Argentinien oder die Suche nach dem perfekten Steak

Die Woche in Deutschland vergeht ganz schnell  und war super. Mike und Bela haben am Strand von Villa Gesell auch ohne mich eine tolle Zeit mit chillen und Spaß am Meer.                                             Ich fliege am 31.12. um 22 Uhr los, das bedeutet soviel wie: Silvester Party mit der Lufthansa. Der Flughafen in Frankfurt ist gespenstisch leer, ebenso der Flieger.

 

Um 23.30 Uhr teilt der Purser Pommery aus, die Stewardess dazu die Plastikbecher, die aber nur kurze Zeit später der Purser mit hektischem Kopfschütteln gegen Glas austauscht.

So sitze ich um 0:00 Uhr alleine mit dem Champus in Sitzreihe 23, stosse mit mir an, wünsche allen Gesundheit für 2018 und vergieße ein Tränchen. Ich habe Wolkenwlan, verschicke Nachrichten und bekomme auch  ganz viele. So fühle ich mich nicht ganz so alleine. Dann schlafe ich. Da ich Sitzreihe 23 für mich alleine habe, kann ich es mir im Liegen schön gemütlich machen und schlafe bis zum Frühstück. Alles klappt gut. Der Umstieg in Sao Paulo diesmal auch. Ich sitze wieder als erste am Gate, ohne Pipipause. Ich habe ein Trauma. In Buenos Aires geht auch alles fix, ich werde nicht mal gescannt oder muss eine Einreisekarte abgeben. Ob das am Feiertag liegt oder am kleinen Flughafen, weiß ich nicht. Ich verbringe zwei lustige Stunden mit Maria ( Azuls Mama, die mich besuchen kommt). Weil ich verschiedene Flüge gebucht habe, muss ich mein Gepäck holen und neu einchecken. Natürlich bin ich wieder überpünktlich am Gate. Leider hat der Flug aus unbekannten Gründen 3 Stunden Verspätung und da ich schon ziemlich lange unterwegs bin, ist mein Hals entsprechend angeschwollen. Es bleibt mir also nichts anderes übrig, als mich mit Brandon aus Denver an der Theke des Hardrockcafes (wo mein Handy zum Laden liegt) zu betrinken. Es macht ihm Spaß mit einer Deutschen Bier zu trinken…Der Flug vergeht dann schnell, ich bin müde und will endlich ankommen. Einen Aufreger hatte ich selbstverständlich noch, abgesehen davon, dass die Airline das allerletzte war. Ich trinke seit Vietnam keinen Kaffee mehr, also bestellte ich mir im Flieger einen Tee. Ich bekam: Kamillentee! Wer mich kennt, weiß meine Aversion gegen Kamillentee. Ich hätte brechen können. Und dann keine Blume in der Nähe zum Wegschütten. Und keine Kinder zum Verfüttern. Es war ekelhaft. Kamillentee im Flugzeug, wo gibt´s denn sowas? Ich lande in Mar del Plata und muss noch 100 Km weiter. Da wir soviel Verspätung haben, fährt jetzt kein Bus mehr. Also fährt mich Juan mit seinem Taxi.

Als ich endlich da bin, ist die Freude riesig. Kurz duschen und dann geht es los. Mit Azul und ihrem Bruder gehen wir aus. Bela hängt die ganze Zeit an mir. Logisch. Ich schaffe es nicht lange. Es ist bereits 23 Uhr und ich habe den dritten Jetlag innerhalb einer Woche. Mein Facebook Post mit dem Titel „endlich Urlaub“ stösst auf Unverständnis. Wer noch nie so gereist ist, wie wir es gerade machen, kann das auch nicht verstehen. Ich genieße diese vier Tage am Strand mit chillen und Organisation der Weiterreise.

Das Örtchen ist wirklich schön. Die Häuser sind ganz süß und die Straßen aus Sand. Dementsprechend sieht man nach kurzer Zeit auch aus. Die Füße durch die Schuhe dreckig.

Am 5. Januar fahren wir mit dem Bus nach Bahia Blanca, von dort geht am 6. Januar der Flug nach Ushuaia. Die Busse sind komfortabel und die 600 Kilometer vergehen erstaunlich schnell. Bahia Blanca ist eher nicht zu empfehlen, wir sind froh, dass wir hier nur einmal übernachten. Am Abend gehen wir aus, immernoch auf der Suche (wie der Titel schon sagt) nach dem perfekten Steak. Das hatten wir in 2014 in Argentinien auch schon nicht gefunden. Es hieß immer, in Argentinien kriegst du in jeder Eckkneipe besseres Steak, als bei uns im teuersten Steakhaus. Stimmt nicht. Das können wir sagen. Wir haben schließlich überall gesucht und probiert. Hier hat man lieber große Fleischfetzen auf dem Teller. Es wird mit wenig Glut sehr lange gegart und somit ist der Muskelkater im Kiefer ein treuer Begleiter. Auch in Bahia Blanca werden wir nicht fündig. Mike bekommt wieder leckere Extras, weil er Vegetarier ist und Bela und ich knabbern und kauen was das Zeug hält. Auf dem Rückweg zum Hotel stossen wir noch auf eine Laufveranstaltung, bei dem sogar der Weihnachtsbaum mitrennt:

Mit dem Reisetag will ich nicht schon wieder nerven. Nur so viel. Wir sind gut in Ushuaia angekommen:

Wir gönnen uns ein bisschen Luxus, den ersten richtigen auf dieser Reise, bevor wir dann für 4 Wochen im Jeep und Dachzelt unterwegs sein werden.

