Kreuzfahrt oder Fluch der Karibik ?

Belas Wunsch war uns Befehl: am 20.3.2018 um 20:59 Uhr ist Check In auf der MSC Armonia im Hafen von Havanna. Da unser Taxifreund Abel so pünktlich im Hotel war und wir so gut durchgekommen sind, checken wir bereits um 19:30 Uhr ein und keiner merkt es. Wir haben eine Balkonkabine, die gab es zum Sonderpreis. Es geht von Havanna nach Jamaika, Grand Cayman und Mexiko, wo wir unsere Weltreise beenden werden. Karibik-Kreuzfahrt hört sich teuer an, allerdings sind wir ja schon vor Ort, brauchen daher keinen Flug und haben wieder mal Glück, indem wir dieses Megaschnäppchen für 447 Euro (für uns drei!) gefunden haben, das es uns möglich machte, uns nach einer so langen Reise noch eine Karibik Kreuzfahrt leisten können. Das war wirklich ein Glücksschnäppchen. Allerdings ohne Getränkepaket und die Ausflüge organisieren wir selber. Dass wir der Kleiderempfehlung nicht entsprechen können (und wollen), brauche ich an dieser Stelle wohl nicht erwähnen. So günstig hätten wir kein Hotel bekommen und hier haben wir Vollpension! Das Essen überrascht uns. Es ist alles super lecker, frisch und hübsch anzusehen. Am meisten freue ich mich über:

Jawoll. Brot. Richtiges Brot meine ich. So welches gibt es nur in Deutschland. Schwarz und Vollkorn. So hart, dass man damit Fensterscheiben einschmeißen könnte. Sehr geil! Das ist das einzige – abgesehen von ein paar lieben Menschen – was mir auf der Reise wirklich gefehlt hat. Brot kann keiner, außer uns!

Zum Schiff erkunden bin ich zu müde und schicke die Männer alleine los. Wir sind morgen noch den ganzen Tag in Havanna und machen mit Abel eine Tour. Mike ist überrascht vom Schiff und der Atmosphäre. Darüber bin ich sehr erleichtert, weil ich dachte mich verhört zu haben, als er sich damit einverstanden erklärt hat. Niemals würde er so ein Schiff betreten, das wäre das allerletzte…Nun gefällt es ihm sogar noch. Unglaublich.

Wir lernen Lester aus Kuba kennen. Er ist ein total lustiger Mensch und wir haben immer viel Spaß, wenn wir ihn treffen.

Wir schlafen super gut. Endlich mal wieder Federbetten. Das Frühstück ist auch der Hammer. Nur die Rettungsübung ist wie immer langweilig, das nehmen wir aber vor dem Ausflug noch mit (ich schaffe es sogar mittlerweile unseren Taxifahrer auf spanisch eine halbe Stunde nach hinten zu verschieben), dann haben wir das hinter uns. Dass das eine gute Entscheidung war, werden wir bei der Durchsage um 22:45 Uhr erfahren, denn dann sollen alle hin, die noch nicht dort waren. Wir liegen bereits im Bett!

Abel ist pünktlich und fährt uns zu Hemingways Ferienhaus. Es ist jetzt ein Museum und ein sehr schöner Ort. Erinnerungsfetzen tauchen in meinem Gedächtnis auf. Ich war 1990 schon mal hier und fand es schon damals toll. Hemingway hat hier zwischen 1939 und 1961 sehr viel Zeit verbracht:

Die Villa ist etwa 15 Kilometer von Havanna entfernt auf einer Anhöhe der Ortschaft San Francisco. Man hat einen traumhaften Blick über die Hügel und Havanna bis zum Meer. Hier schrieb er u.a. „der alte Mann und das Meer“, dafür bekam er den Nobelpreis. Hier im Haus ist alles so geblieben, wie Hemingway es verlassen hat. Es sieht so aus, als würde er gleich zurückkommen. Auf dem Tisch steht eine halbvolle Whiskeyflasche mit zwei Gläsern daneben. Man darf nur durch die offenen Fenster schauen, doch das ist vollkommen ausreichend, weil alles sehr offen gestaltet ist. Seine alte Schreibmaschine steht noch im Turmzimmer. Weil er aufgrund eines Rückenleidens oft Schmerzen hatte, schrieb er im Stehen und schwamm täglich ein paar Runden in seinem Pool. Er hatte viele Gäste dort, u.a. Frank Sinatra. Es hängen Miros und Picassos an den Wänden. Wir sehen auch viele seiner Trophäen vom Großwildjagen mit Mussolini. Eine nette Dame fängt an uns ein paar Dinge zu erklären und bringt uns schließlich bis zum Turm. Ich raffe es natürlich gar nicht und finde das sehr nett, Mike übernimmt dann mal eben das Trinkgeld. Sie hat wohl schon die Hand aufgehalten.

