Coromandel und weiter….

Wir fahren von unserem kostenlosen Schlafplatz (nachdem ich nahezu die ersparte Summe in Kaffee, Chai Latte und Frühstücksteilchen ins Cafe gebracht habe) weiter in Richtung Coromandel Halbinsel. Wir halten in Thames und besuchen eine stillgelegte alte Goldmine. Die Führung ist interessant und wir lernen einiges, zum Beispiel wie hart das Leben und Arbeiten hier gewesen sein muss. Die Jungs haben nach der Schule, so mit 14 Jahren etwa, angefangen in der Mine zu arbeiten und die mir Steinen beladenen Lohren hochzuschieben. Auf diese Weise haben sie Muskeln bekommen und waren als Rugbyspieler gut zu gebrauchen.                                                                      Die Landschaft ist unglaublich schön hier. Wir fahren direkt an der Küste Richtung Norden.

Wir fahren nach Coromandel Town. Das ist ein Städtchen wie aus dem Filmstudio. Man könnte fast denken, dass man die stützenden Balken sieht, wenn man die Hauptstrasse verlässt und hinter die Fassaden guckt. Eigentlich haben wir bisher viele solcher Orte gesehen. Es ist echt süß hier. Wir fahren ein Stück weiter an eine kleine Bucht und haben Picknick. Mike angelt. Kaffeetrinken fällt aus, weil wir feststellen, dass der Herd im Wohnmobil nicht mehr funktioniert. Kümmern wir uns morgen drum. Wir sind fast alleine, leider ist hier overnight Camping verboten. Die Jungs baden. Mike angelt weiter. Zurück in Coromandel City finden wir  einen schönen Platz in Stadtnähe. Wir bummeln noch ein bisschen, machen Sport und kochen.

Am nächsten Tag machen wir einen Abstecher zu einer Touristenattraktion. Normalerweise stehen wir da nichtso drauf,  diese wurde jedoch wärmstens von allen Seiten empfohlen und hat sich wirklich gelohnt. Wir fahren mit einer kleinen Eisenbahn. Mit der Driving Creek Railway.

Diese Schmalspurbahn wurde in den sechziger und siebziger Jahren von dem Töpfer Barry Brickell in mühevoller Arbeit und vielen Hindernissen selbst gebaut. Sie hat eine Steigung von teilweise bis 7%. Sie erklimmt einen Höhenunterschied von 110 Metern. Es gibt sogar eine Doppelstockbrücke. Er baute sie zunächst, um an besseren Lehm zu gelangen und diesen auch abzutransportieren. Später wurde es zur Touristenattraktion umgewandelt und zuletzt ein großer Aussichtsturm gebaut. Als er vor einem Jahr starb, wurde er ein letztes Mal mit der Bahn auf den Berg gebracht und dann auf der Strecke begraben.


Es geht es weiter auf die andere Seite der Halbinsel nach Whitianga. Die Fahrt ist wieder mit spektakulärer Aussicht verbunden.

Die Stadt ist etwas größer, angeln an der Marina leider verboten. Also bummeln wir ein bisschen. Trinken in einem Ökocafe Chai Latte und Flat White (das ist Milchkaffee), die Kinder essen leckeres selfmade Beereneis, die Bedienung hat Haare unter den Achseln, Bela ist entsetzt, er findet das altmodisch…    Wir finden einen ausgefallenen Klamottenladen und schauen uns um. Ich frage, ob es hier einen Campingplatz in der Nähe gibt, weil wir gerne für eine Nacht bleiben würden. Sie schickt uns auf eine Art Farm. Es gibt eine große Wiese direkt am Strand,  wo man sich mit einem selfcontained Campervan für 10 Dollar pro Nacht hinstellen darf. Schwierig, weil doch unser Herd immer noch nicht funktioniert. Wir versuchen es bei einer Tankstelle. Die können uns leider nicht helfen.  Wir fahren erstmal zur Farm. Schließlich haben wir genug Vorräte, dann gibt es eben Sandwich. Der Platz ist super. An einer hübschen Bucht gelegen, hinter uns ein Fluß, der ins Meer fließt. Wir parken direkt vor dem Strand. 

