiderempfehlung nicht entsprechen können (und wollen), brauche ich an dieser Stelle wohl nicht erwähnen. So günstig hätten wir kein Hotel bekommen und hier haben wir Vollpension! Das Essen überrascht uns. Es ist alles super lecker, frisch und hübsch anzusehen. Am meisten freue ich mich über:

Jawoll. Brot. Richtiges Brot meine ich. So welches gibt es nur in Deutschland. Schwarz und Vollkorn. So hart, dass man damit Fensterscheiben einschmeißen könnte. Sehr geil! Das ist das einzige – abgesehen von ein paar lieben Menschen – was mir auf der Reise wirklich gefehlt hat. Brot kann keiner, außer uns!

Zum Schiff erkunden bin ich zu müde und schicke die Männer alleine los. Wir sind morgen noch den ganzen Tag in Havanna und machen mit Abel eine Tour. Mike ist überrascht vom Schiff und der Atmosphäre. Darüber bin ich sehr erleichtert, weil ich dachte mich verhört zu haben, als er sich damit einverstanden erklärt hat. Niemals würde er so ein Schiff betreten, das wäre das allerletzte…Nun gefällt es ihm sogar noch. Unglaublich.

Wir lernen Lester aus Kuba kennen. Er ist ein total lustiger Mensch und wir haben immer viel Spaß, wenn wir ihn treffen.

Wir schlafen super gut. Endlich mal wieder Federbetten. Das Frühstück ist auch der Hammer. Nur die Rettungsübung ist wie immer langweilig, das nehmen wir aber vor dem Ausflug noch mit (ich schaffe es sogar mittlerweile unseren Taxifahrer auf spanisch eine halbe Stunde nach hinten zu verschieben), dann haben wir das hinter uns. Dass das eine gute Entscheidung war, werden wir bei der Durchsage um 22:45 Uhr erfahren, denn dann sollen alle hin, die noch nicht dort waren. Wir liegen bereits im Bett!

Abel ist pünktlich und fährt uns zu Hemingways Ferienhaus. Es ist jetzt ein Museum und ein sehr schöner Ort. Erinnerungsfetzen tauchen in meinem Gedächtnis auf. Ich war 1990 schon mal hier und fand es schon damals toll. Hemingway hat hier zwischen 1939 und 1961 sehr viel Zeit verbracht:

Die Villa ist etwa 15 Kilometer von Havanna entfernt auf einer Anhöhe der Ortschaft San Francisco. Man hat einen traumhaften Blick über die Hügel und Havanna bis zum Meer. Hier schrieb er u.a. „der alte Mann und das Meer“, dafür bekam er den Nobelpreis. Hier im Haus ist alles so geblieben, wie Hemingway es verlassen hat. Es sieht so aus, als würde er gleich zurückkommen. Auf dem Tisch steht eine halbvolle Whiskeyflasche mit zwei Gläsern daneben. Man darf nur durch die offenen Fenster schauen, doch das ist vollkommen ausreichend, weil alles sehr offen gestaltet ist. Seine alte Schreibmaschine steht noch im Turmzimmer. Weil er aufgrund eines Rückenleidens oft Schmerzen hatte, schrieb er im Stehen und schwamm täglich ein paar Runden in seinem Pool. Er hatte viele Gäste dort, u.a. Frank Sinatra. Es hängen Miros und Picassos an den Wänden. Wir sehen auch viele seiner Trophäen vom Großwildjagen mit Mussolini. Eine nette Dame fängt an uns ein paar Dinge zu erklären und bringt uns schließlich bis zum Turm. Ich raffe es natürlich gar nicht und finde das sehr nett, Mike übernimmt dann mal eben das Trinkgeld. Sie hat wohl schon die Hand aufgehalten.

Danach gehen wir auf einen Markt, wo wir die einzigen Touristen sind.

Es ist alles unfassbar günstig, muss es aber auch sein. Da wir hier die Tropenregel besser einhalten wollen (was wir bisher oft nicht brauchten, immer auch Salat gegessen und uns mit Leitungswasser Zähne geputzt oder auch getrunken, in Argentinien, Chile oder auch Japan und Neuseeland ist das gar kein Problem) können wir leider nichts kaufen. Außerdem haben wir keine CUP. Weiter geht es also zum Platz der Revolution, der offiziell Plaza de la Revolucion Jose Marti (kubanischer Poet, Schriftsteller und Nationalheld, sowie Symbol für den Unabhängigkeitskampf des Landes) heisst. Mit 72000 QM ist er der größte innerstädtische Platz Kubas und hat Platz für mehr als 1 Mio Menschen. Der 109 Meter hohe Turm, das Jose-Marti-Denkmal, ist das höchste Bauwerk der Stadt. Rundherum befinden sich viele Ministerien und die Nationalbibliothek. Hinter dem Marti Denkmal befinden sich die streng bewachten Büroräume des ehemaligen Präsidenten Fidel Castro. Gegenüber auf dem Gebäude des Innenministeriums sehen wir ein großes Bildnis von Che Guevara und den Spruch: „Hasta la victoria siempre“ (immer bis zum Sieg) und daneben auf der Wand des Informationsministeriums sehen wir Camilo Cienfuegos (war neben den Castrobrüdern und Che einer der führenden Revolutionäre und Guerillaführer Kubas). Vieles davon kann uns Abel in einer Mischung aus spanisch, englisch und mit Händen und Füßen erklären. Immer mit Zeit zum Rumflitzen und Quatsch machen mit Bela. Er dachte immer Revolution wäre was Tolles, dass dabei viele Menschen umgekommen sind, entsetzt ihn und er beschließt ab jetzt das Wort revolutionär (im Sinne von exorbitant großartig) nicht mehr zu benutzen. Es ist ja für Erwachsene schon komplex und schwierig, da mag man das als Kind ja noch weniger verstehen. Wir sehen eine Gruppe, die hinter einem MSC Schild herdackelt, sie sehen ein bisschen gehetzt aus. Was sind wir froh, dass wir mit Abel alleine unterwegs sind und das Programm für uns zurechtbasteln können. Und das für erheblich weniger. Wir zahlen für 4 Stunden Privattaxi gerade mal 40 Euro (da ist dann auch schon Trinkgeld dabei). Das ist noch nicht mal das, was der Ausflug vom Schiff aus pro Person gekostet hätte. Leider hat die Zigarrenfabrik schon geschlossen, so dass meine Männer nicht in den Genuß kommen, zu sehen, wie Zigarren auf den Oberschenkeln von Jungfrauen gedreht werden…zahnlosen 78 Jährigen 😉

Wir sehen eine Krankenschwester und sind nicht mal mehr überrascht. Die Damen beim Zoll tragen kurze Röcke und Strapse…

Ob diese Krankenschwester für Herzkranke geeignet ist, konnten wir nicht herausfinden.

Wir verabschieden uns von Abel und werden in Deutschland seine Nummer verteilen. Raul sagt, er sei gar kein richtiger Kubaner. Er ist pünktlich und versucht einen nicht über den Tisch zu ziehen. Außerdem ist er seit 29 Jahren glücklich mit seiner Frau verheiratet und hat keine Freundin. Wir sind froh, ihn getroffen zu haben. Wir gehen auf einen Mojito in die Bar, wo einst Hemingway soff: die Bodeguita el Medio

Es ist natürlich rappelvoll, wir bekommen dennoch einen Platz an der Theke und können das hektische Treiben hinter dem Tresen beobachten. Die Mojitos sind zwar für kubanische Verhältnisse recht teuer, aber dafür auch recht gehaltvoll. So zwitschern wir weiter und haben leicht einen sitzen… Diese Ecke von Havanna kennen wir noch nicht und finden sie sehr schön. Wir finden einen Flohmarkt mit wirklich alten Raritäten und stöbern ein bisschen. Bela kauft eine alte Münze mit Fidel drauf und bekommt eine Briefmarke dazu geschenkt. 1961 wurden Briefmarken mit Fidel drauf gedruckt. Er wollte sich jedoch nicht zu Lebzeiten auf einer Briefmarke sehen und so wurden sie bis zu seinem Tod im November 2016 eingemottet. Mein Papa war gerade am 24.11.2016 in Kuba angekommen, als ein Tag später Fidel im Alter von 90 Jahren in Havanna starb. Es gab eine große Parade, in der der tote Führer 800 Kilometer aufgebahrt durch das Land bis nach Santiago de Cuba gekarrt wurde, zu seiner Ruhestätte. Die Straßen waren proppevoll mit seinen Anhängern, die ihm die letzte Ehre erweisen wollten. Mittendrin: mein Papa! Castro hatte bereits 2006 die Amtsgeschäfte wegen schwerer Krankheit an seinen Bruder Raul Castro abgegeben, äußerte sich aber bis zuletzt zur kubanischen Politik. 1959 war er mit seinen Rebellen in Havanna einmarschiert und hat den Diktator Batista vertrieben. Danach herrschte er 50 Jahre lang mit eiserner Hand, um seine Vorstellungen eines kommunistischen Landes durchzusetzen. Wohnraum, Bildung und kostenlose Gesundheitsversorgung für die gesamte Bevölkerung war sein Ziel. Er enteigenete Großgrundbesitzer und ausländische Firmen. Dissidenten wurden aus dem Land getrieben oder eingesperrt. Viele seiner Weggefährten und Unterstützer verließen ihn im Laufe der Zeit. Schnell machte er sich mit dieser Vorgehensweise die USA zum Feind, die Kuba daraufhin mit einem Handelsembargo belegte. Kuba wurde immer abhängiger von der Sowjetunion, die bis zum Zusammenbruch 1990 halfen. Der Zusammenbruch der Sowjetunion brachte Kuba in eine schwere Wirtschaftskrise, so dass aus der Not heraus begrenzte Marktwirtschaftliche Reformen zugelassen wurden. Kurz vor seinem 80. Geburtstag hatte er sich einer schweren Operation zu unterziehen, so dass er seine Ämter zunächst provisorisch (in 2008 dann endgültig) an seinen Bruder Raul abgab. Geändert hat sich gar nichts, nicht mal der Name. Wie das so ist, in diesen Ländern wird die Macht innerhalb der Familie weitergegeben, damit alles so bleibt! Nichtsdestotrotz interessiert mich seine Persönlichkeit, ebenso die Che Guevaras, so dass ich beim Recherchieren viele Dinge erfahren habe, die ich noch nicht wusste. Das alles hier zu schreiben, würde den Rahmen sprengen. Zigarren, langer Bart, grüne Militäruniform (die später gegen „echte Retro“- Trainingsanzüge getauscht wurden), lange Reden und Kritik an den USA, all dafür war er bekannt.

Als 2016 Barack Obama Kuba besuchte, um den Aussöhnungsprozess zu unterstützen, sparte Castro nicht mit Kritik: „Wir haben es nicht nötig, dass das Imperium uns was schenkt“…Nun…das ist ja mittlerweile auch Geschichte…Die Botschaft in Havanna ist wieder geschlossen, dafür gibt es jetzt eine in Jerusalem.