Danach gehen wir auf einen Markt, wo wir die einzigen Touristen sind.

Es ist alles unfassbar günstig, muss es aber auch sein. Da wir hier die Tropenregel besser einhalten wollen (was wir bisher oft nicht brauchten, immer auch Salat gegessen und uns mit Leitungswasser Zähne geputzt oder auch getrunken, in Argentinien, Chile oder auch Japan und Neuseeland ist das gar kein Problem) können wir leider nichts kaufen. Außerdem haben wir keine CUP. Weiter geht es also zum Platz der Revolution, der offiziell Plaza de la Revolucion Jose Marti (kubanischer Poet, Schriftsteller und Nationalheld, sowie Symbol für den Unabhängigkeitskampf des Landes) heisst. Mit 72000 QM ist er der größte innerstädtische Platz Kubas und hat Platz für mehr als 1 Mio Menschen. Der 109 Meter hohe Turm, das Jose-Marti-Denkmal, ist das höchste Bauwerk der Stadt. Rundherum befinden sich viele Ministerien und die Nationalbibliothek. Hinter dem Marti Denkmal befinden sich die streng bewachten Büroräume des ehemaligen Präsidenten Fidel Castro. Gegenüber auf dem Gebäude des Innenministeriums sehen wir ein großes Bildnis von Che Guevara und den Spruch: „Hasta la victoria siempre“ (immer bis zum Sieg) und daneben auf der Wand des Informationsministeriums sehen wir Camilo Cienfuegos (war neben den Castrobrüdern und Che einer der führenden Revolutionäre und Guerillaführer Kubas). Vieles davon kann uns Abel in einer Mischung aus spanisch, englisch und mit Händen und Füßen erklären. Immer mit Zeit zum Rumflitzen und Quatsch machen mit Bela. Er dachte immer Revolution wäre was Tolles, dass dabei viele Menschen umgekommen sind, entsetzt ihn und er beschließt ab jetzt das Wort revolutionär (im Sinne von exorbitant großartig) nicht mehr zu benutzen. Es ist ja für Erwachsene schon komplex und schwierig, da mag man das als Kind ja noch weniger verstehen. Wir sehen eine Gruppe, die hinter einem MSC Schild herdackelt, sie sehen ein bisschen gehetzt aus. Was sind wir froh, dass wir mit Abel alleine unterwegs sind und das Programm für uns zurechtbasteln können. Und das für erheblich weniger. Wir zahlen für 4 Stunden Privattaxi gerade mal 40 Euro (da ist dann auch schon Trinkgeld dabei). Das ist noch nicht mal das, was der Ausflug vom Schiff aus pro Person gekostet hätte. Leider hat die Zigarrenfabrik schon geschlossen, so dass meine Männer nicht in den Genuß kommen, zu sehen, wie Zigarren auf den Oberschenkeln von Jungfrauen gedreht werden…zahnlosen 78 Jährigen 😉

Wir sehen eine Krankenschwester und sind nicht mal mehr überrascht. Die Damen beim Zoll tragen kurze Röcke und Strapse…

Ob diese Krankenschwester für Herzkranke geeignet ist, konnten wir nicht herausfinden.

Wir verabschieden uns von Abel und werden in Deutschland seine Nummer verteilen. Raul sagt, er sei gar kein richtiger Kubaner. Er ist pünktlich und versucht einen nicht über den Tisch zu ziehen. Außerdem ist er seit 29 Jahren glücklich mit seiner Frau verheiratet und hat keine Freundin. Wir sind froh, ihn getroffen zu haben. Wir gehen auf einen Mojito in die Bar, wo einst Hemingway soff: die Bodeguita el Medio