Ich frage unseren Nachbarn, der gerade seinen Bus streicht und so aussieht, als würde er hier wohnen, ob er uns mit dem Herd helfen kann. Er ist sehr nett, gibt alles, kriegt es aber auch nicht hin. Er muss nachher sowieso nochmal weg, wir sollen einfach bei ihm kochen. Außerdem sollen wir doch seine Kayaks ausleihen, dann können wir durch die Bucht paddeln und ein Stück den Fluß hoch. Mike steht übrigens bereits mit der Angel im Wasser. So genießen wir den Tag mit planschen, Kayak fahren, lesen, Sport und angeln. Wir kochen in Nachbars Küchenbus, wieder gibt es keinen Fisch. Er hat zwei Busse. Einen zum Schlafen und chillen mit selbstgebauter Terrasse zum Wasser hin und einen zum Kochen und Fernsehen.  Er lebt seit 7 Monaten permanent hier und zahlt nur 5 Dollar pro Nacht. Er begrüßt jeden Morgen das Meer mit:“ good morning beauty“ Die Jungs malen Bilder als Dankeschön.

 Als er aus der Stadt zurück kommt, laden wir ihn auf ein Glas Rotwein ein und plaudern noch etwas. Leider verstehen wir nicht alles, der Neuseeland Slang ist gewöhnungsbedürftig, vor allem nach Rotwein. Frühstück gibt es natürlich mit Meerblick, Kaffeewasser gibt’s vom netten Nachbarn. Danach geht’s zum Hotwater Beach. Das ist ein Abschnitt am Meer, wo es unterirdische heiße Quellen gibt. Wir leihen einen Spaten und lassen Mike schippen,  weil er hier nicht angeln kann. 

Wir müssen echt aufpassen und testen, bevor wir reinhüpfen. Das Wasser ist teilweise 60 Grad und heißer.  So ein richtiger Fan davon bin ich nicht. Es ist ziemlich heiß und die Sonne brennt auch noch. Wenn man sich in die Löcher legt, ist alles voll mit Sand und abwaschen in den Wellen führt zu noch mehr Sand überall. Die Duschen am Parkplatz sind hingegen so kalt, dass man sich auch nicht so richtig gut vom Sand befreien kann. Bela hatte Spaß,  also wars schön.

Levi surft indessen, die Wellen sind wohl ganz gut.

Weiter geht’s in Richtung Süden, grobes Ziel Roturua mit Stopp am Meer, zwei Nächte bitte, wir haben große Wäsche… und einen Tag nicht geangelt. Wir landen schließlich in Waihi Beach.

Auch hier sind wir wieder fast alleine. Die Kiwis haben noch keine Ferien und die Hauptsaison hat noch nicht begonnen. Der Campingplatz Bowentown ist direkt am Meer, wir buchen uns für zwei Nächte ein und starten gleich zwei Waschmaschinen auf einmal. Mike angelt:

In der Nacht regnet es, ich glaube das erste mal seit wir mit dem Wohnmobil unterwegs sind. Aber richtig. Zum Glück in der Nacht. Mein Albtraum ist es nämlich mit 5 Leuten im Regen im Wohnmobil festzusitzen und sich dann an die Gurgel zu gehen. Die Stimmung ist noch ganz gut, klar ist es ab und zu schwierig, wenn es nicht rund läuft. Wir gehen uns manchmal ein bisschen auf den Keks,  aber im Großen und Ganzen klappt es ganz gut.                                                                                            Am nächsten Morgen scheint die Sonne,  als wäre nichts gewesen. Der Rasen um unseren Platz schwimmt jedoch. Wir baden und surfen (also nicht auf dem Rasen, sondern im Meer), buchen uns das Spa für heute Abend und kaufen Köder zum Angeln. Gefroren. Makrele und Squid. Ich sehe die im Campingplatzshop und wollte sie zum Grillen kaufen, sind allerdings nicht zum Verzehr geeignet. Na gut, wir warten weiter auf den kapitalen Fang. Dafür klettern wir mit Angel und Köder in die Nachbarbucht. Mike angelt, Bela und ich vertreiben die Möwen, die an den Köder wollen. Es ist wirklich schön hier, nur wir, die Möwen, der halb aufgetaute stinkende Köderfisch, stinkende Finger und Fische, die aus dem Wasser zurückwinken, statt anzubeißen. Abends im Spa erholen wir uns vom Nichtstun bei 40 Grad im Blubberbecken, bis der Kreislauf versagt. Langsam wird es zwischendurch anstrengend. Wir merken was wir vorher schon geahnt haben, Reisen ist anders als Urlaub. Es ist übrigens Donnerstag, der 30.11. Das muss ich im Kalender nachschauen. Das Gefühl für Zeit und Wochentage ist komplett verschwunden. Nach zwei Nächten und sauberer Wäsche, fahren wir in Richtung Roturua weiter und machen uns über den Namen lustig. Auf dem Weg besuchen wir eine Kiwifarm,  Ups…Verzeihung…eine Kiwifruchtfarm! 