Leider komme ich nicht um eine kurze Che Geschichte herum, da müsst ihr jetzt durch: Ernesto Rafael Guevara, kurz Che Guevara oder noch kürzer Che, marxistischer Revolutionär, Autor und Arzt, wurde in Rosario in Argentinien, während einer Schiffsreise beim Zwischenhalt, geboren. Seit dem zweiten Lebensjahr hatte er Asthma, die Krankheit bestimmte seine Entwicklung und Persönlichkeit. Er las viel und sprach fließend französisch. Er studierte Medizin in Buenos Aires. Er reiste sehr gerne und umfangreich, worüber er Bücher schrieb. Irgendwann wurde er durch äußere und innere Umstände zum Revolutionär. Über Umwege durch Costa Rica, Guatemala und Mexiko (wo er Fidel Castro kennenlernte), wurde er Comandante der Rebellenarmee der kubanischen Revolution und wichtigste Symbolfigur neben Fidel Castro. Er verehrte Stalin und führte einen erbitterten Kampf gegen den Kapitalismus. Als Industrieminister und späterer Leiter der kubanischen Zentralbank strebte er eine vollständige Verstaatlichung der Wirtschaft an. Mit Fidel zusammen formte er eine totalitäre Diktatur. Er selbst lebte diese Ideale und verzichtete auf Vergünstigungen für sich und seine Familie. Er verlangte die Aufopferungsbereitschaft, die er an den Tag legte auch von anderen. Da es unter seiner Führung mit der kubanischen Wirtschaft rapide abwärts ging, verließ ein Zehntel, mehrheitlich die kubanische Oberschicht, Kuba in Richtung Florida. Das führte natürlich zu einem weiteren Rückgang der Wirtschaftsleistungen und Produktivität. Die Differenzen zwischen ihm und Fidel wurden immer größer. Che wollte eine noch radikalere Revolution. Pack schlägt sich und Pack verträgt sich in diese Falle nicht mehr…Che wurde in 1967 in Bolivien erschossen. Er ist umstritten, für die einen ein von seiner Ideologie getriebener Mörder und für die anderen ein Vorbild im Kampf für eine gerechtere Welt. In Kuba gilt er bis heute als Volksheld. Irgendwie übt er auch auf mich eine gewisse Faszination aus…

Wir bummeln weiter und genießen die Atmosphäre hier:

Eine Näherei:

Diese Apotheke hat uns besonders gut gefallen:

Eine laute Parade:

Das darf natürlich auf keinen Fall fehlen:

Und zurück zum Schiff:

Wir verlassen Havanna um 5:30 Uhr am Morgen, wir stellen den Wecker und beobachten von unserem Balkon aus das Verlassen des hübsch erleuchteten schlafenden Havannas.

Das Lotsenboot bringt uns sicher aus dem großen Hafen:

Auf dem Programm steht ein Seetag für morgen, da wir aber heute noch vor dem Aufstehen auslaufen, haben wir heute natürlich auch Seetag. Das nächste Ziel ist Jamaika, 646 Seemeilen vom Starthafen entfernt, das entspricht etwa 1200 Kilometern, bei einer Geschwindigkeit von maximal 39 Km/h sind wir eine Weile zum Seele baumeln lassen unterwegs;)

Wir lesen, chillen, spielen und gehen ins Gym. Ich mag Seetage, da muss man einfach runter kommen. Die verzweifelten Bemühungen der Animateuere, auch dem letzten Bewegungslegastheniker das Tanzen beizubringen, können wir ausblenden. Schmunzeln müssen wir dennoch, wer sich so alles an südamerikansichen Powackeltänzen versucht. Aber mit dem All inklusive Getränkepaket ist schon so manch einer über sich hinausgewachsen. Da habe ich in England ein treffendes Schild gefunden:

Wir schippern weiter gemütlich durch das karibische Meer und kommen gut runter. Wir haben sehr viele Eindrücke zu verarbeiten, dabei hilft der Anblick von Wasser – und ich meine ausschließlich Wasser – ungemein.

Bela findet einen Freund und wir lernen auch ein paar Leute kennen. Es ist recht interessant, wer hier warum mitfährt. Viele Deutsche sind an Bord. In einigen Bundesländern sind schon Osterferien. Das geht auf der Reise alles völlig an uns vorbei, keine Ahnung, wann welche Ferien sind. Ich bin froh, wenn ich keinen Geburtstag vergesse… Ich gehe mal zum Friseur und sehe mit Farbe auf dem Kopf eine Delfinschule vorbei springen. Bela erkundet die Shoppinglage und berichtet uns über Legoereignisse im Laden mit dem netten Verkäufer, der ihm sogar ein Päckchen geschenkt hat. Sport bei Seegang ist ein bisschen komisch, das weiß jeder, der schon mal versucht hat bei 3 Meter hohen Wellen auf dem Laufband zu laufen. Die Zeit vergeht auch hier ziemlich schnell und schwupps – legen wir in Montego Bay in Jamaika an. Vom Schiff und durch die Nachrichten bekommen wir Hinweise und Ratschläge über den Ausnahmezustand in Montego Bay aufgrund zahlreicher Schießereien und Morde unter Kriminellen, in die auch immer wieder Unbeteiligte geraten sind. Wir werden zu erhöhter Vorsicht aufgerufen und sollen Menschenansammlungen meiden und uns nur in Touristengegenden aufhalten. Diese werden besonders überwacht. Genau das richtige für mich! Ich hatte vorher schon mal ein wenig recherchiert, was sich lohnt gesehen zu werden und beschlossen spontan und flexibel zu bleiben, eigentlich ist es egal, weil wir an nur einem Tag nicht mal einen Überblick bekommen werden. Jamaika ist die drittgrößte Insel der großen Antillen und hat etwa 2,9 Mio Einwohner. Sie liegt 145 Kilometer von der Südküste Kubas entfernt und 160 Kilometer westlich von Hispaniola (die Insel, auf der Haiti und die Dominikanische Republik liegen), getrennt durch den Jamaica Channel. Die Hauptstadt ist Kingston, das Staatsoberhaupt ist keine geringere als Queen Elizabeth II., da Jamaika Mitglied des Commonwealth ist. Jamaika war sowohl spanische (1509-1655), als auch englische (1655-1962) Kolonie. Das Klima ist tropisch, es gibt über das Jahr hinweg kaum Temperaturunterschiede. Die Insel liegt im Hurricangebiet, zweimal im Jahr ziehen Stürme hier durch. Bezahlt wird in Jamaicadollar, wobei wir auch mit US Dollar keine Probleme haben. Die Informationen über die verschiedenen Religionen finde ich spannend. Es gibt natürlich alles, was wir so aus Europa kennen: katholisch 4%, anglikanisch 2,8%, Zeugen Jehovas 1,9% -die sind echt weltweit mit ihren Königreichsälen zu finden- und ein paar Juden) und dann gibt es die Rastafari. Bei uns eher bekannt als kiffende Zottelmonster. Wir haben herausgefunden, das ist auch so! Es gibt verschiendene Bewegungen, für die meisten steht das Individuum im Vordergrund, frei von Gesetzen und Vorschriften. Alkohol und Tabak ist tabu, kiffen erlaubt. Und das gerne gemeinsam und immer. Auf rituelle Weise und zum Nachdenken. Hanf zur Heilung der Völker. Dazu Dreadlocks. Das gefällt mir. So gehen wir neugierig, gespannt und aufmerksam von Bord. Stempel bekommen wir keine (gut für Belas Pass) und stehen mit 4 Schwaben ein wenig ratlos vor einer Informationstafel. Wir beschließen uns zusammen zu tun. Dann wird es für alle günstiger. Das wird es sowieso, wenn man etwas mit Schwaben macht 🙂 Wir entscheiden uns für die Dunnˋs River Falls in Ocho Rios und ein bisschen mehr. Die Schwaben schaffen es tatsächlich, das Taxi noch weiter runter zu handeln. Wir freuen uns und fahren los. Die Fahrt dauert etwa 1,5 Stunden. Der erste Eindruck, den wir von Jamaika haben, ist nicht so prall. Warten wir mal ab. Wir kommen an, der Parkplatz ist schon voll, der Eintritt kostet 20 Dollar pro Person, für Bela die Hälfte und wir stürzen uns ins Getümmel. Die Wasserfälle sind sehr schön, ich schaffe sogar ein Bild ohne Menschen zu schießen. Man kann in einer Tour die Fälle hochklettern. Das ist spannend. Unglaublich, wen die da alles mitschleppen. Flipflops sind verboten (man konnte am Eingang Wasserschuhe kaufen), aber Jeans sind erlaubt. Da kraxeln Menschen hoch, die in ihrem Leben noch nie Sport gemacht zu haben scheinen.

Wir erfrischen uns erstmal in einem der Badebecken

Ungefähr auf der Mitte diese Abschnittes, stürzt ein Mann, der mit seinem Kumpel alleine dort hoch möchte. Er fällt auf die Seite mit dem Kopf zuerst und ist für eine kurze Zeit ohne Bewusstsein. Sie klettern vorsichtig runter und setzen sich neben uns. Ich schaue mir die Verletzung an und glaube, er hat sich das Jochbein gebrochen. Zudem steht er ganz schön neben sich. Ab in die Klinik also….

Danach spazieren wir bergab in Richtung Strand, immer dicht an der Kletterroute im Wasserfall entlang. Die Strecke wir immer anspruchsvoller, wir sehen einige stürzen. Ich denke, hier werden eine Menge Fails gedreht. Teilweise erscheint es uns recht gefährlich, gerade, wenn man bedenkt, wer da alles mitmachen darf.

Wir kommen an den Strand und vergessen vor lauter Enttäuschung zu fotografieren. Es ist nix dolles, dabei hört man so viel Schönes von den Stränden hier. Das Wasser ist trüb und braun, der Strand auch. Es ist total voll, die Schlange am Wasserfallkletterstart ist sehr lang und in der Bucht liegen zahlreiche Amüsierkatamarane, wie wir sie aus Kuba kennen. Also wieder ab nach oben. Dort gibt es für Kinder einen kleinen Wasserpark mit Rutsche und Springbrunnen.

Auf dem Gelände finden wir noch den Tranquility Garden, der ist ganz schön. Wir schlendern ein bisschen und bekommen von einem der Gärtner eine Spinne gezeigt.