Es ist natürlich rappelvoll, wir bekommen dennoch einen Platz an der Theke und können das hektische Treiben hinter dem Tresen beobachten. Die Mojitos sind zwar für kubanische Verhältnisse recht teuer, aber dafür auch recht gehaltvoll. So zwitschern wir weiter und haben leicht einen sitzen… Diese Ecke von Havanna kennen wir noch nicht und finden sie sehr schön. Wir finden einen Flohmarkt mit wirklich alten Raritäten und stöbern ein bisschen. Bela kauft eine alte Münze mit Fidel drauf und bekommt eine Briefmarke dazu geschenkt. 1961 wurden Briefmarken mit Fidel drauf gedruckt. Er wollte sich jedoch nicht zu Lebzeiten auf einer Briefmarke sehen und so wurden sie bis zu seinem Tod im November 2016 eingemottet. Mein Papa war gerade am 24.11.2016 in Kuba angekommen, als ein Tag später Fidel im Alter von 90 Jahren in Havanna starb. Es gab eine große Parade, in der der tote Führer 800 Kilometer aufgebahrt durch das Land bis nach Santiago de Cuba gekarrt wurde, zu seiner Ruhestätte. Die Straßen waren proppevoll mit seinen Anhängern, die ihm die letzte Ehre erweisen wollten. Mittendrin: mein Papa! Castro hatte bereits 2006 die Amtsgeschäfte wegen schwerer Krankheit an seinen Bruder Raul Castro abgegeben, äußerte sich aber bis zuletzt zur kubanischen Politik. 1959 war er mit seinen Rebellen in Havanna einmarschiert und hat den Diktator Batista vertrieben. Danach herrschte er 50 Jahre lang mit eiserner Hand, um seine Vorstellungen eines kommunistischen Landes durchzusetzen. Wohnraum, Bildung und kostenlose Gesundheitsversorgung für die gesamte Bevölkerung war sein Ziel. Er enteigenete Großgrundbesitzer und ausländische Firmen. Dissidenten wurden aus dem Land getrieben oder eingesperrt. Viele seiner Weggefährten und Unterstützer verließen ihn im Laufe der Zeit. Schnell machte er sich mit dieser Vorgehensweise die USA zum Feind, die Kuba daraufhin mit einem Handelsembargo belegte. Kuba wurde immer abhängiger von der Sowjetunion, die bis zum Zusammenbruch 1990 halfen. Der Zusammenbruch der Sowjetunion brachte Kuba in eine schwere Wirtschaftskrise, so dass aus der Not heraus begrenzte Marktwirtschaftliche Reformen zugelassen wurden. Kurz vor seinem 80. Geburtstag hatte er sich einer schweren Operation zu unterziehen, so dass er seine Ämter zunächst provisorisch (in 2008 dann endgültig) an seinen Bruder Raul abgab. Geändert hat sich gar nichts, nicht mal der Name. Wie das so ist, in diesen Ländern wird die Macht innerhalb der Familie weitergegeben, damit alles so bleibt! Nichtsdestotrotz interessiert mich seine Persönlichkeit, ebenso die Che Guevaras, so dass ich beim Recherchieren viele Dinge erfahren habe, die ich noch nicht wusste. Das alles hier zu schreiben, würde den Rahmen sprengen. Zigarren, langer Bart, grüne Militäruniform (die später gegen „echte Retro“- Trainingsanzüge getauscht wurden), lange Reden und Kritik an den USA, all dafür war er bekannt.

Als 2016 Barack Obama Kuba besuchte, um den Aussöhnungsprozess zu unterstützen, sparte Castro nicht mit Kritik: „Wir haben es nicht nötig, dass das Imperium uns was schenkt“…Nun…das ist ja mittlerweile auch Geschichte…Die Botschaft in Havanna ist wieder geschlossen, dafür gibt es jetzt eine in Jerusalem.

Leider komme ich nicht um eine kurze Che Geschichte herum, da müsst ihr jetzt durch: Ernesto Rafael Guevara, kurz Che Guevara oder noch kürzer Che, marxistischer Revolutionär, Autor und Arzt, wurde in Rosario in Argentinien, während einer Schiffsreise beim Zwischenhalt, geboren. Seit dem zweiten Lebensjahr hatte er Asthma, die Krankheit bestimmte seine Entwicklung und Persönlichkeit. Er las viel und sprach fließend französisch. Er studierte Medizin in Buenos Aires. Er reiste sehr gerne und umfangreich, worüber er Bücher schrieb. Irgendwann wurde er durch äußere und innere Umstände zum Revolutionär. Über Umwege durch Costa Rica, Guatemala und Mexiko (wo er Fidel Castro kennenlernte), wurde er Comandante der Rebellenarmee der kubanischen Revolution und wichtigste Symbolfigur neben Fidel Castro. Er verehrte Stalin und führte einen erbitterten Kampf gegen den Kapitalismus. Als Industrieminister und späterer Leiter der kubanischen Zentralbank strebte er eine vollständige Verstaatlichung der Wirtschaft an. Mit Fidel zusammen formte er eine totalitäre Diktatur. Er selbst lebte diese Ideale und verzichtete auf Vergünstigungen für sich und seine Familie. Er verlangte die Aufopferungsbereitschaft, die er an den Tag legte auch von anderen. Da es unter seiner Führung mit der kubanischen Wirtschaft rapide abwärts ging, verließ ein Zehntel, mehrheitlich die kubanische Oberschicht, Kuba in Richtung Florida. Das führte natürlich zu einem weiteren Rückgang der Wirtschaftsleistungen und Produktivität. Die Differenzen zwischen ihm und Fidel wurden immer größer. Che wollte eine noch radikalere Revolution. Pack schlägt sich und Pack verträgt sich in diese Falle nicht mehr…Che wurde in 1967 in Bolivien erschossen. Er ist umstritten, für die einen ein von seiner Ideologie getriebener Mörder und für die anderen ein Vorbild im Kampf für eine gerechtere Welt. In Kuba gilt er bis heute als Volksheld. Irgendwie übt er auch auf mich eine gewisse Faszination aus…