Wir entscheiden uns gegen die Tour, weil sie zu teuer ist. Stattdessen vergnügen wir uns beim tasting. Was man alles aus Kiwifrüchten machen kann, ist schon nett. Marmelade, Relish, getrocknete Kiwifrüchte gelb und grün, Bonbons, Creme, Seifen und noch vieles mehr. Kiwisaft haben wir zum ersten mal getrunken, der ist super. Wir sehen die Kartons, die bei uns im Edeka auch stehen und wissen nun, wo die Kiwis herkommen.

Voll bepackt mit gesundem Kram (die Bonbons sind ja schließlich aus Obst und die Marmelade ebenfalls) fahren wir weiter nach Roturua. Fahren dauert hier ewig. Wenn man in Deutschland für 250 km circa 2 Stunden braucht, sind es hier 4 bis 5 Stunden mit Kotzgarantie. Und es gibt hier so viele Pilonen, wie im Rest der Welt zusammen wahrscheinlich. An jeder Kleinstbaustelle stehen ein paar Tausend davon rum. Wir entscheiden uns in Roturua auf einem Campervan Overnight Parking zu übernachten. Das gibt es in manchen Orten, da darf man dann kostenlos zwischen ein und vier Nächte bleiben, wenn man einen selfcontained Campervan hat. Zum Glück sind wir früh dran,  denn diese Plätze sind natürlich beliebt. Wir erwischen den vorletzten freien Platz. Es ist ein ganz normaler Parkplatz, wir müssen Tisch und Stühle vor dem Auto aufbauen, weil daneben kein Platz ist. Dafür kostet es nichts. Was auch nichts kostet, ist die hervorragende Luft hier in Roturua. Ein heiliger Ort für die Maori wegen der heißen Quellen. Schwefelquellen. In der ganzen Stadt riecht es, nein pardon, stinkt es, nach faulen Eiern. Man gewöhnt sich dran, so sagt es der Reiseführer. Wir haben darauf gewartet….es hat einfach weitergestunken. Wir bummeln durch die Stadt, es gefällt uns gut. Wir gehen in den Park. Es gibt viele Crockettfelder mit akurat gepflegtem englischen Rasen. Überall stehen Betreten verbiten Schilder. Wobei man aufgrund des Zustandes und der klar erkennbaren Bestimmung und Abpserrung sowieso nicht darauf herumtrampeln würde. Bis ein paar Chinesen  (lange haben wir keine gesehen, aber hier gibt es wieder das übliche Programm: heute Roturua,  morgen Sydney Opernhaus, übermorgen München Weihnachtsmarkt) über den Rasen latschen. Rufen der Crockettspieler hilft nicht. Brüllen und pfeifen auch nicht. Sie latschen einfach weiter. Bis ein Ball fliegt.  Dann erschrecken sie sich und raffen es. Etwas weiter gibt es ein Fußbadebecken mit 40 Grad heißem Wasser. Da wir heute nicht duschen können, haben wir danach wenigstens saubere Füße. 

Wir buchen für den nächsten Tag ein paar Events. Levi und Azul fahren nach Hobbiton, Mike und Bela düsen auf Seifenkisten einen Berg runter und ich verschwinde für drei Stunden alleine ins Polynesian Spa, lege mich in das stinkende heiße Wasser und genieße die Ruhe. Kinder sind hier nämlich verboten. Ich fand schon immer Angebote ohne Kinder gut. Auch Hotels, in die man keine Kinder mitbringen darf, finde ich großartig. Für zwischendurch zum Auftanken ist das ein tolles Angebot. Wenn man so lange (wie sagt Levi) 24/7 auf engstem Raum zusammen unterwegs ist, lernt man solche Sachen zu schätzen. Ansonsten bin ich jedoch ein absoluter Kinderfreund. Im übrigen kann man hier nicht angeln. Der See ist heiß und stinkt, Fische gibt es hier keine. Langsam fangen wir an, uns um die Fähre auf die Südinsel zu kümmern. Das großzügige Angebot über die Wohnmobilvermietung günstiger zu buchen, haben wir abgelehnt, weil es komischerweise deutlich teurer gewesen wäre und wir uns weit im voraus auf einen Termin hätten festlegen müssen. Also buchen wir über die Homepage der Fährgesellschaft am 1.12. für den 5.12. (in der Hochsaison ist das wahrscheinlich nicht möglich) und fahren weiter in Richtung Wellington. Heute erstmal so weit wir kommen. Wir brechen gegen 16 Uhr in Roturua auf und haben gute 400 km vor uns.