Da wir dort unsere Schwaben wiedertreffen, beschließen wir, vor der verabredeten Zeit zum Taxi zurück zum zu gehen und weiter zu fahren. Der Taxifahrer bringt uns an einen Freizeitpark, wo es Ziprides und Sommerrodelbahnen gibt. Da der Eintritt jedoch mit mindestens 75 Dollar pro Person nicht nur für schwäbisches Empfinden viel zu hoch ist, fahren wir weiter. Der Taxifahrer gibt nicht auf uns irgendwo teuer unterbringen zu wollen. Wir fahren auf den Berg zu einer Villa, diese sei das Ferienhaus eines Prominenten, wer das ist konnte er nicht sagen, man hätte einen wundervollen Ausblick und könne sich für 20 Dollar pro Person das Haus von innen angucken. Okay, weiter geht es also. Nächster Berg, nächster toller Ausblick. Golfclub. Hier sollen wir Kaffee trinken. Schon klar. So nebenbei erfahren wir von unseren schwäbischen Mitstreitern, dass wohlalle Ausflügevon Cozumel (Mexiko) auf das Festland gestrichen worden sind, weil man die Fähre nicht benutzen soll. Total topp! Keiner weiß warum, auch nicht das Internet, welches wir hier im teuren Golfclub schnell dafür noch nutzen. Es ist von erhöhter Anschlagsgefahr die Rede. Wir brauchen diese Fährverbindung jedoch, um von der Insel Cozumel nach Tulum zu kommen. Wir werden auf dem Schiff nochmal fragen. Verrückt machen bringt ja jetzt auch nichts. Weiter gehts also. Nächster Berg, nächster toller Ausblick. Wieder Villa, wieder 20 Dollar Eintritt. Unser Taxityp rafft es einfach nicht und gibt alles. Leider sind die tollen Ausblicke, die wir sehen alle durch hohe Bäume für Fotos unbrauchbar. Langsam wird er unentspannt. Wir wollen zurück zum Schiff. Zum Abschluß gibt es eine Stadtrundfahrt durch Montego Bay, mittenrein in den Ausnahmezustand!! Das wollten wir eigentlich vermeiden. Uns ist etwas mulmig. Die Menschen haben so einen merkwürdigen Gesichtausdruck und manche kommen bettelnd ans Auto. Niemand traut sich daraufhin Fotos zu machen. Es lohnt sich auch überhaupt nicht. Wir sehen ansich nur Dreck und Elend, mit ein paar hübsch renovierten Kirchen und Plätzen dazwischen. Vieles ein bisschen Kolonialenglisch. Zu guter Letzt fordert unser unverschämter Fahrer auch noch ein Trinkgeld, kommt damit aber nicht durch. Jemand fragt, ob er denkt, dass alle Europäer Gelddrucker im Keller stehen hätten. Wenn das Bob Marley wüsste…Wir sind froh, wieder auf dem Schiff zu sein. Haben noch ein bisschen Zeit bis zum Auslaufen, machen Sport, gehen schwimmen und genießen die Sonne.

Dann wird es langsam dämmrig, der Kapitän spielt „Time to say Goodbye“ und wir legen ab.

Mit Sicherheit tun wir dem Land unrecht, aber Jamaika brauchen wir nicht nochmal. Die „Just White“ Party am Abend schenken wir uns auch, wenn man auf eine 6 Monate dauernde Weltreise weiße Klamotten mitnimmt, kann man höchstens noch bei „Just Grey“mitmachen. Meine Informationsbeschaffung zum Thema Fähre in Mexiko ist auch nicht besonders erfolgreich. Ich erfahre lediglich, dass die USA verboten hat, diese Fähren zu benutzen. Da auch US Amerikaner an Bord sind, werden alle Fahrten gestrichen. Warum das so ist, konnte mir die etwas angepisste Dame aus der Ukraine auch nicht sagen.

Für den nächsten Tag steht Georgetown auf Grand Cayman auf dem Programm, das kennen wir auch nur von irgendwelchen Steuerflucht- und Briefkastenfirmengeschichten, bzw -filmen.

Im Hafen sehen wir eine alte Bekannte: Die Norwegian Jade, mit der wir unsere erste Kreuzfahrt im Mittelmeer gemacht und daraufhin beschlossen haben, amerikanische Kreuzfahrtgesellschaften künftig zu meiden… Heute werden wir „ausgebootet“:

Das dauert nicht viel länger, als über den Steg und ist mal was anderes. Grand Cayman ist die größte der Cayman Islands und britisches Überseegebiet. Es gibt schöne Strände und die Atmosphäre ist wesentlich entspannter als in Jamaika. Wir gehen erstmal Kaffee trinken, wollen mails und Nachrichten checken, da wir auf dem Schiff das Wlan nicht leisten können. Es muss doch noch irgendetwas genaueres über die verdammte Fähre herauszufinden sein… Im Cafe werden auch Zigarren hergestellt, allerdings werden sie hier nicht auf einem jungfräulichen Oberschenkel gerollt:

In 2004 wurden 80 Prozent der Gebäude auf Grand Cayman durch einen Hurricane zerstört, dabei zog der Sturm in circa 50 Kilometern Entfernung an der Küste vorbei. Bei Windgeschwindigkeiten bis zu 290 Km/h gab es auch mehrere Tdesopfer. Die Insel ist bekannt aus dem Film „die Firma“. Es gibt zwei verschiedene Leguan Arten, die nur hier vorkommen. Das sollte dann auch alles gewesen sein. Eventuell hätten wir auf einem MSC organisierten Ausflug etwas mehr erfahren, aber darauf haben wir keine Lust. Nach dem Kaffee suchen wir den Strand. Dabei werden wir von vielen hilfsbereiten Menschen angesprochen, die uns ihre Ausflüge aufs Auge drücken wollen. Klar, könnten wir einen Schnorcheltrip zu den Rochen machen, wir sind jedoch seit dem Delfinerlebnis in Kuba etwas zurückhaltend mit solchen Veranstaltungen und zudem auch total unternehmensmüde. Wir sind schon so lange unterwegs und haben so viel gesehen, dass wir einfach nur schlendern und abhängen möchten.

Einen ganz netten Strand finden wir am Anfang des 7 Mile Beach, aber mit unerem Stranderleben im Gepäck, ist er auch wirklich nur ganz nett.

Am Ende des Landausfluges bummeln wir noch ein wenig, kaufen ein Souvenir und gehen wieder vor Ablauf der Zeit zurück auf unser Schiff. Ich erfahre, dass es Anfang März auf einer der Fähren eine Explosion gegeben hat und lauter Spekulationen. Man hat eine Bombe gefunden. Bald sind Wahlen in dieser Gegend. Wir werden auch wieder nur zur Vorsicht aufgerufen. Setzen wir uns eben vorsichtig auf die Fähre, wenn diese dann mitten auf dem Wasser in die Luft fliegt – gute Idee. Ich googel schon mal nach Flügen. Das ist der einzige Moment auf der ganzen Reise, an dem mein Gatte und ich so unterschiedlicher Meinung sind, dass wir uns streiten. So heftig, bis Bela uns wieder auseinander zieht. Egal, denke ich, wenn ich einfach Flüge buche, müssen sie mit!

Dort haben wir das übliche Erholungsprogramm mit Sport, Schwimmen und heute gibt es ausnahmsweise mal Cocktails. Wir lümmeln uns auf den Liegen am Pool, weil die Sonne noch so schön scheint, als uns der Kapitän heute mit einem anderen Verabschiederitual überrascht. Er hupt. Alter Schwede, ein paar Leute fallen vor Schreck von den Liegen. Ich mache auch einen ordetnlichen Hüpfer. Bela und ich sind überzeugt, dass er auf der Brücke sitzt mit Blick auf das Deck, wartet, bis alle wieder auf den Liegen liegen und hupt erneut. Dreimal hintereinander. Das ist so laut. Erst, als alle denken, nun ist gut, hupt er wieder. Lustiger Vogel. Ich fand ja „Time so say goodbye“ schon schlimm…

Am Abend gibt es Flower Power 70er Party, wo wir diesmal mit unseren Goa Hosen teilnehmen könnten, wenn wir denn wollten. Wir treffen Lena und trinken mit ihr. Sie hat ein Getränkepaket 😉

Bela ist bis um 1 Uhr mit seinem neuen Kumpel unterwegs. Wir schlafen schon fast, als er zurück in die Kabine kommt. Morgen früh ist Checkout um 11 Uhr, das Gepäck muss bis um 8 Uhr vor der Tür stehen. Voll Pauschalurlaub. Danach werden wir uns selbst überlassen, raus geschickt ins gefährliche Mexiko und immer noch keine verlässliche Info über die Fähre. Sabotage soll es gewesen sein, es wurde auch keiner besonders schwer verletzt. Die Einreiseformalitäten werden übrigens auf dem Schiff erledigt, es gibt auch dieses mal keinen Stempel, weil die Tinte leer ist. Wir hätten also mit Belas Pass noch 5-9 andere Länder besuchen können.

Ich habe keinen Flug auf das Festland gebucht, das wäre Cancun gewesen, die völlig andere Richtung, es wäre wirklich zu umständlich und teuer geworden. Jetzt hilft also nur positiv denken. Wir laufen zur Fähre, kaufen Tickets und gehen an Bord. Die Kontrolle ist überraschend lax. Mit einem mulmigen Gefühl sitze ich da. Es gibt Livemusik auf dem Deck. Ist die Titanic nicht auch mit Musik untergegangen?

Natürlich geht alles gut. Nach 25 Minuten erreichen wir unbeschadet das mexikanische Festland.

24/7 Guantanamera oder KUBA

Zum Glück reisen wir, wie so oft, völlig unproblematisch ein. Die Beamtin sieht zwar recht gefährlich aus mit ihren goldenen, irre langen Fingernägeln und einer Oberweite, dass ich lieber in Deckung gehe, falls die Knöpfe anfangen zu schießen, ist aber sehr nett. Klemmt den Stempel für Bela in die Lücke, weil ich sie nett frage. Seitdem wir das Schreiben von der Botschaft nicht mehr zeigen,klappt das mit dem Lückenfüllen ganz gut. Sie fragt uns gar nichts. Wir müssen ihr nicht sagen, wo wir wohnen und wie lange wir bleiben. Auch müssen wir keine Krankenversicherung vorzeigen. Alles total entspannt. Auch unser Gepäck kommt vollständig an und problemlos durch den Zoll. Wir wechseln Geld. Das dauert ein bisschen. Von den vier Automaten werden jeweils zwei im Wechsel permanent aufgefüllt oder repariert, weil sich etwas verklemmt hat. Man darf nur alleine an einen Automaten. Da sind die ganz streng. Bela kommt zu mir und ich bitte ihn zu bleiben. Will den Wechselautomatenaufpasser mal etwas durcheinander bringen. Aber: kein Problem. Bela darf mit mir gehen. Ich werde geschult. Vom Automaten. Ich schiebe zweihundert Euro hinein. Sie kommen wieder raus. Sie dürfen keine Eselsohren haben. Natürlich haben sie das. Sie sind doch noch unser „Busgeld“, was wir im September für unseren geliebten T4 bekommen haben. Alle samt haben sie Schäden. Sind ja schon ziemlich weit gereist. Weiter als jeder Kubaner. Irgendwann klappt es endlich und wir bekommen 235 CUC. Es gibt in Kuba zwei verschiedene Währungen. Eine für Touristen, der Cubano peso Convertible. Damit dürfen die Einheimischen nicht bezahlen. Und es gibt die nationale Währung, den Peso, CUP genannt, damit dürfen Touristen nicht bezahlen. So ein Blödsinn, als ob dieses Land nicht genug andere Probleme hätte. Wir zahlen schließlich in CUC und die Kubaner müssen diese CUC dann erstmal wechseln, bevor sie es zum Bezahlen benutzen können. Eigentlich kann Kuba sich das nicht leisten… Wir finden ziemlich schnell ein Taxi und fahren mitten rein. Nach Havanna. In Barbaras Casa. Das ist eine Privatunterkunft, wie es seit etwa 2011 in Kuba erlaubt ist. Ich war in 1990 schon mal hier in Kuba und kann mich erinnern, dass es noch nicht einmal Restaurants gab. Wir haben immer im Hotel gegessen. Sozialistisches Feng Shui inklusive. Das hieß, das Geschirr wurde dir von der dreckigen Tischdecke unter der Kinnlade weggezogen, sobald du den letzten Bissen in den Mund gesteckt hattest. Das ist irgendwie immer noch so. Aber mittlerweile gibt es Restaurants und Privatunterkünfte. Sogar über Airbnb oder booking.com zu buchen. Allerdings muss man einen Reisegrund angeben. Unser Reisegrund, nämlich ganz einfach Tourismus, war nicht aufgeführt. Also musste ich mich zwischen kirchlichem Engagement (kommt wohl im Kommunismus nicht so gut an), Journalismus, diplomatische oder medizinische Tätigkeiten oder Hilfe für das kubanische Volk entscheiden. Das schien mir am wahrscheinlichsten. Also helfen wir gerade dem kubanischen Volk. Und das hat es sehr nötig. Dazu später mehr! Havanna ist ein großes Museum:

Uhrmacher bei der Arbeit – auch wie im Film…

In der Casa Barbara werden wir sehr herzlich empfangen. Wir buchen uns für 5 CUC pro Person Frühstück dazu und haben somit eine günstige Unterkunft in der Nähe des Zentrums von Havanna. Mit Familienanschluss:

Wir packen aus und schlendern zum Malecon. Das ist die etwa 7 Kilometer lange Uferpromenade, an unserem Abschnitt relativ gut erhalten, weiter weg, wohl in katastrophalem Zustand. Die ungefähr 3 Meter hohen Wellen schwappen über die Brüstung. Der Boulevard ist durchlöchert, mit Algen überzogen und glitschig wie Schmierseife. Laufend kaum zu bewältigen. Wir fühlen uns wie auf einer Zeitreise. Hier ist scheinbar in den 1960ern die Zeit stehen geblieben. Echt krass.

Die Leute feiern auf der Strasse, von überall hören wir Musik. Wenn wir denken, da vorne ist ein Shop, ist es bloß ein offenes Fenster. Alles ist hier offen. Fenster und Türen. Sperrangelweit. Das Abend- bzw Nachtleben findet halb drin und halb draußen statt. Wir gehen in das Restaurant, was uns von Barbara vorgeschlagen wurde und werden nicht enttäuscht. Wir zahlen etwa 13 Euro für einmal Fisch, zweimal Beef, dreimal Wasser und zweimal Mojito ohne und zweimal Mojito mit Rum. Leider darf hier überall geraucht werden, das ist während des Essens unangenehm. Bela verteilt Speerspitzen mit den Augen. Wir bummeln noch ein bisschen weiter, weil wir unsere Gegend erkundschaften möchten. Zwischendurch regnet es ziemlich schnell ziemlich viel. Wir sind klatschnass und dann wird es auch kalt. Also heim. Aus einem abruchreifen Haus bekommt Mike Küßchen zugeworfen und wird herangewunken. Wir erfahren später, dass die Frauen für ein gut bezahltes Schäferstündchen gerne und sofort ihre Arbeit liegen lassen. Ich bin ein bißchen sprachlos, dass das so offensichtlich und in meiner Gegenwart geschieht. Meinen Mann lässt das zum Glück kalt, er schüttelt sich erstmal, wegen dieses speziellen Exemplares. Das Frühstück am nächsten Morgen wurde uns nicht vor 9 Uhr angeboten. Wir haben jedoch Zeitverschiebung und sind deswegen schon recht früh wach. Sie wollen erst auf dem Markt noch frisches Obst für uns kaufen. Nett. Der Obstteller, den wir sozusagen als Frühstücksvorspeise bekommen, hat mehr Kalorien, als Bela innerhalb einer Woche zu sich nehmen kann. Es gibt für jeden von uns einen großen Teller mit Ananas, Melone, Papaya, Guave und 3 (in Worten drei!) Bananen. Dazu ein großes Glas Guavensaft, frisch geschrettert und mit viel Zucker selbstverständlich. Nach der Hälfte sind wir eigentlich satt. Sie sind total aus dem Häuschen, weil sie so gesundes Frühstück anbieten, was so lange vorhält. Bei uns in dem Fall bis zum Abendessen. Weiter geht es mit Spiegelei auf Fettsee, Weißbrot im Überfluss, Butter- und Käsescheiben, wobei die Butterscheiben so groß sind wie die Käsescheiben. Kaffee mit Milch. Milch heißt in dem Fall Kaffeesahne, 7.5%, normale Milch kennen sie nicht zum Kaffee und wundern sich zudem, dass wir keinen Zucker brauchen. Okay, wenn man sie sich so anguckt…Nett sind sie ja wirklich. Ehrlich nett und hilfsbereit. Aber diese Garderobe in Kombination mit der Figur. Erinnert uns stark an Presswurst. Alle beide. Und die 6 Jährige auch schon. Wie dem auch sei, wir essen nur soviel, wie reinpasst und verschwinden in Richtung Busterminal, wir haben noch kein Ticket für Varadero. Dabei bummeln wir durch eine „Einkaufsstrasse“, in der es keine Geschäfte gibt. Bela wird übel. Wir finden ein altes Taxi und machen uns auf den Weg, dann kann er sich etwas erholen.

Es ist recht warm und riecht ab und zu komisch hier. Vor dem Terminal schwätzt mir ein Taxifahrer seine Dienste auf und rechnet mir vor, dass wir sparen, wenn wir mit dem Taxi nach Varadero fahren. Im Nachhinein sollte er recht behalten. Da ich das erstmal nicht glaube, handel ich ihn um 30 CUC runter und freue mich. Abholen morgen in der Casa Barbara um 10 Uhr. Wir fahren zurück. Am Capitolio steigen wir aus und gucken uns das alte Zentrum an.

Wir dürfen uns eine total alte Sporthalle anschauen, aber leider nicht fotografieren. Bela findet eine Schießbude und versüßt dem Schießbudenopi den Tag mit ein paar tollen Treffern.

Es fängt wieder an zu regnen. Da wir uns unter einer Art Arkaden befinden, ist das nicht so schlimm.

Wir trinken Kaffee mit Kapelle, Guantanamera und so weiter, wie man es sich vorstellt. Einige Menschen tanzen. Wir laufen den Prado entlang, das ist so was wie die Kö in Düsseldorf, nur ohne Geschäfte. Vorsichtig, denn überall sind Löcher im Marmor.

Wir sehen das Fort, hier gibt es jeden Abend um 21 Uhr Kanonenschläge.

Am Abend essen wir ein Menü, der Wirt bringt uns persönlich zu einem Geldautomaten, weil wir nicht mit Karte zahlen können und uns das Bargeld eigentlich aufheben wollten. Ich bin überrascht, denn ich hätte hier nicht mit Geldautomaten gerechnet. Es geht aber problemlos. Wir speisen lecker und gehen noch auf ein Schöppchen zu einem Platz mit Musik und tanzenden Opis. Es ist warm, der Rum schmeckt, die Stimmung ist gut, wir genießen Havanna.

Das Frühstück für den nächsten Morgen haben wir auf zwei reduziert und auch diverse Obstsorten gestrichen. Trotzdem ist es irgendwie nicht weniger.

Ab 10:30 Uhr warten wir aufs Taxi, um 11:30 Uhr denke ich nicht mehr daran, dass es noch kommt. Es gab wahrscheinlich ein lukrativeres Angebot. Bela und ich gehen raus und wollen eins kapern. Das geht fix. Ein Mann steht so darum und fragt, ob wir ein Taxi brauchen. „Si“, sagt Bela, „to Varadero“. Ein Lächeln huscht über das Gesicht des Taxifahrers, es sind ja schließlich etwa 150 Kilometer bis dort. 100 CUC möchte er dafür haben. Zu viel, entscheiden Bela und ich sofort und handeln. Bela schafft es bis 65 runter und gibt ihm die Hand. Wir fahren zusammen zu Mike und dem Gepäck. Es ist überrascht, weil die ganze Aktion nicht besonders lange gedauert hat. Um 11:45 Uhr sind wir auf dem Weg nach Varadero. Viele kubanische Freunde warten dort schon auf uns. Die Fahrt vergeht zügig, Abel ist ein guter Fahrer und dazu noch sehr nett. Allerdings fährt er, wie übrigens alle Machomittelamerikaner, stets auf der linken Spur und schnallt sich vor der Polizeikontrolle an und danach wieder ab. In Havanna gibt es eine 6 spurige Straße direkt am Malecon entlang, da wo Mike laufen war. Er hatte die rechte Spur für sich und konnte auf der Straße laufen, weil auch dort alle nur ganz links fahren. Wie dem auch sei, wir kommen schnell im Hotel an und werden schon erwartet. Wir haben uns, trotz vieler schlechter Bewertungen, für das Stammhotel von Papa entschieden. Ein 3 Sterne All-Inklusive Hotel direkt am wunderschönen Strand von Varadero. Wir sind auf das Schlimmste vorbereitet. Eingecheckt werden wir von einer guten Freundin von Papa, sie hat uns ein extra großes und ruhiges Zimmer gegeben, fernab vom Animationstrubel. Da wir erst um 16 Uhr ins Zimmer dürfen und jetzt aber erst 13 Uhr ist, gehen wir Mittgsessen. Nicht ohne uns für nächsten Dienstag um 16 Uhr mit Abel zu verabreden, damit er uns wieder abholt. Das Restaurant, was Bela schnell liebevoll in Kantine umbenennt, ist ganz okay. Es gibt reichlich Auswahl, so dass auch Mike als Vegetarier immer etwas findet. Der Service ist allerdings basic. Da sitzt man schon mal 10 Minuten vor seinem Teller und hat kein Besteck. Die Leute machen eben nur dass, was sie gesagt bekommen, eigenständiges Denken ist hier nicht gewollt. Kuba ist einfach anders. Die Menschen nett und herzlich, aber auch nur dann ein wenig mehr, wenn sie etwas dafür bekommen. Der Verdienst ist sehr wenig. So bekommen Zimmermädchen umgerechnet gerade mal 20 Dollar im Monat! Für eine 6 Tage Woche. Dennoch ist ein Job als Zimmermädchen sehr gefragt, weil sie sehr viel Trinkgeld von den Touristen bekommen. Auch die Barkeeper pimpen ihr Gehalt, indem sie hinter der Theke Rum verkaufen. Ich finde das fragwürdig und habe lange mit einem Systembefürworter diskutiert, da kommt man auf keinen grünen Zweig. Das System wird verteidigt bis aufs Letzte. „Die Leute verdienen sehr wenig, ja“, das sei aber nicht schlimm, schließlich bekämen sie Grundnahrungsmittel nahezu kostenlos. „Reis, Bohnen, Milch, Eier und Mehl gibt es in einem Bonussystem, das reicht zum Überleben“. „Ja“, sage ich, „zum Überleben reicht es. Sagen die, die sich durch dieses System unterstützt die Vorteile rauspicken und sich die Kippen vollmachen“ Dafür ernte ich einen geschockten Blick. Sowohl von meinem Diskussionsgegner, als auch von meinem Mann, der -zugegebenermaßen- etwas diplomatischer auf die zweite Seite der Medaille hingewiesen hätte. Es ist unvorstellbar für mich. „Ich soll mal überlegen (wahrscheinlich sollte ich lieber weniger überlegen und mehr trinken), die medizinische Versorgung ist hier kostenlos. Für alle Kubaner. Und es gibt sehr gute Ärzte“… also die, die noch nicht ins Ausland verschwunden sind. Was nützen mir die besten Ärzte, wenn die Krankenhäuser und Praxen kein Equipment haben. Es gibt eine gute Klinik in Havanna, dort lässt sich halb Südamerika operieren, allerding kein einziger Kubaner. Diese Klinik ist privat und für Kubaner unerschwinglich. Ein Arzt verdient in Kuba etwa 80 Dollar im Monat. Das ist richtig viel für dortige Verhältnisse. Damit sie im Land bleiben gibt es außerdem Lockangebote wie zum Beispiel ein günstiges nettes Haus in einer guten Gegend oder schnellere Bearbeitung der Autobestellung. Normalerweise warten Kubaner einige Jahre auf ein bestelltes Auto. Ich habe jemanden getroffen, der verdient umgerechnet 15 Dollar im Monat, für 6 Tage je 8 Stunden Arbeit plus 1,5 Stunden Fahrt mit dem Bus pro Strecke. Ich musste aufpassen, dass ich nicht anfange zu heulen, als ich das gehört habe. Etwas, was wir auf dieser Reise immer wieder festgestellt und zu schätzen gelernt haben, ist das große Glück, welches wir mit unserem Geburtsort hatten. Lebst du in Deutschland, kann dir eigentlich gar nichts passieren. Wir sind so gut versorgt und abgesichert, im Gegensatz zu den meisten Menschen im Rest der Welt. Das sollte sich so manches Lästermaul mal zu Herzen nehmen. So und nun ab an den Strand!