Wir bummeln weiter und genießen die Atmosphäre hier:

Eine Näherei:

Diese Apotheke hat uns besonders gut gefallen:

Eine laute Parade:

Das darf natürlich auf keinen Fall fehlen:

Und zurück zum Schiff:

Wir verlassen Havanna um 5:30 Uhr am Morgen, wir stellen den Wecker und beobachten von unserem Balkon aus das Verlassen des hübsch erleuchteten schlafenden Havannas.

Das Lotsenboot bringt uns sicher aus dem großen Hafen:

Auf dem Programm steht ein Seetag für morgen, da wir aber heute noch vor dem Aufstehen auslaufen, haben wir heute natürlich auch Seetag. Das nächste Ziel ist Jamaika, 646 Seemeilen vom Starthafen entfernt, das entspricht etwa 1200 Kilometern, bei einer Geschwindigkeit von maximal 39 Km/h sind wir eine Weile zum Seele baumeln lassen unterwegs;)

Wir lesen, chillen, spielen und gehen ins Gym. Ich mag Seetage, da muss man einfach runter kommen. Die verzweifelten Bemühungen der Animateuere, auch dem letzten Bewegungslegastheniker das Tanzen beizubringen, können wir ausblenden. Schmunzeln müssen wir dennoch, wer sich so alles an südamerikansichen Powackeltänzen versucht. Aber mit dem All inklusive Getränkepaket ist schon so manch einer über sich hinausgewachsen. Da habe ich in England ein treffendes Schild gefunden:

Wir schippern weiter gemütlich durch das karibische Meer und kommen gut runter. Wir haben sehr viele Eindrücke zu verarbeiten, dabei hilft der Anblick von Wasser – und ich meine ausschließlich Wasser – ungemein.