Wir haben ein sehr schönes Hotel auf dem Berg mit tollem Blick auf die Bucht mit dem Beagle Kanal. Es gibt einen kostenlosen Shuttle in die Stadt, den wir nach einer Ausruhpause in Anspruch nehmen. Wir gucken uns ein bisschen um und verschaffen uns erstmal einen Überblick. Die Stadt ist nicht so hübsch, nimmt uns aber dennoch gefangen. Irgendwas hat sie, wir können es nicht beschreiben. Auf jeden Fall wird es hier nicht dunkel, am offiziellen Ende der Welt. Um 22 Uhr entsteht folgendes Bild:

Wir werden auch hier nicht das perfekte Steak finden und beschließen, die Suche voerst zu beenden. Müde werden wir jedoch auch nicht.

Der Blick auf den Beagle Kanal. Wir sehen sogar Albatrosse, einfach so, hier an der Promenade. In Neuseeland sind wir extra kilometerweit dafür gefahren, um dann nur einen zu sehen.                          Der nächste Morgen beginnt mit Frühsport:

Bogenschießen steht auf dem Programm. Erst auf Zielscheiben, dann auf Pappbiber im Wald. Meine Männer sind sehr erfolgreich. Hätten sie soviel Erfolg nur mal beim Angeln gehabt… Danach folgt ein bisschen Wellness und dann geht es mit dem Shuttle wieder ins Städtchen. Wir wollen in ein Museum, wofür es gestern Abend schon zu spät war. Es heißt Galeria Tematica und zeigt die Geschichte Feuerlands und deren Ureinwohner. Wir bekommen Kopfhörer mit Erklärung und dürfen uns in manchen Bereichen auch fotografieren. Bela hatte übrigens Spaß, er wollte nur authentisch sein und mitleiden. Daher sein Gesichtsausdruck.

Es ist ein tolles Museum, super gut gemacht und sehr informativ. Wir waren begeistert. Im Souveniershop nebenan finden die Jungs auch endlich einen passende Matetasse. Vater und Sohn trinken das Zeug mit Begeisterung. Ich finde es scheußlich. Wenn ich jedoch die hungerstillende Wirkung merken würde, würde ich das Zeug auch saufen…                                                                      Wir schauen nochmal am Beagle Kanal, fahren zum Hotel und lassen den Blick vom Balkon aus schweifen:

Am nächsten Morgen starten wir zu einer kleinen Wanderung vom Hotel aus. Es geht den Berg ein Stück hoch, über eine Skipiste zu einem Hochmoor. Wir sinken ein und kriegen nasse Füße.

Der Blick von hier aus ist fantastisch. Wir laufen im T-Shirt rum und haben trotzdem ein bisschen Skiurlaub Gefühle. Die Luft riecht einfach nach Berg. Für den Nachmittag haben wir eine Katamaranfahrt auf dem Beaglekanal gebucht. Wir wollen Kormorankolonien und Seelöwen sehen, außerdem den Leuchtturm am Ende der Welt. Das Wetter ist lustig. Nix, worauf wir uns irgendwie einrichten oder gar verlassen können. Das bedeutet für die Zeit auf dem Schiff anziehen, ausziehen, im stetigen Wechsel. Entweder brennt die Sonne erbarmunglos oder es fegt ein eisiger Wind mit etwas Regen. Alles in allem haben wir aber viel Glück mit der Witterung.

Die Kormorane stinken ganz schön…

Der Leuchtturm am Ende der Welt. Es hat ein bisschen gedauert, bis alle anderen Boote hinter der Insel verschwunden waren, so dass ich ein schönes Bild machen konnte.



Es ist egal, wo wir auf dieser Welt mit einem Boot unterwegs sind, irgendwann endet Bela immer beim Kapitän und darf steuern:

Dieser Trip hat sich wirklich gelohnt, es war super schön. Danach erfüllen wir gerne Belas Wunsch und gehen in die Icebar. Super Idee um 18 Uhr mit leerem Magen. Mike und ich müssen Eintritt bezahlen, Bela ist kostenlos.

Dafür dürfen wir verkleidet bei minus 17 Grad für 30 Minuten trinken was rein geht. Auf gut deutsch: Druckbetankung 😉 Wir entscheiden uns für Tequila Sunrise und schaffen eine Menge. Außer uns ist niemand hier, wir haben also die ungeteilte Aufmerksamkeit des Barkeepers. Bela trinkt Sprite.

Wir haben echt viel Spaß. Das hätten wir nicht gedacht. Länger als 30 Minuten schafft man aber auch nicht. Es ist schweinekalt, sogar die Gläser sind aus Eis:

Als wir fertig sind, hat Bela zwei Probleme: besoffene Mutter und besoffenen Vater 😉  Also gehen wir ins Restaurant zum Abendessen und machen mit Rotwein weiter. Wenn schon, denn schon!

So geht die Zeit in Ushuaia zu Ende. Wir haben es echt genossen.  Wir freuen uns auf unser nächstes Abenteuer: Mit dem Amarok und Dachzelt 4000 Kilometer durch Feuerland und Patagonien bis nach Buenos Aires!

Ein Gedanke zu „Argentinien oder die Suche nach dem perfekten Steak“

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