Für heute haben wir nichts weiter geplant. Ankommen und chillen.

Am Abend gibt es eine Show, Bela will sie sehen, also machen wir das! Dazu gibt es Mojito mit und ohne. Eine Band spielt Rock. Ein betrunkener Engländer (die gibt es hier auch) soll auf die Bühne. Er war wohl schon letzte Woche und hat Eindruck hinterlassen, jedenfalls beim Sänger. Der ist nur schön und ruht sich ein bisschen aus, während der zahnlose Mann aus Birmingham „Smoke on the water“ ins Mikro brüllt. Die Menge tobt, auch des Engländers Frau schiebt ihren in Joggingmontur gekleideten Alabasterkörper Richtung Bühne. Viel mehr Zähne als er hat auch sie nicht. So langsam spricht sich unter den Hotelmitarbeitern herum, wer wir sind. Viele wollen Fotos machen, die wir Papa zeigen sollen. Alle freuen sich, vor allem, dass es ihm besser geht. Bela ist der Principe und wird verwöhnt.

Am nächsten Tag treffen wir Raul, seit 25 Jahren ein sehr guter Freund der Familie. Die Freude ist riesig. Schließlich kennt er Mike und Bela noch nicht.

Er packt uns kurzerhand in sein Auto und nimmt uns mit zum Grillen beim Bürgermeister. Wir starten um 14:30 Uhr etwa und wundern uns, wie schnell sich der Garten füllt, alle aufhören zu arbeiten und mit dem Trinken beginnen. Eine Flasche Rum steht auf dem Tisch, dazu gibt es Bier. Als sie merken, dass Bela nicht so gerne Rum trinkt, holen sie Cola. Kuba Cola, schmeckt wie früher in der DDR. Über Mike wundern sie sich auch, kaum Alkohol und seit 30 Jahren kein Fleisch. Damit kommen sie nicht klar. Der Bürgemeister repariert auch noch Autos. Deshalb empfängt er uns im schicken Braunen und riecht ein bisschen. Er ist jedoch der lustigste von allen und geht päter auch duschen und macht sich schick. Das einzige Deutsch, was er kann ist: „Ich bin ein Schweinehund“. Wer ihm das wohl beigebracht hat? Es wird ein altes Schweißgerät herbei geholt, das brauchen sie, um den Grill anzuschmeißen. Eine Mütze geht rum, sie wollen für den Einkauf sammeln. Das unterbrechen wir und übernehmen das! Alex (auch ein guter Freund von Papa) und der Bürgermeister fahren los. Elvira erscheint auf der Bildfläche. Die Exfau vom Bürgermeister. Laut, schrill und klebrig. Sofort schliesst sie Bela ins Herz, er ist ein bisschen sauer, denn:

und dann:

Sie haben das Haus und den Garten mit Hilfe einer Schnur in zwei Teile geteilt. Das stört sie aber gar nicht und feiert mit! Ich habe drei Tage Tinnitus.

Inzwischen ist auch Schatzi eingetroffen. Von ihr darf ich keine Fotos veröffentlichen. Schatzi ist 22 Jahre alt und seit zwei Jahren mit einem der Herren (Mitte 50) liiert. Seine Frau darf das nicht erfahren. Jeder hat hier so ein heimliches Liebchen. Nur der Bürgermeister nicht, der hat offiziell gleich ein paar davon, weil er sich hat scheiden lassen. Die Scheidung kann ich nachvollziehen…Was ich nicht verstehe ist, was so ein junges hübsches Ding mit einem 35 Jahre älteren Kerl mit Wohlstandsplautze und roter Nase möchte. Naja, sie verstehen auch nicht, dass Mike, nicht nur Vegetarier und Minimalkonsumierer von Alkohol ist und keine Freundin hat, die seine Tochter oder Enkelochter sein könnte. Wir feiern einfach weiter. Belas spanisch wird immer besser. Er versteht sich mit Alex auf Anhieb total gut. Alex ist ehemaliger Ruderer in der kubanischen Nationalmannschaft und hats noch drauf. Sie boxen und tanzen vorm Grill.

Der Grill wird angeschmissen, die Kerle sind vom Einkaufen zurück und haben 5 Hähnchen, sowie Tomaten und Reis mitgebracht. Außerdem mehr Rum.

Ich unterhalte mich mit einem Diabetiker. Da er keinen Alkohol trinken darf, erklärt er mir, trinkt er Cola. Bela sagt ihm, ich sei Doktor, und soll ihn retten. Wir versuchen das auf spanisch und mit Händen und Füßen. Ab und zu muss Raul noch übersetzen. Bela ist zufrieden, da er (und ich ein bisschen) ihm etwas zur Lebensverlängerung beibringen konnten. Im Zuge dessen bekommt Raul auch gleich einen Trainigsplan von Bela, weil er auch einen viel zu dicken Bauch hat. Und er soll ab jetzt keinen Rum mehr trinken. Raul ist ein bisschen in der Zwickmühle 😉

Wir feiern weiter. Langsam wird es kalt. Ich bin mir nicht sicher, ob wir nur gut adaptiert sind oder auf dem Weg zum Weichei, wenn wir bei einer Außentemperatur unter 26 Grad anfangen zu frösteln. Wir werden eingekleidet und müssen weiter feiern. Die Hähnchen sind richtig lecker, ebenso die Tomaten. Ich habe vorher noch nie grüne Tomaten gegessen. Bela findet auf dem Hof und in der Garage allerlei Dinge zum Spielen und hat Spaß.

Es kommen auch immer mal wieder Leute vorbei, so auch Uwe aus Hamburg. Auch er mit einer 23 Jährigen im Schlepptau. Er ist fast ausgewandert. Immer längere Zeit hier und dann wieder kurz in Deutschland, um auf Föhr (wie witzig, unsere zweite Heimat) Strandgut zu sammeln, in Hamburg zu verkaufen und mit dem Geld dann wieder hier für mehrere Monate. Papa kennt er auch. Miguel kommt auch vorbei. Das ist super. Er ist Tauchlehrer und auch schon mit Papa getaucht. Wir verabreden uns mit ihm für Freitag zum Tauchen auf der Karibikseite von Kuba in der Nähe der Schweinebucht. Mike und ich wollen Schnorcheln und Bela mal wieder tauchen. Wir freuen uns sehr darauf. Um 22 Uhr werden wir ins Hotel gebracht, trinken mit Raul noch einen Kaffee und hatten einen wunderschönen Tag, den man als normaler Tourist so niemals hätte haben können.

Den nächsten Tag brauchen wir wieder zum Nichtstun. Ich fahre mit Bela in einen Freizeitpark. Sehr spannend. Hin mit der Kutsche, zurück mit einem alten Taxi.

Der Park ist sehr klein, es fährt auch nur das Riesenrad. Wer mich kennt, weiß, dass das gut ist. Also rein. Für unglaubliche 0,5 CUC fahren wir beide. Das ist so wenig, dass ich schon überlege, Trinkgeld zu geben. Da es nicht sehr hoch ist, lasse ich das!

Die meisten Geräte fahren gar nicht. Sie sind kaputt, Ersatzteile gibt es nicht. Das ist total schade, denn das hier können sich sogar die Kubaner leisten. Bela und ich sind die einzigen Touristen hier. Der Autoscooter ist schon ganz eingestaubt. So ganz unglücklich bin ich über die kaputte wilde Maus nicht, ich denke an TÜV und Übergeben… Den Rest des Tages verbringen wir am Strand.

Am Abend klinkt Mike sich aus und ich gehe mit Bela zur Zaubershow. Das hat uns der Engländer empfohlen, bzw. befohlen. Okay. Die Zauberei ist wirklich gut. Dann kommt der Clown. Ich habe schon länger ein gestörtes Verhältnis zu Clowns. Erst muss ich auch mal lachen, doch das vergeht mir, als ich auf die Bühne soll. Ich mache mit, will ja mein Kind nicht blamieren. Es gibt einen Glöckchen Witz. Zum Glück liegen 11 Glöckchen auf einem Tisch und mit mir müssen noch 10 weitere Unfreiwillige auf die Bühne. Auch unser Freund aus Birmingham. Da das ein All-Inklusive Hotel ist und er Engländer, ist er selbstredend bereits donnervoll. Er steht am Bühnenrand, macht Späße und fällt rund 1,20 Meter von der Bühne runter. Sofort springen alle hin, ich halte mich jedoch bescheiden im Hintergrund. Er versucht sofort aufzustehen und dabei zu grinsen. Das geht schief. Er hat bei dem Sturz sowohl Sonnenbrille, als auch Sprunggelenk geschrottet. Ihm wird auf die Bühne geholfen, der Clown macht sich lustig und positioniert ihn weit weg vom Bühnenrand, direkt neben mich, der Engländer tut so, als wäre nichts und ich stehe mit meinem gelben Glöckchen auf der Bühne und warte auf meinen Einsatz. Den vermassel ich, weil der Clown mich verarscht…Wir haben übrigens danach weder den Engländer, noch seine Frau jemals wieder gesehen. Wahrscheinlich musste er ins leere Krankenhaus, um sich kostenlos behandeln zu lassen 😉

Am nächsten Morgen holt uns Miguel pünktlich zum Tauchausflug ab. Wir fahren zunächst auf sein Anwesen, um ein paar Sachen zu holen. Er hat eine wunderschöne Estancia mit Pferden und einem großen Pool für die Tauchkurse. Leider wartet er schon ewig auf die Lizenz zum Zimmer vermieten. Die warten nämlich bereits fix und fertig auf Gäste.