Bela findet einen Freund und wir lernen auch ein paar Leute kennen. Es ist recht interessant, wer hier warum mitfährt. Viele Deutsche sind an Bord. In einigen Bundesländern sind schon Osterferien. Das geht auf der Reise alles völlig an uns vorbei, keine Ahnung, wann welche Ferien sind. Ich bin froh, wenn ich keinen Geburtstag vergesse… Ich gehe mal zum Friseur und sehe mit Farbe auf dem Kopf eine Delfinschule vorbei springen. Bela erkundet die Shoppinglage und berichtet uns über Legoereignisse im Laden mit dem netten Verkäufer, der ihm sogar ein Päckchen geschenkt hat. Sport bei Seegang ist ein bisschen komisch, das weiß jeder, der schon mal versucht hat bei 3 Meter hohen Wellen auf dem Laufband zu laufen. Die Zeit vergeht auch hier ziemlich schnell und schwupps – legen wir in Montego Bay in Jamaika an. Vom Schiff und durch die Nachrichten bekommen wir Hinweise und Ratschläge über den Ausnahmezustand in Montego Bay aufgrund zahlreicher Schießereien und Morde unter Kriminellen, in die auch immer wieder Unbeteiligte geraten sind. Wir werden zu erhöhter Vorsicht aufgerufen und sollen Menschenansammlungen meiden und uns nur in Touristengegenden aufhalten. Diese werden besonders überwacht. Genau das richtige für mich! Ich hatte vorher schon mal ein wenig recherchiert, was sich lohnt gesehen zu werden und beschlossen spontan und flexibel zu bleiben, eigentlich ist es egal, weil wir an nur einem Tag nicht mal einen Überblick bekommen werden. Jamaika ist die drittgrößte Insel der großen Antillen und hat etwa 2,9 Mio Einwohner. Sie liegt 145 Kilometer von der Südküste Kubas entfernt und 160 Kilometer westlich von Hispaniola (die Insel, auf der Haiti und die Dominikanische Republik liegen), getrennt durch den Jamaica Channel. Die Hauptstadt ist Kingston, das Staatsoberhaupt ist keine geringere als Queen Elizabeth II., da Jamaika Mitglied des Commonwealth ist. Jamaika war sowohl spanische (1509-1655), als auch englische (1655-1962) Kolonie. Das Klima ist tropisch, es gibt über das Jahr hinweg kaum Temperaturunterschiede. Die Insel liegt im Hurricangebiet, zweimal im Jahr ziehen Stürme hier durch. Bezahlt wird in Jamaicadollar, wobei wir auch mit US Dollar keine Probleme haben. Die Informationen über die verschiedenen Religionen finde ich spannend. Es gibt natürlich alles, was wir so aus Europa kennen: katholisch 4%, anglikanisch 2,8%, Zeugen Jehovas 1,9% -die sind echt weltweit mit ihren Königreichsälen zu finden- und ein paar Juden) und dann gibt es die Rastafari. Bei uns eher bekannt als kiffende Zottelmonster. Wir haben herausgefunden, das ist auch so! Es gibt verschiendene Bewegungen, für die meisten steht das Individuum im Vordergrund, frei von Gesetzen und Vorschriften. Alkohol und Tabak ist tabu, kiffen erlaubt. Und das gerne gemeinsam und immer. Auf rituelle Weise und zum Nachdenken. Hanf zur Heilung der Völker. Dazu Dreadlocks. Das gefällt mir. So gehen wir neugierig, gespannt und aufmerksam von Bord. Stempel bekommen wir keine (gut für Belas Pass) und stehen mit 4 Schwaben ein wenig ratlos vor einer Informationstafel. Wir beschließen uns zusammen zu tun. Dann wird es für alle günstiger. Das wird es sowieso, wenn man etwas mit Schwaben macht 🙂 Wir entscheiden uns für die Dunnˋs River Falls in Ocho Rios und ein bisschen mehr. Die Schwaben schaffen es tatsächlich, das Taxi noch weiter runter zu handeln. Wir freuen uns und fahren los. Die Fahrt dauert etwa 1,5 Stunden. Der erste Eindruck, den wir von Jamaika haben, ist nicht so prall. Warten wir mal ab. Wir kommen an, der Parkplatz ist schon voll, der Eintritt kostet 20 Dollar pro Person, für Bela die Hälfte und wir stürzen uns ins Getümmel. Die Wasserfälle sind sehr schön, ich schaffe sogar ein Bild ohne Menschen zu schießen. Man kann in einer Tour die Fälle hochklettern. Das ist spannend. Unglaublich, wen die da alles mitschleppen. Flipflops sind verboten (man konnte am Eingang Wasserschuhe kaufen), aber Jeans sind erlaubt. Da kraxeln Menschen hoch, die in ihrem Leben noch nie Sport gemacht zu haben scheinen.

Wir erfrischen uns erstmal in einem der Badebecken

Ungefähr auf der Mitte diese Abschnittes, stürzt ein Mann, der mit seinem Kumpel alleine dort hoch möchte. Er fällt auf die Seite mit dem Kopf zuerst und ist für eine kurze Zeit ohne Bewusstsein. Sie klettern vorsichtig runter und setzen sich neben uns. Ich schaue mir die Verletzung an und glaube, er hat sich das Jochbein gebrochen. Zudem steht er ganz schön neben sich. Ab in die Klinik also….

Danach spazieren wir bergab in Richtung Strand, immer dicht an der Kletterroute im Wasserfall entlang. Die Strecke wir immer anspruchsvoller, wir sehen einige stürzen. Ich denke, hier werden eine Menge Fails gedreht. Teilweise erscheint es uns recht gefährlich, gerade, wenn man bedenkt, wer da alles mitmachen darf.

Wir kommen an den Strand und vergessen vor lauter Enttäuschung zu fotografieren. Es ist nix dolles, dabei hört man so viel Schönes von den Stränden hier. Das Wasser ist trüb und braun, der Strand auch. Es ist total voll, die Schlange am Wasserfallkletterstart ist sehr lang und in der Bucht liegen zahlreiche Amüsierkatamarane, wie wir sie aus Kuba kennen. Also wieder ab nach oben. Dort gibt es für Kinder einen kleinen Wasserpark mit Rutsche und Springbrunnen.

Auf dem Gelände finden wir noch den Tranquility Garden, der ist ganz schön. Wir schlendern ein bisschen und bekommen von einem der Gärtner eine Spinne gezeigt.