Wir kommen am Schicksalsberg aus Herr der Ringe vorbei. Das Wetter ist ekelig, es geht runter bis auf 10 Grad und es regnet. Genau richtig um Kilometer zu machen. Wir schaffen es bis Bulls, wieder eine von diesen Filmkulissenstädtchen, wo man nicht tot über dem Lattenzaun hängen möchte. Viele Einwohner haben wahrscheinlich die gleiche Blutgruppe 😉 Es ist circa 150 km vor Wellington. Wir stellen uns auf einen Parkplatz, kochen und versuchen zu schlafen. In der Stadt ist eine Party, es ist laut, leider will keiner mit mir feiern gehen. Am nächsten Morgen, es ist Sonntag, gehen wir ausnahmsweise frühstücken, weil Levi und Azul noch schlafen. Carrotcake zum Frühstück ist keine gute Idee, mir ist den ganzen Tag schlecht. Das hat man dann davon!                                                            In Wellington gibt es auch so einen kostenlosen Platz direkt an der Marina, 15 Minuten mit dem Bus von der Innenstadt entfernt. Wir parken, beschließen,  die Fähre auf morgen vorzuverlegen, falls das geht. Ein Tag Wellington reicht uns. Wir gehen ins Te Papa Museum, das Nationalmuseum von Neuseeland. Te Papa ist Maori und heißt übersetzt „der Ort der Schätze des Landes“. Ausgestellt wird u.a. die Entwicklung und Geschichte Neuseelands. Wir fanden es super interessant gestaltet. Direkt daneben in einem Park findet am Wochenende immer die Extravaganza statt. Eine Art Hippiekirmes.

Wir fanden es ganz lustig und sind ein bisschen dort geschlendert. Danach gings in die Cuba Street. Dort pulsiert das Leben hier in Wellington. Es gibt zahlreiche Geschäfte aller Art und viel Restaurants und Pubs. So sind wir auch erstmal schön hier hängen geblieben. Kein Bier vor 4 ? Kein Problem um 16:10!

Danach haben wir uns einen anderen Pub gesucht und sind ausnahmsweise mal Essen gegangen.

In der Zwischenzeit kam die Zusage von der Fähre, es ist für alle in Ordnung nur einen Tag in Wellington zu bleiben. An der Marina darf man eh nicht angeln, also starten wir am nächsten Morgen früh zu den Weta Cave Studios. Dort wurden zum Beispiel für die „Herr der Ringe“ Verfilmung Prothesen, Waffen, Rüstungen, Kreaturen und größere Miniaturen in größtenteils Handarbeit hergestellt. Weta war auch an King Kong, Avatar, Tim und Struppi, der Hobbit, den Chronisten von Narnia und vielen anderen beteiligt. Einer der Inhaber ist Peter Jackson. Begrüßt wird man direkt am Eingang von drei Bergtrollen aus Herr der Ringe. Es gibt ein kleines interessantes Museum, logischerweise sämtliche Dinge zu kaufen ( u.a. einen lebensgroßen Gollum für 4000 Dollar). Alles dort in Handarbeit gefertigt und nichts billig aus Fernost. Den Kindern sind fast die Augen aus dem Kopf gefallen. Zum Glück haben wir keinen Platz im Gepäck. Wir sehen einen Film über die Entstehung und Entwicklung dieser Studios und einen Blick hinter die Kulissen einiger Filme.

Wir verlassen die Nordinsel mit vielen schönen Eindrücken im Gepäck!                                                           

Ein Gedanke zu „Coromandel und weiter….“

  1. Hallo Mike, ich hoffe die Nachricht erreicht euch. Es macht total viel Spaß euch zu folgen. Tolle Bilder und super geschrieben. Ich weiß ja nicht wie das mit der Weihnachtsstimmung bei euch ist. Möchte es aber nicht versäumen euch trotzdem schöne Weihnachten und einen guten Rutsch ins neue Jahr zu wünschen. Weiterhin alles gute für dich und deine Familie. Viele neue tolle Eindrücke und eine super Zeit. Aber ich denke da braucht man sich keine Sorge zu machen. Ich würde sagen alles richtig gemacht. Viel Spaß noch und liebe Grüße aus Melsungen wünscht euch Heidi Dippel

    Like

Hinterlasse einen Kommentar