Wir fahren einmal quer durch Kuba auf die Karibikseite in die Nähe der Schweinebucht. Wir kommen dort durch, wo es keine Touristen, keine Hotels und auch keine Restaurants gibt. Das ist schon alles sehr deprimierend anzusehen. Sollten doch bitte alle Verfechter des Kommunismus mal hier herkommen und sich das anschauen…

Die Schweinebucht an der Südküste Kubas wurde nicht nach Schweinen benannt, sondern nach den karibischen Drückerfischen, die hier -wie auch die Schweine- cochinos genannt werden. 1961 gab es dort ein für die USA riesengroßes politisches, wie auch militärisches Debakel. Ein von den USA organisierter Angriff kubanischer Exilkubaner, welcher den Sturz Fidel Castros zum Ziel hatte, scheiterte, weil diese Pläne im Vorfeld wohl „durchgesickert“ waren und die kubanische Armee vorbereitet gewesen ist, ja sogar quasi auf die Invasion gewartet hat. Die 1113 gefangenen US Soldaten wurden gegen u.a. Kompott für kubanische Babies getauscht. Das ist etwas, wofür heute die Kubaner noch unglaublich stolz sind. Fidel war so klug und hat einen solch guten Deal ausgehandelt. Ich geben zu bedenken, dass Kuba ja offensichtlich durch dieses System nicht in der Lage war, ihre eigenen Babies, sprich ihre Zukunft, ernähren zu können. Da gucken sie dann komisch…Der Teller über deren Rand man hier guckt, hat einen ziemlich kleinen Durchmesser!

Wir kommen an unserem Tauchplatz an und Miguel hat überraschenderweise -ich glaube nach Absprache mit meinem Ehemann- eine dritte Ausrüstung für mich dabei. So werde ich überredet und gehe zum ersten Mal seit 20 Jahren wieder tauchen! Was für ein Abenteuer. Gut, dass wir Kubas besten Tauchlehrer dabei haben.

Es ist genau wie mit Fahrrad fahren, schwimmen und Ski fahren, man verlernt es nicht. Wir machen wegen Bela nur basic, obwohl er in den letzten Jahren mehr Tauchgänge absolviert hat als ich, darf er wegen seiner kleinen Kinderlungen nur maximal auf 5 Meter Tiefe. Nach anfänglichen Austarierschwierigkeiten und schneller panischer Atmung, dadurch wildes Gebubbel, und immer das Gefühl mich auch um Bela kümmern zu müssen, werde ich gechillter und fange an, es zu genießen. Bela macht es von Beginn an super, natürlich mit Überschlägen und anderen Späßen. Wir schweben dahin und sehen viele bunte Fische in einem erstaunlich intakten und wunderschönen Korallenriff. Sogar Barakudas und Feuerfische bekommen wir zu Gesicht. Wie vor 20 Jahren vergehen auch heute die Tauchgänge unglaublich schnell. Mike ist eine Weile über uns geschnorchelt und hat sich von unseren Blasen kitzeln lassen. Da wir jetzt einen riesengroßen Hunger haben, geht Miguel mit uns dorthin, wo keine Touristen hinkommen. Wir werden köstlich bekocht und erleben Kuba so, wie es ist!

Auf dem Weg zurück stoppen wir an einer Krokodilfarm. Da wir in letzter Zeit nur mit Rettungszentren zu tun hatten, dachten wir natürlich, diese sei auch zur Rettung der Krokodile gedacht oder zum Aufpeppeln von kranken oder verletzten Krokodielen. Aber leider ist das nicht der Fall. Die Krokodile werden nur zum Geldverdienen benutzt. Es ist nicht schön zu sehen, wie man hier mit den Tieren umgeht. An einem großen Gehege kann man ein Stück Kuhhaut an einer Angel kaufen und den Tieren geben. Das führt jedoch nur zu Kämpfen, bei denen schon so manches Auge auf der Strecke geblieben ist. Belas Entsetzen muss ich dann einer Angestellten übersetzen, die den Eindruck macht, als sehe sie das genauso wie wir, aber machtlos ist, weil sie ihren Job nicht verlieren möchte. Natürlich bleiben wir nicht lange hier.

Kurz vor Varadero stoppen wir wieder auf dem Anwesen des Tauchlehrers. Es ist jetzt schön warm, Bela springt in den Pool. Kurzes Entsetzen bei den anwesenden Erwachsenen, ihre Kinder können alle nicht schwimmen. Das sind Situationen, in denen wir schmunzeln müssen. So geht es uns, seit dieses Kind im Alter von 3 Jahren seine Seepferdchen Prüfung abgelegt hat. Er schwimmt wie ein Fisch seit seinem ersten Geburtstag. Das hat oft in Asien schon zu lustigen Situationen geführt, wenn er mit einem eleganten Kopfsprung in den Pool sprang und sämtliche Asiaten sofort an den Beckenrand eilten und rumkreischten. Keiner fühlte sich in der Lage, ihn zu retten, weil sie alle selber nicht schwimmen konnten. Ihre eigene Kinder waren ausgerüstet mit allem, was es käuflich zu Erwerben gab. Schwimmreifen, Weste, Schwimmflügel und auf dem Rücken noch etwas mehr zum Aufblasen. Dabei durften sie sich dann bloß nicht aus Versehen auf den Bauch drehen, denn dann wären sie ertrunken…

Auf einen Tipp hin, haben wir uns für Samstag zu einer tollen Katamaranfahrt angemeldet. Wir und das 6 Jährige Kind, welches kostenlos mitfahren kann 😉 Alles inklusive, auch das Mittagessen und schwimmen mit Delfinen. Spätestens da hätten wir eigentlich stutzig werden müssen. Der Bus kommt um 9 Uhr und fährt durch ganz Varadero, um aus allen Hotels andere Gäste einzuladen. Um 10.30 Uhr sind wir auf dem Schiff. Mit gefühlt 100 anderen feiergelaunten und durstigen Gästen in nachgemachter Markenkleidung…

Wir sichern uns ein schönes Plätzchen vorne im Netz, da sind außer uns noch Gleichgesinnte, die keinen Bock auf Trink- und Tanzspielchen haben. Die Bar öffnet und los gehts. Rumpunsch, bis nix mehr reinpasst. Mit Despacito natürlich. Der Kapitän sucht sich eine dürre Verbrannte und schiebt sie mit seinem Bauch über das Deck. Die Menge tobt.

Das Wasser ist super, aber zum ersten Mal in meinem Leben, schnorchel ich nicht am Schnorchelpunkt. Wir stecken genau dort drin, was wir bisher immer geschafft haben zu vereiden, in dem wir privat entgegen der offiziellen Routen losgezogen sind. Inmitten von weiteren 5 Katamaranen, was soviel heißt wie: 350 in Schwimmwesten steckenden jolenden und kreischenden Möchtegernschnorchlern, teilweise mit Guide an der Seite, damit sie nicht absaufen. Das können die nämlich trotz Weste. Fische? Fehlanzeige. Hätte mich als Fisch auch verkrümelt. Zum Lunch halten wir auf Cayo Blanco. Sehr hübsche Insel…eigentlich! Jedoch nur zum Zwecke des Tagestourismus eingerichtet. Dementsprechend voll ist es auch hier. Da wir noch eine Stunde Zeit haben bis zum Lunch suchen wir uns eine Liege am Strand. Wir sind schneller als die anderen und finden eine an offenbar der einzigen Palme auf der Insel.

Diese Palme ist extrem begehrt. Die Damen stehen davor Schlange, um sich fotografieren zu lassen oder Selfies zu machen. Die Chinesinnen trampeln dabei natürlich über unsere Handtücher und Rucksäcke. Das Highlight ist eine Dame aus Italien, die sich im Stringbikini an der Pame räkelt und aller Welt ihren total verpickelten Allerwertesten präsentiert. Eine Russin posiert kokett mit einer Ananas und verschwindet dann mit dem Bademeister. Das Wasser ist ein richtiger Traum, leider voller Menschen.

Ich erwische den dicksten Mann der Welt, wie er eine Kippe ins Wasser schnippt und flippe aus. Er nimmt sie zurück und steckt sie in seine Badehose. Was gibt es nur für Menschen? Eine Frau sagt daraufhin, das sie das Seegras auch so ekelig findet. Ich sag: „Nee, der Typ hat seine Kippe ins Wasser geschnippt, das ist ekelhaft“ Wenn ich gewusst hätte, dass es ihr Mann ist, hätte ich es entsprechend schärfer formuliert. Mittlerweile habe ich auch einen Rumpunsch getrunken, doch das Bacardifeeling will sich nicht einstellen. Also muss es ein zweiter sein. Ist ja alles bzahlt. Wenn ich schon die Welt nicht rettenkann, bin ich halt Pauschaltourist. Zur Bespaßung gibt es ein Krebsrennen. Alle stellen sich in einen Kreisund ziehen ein Kästchen vor sich in den Sand, der Ersatzbademeister (der andere steckt wahrscheinlich noch in Rußland fest) bringt ein großes Glas voller Einsiedlerkrebse und schüttet es im Sand aus. Super Idee, die Tiere durch die Hitze flitzen zu lassen. Bela steht brav im Kreis, in der prallen Sonne, Despacito auf Anschlag und feuert recht verhalten die Krebse an. Wenn man nicht klatscht, rennen sie nicht. Das weiß doch jeder. Der Gewinnerkrebs rennt in die Nachbarkiste und Bela verpasst knapp den Hauptgewinn: eine 3 Liter Flasche Rum! Mein persönliches Bacardifeeling kommt mit einem Hammerschlag, um ein Haar hätte ich sogar noch beim Bademeistertanzkurs mitgemacht. Meine Männer haben das gerade noch verhindert. Ab jetzt bekomme ich nur noch Wasser. Zum Glück! Es gibt Lunch. Das heißt in diesem Fall Buffett. Ist alles ein bisschen geht so, für Massen kochen kann nicht jeder. Wir bringen das schnell hinter uns und gehen wieder baden.