Da wir dort unsere Schwaben wiedertreffen, beschließen wir, vor der verabredeten Zeit zum Taxi zurück zum zu gehen und weiter zu fahren. Der Taxifahrer bringt uns an einen Freizeitpark, wo es Ziprides und Sommerrodelbahnen gibt. Da der Eintritt jedoch mit mindestens 75 Dollar pro Person nicht nur für schwäbisches Empfinden viel zu hoch ist, fahren wir weiter. Der Taxifahrer gibt nicht auf uns irgendwo teuer unterbringen zu wollen. Wir fahren auf den Berg zu einer Villa, diese sei das Ferienhaus eines Prominenten, wer das ist konnte er nicht sagen, man hätte einen wundervollen Ausblick und könne sich für 20 Dollar pro Person das Haus von innen angucken. Okay, weiter geht es also. Nächster Berg, nächster toller Ausblick. Golfclub. Hier sollen wir Kaffee trinken. Schon klar. So nebenbei erfahren wir von unseren schwäbischen Mitstreitern, dass wohlalle Ausflügevon Cozumel (Mexiko) auf das Festland gestrichen worden sind, weil man die Fähre nicht benutzen soll. Total topp! Keiner weiß warum, auch nicht das Internet, welches wir hier im teuren Golfclub schnell dafür noch nutzen. Es ist von erhöhter Anschlagsgefahr die Rede. Wir brauchen diese Fährverbindung jedoch, um von der Insel Cozumel nach Tulum zu kommen. Wir werden auf dem Schiff nochmal fragen. Verrückt machen bringt ja jetzt auch nichts. Weiter gehts also. Nächster Berg, nächster toller Ausblick. Wieder Villa, wieder 20 Dollar Eintritt. Unser Taxityp rafft es einfach nicht und gibt alles. Leider sind die tollen Ausblicke, die wir sehen alle durch hohe Bäume für Fotos unbrauchbar. Langsam wird er unentspannt. Wir wollen zurück zum Schiff. Zum Abschluß gibt es eine Stadtrundfahrt durch Montego Bay, mittenrein in den Ausnahmezustand!! Das wollten wir eigentlich vermeiden. Uns ist etwas mulmig. Die Menschen haben so einen merkwürdigen Gesichtausdruck und manche kommen bettelnd ans Auto. Niemand traut sich daraufhin Fotos zu machen. Es lohnt sich auch überhaupt nicht. Wir sehen ansich nur Dreck und Elend, mit ein paar hübsch renovierten Kirchen und Plätzen dazwischen. Vieles ein bisschen Kolonialenglisch. Zu guter Letzt fordert unser unverschämter Fahrer auch noch ein Trinkgeld, kommt damit aber nicht durch. Jemand fragt, ob er denkt, dass alle Europäer Gelddrucker im Keller stehen hätten. Wenn das Bob Marley wüsste…Wir sind froh, wieder auf dem Schiff zu sein. Haben noch ein bisschen Zeit bis zum Auslaufen, machen Sport, gehen schwimmen und genießen die Sonne.

Dann wird es langsam dämmrig, der Kapitän spielt „Time to say Goodbye“ und wir legen ab.

Mit Sicherheit tun wir dem Land unrecht, aber Jamaika brauchen wir nicht nochmal. Die „Just White“ Party am Abend schenken wir uns auch, wenn man auf eine 6 Monate dauernde Weltreise weiße Klamotten mitnimmt, kann man höchstens noch bei „Just Grey“mitmachen. Meine Informationsbeschaffung zum Thema Fähre in Mexiko ist auch nicht besonders erfolgreich. Ich erfahre lediglich, dass die USA verboten hat, diese Fähren zu benutzen. Da auch US Amerikaner an Bord sind, werden alle Fahrten gestrichen. Warum das so ist, konnte mir die etwas angepisste Dame aus der Ukraine auch nicht sagen.

Für den nächsten Tag steht Georgetown auf Grand Cayman auf dem Programm, das kennen wir auch nur von irgendwelchen Steuerflucht- und Briefkastenfirmengeschichten, bzw -filmen.

Im Hafen sehen wir eine alte Bekannte: Die Norwegian Jade, mit der wir unsere erste Kreuzfahrt im Mittelmeer gemacht und daraufhin beschlossen haben, amerikanische Kreuzfahrtgesellschaften künftig zu meiden… Heute werden wir „ausgebootet“:

Das dauert nicht viel länger, als über den Steg und ist mal was anderes. Grand Cayman ist die größte der Cayman Islands und britisches Überseegebiet. Es gibt schöne Strände und die Atmosphäre ist wesentlich entspannter als in Jamaika. Wir gehen erstmal Kaffee trinken, wollen mails und Nachrichten checken, da wir auf dem Schiff das Wlan nicht leisten können. Es muss doch noch irgendetwas genaueres über die verdammte Fähre herauszufinden sein… Im Cafe werden auch Zigarren hergestellt, allerdings werden sie hier nicht auf einem jungfräulichen Oberschenkel gerollt:

In 2004 wurden 80 Prozent der Gebäude auf Grand Cayman durch einen Hurricane zerstört, dabei zog der Sturm in circa 50 Kilometern Entfernung an der Küste vorbei. Bei Windgeschwindigkeiten bis zu 290 Km/h gab es auch mehrere Tdesopfer. Die Insel ist bekannt aus dem Film „die Firma“. Es gibt zwei verschiedene Leguan Arten, die nur hier vorkommen. Das sollte dann auch alles gewesen sein. Eventuell hätten wir auf einem MSC organisierten Ausflug etwas mehr erfahren, aber darauf haben wir keine Lust. Nach dem Kaffee suchen wir den Strand. Dabei werden wir von vielen hilfsbereiten Menschen angesprochen, die uns ihre Ausflüge aufs Auge drücken wollen. Klar, könnten wir einen Schnorcheltrip zu den Rochen machen, wir sind jedoch seit dem Delfinerlebnis in Kuba etwas zurückhaltend mit solchen Veranstaltungen und zudem auch total unternehmensmüde. Wir sind schon so lange unterwegs und haben so viel gesehen, dass wir einfach nur schlendern und abhängen möchten.

Einen ganz netten Strand finden wir am Anfang des 7 Mile Beach, aber mit unerem Stranderleben im Gepäck, ist er auch wirklich nur ganz nett.

Am Ende des Landausfluges bummeln wir noch ein wenig, kaufen ein Souvenir und gehen wieder vor Ablauf der Zeit zurück auf unser Schiff. Ich erfahre, dass es Anfang März auf einer der Fähren eine Explosion gegeben hat und lauter Spekulationen. Man hat eine Bombe gefunden. Bald sind Wahlen in dieser Gegend. Wir werden auch wieder nur zur Vorsicht aufgerufen. Setzen wir uns eben vorsichtig auf die Fähre, wenn diese dann mitten auf dem Wasser in die Luft fliegt – gute Idee. Ich googel schon mal nach Flügen. Das ist der einzige Moment auf der ganzen Reise, an dem mein Gatte und ich so unterschiedlicher Meinung sind, dass wir uns streiten. So heftig, bis Bela uns wieder auseinander zieht. Egal, denke ich, wenn ich einfach Flüge buche, müssen sie mit!

Dort haben wir das übliche Erholungsprogramm mit Sport, Schwimmen und heute gibt es ausnahmsweise mal Cocktails. Wir lümmeln uns auf den Liegen am Pool, weil die Sonne noch so schön scheint, als uns der Kapitän heute mit einem anderen Verabschiederitual überrascht. Er hupt. Alter Schwede, ein paar Leute fallen vor Schreck von den Liegen. Ich mache auch einen ordetnlichen Hüpfer. Bela und ich sind überzeugt, dass er auf der Brücke sitzt mit Blick auf das Deck, wartet, bis alle wieder auf den Liegen liegen und hupt erneut. Dreimal hintereinander. Das ist so laut. Erst, als alle denken, nun ist gut, hupt er wieder. Lustiger Vogel. Ich fand ja „Time so say goodbye“ schon schlimm…

Am Abend gibt es Flower Power 70er Party, wo wir diesmal mit unseren Goa Hosen teilnehmen könnten, wenn wir denn wollten. Wir treffen Lena und trinken mit ihr. Sie hat ein Getränkepaket 😉

Bela ist bis um 1 Uhr mit seinem neuen Kumpel unterwegs. Wir schlafen schon fast, als er zurück in die Kabine kommt. Morgen früh ist Checkout um 11 Uhr, das Gepäck muss bis um 8 Uhr vor der Tür stehen. Voll Pauschalurlaub. Danach werden wir uns selbst überlassen, raus geschickt ins gefährliche Mexiko und immer noch keine verlässliche Info über die Fähre. Sabotage soll es gewesen sein, es wurde auch keiner besonders schwer verletzt. Die Einreiseformalitäten werden übrigens auf dem Schiff erledigt, es gibt auch dieses mal keinen Stempel, weil die Tinte leer ist. Wir hätten also mit Belas Pass noch 5-9 andere Länder besuchen können.

Ich habe keinen Flug auf das Festland gebucht, das wäre Cancun gewesen, die völlig andere Richtung, es wäre wirklich zu umständlich und teuer geworden. Jetzt hilft also nur positiv denken. Wir laufen zur Fähre, kaufen Tickets und gehen an Bord. Die Kontrolle ist überraschend lax. Mit einem mulmigen Gefühl sitze ich da. Es gibt Livemusik auf dem Deck. Ist die Titanic nicht auch mit Musik untergegangen?