Zurück auf dem Schiff, werden wir vom Schiffsfotografen belästigt. Morgen können wir den ganzen Film im Hotel kaufen. Super. Nun freuen wir uns auf schwimmen mit Delfinen. Wir fahren um die nächste Kurve und das Bacardifeeling ist weg, so schnell, wie es kam. Wir halten vor einem Delfinarium und sind sprachlos. Bela sammelt sich als erster und sagt, da gehen wir auf keinen Fall rein. Drei Delfine schwimmen in einem abgesteckten Bereich, der ungefähr so groß ist wie unser Wohnzimmer und müssen dumme Sachen machen. Die Zuschauer -das soll wohl das Schwimmen sein- stehen bis zu den Knien im Wasser und dürfen sich küssen lassen. Ich versuche dem Kapitän zu erklären, warum wir das ablehnen, an Bord bleiben wollen und unseren Anteil Geld für diesen Part des Ausfluges zurückfordern. Da fängt der an, sich über uns lustig zu machen. Wie wir uns das vorstellen, schwimmen mit Delfinen, die nicht eingesperrt sind. Halten wir irgendwo und pfeiffen, damit sie kommen? Das hätte er ja noch nie gehört. Mike wird spontan böse, Bela fängt an zu weinen und ich erzähle ihm von Neuseeland, Argentinien und Panama, wo wir überall Delfine in freier Wildbahn erlebt haben. Hat er noch nie gehört und lacht weiter. Ich werde auch sauer. Die Delfinschau ist ein Trauerspiel, das könne wir vom Schiff aus sehen. Wahrscheinlich gibt es hier gar keine Delfine mehr, weil sie alle gefangen und eingesperrt haben, um damit Geld zu verdienen. Wir haben ja bereits erlebt, wie der Kommunismus mit Tieren umgeht. Ein wenig frustiert geht es zurück. Natürlich wieder mit Tanzspielchen, bei denen reichlich gesoffen wird. Im Bus sitzt eine blasse Dame mit den Füßen nach oben und sieht gar nicht gut aus. Neben ihr ein etwa 10 jahre altes Kind. Ich habe die beiden bereits beim Lunch gesehen, die Mutter hat gesoffen, was rein ging. Jetzt ist ihr wohl ein bisschen übel. Mike holt schon mal eine Tüte raus und gibt sie ihr. Bela wird später ihre Mahlzeit analysieren…Das Kind tut uns allen leid, besonders, als sie ihren Ausstieg am Hotel verpassen und der Busfahrer mitten auf der Strasse halten muss, um sie rauszulassen. Bela ist sehr erleichtert, dass wir jetzt nicht mehr so viel trinken. Das verkündet er lauthals im Bus und einige Menschen schmunzeln. Man spricht Deutsch!

Zwischendurch bekommen wir so etwas aus Deutschland und sind wieder mal der Meinung, dass wir alles richtig gemacht haben.

Durch die viele Sonne sind wir abends so platt, dass wir ziemlich früh im Bett liegenund sogar die Show verpassen. Der Sonntag ist Strandtag vom feinsten.

Das Wasser ist mit das schönste, was wir je erlebt haben. Abends gehen wir mit Raul in die Pizzeria. So langsam können wir das „Kantinenessen“ nicht mehr ertragen. Wir zahlen für alles für alle etwa 25 Euro!

Am nächsten Tag sind wir zu Alex und seiner Frau zum Langustengrillen eingeladen. Darauf freuen wir uns sehr, besonders Bela. Es wird ein richtig lustiger Abend. Hortensia zeigt mir Bilder von der Hochzeit ihrer Tochter, zu der mein Papa eingeladen war. Wir schicken ihm eine Nachricht. Bela und Alex grillen:

Bela trifft den Brotmann:

Bela und Alex werkeln in der Werkstatt:

Hortensia und Martika mit mir in der Küche:

Der Bürgermeister ist natürlich auch wieder mit von der Partie:

Mit seinem alten Lada bringt er uns in die Eisdiele:

So endet der Abend in der Eisdiele in Santa Marta. Das Eis ist lange nicht so gut wie in Argentinien, aber auf jeden Fall besser als in Deutschland.

Den letzten Tag verbringen wir wieder am Strand.

Check out ist dank Papa erst um 17 Uhr. Der Wagen unseres Zimmermädchens sieht übrgens so aus:

Dann heißt es Abschied nehmen, jeder möchte noch schnell ein Bild machen. Esmeralda und Yoli haben Bela besonders ins Herz geschlossen:

Martika mit dem Nachbarbaby

Und natürlich Raul, von ihm ist uns der Abschied am schwersten gefallen. Ich hoffe nicht, dass es wieder 15 Jahre dauert, bis wir uns wiedersehen!

Abel ist pünktlich und los gehts. Zum nächsten Abenteuer

Pura Vida in Costa Rica…

Wir gehen zu Fuß nach Costa Rica. ich bin mir nicht sicher, ob ich jemals eine Grenze zu Fuß überquert habe…

Die Ausreise aus Panama klappt super, wir haben wieder einen netten Beamten, der den Stempel für Bela platzsparend dazwischen quetscht, ebenso bei der Einreise in Costa Rica. Dabei haben wir vorher die übelsten Geschichten über die Laune der Grenzbeamten gelesen. Dass sie viele merkwürdige Fragen stellen, wie z.B. wieso man so viele Stempel im Pass hat und so weiter. Wir wurden nichts dergleichen gefragt, mussten noch nicht einmal ein Ausreiseticket zeigen oder sagen, wie lange wir bleiben werden. Alles entspannt. Unser Shuttlebusfahrer ist eine faule unfreundliche Person, er ist aber auch der einzige unfreundliche Mensch, den wir in Costa Rica treffen. Alle anderen sind sehr nett, wobei wir es überwiegend mit ausgewanderten Europäern zu tun haben. Wir fahren nach Puerto Viejo. Dort habe ich ein kleines Hotel gebucht, was sogar eine Wasserrutschte hat. Pool und Garten sind wirklich sehr schön, die französische Besitzerin ist sehr nett, aber die Bungalows sind weniger als basic.

Die Schranktüren sind kaputt, es gibt keinen Mückenschutz vor den Fenstern und nur einen Ventilator. Weil wir nicht lüften können, wird die erste Nacht sehr heiß, Bela und ich schlafen kaum. Zerstochen werde ich dennoch. Wir dürfen morgen umziehen, in einen anderen Bungalow. Der ist etwas größer und heller.

Beim Lunch, den wir erst um 17 Uhr kurz vor dem Verhungern schaffen, stellen wir fest, dass es in Costa Rica erst 16 Uhr ist…Komisch. Nur 60 Kilometer gefahren von Bocas aus und eine Zeitverschiebung dazwischen.

Puerto Viejo ist ein typisches Touristenörtchen mit vielen Souvenirshops und Restaurants. Wir wohnen etwas außerhalb des Zentrums. Ein paar Ausgehmöglichkeiten gibt es aber auch in unserer Nähe. So waren Bela und ich am ersten Abend nochmal mit Taschenlampe unterwegs und haben einen Shake getrunken. Eine Schlange haben wir zum Glück nicht gesehen. Es gibt hier in Costa Rica sehr viele Schlangen. 145 verschiedene Arten, viele sehr giftig. Deshalb ist es wichtig mit Lampe rauszugehen, wenn es dunkel ist. Wir lassen es gechillt angehen. Lesen viel, chillen am Pool, gehen zum Strand. Wir besuchen ein Ara-Rettungszentrum. Das ist wunderschön. Leider ist der Volunteer, der die Führung macht, eine Schnarchnase und gestaltet es ziemlich langweilig. Aber die Papageien sind wunderschön.

Abends bummeln wir durch das Zentrum, kaufen ein Souvenir für unsere Sauna, gehen essen und in den Supermarkt. Wir haben eine Kochgelegenheit im Bunglow und brauchen noch etwas zum Frühstück. Es fängt an zu regnen wie aus Eimern, deshalb ist die Kassiererin so nett und ruft uns ein Taxi. Stockfinster ist es nämlich auch bereits ab 17 Uhr etwa…

Irgendwie ist die Luft ein wenig raus. Bela und ich fühlen uns nicht so wohl im Hotel. Wir reden mit Charlene, sie ist so nett und lässt uns ohne Kosten vorzeitig auschecken. Das heißt, wir bleiben eine weitere Nacht und ziehen dann um. Wir besuchen aber vorher noch ein Jaguar-Rettungszentrum, das ein absolutes Highlight ist. Wir dürfen das Gepäck im Hotel lassen und gehen zur Führung um 11:30 Uhr. Wir haben Glück, es gibt eine auf Deutsch. Das ist für Bela immer noch etwas interessanter. Im Rettungszentrum werden verletzte oder kranke Tiere aufgepäppelt und in den meisten Fällen wieder ausgewildert. Luis, ein Volunteer aus Hamburg, macht das super. Er erzählt interessante Dinge über die Tiere und die Arbeit im Zentrum. Eigentlich wollte er nur einen Monat bleiben, das war vor einem halben Jahr. Wir sehen viele Faultiere und erfahren Dinge, die wir vorher nicht wussten. Den Unterschied zwischen einem 2 und 3 Finger Faultier etwa, oder, dass sie 12 Stunden ruhen, 8 Stunden schlafen und sich nur 4 Stunden langsam bewegen und essen. Nur Blätter, deshalb haben sie nicht so viel Energie. Sie nehmen pro Tag etwa 170 Kalorien zu sich, damit müssen sie haushalten. Wir sehen viele Babyfaultiere, die sind wirklich extrem süß. Sie kommen ins Zentrum, weil sie zum Beispiel von der Mutter abgefallen und vom Baum runtergeplumpst sind. Bis die Mutter dann runtergeklettert ist, um es zurück zu holen, vergeht natürlich sehr viel Zeit. Oft wird es dann vorher gefunden und abgegeben.

Wir sehen auch ein kleines Krokodil, welches am Strand gefunden wurde. Das muss allerdings im Rettungszentrum bleiben, da die Regierung verboten hat, es wieder auszuwildern. Es wird erwartet, dass es bis zu 6 Meter lang wird, entsprechend schwierig wird es werden, ihm einen geeigneten Platz zu bieten.

Wir sehen viele Schlangen, die sie hier nur zu Aufklärungszwecken halten. Luis sagt, wenn man vor hat, sich von einer Schlange beißen zu lassen, dann sollte man es hier in Costa Rica tun. Es wird hier sehr viel mit Schlangengift geforscht und dementsprechend gibt es hier weltweit die beste Versorgung mit Gegengiften. Wieder was für „Wer wird Millionr“ gelernt! Das beruhigt mich sehr, dennoch habe ich nicht vor, mich von einer Schlange beißen zu lassen. Weder hier noch irgendwo anders. Ich denke, Mike und Bela sehen das ähnlich.

Wir sehen weitere Faultiere, auch ein wildes, welches gerade durch einen Baum über das Zentrum klettert. Es gibt zahlreiche Babyaffen, mit denen die Volunteers jeden Tag in den Wald gehen, um sie auf das Auswildern vorzubereiten. Interessant ist dabei die Tatsache, dass die Affen sich merken, in welche Tasche ein Volunteer sein Handy steckt und bei plassender Gelegenheit zugreifen. Dann verstecken sie es auf nimmer Wiedersehen in ihrem Geheimlager. Einmal wurde einem der freiwilligen Helfer nach 5 Monaten sein Armband zurückgegeben. Das war jedoch eine Ausnahme. Einen Affen gibt es, der in der Lage ist, Türen zu öffnen, buw. Schlösser zu knacken. So hatte er eines Morgens alle anderen Affen freigelassen. Muss wohl ein heiloses Durcheinander gewesen sein. Danach wurden Zahlenschlösser angeschafft, das war etwas mühsamer für das Äffchen, aber letztenendes auch kein allzu großes Problem. Wir sehen einen kleinen Kaiman und ein Otzelot, welches als Haustier gehalten und dann einkassiert wurde, da das Halten von Wildtieren in Costa Rica verboten ist. Dieser Otzelot ist jedoch schon so sehr an Menschen gewöhnt, dass es nicht lange gedauert hat, bis er nach dem ersten Auswilderversuch wieder im Zentrum aufgetaucht ist. Somit darf er bleiben, damit er nicht in Hotels oder in die Stadt geht. Ein zweiter Otzelot wurde einem Bauern abgenommen, der ihn schwer mit der Machete verletzt hat, so dass er jetzt einen Gehirnschaden hat. Er darf, vielmehr muss, ebenso bis zu seinem Lebensende im Reservat bleiben. Natürlich müssen wir ein Kuschelfaultier kaufen, bevor wir gehen. Das Taxi kommt und es geht los. Gepäck holen und einen Ort weiterreisen. Es geht nach Cahuita. Dort gibt es den gleichnamigen Nationalpark, wo man auch auf eigene Faust durchwandern kann. Das Hotel ist sehr schön, wir werden von Balu, dem Hotelhund begrüßt.

Gleich als erstes zeigt uns Nacho, der nette Mitarbeiter aus Barcelona, ein schlafendes Faultier in der Hecke.

So geht es weiter im Hotelgarten. Es gibt jede Menge Pfeilgiftfrösche, Vögel und Eichhörnchen. Einen Papagei gibt es auch, der wird nur leider manchmal von Balu geschnappt und sieht entsprechend zerrupft aus. Zum Glück macht er jedesmal ein Riesentheater und kann immer in letzter Sekunde gerettet werden. Natürlich hat er ein Trauma!

Obwohl Balu ein Steffordshire ist, habe ich keine Angst vor ihm. Wir haben auf der Reise so viele Hunde kennengelernt, darunter auch Listenhunde, wie sie bei uns heißen, und alle waren freundlich. Balu liebt Bela, ganz besonders seine Füße. Da Bela meist barfuß geht, muss er also schlabberige Kitzelattacken über sich ergehen lassen. Je lauter er quietscht, umso intensiver schlabbert der Hund über die Füße. Best buddies für drei Tage…

Ich finde ein weiteres Faultier im Hotel:

Wir spazieren durch den kleinen Ort, es ist hier etwas beschaulicher und nicht so ganz schlimm touristisch, wie in Puerto Viejo.

Lunch haben wir wieder erst um 16:30 Uhr, dafür sparen wir das Abendessen. Es gibt gutes Selbstgekochtes in einem sehr einheimischen Lokal. Wie so oft ist es Fisch und es schmeckt wie immer sehr lecker. Abends regnet es und wir spielen Karten. Schlafen können wir ziemlich gut. Es ist fast kühl (ich überlege, ob ich einfach nur gut adaptiert bin oder auf dem Weg zum Weichei, weil ich bei 25 Grad gegen Abend anfange leicht zu frieren…das darf man zu Hause bei 10 Grad unter Null keinem erzählen!) Das Frühstück ist prima. Wir haben gelesen, es gebe wohl keinen guten Kaffee in Costa Rica, weil der komplett exportiert wird und nur der minderwertige Kaffee im Land bleibt (so ähnlich wie in Argentinien das Rindfleisch). Das können wir nicht bestätigen. Ich trinke ab und zu wieder Kaffee und habe damit hier erst wieder angefangen, gerade weil der Kaffee so gut ist. Wir brechen früh auf. Heute steht eine Tour im Nationalpark an, wir wollen nicht zu spät hin, wegen der anderen Touristen. Die sind ja bekanntlich oft laut und vertreiben die Tiere. Da fällt mir ein, dass wir schon länger keine Chinesen mehr gesehen haben. Ist wohl nicht so die Region für Chinesen. Liegt nicht auf der „Taj Mahal – Eifelturm – Oktoberfest – Gran Canyon – Achse“. Wir müssen einen Obulus entrichten und uns in ein Buch eintragen. Ein privater Guide steht auch schon parat, obwohl wir ihn nicht eingeplant haben. Wir entscheiden uns für eine Tour mit ihm, verhandeln noch ein wenig über den Preis und haben schon nach 10 Minuten lauter Tiere gesehen, die wir ohne ihn niemals bemerkt hätten. Wir sehen Leguane, Vögel, Spinnen und natürlich viele Faultiere. Ein paar Affen sehen wir auch, doch dann fängt es leider an zu stürmen und zu regnen. Wir gehen an Stränden entlang, der Sand ist braun und das Wasser auch. Überall weht die rote Flagge. Gut, dass wir uns für hier keinen Strand vorgenommen haben. Der Wind wird stärker. Der Guide sagt, es sei das Wetter, bei dem Schlangen fliegen können. Mir wird komisch. Er lacht. Wir kommen an einem Termitenbau vorbei und Bela erklärt ihm, wie Termiten schmecken. Er erklärt uns, dass die Ureinwohner Termiten zwischen den Händen zerrieben und als Moskitoschutz benutzt haben. Hätte ich das mal früher gewusst… Meine Korallenverletzung ist zwar viel besser geworden, aber die 1 Millionen Stiche machen mir sehr zu schaffen. Wir kommen an einen Fluss, dort gibt es Krokodile. Heute aber nicht. Der Regen wird stärker. Der Guide veraschiedet sich. Die restlichen Tiere auch. Schade. So im Nachhinein, zurück in sicherem Terrain, hätte ich mich auch über eine Schlange gefreut. Eine kleine. Nicht so giftig. Ziemlich nass gehen wir zurück ins Hotel. Dort sehen wir wieder mehr Tiere. Balu hat wieder den Papagei in der Schauze und die Putzfrau rennt schreiend hinterher. Wir schreiben Blog und Tagebuch, spielen Karten und lassen es locker angehen. Wir haben Wäsche in der Wäscherei, die holen wir nach dem Dinner. Die Wäscherei gehört Joe. Er ist der letzte Cowboy von Cahuita. Und wahrscheinlich der dickste. Ich hoffe nicht, dass er auf den recht elend aussehenden Pferden, die am Haus im Matsch stehen, reitet. Er kann kaum laufen. Wir sehen ihn abends im Costa Rica Magazin. Scheint eine Institution zu sein. Ein Unikum auf jeden Fall. In der Nacht regnet es wieder. Am Vormittag auch. Wir schnappen uns Schirme und gehen zum Busterminal. Wir haben noch keine Tickets für den Bus nach San Jose. Wir müssen nicht lange überlegen, wie wir zum Flughafen kommen. Ein Shuttle kostet 260 Dollar und der Bus für uns alle 27! Wir bekommen Tickets für 13:30 Uhr. Das passt uns gut, Checkout ist erst um 12 Uhr. Wir hassen frühes Reisen und versuchen es zu vermeiden, wo es nur geht. Unser Flug nach Havanna ist am Sonntag um 11:45 Uhr. Auch das passt uns gut. Nachmittags schlendern wir in die andere Richtung am Strand entlang. Auch hier ist es wieder ziemlich braun und wirkt auf uns nicht einladend. Es gibt einen Trainingspark direkt am Ufer, der ist ziemlich genial improvisiert und total cool. Bela muss natürlich alles ausprobieren. Nebenan ist eine Reggaebar, die muss ich erstmal ausrobieren. Das Mädel, was dort arbeitet, hat den „Hausfrauenblick extrem“, rechts nach der Wäsche und links nach den Kindern. Gleichzeitig! Ich kann mich einfach nicht entscheiden, auf welches Auge ich mich konzentrieren möchte und hoffe, sie merkt es nicht. Dann kommt Bela und starrt sie an. Gefühlte 15 Minuten lang. Auch nicht so schlimm. Sie kann ja mit einem Auge weggucken 😉 In der letzten Nacht haben wir eine (EINE) Mücke im Zimmer. Ich habe jedoch 7 neue Stiche. Mike vermutet, die Mücke hat Bulimie. Das wäre eine Erklärung. Die Hotelbesitzerin fährt uns mit ihrem spanischen Auto (sie hat es mit dem Schiff geschickt) zum Busbahnhof. Wir brauchen 4 Stunden bis San Jose. Es regnet, somit fällt der Abschied nicht schwer. Von Costa Rica hatten wir uns mehr versprochen. Es dämmert, als wir in der Hauptstadt ankommen. Mega gefährlich ab 18 Uhr. Also bloß noch Hotel und schlafen. Shuttle zum Flughafen ist bestellt. Leider kommen wir nicht so schnell ins Bett, wie wir möchten, da wir im Zimmer eine Überflutung haben. Es dauert ziemlich lange, bis das Wasser weg ist. Wir spielen Bohnanza. Dummerweise google ich jetzt noch Bewertungen über die kubanische Fluggesellschaft, mit der wir fliegen werden und bin auf das Schlimmste vorbereitet. Es werden regelrechte Warnungen ausgesprochen mit denen zu fliegen. Verspätungen waren da noch die harmloseren Schwierigkeiten…Am Flughafen dann geht alles wirklich fix. Wir haben uns auf Schwierigkeiten eingestellt. Aber weder Ausreisesteuer noch die Touristenkarte für Kuba sind ein Problem. Die Ausreisesteuer dürfen wir mit den restlichen Colon und mit Kreedtikarte im Mix bezahlen. Die Touristenkarten für Kuba nur in bar. DAs habe ich zum Glück noch. Ist hier günstiger, als in Deutschland, wo sie 27 Euro kosten. Hier nur 20 Dollar. Auch die Stempelsache klappt gut. Ich frage wieder seh nett, ob sie Belas Stempel in eine Lücke quetschen können. Die nette Dame sagt daraufhin, sie kann ihn auch weglassen. Okay…So sitzen wir kurze Zeit später, traumabedingt, eine Stunde vor Abflug am Gate und langweilen uns. Wir werden sehr nett über eine 30 minütige Verspätung informiert und mir fallen die Bewertungen wieder ein. Ich kann mich jedoch nicht beschweren. Klar, wir wurden schon komfortabler transportiert (Emirates A380 Business Class), aber auch schon erheblich schlechter (Kuwait Airlines – blöderweise Langstrecke). Der Service ist gut, wir haben sogar ziemlich viel Platz und der Flug vergeht rasch und ist entspannt. Nun heißt es:“ Havanna, wir kommen!“