Natürlich geht alles gut. Nach 25 Minuten erreichen wir unbeschadet das mexikanische Festland.

2 Kommentare zu „Kreuzfahrt oder Fluch der Karibik ?“

  1. Sorry, eure Meinung über Jamaika können wir leider nicht teilen. Aber wahrscheinlich geht es vielen Kreuzfahrern so, die ihre Vorteile nicht an Bord und sich auf die Menschen einlassen können. JAMAIKA ist ein Schwellenland und davon, dass sie im Commonwealth sind, haben sie gar nichts. Das Land ist hoch verschuldet und die Gelder landen in den Taschen korrupter Beamter. Schade, dass ihr über Jamaika nicht so gut recherchiert habt, wie über Kuba! Die Lebenshaltungskosten sind recht hoch, gut bezahlte Arbeit rar, wen wunderts, dass jeder Geld verdienen will und muss?! Es hätte sich auch auf Jamaika gelohnt, vorab eine Tour mit einem lokalen Anbieter entsprechend eurer Vorlieben zu organisieren, dann hättet ihr mehr gesehen, als die üblichen Kreuzfahrttouristenspots. Die Bemerkungen über Dreadlocks und Rastafaris geben leider auch nur eure persönlichen Vorurteile wieder. ECHTE Rastafaris leben wohl nach Regeln, man kann sich darüber gern in unserem Beitrag „R wie Rastafari…“ informieren. Läuse fühlen sich, nebenbei bemerkt, in der Regel in glattem, gepflegtem Haar am wohlsten. Übrigens ist Jamaika immer in einem gewissen Ausnahmezustand, Gewalt ist an der Tagesordnung, richtet sich aber selten gegen Touristen. Jetzt hat die Regierung mal durchgegriffen und die Armee miteinbezogen, damit sie das konnte, musste ein offizieller „State of Emergency“ her. Wir bereisen Jamaika seit 2013, im Mietwagen um die Insel miit wechselnden, eher einfachen Unterkünften. Man sieht und erlebt die Insel ganz anders, wenn man sich Zeit nimmt! NIE waren wir in einer brennzligen Situation. Zwar wird man gern übers Ohr gehauen ( das machen Jamaikaner auch untereinander), aber wir wurden noch nie bestohlen oder tätlich angegriffen. Wir laden euch und andere interessierte Leser gern ein, sich auf unserem Blog über Jamaika zu informieren. Vielleicht erklärt sich dann ja das eine oder andere Erlebnis und mit Hintergrundwissen lässt sich so manche Meinung revidieren. 😉 Es grüssen euch Dörthe und Lars.

    Like

    1. Hallo ihr beiden, vielen Dank für euern ausführlichen Kommentar.
      Ich habe den Artikel ein wenig überarbeitet, die Basis bleibt jedoch stehen, weil es einfach der Erfahrung entspricht, die wir gemacht haben. Wir sind keine typischen Kreuzfahrer, das könnt ihr in den anderen Berichten lesen. Die Kreuzfahrt war lediglich der Abschluß einer 6 monatigen Reise durch die ganze Welt, in der wir keine Gelegenheit ausgelassen haben, uns auf verschiedene Länder und Leute einzulassen. Korruption und Armut gibt es in Süd- und Mittelamerika überall, in den anderen Ländern haben wir dennoch fast ausschließlich nette und herzliche Menschen kennengelernt. Das war leider in Jamaika nicht der Fall. Wir sind mit einem lokalen Anbieter unterwegs gewesen und haben den Ausflug nicht vorab auf dem Schiff gebucht. Der Fahrer hat auch ein bisschen erzählt, aber war generell eher daran interessiert, uns teuer unterzubringen. Das hätte er spätestens beim 2. Stopp abstellen sollen. Wenn er nicht so vehement Trinkgeld gefordert hätte, hätte er auf jeden Fall auch welches bekommen. Wir haben ja gesehen, wie es dort um die wirtschaftliche Lage bestellt ist.
      Ausdrücklich habe ich ja auch geschrieben, dass ich diesem Land sicher Unrecht tue, aber das waren -wie bereits erwähnt- unsere Erfahrungen.
      Ich freue mich schon auf das Lesen eures Blogs und dann sicher erfahren, was wir hätten erleben können, wenn wir nicht nur ein paar Stunden Zeit gehabt hätten.
      Nochmals vielen Dank
      Pedo

      Like

Hinterlasse eine Antwort zu touchinjamaica Antwort abbrechen